Ich brauche ein besseres Gedächtnis

Philipper 4, 10 – 23

10 Ich bin aber hocherfreut in dem Herrn, dass ihr wieder eifrig geworden seid, für mich zu sorgen; ihr wart zwar immer darauf bedacht, aber die Zeit hat’s nicht zugelassen.

            Paulus ist nicht der Mann spiritueller Höhenflüge. Ganz handfest geht es zu. Die Gemeinde hat für Paulus gesorgt – durch Zuwendungen, Unterstützung. Unaufgefordert. Als sich die Gelegenheit geboten hat, sind sie aktiv geworden. Dies zu erfahren, hat Paulus gut getan. Ihn mit großer Freude erfüllt. Dieser „ausführliche und sehr persönliche Dank für die Geldzuwendung der Philipper, der erst am Schluss des Briefes seinen Ort hat, ist ein besonderes Beispiel für die liebevolle Verbundenheit zwischen Apostel und Gemeinde.“ (U. Wilkens, aaO. S. 252)   

11 Ich sage das nicht, weil ich Mangel leide; denn ich habe gelernt, mir genügen zu lassen, wie’s mir auch geht. 12 Ich kann niedrig sein und kann hoch sein; mir ist alles und jedes vertraut: beides, satt sein und hungern, beides, Überfluss haben und Mangel leiden; 13 ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht.

                  Kein Zweifel. Paulus ist dankbar. Man tut gut daran, diese Sätze nicht als gängige höfliche Floskel zu lesen: „Das wäre doch nicht nötig gewesen.“ Auch nicht als Zurückweisung einer nicht willkommenen Fürsorge. Es tut gut, wenn andere liebevoll an uns denken, wenn sie tatkräftig und mit guten Worten unterstützen, Es tut gut, selbst wenn man geneigt ist abzuwehren. Diese Zuwendung ist wie ein Versprechen für andere Zeiten – es wird Hilfe auch dann geben, wen die eigenen Möglichkeiten erschöpft und ausgereizt sind.

Andernorts ist Paulus sorgfältig darauf bedacht, Eigenständigkeit und Unabhängigkeit zu wahren. „Als ich bei euch war und Mangel hatte, fiel ich niemandem zur Last. Denn meinem Mangel halfen die Brüder ab, die aus Mazedonien kamen. So bin ich euch in keiner Weise zur Last gefallen und will es auch weiterhin so halten.“(2. Korinther 11, 9) Nicht so hier. „Er nimmt die Unterstützung der Philipper an, selbst wenn er offenbar auch ohne sie in der Lage wäre zu überleben.“(Chr. Schluep-Meier, Der Philipperbrief/Der Philemonbrief, Neukirchen 2014, S. 150) Die Gaben freuen ihn. Sie tun ihm gut, sind sie doch Zeichen einer tiefen Verbundenheit.

            Und doch: Er hat eine andere Lektion gelernt, die ihn unabhängig hat werden lassen von seiner äußeren Situation. Ich habe gelernt, mir genügen zu lassen. „Mit allem zufrieden zu sein, auch wenn er Hunger und Durst erleiden muss, nichts anzuziehen hat und kein Quartier findet.“(G.. Friedrich, aaO. S. 173) Das ist auf den ersten Blick eine Bedürfnislosigkeit, wie sie auch in der zeitgenössischen Philosophie gelobt, empfohlen und auch praktiziert werden könnte. Allerdings nur auf den ersten Blick.

            Die Bedürfnislosigkeit des Paulus unterscheidet sich in ihrer Wurzel davon. Seine Bedürfnislosigkeit kommt daher: Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht. Sie ist erwachsen aus der Bindung an Christus, aus der Erfahrung: Er sorgt für mich. „Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde.“ (Psalm 73,25) Das war wohl einmal Lernstoff für den Pharisäer Paulus. Das ist Erfahrungs-Stoff für den Christus-Zeugen Paulus. „Er hat gelernt, Christus nachzuahmen. Wer das tut, beschreitet die Kurven des Weges Christi.“ (P. Wick/K. Offermann, Mit Paulus glauben, Texte zur Bibel 34, Neukirchen 2018, S. 114) Aus seiner Stärke schöpft Paulus. Keine Autarkie, keine Selbstgenügsamkeit, sondern Christus schenkt sich selbst und schenkt darin genug. 

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Meine Lehrer

Philipper 4, 1 – 9

1 Also, meine lieben Schwestern und Brüder, nach denen ich mich sehne, meine Freude und meine Krone, steht fest in dem Herrn, ihr Lieben.

