Die Liebe ist ein seltsames Spiel

  1. Könige 11, 1 – 13

1 Aber der König Salomo liebte viele ausländische Frauen: die Tochter des Pharao und moabitische, ammonitische, edomitische, sidonische und hetitische – 2 aus solchen Völkern, von denen der HERR den Israeliten gesagt hatte: Geht nicht zu ihnen und lasst sie nicht zu euch kommen; sie werden gewiss eure Herzen ihren Göttern zuneigen. An diesen hing Salomo mit Liebe. 3 Und er hatte siebenhundert Hauptfrauen und dreihundert Nebenfrauen; und seine Frauen verleiteten sein Herz.

Wie ist dieses Aber zu lesen? Wird jetzt ein Gegensatz sichtbar gemacht? Eben die Schilderung des Glanzes und jetzt der Beginn des Elends? Im griechischen Text steht kein aber – nur ein und κα. Im Hebräischen nur ein winziger Buchstabe – ו. Mehr nicht. Ein Satzanfang. Es ist die deutsche Übersetzung, die schon weiß, worauf der folgende Text hinauslaufen wird. Glanz und Elend des Hauses Salomo.

Dem König, der so weise und gerecht ist, so an Gott hängt, wird mit einem dürren Satz der Verstoß gegen die Regeln Gottes angelastet. Seine zahlreichen Frauen kommen aus solchen Völkern, von denen der HERR den Israeliten gesagt hatte: Geht nicht zu ihnen und lasst sie nicht zu euch kommen. Es ist ein sehr eindringliches Verbot – im Blick auf die Völker, die sie im Land vorfinden werden: „Hetiter, Girgaschiter, Amoriter, Kanaaniter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter … Du sollst dich mit ihnen nicht verschwägern; eure Töchter sollt ihr nicht geben ihren Söhnen und ihre Töchter sollt ihr nicht nehmen für eure Söhne. (5. Mose 7, 2-3) Salomo setzt sich über diese Regeln hinweg, obwohl er in seiner von Gott geschenkten und erfüllten Weisheit doch wissen könnte, wie wankelmütig das Herz des Menschen ist, auch das eigene Herz eines Königs. Und deshalb die Gefahren meiden.

Er wird Opfer seines Ungehorsams. Das wird ein bisschen zugekleistert durch die Formulierung, in der die Frauen zu den eigentlich Schuldigen gemacht werden: seine Frauen verleiteten sein Herz. Es ist der bis heute gängige und übliche und üble Männertrick – wir sind die Opfer, die Frauen sind die Verführerinnen. In Wahrheit aber wird Salomo ein Opfer der eigenen Begierden. „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“ weiterlesen

Reich – na und?

1. Könige 10, 14 – 29

14 Und das Gewicht des Goldes, das für Salomo in einem Jahr einkam, war sechshundertsechsundsechzig Zentner, 15 außer dem, was von den Händlern und vom Gewinn der Kaufleute und von allen Königen Arabiens und von den Statthaltern kam. 16 Und der König Salomo ließ zweihundert große Schilde von getriebenem Gold machen – sechshundert Schekel Gold nahm er zu einem Schild – 17 und dreihundert kleine Schilde von getriebenem Gold, je drei Pfund Gold zu einem kleinen Schild. Und der König brachte sie in das Libanon-Waldhaus.

Es ist eine Unmenge an Gold, das Salomo einnimmt. In einem Jahr, nicht jährlich. Die Zahl 666 erklärt sich durch die Grundrechenart Zusammenzählen: 120 Zentner von Hiram, 420 Zentner aus Ofir, 120 Zentner von der Königin von Saba. Das ist der Hauptbrocken. Daneben gibt es noch die anderen Neben-Einkünfte durch Händler, vom Gewinn der Kaufleute, von allen Königen Arabiens und von den Statthaltern. Es sind viele, die zum Reichtum Salomos beitragen. Gewiss nicht alle freiwillig.

Wer viel hat, will es auch zeigen. So werden Schau-Schilde angefertigt aus Gold. Untauglich für das Militär, aber eindrucksvoll verwendbar für repräsentative Zwecke.

