Was am Ende zählt

1.Korinther 16, 13 – 24

13 Wachet, steht im Glauben, seid mutig und seid stark!

Bis dahin, bis zum Kommen des Paulus ist noch einige Zeit. Keine leere Zeit. Deshalb Wachet, steht im Glauben, seid mutig und seid stark! Fest im Glauben sollen sie sein. Nüchtern. Mutig. „Sei stark und lass uns stark sein für unser Volk und für die Städte unseres Gottes!“ (2. Samuel 10,12, Elberfelder Übersetzung) Daran knüpft Paulus an – weil er die Gemeinde herausgefordert sieht. Weil es beides braucht – geistliche Stärke und menschlichen Mut. Alle geistlichen Gaben und Verhaltensweisen haben zugleich auch eine menschliche Seite. Die will Paulus nicht weniger stärken. Zugleich gilt: „Den festen Stand „im Glauben“ gewinnt man „im Herrn“, an dem sich der Glaube extra se festmacht.“(W. Schrage, aaO. S.451) Also nicht: die eigene Mitte suchen und finden, sondern sich an den Herrn binden macht stark!

14 Alle eure Dinge lasst in der Liebe geschehen!

Es wirkt wie ein Rückgriff auf das Hohe Lied der Liebe. In Wahrheit aber ist es mehr – geistliches Leben ist immer daran gebunden und dadurch gekennzeichnet, dass es in der Liebe geschieht. Stärke im Glauben ist Stärke und Bestärken in der Liebe. Es gibt eine lieblose „Glaubensstärke“, die zwar alles weiß, aber dennoch nicht dem Glauben dient. Weil sie in ihrem Wissen kalt ist. „Was am Ende zählt“ weiterlesen

So Gott will

1.Korinther 16, 1 – 12

1 Was aber die Sammlung für die Heiligen angeht: Wie ich den Gemeinden in Galatien geboten habe, so sollt auch ihr tun! 2 An jedem ersten Tag der Woche lege ein jeder von euch bei sich etwas zurück und sammle an, so viel ihm möglich ist, damit die Sammlung nicht erst dann geschieht, wenn ich komme. 3 Wenn ich aber gekommen bin, will ich die, die ihr für bewährt haltet, mit Briefen senden, dass sie eure Gabe nach Jerusalem bringen. 4 Wenn es aber die Mühe lohnt, dass ich auch hinreise, sollen sie mit mir reisen.

Es ist ein kühner Sprung und doch nur ein kleiner Schritt: „nehmt immer zu in dem Werk des Herrn“(15,58) hat Paulus eben gemahnt und kommt jetzt – folgerichtig? – auf die Kollekte zu sprechen, die er seit Jahren sammeln lässt. Eine Sammlung zugunsten der Gemeinde in Jerusalem. λογεα ist eine Spende, nicht eine Steuer, freiwillige Gabe und kein Zwang.

Warum sammeln alle Gemeinden für die in Jerusalem? Warum diese Unterstützung? „Es geht darum, geistliche und materielle Gaben miteinander zu teilen und in der Not solidarisch zu sein.“(W. Klaiber, aaO. S. 276) So ist diese Sammlung – für die Armen in Jerusalem, wie es auch heißt (Galater 2,10) – ein Zeichen für die Einheit der Kirche. Weltweit damals – über die Ägäis hinaus bis nach Jerusalem, das kaum einer der Spender in Korinth jemals zu Gesicht bekommen wird.

Ist es Regelungswut oder Menschenkenntnis, die Paulus zu seinen praktischen Vorschlägen treibt? Er legt ein Verfahren nahe, das unabhängig von Gefühlsschwankungen macht: an jedem ersten Tag der Woche etwas zur Seite legen. Das erinnert an den Dauerauftrag, möglichst am Ersten des Monats. Nicht von dem, was übrig bleibt, sondern vorab zurücklegen – weil sonst vermutlich nichts übrig bleiben wird.

