Komm!

Jesaja 66, 15 – 24

15 Denn siehe, der HERR wird kommen mit Feuer und seine Wagen wie ein Wetter, dass er vergelte im Grimm seines Zorns und mit Schelten in Feuerflammen. 16 Denn der HERR wird durch Feuer die ganze Erde richten und durch sein Schwert alles Fleisch, und der vom HERRN Getöteten werden viele sein. 17 Die sich heiligen und reinigen für das Opfer in den Gärten dem einen nach, der in der Mitte ist, und Schweinefleisch essen, gräuliches Getier und Mäuse, die sollen miteinander weggerafft werden, spricht der HERR

            Das ist die Kehrseite.  „Jahwe kommt im Feuer. „Feuer“ ist in diesem Zusammenhang die verzehrende Macht, vor der kein Mensch bestehen kann.“ (H.J.Kraus, Das Evangelium des unbekannten Propheten, Jesaja 40 – 66, KBB, Neukirchen 1990, S.251) Nichts, wonach man sich sehnen würde. Heute fragen wir sofort: Hat hier nicht die Rachsucht das Wort? Aber hier ist nicht von der Vergeltung gegenüber irgendwelchen Feinden Israels die Rede. Sondern vom Richten der ganzen Erde und allen Fleisches. Gottes Gericht geht über alle.

              Ich höre das auch als ein Wort an die, die sagen: Wir sind doch noch einmal davon gekommen. Mehr noch: wir sind zurückgekehrt. Wir sind Gottes Neuanfang. Wer die Erfahrung der nationalen und religiösen Katastrophe hinter sich hat und zugleich ihre Folgen vor Augen, der wird wohl gar nicht anders können, als warnend zu sagen: Seid euch nicht sicher. Seid euch dessen bewusst, dass ihr vor Gott verantwortlich seid für euch, für eure Worte, für eure Taten und dass Gott nicht einfach großzügig fünf gerade sein lässt.

           Wieder komme ich zurück zu der Überlegung, die mich seit Tagen beschäftigt: Was richtet das bei uns an, dass wir nur noch von dem guten Gott reden, dem lieben Gott, dem Gott voller Erbarmen und Gnade? Braucht es die Rede vom Gericht, vom Zorn Gottes, damit wir die Botschaft von der Gnade und der Güte nicht verderben? In einem fiktiven Gespräch legt es der Autor Gott in den Mund: „Er habe das Böse geschaffen, weil er gedacht habe: Wie soll man das Gute erkennen, wenn es das Böse nicht gebe? Wie könne man den Tag begrüßen, wenn man die Nacht nicht habe? Wie sei es möglich, das Leben zu schätzen, wenn es den Tod nicht gebe?“( A. Hacke, Süddeutsche Zeitung Magazin Heft 48/2015)

         Es ist eine erschreckende Ahnung: Der verengte und einseitige Blick auf den gnädigen und gütigen Gott verdirbt die Gnade, macht die Güte gleichgültig, lässt die Treue achselzuckend zur Kenntnis nehmen: Na und? Es ist wohl wahr: So wie der nicht weiß, was Satt-sein ist, der den Hunger nie kennen gelernt hat, der nicht weiß, wie kostbar Gesundheit ist, der den Schmerz und die Krankheit nur vom Hörensagen kennt, so steht es auch um die, die vom Gericht Gottes nichts wissen. Erst vor der dunklen Folie des Gerichtes leuchtet das Erbarmen in seinem vollen Glanz, wird die Güte und Vergebung Gottes in ihrer Kostbarkeit geschmeckt.

       Nicht zuletzt deshalb: am Hellsten leuchtet die Gnade Gottes auf in die schrecklichen Zeichen des Kreuzes. Am Gekreuzigten. Er ist das Zeichen dafür, wie weit Gott in seiner Liebe geht. Bis zum Äußersten. Bis in das Dunkel des Gerichtes.

18 Ich kenne ihre Werke und ihre Gedanken und komme, um alle Völker und Zungen zu versammeln, dass sie kommen und meine Herrlichkeit sehen. 19 Und ich will ein Zeichen unter ihnen aufrichten und einige von ihnen, die errettet sind, zu den Völkern senden, nach Tarsis, nach Put und Lud, nach Meschech und Rosch, nach Tubal und Jawan und zu den fernen Inseln, wo man nichts von mir gehört hat und die meine Herrlichkeit nicht gesehen haben; und sie sollen meine Herrlichkeit unter den Völkern verkündigen.