            Sätze der Ermutigung. Sätze, in denen Sehnsucht mitschwingt. Keine Polemik mehr, sondern Zuneigung und Verbundensein bestimmen diese Worte. „Eine Handvoll Bitten, Wünsche, Ermahnungen, Ermunterungen, sozusagen auf gut Glück hineingeworfen in die Gemeinde.“(E. Thurneysen, Der Brief des Paulus an die Philipper, Basel 1943, s. 128)  Und in allem ist die Hochachtung zu hören. Meine Freude und meine Krone. Was ihn äußerlich schmückt und innerlich froh sein lässt – das ist die Gemeinde. Ich überlege: in wie vielen der Gemeinden, die Paulus gegründet hat, hat er Anderes erlebt – Misstrauen, Vorbehalte, Skepsis. Hier dagegen: Freude. Von ihnen hofft er, dass sie fest bleiben. Stabil,  würden wir sagen. Beständig und treu.

            Diese kurze Notiz zeigt: dass Christen stabil und treu im Glauben sind, versteht sich nicht von selbst. Es ist Herausforderung, fest zu stehen. Es geht Paulus um Festhalten am Bekenntnis. „Wozu ein Bekenntnis, wenn nicht daran festzuhalten wäre?“(Chr. Schluep-Meier, Der Philipperbrief/Der Philemonbrief, Neukirchen 2014, S. 137) Festzuhalten nach außen und auch sich selbst darin festzuhalten. Das alles ist Aufgabe und es ist Bitte zugleich. Wohl auch Teil der Fürbitte des Paulus. 

Ach bleib mit deiner Treue bei uns, mein Herr und Gott;
Beständigkeit verleihe, hilf uns aus aller Not.         J. Stegemann 1627  EG 347

2 Evodia ermahne ich und Syntyche ermahne ich, dass sie „eines“ Sinnes seien in dem Herrn. 3 Ja, ich bitte auch dich, mein treuer Gefährte, steh ihnen bei; sie haben mit mir für das Evangelium gekämpft, zusammen mit Klemens und meinen andern Mitarbeitern, deren Namen im Buch des Lebens stehen.

            Paulus bleibt bei seinem Thema: Feststehen, beständig werden. Gefährdet wird das sicher durch Druck von außen. Aber vor allem auch durch Uneinigkeit im Inneren. Gibt es Unstimmigkeiten zwischen Evodia und Syntyche, dass Paulus so ermahnt – diesmal wirklich ermahnt? „Ob die beiden Frauen zusammenarbeiten und dabei in Zwist geraten sind oder ob sich aufgrund verschiedener Ansichten ein Konflikt gebildet hat, wissen wir nicht.“(Chr. Schluep-Meier, aaO. S. 139) Nur: Die Gemeinde soll nicht zusehen, wie sich Leute entzweien, die gemeinsam für das Evangelium gekämpft haben.

            Es ist nicht die Art des Paulus, solche Unstimmigkeiten einfach als gegeben hinzunehmen.             Darum stellt er ihnen Leute zur Seite. Helfer. Friedensstifter. Weil sie gebraucht werden, auch als Prellbock zwischen Personen, die es miteinander nicht leicht haben. Es ist eine auffällige Anrede:  Σύζυγε. Jochgenosse („zusammengejocht, verbunden“. Gemoll, aaO. S. 698) – so redet er einen, den sie wohl in Philippi alle kennen, direkt an. Wie harmlose klingt die deutsche Übersetzung Gefährte! „Offensichtlich steht der Angesprochene, bildlich gesprochen, mit Paulus wie ein Ochse in einem Zweiergespann. Er zieht am selben Joch und arbeitet damit auf demselben Feld.“(P. Wick/K. Offermann, Mit Paulus glauben, Texte zur Bibel 34, Neukirchen 2018, S. 92)  Ihn, der mit ihm, Paulus, auch die Lasten des Weges wie ein Jochgenosse geteilt hat, will er einspannen für diese beiden Frauen.

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Schon vorgemerkt

Philipper 3, 12 – 21

12 Nicht, dass ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich’s wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin. 13 Meine Brüder, ich schätze mich selbst noch nicht so ein, dass ich’s ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, 14 und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.

