An einen Freund

Brief an Philemon

1 Paulus, ein Gefangener Christi Jesu, und Timotheus, der Bruder, an Philemon, den Lieben, unsern Mitarbeiter, 2 und an Aphia, die Schwester, und Archippus, unsern Mitstreiter, und an die Gemeinde in deinem Hause: 3 Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!

4 Ich danke meinem Gott allezeit, wenn ich deiner gedenke in meinen Gebeten 5 – denn ich höre von der Liebe und dem Glauben, die du hast an den Herrn Jesus und gegenüber allen Heiligen -, 6 dass der Glaube, den wir miteinander haben, in dir kräftig werde in Erkenntnis all des Guten, das wir haben, in Christus. 7 Denn ich hatte große Freude und Trost durch deine Liebe, weil die Herzen der Heiligen erquickt sind durch dich, lieber Bruder.

Mit welcher Herzlichkeit spricht Paulus Philemon an. Es wird deutlich: Philemon ist ein guter Mensch, ein Bruder in Christus nach dem Herzen des Paulus. Andere habe etwas von seinem Glauben. Und er selbst ist auf einem guten Weg, der ihn in die Fülle Christi führt. Sein Glauben wächst – das heißt in der Sprache des Paulus: Er bringt das eigene Leben mehr und mehr zusammen mit dem Vertrauen auf den gekreuzigten und auferstanden Christus. Philemon ist eine Wohltat für die Gemeinde, die sich in seinem Haus sammelt, viel mehr als nur eine reicher, einflussreicher Mann. Es will etwas heißen, dass Paulus ihn, den ortsfesten, ansässigen Menschen doch seinen Mitarbeiter nennt. Und erst recht ist es voller Bedeutung, dass Paulus es benennt: Philemon hat ihm selbst gut getan, ihn ermutigt, getröstet, gestärkt. Das braucht der Apostel, der so viel unterwegs ist, das tut ihm als Erinnerung jetzt gut: Ich habe in Philemon einen brüderlichen Menschen an meiner Seite. Das alles schreibt Paulus, weil es ihm wichtig ist und weil es für die nachfolgende bitte wichtig ist. „An einen Freund“ weiterlesen

Sich selbst prüfen – vor dem Angesicht Gottes

2. Korinther 13, 1 – 13

1 Jetzt komme ich zum dritten Mal zu euch. »Durch zweier oder dreier Zeugen Mund soll jede Sache bestätigt werden.« (5.Mose 19,15) 2 Ich habe es vorausgesagt und sage es abermals voraus – wie bei meinem zweiten Besuch, so auch nun aus der Ferne – denen, die zuvor gesündigt haben, und den andern allen: Wenn ich noch einmal komme, dann will ich nicht schonen. 3 Ihr verlangt ja einen Beweis dafür, dass Christus in mir redet, der euch gegenüber nicht schwach ist, sondern ist mächtig unter euch. 4 Denn wenn er auch gekreuzigt worden ist in Schwachheit, so lebt er doch in der Kraft Gottes. Und wenn wir auch schwach sind in ihm, so werden wir uns doch mit ihm lebendig erweisen an euch in der Kraft Gottes.

Wie drohend klingt das in den Ohren der Korinther? Oder überwiegt doch die Freude: Paulus will auf jeden Fall wieder zu uns kommen? Was deutlich ist: der nächste Besuch wird Klärung bringen müssen. Das Verhältnis der Gemeinde zu Paulus ist auf dem Prüfstand. Und der Umgang de Gemeinde mit internen Problemen wird auch ein Thema sein. Womöglich auch die Abhängigkeit von anderen Aposteln und anderen Einflüssen. Die Linie ist aber bestimmt durch die Worte des Paulus: Christus als der Gekreuzigte wird im Zentrum aller Überlegungen stehen. Von ihm her muss sich Paulus befragen lassen, auf ihn hin auch die Gemeinde. Christus wirkt in allen – das ist das große Thema der kommenden Begegnungen.