            Man spürt sofort die Spannung zum unmittelbar zuvor Gesagten. Da ist vom Weltgericht die Rede, hier aber vom Sammeln, vom Sehen der Herrlichkeit Gottes, von Retten und Geretteten auch. „Der hier spricht, sagt damit: Das Kommen Gottes zum Weltgericht ist nicht der letzte Akt.“ (C.Westermann, Das Buch Jesaja 40 – 66, ATD 19., Göttingen 1966, S.337)

               Zu der zeitlichen Erweiterung tritt die gegenwärtige, räumliche Erweiterung. Es ist zu klein gedacht von Gott, wenn Israel exklusiv als das Volk Gottes gesehen wird. Es ist zu klein gedacht von diesem versprengten Haufen im Jerusalem, wenn er nur sich selbst irgendwie neu organisieren soll. Die Sammelaktion Gottes wird ausgeweitet auf die Völker. Bis zu den fernen Inseln. „Komm!“ weiterlesen

Fülle aus Gott

Jesaja 66, 5 – 14

5 Hört des HERRN Wort, die ihr erzittert vor seinem Wort: Es sprechen eure Brüder, die euch hassen und verstoßen um meines Namens willen: »Lasst doch den HERRN sich verherrlichen, dass wir eure Freude mitansehen«, – doch sie sollen zuschanden werden. 6 Horch, Lärm aus der Stadt! Horch, vom Tempel her! Horch, der HERR vergilt seinen Feinden!

             „Der Gott der Propheten und unser Gott ist kein „lieber Gott“, Wohl wird es einmal von ihm heißen, dass er „die Liebe“ ist; aber ein „lieber Gott“ ist er nicht. Nein, nein. Nein.“ (R. Bohren, Prophet in dürftiger Zeit, Auslegungen von Jesaja 56 – 66, Neukirchen 1969, S. 164) Die vor ihm, vor seinem Wort  zittern, die wissen das. Sie wissen, dass sie auf Gottes Fragen nicht eines antworten können. „Siehe, ich bin zu gering, was soll ich antworten? Ich will meine Hand auf meinen Mund legen. Einmal hab ich geredet und will nicht mehr antworten, ein zweites Mal geredet und will’s nicht wieder tun.“ Hiob 40,4-5) So steht es um den Menschen vor Gott, wenn er seine eigene Situation unverhüllt sieht.

             Es hat ihn immer schon gegeben, den hasserfüllten Blick auf Israel, auf Jerusalem, auf das Volk Gottes. Als da dieser kümmerliche Haufen aus dem Exil zurück kehrt, da sind die Völker ringsum auf dem Plan, ihnen das Leben schwer zu machen, sie daran zu erinnern: Ihr habt die Treue eures Gottes verspielt. Und diese Feinde haben ja Recht. Was Israel erlitten hat im Untergang und im Exil, das hat es selbst über sich gebracht, das ist die Folge seiner Schuld.

              Doch es ist noch bedrängender. Es geht nicht nur um gehässige Feinde von außen. Durch das Volk geht ein Riss. Haus an Haus wohnt man beieinander und ist doch durch Welten getrennt. Gruppenbildungen in Israel. „Es ist bemerkenswert: Die Majorität der vom Wort Gottes abgewandten „Bruder“ stößt die Minorität, die „vor den Wort Jahwes erzittert“, aus.“ (H.J.Kraus, Das Evangelium des unbekannten Propheten, Jesaja 40 – 66, KBB, Neukirchen 1990, S. 248) Später wird das Wort, das die Lutherbibel mit „verstoßen“ übersetzt, „im Talmud zum Terminus technicus für die Ausstoßung aus der Synagoge.“ (H.J.Kraus, ebda.)

               Es kann Angst machen: Im Volk Gottes sind die in der Minderheit, von der Ausstoßung durch die Mehrheit bedroht, denen es ernst ist mit dem Wort Gottes. Luther hat es Zeit Lebens geglaubt, dass die „wahre Kirche“ eine Kirche ist, die bedrängt ist, die angefeindet wird, die eben nicht jedermanns Liebling ist.  Es ist ein kurzer Schritt zu der Einsicht: „Wer Gottes Wort ablehnt, lehnt auch die ab, die dieses Wort Gottes ernst nehmen. Der Gotteshaß der Abtrünnigen ist natürlich keine Gottesleugnung, er ist vielmehr der radikale Zweifel an dem, was Gott durch seinen Boten ankündigte.“ (D. Schneider, Der Prophet Jesaja, 2. Teil; Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 1990, S.329)    „Fülle aus Gott“ weiterlesen

Gott – nicht zu fassen

Jesaja 66, 1 – 4

1 So spricht der HERR: Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel meiner Füße! Was ist denn das für ein Haus, das ihr mir bauen könntet, oder welches ist die Stätte, da ich ruhen sollte? 2 Meine Hand hat alles gemacht, was da ist, spricht der HERR.

             Hier klingt die alte Kritik wieder an, die schon vor dem Bau des ersten Tempels zu hören war. Wer Gott einen Tempel bauen will, der muss wissen, das kein Haus und kein Herz Gott zu fassen vermag. Und die Kritik ist noch einmal schärfer, weil ja da die Trümmer des zerstörten Tempels zu sehen sind.

