Skepsis hindert das Hören

Lukas 4, 14 – 30

 14 Und Jesus kam in der Kraft des Geistes wieder nach Galiläa und die Kunde von ihm erscholl durch alle umliegenden Orte. 15 Und er lehrte in ihren Synagogen und wurde von jedermann gepriesen.

Merkwürdig: Es ist noch gar nichts passiert, aber es wird schon erzählt. Was wird denn erzählt? Seine Versuchung – keiner war dabei? Seine Geburt – längst Vergangenheit. Der Auftritt im Tempel – eine Episode. Jesus wandert durch das Land und lehrt und predigt – Worte voll Weisheit, Worte voll Anmut, überraschend neue Worte für die alte Sehnsucht nach Gott. Was inhaltlich verschwiegen wird, wird doch qualifiziert: In der Kraft des Geistes. Die geistlose Zeit ist mit seinem Auftreten vorbei.

16 Und er kam nach Nazareth, wo er aufgewachsen war, und ging nach seiner Gewohnheit am Sabbat in die Synagoge und stand auf und wollte lesen.

Manchmal regen Übersetzungen zu Gedanken an. τεθραμμένος steht im griechischen Text – wechselweise wiedergegeben mit der Deutung `Heimatstadt‘, `aufgewachsen‘ und `erzogen‘. Der alte Luther-Text hat noch selbstverständlich „erzogen“ – das war kein Sakrileg, sich vorzustellen, dass der Sohn Gottes erzogen worden ist. Er war ja auch – laut Lukas – seinen Eltern untertan. Andere, vor allem neuere Übersetzungen weichen da gerne aus. Diese Erziehung hat Spuren hinterlassen und Gewohnheiten eingeprägt. So auch die Gewohnheit, am Sabbat in die Synagoge zu gehen. Wo soll einer auch sonst hingehen, der schon als Zwölfjähriger seine Eltern fragt: Wisst ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist? Jetzt ist er da, wo er sein muss, da, wo es um das Wort des Vaters geht. „Skepsis hindert das Hören“ weiterlesen

Woher empfange ich?

Lukas 4, 1 – 13

 1 Jesus aber, voll Heiligen Geistes, kam zurück vom Jordan und wurde vom Geist in die Wüste geführt 2 und vierzig Tage lang von dem Teufel versucht.

 Manchmal geben Übersetzungen Impulse zum Nachdenken: „Darauf führte ihn der Heilige Geist 40 Tage in der Wüste umher, und dabei wurde Jesus vom Teufel in die Wüste geführt.“ (EÜ). Also: Der Geist führt Jesus in die Wüste und der Teufel führt Jesus in Versuchung. Die eine Führung schließt die andere nicht aus! Im Griechischen ist das so nicht sichtbar. Da ist nur der Geist der Führende. Aber dadurch wird deutlich: Die Frage: Wer führt mich? ist nicht ein für allemal entschieden, sondern sie stellt sich in jeder aktuellen Situation neu. Jesus muss sie genauso beantworten wie wir heutzutage.

Dieses doppelte „führte“ erinnert daran: Die einmal getroffene große Entscheidung will durch viele kleine Einzelentscheide verifiziert und gelebt werden. Die Geschichte von der Versuchung Jesu steht in der unmittelbaren Nähe der Erzählung von seiner Taufe. Der das „Du bist mein geliebter Sohn“ gehört hat, der soll und muss dieses Sohn-Sein in den Versuchungen bewahren und bewähren.

Und er aß nichts in diesen Tagen, und als sie ein Ende hatten, hungerte ihn. 3 Der Teufel aber sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so sprich zu diesem Stein, dass er Brot werde. 4 Und Jesus antwortete ihm: Es steht geschrieben (5.Mose 8,3): »Der Mensch lebt nicht allein vom Brot.«

Sich leer machen ist seit altersher ein Weg der Gottesbereitung. Wenn Jesus fastet, so zeigt er darin sein Mensch-Sein. Auch er muss der Erfahrung Gottes in der eigenen Seele den Weg bereiten. Er ist auf das Empfangen angewiesen und kann es nur, wenn er leer ist. Voll Hände können nichts empfangen. Er will diese Leere und er will sie nicht füllen mit Eigenem, mit dem Brot der Zeit. 

