Solange das letzte Wort noch nicht gesprochen ist

2. Könige 22, 14 – 23,3

14 Da gingen hin der Priester Hilkija, Ahikam, Achbor, Schafan und Asaja zu der Prophetin Hulda, der Frau Schallums, des Sohnes Tikwas, des Sohnes des Harhas, des Hüters der Kleider, und sie wohnte in Jerusalem im zweiten Bezirk der Stadt; und sie redeten mit ihr.

 Die Vertrauten des Königs gehen zu einer Prophetin namens Hulda. Es gibt nicht nur die männlichen Propheten. Es gibt auch Prophetinnen. Wir erfahren mehr über Hulda als es bei ihren männlichen „Kollegen“ üblich ist: Mit wem sie verheiratet ist und wo sie in Jerusalem wohnt. Sie hat in eine Familie mit Beziehung zum Königshof eingeheiratet.

 15 Sie aber sprach zu ihnen: So spricht der HERR, der Gott Israels: Sagt dem Mann, der euch zu mir gesandt hat: 16 So spricht der HERR: Siehe, ich will Unheil über diese Stätte und ihre Einwohner bringen, alle Worte des Buches, das der König von Juda hat lesen lassen, 17 weil sie mich verlassen und andern Göttern geopfert haben, mich zu erzürnen mit allen Werken ihrer Hände; darum wird mein Grimm gegen diese Stätte entbrennen und nicht ausgelöscht werden.

 Sagt dem Mann, der euch zu mir gesandt hat hört sich distanziert an. Und was sie ihm sagen sollen, ist auch nicht geeignet, Nähe zu erzeugen. Unheil über Jerusalem und seine Einwohner soll kommen. Der HERR wird es in Gang setzen. Und der Grund: Die Untreue und der Ungehorsam Jerusalems, Judas, die sich darin zeigen, dass sie nicht auf die Worte des Buches des Gesetzes gehört und sie darum auch nicht befolgt haben. Sie haben den Bund gebrochen, der doch ihre Existenzgrundlage ist.

 „Zwar war es eine spätere Generation, die die Schuld der Väter zu tragen hatte, aber es war ein gerechtes Gericht.“ (E. Würthwein, Die Bücher der Könige, ATD, 11,2, S. 452) Es gibt kein Aussteigen aus dem Zusammenhang der Geschichte des Volkes. Das Ergehen des Volkes hängt nicht nur an einer Generation. Das Tun der Väter bestimmt immer mit, was wird, auch mit den Kindern. Heute nennen wir das gerne Nachhaltigkeit. „Solange das letzte Wort noch nicht gesprochen ist“ weiterlesen

Eine wegweisende Fundsache

2. Könige 22, 1 – 13

1 Josia war acht Jahre alt, als er König wurde; und er regierte einunddreißig Jahre zu Jerusalem. Seine Mutter hieß Jedida, eine Tochter Adajas aus Bozkat. 2 Und er tat, was dem HERRN wohlgefiel, und wandelte ganz in dem Wege seines Vaters David und wich nicht davon ab, weder zur Rechten noch zur Linken.

 Josia wird König, weil sein Vater Amon erschlagen worden ist. Es wird nicht gesagt, aber in den ersten Jahren ist es wohl seine Mutter Jedida, die für ihn die Regentschaft wahrnimmt. Mit acht Jahren ist noch keiner reif für das Amt des Königs, auch damals nicht. Gleichwohl erfolgt auch hier schon das Urteil, das seine ganze Regentschaft zusammenfasst, diesmal ganz und gar positiv: Er tat, was dem HERRN wohlgefiel. Er ist König in der Spur Davids. Mehr Lob geht nicht.

 3 Und im achtzehnten Jahr des Königs Josia sandte der König den Schreiber Schafan, den Sohn Azaljas, des Sohnes Meschullams, in das Haus des HERRN und sprach: 4 Geh hinauf zu dem Hohenpriester Hilkija, dass er abgebe alles Geld, was zum Hause des HERRN gebracht ist, das die Hüter an der Schwelle gesammelt haben vom Volk, 5 damit man es gebe den Werkmeistern, die bestellt sind im Hause des HERRN, und sie es geben den Arbeitern am Hause des HERRN, damit sie ausbessern, was baufällig ist am Hause, 6 nämlich den Zimmerleuten und Bauleuten und Maurern und denen, die Holz und gehauene Steine kaufen sollen, um das Haus auszubessern; 7 doch dass sie keine Rechnung zu legen brauchten von dem Geld, das ihnen gegeben wird, sondern dass sie auf Treu und Glauben handeln.

 Josia ist 26 Jahre alt, als das Projekt der Tempel-Restauration gestartet wird. Tempel stehen ja nicht unverändert in Ewigkeit. Sie müssen manchmal erneuert werden. Dazu ist Geld vom Volk gesammelt worden. Dieses Geld wird vom Hohenpriester Hilkija verwaltet. Damit es in die richtigen Hände kommt und der Tempel keine Schlafbaustelle wird, soll der Schreiber Schafan aktiv werden.