5 Erforscht euch selbst, ob ihr im Glauben steht; prüft euch selbst! Oder erkennt ihr euch selbst nicht, dass Jesus Christus in euch ist? Wenn nicht, dann wärt ihr ja untüchtig. 6 Ich hoffe aber, ihr werdet erkennen, dass wir nicht untüchtig sind. 7 Wir bitten aber Gott, dass ihr nichts Böses tut; nicht damit wir als tüchtig angesehen werden, sondern damit ihr das Gute tut und wir wie die Untüchtigen seien. 8 Denn wir vermögen nichts wider die Wahrheit, sondern nur etwas für die Wahrheit. 9 Wir freuen uns ja, wenn wir schwach sind und ihr mächtig seid. Um dies beten wir auch, um eure Vollkommenheit. 10 Deshalb schreibe ich auch dies aus der Ferne, damit ich nicht, wenn ich anwesend bin, Strenge gebrauchen muss nach der Vollmacht, die mir der Herr gegeben hat, zu erbauen, nicht zu zerstören.

Alle Ermahnung will nur dies eine erreichen, dass sich die Korinther selbst prüfen, wie es um ihren Glauben steht, das sie alle Selbstsicherheit dran geben und sich der Frage nach der Wirklichkeit des eigenen Lebens schonungslos aussetzen. „Sich selbst prüfen – vor dem Angesicht Gottes“ weiterlesen

Demütig bleiben

2. Korinther 12, 19 – 21

19 Schon lange werdet ihr denken, dass wir uns vor euch verteidigen. Wir reden jedoch in Christus vor Gott! Aber das alles geschieht, meine Lieben, zu eurer Erbauung.

Das ist das Ziel: Erbauung. Es geht nicht darum, sich selbst ins rechte Licht zu rücken. Es geht nicht darum, sich zu verteidigen, auch nicht gegen ungerechte Vorwürfe. Es geht darum, dass die Gemeinde gestärkt wird, dass es Klarheit gibt, die zu einer klaren und guten Lebensführung hilft. Wenn die Boten Jesu sich selbst ins Zentrum rücken, wird alles verrückt. Wenn sie eine Lehre ins Zentrum rücken, wird alles steril. Es geht um die Einweisung in das Leben mit Christus. Wo das gelingt, da wird Gemeinde gebaut und werden Einzelne in ihrem Leben zurecht gebracht. „Demütig bleiben“ weiterlesen

Kränkungen

2. Korinther 12, 11 – 18

11 Ich bin ein Narr geworden! Dazu habt ihr mich gezwungen. Denn ich sollte von euch gelobt werden, da ich doch nicht weniger bin als die Überapostel, obwohl ich nichts bin. 12 Denn es sind ja die Zeichen eines Apostels unter euch geschehen in aller Geduld, mit Zeichen und mit Wundern und mit Taten.

Mit dem Vergleichen ist es fast immer eine missliche Sache. So auch hier. Paulus ist der Gemeinde-Gründer in Korinth, nicht die Leute, die jetzt als Super-Apostel“ auftreten. Daran erinnert er mit einer merkwürdigen Mischung aus Bescheidenheit – „ich bin nichts“ – und Selbstbewusstsein. Die Korinther werden wissen, was mit dem Hinweis auf Zeichen, Wunder und Taten gemeint ist. Ganz so unscheinbar war der Auftritt des Apostels in Korinth also doch nicht. „Kränkungen“ weiterlesen

Halte mich durch

2. Korinther 12, 1 – 10

1 Gerühmt muss werden; wenn es auch nichts nützt, so will ich doch kommen auf die Erscheinungen und Offenbarungen des Herrn. 2 Ich kenne einen Menschen in Christus; vor vierzehn Jahren – ist er im Leib gewesen? Ich weiß es nicht; oder ist er außer dem Leib gewesen? Ich weiß es auch nicht; Gott weiß es -, da wurde derselbe entrückt bis in den dritten Himmel. 3 Und ich kenne denselben Menschen – ob er im Leib oder außer dem Leib gewesen ist, weiß ich nicht; Gott weiß es -, 4 der wurde entrückt in das Paradies und hörte unaussprechliche Worte, die kein Mensch sagen kann. 5 Für denselben will ich mich rühmen; für mich selbst aber will ich mich nicht rühmen, außer meiner Schwachheit. 6 Und wenn ich mich rühmen wollte, wäre ich nicht töricht; denn ich würde die Wahrheit sagen.