18 Und der König machte einen großen Thron von Elfenbein und überzog ihn mit dem edelsten Gold. 19 Und der Thron hatte sechs Stufen, und hinten am Thron war ein runder Kopf, und es waren Lehnen auf beiden Seiten am Sitz, und zwei Löwen standen an den Lehnen. 20 Und zwölf Löwen standen auf den sechs Stufen zu beiden Seiten. Dergleichen ist nie gemacht worden in allen Königreichen. 21 Alle Trinkgefäße des Königs Salomo waren aus Gold, und alle Gefäße im Libanon-Waldhaus waren auch aus lauterem Gold; denn das Silber achtete man zu den Zeiten Salomos für nichts.

Es geht weiter mit der Repräsentation. Ein Elfenbeinthron, Goldverziert, flankiert von Löwenstatuen. Wer sich dem König nähern wollte, muss durch dieses Löwenspalier. „Die Löwenfiguren auf den Thronstufen drücken die Kraft und Erhabenheit des Königs aus.“ (E. Würthwein, Die Bücher der Könige, ATD, 11,1, Göttingen 1977, S. 125) Einmalig ist dieser Thron – und nur aus alleredelstem Material. Selbst Silber ist nicht gut genug zur Verwendung für diesen Thron! Sicherlich kein Beitrag zur Erhöhung des Selbstbewusstsein der Leute vor dem Thron, wohl aber für den Thron-Inhaber. Der wird den normalen Sterblichen so doch ein wenig entrückt. „Reich – na und?“ weiterlesen

Königs-Test

1. Könige 10, 1 – 13

1 Und als die Königin von Saba die Kunde von Salomo vernahm, kam sie, um Salomo mit Rätselfragen zu prüfen.

Es hat sich herumgesprochen. Weit über die Grenzen Israels hinaus. „Das hebräische schema‛ wird sehr unterschiedlich übersetzt: Kunde, Ruf, Gerücht.“ (H. Schmid, Das erste Buch der Könige, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 2000, S. 293) Man redet über diesen König, man staunt über ihn. Bis nach Saba dringt sein Ruf. „Bei Saba denkt man gewöhnlich an das südarabische Reich, dieses Namens, das an einer alten und sehr wichtigen Handelsstraße, der sogenannten Weihrauchstraße, lag und das durch seine Handelsbeziehungen zu Ostafrika und Indien einerseits und dem Mittelmeerraum andererseits zu Reichtum und Berühmtheit gelangt war.“ (E. Würthwein, Die Bücher der Könige, ATD, 11,1, Göttingen 1977, S. 120) Ob es dort Königinnen gab, ist unsicher.

Es gibt allerdings auch Beduinenstämme im nordarabischen Bereich, von denen es im Buch Hiob heißt: „Es kam ein Bote zu Hiob und sprach: Die Rinder pflügten und die Eselinnen gingen neben ihnen auf der Weide, da fielen die aus Saba ein und nahmen sie weg und erschlugen die Knechte mit der Schärfe des Schwerts, und ich allein bin entronnen, dass ich dir’s ansagte.“ (Hiob 1, 14-15) Bei diesen Stämmen sind auch Königinnen bezeugt. Vielleicht sind die Informationen aus beiden Richtungen verknüpft worden – hier der sagenhafte Reichtum, dort die Königinnen. Wir wissen es nicht sicher.

2 Und sie kam nach Jerusalem mit sehr großem Gefolge, mit Kamelen, die Spezerei trugen und viel Gold und Edelsteine. Und als sie zum König Salomo kam, redete sie mit ihm alles, was sie sich vorgenommen hatte. 3 Und Salomo gab ihr Antwort auf alles, und es war dem König nichts verborgen, was er ihr nicht hätte sagen können.