Der Vorschlag ist klug. Und er lässt Freiheit: Jede und jeder sammle an, so viel ihm möglich ist. Wie es für ihn stimmt. Die alte Luther-Übersetzung 1964 hatte noch: was ihn gut dünkt – nahe am griechischen εὐοδέω „einen freien Weg haben“(Gemoll, aaO. S. 342). Jeder also wie es ihm gefällt. Aus freiem Herzen geben, nach den eigenen Möglichkeiten. Dieses Anspar-Verfahren erspart auch die Beschämung, sich plötzlich verpflichtet zu fühlen, geben zu müssen, wenn Paulus wieder da ist. „So Gott will“ weiterlesen

Die große Verwandlung

1.Korinther 15, 50 – 58

50 Das sage ich aber, liebe Brüder, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht ererben können; auch wird das Verwesliche nicht erben die Unverweslichkeit.

Es wirkt wie ein Neueinsatz, vielleicht auch wie ein Atemholen zu einem abschließenden Gedankengang. Noch einmal schärft es Paulus ein: Es gibt keinen natürlichen Übergang und Zugang zum Reich Gottes. „Fleisch und Blut machen das Wesen des natürlichen und sterblichen Menschen in seiner Kreatürlichkeit aus.“(W. Schrage, aaO, S.368) Einmal mehr ist Paulus ganz nahe bei dem, was der 4. Evangelist später schreiben wird und nimmt es gewissermaßen vorweg: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.“ (Johannes 3,3)

Der gleiche Paulus, dem so viel daran liegt, dass der Gekreuzigte der Auferstandene ist, der Auferstandene der Gekreuzigte, dass es eine nicht auflösbare Identität zwischen den Entschlafenen mit denen, die auferweckt werden, gibt, betont hier die Diskontinuität: Kein nahtloser Übergang. Das Sterbliche ist nicht Reich-Gottes-fähig, wird also die „Unvergänglichkeit“ – so besser statt Unverweslichkeit – nicht erben. Daran liegt Paulus: „Es geht nicht um eine Wiederbelebung der sterblichen, vergänglichen, verwesenden Leiber der Toten, sondern um eine ganz neu geschaffene, dem Wesen Gottes entsprechende Leiblichkeit.“(W. Klaiber, aaO. S.269) „Die große Verwandlung“ weiterlesen

Über alles Verstehen hinaus

1.Korinther 15, 35 – 49

35 Es könnte aber jemand fragen: Wie werden die Toten auferstehen und mit was für einem Leib werden sie kommen?

Nach der grundsätzlichen Debatte darüber, ob es überhaupt eine Auferweckung gibt, geht Paulus jetzt auf die Anfrage ein: Wie werden die Toten auferstehen? Wie soll man sich das denn vorstellen? Das sprengt doch jede Vorstellungskraft – und weil das so ist, so die nahe liegende nächste Folgerung, gibt es keine Auferstehung.

Mich erinnert das an meine Schüler. Die argumentierten auch so: Wenn alle auferstehen, vom Anfang der Welt an – dann ist doch gar nicht Platz genug auf der Erde. Durch diese ungeklärte Platzfrage war für sie die Erwartung der Auferstehung irgendwie unrealistisch. Aus der einfachen alltäglichen Erfahrung: Leben braucht Platz.

In Korinth fragen sie nicht nach dem Platz. Sondern nach dem Leib. σμα. Nach dem, was im Grab gelandet ist. Wobei es schon auffallen kann – Paulus meidet das Wort πτμα für Leichnam. Was da im Grab gelandet ist, ist für ihn immer noch Leib und nicht bloße Leiche. Um diesen Leib aber geht es in det Auferstehung Das ist das Ärgernis in der Darstellung des Paulus: er redet von einer Auferweckung, die den Leib betrifft, nicht nur irgendwie die Seele oder den Geist. Von einem Geschehen, das eine sichtbare Seite hat. „Über alles Verstehen hinaus“ weiterlesen

Lebens-Zeichen, dass der Glaube lohnt

1.Korinther 15, 29 – 34

29 Was machen denn die, die sich für die Toten taufen lassen? Wenn die Toten gar nicht auferstehen, was lassen sie sich dann für sie taufen?

Immer noch setzt sich Paulus mit den Skeptikern in Korinth auseinander. Mit ihrer These: Keine Auferstehung. Um diese Aussage als widersinnig zu entlarven, kommt Paulus auf eine Praxis in Korinth zu sprechen, die für uns heutige Leser*innen befremdlich wirkt. Es gibt Leute in der Gemeinde, einige, die sich für die Toten taufen lassen. Diese Sätze machen zunächst einmal ratlos, weil es bei uns so eine Praxis ja nicht gibt. Fürbitte – ja. Für andere eine Zeitlang mitglauben, wenn sie wanken – ja. Aber Für-Taufe?