Merkwürdig, dass bei Lukas fehlt, was Matthäus „fromm“ mit zitiert: „sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.“ Wobei Matthäus auch schon nicht ganz wörtlich zitiert hatte, heißt es doch in 5. Mose 8,3: „Er demütigte dich und ließ dich hungern und speiste dich mit Manna, das du und deine Väter nie gekannt hatten, auf dass er dir kundtäte, dass der Mensch nicht lebt vom Brot allein, sondern von allem, was aus dem Mund des HERRN geht.“ Jesus will nur das Leben aus Gott. Nichts sonst. „Woher empfange ich?“ weiterlesen

Generationenkette

Lukas 3, 21 – 38

 21 Und es begab sich, als alles Volk sich taufen ließ und Jesus auch getauft worden war und betete, da tat sich der Himmel auf,22 und der Heilige Geist fuhr hernieder auf ihn in leiblicher Gestalt wie eine Taube, und eine Stimme kam aus dem Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.

 Fast beiläufig steht das hier und doch ist es alles andere als beiläufig. Es ist eine seltsame Reihenfolge, in der Lukas erzählt – erst die Verhaftung des Täufers und dann die Taufe Jesu. Damit wird der Blick ganz auf Jesus gerichtet: Um ihn geht es. Dass die Taufe so unbetont erscheint, hängt auch mit der lukanischen Vorgeschichte zusammen. Es gibt über das, was da erzählt worden ist, keine neue „Lage. Was hier in der Taufe geschieht, ist „nur“ die Bestätigung dessen, was Lukas als Ankündigung und Geburtsgeschichte erzählt hat. Jesus ist aus Gott. Jesus ist der eine, der aus dem Wohlgefallen Gottes ist. Er ist der, an dem sich das Lied der Engel jetzt schon auf Erden bestätigt: Jesus ist ein Mensch, der Mensch nach Gottes Wohlgefallen. Dieses Wohlgefallen liegt auf ihm, ruht auf ihm und er geht seinen Weg von nun an geborgen in diese Zusage der Himmelsstimme. „Generationenkette“ weiterlesen

Klarheit

Lukas 3, 15 – 20

 15 Als aber das Volk voll Erwartung war und alle dachten in ihren Herzen von Johannes, ob er vielleicht der Christus wäre, 16 antwortete Johannes und sprach zu allen: Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber einer, der ist stärker als ich, und ich bin nicht wert, dass ich ihm die Riemen seiner Schuhe löse; der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. 17 In seiner Hand ist die Worfschaufel, und er wird seine Tenne fegen und wird den Weizen in seine Scheune sammeln, die Spreu aber wird er mit unauslöschlichem Feuer verbrennen.

 Wie groß die Wirkung des Johannes ist, zeigt sich an den Gedanken über ihn. Das Volk wird voller Erwartung. Es bleibt nicht auf seine Vergangenheit, auf die Buße fixiert, es nimmt eine neue Zukunft in Blick. Und Johannes soll sie bringen. Vielleicht ist er ja der Christus, der Erwartete? Als könnte Johannes in den Herzen lesen, antwortet er: Ich bin es nicht. Ich bin der Vorbereiter, der Vorläufer. Mehr nicht.

 Das wird ja schon deutlich an der Art der Taufen. Die Johannes-Taufe verdankt sich der Tradition. Sie ist Reinigungsbad. Aber die Taufe dessen, der kommen wird, ist eine Taufe zum Gericht – Durchgang durch den Tod, durch das Feuer. Er ist der Stärkere – hier klingt das uralte Gottes-Prädikat des „Starken Israels“ an. Gott selbst wird kommen – und es ist ja wahr: Vor ihm ist auch Johannes nicht würdig. Vor ihm ist niemand würdig „Weh mir, ich vergehe, denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk mit unreinen Lippen.“ (Jesaja 6, 5) Nicht einmal für den geringsten Dienst wird es reichen.

 Das zweite Bild kommt aus der Tradition Israels und zugleich aus der Alltagswelt der Hörer des Johannes und der Leser des Lukas: Erntezeit ist Zeit des Sichtens der Frucht. Die Ernte steht für das Gericht Da wird die Spreu vom Weizen getrennt. Das, woraus etwas geworden ist, wird bewahrt, das andere wird verworfen. „Klarheit“ weiterlesen

Umkehr muss spürbar werden

Lukas 3, 7 – 14

 7 Da sprach Johannes zu der Menge, die hinausging, um sich von ihm taufen zu lassen: Ihr Schlangenbrut, wer hat denn euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet? 8 Seht zu, bringt rechtschaffene Früchte der Buße; und nehmt euch nicht vor zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. 9 Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.