           Es ist zugleich eine Warnung: Bildet euch nicht ein, ihr könntet durch einen Tempel-Neubau Gottes habhaft werden. „Man wird wohl davon ausgehen können, dass in der nachexilischen Gemeinde nicht nur der Neubau des Jerusalemer Tempels gefordert wurde, sondern dass der Wiederaufbau forciert wurde mit der Parole: Nur dann kann das eschatologische Heil ausbrechen, wenn der Tempel wieder errichtet ist.“ (H.J.Kraus, Das Evangelium des unbekannten Propheten, Jesaja 40 – 66, KBB, Neukirchen 1990, S.245) Diesen Stimmen tritt der Prophet entgegen mit dem Spruch des HERRN.

              Ich lese dieses Worte weiter als eine Warnung über alle Zeiten hinweg, auch an uns. Bildet euch nicht ein, ihr könntet Gott in irgendein Gebäude einsperren, das ihr ihm errichtet – ob es das Gebäude eures frommen Lebens ist, eurer selbst gemachten Gerechtigkeit, eurer so richtigen Theologie. Der Schöpfer des Himmels und der Erde ist nicht angewiesen auf Tempel, auf Gotteshäuser, auf Wohnorte, die Menschen ihm anweisen, auf Herrgottswinkel und Gebets-Kämmerchen, Häuser der Stille, die wir ihm zugestehen. „Gott – nicht zu fassen“ weiterlesen

Wovon ich träume

Jesaja 65, 17 – 25

17 Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird.

            Es ist Gott, der HERR, Jahwe, der durch seinen Propheten sagt: Ich will. Daran hängt alles. Daran, dass er, der sagt „ich will“ auch wirklich kann, was er will. Es ins Werk setzt. Das ist die Bastion des Glaubens. Dass Gott keine leeren Worte macht, nicht nur schöne Sprüche produziert. Was hier von Gott her angesagt wird, ist ein neuer Schöpfungsakt. Der Schöpferwille Gottes hat sich nicht „im Anfang“(1. Mose 1,1)erschöpft. Es ist ein Schöpferakt, der keine Reparatur ist, sondern wirklich neu. Schaffen – bārā᾽ – wie im Anfang. Ein Wort, das ausschließlich für das Schaffen Gottes verwendet wird, nie für das der Menschen.  Wir Menschen können nicht wirklich einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen. Bei uns kommt immer wieder das alte Strickmuster durch.

            „Er erneuert (mchadésch) in Seiner Güte jeden Tag das Werk des Anfangs. Was erneuert wird, gilt gleichsam als neu geschaffen.“ (R. Gradwohl, Bibelauslegung aus jüdischen Quellen, Bd. 2, Stuttgart 1987, S.218 )

            In diesem kurzen Satz steckt auch das: Die Neuschöpfung Gottes ist keine Rückkehr zum Anfang. Keine Wiedereröffnung des Paradiesgartens, als hätte es keine Geschichte von Leid und Schuld, auch keine Geschichte von Kunst und Kultur gegeben. Darum wird der Blick auch hoffnungsvoll nach vorne gerichtet. Gott ist kein Freund von Restaurationen. Es lohnt nicht, das Herz an das Vorige zu hängen. Nur wer keine Zukunft glaubt, für sich nicht und die Welt nicht, der wird nicht anders können, als restaurativ zu denken und zu handeln. Provokativ gesagt: Weltkulturerbe statt Hoffnung.

            Auch das ist wichtig – dieses Worte beziehen sich alle zuerst auf Israel, auf das Volk, das aus dem Exil zurück kehrt: „Neu, gereinigt von den Schlacken des Exils, der Schuld und des Versagens steht Israel unter dem neuen Himmel – mit der gegenwärtige Generation auch die zukünftigen Geschlechter.“(R. Gradwohl, aaO.; S.219)  Erst wenn man das wirklich akzeptiert, darf man diese Worte auch ausdehnen auf alle, auch auf die aus den Heiden. So wie es der Seher Johannes erschaut: Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. (Offenbarung 21,1-2) Wie nah sind diese Worte an den uralten Worten des Propheten.

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Gottes Hoffnung – Kein Heilsautomatismus

Jesaja 65, 11 – 16

11 Aber ihr, die ihr den HERRN verlasst und meines heiligen Berges vergesst und dem Gad einen Tisch zurichtet und dem Meni vom Trankopfer voll einschenkt, – 12 wohlan, euch will ich dem Schwert übergeben, dass ihr euch alle zur Schlachtung hinknien müsst; denn ich rief und ihr habt nicht geantwortet, ich redete und ihr habt nicht gehört, sondern tatet, was mir nicht gefiel, und erwähltet, wonach ich kein Verlangen hatte.