            Noch nicht am Ziel. Noch nicht vollkommen. Das sind vielleicht die kostbarsten Sätze dieses großen ersten Theologen der Christenheit. Er, der  den Glauben so radikal durchdacht hat, wie vor ihm keiner aus der Jüngerschar, er, der mit seinem Denken Grundlagen für alle spätere Denkarbeit in der Christenheit gelegt hat – er sagt: noch nicht vollkommen. „Er denkt von sich nicht, dass er sein Heil im Griff hat, aber er vertraut darauf, dass Christus ihn ergriffen hat.“ P. Wick/K. Offermann, Mit Paulus glauben, Texte zur Bibel 34, Neukirchen 2018, S. 77)

            Im Deutschen kann man nicht sehen, was hier mitschwingt. Οχ τι δη τετελείωμαιNicht, dass ich schon vollkommen sei steht einem anderen Satz, einem anderen Wort, gegenüber: Τετέλεσται„Es ist vollbracht.“ (Johannes 19,30) Das gleiche Wort, einmal als Signal des Sieges, der Vollendung und einmal als Hinweis: noch nicht. Es ist, als wüsste Paulus, dass dieses Wort vollbracht, vollkommen nur einem zusteht, nur dem Christus am Kreuz.   

            Paulus jedenfalls sieht sich noch auf dem Weg. Er ist „ein Wettläufer, der von Christus erfasst, auf die Parusie Christi zuläuft.“(U. Wilkens, aaO. S. 252) Dem kommenden Christus entgegen.Weil er noch unterwegs ist,ist er kein Vollkommener. Kann es ja auch gar nicht sein, solange er noch auf dem Weg ist. Noch nicht in der Ewigkeit angekommen. Es ist gut, sich vor allen zu hüten, die sich unterwegs mit der Aura der Vollkommenheit umgeben.  Das Evangelium von der Rechtfertigung der Gottlosen verträgt keine perfekten Frommen. Es verträgt Frömmigkeit nicht als Vollkommenheit, sondern immer nur als Versuch. Als Übung.

            Sich ausstrecken – ja. Sich mühen – ja. Sich festhalten in der Hoffnung, dass ich gehalten werde – ja.

 Was ist Jesus für mich?
 Einer, der für mich ist.

 Was ich von Jesus halte?
 Dass er mich hält.       L. Zenetti, Auf seiner Spur, Mainz 2000, S. 126

           In dieser Haltung lebt Paulus. „Ich bin der, der auf diese Weise unterwegs sein muss, unaufhaltsam unterwegs. Denn Jesus Christus hat seine Hand auf mich gelegt.“(E. Thurneysen, Der Brief des Paulus an die Philipper, Basel 1943, S. 116) So sieht er sich als einen, der Jesus folgt. Ihm nachläuft. In ihm das Ziel seines Lebens hat. Man kann es vermutlich gar nicht einfach genug sagen: Ich strecke mich aus nach dem, was da vorne ist. Darin sieht Paulus die Erfüllung, der er entgegen lebt: bei Jesus sein. Dazu weiß er sich berufen. Das ist die Berufung, die über die Berufung als Apostel hinaus geht, die sich auch nicht in rastlosem Einsatz erschöpft: Im Vaterhaus ankommen. Ihn sehen, wie er ist. Von ihm angesehen werden. 

15 Wie viele nun von uns vollkommen sind, die lasst uns so gesinnt sein.

            Das klingt fast ein bisschen ironisch. τέλειοι vollkommen. Aus dem Mund dessen, der gerade von sich gesagt hat: Ich jedenfalls bin nicht vollkommen. Noch nicht am Ziel. Nimmt Paulus ein Schlagwort aus den Gemeinden auf, ein Wort, das Faszination ausübt? Es könnte so sein. Vollkommenheits-Ideale haben zu aller Zeit Konjunktur. Und es gab und gibt genügend Gruppen, die ihren Leute genau das versprechen: Das vollkommene Leben, das gelingende Leben. Nur noch ein Kurs mehr. Nur noch ein bisschen Mühe mehr.

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Der Grund-Ton: Freude

Philipper 3, 1 – 11

1 Weiter, liebe Brüder: Freut euch in dem Herrn! Dass ich euch immer dasselbe schreibe, verdrießt mich nicht und macht euch umso gewisser.

            Das ist ein Grund-Ton in diesen Brief: Freut euch in dem Herrn! Kein Befehl, sondern eine Ermutigung zur Freude. Eine Erinnerung daran, dass es ein Glück ist, eine Lust ist, mit Christus zu leben. Weil das Leben mit ihm einen weiten Horizont hat, der nicht am Tod endet. Diese Erinnerung  kann man vermutlich gar nicht oft genug wiederholen, weil sie sich sonst so leicht unter den Bedingungen des Alltags verflüchtigt.