Stellvertretende Taufe – was soll das sein? Was steckt als Verständnis dahinter? „Bestimmte Korinther lassen sich anstelle ihrer Verstorbenen taufen, um auch diese noch nachträglich an den Verheißungen der Taufe partizipieren zu lassen.“(W. Schrage, aaO. S.236) Wenn das so ist, zeigt sich darin eine Hochschätzung der Taufe in Korinth: Sie hat Wirkung über den Tod hinaus. Sie stellt hinein in eine Segenslinie, die auch der Tod nicht unterbrechen kann. Zugleich aber auch ist das dann doch ein Widerspruch gegen jede Leugnung der Auferstehung.

Paulus setzt sich nicht mit Sinn oder Unsinn dieser stellvertretenden Taufen – man nennt das „Vikariatstaufe“ – auseinander. Er nutzt nur diese Praxis, um den Korinthern zu zeigen: Eure eigene Praxis steht gegen die Parole, dass es keine Auferstehung der Toten gibt. „Lebens-Zeichen, dass der Glaube lohnt“ weiterlesen

Der Anfang ist gemacht

1.Korinther 15, 20 – 28

20 Nun aber ist Christus auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.

Was für ein Kontrast! Eben noch die Gedankenspiele, die auf dem Satz der Korinther fußen: Es gibt keine Auferstehung der Toten. Der Blick in den Abgrund der Sinnlosigkeit. Und jetzt dieser Jubelruf: Nun aber! Νυν δ. Den Gedanken stellt Paulus die Wirklichkeit gegenüber. „Er beendet also die Diskussion über das „was wäre wenn“ und stellt fest, was die Grundlage des Glaubens ist: Gott hat Christus von den Toten auferweckt.“(W. Klaiber, aaO. S.253) Den Gedanken stellt Paulus die Fakten entgegen. Dem „was wäre wenn“ das „ist“. ἐγήγερται – er ist auferweckt. Ἐγείρω – „erwecken, auferwecken, aufstehen machen“ (Gemoll, aaO. S. 237) Es geht um Geschehen, das geschehen ist – darum die Perfektform.

Darüber hinaus: diese Auferweckung ist erst der Anfang. Ἀπαρχὴ. Dem Erstling werden nachfolgen, die entschlafen sind. Wenn man so will: Christus ist der Proto-Typ der Auferstehung. Der gleiche Paulus, der den radikalen Einspruch gegen das Auferstehungszeugnis durchdenkt, bringt hier auf den Punkt, was mit dem Ostertag unwiderruflich in der Welt ist. Mit der Auferstehung Jesu von den Toten fängt eine neue Zeit an – sie ist unaufhaltbar in Gang gesetzt. Auferstehung ist nicht mehr nur vage Hoffnung. Von Leuten, die sich nicht mit dem Tod aller Dinge abfinden wollen. Sie ist Gottestat jetzt und damit verbürgt auch als Gottestat in Zukunft. „Die Auferweckung Jesu ist das Modell für alles Auferstehungsgeschehen.“ (W. Klaiber, ebda.)

Auf diese Gedanken und Sätze des Paulus greifen andere, Paulus-Schüler, zurück: Und er ist das Haupt des Leibes, nämlich der Gemeinde. Er ist der Anfang, der Erstgeborene von den Toten, damit er in allem der Erste sei. Denn es hat Gott wohlgefallen, dass in ihm alle Fülle wohnen sollte.“(Kolosser 1,18-19) „Der Anfang ist gemacht“ weiterlesen

Der Blick in den Abgrund

1.Korinther 15, 12 – 19

12 Wenn aber Christus gepredigt wird, dass er von den Toten auferweckt ist, wie sagen dann einige unter euch: Es gibt keine Auferstehung der Toten?

Das ist die urchristliche Botschaft: Christus ist von den Toten auferweckt. Darin ist sich Paulus mit allen anderen Boten einig. Das haben auch die Korinther als Grundton des Evangeliums gehört – und angenommen. Aber doch gibt es in Korinth einige, längst nicht alle, die sagen: Auferstehung der Toten – gibt es nicht. Das ist noch nicht die Aussage: Jesus kann doch nicht auferstanden sein.