             Auf das Heilswort folgt ein Unheilswort. Nicht aus heiterem Himmel, sondern weil es Menschen gibt, die das Heilswort hören, sich aber davon nicht bewegen und berühren lassen. „Jahwes Knechten und Erwählten (65,9) stehen Menschen gegenüber, die den Gott Israels verlassen und den heiligen Berg vergessen haben, Menschen also, die den Namen Gottes nicht mehr anrufen und das Heiligtum auf dem Zion nicht mehr aufsuchen.“ (H.J.Kraus, Das Evangelium des unbekannten Propheten, Jesaja 40 – 66, KBB, Neukirchen 1990, S.238) Statt dessen halten sie sich an die Schicksalsgötter, Gad und Meni. „Was man bei den genannten Gottheiten sucht, ist Glück, Steigerung des Lebensgefühls.“ (D. Schneider, Der Prophet Jesaja, 2. Teil; Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 1990, S.321) Wie schrecklich aber sind, die so suchen, betrogen. Statt Glück das Schwert, statt Leben die Schlachtung.

     Die ernste Kehrseite: Gottes Hoffnung setzt keinen Heils-Automatismus in Gang. Es ist möglich, was unmöglich erscheint: die Gaben Gottes zu missachten. Die Liebe Gottes zu ignorieren. Die Hoffnung Gottes für lächerlich zu halten. Es ist möglich zu sagen: Gott – ach, der hat ausgespielt. Ich brauche die Hypothese Gott nicht für mein Leben. Es ist möglich, Gott für Schwachsinn zu halten, für Priestererfindung und Priesterbetrug, für einen billigen Trost für kleine Kinder und alte Leute, für die Verlierer im Kampf des Lebens. Aber was so unmöglich möglich ist, führt das Leben in eine Sackgasse. Daran lässt der Prophet keinen Zweifel.

            Aus einer Predigt: „Ich meine, wir wissen hierzulande, was das heißt, dem Glücksgott zu dienen, was das heißt, dem Erfolg, dem Wohlstand nachzulaufen und nicht nach Gottes Wort zu fragen. Wir wissen, was das heißt, dem Schicksalsgott den Mischtrank zu füllen, resignieren, sagen: Ich kann ja nichts machen. Ich halte es für den gefährlichsten Götzendienst von uns Christen, die Hände in den Schoß zu legen und der Welt ihren Lauf zu lassen.“ (R. Bohren, Prophet in dürftiger Zeit, Auslegungen von Jesaja 56 – 66, Neukirchen 1969, S.151f.)

 13 Darum spricht Gott der HERR: Siehe, meine Knechte sollen essen, ihr aber sollt hungern; siehe, meine Knechte sollen trinken, ihr aber sollt dürsten. Siehe, meine Knechte sollen fröhlich sein, ihr aber sollt zuschanden werden; 14 siehe, meine Knechte sollen vor Herzenslust jauchzen, ihr aber sollt vor Herzeleid schreien und vor Jammer heulen. 15 Und ihr sollt euren Namen meinen Auserwählten zum Fluch überlassen »Dass dich Gott der HERR töte«; aber meine Knechte wird man mit einem andern Namen nennen.

             Was für ein Kontrast: Hier der Tod, da das Leben. Die an den Tafeln der Götzen sitzen, werden am Ende hungern und dürsten. Die sich aber an den unsichtbaren Gott halten, werden Leben in Fülle erfahren. „Gottes Hoffnung – Kein Heilsautomatismus“ weiterlesen

Du lässt Dich suchen – und finden

Jesaja 65, 1 – 10

1 Ich ließ mich suchen von denen, die nicht nach mir fragten, ich ließ mich finden von denen, die mich nicht suchten. Zu einem Volk, das meinen Namen nicht anrief, sagte ich: Hier bin ich, hier bin ich!

                Gott lässt sich finden. Gott ist nicht so verborgen, dass es zwecklos wäre, nach ihm zu suchen. Es ist die große Sehnsucht Gottes, dass sein Volk sich auf die Suche macht nach ihm.  Dabei weiß Gott doch: schon der Anfang mit Israel war so, dass da kein Suchen war, kein Rufen, kein Fragen nach ihm. Aus der Not in Ägypten heraus haben sie geschrien. Sie wollten eine Wende der Not. Ob sie ihn wollten, ob er ihn nicht nur ein not-wendiges Mittel war, steht auf einem anderen Blatt.