Sicher ist nur, dass der Text von einer prächtigen Delegation mit reichlichen Gastgeschenken erzählt. Von einem sagenhaften Reichtum. Von einer Begegnung auf Augenhöhe. Die Königin testet Salomo mit allem, was sie sich vorgenommen hatte. Und er, der Mann auf dem Thron Davids bleibt ihr keine Antwort schuldig. Was da verhandelt worden ist an Rätselfragen, muss offen bleiben. Spruchweisheiten, juristische Fragen oder geht es doch mehr in Richtung „Scharfsinn, wie man ihn in Gesellschaftsspielen des Orients mit Rätseln zum Beweis der Ebenbürtigkeit gern erprobte.“ (E. Würthwein, aaO. S. 121)Wie auch immer: es ist ein Test und Salomo besteht ihn glänzend. „Königs-Test“ weiterlesen

Der weite Raum: Die Verheißung Gottes

1. Könige 9, 1 – 9

1 Und als Salomo das Haus des HERRN gebaut hatte und das Haus des Königs und alles, was er zu machen gewünscht hatte, 2 erschien ihm der HERR zum zweiten Mal, wie er ihm erschienen war in Gibeon.

Das Haus Gottes und das Haus des Königs sind fertig. Die Bauphase in der Regentschaft Salomos ist abgeschlossen. Auch alle anderen Hoffnungen Salomos sind erfüllt. Man muss sich Salomo als einen glücklichen Menschen denken. alles ist so, wie er es sich vorgenommen und erhofft hatte.

Da hinein, in diese Ruhe, Saturiertheit, eine zweite Erscheinung Gottes, in Jerusalem. – wie in Gibeon. Das könnte bedeuten: auch diesmal ist es wieder in Traum. Ausdrücklich gesagt wird das nicht. Aber wie auch immer, es geht um eine direkte Erfahrung, nicht um eine vermittelte. Auch wenn es „üblich war, dass bei kultischen Veranstaltungen Gottesworte durch Kultpersonen ergingen (E. Würthwein, Die Bücher der Könige, ATD, 11,1, Göttingen 1977, S. 105) – hier ist davon nicht die Rede. Nicht von einer Kultfeier, nicht von einem Propheten. Nur Salomo und der HERR. Keiner dazwischen.

3 Und der HERR sprach zu ihm: Ich habe dein Gebet und Flehen gehört, das du vor mich gebracht hast, und habe dies Haus geheiligt, das du gebaut hast, dass ich meinen Namen dort wohnen lasse ewiglich, und meine Augen und mein Herz sollen da sein allezeit.

Es ist nur noch Jahwe, der spricht. Sein Reden ist Antwort auf das vorausgegangene Weihegebet Salomos. Dieses Gebet ist angekommen. Und die Antwort zielt darauf, dass sein Bitten erfüllt werden wird, dass ich meinen Namen dort wohnen lasse ewiglich, und meine Augen und mein Herz sollen da sein allezeit. Gott will im Tempel zu finden sein – nicht irgendwie von weitem und widerwillig – sein Herz lēb(āb) und seine Augen sollen dasein. Zeichen der „Anteilnahme und des Wohlwollens Gottes, also seine innerste völlige Zuneigung.“ (H. W. Wolff, Anthropologie des AT, München 1974, S. 94) Mehr Nähe geht nicht. „Der weite Raum: Die Verheißung Gottes“ weiterlesen

Segen über allem Volk

1. Könige 8, 54 – 66

54 Und als Salomo dies Gebet und Flehen vor dem HERRN vollendet hatte, stand er auf von dem Altar des HERRN und hörte auf zu knien und die Hände zum Himmel auszubreiten 55 und trat hin und segnete die ganze Gemeinde Israel mit lauter Stimme und sprach:

Hier heißt es, dass Salomo aufsteht von dem Altar des HERRN. Nach dem Beten. Demnach hätte er zuvor gekniet. Der Anfangssatz vor dem Weihegebet weiß davon nichts. Da steht Salomo mit ausgebreiteten Armen. Es kann sein, es hängt damit zusammen, dass unterschiedliche Überlieferungen zusammengewachsen sind. Es kann auch sein: „Die Bemerkung ist mit Rücksicht auf den jüngeren Brauch, während des Gebetes zu knien, eingefügt worden.“(E. Würthwein, Die Bücher der Könige, ATD, 11,1, Göttingen 1977, S. 100)

Es ist durch die Wortstellung stark betont: Das Gebet ist vollendet. Damit auch die Weihe des Tempels. „Dasselbe Wort begegnet in 6,9. 14. 38; 7,14.40 von der Vollendung des Tempels bzw. 7,1 des Palastes, jeweils mit vollenden übersetzt.“ (H. Schmid, Das erste Buch der Könige, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 2000, S. 259) So also wird der Bau zum Abschluss gebracht durch das Gebet.