 Johannes am Jordan hat Massenzuspruch. Das Volk ist da, es ist etwas los. Die Erwartungen sind hoch. Und die Bereitwilligkeit ist groß, sich taufen zu lassen – was immer das auch bedeuten mag.

 Johannes aber macht, was für jeden Prediger eine „Todsünde“ ist: er beschimpft seine Zuhörer. Es ist nicht schwer sich vorzustellen, wie die Leute zusammengezuckt sind, als sie das hören: Ihr Otterngezücht, ihr Schlangenbrut! Dahinter steckt ein ungeheurer Vorwurf: ihr seid von der Art der Schlange, von der Art des Bösen. Und euer Ende ist klar: es geht dem Gericht Gottes entgegen. Johannes ist der Prediger der letzten Stunde – danach kommt das Gericht.

 Johannes, so will, soll(?) es scheinen, hat einen Verdacht: Die Bereitschaft zur Taufe könnte oberflächlich sein, ohne Tiefgang, so wie Israels Umkehr oft genug ohne Tiefgang war. „ »Kommt, wir wollen wieder zum HERRN; denn er hat uns zerrissen, er wird uns auch heilen, er hat uns geschlagen, er wird uns auch verbinden. Er macht uns lebendig nach zwei Tagen, er wird uns am dritten Tage aufrichten, dass wir vor ihm leben werden. Lasst uns darauf Acht haben und danach trachten, den HERRN zu erkennen; denn er wird hervorbrechen wie die schöne Morgenröte und wird zu uns kommen wie ein Regen, wie ein Spätregen, der das Land feuchtet.« Was soll ich dir tun, Ephraim? Was soll ich dir tun, Juda? Denn eure Liebe ist wie eine Wolke am Morgen und wie der Tau, der frühmorgens vergeht.“ (Hosea 6, 1 – 4) Umkehr ohne soziale Folgen, ohne wirkliche Abkehr von den Götzen. Wie der frühe Morgentau in der aufgehenden Sonne verdunstet. Es ist nicht damit getan, sich rasch einmal taufen zu lassen. Es ist auch nicht damit getan, korrekte Überzeugung über Gott zu haben. „Umkehr muss spürbar werden“ weiterlesen

Das Heil Gottes – der Heiland

Lukas 3, 1 – 6

 1 Im fünfzehnten Jahr der Herrschaft des Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Statthalter in Judäa war und Herodes Landesfürst von Galiläa und sein Bruder Philippus Landesfürst von Ituräa und der Landschaft Trachonitis und Lysanias Landesfürst von Abilene, 2 als Hannas und Kaiphas Hohepriester waren, da geschah das Wort Gottes zu Johannes, dem Sohn des Zacharias, in der Wüste.

 Es fängt schrecklich umständlich an. Es wird aufgezählt, wer König und Herrscher ist, Provinzgouverneur und Priester. Man kann mit solcher Aufzählung in einer Kultur ohne durchgehenden Kalender die Zeit bestimmen, weil es ja um eine bestimmte Zeit geht. Heute würde man das Datum des Kalenders dafür nehmen. So aber, in dieser umständlichen Aufzählung bekommt man gleich auch Zeitkolorit mit – es werden ja die Machthaber genannt, die Großen, die ein wenig weniger Großen und die geistlichen Führer. Sie bestimmen die Zeit – so hat man das damals gesehen.

 Aber in dieser Zeit geschieht was in Wahrheit die Zeit bestimmt: „da geschah der Befehl Gottes an Johannes.“ Und es geschieht nicht in einer der bedeutenden Städte, sondern in der Wüste. Gott greift in einer bestimmten Zeit in das Leben eines bestimmten Menschen hinein. Gott findet seine Leute da, wo sie keiner sucht – Abraham in Ur, Mose in der Wüste, David bei den Herden des Vaters. Und eben Johannes in der Wüste. Dieser Mensch Johannes ist nicht gefragt worden, ob er das gut findet. Er ist nicht freundlich eingeladen worden, sich doch vielleicht ein wenig für Gott zu engagieren. Gottes Befehl geschah. Darin gleicht er den Propheten des alten Bundes, die auch alle nicht gefragt wurden, ob es ihnen denn recht sei, Gott zur Verfügung zu stehen.