Es ist ein schönes Detail: Die Handwerker bekommen ihr Geld auf Treu und Glauben. Keine Rechnungen, kein Finanzmanagement. Kontrolle ist nicht nötig, wenn es um Arbeiten am Haus des HERRN geht. Ist das Vertrauen auf die „fromme Motivation“ derer, die da arbeiten? Wenn am Haus des Herrn gebaut wird, bleibt keiner unversorgt und keiner auf der Strecke. So lese ich das in einer Zeit, in der der Bau einer Kirche sich in Nichts mehr vom Bau eines anderen Hauses unterscheidet. Allenfalls in den frommen Reden bei der Übergabe zum Gebrauch.

 8 Und der Hohepriester Hilkija sprach zu dem Schreiber Schafan: Ich habe dies Gesetzbuch gefunden im Hause des HERRN. Und Hilkija gab das Buch Schafan und der las es. 9 Und der Schreiber Schafan kam zum König und gab ihm Bericht und sprach: Deine Knechte haben das Geld ausgeschüttet, das im Hause des Herrn gesammelt ist, und haben’s den Werkmeistern gegeben, die bestellt sind am Hause des HERRN. 10 Dazu sagte der Schreiber Schafan dem König: Der Priester Hilkija gab mir ein Buch. Und Schafan las es vor dem König.

 Es überrascht ein wenig. Der Hohepriester gibt zunächst nicht Auskunft über das Geld, sondern informiert über eine Fundsache. Ein Gesetz-Buch ist gefunden worden, ohne dass es gesucht worden wäre. Hilkija übergibt es an Schafan. Der liest es. Und kehrt zum König zurück, um über seinen Auftrag zu berichten, nämlich die Weitergabe des Geldes. Und dann, wie eine beiläufige Bemerkung, ein wenig nebensächlich auch: Der Priester Hilkija gab mir ein Buch. Es scheint, dass Schafan die Reichweite des Fundes nicht einschätzen kann. „Eine wegweisende Fundsache“ weiterlesen

Keine leeren Worte

2. Könige 19, 20 – 37

20 Da sandte Jesaja, der Sohn des Amoz, zu Hiskia und ließ ihm sagen: So spricht der HERR, der Gott Israels: Was du zu mir gebetet hast um Sanheribs willen, des Königs von Assyrien, das habe ich gehört. 21 Das ist’s, was der HERR gegen ihn geredet hat: Die Jungfrau, die Tochter Zion, verachtet dich und spottet deiner. Die Tochter Jerusalem schüttelt ihr Haupt hinter dir her. 22 Wen hast du gehöhnt und gelästert? Über wen hast du deine Stimme erhoben? Du hast deine Augen erhoben wider den Heiligen Israels!

So spricht der HERR, der Gott Israels. Es ist Eines, ein Wort zur Lage zu sagen, dass auf der eigenen Weisheit und Einsicht fusst. Es ist ein Anderes, das Wort zu sagen, das empfangen worden ist, aus der Weite des Himmels, von dem HERRN, dessen Worte tun, was sie sagen. Jesaja sagt das Wort des HERRN.

 Was vorher noch irgendwie verschleiert erschienen sein mag, wird jetzt von Gott her aufgedeckt. Die Botschaft des Sanherib hat nicht dem Hiskia gegolten, obwohl sie ihm den Mut nehmen und das Vertrauen auf den HERRN rauben sollte. Sie hat Gott gelästert. Sie hat dem Herrn seine Fähigkeit abgesprochen zu helfen, zu retten, zu bewahren. Sie hat den Gott Israels auf eine Stufe gestellt mit den ohnmächtigen Götzen der Völker.

 Dieser Größenwahn des Königs lässt die Tochter Zion spotten, die Tochter Jerusalem ihr Haupt schütteln. Kopfschütteln bei den Bedrängten löst der Hohn des Königs aus. „Da überschätzt sich aber jemand sehr!“

 23 Du hast den HERRN durch deine Boten verhöhnt und gesagt: Ich bin mit der Menge meiner Wagen auf die Höhen der Berge gestiegen, in den innersten Libanon. Ich habe seine hohen Zedern und auserlesenen Zypressen abgehauen und bin gekommen bis zur äußersten Herberge darin im dichtesten Walde. 24 Ich habe gegraben und getrunken die fremden Wasser und werde austrocknen mit meinen Fußsohlen alle Flüsse Ägyptens. 25 Hast du nicht gehört, dass ich es lange zuvor bereitet und von Anfang an geplant habe? Nun aber habe ich’s kommen lassen, dass du feste Städte zerstörtest zu wüsten Steinhaufen. 26 Und die darin wohnen, wurden ohne Kraft und fürchteten sich und wurden zuschanden. Sie wurden wie das Gras auf dem Felde und wie das grüne Kraut, wie Gras auf den Dächern, das verdorrt, ehe es reif wird.

 Es folgt eine Persiflage. Die selbstgefälligen Ruhmreden des Assyrers werden wiederholt. Und sie werden entlarvt, als ein Reden, das den Hintergrund der Gesichte nicht kennt. Es ist der Gott Israels, der HERR, dessen Plänen Sanherib dienstbar war. Er hat ihn seine Erfolge feiern lassen. Er hat den Völkern die Kraft genommen. Wo Sanherib sich als den großen Strategen sieht, ist er doch nur ein Bauer im Schachspiel Gottes, einer, der von seiner Hand geführt wird.