           Und doch ist es dann zum Finden gekommen. „Suchten Menschen in Israel in der Anrufung des Namens Jahwes, im Gebet, der Gegenwart Gottes gewiss zu werden, so kommt Jahwe ihnen jetzt zuvor und tritt aus der Verborgenheit heraus. Ja, sehnsüchtig und verlangend streckt er seine zur Annahmen und Hilfe bereiten Hände ohne Unterlass aus, um die von ihm Fortstrebenden an sich zu ziehen.“ (H.J.Kraus, Das Evangelium des unbekannten Propheten, Jesaja 40 – 66, KBB, Neukirchen 1990, S.234) Gott hält es nicht aus, sich rauszuhalten, er kann nicht im Verborgenen bleiben, nicht fern von seinem Volk. Das lässt seine Liebe nicht zu.

             Vielleicht müssen wir es neu lernen, die so rasch angesichts von Unglücksfällen fragen: Wo ist denn nun Gott, dass er gerade da verborgen nahe sein will. Er ist gerade in der Not verborgen am Nächsten, tritt hinzu, unerkannt und ungesehen.

„Du fragst mich, wo mein Gott denn war                                                                       beim Anflug auf Hiroshima. Wo hat er sich verkrochen?                                                 Hat er noch dabei zugesehen, wie Menschen dort zugrunde gehen?                       Hat er den Brand gerochen?

 Ich weiß es nicht. Und es mag sein, ich wollt es gar nicht wissen                               Doch glaub ich, als die Bombe fiel, hat es auch Gott zerrissen.

 Du fragst mich, wo mein Gott denn war                                                                        Beim Angriff auf Amerika. An dem Septembermorgen.                                                Hat Gott die Opfer nicht gekannt? Hat er die Augen abgewandt                                    Im Himmel sich verborgen? 

 Ich hoff es nicht. Und es mag sein, ich möchte darauf hoffen:                                    Als Terror diese Menschen traf, hat er auch Gott getroffen.

Du fragst: Wer braucht so einen Gott,                                                                                  der nichts tut in der Menschen Not und sie darin erfriern lässt.                                 Du fragst, wie ich es fasssen kann, dass Gott so viele, Frau und Mann                    Von Folterhand krepiern lässt.

 Ich fass es nicht. Und glaube doch: Es ist auch nicht zu fassen.                                       Wenn Jesus schreit: Mein Gott, warum nur hast Du mich verlassen?

 Du fragst: Wie hältst du das nur aus, an diesen Gott zu glauben?                              Ich halt´s nicht aus und lass mir doch die Zuversicht nicht rauben:                               Es kommt der Tag, da finden wir das leere Grab des Lebens.                                            Da wischt Gott alle Tränen ab. Wir LIEBEN nicht vergebens.“                                                                    M. Buchholz, CD Alles Liebe, Felsenfest 20004

            Es ist gut, auf dieses Fragen nicht vollmundig zu antworten. Aber eben auch, nicht in Schweigen zu verfallen. Sondern den Antwort des Glauens nachzugehen: Gott lässt sich finden – am tiefsten Punkt des Lebens.

                      Da ist er nah, ganz nah, in unserer Mitte, der Mitte der Leidenden. Es ist eine Nähe, die nicht so offensichtlich ist wie wir sie gerne hätten. Die Nähe, die bei den Opfern ist, in den Opfern. Inkognito ist Gott unterwegs – und wir glauben immer, er müsste doch mit bloßem Auge sichtbar sein.  Wenn wir die Opfer wirklich sehen würden, wahrnehmen und nicht nur auf dem Bildschirm vorüberhuschen – wir würden Gott sehen.

 2 Ich streckte meine Hände aus den ganzen Tag nach einem ungehorsamen Volk, das nach seinen eigenen Gedanken wandelt auf einem Wege, der nicht gut ist; 3 nach einem Volk, das mich beständig ins Angesicht kränkt: Sie opfern in den Gärten und räuchern auf Ziegelsteinen, 4 sie sitzen in Gräbern und bleiben über Nacht in Höhlen, essen Schweinefleisch und haben Gräuelsuppen in ihren Töpfen 5 und sprechen: Bleib weg und rühr mich nicht an, denn ich bin für dich heilig. Die sollen ein Rauch werden in meiner Nase, ein Feuer, das den ganzen Tag brennt.

Aber wie werden seine ausgestreckten Arme beantwortet! Sie werden ignoriert. Weil der Tempel zerstört ist, muss Israel neu klären: wo ist Gott zu finden? Die ernüchternde Antwort: Große Teile von Israel suchen ihn da, wo sie vorzeiten die Götzen gefunden haben – in Ritualen, die fremden Göttern geschuldet sind, an Orten, an denen Gott sich noch nie finden lassen wollte. Es ist, als hätten sie nichts gelernt, als seien sie unbelehrbar. Fast könnte man auf die Idee kommen: Das normale Verhalten des Menschen ist der Götzendienst. Der Glaube ist alle Male Wunder. Abweichen von der menschlichen Normalität. „Du lässt Dich suchen – und finden“ weiterlesen

Komm in unser armes Leben

Jesaja 64, 4 – 11

 4 Du begegnetest denen, die Gerechtigkeit übten und auf deinen Wegen deiner gedachten.

              Wenn, weil der Himmel verschlossen ist, gibt es kein Leben. Fällt kein Licht auf die Erde. Wenn der Himmel verschlossen ist, prallen die Gebete ab, gehen alle Hilferufe ins Leere. Die bleierne Zeit breitet sich aus. Der Schrei nach dem Zerreißen des Himmels ist ein Schrei nach dem geöffneten Himmel. Es ist der Ruf nach einer neuen Gotteserscheinung.