Das gibt es wirklich: Erfahrungen, die abheben lassen. Das gibt es wirklich, nicht alltäglich, aber ab und zu, m Abstand von 14 Jahren oder mehr – den Augenblick, wo der Himmel offen steht. Das gibt es wirklich, dass sich auf einmal eine Tiefe, eine Herrlichkeit zeigt, für die die Worte fehlen, die aber gleichwohl tief i die eigene Seele fällt. Es gibt die kostbaren Momente – im Gottesdienst, im Konzert, vor einem Bild, im Gespräch, auf einem Berg, bei einer Fahrt mit dem Auto, an einem Krankenbett, in denen die Ewigkeit in das eigene kleine Leben hinein aufleuchtet, so dass alles klar und gut ist.

Wer das erlebt hat, der ist in seiner Seele heil und verwundet zugleich. Heil, weil es von Stund an unauslöschlich feststeht: Das kommt. Das, was ich da erfahren, geschmeckt habe, ist das große Ziel meines Lebens. Und verwundet, weil er ja noch hier ist, weil er ja noch aushalten muss mit alle dem, was diese großen Bilder in der eigenen Seele in Frage stellt. Davon weiß Paulus ja nun doch zu reden, wenn er schon von den großen, erhaben, kostbaren Momenten eher nur schweigen kann, weil sie so unsagbar schön waren.

Ich enthalte mich aber dessen, damit nicht jemand mich höher achte, als er an mir sieht oder von mir hört. 7 Und damit ich mich wegen der hohen Offenbarungen nicht überhebe, ist mir gegeben ein Pfahl ins Fleisch, nämlich des Satans Engel, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mich nicht überhebe. 8 Seinetwegen habe ich dreimal zum Herrn gefleht, dass er von mir weiche. 9 Und er hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, damit die Kraft Christi bei mir wohne. 10 Darum bin ich guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark.

Was das wohl war, der Pfahl m Fleisch, rätseln wir bis heute. Dabei gibt es doch so vieles, das schwer zu tragen ist, das Leben eng macht, schwer im Magen und auf der Seele liegt. Es gibt so vieles, das den eigenen Glauben an-ficht, nach Gott schreien lässt, das auch an hellen Tagen wie ein Grauschleier über dem eigenen Sehen auf das Leben liegen kann.

Das wird Paulus schwer zugesetzt haben, dass sein Körper ihm Grenzen setzt und er erlebt: Wenn der Körper versagt, dann verzagt auch oft genug die Seele. Wie soll ich mit diesem armseligen Leib bis nach Spanien, nach Finis Terre, bis ans Ende der Erde komme? Das war doch von Gott her sein Ziel!

Darum hat Paulus gerungen, gebettelt und gebetet: Aus dem Zwiespalt der eigenen Person herauszukommen: „Das Gute, das ich will tue ich nicht, aber das Böse, das ich nicht will, das tue ich.“ Warum gibt es die geistlichen Höhenflüge in den Himmel und die Bruchlandungen auf der Erde? Ich bin nicht so Herr meiner selbst, wie ich es gern wäre. Nicht in meinem Körper und nicht in meiner Seele. Paulus hat gewusst: Wenn ich schon meinem Körper nicht gebieten kann – diesen Zwiespalt in mir bewältige ich nicht aus meiner seelischen Kraft – deshalb hält er sich betend Christus hin.

Paulus hat nicht in einen stummen Himmel hinein gebetet. Er ist nicht ohne Antwort geblieben. Sondern: Der Herr hat geantwortet! Damit dürfen Christen, nicht nur Paulus, also auch rechnen: Wenn wir Gott unser Herz ausschütten, wird er antworten. Vielleicht nicht als Himmelstimme. Vielleicht auch nicht als Engelsbotschaft. Aber so, dass es weitergehen kann.

„Meine Gnade ist alles, was du brauchst.“ – „Meine Gnade genügt dir.“ – das ist der erste Satz. Und der zweite: Meine Kraft ist in Schwachen stark ( oder „mächtig“ ).

Sieh nicht auf dich und deine Unvollkommenheit. Sieh nicht auf die Wunden Deiner Vergangenheit. Sieh nicht auf dich und deine Defizite. Sieh auf Gottes Gnade – sie unterfängt alles, was dir zu schaffen macht und genauso, was dir gelingt.