Was folgt ist ein Segnen des Volkes. Erst das Haus, dann das Volk. „Segen über allem Volk“ weiterlesen

Weit offen -Fremdenfreundlich!

1. Könige 8, 41 – 53

41 Auch wenn ein Fremder, der nicht von deinem Volk Israel ist, aus fernem Lande kommt um deines Namens willen – 42 denn sie werden hören von deinem großen Namen und von deiner mächtigen Hand und von deinem ausgereckten Arm –, wenn er kommt, um zu diesem Hause hin zu beten, 43 so wollest du hören im Himmel, an dem Ort, wo du wohnst, und alles tun, worum der Fremde dich anruft, auf dass alle Völker auf Erden deinen Namen erkennen, damit auch sie dich fürchten wie dein Volk Israel, und dass sie innewerden, dass dein Name über diesem Hause genannt ist, das ich gebaut habe.

Es ist ein Fall, der wie eine frühe Prophetie wirken könnte. Da kommt einer aus fremden Land. Von fern her. Ein Fremdernåkri. Kein Schutzbürger – ger, für den es im Gesetz Israels so reichlich Bestimmungen gibt. Angelockt durch das, was er von dem großen Namen gehört hat. Einer, der die Völkerwallfahrt, von der die Propheten zu reden wissen – Micha und Jesaja, aber nicht nur sie – individuell vorwegnimmt. „Es ist vorausgesetzt, dass ein Ausländer nur um Jahwes willen und um zu ihm zu beten in das Land kommt.“(E. Würthwein, Die Bücher der Könige, ATD, 11,1, Göttingen 1977 S. 99) Keine Geschäftsreise, kein touristisches Besuchsprogramm. Einer, der Gott sucht.

Für diesen Fremden tritt Salomo in seiner Fürbitte ein. Ihn soll der Gott, der seinen Namen im Tempel wohnen lässt, hören. Seine Bitten hören, seine Hoffnungen nicht ins Leere laufen lassen. Wenn Jahwe das tut, dann wird das ein Zeugnis sein für alle Völker auf Erden. Und die Völker werden daraus vertrauen lernen wir Israel.

Diese Worte sind Zeugnis einer Offenheit, die geradezu bestürzend ist. Die auch geeignet ist, das enge Bild von der angeblich partikularistischen Denkweise Israels von Grund auf zu korrigieren. Hier gibt es keine Zugangsbeschränkung. Kein Fragen danach, ob der Fremde denn auch den richtigen Glauben mitbringt. Wenn er im Tempel anbetet, dann ist er am richtigen Ort!

Es ist wohl kaum weit hergeholt – hier ist die wunderbare Erzählung vom Kämmerer aus dem Morgenland, von dem äthiopischen Mann, „der nach Jerusalem fährt, um dort anzubeten“(Apostelgeschichte 8,27), vorgeformt. „Weit offen -Fremdenfreundlich!“ weiterlesen

Ein Haus des Gebetes

1. Könige 8, 22 – 40

22 Und Salomo trat vor den Altar des HERRN angesichts der ganzen Gemeinde Israel und breitete seine Hände aus gen Himmel 23 und sprach:

Ist für die vorigen Worte kein Ort klar benannt, so ist es hier anders. Salomo trat vor den Altar des HERRN. Von diesem Altar ist bislang noch nicht die Rede gewesen. Er ist einfach da. „Das Ausbreiten der Hände zum Himmel ist von alters her ein Gebetsgestus.“(E. Würthwein, Die Bücher der Könige, ATD, 11,1, Göttingen 1977, S. 97) Es sind leere Hände, die vom Himmel her gefüllt werden sollen.

HERR, Gott Israels, es ist kein Gott weder droben im Himmel noch unten auf Erden dir gleich, der du hältst den Bund und die Barmherzigkeit deinen Knechten, die vor dir wandeln von ganzem Herzen; 24 der du gehalten hast deinem Knecht, meinem Vater David, was du ihm zugesagt hast. Mit deinem Mund hast du es geredet, und mit deiner Hand hast du es erfüllt, wie es offenbar ist an diesem Tage.