            Das ist die Hoffnung: „Man kann nach Gottes Maßstäben leben, wie wenn seine volle Gegenwart schon Realität wäre.“ (D. Schneider, Der Prophet Jesaja, 2. Teil; Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 1990, S.313) Wenn Gott also neu kommt, dann wird er doch auf die treffen, einige, vielleicht wenige, vielleicht gar nur einen, der Gerechtigkeit übte und Gottes auf seinen Wegen gedachte. Betern, die nach ihm rufen und fragen.

 Siehe, du zürntest, als wir von alters her gegen dich sündigten und abtrünnig wurden. 5 Aber nun sind wir alle wie die Unreinen, und alle unsre Gerechtigkeit ist wie ein beflecktes Kleid. Wir sind alle verwelkt wie die Blätter, und unsre Sünden tragen uns davon wie der Wind. 6 Niemand ruft deinen Namen an oder macht sich auf, dass er sich an dich halte; denn du hast dein Angesicht vor uns verborgen und lässt uns vergehen unter der Gewalt unsrer Schuld.

               Das ist bewegend, dass hier nicht ein blindes Verhängnis beklagt wird. Es kommt zur Einsicht in die Schuld des Volkes. Es ist die Konsequenz eines verfehlten Weges, auf dem Israel in die Irre gegangen ist, dass es nun vor den Trümmern steht und in Trümmern haust. Es ist nicht nur Fehl-Verhalten einer Generation, sondern es ist das Verhaltens des Volkes von alters her. Und das schmerzt umso mehr, weil die Fallhöhe des Volkes so hoch war. Die Stadt, die zum Himmel erhoben war, die in ihrer Mitte den Wohnort Gottes glaubte, die ist ins tiefe Elend gestürzt. Das Volk, das sich sicher war, Gott auf seiner Seite zu haben, das ist ausgeliefert an diese Misere. Wie verwehendes Laub, wie verwelkte Blätter ist das Volk – auch hier klingen wieder Psalmworte an:

„Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras,                                                                         er blüht wie eine Blume auf dem Felde;                                                                         wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da,                                                     und ihre Stätte kennet sie nicht mehr.“            Psalm 103, 15 – 16

            Nicht das Einzelschicksal ist im Blick – dem ganzen Volk droht dieses Verwehen im Wind. „Alles liegt daran, dass die lebendige Verbindung mit Gott im Anrufen und im Vertrauen zerstört wurde.“ (C.Westermann, Das Buch Jesaja 40 – 66, ATD 19., Göttingen 1966, S.315) Befleckt durch Schuld, verwelkt wie Laub, ausgedörrt – so steht das Volk da. „Komm in unser armes Leben“ weiterlesen

Reiß die Himmel auf!

Jesaja 63, 17 – 64, 3

17 Warum lässt du uns, HERR, abirren von deinen Wegen und unser Herz verstocken, dass wir dich nicht fürchten?

             Es sind Fragen, die vom Gedanken der Alleinwirksamkeit Jahwes geleitet werden. Da ist kein Verführer am Werk, sondern nur das Zulassen Gottes, dass das Volk sich verrennt. Warum hast du uns nicht aufgehalten? Man muss doch dem Rad in die Speichen greifen, wenn man sieht, dass es in den Abgrund rollt. So kann man lesen und dann ist es eine Anklage gegen Gott. Hat er gewissermaßen seine Aufsichtspflicht verletzt? „Wird hier die Verantwortung Gott zugespielt? Keineswegs.“(H.J.Kraus, Das Evangelium des unbekannten Propheten, Jesaja 40 – 66, KBB, Neukirchen 1990, S.231)

            Man kann die Fragen ja auch so lesen: Greife doch endlich ein. Dann sollen die Fragen Gott bewegen, Gott zum Handeln bringen. Es ist, als würde einer sagen: Du siehst doch, wie wir uns verirren. Sage uns doch, zeige uns doch, wie wir aus der Misere herauskommen Das Volk sieht, wie es sich mehr und mehr in einer Sackgasse verrennt und ruft um Hilfe, weil es spürt: wir kommen nicht allein aus unserer Abwärtsspirale heraus.