So höre ich Jesus sagen: „Meine Gnade reicht bis dahin, wo du mit dir nicht zurechtkommst. Sie reicht bis dahin, wo du manchmal vor dir selbst weglaufen möchtest. Sie reicht in dein Verzagen und Versagen. Sie reicht auch für deinen kleinen und großen Siege. Meine Gnade reicht – weiter als dein kurzer Arm und weiter als deine hoch-fliegenden Gedanken.“

Also: nicht auf sich selbst schauen, nicht auf sich selbst vertrauen. < Das ist kein Satz gegen ein gesundes Selbstvertrauen!> Nicht selbst-verliebt und deshalb oft genug auch selbst-verzweifelt sein. Sondern den Blick immer wieder auf ihn, auf Jesus Christus lenken, an dem unsere Seele gesunden kann und der uns an seiner Stärke Anteil schenken will.

Christus will, dass sich Paulus versöhnt mit seinem Leib, mit seinem Gebrechen, mit seiner Unvollkommenheit. Im Kampf gegen mich kann ich nur verlieren – auch im Kampf gegen meine Unvollkommenheiten und Gebrechen. Aber in dem ich mich versöhne, indem ich es annehme: so bin ich und das ist der Weg Gottes mit mir – da wird der Weg nach vorne frei in eine neue, veränderte Zukunft.

Gott                                                                                                                       Das kenne ich tief in mir –                                                                                        in meinem Denken                                                                                                    meinem Fühlen                                                                                                          Träume von Höhenflügen                                                                                      vom Weg nach oben –                                                                                     unbelastet und leicht voll Weite und Glück                                                              lächelnd und erlöst

Aber ich bin unten                                                                                               zerbrechlich                                                                                                         trage schwer                                                                                                              kenne das Versagen                                                                                                  die Angst und das Verzagen

Gott                                                                                                                            was hat das Leben aus mir gemacht?

Gott                                                                                                                       was hast Du aus mir werden lassen?                                                                   Manchmal weiß ich nicht wie weiter                                                                           Gott                                                                                                                            Dirhalte ich mich hin                                                                                                   Kommin meine Angst                                                                                           meine Niederlagen                                                                                                   mein Verzagen                                                                                                           Halte aus mit mir                                                                                                        damit ich aushalten kann                                                                                           und Deine Stärkemich trägt – bis ans Ziel. Amen

Ehrenzeichen?

2. Korinther 11, 16 – 33

16 Ich sage abermals: Niemand halte mich für töricht; wenn aber doch, so nehmt mich an als einen Törichten, damit auch ich mich ein wenig rühme. 17 Was ich jetzt rede, das rede ich nicht dem Herrn gemäß, sondern wie in Torheit, weil wir so ins Rühmen gekommen sind. 18 Da viele sich rühmen nach dem Fleisch, will ich mich auch rühmen. 19 Denn ihr ertragt gerne die Narren, ihr, die ihr klug seid! 20 Ihr ertragt es, wenn euch jemand knechtet, wenn euch jemand ausnützt, wenn euch jemand gefangen nimmt, wenn euch jemand erniedrigt, wenn euch jemand ins Gesicht schlägt. 1 Zu meiner Schande muss ich sagen, dazu waren wir zu schwach!

Was jetzt kommen wird, ist uneigentliche Rede. Aufgezwungen, weil die Korinther nicht anders zu beeindrucken und beeinflussen sind. Es ist ein Reden, in dem so häufig „ich“ gesagt werden wird, wie es Paulus überhaupt nicht gefällt. Er ist doch nicht das Thema seiner Verkündigung,sondern Christus. Und es läuft etwas schief, wenn mehr vom Verkündiger und seiner Person gesprochen wird als von Christus und seiner Tat für uns.

Die Gemeinde in Korinth liebt den großen Auftritt. Sie liebt die wortgewaltigen, imponierenden Prediger. Sie liebt Prediger, die von unglaublichen Erfahrungen zu erzählen wissen: Von Himmelsreisen von Entrückungen und Verzückungen. Sie liebt Prediger, die von Dingen reden, die sie als Gemeinde noch nie gehört haben. Wenn es nur wortgewaltig ist, muss es nicht mehr verständlich und realitätsnah sein.