Unvergleichlich ist Gott. Nichts entspricht ihm, nichts kann ihm Konkurrenz machen. Das zeigt sich vor allem in seiner Treue zum Bund und der Barmherzigkeit, die er allen zuteilt werden lässt, die sich von ihm leiten lassen. „Er ist der Gott der Geschichte, der seinen Gläubigen die Treue bewahrt, sofern sie gehorsam sind.“(E. Würthwein, ebda.) Was wie ein Bedingungssatz klingen könnte, ist doch in Wahrheit ein Erfahrungssatz: Die Gott die Treue halten, haben auch Augen dafür, wie er seine Versprechen erfüllt. Es ist offenbar – sichtbar für die, die nicht nur sehen, was vor Augen ist – da ist der König, da ist der Tempel, sondern die darin eben die Erfüllungen dessen sehen was sein Mund geredet hat.

25 Nun, HERR, Gott Israels, halt deinem Knecht, meinem Vater David, was du ihm zugesagt hast: Es soll dir nicht fehlen an einem Mann, der vor mir steht, der da sitzt auf dem Thron Israels, wenn nur deine Söhne auf ihren Weg achthaben, dass sie vor mir wandeln, wie du vor mir gewandelt bist. 26 Nun, Gott Israels, lass dein Wort wahr werden, das du deinem Knecht, meinem Vater David, zugesagt hast.

Aus der erfahrenen Erfüllung erwächst die Bitte: Immer soll ein Nachkomme Davids auf dem Thron sitzen. Immer einer, der daran hängt, auf den eigenen Weg zu achten, damit er den Wegen Gottes entspricht. Man kann diese Worte gewiss so hören: Es geht um die Bestätigung der Dynastie. Man könnte aber auch hören: Es geht darum, dass, wer auch immer auf dem Thron sitzen wird, er einer sein möge, der sich von Gottes Willen leiten lässt. Dann zielen diese Worte nicht auf den dynastischen Fortbestand, sondern auf die bleibende Ausrichtung an Wort und Weisung Gottes. So zu denken entspricht einer Frömmigkeit, die den Weg des Gebotes als einen guten Weg Gottes versteht. „Ein Haus des Gebetes“ weiterlesen

Gnädiges Dunkel

1. Könige 8, 1 – 14

1 Da versammelte der König Salomo zu sich die Ältesten in Israel, alle Häupter der Stämme und Obersten der Sippen in Israel nach Jerusalem, um die Lade des Bundes des HERRN heraufzubringen aus der Stadt Davids, das ist Zion. 2 Und es versammelten sich beim König Salomo alle Männer Israels am Fest im Monat Etanim, das ist der siebente Monat.

Es ist Zeit. Endlich soll die Lade des Bundes des HERRN einen ihr entsprechenden Platz finden. Sie hat lange genug irgendwie in einem Zelt in der Stadt Davids, das ist Zion, herumgestanden. Es wird ein Transport quer durch die Stadt Jerusalem werden. Dazu wird die ganze Führungselite aus dem Land, die Ältesten in Israel, alle Häupter der Stämme und Obersten der Sippen, zusammengerufen. „Die ausführliche Nennung von drei Gruppen ist Hinweis auf die Bedeutung des Ereignissens.“ (H. Schmid, Das erste Buch der Könige, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 2000, S. 218) Sie repräsentieren das Gottesvolk.

Alles findet am Fest im Monat Etanim, das ist der siebente Monat statt. Diese Zeitangabe beißt sich ein wenig mit der Angabe über die Fertigstellung der Baumaßnahmen im Monat Bul, das ist der achte Monat. (6,38) Versucht man einen Ausgleich der beiden Angaben, so ist die Einweihung entweder vor der Fertigstellung zu denken, was schwer vorstellbar ist oder aber fast ein Jahr später. Dann hätte der Tempel ein Jahr lang „geruht“. Welches Fest hier mit der Einweihung verbunden ist, muss offenbleiben.