Was hier über Sanherib gesagt wird, gilt nicht nur für ihn – es gilt für alle Großmächte der Welt: Sie müssen doch Gottes Wegen dienen. Du glaubst zu schieben und du wirst geschoben“ heißt es sprichwörtlich. Biblisch gesprochen klingt das so: „Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der HERR allein lenkt seinen Schritt.“(Sprüche 16,9) Das beziehen wir meistens nur auf die Existenz des einzelnen in seinem privaten Umfeld. Aber es gilt, so sagt der Prophet, auch für die Wege der Mächtigen. Es ist nicht so weit her mit dem freien Willen, der nur will, was er will. Am Willen Gottes findet er seine Grenze.

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….und mache fest das Herz

2. Könige 19, 1 – 19

1 Als der König Hiskia das hörte, zerriss er seine Kleider und legte einen Sack an und ging in das Haus des HERRN.

 Die Botschaft seiner Boten trifft Hiskia tief. Er sieht sie mit ihren zerrissenen Kleidern. Und er selbst vollzieht die gleiche Geste. Sieht er nur noch den Tod? Es könnte auch sein, dass es ein Bußakt ist. Dafür spricht ja auch der Sack, den er anlegt. Im Hiobbuch heisst es: „Ich habe einen Sack um meinen Leib gelegt und mein Haupt in den Staub gebeugt.“ (Hiob 16,15) Das ist Geste der Unterwerfung unter die Trauer und Zeichen der Buße zugleich. So geht Hiskia tief gebeugt in den Tempel.

 2 Und er sandte den Hofmeister Eljakim und den Schreiber Schebna samt den Ältesten der Priester, mit Säcken angetan, zu dem Propheten Jesaja, dem Sohn des Amoz. 3 Und sie sprachen zu ihm: So sagt Hiskia: Das ist ein Tag der Not, der Strafe und der Schmach – wie wenn Kinder eben geboren werden sollen, aber die Kraft fehlt, sie zu gebären. 4 Vielleicht hört der HERR, dein Gott, alle Worte des Rabschake, den sein Herr, der König von Assyrien, gesandt hat, um hohnzusprechen dem lebendigen Gott, und straft die Worte, die der HERR, dein Gott, gehört hat. So erhebe dein Gebet für die Übriggebliebenen, die noch vorhanden sind.

 Von dort sendet er Boten zu Jesaja. Das ist ein Tag der Not, der Strafe und der Schmach sollen sie dem Propheten sagen. So sieht es Hiskia. Es ist die ungeschminkte Wahrheit und zugleich eine Deutung der Situation. Sie trifft uns als Schuldige. Und doch meldet sich da ein Funken Hoffnung. Jesaja soll vor Gott bringen, was der Rabschake gesagt hat. Denn das war ja nicht nur eine Rede, um den Männern den Mut zu rauben. Es war zugleich ein Angriff auf Gott selbst. Hat er ihn doch in eine Reihe mit den Götzen der Völker und ihrer Kraftlosigkeit gestellt. Hat er doch dem lebendigen Gott hohngesprochen, als er seine Leute so einzuschüchtern suchte.

 Der Rabschake ist in seinen Worten wie ein Nachfahre des Goliath, von dem David sagt: „Du kommst zu mir mit Schwert, Lanze und Spieß, ich aber komme zu dir im Namen des HERRN Zebaoth, des Gottes des Heeres Israels, den du verhöhnt hast.“(1. Samuel 17,45) Und später wird Jesus von seinen Leuten sagen: „Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, der mich gesandt hat.“ (Lukas 10,16) Weil Gott sich mit seinen Leuten identifiziert, ist es gefährlich, Spott und Hohn über sie aus zu schütten. „….und mache fest das Herz“ weiterlesen

Worte, die Kraft und Glauben rauben sollen

2. Könige 18, 13 – 37

Die nachfolgendene Texte 2. Könige 18,13 – 19,37 finden sich in weitestgehend wörtlicher Übereinstimmung im Jesaja-Buch, Kap 36,1 – 37,38 wieder.

 13 Im vierzehnten Jahr des Königs Hiskia zog herauf Sanherib, der König von Assyrien, gegen alle festen Städte Judas und nahm sie ein. 14 Da sandte Hiskia, der König von Juda, zum König von Assyrien nach Lachisch und ließ ihm sagen: Ich hab Unrecht getan, zieh weg von mir. Was du mir auferlegst, will ich tragen.

 Die Spannung zu den vorangehenden Versen ist mit Händen zu greifen. Da wird es mit einem Satz erledigt (18,7b), dass Hiskia vom Assyrer-König abfällig wird. Dass ihn das in Schwierigkeiten bringen könnte, ahnt man als Leser nach diesem kurzen Satz auf keinen Fall, zumal ja sofort folgend militärische Gebietsgewinne aufgelistet werden.