Es ist ein harter Vorwurf an die Korinther: Dass sie sich gerne denen unterwerfen, die sie beanspruchen, die sie fordern, die ihnen Lasten auferlegen. Aber – es ist eine Erfahrung, weit über Paulus hinaus: Wer von seiner Gemeinde viel fordert, wer sie zum Tun anstachelt, ihre hohe Aufgaben stellt, große Anstrengungen verlangt, der wird häufig gut ankommen. Er kommt ja dem entgegen, dass wir eher Täter sein möchten als Opfer, eher aktiv als passiv, eher selbst unseres Glückes Schmied als angewiesen auf das Geschenk. Das Evangelium der Gnade ist auch deshalb für manchen schwierig, weil es nicht Tatkraft verlangt, sondern Hingabe und die Bereitschaft zu empfangen – mit leeren Händen. Das ist bis heute ein schwierige Botschaft.

Wo einer kühn ist – ich rede in Torheit -, da bin ich auch kühn. 22 Sie sind Hebräer – ich auch! Sie sind Israeliten – ich auch! Sie sind Abrahams Kinder – ich auch! 23 Sie sind Diener Christi – ich rede töricht: ich bin’s weit mehr! Ich habe mehr gearbeitet, ich bin öfter gefangen gewesen, ich habe mehr Schläge erlitten, ich bin oft in Todesnöten gewesen. 24 Von den Juden habe ich fünfmal erhalten vierzig Geißelhiebe weniger einen; 25 ich bin dreimal mit Stöcken geschlagen, einmal gesteinigt worden; dreimal habe ich Schiffbruch erlitten, einen Tag und eine Nacht trieb ich auf dem tiefen Meer. 26 Ich bin oft gereist, ich bin in Gefahr gewesen durch Flüsse, in Gefahr unter Räubern, in Gefahr unter Juden, in Gefahr unter Heiden, in Gefahr in Städten, in Gefahr in Wüsten, in Gefahr auf dem Meer, in Gefahr unter falschen Brüdern; 27 in Mühe und Arbeit, in viel Wachen, in Hunger und Durst, in viel Fasten, in Frost und Blöße; 28 und außer all dem noch das, was täglich auf mich einstürmt, und die Sorge für alle Gemeinden. 29 Wer ist schwach, und ich werde nicht schwach? Wer wird zu Fall gebracht, und ich brenne nicht? 30 Wenn ich mich denn rühmen soll, will ich mich meiner Schwachheit rühmen. 31 Gott, der Vater des Herrn Jesus, der gelobt sei in Ewigkeit, weiß, dass ich nicht lüge. 32 In Damaskus bewachte der Statthalter des Königs Aretas die Stadt der Damaszener und wollte mich gefangen nehmen, 33 und ich wurde in einem Korb durch ein Fenster die Mauer hinuntergelassen und entrann seinen Händen.

Eine absurde Erfolgsliste. Das sind die Meriten, die sich einer einholt, wenn er für Christus unterwegs ist. Das sind die Auszeichnungen eines Apostels. Paulus hat sich nichts davon ausgesucht. Er hat es nicht darauf angelegt. Es ist ihm widerfahren. Aber in diesem Widerfahrnis war er ganz in der Nähe seines Herrn, der ausgeliefert wurde, geschlagen, verspottet und schließlich gekreuzigt.

Es ist eine seltsame Beglaubigung für Paulus, die er hier vorführt: Wer das alles in Kauf nimmt, der steht wirklich mit dem eigenen Leben für seine Botschaft ein. Oder muss man noch einen Schritt weiter gehen und sagen: Das ist ein Teil seiner Botschaft. „Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird’s erhalten. (Markus 8, 34-35). Was in den synoptischen Evangelien als Wort Jesu überliefert ist, das wird im Leben des Paulus Wirklichkeit. Wer zu Jesus gehört, der ist dem Sturm ausgesetzt. Darum sprechen diese Niederlagen und Bedrängnisse auch nicht gegen das Evangelium des Paulus, sondern sie bestätigen es geradezu.