3 Und als alle Ältesten Israels kamen, hoben die Priester die Lade des HERRN auf 4 und brachten sie hinauf, dazu die Stiftshütte und alles Gerät des Heiligtums, das in der Stiftshütte war. Das taten die Priester und Leviten. 5 Und der König Salomo und die ganze Gemeinde Israel, die sich bei ihm versammelt hatte, ging mit ihm vor der Lade her und opferte Schafe und Rinder, so viel, dass man sie wegen ihrer Menge nicht zählen noch berechnen konnte.

Es ist eine große Prozession, die sich da in Gang setzt – vom Zion hin zum Tempelberg. Die Lade, die Stiftshütte. Alles wird zum Tempel gebracht. Priester und Leviten walten ihres Amtes. Sie sind ja die, die für die Lade verantwortlich sind. Darum sind sie hier auch zuerst genannt. Vorneweg allerdings zieht der König und die ganze Gemeinde Israel. „kål edat jiśrael ist Terminus und bezeichnet Volksgemeinde, Rechtsgemeinde, Kultgemeinde.“ (E. Würthwein, Die Bücher der Könige, ATD, 11,1, Göttingen 1977, S. 86) Im Vordergrund zielt sie hier auf das Gottesvolk, nicht auf die staatliche Gemeinschaft, nicht auf das Staatsvolk. Es ist der Tag Gottes, nicht der Tag der staatlichen Macht. „Gnädiges Dunkel“ weiterlesen

Bauen – für wen?

1. Könige 6, 1 – 14

1 Im vierhundertachtzigsten Jahr nach dem Auszug Israels aus Ägyptenland, im vierten Jahr der Herrschaft Salomos über Israel, im Monat Siw, das ist der zweite Monat, wurde das Haus dem HERRN gebaut.

Jetzt wird es sorgfältig, genau. Nach der Zählweise der Antike wird ein Ereignis durch die Zuordnung zu anderen Ereignissen bestimmt. Hier also der Tempelbau in der Zuordnung zum Auszug. Das sagt nicht nur etwas über den Abstand zum Auszug, über die lange die Zeit seitdem, immerhin vierhundertachtzig Jahre, es sagt vor allem etwas über die Bedeutung dieses Tempelbaus. „Der Tempelbau wird mit dem wichtigsten heilsgeschichtlichen Geschehen in Israels Geschichte verbunden.“ (H. Schmid, Das erste Buch der Könige, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 2000, S. 158) Es ist nach der langen Zeit mit ihrem Auf und Ab wie das Erreichen eines Zielpunktes.

2 Das Haus aber, das der König Salomo dem HERRN baute, war sechzig Ellen lang, zwanzig Ellen breit und dreißig Ellen hoch. 3 Und er baute eine Vorhalle vor der Tempelhalle des Hauses, zwanzig Ellen lang nach der Breite des Hauses und zehn Ellen breit vor dem Hause her. 4 Und er machte am Hause Fenster mit festen Stäben davor. 5 Und er baute einen Umgang an der Wand des Hauses ringsumher, sodass er um die Tempelhalle und um das Allerheiligste herging, und machte Seitengemächer ringsumher. 6 Der untere Gang war fünf Ellen weit und der mittlere sechs Ellen weit und der dritte sieben Ellen weit; denn er machte Absätze außen am Hause ringsumher, sodass die Balken nicht in die Wände des Hauses eingriffen.

Das Haus – băjitwird sorgfältig errichtet und die Errichtung wird sorgsam dokumentiert. Maßeinheit folgt auf Maßeinheit. Vorhalle, Tempelhalle, Wandelgang – alles wird sorgfältig festgehalten. Es geht um Ordnung, um Regelmäßigkeit, um Ästhetik. In diesen Maßen spiegelt sich die Weisheit des Bauherrn, von dem es heißt: er baute. In Wahrheit müsste man ja sagen: Er ließ bauen. Aber so ist es seitdem bei allen großen Bauten – sie werden dem Bauherren zugeschrieben, nicht den Arbeitern am Bau.

