Das machen doch alle?

Sprüche 6, 12 – 19

12 Ein heilloser Mensch, ein nichtswürdiger Mann, wer einhergeht mit trügerischem Munde, 13 wer winkt mit den Augen, gibt Zeichen mit den Füßen, zeigt mit den Fingern, 14 trachtet nach Bösem und Verkehrtem in seinem Herzen und richtet allezeit Streit an. 15 Darum wird plötzlich sein Verderben über ihn kommen, und er wird schnell zerschmettert werden, und keine Hilfe ist da. 16 Diese sechs Dinge hasst der HERR, diese sieben sind ihm ein Gräuel: 17 stolze Augen, falsche Zunge, Hände, die unschuldiges Blut vergießen, 18 ein Herz, das arge Ränke schmiedet, eilige Füße, die zum Bösen laufen, 19 ein falscher Zeuge, der frech Lügen redet, und wer Streit zwischen Brüdern anrichtet.

Auch hier wieder ist an Sprichworten aus der eigenen Tradition kein Mangel: Lügen haben kurze Beine. Und: Unrecht Gut gedeiht nicht. Das hindert allerdings nicht, dass auf Fake News gesetzt wird. Hochoffiziell durch Regierungssprecher, nicht nur im Kreml. Unverhohlen in Propaganda-Feldzüge, nicht nur seiner Zeit in Great Britain. Das Seltsame ist: Solche Lügen haben oft, zu oft, kurzfristig Erfolg. Auch wenn auf die Länge der Zeit der öffentlich erkennbare Lügner das kostbarste Gut überhaupt verspielt: Das Vertrauen auf sein Wort. Angesichts der Erfolgsgeschichte, die mit verlogener Propaganda allzu oft einher geht, wirkt es fast ein wenig hilflos, wenn vom Hass des HERRN gegenüber falschen Zungen die Rede ist. Er lässt ja keine Steine vom Himmel fallen, die die Lügner zerschmettern. Das plötzliche Verderben lässt auf sich warten. Das ist die Anfechtung, die sich mit dieser Erfahrung verbindet. Die Lügen, die Halbwahrheiten bleiben denen, die auf sie setzen, nicht im Hals stecken. Und wenn man sich wünschen würde, dass sie daran ersticken, auch das geschieht nicht wie von selbst.

Es ist eine bleibende Anfechtung, dass die Geschichte der Welt zeigt, wie Lügen sich gelohnt haben, wie sie gezielt eingesetzt worden sind, auch und nicht zuletzt, um Menschen zu entwürdigen – die Lüge von der Überlegenheit der weißen Rasse, die Lüge vom „ewigen Juden“, von den jüdischen Strippenziehern hinter fast jedem Unheil, … Die Reihe lässt sich beliebig verlängern. Und immer bleibt das der Eindruck: Wahrheit ist im Kampf um Macht und Einfluss eher wie ein scheues Reh.

Weil es hierher passt – die drei Siebe des Sokrates
Eines Tages kam ein Mann zum weisen Sokrates gelaufen und sagte: „Hey Sokrates, ich muss dir etwas erzählen!“
„Einen Moment“, unterbrach ihn der Weise, „Hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?“
„Drei Siebe?“, frage der Mann voller Verwunderung.
„Ja, guter Freund! Lass uns sehen, ob das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe hindurchgeht: Das erste Sieb ist die Wahrheit. Hast du das, was du mir erzählen willst, geprüft? Bist du dir sicher, dass es wahr ist?“
„Nein, ich habe es erzählt bekommen…“
„Na gut. Aber sicher hast du es mit dem zweiten Sieb geprüft. Das zweite Sieb ist das der Güte. Wenn es nicht sicher wahr ist, was du mir erzählen möchtest, ist es wenigstens gut?“
Zögernd sagte der andere Mann: „Nein, ganz im Gegenteil…“
„Dann”, unterbrach ihn der Weise, „lass uns auch noch das dritte Sieb anwenden. Ist es wichtig und notwendig, es mir zu erzählen, was dich so aufregt?“
„Notwendig nun gerade nicht… und wichtig auch nicht.“
„Also mein Freund“, lächelte der weise Sokrates, „wenn das, was du mir erzählen willst, weder wahr noch gut noch notwendig oder wichtig ist, so lass es lieber sein und belaste dich und mich nicht damit.“

Die Weisheit ist international, nicht auf Griechenland beschränkt, auch nicht auf Israel. Sie hat, wo auch immer sie wächst, ihre Wurzeln in Gott.

Gib, dass ich rede stets, womit ich kann bestehen. Lass kein unnützes Wort aus meinem Mund gehen. Es ist ein schmaler Grat zwischen Geschwätzigkeit und Halbwahrheit, zwischen Gerücht-Weitergabe und Lüge. Es ist schnell daher geredet, was besser ungesagt bleiben würde. Du, Jesus, warnst vor den vielen Worten. Ja sei Ja und Nein sei nein. Was darüber geht, ist vom Übel. Hilf du, dass wir die eigenen Worte wägen und die worte anderer entschuldigen. Amen

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