Herr                                                                                                                  darauf kommen wir nicht so schnell                                                                         dass wir unsere Niederlagen                                                                                 Demütigungen                                                                                                            Pleiten                                                                                                                      unsere Schmerzen                                                                                                   als Ehrenzeichen sehen

Und doch hast Du es ja gesagt                                                                                  Wer mir nachfolgt wird meine Wege teilen –                                                             und die schließen das alles ein

In den Augen der Welt sind es Sackgassen des Lebens                                        weit entfernt von aller Lebensfreude

Herr                                                                                                                            öffne mir die Augen                                                                                                  dass ich Dich sehe                                                                                                    in den Tiefen und Untiefen meines Lebens                                                              Da hast Du mich geformt in Deiner Gnade. Amen

Ecken und Kanten

2. Korinther 11, 7 – 15

7 Oder habe ich gesündigt, als ich mich erniedrigt habe, damit ihr erhöht würdet? Denn ich habe euch das Evangelium Gottes ohne Entgelt verkündigt. 8 Andere Gemeinden habe ich beraubt und Geld von ihnen genommen, um euch dienen zu können. 9 Und als ich bei euch war und Mangel hatte, fiel ich niemandem zur Last. Denn meinem Mangel halfen die Brüder ab, die aus Mazedonien kamen. So bin ich euch in keiner Weise zur Last gefallen und will es auch weiterhin so halten. 10 So gewiss die Wahrheit Christi in mir ist, so soll mir dieser Ruhm im Gebiet von Achaja nicht verwehrt werden. 11 Warum das? Weil ich euch nicht lieb habe? Gott weiß es.

Es ist ein hohes Gut, niemand zu irgendetwas verpflichtet zu sein. Autokratie nennt man so etwas bezogen auf Staaten. Paulus hat immer darauf geachtet, dass er sich nicht den Vorwurf einhandelt: Du lebst vom Evangelium. Er lebt für das Evangelium und natürlich lebt er geistlich auch vom Evangelium. Aber was sein Auskommen angeht – da will er sich nur auf seiner Hände Arbeit stützen und auf den Spender-Kreis in Mazedonien. Aber keinesfalls in Korinth.

Ich verstehe das und frage mich gleichzeitig: empfinden Menschen das nicht möglicherweise auch als Zurückweisung? Da ist der Apostel, der davon spricht, dass wir alle vom Gnaden-Geschenk Gottes leben – aber er will sich auf keinen Fall beschenken lassen mit Fürsorge. Ist das nicht eine zwiespältige Botschaft, wo das achten auf die eigene Unabhängigkeit einen schiefen Ton erzeugt?

12 Was ich aber tue, das will ich auch weiterhin tun und denen den Anlass nehmen, die einen Anlass suchen, sich zu rühmen, sie seien wie wir. 13 Denn solche sind falsche Apostel, betrügerische Arbeiter und verstellen sich als Apostel Christi. 14 Und das ist auch kein Wunder; denn er selbst, der Satan, verstellt sich als Engel des Lichts. 15 Darum ist es nichts Großes, wenn sich auch seine Diener verstellen als Diener der Gerechtigkeit; deren Ende wird sein nach ihren Werken.

Was hier steht, lässt mich erschrecken. Die Härte, mit der Paulus über andere spricht – „falsche Apostel“ – klingt in meinen Ohren intolerant. Maßt Paulus sich hier nicht an, was ihm nicht zusteht, zu unterscheiden zwischen zwischen gutem Samen und Unkraut? Es sind doch Menschen, die für das Evangelium eintreten, die er als Diener Satans bezeichnet. Es sind doch Leute, denen die Gemeinde in Korinth Gehör und Vertrauen schenkt, die er so angreift und abstempelt.

Was Paulus angreift, ist unklar. Es wird wohl auch um die Lehre gehen, um theologische Sätze. Aber es geht eben auch darum, dass sie anders leben. Sie lassen sich versorgen – und hätten wohl gerne, dass Paulus ist wie sie. Sie wollen Diener der Gerechtigkeit sein und preisen dabei Freiheiten im Lebenswandel an, wo Paulus eher „eng“ denkt. Unterschiedliche Vorstellungen vom Leben aus dem Evangelium prallen aufeinander. Paulus sieht bei ihnen ein Aufweichen der Forderungen der Christus-Nachfolge, des Gehorsams aus dem Glauben. Was wir lehren, wirkt sich im Leben aus. Was wir leben, wirkt sich auf unser Lehren aus.