 Aber wie steht es in Wahrheit um die Loslösung von Assur? Hiskia hatte seinen Vasallenvertrag „gekündigt“, die Tributzahlungen eingestellt und versucht, sich unabhängig von den Assyrern zu machen (18,7). Die Antwort ist ein Feldzug des Sanherib, in dem er alle festen Städte Judas einnimmt. Lachisch, die große Festung, bezahlt ihren Widerstand mit der völligen Zerstörung. Das macht Hiskia in Jerusalem deutlich: Nur Unterwerfung ist ein Weg, um einer Katastrophe zu entgehen. So schickt er – reumütig – Boten nach Lachisch zu Sanherib: Ich hab Unrecht getan, zieh weg von mir. Was du mir auferlegst, will ich tragen. Er weiss: wenn es zum Krieg kommt, hat Juda samt Jerusalem keine Chance.

 Da legte der König von Assyrien Hiskia, dem König von Juda, dreihundert Zentner Silber auf und dreißig Zentner Gold. 15 So gab Hiskia all das Silber, das sich im Hause des HERRN und in den Schätzen des Hauses des Königs fand. 16 Zur selben Zeit zerbrach Hiskia, der König von Juda, die Türen am Tempel des HERRN und das Goldblech, das er selbst hatte darüber ziehen lassen, und gab es dem König von Assyrien.

Sanherib antwortet als Erstes mit schweren Forderungen. Sie sind so hoch, dass der Tempelschatz und die Habe des Königs nicht reichen. Sogar die Türen und der ganze Goldschmuck des Tempels müssen dran glauben. Am Ende steht der Tempel da wie ein „gerupftes Huhn.“ „Worte, die Kraft und Glauben rauben sollen“ weiterlesen

Wer Gott nicht vertraut …

2. Könige 18, 1 – 12

1 Im dritten Jahr Hoscheas, des Sohnes Elas, des Königs von Israel, wurde Hiskia König, der Sohn des Ahas, des Königs von Juda. 2 Er war fünfundzwanzig Jahre alt, als er König wurde; und er regierte neunundzwanzig Jahre zu Jerusalem. Seine Mutter hieß Abi, eine Tochter Secharjas.

Das Thema wechselt. Jetzt geht es um das Südreich, um Juda, um Jerusalem. Dem Prinzip synchronistischer Datierung folgend, wird der Antritt der Herrschaft des Hiskia bestimmt. Er wird über lange Zeit – 29 Jahre sind ein fast eine ganze Generation – König in Juda sein. „Hiskias eigener Name („Jahwe ist meine Stärke“) wie der seiner Mutter Abi, nach 2. Chron. 29, 1 Abia („mein Vater ist Jahwe“) und seines Großvaters Sacharja ((„Jahwe erinnert sich“) drücken alle eine Bekenntnis zu Jahwe aus.“ (E. Würthwein, Die Bücher der Könige, ATD, 11,2, S.407 ) Man könnte auch sagen: Diese Namen sind ein Regierungsprogramm.

 3 Und er tat, was dem HERRN wohlgefiel, ganz wie sein Vater David. 4 Er entfernte die Höhen und zerbrach die Steinmale und hieb das Bild der Aschera um und zerschlug die eherne Schlange, die Mose gemacht hatte. Denn bis zu dieser Zeit hatte ihr Israel geräuchert und man nannte sie Nehuschtan.

 Es folgt die – vorgreifende – Beurteilung des Hiskia. Er ist ein König ganz nach dem Sinn des HERRN. Einer, der David nacheifert. Die Begründung folgt sogleich: Er „säubert“ die religiöse Landschaft, entfernt die Tempel auf den Höhen und das Aschera-Bild und auch die eherne Schlange. Er führt also so etwas wie eine Kultzentralisation durch. Am Ende seiner Maßnahmen gibt es nur noch den Tempel in Jerusalem.

 <Unter Exegeten ist umstritten, ob das historisch stimmt. Es erinnert ja stark an die spätere Reform des Josia mit ihrer Konzentration auf den Tempel in Jerusalem. Und manche Exegeten meinen eben, dass diese Reform des Josia hier in die Zeit des Hiskia vordatiert worden sei.>

 Aufregend finde ich den Hinweis auf die Zerstörung der ehernen Schlange. Da hat sich ein „Traditionsstück“ verselbstständigt. Es ist wie eine Reliquie verehrt worden und hat so quasi den Rang einer Gottheit angenommen. Das gibt es also, dass sich geistliche Erfahrungen lösen von ihrem Ursprung, „verdinglichen“, und damit einen Rang einnehmen, der ihnen nicht zusteht. Es erscheint mir durchaus möglich, dass Überlegungen, die an diese Notiz anknüpfen, hinter dem wüsten Bildersturm reformatorischer Kreise im 16. Jahrhundert stehen. „Wer Gott nicht vertraut …“ weiterlesen

Volksfrömmigkeit?