 Es liegt etwas von Unausweichlichkeit in diesen Worten. Johannes hat keine Wahl – er muss sich diesem Befehl Gottes stellen. Das aber ist der Anfang aller Umkehr – dass ein Mensch den Befehl Gottes hört und sich ihm stellt. „Das Heil Gottes – der Heiland“ weiterlesen

Im Vaterhaus

Lukas 2, 41 – 52

 41 Und seine Eltern gingen alle Jahre nach Jerusalem zum Passafest. 42 Und als er zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf nach dem Brauch des Festes. 43 Und als die Tage vorüber waren und sie wieder nach Hause gingen, blieb der Knabe Jesus in Jerusalem und seine Eltern wussten’s nicht. 44 Sie meinten aber, er wäre unter den Gefährten, und kamen eine Tagereise weit und suchten ihn unter den Verwandten und Bekannten. 45 Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wieder nach Jerusalem und suchten ihn.

 Kinder gehen verloren. Das gibt es nicht nur heute und nicht nur bei Eltern, die kein Auge für ihre Sprösslinge haben. Das ist auch nicht nur das Problem von Eltern aus einem sozial schwierigen Milieu. Es kann schnell gehen im Trubel des Passah-Festes, wenn einer sich auf den anderen verlässt und beide zusammen auf die Verwandten. Es kann schnell gehen im Trubel all der Verpflichtungen, die Eltern ja auch haben. Man könnte auf die Idee kommen: vernachlässigte Aufsichtspflicht. Man könnte nach dem Jugendamt rufen – heute wenigstens.

 Das ist nicht nur ein Problem damals, bei dem kleinen Jesus. Das ist auch heute ein Problem, eines an dem Menschenkinder scheitern und zerbrechen – so Gerhard Schöne:

Manchmal höre ich sie grölend durch die Häuserschluchten ziehn,
Manchmal seh‘ ich sie an Wände ihre Höhlenzeichen sprühn.
Manchmal fallen sie wie Wölfe über Unschuldslämmer her,
Die zurückgelassnen Kinder, Schnauze voll und Augen leer.

Ihre Eltern aber sagen, wenn sie krumm gehen nach Gold:
Wir tun’s nur für unsre Kinder! Habn das Beste nur gewollt!

Hinter Flipperautomaten spielen sie ums kleine Glück,
Blättern lustlos in den Pornos, immer Traurigkeit I’m Blick.
Ein Gefühl, beinah wie Hunger oder Heimweh, das sie packt,
Die zurückgelassnen Kinder, ungetröstet, splitternackt.

Hilflos rufen ihre Eltern, doch die Drähte sind gekappt.
Sie war’n grade so beschäftigt, als die Türe zugeschnappt.

Manche gehen langsam unter, andre steigen auf I’m Nu,
Drücken dir als smarte Herren skrupellos die Kehle zu.
Kein Gewissen kann sie bremsen bei der Schlacht ums große Geld,
Die zurückgelassnen Kinder, die sich rächen an der Welt.

So geht es mit Jesus beim Passah-Fest. Die Eltern sind zu beschäftigt mit diesem und jenem und ihn verlieren sie dabei irgendwie aus den Augen, ohne es wirklich zu merken. Jesus ist vergessen, aber nicht zurückgelassen. Als die Eltern den Verlust bemerken, beginnt die emotionale Achterbahnfahrt: Selbstvorwürfe, gegenseitige Vorwürfe, Ratlosigkeit. Und dann eben: Zurück gehen. Suchen „Im Vaterhaus“ weiterlesen

Erfülltes Warten

Lukas 2, 36 – 40

 36 Und es war eine Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuëls, aus dem Stamm Asser; die war hochbetagt. Sie hatte sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt, nachdem sie geheiratet hatte, 37 und war nun eine Witwe an die vierundachtzig Jahre; die wich nicht vom Tempel und diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht.

 Seltsam, dass Hanna so ausführlich vorgestellt wird. Wie sparsam waren die Informationen zu Simeon, wie umfangreich sind sie zu Hanna. Herkunft, Alter, Lebens-Schicksal – viel mehr ist nicht über einen Menschen zu sagen. Es löst ja Gedanken und Gefühle aus zu hören: sieben Jahre verheiratet und dann lebenslang Witwe. Aber wichtiger als die äußeren Daten sind Lukas ja wohl die inneren: Bei Simeon fromm und gottesfürchtiger, ein Wartender und hier: sie diente Gott mit Fasten und Beten und sie hat einen festen Aufenthaltsort im Tempel, durch Jahrzehnte hin. Wer so im Tempel „zu Hause“ ist, der gehrt fast schon dazu. Mit Hanna rundet sich der Kreis der Wartenden.