Das gilt auch für Paulus. Die Maßlosigkeit im Urteil fällt auf seine geistliche und theologische Sicht zurück. Wer im Urteilen über das Leben so keine Gnade kennt, steht der noch für das Evangelium von der Gnade. Und wer so radikal ist in seinen Urteilen, ist der womöglich auch theologisch allzu radikal? Wenn einer im menschlichen Miteinander so eklatante Schwäche hat – ist er dann in geistlichen Dingen noch ein guter Wegweiser?

Herr Jesus                                                                                                             ich sehe das immer mehr                                                                                        auch ein Paulus hat seine Ecken und Kanten                                                      seine Macken gehabt                                                                                         Auch ein Paulus hat manchmal geurteilt                                                                   wo er sich besserzurück genommen hätte

Und doch hast Du ihn erwählt                                                                              gebraucht                                                                                                            durch ihn Deine Gemeindevorwärts gebracht                                                   Seine Schwächen waren Dir nicht im Weg

Das lässt mich hoffen für uns                                                                                  für mich                                                                                                                    Du kannst uns                                                                                                    brauchen für Dein Werk                                                                                            auch mit unseren Schwächen. Amen

Einfältig durchhalten

2.Korinther 11, 1 – 6

1 Wollte Gott, ihr hieltet mir ein wenig Torheit zugut! Doch ihr haltet mir’s wohl zugut. 2 Denn ich eifere um euch mit göttlichem Eifer; denn ich habe euch verlobt mit einem einzigen Mann, damit ich Christus eine reine Jungfrau zuführte. 3 Ich fürchte aber, dass wie die Schlange Eva verführte mit ihrer List, so auch eure Gedanken abgewendet werden von der Einfalt und Lauterkeit gegenüber Christus.

Es geht nicht um Paulus, obwohl es doch dauernd auch um Paulus geht. Aber für Paulus ist klar: es geht m die Gemeinde, um ihren Weg in der Nachfolge Jesu, im Glauben an ihn. Das ist die Mitte., auf die die Gemeinde verpflichtet ist, gegründet, von der allein sie leben kann: Sie gehört zu Jesus Christus. In ihm hat sie ihr Leben, aus ihm ihre Kraft. Aber das ist kein Besitz, ein für Allemal. Das wird immer wieder angefragt und angefochten durch fremde Botschaft, die sich gut anfühlen. Aber sie sind gleisernisch, verführerisch und in Wahrheit Verführungen.

4 Denn wenn einer zu euch kommt und einen andern Jesus predigt, den wir nicht gepredigt haben, oder ihr einen andern Geist empfangt, den ihr nicht empfangen habt, oder ein anderes Evangelium, das ihr nicht angenommen habt, so ertragt ihr das recht gern! 5 Ich meine doch, ich sei nicht weniger als die Überapostel. 6 Und wenn ich schon ungeschickt bin in der Rede, so bin ich’s doch nicht in der Erkenntnis; sondern in jeder Weise und vor allen haben wir sie bei euch kundgetan.

Ist Paulus rechthaberisch, intolerant? Kennt er neben sich keine anderen Apostel? Ist er allein im Besitz des Evangeliums? So fragt es sich leicht über die Jahrhunderte hinweg. Aber es sind fragen, die sich aufdrängen. Offensichtlich ist im Denken des Paulus kein Platz für eine Variationsbreite in der Verkündigung des Evangeliums. So, wie ihr es angenommen habt, so soll es bleiben und muss es bleiben. Schlägt die alte Mentalität des ehemaligen Christenjägers hier in seiner Absolutheit wieder durch?

Die Korinther jedenfalls haben ein weites Herz. Sie nehmen andere Boten des Evangeliums auf und schenken ihnen nicht nur Gehör, sondern auch Vertrauen. Sie scheinen fast ein bisschen befreit von der immer gleiche Stimmen des Eiferers Paulus.