2. Könige 17, 24 – 41

Der König von Assyrien aber ließ Leute von Babel kommen, von Kuta, von Awa, von Hamat und Sefarwajim und ließ sie wohnen in den Städten von Samarien an Israels statt. Und sie nahmen Samarien ein und wohnten in seinen Städten. 25 Als sie aber anfingen, dort zu wohnen, und den HERRN nicht fürchteten, sandte der HERR unter sie Löwen, die töteten sie. 26 Und man ließ dem König von Assyrien sagen: Die Völker, die du hergebracht und mit denen du die Städte Samariens besetzt hast, wissen nichts von der Verehrung des Gottes dieses Landes. Darum hat er Löwen unter sie gesandt, und siehe, diese töten sie, weil sie nichts wissen von der Verehrung des Gottes dieses Landes.

 Nachdem das Nordreich geschlagen ist, siedelt der Assyrer-König Leute aus seinen Ländereien dort an, vorzugsweise wohl Assyrer. Da Salmanassar V. und sein Nachfolger Sargon nicht ausdrücklich genannt werden, kann der Satz auch die nach und nach erfolgende Beisiedlung Samarias durch „Fremdvölker“ beschreiben. Diese Siedlungspolitik wurde kaum mit einem Dekret ausgelöst und innerhalb kürzester Zeit durchgeführt. Sie dauerte.

 Die Informationen über die Herkunft der Siedler ist nicht nur geographisch zu verstehen. Babel und Kuta sind Orte, die wegen ihrer Heiligtümer angesehen sind. So verwundert es nicht, dass die Leute aus solchen Orten den HERRN nicht fürchteten, ist er doch nur der Gott eines geschlagenen Volkes.

Aber der HERR zeigt sich durchaus lebendig und „wehrhaft“. Er sendet eine Löwenplage, die den Neubewohnern Samariens zu schaffen macht. Darüber wird der König informiert. Die Löwenplage wird gedeutet: Sie ist Folge der Unwissenheit der Siedler im Blick auf die Verehrung des Gottes dieses Landes.

 Steht im Hintergrund das Konzept der Regional-Gottheiten? Wird Jahwe wie eine solche Regional-Gottheit angesehen? Er hat Macht: Sie reichte nicht aus, um Israel vor dem Untergang zu bewahren. Aber sie reicht aus, um dieses bösartige Plage zu inszenieren. „Volksfrömmigkeit?“ weiterlesen

Sündenregister

2. Könige 17, 1 – 23

1 Im zwölften Jahr des Ahas, des Königs von Juda, wurde Hoschea, der Sohn Elas, König über Israel und regierte zu Samaria neun Jahre. 2 Und er tat, was dem HERRN missfiel, doch nicht wie die Könige von Israel, die vor ihm waren. 3 Gegen ihn zog herauf Salmanassar, der König von Assyrien. Und Hoschea wurde ihm untertan und brachte ihm Abgaben. 4 Als aber der König von Assyrien innewurde, dass Hoschea eine Verschwörung gemacht und Boten gesandt hatte zu So, dem König von Ägypten, und keine Abgaben dem König von Assyrien brachte wie alle Jahre, nahm er ihn fest und legte ihn ins Gefängnis. 5 Und der König von Assyrien zog durch das ganze Land und gegen Samaria und belagerte es drei Jahre lang. 6 Und im neunten Jahr Hoscheas eroberte der König von Assyrien Samaria und führte Israel weg nach Assyrien und ließ sie wohnen in Halach und am Habor, dem Fluss von Gosan, und in den Städten der Meder.

Was hier berichtet wird, ist Geschichte. Es geht um den Untergang des Nordreichs, Israel. Im Jahr 722 wird Samaria durch den König von Assyrien, Salmanassar V. erobert. In dieser Zeit ist Hoschea König. Einen ersten Feldzug des Salmanassar hatte er durch Unterwerfung und Tributzahlungen „stoppen“ können. Aber dann versucht Hoschea, ein Bündnis mit Ägypten zu suchen, um sich von Assur befreien zu können. Er stellt auch alle Tributzahlungen ein.

 

Darauf hin startet der Assyrer-König erneut einen Feldzug, der zur Belagerung Samarien und, nach drei Jahren zu seinem Fall führt. Hoschea büßt seinen versuchten Abfall mit Gefängnis. Das Urteil über ihn ist deutlich, auch wenn es relativ milde ausfällt: Er tat, was dem HERRN missfiel, doch nicht wie die Könige von Israel, die vor ihm waren. Worin er sich von den anderen Königen Israels unterscheidet, wird nicht gesagt.

 

 

 7 Denn die Israeliten hatten gegen den HERRN, ihren Gott, gesündigt, der sie aus Ägyptenland geführt hatte, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten, und fürchteten andere Götter 8 und wandelten nach den Satzungen der Heiden, die der HERR vor Israel vertrieben hatte, und taten wie die Könige von Israel. 9 Und die Israeliten ersannen, was nicht recht war gegen den HERRN, ihren Gott, sodass sie sich Höhen bauten in allen Orten, von den Wachttürmen bis zu den festen Städten, 10 und richteten Steinmale auf und Ascherabilder auf allen hohen Hügeln und unter allen grünen Bäumen 11 und opferten auf allen Höhen wie die Heiden, die der HERR vor ihnen weggetrieben hatte, und trieben böse Dinge, womit sie den HERRN erzürnten, 12 und dienten den Götzen, von denen der HERR zu ihnen gesagt hatte: Das sollt ihr nicht tun!