Leider sagt Paulus nichts über die Hintergründe dieser Parole in Korinth. Nur, dass sie einige, vielleicht sogar Wortführer in der Gemeinde? – so vortragen. Denkbare Hintergründe für diese Haltung: 1. Eine grundsätzliche Bestreitung jeder Möglichkeit eines Weiterleben nach dem Tod. Mit den Tod ist alles endgültig aus. Danach kommt nichts mehr. 2. Der ebenso grundsätzliche Vorbehalt gegen eine leibliche Auferstehung. Was nach dem Tod bleibt, ist die Befreiung der unsterblichen Seele aus dem Gefängnis des Leibes. 3 Eine Auferstehung der Toten ist deshalb überflüssig, weil im Glauben schon die geistliche Auferstehung geschehen ist. „Für sie widersprach der Gedanke an eine zukünftige leibliche Auferstehung dem Glauben an die schon geschehene Erlösung ihres Geistes, des eigentlichen Kerns ihrer Person vor Gott.“ (W. Klaiber, aaO. S.250)

Ehrlicherweise müssen wir uns eingestehen, dass wir nicht klar sagen können, welche dieser Überlegungen in Korinth leitend waren. Vielleicht ist es auch eine Mischung aus allen Motiven gewesen. So wie ja auch heute Menschen nicht nur aus einem Grund Schwierigkeiten mit der Botschaft „Auferstehung der Toten“ haben. Auch in der Kirche und völlig unbeschadet der Tatsache, dass wir Sonntag für Sonntag bekennen: „Ich glaube die Auferstehung der Toten.“ Manche denken: es ist besser, da nicht zu genau nachzufragen. „Der Blick in den Abgrund“ weiterlesen

Weitergegeben zum Weitergeben

1.Korinther 15, 1 – 11

1 Ich erinnere euch aber, Brüder und Schwestern, an das Evangelium, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch fest steht, 2 durch das ihr auch selig werdet, wenn ihr’s so festhaltet, wie ich es euch verkündigt habe; es sei denn, dass ihr´s umsonst geglaubt hättet.

Ein neues Thema. Mehr noch: In den Augen des Paulus ist es das Thema, mit der Glaube steht und fällt Es kann wirken, als wäre über den vielen Worten zuvor aus dem Blick geraten, worum es im Kern des Glaubens geht. Paulus geht es immer um das Evangelium. Um seine Wirkung: Es macht selig. Durch das ihr gerettet werdet – so wörtlich σζεσθε. Es lässt fest stehen. Aber: es will auch festgehalten werden.

Es ist eine doppelte Erinnerung – einmal an das, was Paulus verkündigt hat. Zum anderen aber auch daran, dass sie in Korinth diese Verkündigung auch angenommen haben. Daran erinnert Paulus: „Es ist der Grund ihres Glaubens und das Mittel ihrer Rettung, von dem jetzt die Rede sein wird.“(H.D. Wendland, aaO. S.140)Es braucht immer beides: Die klare Verkündigung und Ohren, Verstand und Herzen, die sie annehmen. Menschen, die sich das Evangelium auch wirklich gefallen lassen. Die am Evangelium festhalten, damit sie nicht gewissermaßen ins Blaue hinein glauben.

3 Denn als Erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe:

Was Paulus in Korinth verkündigt, gepredigt, was er weitergegeben hat, ist nicht seine Erfindung. „Es geht Paulus um die Übereinstimmung seiner Missionsverkündigung von der Auferweckung des für unsere Sünden gestorbenen Christus mit der gesamten urchristlichen Verkündigung.“(C.Wolf, aaO. S.150) Also keine paulinische Sonder-Botschaft, sondern er hat vielmehr selbst empfangen. Keiner gibt sich den Glauben selbst. Sondern alle stehen mit ihrem Glauben in einer Kette der Weitergabe – in einer Erzählgemeinschaft. .

Was folgen wird, sind geprägte Worte, Bekenntnisformeln, die älter sind, nicht aus dem Augenblick heraus gefunden und formuliert: Formeln, auf die Paulus zurückgreift. Daraus „ergibt sich, dass die Kirche Christi seit den frühesten Anfängen nie ohne Credo existiert hat.“(H.D. Wendland, ebda.) „Weitergegeben zum Weitergeben“ weiterlesen

Wie denn nun?