Kehr zurück um deiner Knechte willen, um der Stämme willen, die dein Erbe sind! 18 Kurze Zeit haben sie dein heiliges Volk vertrieben, unsre Widersacher haben dein Heiligtum zertreten.

             Dazu passt dieser Ruf an Gott: Kehre zurück. Israel weiß, dass es keinen Neuanfang gibt, wenn Gott nicht mit seinen Knechten neu anfängt. Es ist ein Hoffnungssignal: was wir erleben an Ausgeliefertsein, was wir erfahren haben durch die Zerstörung deines Heiligtums – das ist nur eine Momentaufnahme. Nur für kurze Zeit.

 19 Wir sind geworden wie solche, über die du niemals herrschtest, wie Leute, über die dein Name nie genannt wurde.

             In diesem Volksklagepsalm wirft sich Israel Gott entgegen. Das Volk leidet darunter, dass es geworden ist wie alle Völker, dass es sich verirrt hat von Gott weg und verrannt hat in seine Irrtümer. Und die, die zurückgekehrt sind aus dem Exil, die haben nun die Folgen dieser Verirrungen und Verwirrungen täglich vor Augen – Trümmer und Trostlosigkeit überall. Es wäre kein Wunder, wenn sie aufgeben, in völliger Resignation verdämmern und versinken. Aber sie geben nicht auf. Sie halten sich Gott hin. „Reiß die Himmel auf!“ weiterlesen

Schaue vom Himmel her

Jesaja 63, 7 – 16

7 Ich will der Gnade des HERRN gedenken und der Ruhmestaten des HERRN in allem, was uns der HERR getan hat, und der großen Güte an dem Hause Israel, die er ihnen erwiesen hat nach seiner Barmherzigkeit und großen Gnade. 8 Denn er sprach: Sie sind ja mein Volk, Söhne, die nicht falsch sind. Darum ward er ihr Heiland 9 in aller ihrer Not. Nicht ein Engel und nicht ein Bote, sondern sein Angesicht half ihnen. Er erlöste sie, weil er sie liebte und Erbarmen mit ihnen hatte. Er nahm sie auf und trug sie allezeit von alters her.

               Es könnte am Anfang eines Gottesdienstes stehen und den Grundton für alle folgenden Worte vorgeben: „Und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ (Psalm 103,2) Erinnerung ist eine der Grundhaltungen des Glaubens. Wer nicht weiß, woher er kommt, wie soll der wissen, wohin er geht? Jesaja ruft es dem Volk immer neu in Erinnerung: Israel verdankt sich Gott. Er hat das Volk erwählt. Seine Wahl hat es überhaupt erst zum Volk gemacht. Aus den verschiedenen Stämmen ist ein Volk geworden durch seine Wahl.

            Man kann durchaus überlegen: wird in diesem Gottesdienst-Eingang nur die Gemeinde an die Wohltaten Gottes erinnert oder kann es nicht auch sein, dass Gott erinnert wird. „Nun intoniert der Prophet das Lied von den Gnadentaten, den Ruhmestaten Jahwes. So also vollzieht er seinen Wächterdienst: Er erzählt dem Allerhöchsten, was dieser an seinem Volk getan.“ (R. Bohren, Prophet in dürftiger Zeit, Auslegungen von Jesaja 56 – 66, Neukirchen 1969, S.127)

             Ungewöhnlich und auffallend: Sie sind ja mein Volk, Söhne, die nicht falsch sind. Es ist, als würde Gott es sich selbst vorsagen: Sie sind nicht schlecht. Sie sind nicht verdorben. Wie anders klingt das an anderen Stellen der Schrift – von Anfang an: „Ich habe dies Volk gesehen. Und siehe, es ist ein halsstarriges Volk.“(2. Mose 32,9) Und noch grundsätzlicher ausgeweitet, über das Volk hinaus, menschheitsbezogen: „Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.“ (1. Mose 8,21) Hier aber ist es, als würde der HERR, allen seinen Erfahrungen zum Trotz daran festhalten: Mein Volk. Was spielt es da für eine Rolle, ob sie gut sind oder böse, recht oder falsch. Sie sind geliebt.

            Es ist Gottes Realismus und keine Selbsttäuschung. Er weiß, auf welche Sorte Menschen er sich eingelassen hat. Aber er sieht sie vom Ende her, von dem her, was  seine Liebe aus ihnen machen wird:  Sie sind ja mein Volk, Söhne, die nicht falsch sind. Darum ward er ihr Heiland in aller ihrer Not.