In drei Schritten folgt eine Begründung für den Fall Samarias. Der Fall wird, das fällt besonders auf, nicht aus militärischer Schwäche abgeleitet. Das wäre doch naheliegend gelesen, weil Assur die Militärmacht Nr. 1 in dieser Zeit war. Er wird auch nicht aus verfehlter Bündnispolitik abgeleitet. Als Hoschea sich auf Ägypten als Bündnispartner verließ, hatte er auf das falsche Pferd gesetzt. Die Ägypter waren in keiner Weise stark genug, um gegen Assur anzukämpfen und viel zu sehr mit sich selbst befasst.

 

Aber die Begründungen für den Fall Samarias laufen anders. Sie bleiben nicht bei dem sichtbaren Vordergrund stehen. Sie suchen vielmehr nach den Gründen die nicht offen zu Tage liegen. Sie setzen alle drei beim inneren Zustand Israels an. Sie sind, was uns heute ganz fremd erscheinen mag, theologische Begründungen. Zeitgenossen heute würden vielleicht sagen: Begründungen, die auf fehlende Werte hinweisen.

 

 

 An erster Stelle steht die Sünde gegen den HERRN, ihren Gott, gesündigt, der sie aus Ägyyptenland geführt hatte. Sie haben ihren Befreier vergessen, trotz aller Hochachtung des Mose. Sie sind anderen Göttern nachgelaufen. Sie haben sich den Ordnungen der Völker eingefügt, die doch der HERR vor Israel vertrieben hatte. Der erste Vorwurf ist also: Sie folgen fremden Göttern und fremden Regeln. „Sündenregister“ weiterlesen

Ein Altar wird verschoben

2. Könige 16, 1 – 16

 Im siebzehnten Jahr Pekachs, des Sohnes Remaljas, wurde Ahas König, der Sohn Jotams, des Königs von Juda. 2 Zwanzig Jahre war Ahas alt, als er König wurde; und er regierte sechzehn Jahre zu Jerusalem. Und er tat nicht, was dem HERRN, seinem Gott, wohlgefiel, wie sein Vater David, 3 denn er wandelte auf dem Wege der Könige von Israel. Dazu ließ er seinen Sohn durchs Feuer gehen nach den gräulichen Sitten der Heiden, die der HERR vor den Israeliten vertrieben hatte, 4 und brachte Opfer dar und räucherte auf den Höhen und auf den Hügeln und unter allen grünen Bäumen.

 Der Text führt in das Jahr 741 v. Chr. Ahas wird König in Juda und seine Königszeit von 16 Jahren wird knapp zusammengefasst und beurteilt. Er tat nicht, was dem HERRN, seinem Gott, wohlgefiel. Sein Vorbild ist nicht sein Vater David, sondern er folgt den Wegen der Könige von Israel. Das schließt sogar Kinderopfer ein und den Dienst an fremden Göttern – darauf weisen die Höhen, Hügel und grünen Bäume hin. „Gottesdienste im Grünen“ sind nicht im Sinn derer, die für das Gesetz und den Tempel in Jerusalem stehen.

< Zumindest vorsichtig darf man überlegen, wie weit die Neigung zu Gottesdiensten unter dem offenen Himmel auch ein Ausweichen vor der Strenge der Botschaft vom Kreuz ist. In der Freude an der Schöpfung kann man mit allen Gutwilligen leichter einig sein. >

 Die sehr summarische Kritik an Ahas wird im nachfolgenden Text ein wenig begründet.

 5 Damals zogen Rezin, der König von Aram, und Pekach, der Sohn Remaljas, der König von Israel, hinauf, um gegen Jerusalem zu kämpfen, und belagerten Ahas in der Stadt; aber sie konnten sie nicht erobern. 6 Zu dieser Zeit brachte Rezin, der König von Aram, Elat wieder an Edom und vertrieb die Judäer aus Elat. Danach kamen die Edomiter und wohnten darin bis auf diesen Tag.

Die Schilderung führt in die Zeit des syrisch-efraimitischen Krieges.Der König in Juda, Ahas, soll gezwungen werden, sich am Krieg gegen die Assyrer zu beteiligen. Deshalb wird Jerusalem von Rezin und Pekach belagert.

7 Aber Ahas sandte Boten zu Tiglat-Pileser, dem König von Assyrien, und ließ ihm sagen: Ich bin dein Knecht und dein Sohn. Komm herauf und hilf mir aus der Hand des Königs von Aram und des Königs von Israel, die sich gegen mich aufgemacht haben! 8 Und Ahas nahm das Silber und Gold, das sich in dem Hause des HERRN und in den Schätzen des Königshauses fand, und sandte dem König von Assyrien Geschenke. 9 Und der König von Assyrien hörte auf ihn und zog herauf gegen Damaskus und eroberte es und führte die Einwohner weg nach Kir und tötete Rezin.