            Wir fragen: „Alle Jahr wieder“ – was soll daran schon Grund zur Freude sein?  Paulus aber denkt so: Das immer gleiche Evangelium, dass wir Gott recht sind, weil er uns sich recht sein lässt – wie sollte einen das nicht freuen? Nicht jubeln lassen? Dass Gott sich durch nichts von uns trennen lässt und dass uns nichts aus seiner Hand reißen kann – weder Tod noch Leben, weder Hohes noch Zukünftiges. Weder Glück noch Schmerz – wenn das kein Grund zur Freude ist! In allen Wechselfällen des Leben gehalten und geborgen in Christus. „Wer in Christus ist, kann allezeit fröhlich sein.“ (G. Friedrich, aaO. S. 158) Darum:

   In dir ist Freude in allem Leide, o du süßer Jesu Christ!
   Durch dich wir haben himmlische Gaben, du der wahre Heiland bist;
    hilfest von Schanden, rettest von Banden.
   Wer dir vertrauet, hat wohl gebauet, wird ewig bleiben. Halleluja.
    Zu deiner Güte steht unser G’müte, an dir wir kleben im Tod und Leben;
    nichts kann uns scheiden. Halleluja.                         C. Schnegass 1598 , EG 398

            Täglich zu singen. Besonders in schweren Zeiten. Es ist gut, dass das Lied, das so jubelt, die Wechselfälle des Lebens nicht ausspart. Es gibt eine Freude trotz der vielen Schattenspiele, die das Leben auch mit sich bringt.

               „Es gibt einen Punkt, an dem alles hängt, einen Punkt, an dem es sich entscheidet wie es steht zwischen Gott und den Menschen, einen Punkt, an dem alle Not und alles Elend unseres Lebens eine Grenze findet, einen Punkt, an dem das Licht von oben hell und klar in diese Welt hineinbricht.“(E. Thurneysen, Der Brief des Paulus an die Philipper, Basel 1943, S. 102) Von diesem einen Punkt, Christus, wieder und wieder zu reden, zu schreiben, will Paulus nicht müde werden. So schreibt er es ja auch – an eine andere Gemeinde: Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, ihn, den Gekreuzigten.“(1. Korinther 2, 2) Etwas anderes hat er nicht.

2 Nehmt euch in Acht vor den Hunden, nehmt euch in Acht vor den böswilligen Arbeitern, nehmt euch in Acht vor der Zerschneidung! 3 Denn „wir“ sind die Beschneidung, die wir im Geist Gottes dienen und uns Christi Jesu rühmen und uns nicht verlassen auf Fleisch, 4 obwohl ich mich auch des Fleisches rühmen könnte.

            Paulus macht es uns nicht leicht. Er springt von der Aufforderung zur Freude zu scharfer, harter Polemik Dieser Sprung ist so groß, dass manche Ausleger vermuten, hier beginne ein neuer Brief, der erst später mit dem „Freudenbrief“ zusammen geführt worden sei. Mag sein, ich weiß es nicht und bin nicht restlos überzeugt. Aber es hängt nicht so viel daran, ob es ein oder zwei oder gar drei Briefe waren, die nach Philippi gingen. Mir leuchtet der folgende Erklärungsversuch aber durchaus ein: „Man kann diese plötzliche Polemik nur durch die Annahme erklären, dass Paulus selbst beim Diktieren seines Briefes von der Nachricht über das Auftauchen neuer Gegner überrascht worden ist.“ (U. Wilkens, aaO. S. 250) Es ist allerdings nur ein Versuch, nur eine Vermutung.  

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Helle Lichter

Philipper 2, 19 – 30

19 Ich hoffe aber in dem Herrn Jesus, dass ich Timotheus bald zu euch senden werde, damit ich auch erquickt werde, wenn ich erfahre, wie es um euch steht.

            Themawechsel – Blick in die Zukunft. Hier auf Timotheus Paulus ist auf seine Mitarbeiter angewiesen.. Ihn will er nach Philippi schicken. Es wirkt seltsam verhalten: Ich hoffe aber in dem Herrn Jesus, dass ich Timotheus bald zu euch senden werde, Dahinter stecken Planungsvorbehalte. Nicht, dass Paulus nicht weiß, was er will. Aber er weiß nicht, ob er auch kann. Diese Vorsicht erinnert an die Vorsicht, die ein anderer Briefautor für unerlässlich hält: „Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun.“(Jakobus 4,15)

Die Hoffnung, die Paulus im Blick auf diese Sendung des Timotheus hat, ist, durch ihn Nachrichten zu erhalten, gute Nachrichten. Es wird, so denkt  Paulus, gut tun, von der Gemeinde zu hören, von ihrem Weg, von ihrem Glauben, vom Miteinander in Philippi. „Bei solchen Gelegenheiten konnte ein intensiver Austausch mit Belehrung, Ermahnung, Erbauung, Seelsorge und Ermutigung stattfinden.“ Chr. Schluep-Meier, Der Philipperbrief/Der Philemonbrief, Neukirchen 2014, S. 90) Nicht zuletzt: Gutes zu hören tut gut. Wenn das stimmt – warum erzählen wir uns heutzutage immerzu von den Problemen „rund um die Kirche“ und nicht mehr von dem, wo es gute Erfahrungen gibt?   