            In meinen Augen die herausragende Erinnerung: Gott hat sich selbst an die Seite seines Volkes gestellt. Nicht ein Engel, nicht irgendein menschlicher Stellvertreter – Gott selbst. Gleich zweimal heißt es im 2. Mosebuch – Kapitel 32 und 33 als Wort Gottes: „Ich will vor dir her senden einen Engel“(2. Mose 33,2) Mose aber gibt sich nicht damit zufrieden – ein Engel genügt ihm nicht: „Mose aber sprach zu ihm: Wenn nicht dein Angesicht vorangeht, so führe uns nicht von hier hinauf. Denn woran soll erkannt werden, dass ich und dein Volk vor deinen Augen Gnade gefunden haben, wenn nicht daran, dass du mit uns gehst.“(2. Mose 33,15-16) so kommt es dann auch: In der Feuersäule der Nacht, in den Wolken des Tages führt Gott sein Volk durch die Wüste. „Aus seiner ureigensten Liebe und aus seinem großen Erbarmen herauserlöste Jahwe sein Volk, rettete sie aus der Knechtschaft Ägyptens und trug sie, nicht nur durch die Wüste, sondern allezeit, bis auf den heutigen Tag.“ (H.J.Kraus, Das Evangelium des unbekannten Propheten, Jesaja 40 – 66, KBB, Neukirchen 1990, S.226) Darum ist er ihr Heiland in aller ihrer Not, wird selbst zum Hirten in der Zeit des Exils.

            Weil ich auch den Propheten Jesaja als Christ lese, gehe ich noch einen Schritt weiter: Gott nimmt unsere Existenz auf sich, wird einer wie wird, wird Mensch unter den Menschen, verwechselbar, verwundbar, verletzlich, ja vom Tod gezeichnet. An Weihnachten feiern wir genau das: Gott stellt sich zu uns, er selbst in seinem Sohn Jesus Christus. So ist er auch der Heiland von uns Christen aus den Heiden.    „Schaue vom Himmel her“ weiterlesen

Gottes Einsamkeit

Jesaja 63, 1 – 6

1 Wer ist der, der von Edom kommt, mit rötlichen Kleidern von Bozra, der so geschmückt ist in seinen Kleidern und einherschreitet in seiner großen Kraft? »Ich bin’s, der in Gerechtigkeit redet, und bin mächtig zu helfen.«

             Das klingt wie eine Einlass-Kontrolle: Wer bist du? Was bringst du mit? Meistens taucht dieses Bild in der Bibel auf, wenn es darum geht, wer auf Gottes Berg kommen darf, wer rein ist für den Zutritt zum Tempel.  So heißt es im Psalm:

„Wer darf auf des HERRN Berg gehen,                                                                                     und wer darf stehen an seiner heiligen Stätte?                 Psalm 24, 2

          Die Frage ist umso dringlicher, als der Kommende von Edom her kommt. einer, dessen Kleider rot gefärbt sind. Das ist zwar die Farbe der edomitischen Berge, wenn das Sonnenlicht auf ihnen liegt. Aber hier geht es nicht um ein Farbspiel in der Sonne.

              Die Wächter  auf der Stadtmauer rufen ihn, der kommt, an und erhalten „Antwort in der Gestalt einer Selbstprädikation… Sie zeigt, dass Gott der von Edom her Kommende ist und es bedarf keiner weiteren Erklärung.“(C.Westermann, Das Buch Jesaja 40 – 66, ATD 19., Göttingen 1966, S.303) Gerechnet haben die Wächter wohl nicht  mit dieser Auskunft, selbst wenn sie es wissen könnten. Aber die Leser des Jesaja-Buches können sich hier schon einen Reim auf das Folgende machen: „Im Alten Testament haben Edom und Seir in den Schilderungen (Visionen) der Gotteserscheinung „vom Sinai her“ einen festen Platz.“ (H.J.Kraus, Das Evangelium des unbekannten Propheten, Jesaja 40 – 66, KBB, Neukirchen 1990, S.223) Trotzdem ist Edom nicht unbedingt mit positiven Gefühlen belegt. Edom kann auch stellvertretend für alle Völker um Israel herumstehen, für die „Fremdvölker“, vor denen man in Israel immer auf der Hut zu sein hat. Woran sich bis heute nicht wirklich viel geändert hat.

                Man kann schon darüber nachdenken: Kommt Gott nicht immer, selbst wenn wir zu wissen glauben, wie er ist, wer er ist, wie ein Fremder, wie einer aus der Fremde? Kommt er nicht immer so, dass wir auch fragen müssen: Wer bist du?

           Die Antwort an die Wächter:  »Ich bin’s, der in Gerechtigkeit redet, und bin mächtig zu helfen.« Es ist kein Zweifel möglich: Der so redet, ist Gott.  Ich bin es – das ist Gottesrede, Selbstvorstellung. Und was der Kommende von sich sagt: ich bin mächtig zu helfen, das ist ja die Hoffnung Israels. Sie glauben und hoffen auf den Gott, der mächtig ist zu helfen.       „Gottes Einsamkeit“ weiterlesen