Diese Belagerung bleibt erfolglos. Nicht zuletzt, weil sich Ahas der Hilfe der Assyrer versichert. Er sendet einen Hilferuf an Tiglat-Pileser und unterstreicht diesen Hilferuf durch Geschenke, besser und genauer wohl: Tributzahlungen. Es ist ein kluger Schachzug. Tiglat-Pileser greift ein und das Kriegsglück wendet sich. Jerusalem wird entsetzt, Damaskus aber fällt und Rezin bezahlt seine Machtpolitik mit dem Leben.

Bis dahin ist es politische Geschichte und sie wird eher neutral erzählt. Es gibt auch keinen Anlass, Ahas zu tadeln. Er handelt zum Vorteil Jerusalems, rettet es in der Belagerung durch geschickte Diplomatie und wahrt sein Königtum.

10 Und der König Ahas zog Tiglat-Pileser entgegen, dem König von Assyrien, nach Damaskus. Und als er den Altar sah, der in Damaskus war, sandte der König Ahas zum Priester Uria Maße und Abbild des Altars, ganz wie dieser gemacht war.

In Damaskus kommt es dann zur Begegnung zwischen Tiglat-Pileser und Ahas. Und, ganz im Geist der Zeit, gehört zu dieser Begegnung mehr als nur diplomatischer Höflichkeitsaustausch. König Ahas zieht nach Damaskus, „wo er gewiss dem noch dort weilenden Tiglat-pileser den Vasalleneid bei den beiderseitigen Göttern zu leisten und ihm `die Füße zu küssen‘ hat als Zeichen der Unterwerfung.“ (E. Würthwein, Die Bücher der Könige, ATD, 11,2, S. 390)

Eine der religiösen Folgen dieses Vasallenverhältnisses ist der Bau eines neuen Altars in Jerusalem. Er wird nicht nur errichtet, weil Ahas von der Ästhetik des Altars, den er in Damaskus gesehen hat, so überzeugt war. Er gibt ihn in Auftrag, weil er sich dem größeren Herren beugt. Es ist Staatsräson und vielleicht auch der Glaube, dass der Gott der Assyrer „mehr drauf hat“ als der Gott Israels.

11 Und der Priester Uria baute einen Altar und machte ihn so, wie der König Ahas zu ihm gesandt hatte von Damaskus, bis er selbst von Damaskus kam.

Der Priester Uria gehorcht. Es gib kein Fragen, kein Zaudern, kein Zögern. Der König befiehlt, der Priester gehorcht. Es ist einer der Sätze, die mich tief betroffen machen. Wo bleibt der Gehorsam gegen Gott? Wo bleibt der Widerspruch um Gottes willen? Wo bleibt wenigstens die Notiz des Unbehagens über diesem so fraglosen Gehorsam?

12 Und als der König aus Damaskus zurückkam und den Altar sah, trat er heran, stieg hinauf 13 und verbrannte darauf sein Brandopfer und Speisopfer und goss darauf sein Trankopfer und sprengte das Blut der Dankopfer, die er opferte, an den Altar. 14 Aber den kupfernen Altar, der vor dem HERRN stand, tat er weg, damit er nicht stehe zwischen dem Altar und dem Hause des HERRN, sondern setzte ihn an die Seite des neuen Altars gegen Norden.

Ahas kehrt zurück und nimmt den neuen Altar in Gebrauch. Er opfert, wie es sich gehört. „Dass der König selbst den Altar einweihte, ist in der vorexilischen Zeit durchaus möglich.“ (E. Würthwein, Die Bücher der Könige, ATD, 11,2, S.389 ) Einen Schönheitsfehler freilich hat der neue Altar: Der alte Altar, der vor dem HERRN stand, muss für ihn weichen. Er wird zur Seite gestellt.

Es ist sicherlich nicht zu weit gegriffen, aus den Formulierungen der Endredaktion auf eine doch sehr deutliche Kritik an den Maßnahmen des Königs zu schließen. Mag sein, dass der alte Text nur einfach das Geschehen dargestellt hat. Hier wird, wenn auch viel später erst, Kritik geübt

15 Und der König Ahas gebot dem Priester Uria: Auf dem großen Altar sollst du anzünden die Brandopfer des Morgens und die Speisopfer des Abends und die Brandopfer des Königs und sein Speisopfer und die Brandopfer des ganzen Volks samt ihrem Speisopfer und Trankopfer; und alles Blut der Brandopfer und das Blut der Schlachtopfer sollst du daran sprengen. Aber wegen des kupfernen Altars will ich bedenken, was ich mache. 16 Der Priester Uria tat alles, was ihm der König Ahas geboten hatte.

Ahas greift weiter ein. Er ordnet an , wie zu verfahren ist. Es wird ein bunte Mischung aus tradtionellem Opfer, das dem Gott Israels geweiht ist und anderen Opfern, die auch einen anderen Charakter haben. „Es liegt nahe, anzunehmen, dass der zur Seite gerückte Altar der Opferschau ( Eingeweideschau, besonders Leberschau) dienen soll. Diese ist in dieser Zeit besonders charakteristisch für Assur, wo man nichts unternahm, ohne zuvor Befragungen durchzuführen.“ (E. Würthwein, Die Bücher der Könige, ATD, 11,2, S. 390f.)