20 Denn ich habe keinen, der so ganz meines Sinnes ist, der so herzlich für euch sorgen wird. 21 Denn sie suchen alle das Ihre, nicht das, was Jesu Christi ist. 22 Ihr aber wisst, dass er sich bewährt hat; denn wie ein Kind dem Vater hat er mit mir dem Evangelium gedient. 23 Ihn hoffe ich zu senden, sobald ich erfahren habe, wie es um mich steht.

            Timotheus ist nicht irgendwer. Paulus startet eine regelrechte Lobrede auf ihn. Alles, was er schreibt, zeichnet Timotheus aus – sein Name auf Deutsch: „Gottesfürchtiger,  Gottesverehrer“  -, kennzeichnet ihn als einen nach dem Herzen des Paulus. Mit ihm ist er ganz einig, von ihm ist er völlig überzeugt. „Er stellt ihn den Philippern als Vorbild hin. Timotheus achtet die Philipper höher als sich selbst, stellt ihre Interessen vor seinen eigenen“.(P. Wick/K. Offermann, Mit Paulus glauben, Texte zur Bibel 34, Neukirchen 2018, s. 59)  Ganz so, wie es Paulus als Grundhaltung der Gemeinde beschrieben hat: „in Demut achte einer den andern höher als sich selbst, und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient..“(2,3-4)

            In diesen Lob-Sätzen über diesen einen Mitarbeiter schwingt auch Bitterkeit mit, über andere, nicht namentlich genannte Weggefährten. Es ist auch ein „Wort der Enttäuschung über seine engsten Mitarbeiter.“ (G. Friedrich, aaO. S. 156) Man kann es förmlich mithören: Wie schade, dass nicht mehr so sind wie dieser eine.  Sie suchen alle das Ihre, nicht das, was Jesu Christi ist. Man könnte auf die Idee kommen: Dienst nach Vorschrift. Man könnte hören: „Ich bin doch nicht nur Missionar, nicht nur Mitarbeiter. Es gibt doch auch noch andere Interessen, die mir wichtig sind.“

            Dahinter mag stehen, dass manche sich nicht so eingesetzt haben, wie es Paulus erhofft oder auch gefordert hat. Auch, dass manche seine Sicht der Dinge nicht geteilt haben. Sein Weg der Verkündigung an die Heiden war ja nicht allseitig problemakzeptiert, sondern heftig umstritten. Dahinter könnte auch stehen, dass er in seiner Gefangenschaft allein gelassen worden ist. Ohne Besuch, ohne Zuspruch, ohne Ermutigung. Wir wissen nicht, was Paulus konkret meint – aber so pauschal, wie es da steht, ist es schon ein harter Satz, der auch ahnen lässt, dass es manche Weggefährten des Paulus nicht leicht mit ihm hatten. Er hat viel von sich und anderen gefordert.  

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Einsatz und Geschenk

Philipper 2, 12 – 18

12 Also, meine Lieben, – wie ihr allezeit gehorsam gewesen seid, nicht allein in meiner Gegenwart, sondern jetzt noch viel mehr in meiner Abwesenheit – schaffet, dass ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern. 13 Denn Gott ist’s, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.

            Jetzt landet Paulus wieder in der Realität. Schließt an die vorangegangenen Worte an: Also. Darum. στε. Wieder so unscheinbar und doch wichtig, weil es zeigt: eines folgt aus dem anderen.Was er jetzt sagen wird, sind nur Konsequenzen, die sich aus dem Singen des Hymnus ergeben. Man kann nicht solche Lieder singen und weitermachen wie gehabt. Was er jetzt sagen wird, sagt er geliebten Leuten.γαπητοί μου.Meine Geliebten.“ So herzlich ist seine Beziehung zu ihnen. Das braucht er aber auch, weil das, was er sagen wird, ja fordert, herausfordert. 

            Es ist eine ziemlich große Herausforderung an die Lieben: „Paulus bringt nach dem Hymnus eine Sklavenethik ins Spiel. Die Philipper sollen sich wie vorbildliche Sklaven verhalten.“(P. Wick/K. Offermann, Mit Paulus glauben, Texte zur Bibel 34, Neukirchen 2018, S. 56) Weil Christus sich doch zum Sklaven gemacht hat. Paulus zieht die Gedanken über Christus aus dem Hymnus weiter aus – bis in die Alltags-Ethik.