 38 Die trat auch hinzu zu derselben Stunde und pries Gott und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.

 Was Hanna zu sagen hat, wird nicht wirklich erzählt im Gegensatz wieder zu Simeon, der ja „wörtlich“ zu Wort kommt. Nur die Richtung ist klar: Sie preist Gott. Sie lobt Gott. Sie betet Gott an. Sie sieht das Kind Jesus und preist Gott. Nicht „Was für ein goldiges Kind im lockigen Haar“ sondern: Gott, Du bist groß. Du bist erhaben. Du bist gut. „Erfülltes Warten“ weiterlesen

Warten auf die Gottesstunde

Lukas 2, 25 – 35

 25 Und siehe, ein Mann war in Jerusalem, mit Namen Simeon; und dieser Mann war fromm und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels, und der Heilige Geist war mit ihm.

 Tagein, tagaus konnte man ihn in Jerusalem sehen. Langsam, ein wenig bedächtig und fast schwerfällig ging er durch die Straßen. Es war ein Gehen, das ziellos war, wie einer umher geht, der etwas zu suchen scheint oder der auf etwas wartet. Die Leute kannten ihn schon: Das ist er wieder, der alte Simeon. Er wartet! Er wartet auf den Trost Israels, so sagt er immer von sich selbst. Den Trost Israels! Den Messias. Als ob der so einfach um die Ecke käme und plötzlich vor ihm stünde! Ein wunderlicher Alter, der so wartet. Das es so etwas überhaupt gibt. Das einer die Schriften des Jesaja, des Jeremia, der Propheten so ernst nimmt.

 26 Und ihm war ein Wort zuteil geworden von dem Heiligen Geist, er solle den Tod nicht sehen, er habe denn zuvor den Christus des Herrn gesehen. 27 Und er kam auf Anregen des Geistes in den Tempel. 

 Merkwürdige Botschaft: Jeder Mensch hat in seinem Leben einmal die Stunde, in der seine Sehnsucht erfüllt wird. Das ist die entscheidende Stunde des Lebens. Dieser Augenblick ist nicht inhaltsleer – es das Wort an Simeon. Du wirst den Gesalbten Gottes sehen. Du wirst den Messias schauen. Du wirst die Erfüllung der alten Verheißungen Gottes in deinem Leben erfahren. Dieser Stunde hat Simeon entgegen gewartet, bis er alt und grau geworden ist. Aber er hat nicht aufgehört zu warten.

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Unter das Gesetz getan

Lukas 2, 21 – 24

 21 Und als acht Tage um waren und man das Kind beschneiden musste, gab man ihm den Namen Jesus, wie er genannt war von dem Engel, ehe er im Mutterleib empfangen war. 22 Und als die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetz des Mose um waren, brachten sie ihn nach Jerusalem, um ihn dem Herrn darzustellen, 23 wie geschrieben steht im Gesetz des Herrn (2.Mose 13,2; 13,15): »Alles Männliche, das zuerst den Mutterschoß durchbricht, soll dem Herrn geheiligt heißen«, 24 und um das Opfer darzubringen, wie es gesagt ist im Gesetz des Herrn: »ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben« (3.Mose 12,6-8).

 Jesus ist ein jüdisches Kind. Und so geschieht an ihm, was an jedem kleinen jüdischen Jungen seit Jahrtausenden geschieht. Er gehört in dieses Volk, auch wenn er nicht diesem Volk gehört. Er ist unter das Gesetz getan, wie Paulus es sagt. Es gibt keine Ausnahmeregelung für ihn, obwohl er doch der Heiland der Welt werden soll. Vielleicht gibt es aber genau deshalb keine Ausnahmeregelung.

 Die Eltern Jesu tun mit ihm, was alle jüdischen Eltern tun. Sie nehmen ihr Kind als Geschenk Gottes. Sie glauben, dass er Gottes Gabe ist. Sie können gar nicht anders, als Gott über dieser Gabe zu loben und zu preisen. Wie weit ist da alles entfernt von heutigen Nützlichkeit-Überlegungen, von den Kosten-Rechnungen, die über Kindern aufgemacht werden. Hier ist eine elementare Freude und ein schlichter Gehorsam. Beides ist der Rahmen, in den Jesus hinein gestellt wird. „Unter das Gesetz getan“ weiterlesen