Es kommt also zu einer fatalen Vertauschung. Der neue Altar, nach den Maßen assyrischer Altäre gefertigt, soll zum Opferaltar für Jahwe werden, während der alte Altar, der vor dem Herrn stand, für die Opferschau verendet wird.

Mir kommt es sehr milde vor, wenn geurteilt wird: „Wenn nun Ahas diesem kultischen Brauch Assurs im heiligen Tempelbezirk eine Stätte gewährt, so wird man darin weniger eine Hinneigung zu assyrischen Bräuchen als die Erfüllung einer mit den Vasallenschaft übernommenen Verpflichtung zu sehen haben.“(E. Würthwein, Die Bücher der Könige, ATD, 11,2, S. 391) Der Heilige St. Sachzwang lässt grüßen.

Es ist das gleiche Argument, mit dem heute die EKD etwa begründet, dass sie mit ihrer Schrift „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit: Familie als verlässliche Gemeinschaft leben“ nur darauf reagiert, dass die „Vielfalt der Formen, in der Familie gelebt wird,“ (KP Jung, Kreisanzeiger 2. Aug. 13, S. 2) sich vergrößert habe. Anpassung an die Gegebenheiten ist angesagt. Dass es manchmal langfristig gesehen gelten könnte, statt dessen Fremdheit auszuhalten, ist nicht im Blick. Das rühmen wir nur an Toten wie Bonhoeffer. Aber nachmachen?

Es ist wohl die Gefahr von Priestern, damals wenigstens, dass sie sich beugen, dass sie dem Druck nicht standhalten, sondern nachgeben, damals den Druck eines Königs mit ziemlich großer Macht, heute dem Druck einer veröffentlichen Meinung mit gleichfalls ziemlich großer Macht. Konnte der König über Leben verfügen und töten, so kann der mächtige Apparat der veröffentlichten Meinung heutzutage mit Liebesentzug strafen, für hinterwäldlerisch und weltfremd erklären. Man muss niemand mehr hinrichten, um ihn kalt zu stellen. Es reicht, ihn oder sie, zur Not auch eine ganze Kirche als ewig Gestrige erscheinen zu lassen und so der Verachtung der Gebildeten unter den Verächtern der Religion preis zu geben. Wer will schon gerne, dass ihm das widerfährt. Da werden dann schon einmal Altäre ein wenig zur Seite gerückt.

Herr                                                                                                                                       Wann ist Widerstand angesagt                                                                                           Wann ist es um Deinetwillen nötig                                                                                            Nein zu sagen

Es genügt nicht                                                                                                                     die Väter und Mütter für ihre Tapferkeit zu rühmen                                                                  Es genügt auch nicht                                                                                                                sie für mancherlei Feigheit zu schelten

Es braucht offene Augen                                                                                                         und ein mutiges Herz für Heute

Darum bitte ich Dich                                                                                                              für mich                                                                                                                                    für uns                                                                                                                                   für meine Kirche. Amen

 

Sehen

2. Könige 6, 8 – 23

8 Und der König von Aram führte Krieg mit Israel und beriet sich mit seinen Obersten und sprach: Wir wollen da und da einen Hinterhalt legen. 9 Aber der Mann Gottes sandte zum König von Israel und ließ ihm sagen: Hüte dich, dass du nicht an diesem Ort vorüberziehst, denn die Aramäer lauern dort. 10 So sandte denn der König von Israel hin an den Ort, den ihm der Mann Gottes gesagt und vor dem er ihn gewarnt hatte, und war dort auf der Hut; und tat das nicht nur einmal oder zweimal.

Krieg ist im Buch der Könige fast der Normal-Zustand. Immer liegt ein König mit dem anderen im Kampf. Und immer wird nach Mitteln gesucht, den Kampf für sich zu entscheiden. Eines der Mittel der Kriegsführung ist der Hinterhalt. Dem Gegner eine Falle stellen und ihn in die Falle locken.

 Es wird nicht erzählt, wie Elisa zu seinem Wissen über die feindlichen Hinterhalte kommt. Hat er Informanten am Hof des König von Aram, hat er einen strategisch geradezu hellsichtigen Weitblick? Ist es Gott, der ihm die Pläne des Feindes verrät? Er ist ja der Seher Gottes. Wie auch immer: Er warnt den König von Israel, nicht nur einmal, sondern wiederholt. Und der entgeht tatsächlich den klug gestellten Hinterhalten.

 11 Da wurde das Herz des Königs von Aram voller Unmut darüber und er rief seine Obersten und sprach zu ihnen: Wollt ihr mir denn nicht sagen, wer von den Unsern es mit dem König von Israel hält?

 Die Schlussfolgerung des Königs liegt so nahe: Es gibt einen Maulwurf. Irgendjemand spioniert für die andere Seite. Spionage, Geheimnisverrat ist so alt wie der Kampf um die Macht. Die Mittel ändern sich, aber der Vorgang ist uralt. Spionage-Systeme mögen modernste Technik verwenden, das Internet ausspüren, Telefone anzapfen, E-Mails abschöpfen, aber in Wahrheit sind sie „konservativ“, althergebracht, geboren aus dem Willen zur Macht und spielend mit allen möglichen menschlichen Schwächen. „Sehen“ weiterlesen