           Es ist, was man gerne als Paradoxie bezeichnet. Weil es zweispurig gedacht ist. Setzt euch ganz ein für eure Seligkeit. Und zugleich: Gott macht alles. 100% Tun des Menschen, Mühe, Anstrengung, 100% Geschenk Gottes, Gnade. Beides zugleich und beides ganz. Und der Verstand heutzutage fragt sofort: wie denn nun – es geht doch nur entweder oder? Ganze Hingabe – ganz Geschenk – ist das nicht ein Widerspruch in sich? Ist es nicht.

            „Glauben und „gehorchen“ lagen für Paulus so nahe beieinander, dass er die Formel „Glaubensgehorsam“ bilden konnte.“(W. De Boor, aaO. S. 85) Zu einem ungeteilten, unbedingten Glauben, der konkrete Lebensschritten hervorbringt, ruft Paulus.Und weiß doch gleichzeitig: Glaube ist immer Geschenk. Paulus ruft zum Gehorsam, weil er den schenkenden Gott kennt. Weil er weiß: alles im Leben ist Geschenk und wir sind es Gott schuldig. „Einsatz und Geschenk“ weiterlesen

Der Christus-Hymnus

Philipper 2, 5 – 11

5 Seid so unter euch gesinnt, wie es der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht:

            Keine Einheitsgesinnung, aber eine Gesinnung, eine Lebenspraxis, die dem Lebensraum entspricht. So sieht Paulus die Gemeinde: als Lebensraum, als Raum des Heils, bestimmt dadurch, dass sie eine Gemeinschaft in Christus Jesus ist. „Da Jesus Christus zu einem Heilsraum geworden ist und er diesen durch und durch prägt, ist auch seine Gesinnung maßgebend für die, die in diesem Heilsraum sind.“(P. Wick/K. Offermann, Mit Paulus glauben, Texte zur Bibel 34, Neukirchen 2018, S. 44) Für alle. Dieser Lebensraum prägt das Denken, das „Sinnen“ – über sich selbst, aber auch über die anderen und das Miteinander. Dieses in-ihm-Sein ist mehr als nur an ihn glauben, Sätze über ihn für wahr und richtig und schön zu halten. Es ist die Existenzgrundlage, die alles verändert. Das Vorzeichen vor der Klammer, das alles bestimmt, was in der Klammer folgt.

6 Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, 7 sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. 8 Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz

            Schon auf den ersten Blick fällt die Gliederung in zwei „Strophen“ auf. Zunächst geht es um den Weg hinab, in die Tiefe der Welt, in die Tiefe der menschlichen Existenz. Das ist das erste, zentrale Kennzeichen dieses Hymnus, dieses Liedes der ersten Gemeinde, das Paulus zitiert, wohl doch, weil es ihm viel bedeutet: Es beschreibt den Weg Jesu nach unten. Als einen Weg der Entäußerung. Als einen Weg, den er freiwillig, ganz in der Zustimmung zum Willen des Vaters,  auf sich nimmt. Er lässt seine göttliche Gestalt und Wirklichkeit fahren und wird Mensch, einer wie wir. Getrieben von der Liebe zu uns. Er hält sein göttliches Sein nicht als Raub  – ρπαγμόϛ, „Raub, Beute“ (Gemoll, aaO. S. 125) – fest, als etwas, das man an sich rafft.   

            Raub ist ein ungewöhnlich derbes Wort für einen Hymnus. Seine Wahl mag sich von daher erklären, dass es ein Gegenbild gibt: Adam im Paradies mit seinem Begehren der Frucht, um zu werden wie Gott. Jesus aber „verkehrte die Zielrichtung der „Selbstverwirklichung“ Adams als Streben nach der absoluten Höhe der Gottgleichheit in die entgegengesetzte Zielrichtung der „Erniedrigung“ aus der göttlichen Höhe in die Tiefe der Menschen; und diese wurde Christi Weise, Gott gehorsam zu sein.“ (U. Wilkens, aaO. S. 247)  So also signalisiert schon diese Wortwahl, dass es in Jesus um eine „Weltenwende“ geht. In ihm, der so nach unten kommt und geht, nimmt die Geschichte der Welt einen neuen Anfang.

            Dieser Weg, den Jesus geht, ist ein Weg des Gehorsams. πήκοος. „Hörend, hörig, gehorsam, untertänig.“(Gemoll, aaO. S. 765) Abgeleitet ist das Wort von ắκούω,hören, auf jemand hören, Gehör schenken.“ Der Gehorsam kommt also aus dem Hören. Ich ergänze für mich: aus dem Hören auf eine vertraute Stimme. Nicht einfach auf einen Befehl. „Glaube ist wesenhaft Gehorsam“(U. Wilkens, Theologie des Neuen Testaments, Bd. 1, Tb 1, Neukirchen 2002, S. VI) Dieser Satz ist völlig falsch verstanden, wenn er als Aufruf zur blinden Unterwerfung verstanden wird, wenn er so etwas wie Kadaver-Gehorsam zu fordern geeignet sein soll. Er ist nur dann richtig, wenn er den Gehorsam gegen eine vertrauenswürdige Stimme meint.