7 Und als das Haus gebaut wurde, waren die Steine bereits ganz zugerichtet, sodass weder Hammer noch Beil noch irgendein eisernes Werkzeug beim Bau des Hauses zu hören war. 8 Die Tür zum unteren Seitengemach war auf der rechten Seite des Hauses; über eine Wendeltreppe ging man hinauf auf den Mittelgang und vom Mittelgang auf den dritten. 9 So baute er das Haus und vollendete es. Und er deckte das Haus mit Balken und Tafelwerk von Zedern. 10 Und er baute Gänge um das ganze Haus herum, je fünf Ellen hoch, und verband sie mit dem Hause durch Balken von Zedernholz.

Ein Bau, der sorgfältig vorbereitet ist. Material, das bis zur Baureife vorbereitet ist. Hier ist nichts dem Zufall überlassen, nichts der Spontaneität irgendeines subalternen Amtmannes. Alles folgt dem Plan Salomos. „Bauen – für wen?“ weiterlesen

Bau-Planungen

1. Könige 5, 15 – 32

15 Und Hiram, der König von Tyrus, sandte seine Boten zu Salomo; denn er hatte gehört, dass sie ihn zum König gesalbt hatten an seines Vaters statt. Denn Hiram liebte David sein Leben lang.

Nach dem Überblick jetzt der Blick auf einen Einzelnen: Hiram, der König von Tyrus. Mit ihm hatte schon David einen guten Kontakt, als es ums Bauen ging. „Und Hiram, der König von Tyrus, sandte Boten zu David mit Zedernholz, dazu Zimmerleute und Steinmetzen, dass sie David ein Haus bauten.“ (2. Samuel 5, 11) Er sucht die Verbindung zu Salomo – wohl nicht nur aus Treue und Verehrung des Vaters David. „Gesandtschaften von Hof zu Hof entsprachen damaligem Brauch.“ (H. Schmid, Das erste Buch der Könige, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 2000, S. 144) Heutzutage sind es Botschafter, die den diplomatischen Kontakt halten.

16 Und Salomo sandte zu Hiram und ließ ihm sagen: 17 Du weißt, dass mein Vater David nicht ein Haus bauen konnte dem Namen des HERRN, seines Gottes, um des Krieges willen, der um ihn her war, bis der HERR seine Feinde unter seine Füße gab. 18 Nun aber hat mir der HERR, mein Gott, Ruhe gegeben ringsum, sodass kein Widersacher noch ein böses Hindernis mehr da ist. 19 Siehe, so gedenke ich, dem Namen des HERRN, meines Gottes, ein Haus zu bauen, wie der HERR zu meinem Vater David gesagt hat: Dein Sohn, den ich an deiner statt auf deinen Thron setzen werde, der soll meinem Namen das Haus bauen. 20 So befiehl nun, dass man mir Zedern vom Libanon fällt, und meine Knechte sollen mit deinen Knechten sein. Und den Lohn deiner Knechte will ich dir geben, alles, wie du es sagst. Denn du weißt, dass bei uns niemand ist, der Holz zu hauen versteht wie die Sidonier.

Die Botschaft des Hiram nimmt Salomo dankbar an, weil die Verbindung seinen Plänen entgegenkommt. Er „möchte die guten Beziehungen fortsetzen und für den vor ihm liegenden Tempelbau fruchtbar machen.“ (H. Schmid, aaO. S. 145) Er will nachholen, was David nicht vergönnt war: dem Namen des HERRN, meines Gottes, ein Haus zu bauen. Der Kriegskönig David durfte es nicht. Nicht nur, weil die Ruhe fehlte. Es war der Wille Gottes, der es nicht zuließ. Auf den gleichen Willen Gottes beruft sich Salomo mit seiner Absicht, weil er jetzt tun will, was David nicht durfte/konnte.

Salomo geht davon aus: Er darf und kann und ordert deshalb nun wecāttah – schon einmal Zedern vom Libanon und Knechte für die Arbeit. Es braucht gutes Material und Fachleute. „Salomo will die phönikischen Arbeiter nach dem von Hiram festgesetzten Lohn bezahlen. Die Hauptarbeit werden sie zu tragen haben, weil sich niemand so auf das Bäumefällen versteht wie die Sidonier.“ (E. Würthwein, Die Bücher der Könige, ATD, 11,1, Göttingen 1977, S. 54) „Bau-Planungen“ weiterlesen