Wenn Paulus heute lebte und so schriebe und spräche, wie er es damals tat – er wäre ein Fall für die Sekten-Beauftragten der Landeskirchen. Dieser Absolutheitsanspruch ist einfach unerträglich. Nur: wenn Paulus nicht so absolut geschrieben hätte – wir würden ihn heute nicht mehr kennen und auch nicht mehr lesen. Heilige Einseitigkeit!

Herr Jesus                                                                                                               lass mich bei dem einfachen Wort bleiben                                                                   Lass es mich einfältig durchhalten                                                                                 Du hast mich lieb                                                                                                          Ich habe dich lieb

Lass mich dabei bleiben                                                                                         dass ich es wieder und wieder sage                                                                              Der Grund unseres Lebens ist Gnade                                                                             nichts als Gnade

Das sehe ich an Dir                                                                                                    an Deinem Kreuz                                                                                                       Das höre ich von Dir                                                                                                     wenn Du mich rufst:                                                                                                      Halte mich an Dich. Amen

Eigenlob? Stinkt?

2. Korinther 10, 12 – 18

12 Denn wir wagen nicht, uns unter die zu rechnen oder mit denen zu vergleichen, die sich selbst empfehlen; aber weil sie sich nur an sich selbst messen und mit sich selbst vergleichen, verstehen sie nichts.

Eigenlob stinkt. So habe ich es gelernt. Und es ist nur zu wahr: Mancher findet sich selbst großartig, weil er sich immer nur nach unten vergleicht. Mancher hat überhaupt keine Blick auf andere, sondern sieht nur immer sich selbst. In meinen Augen ist es ein Teil der Krankheit unserer Zeit: Die einen leben nur aus dem Vergleichen und verlieren sich selbst dabei aus den Augen – ob in Verzagen oder im Hochmut ist dabei gleich gültig. Andere aber sehen überhaupt nicht, dass sie nicht der Mittelpunkt der Welt und die Krone der Schöpfung sind, sondern ganz normaler Durchschnitt. Beides macht blind für die Wirklichkeit. „Eigenlob? Stinkt?“ weiterlesen

Es geht nicht ohne Konflikte

2. Korinther 10, 1 – 11

1 Ich selbst aber, Paulus, ermahne euch bei der Sanftmut und Güte Christi, der ich in eurer Gegenwart unterwürfig sein soll, aber mutig, wenn ich fern von euch bin. 2 Ich bitte aber, dass ihr mich nicht zwingt, wenn ich bei euch bin, mutig zu sein und die Kühnheit zu gebrauchen, mit der ich gegen einige vorzugehen gedenke, die unsern Wandel für fleischlich halten.

Paulus setzt sich mit Vorwürfen auseinander und entzieht sich ihnen nicht. Er nimmt sie auf, aber er beugt sich nicht unter sie. Sein Maß in der Auseinandersetzung gewinnt er an Christus – seiner Güte und seiner Sanftmut. Man kann nicht auf den Tisch hauen in der Nachfolge dessen, der von sich selbst sagt: „Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig.“ und der über seine Leute sagt: „Selig sind die Friedfertigen“. Es wäre gegen die innerste Überzeugung des Paulus, wenn er Macht als Argument einsetzen müsste.

3 Denn obwohl wir im Fleisch leben, kämpfen wir doch nicht auf fleischliche Weise. 4 Denn die Waffen unsres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig im Dienste Gottes, Festungen zu zerstören. 5 Wir zerstören damit Gedanken und alles Hohe, das sich erhebt gegen die Erkenntnis Gottes, und nehmen gefangen alles Denken in den Gehorsam gegen Christus. 6 So sind wir bereit, zu strafen allen Ungehorsam, sobald euer Gehorsam vollkommen geworden ist.

Auseinandersetzungen müssen sein. Der Kampf um die Wahrheit und Wahrhaftigkeit muss sein. Aber er darf nicht nach den Maßstäben geführt werden: Der Stärkere gewinnt. Es geht immer um die Frage nach dem Willen Gottes, um die Ausrichtung an seinem Wort, um den Gehorsam gegen Christus – und das heißt auch: um das Maß Christi in der Art des Umgangs miteinander. „Es geht nicht ohne Konflikte“ weiterlesen