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Eines Sinnes – miteinander

Philipper 2,1 – 4

2,1 Ist nun bei euch Ermahnung in Christus, ist Trost der Liebe, ist Gemeinschaft des Geistes, ist herzliche Liebe und Barmherzigkeit, 2 so macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr „eines“ Sinnes seid, gleiche Liebe habt, einmütig und einträchtig seid.

            Jetzt erinnert Paulus die Gemeinde an ihre Fundamente, an die Grundwerte des Evangeliums und der Ekklesia. Was wir als Anfrage, vielleicht gar als verhaltene Anklage lesen, ist doch in Wahrheit mur ein Aufmerksam-Machen. Es ist keine Mängelliste, die er ihnen in Philippi vorhält. sondern im Gegenteil: Ihr seid schon so unterwegs. Diese Grundwerte  habt ihr und sie kennzeichnen euch als die Gemeinde in Philippi: Ermahnung, Trost, Gemeinschaft Liebe, Barmherzigkeit. Alles nicht bloß „natürliche“ Fähigkeiten und Eigenarten, sondern in Christus, in der Kraft des Geistes, aus der Liebe zu ihm geworden. Es kennzeichnet die Art, wie Paulus denkt, dass er der Gemeinde das alles nicht als hohe Ziele vor Augen stellt, sondern sie erinnert: Das ist die Wirklichkeit, in der ihr lebt. So geht es doch unter euch schon zu. Das ist eure „Atmosphäre“.         

Wie wir miteinander leben, miteinander reden, miteinander leiden soll die Liebe widerspiegeln..“(M. Buchholz 1990) Die Liebe Christi. Was es dafür braucht ist Anteilnahme und Anteilgabe. Es geht nicht ohne das sich öffnen zu den anderen hin. Ohne das Teilen und Mitteilen von Ängsten, Sorgen, Hoffnungen und Freuden, von Lasten und Glückserfahrungen. Es ist sofort zu verstehen, wie lieblos der Satz ist: Was geht es mich an, wie es den anderen geht.

Der andere Satz ist nicht weniger lieblos: Meine Sorgen sind meine Sorgen, meine Ängste sind meine Ängste. Sorgen, Ängste Freuden behalte ich für mich, mache ich allein mit mir aus. Es ist die Herausforderung an den einzelnen Christenmenschen, männlich, weiblich: Was ist meine Gefahr – dass ich mich selbst einkerkere, keinen an mich heranlasse oder dass ich gleichgültig am Leben anderer vorbei gehe.

      Gemeinschaft entsteht nur durch Öffnen, voreinander und füreinander. Theoretisch ist das alles so klar. Die Schwierigkeiten fangen da an, wo es praktisch wird. Immer neu stellt sich die Frage. Will ich das wirklich, dass jemand weiß, wie es mir geht, wie es da drin aussieht, wo die Dämonen wohnen, die unerfüllten Wünsche abgelegt sind, die verstummte Sehnsucht. Oder singe ich auch, musikalisch schön, operettenhaft: „Wie es da drin aussieht, geht keinen etwas an.“   

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Gemeinschaft – glaubensnotwendig

Philipper 1, 27 -30

27 Wandelt nur würdig des Evangeliums Christi, damit – ob ich komme und euch sehe oder abwesend von euch höre – ihr in „einem“ Geist steht und einmütig mit uns kämpft für den Glauben des Evangeliums 28 und euch in keinem Stück erschrecken lasst von den Widersachern, was ihnen ein Anzeichen der Verdammnis ist, euch aber der Seligkeit, und das von Gott.

            Genug Blick auf Paulus und seine Situation. Es ist, als drehe der Apostel sich um und nehme seine Leser*innen wahr. Er spricht sie an, direkt, mahnend, ermutigend. „Wenn nur ihr nicht von eurem Wege abweicht, sondern Kurs haltet!(E. Thurneysen, Der Brief des Paulus an die Philipper, Basel 1943, S. 46) Unabhängig davon, ob Paulus nun kommen kann oder nicht, die Philipper sollen ihren Weg des Glaubens durchhalten. Sich in ihrem Tun und Lassen am Evangelium orientieren. Sich durch das Evangelium leiten lassen. Es kennzeichnet nicht nur hier das Denken des Paulus: Es gibt ein Verhalten, das dem Evangelium entspringt und entspricht. Seiner Würde gemäß ist. Wir würden heute sagen können: Verhalten, das kompatibel mit dem Evangelium ist. 

            Konkreter wird Paulus nicht, weil: „Worin dieses „würdige“ Tun und Leben heute und hier besteht, das kann den Philippern ein andrer aus der Ferne nicht vorschreiben, das können sie aber selber in der Bruderschaft herausfinden.“(W. De Boor, aaO. S 65) Aber daran liegt Paulus schon: Das Evangelium verpflichtet zu einer eindeutigen Lebenspraxis. Das wird Paulus nicht müde zu sagen und zu schreiben: „Stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.“(Römer 12,2) Es ist sein Vertrauen in die Gemeinden, dass sie  an dieser Stelle die richtigen Schritte tun werden.

            Der Hinweis auf die Widersacher  – ντικειμένοι – lässt nur einen Schluss zu. In der Gemeinde oder im Umfeld der Gemeinde muss es Gegenwind gegeben haben. „Absender und Adressaten wissen um die Details des Konfliktes, so dass sie gar nicht erst benannt werden müssen.“(Chr. Schluep-Meier, Der Philipperbrief/Der Philemonbrief, Neukirchen 2014, S. 50)Wir heute wissen das nicht und tappen so ein wenig im Dunkeln.  Immerhin – dieser magere Hinweis verhindert, die Gemeinde in Philippi für eine Art „heile Welt“ zu halten.

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Hauptsache: Christus

Philipper 1, 12 – 26

12 Ich lasse euch aber wissen, liebe Brüder: Wie es um mich steht, das ist nur mehr zur Förderung des Evangeliums geraten. 13 Denn dass ich meine Fesseln für Christus trage, das ist im ganzen Prätorium und bei allen andern offenbar geworden, 14 und die meisten Brüder in dem Herrn haben durch meine Gefangenschaft Zuversicht gewonnen und sind umso kühner geworden, das Wort zu reden ohne Scheu.

            Man merkt es nicht gleich, schon gar nicht am Tonfall:Hier schreibt ein Gefangener. alles spricht dafür, dass er nicht erst seit kurzer Zeit inhaftiert ist. „In Frage kommen deshalb nur die zweijährige Gefangenschaft des Paulus in Cäsarea, bevor er nach Rom verschifft worden ist, oder die daran anschließende Gefangenschaft in Rom, wo Paulus unter Hausarrest stand.“(P. Wick/K. Offermann, Mit Paulus glauben, Texte zur Bibel 34, Neukirchen 2018, S. 14) Es spricht viel für Rom.

Auffällig: Kein Lamento über Haft-Bedingungen, obwohl die sicherlich in der Zeit der Antike alles andere als beschaulich sind. Sondern im Gegenteil: Aus dieser Gefangenschaft ist Gutes geworden, es ist alles zur Förderung des Evangeliums geraten. „Vom Evangelium kann er nur sagen, dass es ihm gut geht.“ (G. Friedrich, aaO. S. 141) Ein eingesperrter Bote des Evangeliums – aber die Botschaft geht weiter. Bis in die Gefängniszellen hinein. Zurückhaltend, aber doch deutlich berichtet Paulus, „welchen Eindruck sein Christuszeugnis überall unter den Gefängnisbeamten erweckt.“(U. Wilkens, aaO. S. 243) Es hat sich herum gesprochen im Gefängnis, im ganzen Prätorium: der da einsitzt, ist anders als die meisten. Kein Verbrecher, kein Betrüger, Lügner, Dieb, sondern er trägt seine Fesseln für Christus.  

            Es ist gut, dass Paulus nicht aktiv formuliert: “Ich konnte hier Soldaten von Jesus sagen“(W. de Boor, Der Brief des Paulus an die Philipper, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 1976, S 52) Aber das wird es wohl gewesen sein – befragt nach seinem Haftgrund hat er nicht von Jesus, dem Christus geschwiegen, sondern erzählt. „Gepredigt“. Das Wort geredet ohne Scheu. Und er hat Gehör gefunden.

            Über  das Gefängnis hinaus ist die Wirkung der Gefangenschaft positiv. Die Brüder – vermutlich auch die Schwestern – haben durch das Beispiel Mut gewonnen und Angst verloren, einzustehen für das Wort.  φόβως. „Furchtlos.“ Das ist alles andere als selbstverständlich. Es ist Zeichen, Frucht des Glaubens. „Die Mehrheit der Mitchristen in der Stadt lässt sich durch sein Vorbild zu verstärktem missionarischen  Zeugnis bewegen.“(U. Wilkens, ebda.) Sie verstecken sich nicht mit ihrem Christsein und mit ihrer Botschaft. Sie werden erkennbar als Christen. 

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