1.Korinther 14, 26 -40

 26 Wie ist es denn nun, Brüder und Schwestern?

Paulus hat die Grundlagen geklärt. Jetzt fährt er fort und fragt nach einer Praxis des Gottesdienstes, die diesen Grundlagen entspricht. Vielleicht ist es ein bisschen voreilig, hier sofort von Gottesdienst zu reden, „zumal fraglich ist, ob an allen Orten dieselbe Gottesdienstform vorauszusetzen ist, ja, es überhaupt schon feste liturgische Ordnungen gegeben hat.“ (W. Schrage, aaO.  S. 444) Es besteht durchaus die Gefahr, dass wir unsere Vorstellungen von Gottesdienst und Gottesdienstordnung in die Worte des Paulus hineinlesen.

Also ein wenig vorsichtiger formuliert: Was zu tun ist, diese Frage bezieht sich auf Zusammenkünfte der Gemeinde. Wahrscheinlich kommt man der Wirklichkeit in Korinth näher, wenn man an große Hauskreise denkt, an Gruppen, die sich relativ spontan in einem Raum versammeln, an Zusammenkünfte, die nicht einer so strengen Ordnung folgen, wie sie unsere Gottesdienst-Ordnungen darstellen. In denen sich Ordnungen erst herauskristallisieren müssen

Wenn ihr zusammenkommt, so hat ein jeder einen Psalm, er hat eine Lehre, er hat eine Offenbarung, er hat eine Zungenrede, er hat eine Auslegung. Lasst es alles geschehen zur Erbauung!

Soviel wird schon sichtbar: Da kommen Menschen zusammen, die etwas einzubringen haben und die nicht darauf warten, dass nur einer oder zwei das Wort führen. Jeder bringt etwas ein – der eine einen Psalm, der andere etwas Lehrreiches, der dritte eine Einsicht, eine Offenbarung. Andere reden in Zungen und wieder andere legen das Gehörte aus. Kurz, es ist eine höchst aktive Beteiligung, die hier sichtbar wird. So geht es zu und durchaus nicht nur ausnahmsweise, es scheint vielmehr „eine gewisse Regelmäßigkeit der genannten Phänomene vorausgesetzt.“ (W. Schrage, ebada.)

Das Ziel: Erbauung. οἰκοδομή. Oikodome. Streng genommen heißt das „Hausbau“. Das Bild vom Hausbau wird urchristlich gern verwendet, sowohl im Blick auf den Einzelnen und sein Lebenshaus als auch im Blick auf den Bau der Gemeinde. „Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute.“ (Matthäus 7,24) mahnt Jesus. So schwingt es ja auch bei Paulus schon weiter vorne mit: „Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, so wird das Werk eines jeden offenbar werden. (3, 11 – 13) Die Versammlungen der Gemeinde bauen an diesen Bau weiter mit. „Wie denn nun?“ weiterlesen

Vom Maßstab für unser Reden

1.Korinther 14, 20 – 25

20 Liebe Brüder und Schwestern, seid nicht Kinder, wenn es ums Verstehen geht; sondern seid Kinder, wenn es um Bosheit geht; im Verstehen aber seid erwachsen.

Der Katechismus ist eine Basis-Unterweisung in den Wissens-Gegenständen des Glaubens. Aber auch wer das alles weiß, was im Katechismus steht, ist noch nicht im Glauben unterwiesen. Dazu braucht es ein Verstehen des Herzens. Das erhofft sich Paulus für seine Korinther. Dazu will Paulus ermutigen – sich nicht einfach nur irgendwelchen Gefühlen oder Atmosphären hinzugeben, sondern durchaus den Verstand, das Verstehen zu nützen, um zu unterscheiden. Paulus will den durch sein Verstehen unterscheidenden Gottesdienst-Teilnehmer.

21 Im Gesetz steht geschrieben (Jesaja 28,11-12): »Ich will in andern Zungen und mit andern Lippen reden zu diesem Volk, aber auch so werden sie nicht auf mich hören, spricht der Herr.« 22 Darum ist die Zungenrede ein Zeichen nicht für die Gläubigen, sondern für die Ungläubigen; die prophetische Rede aber ein Zeichen nicht für die Ungläubigen, sondern für die Gläubigen.

Es ist eine Gerichtsansage an Israel, auf die Paulus jetzt zurückgreift. Weil Israel die Worte der Propheten verachtet und sich nicht rufen lässt, wird es andere Worte zu hören kriegen, andere Sprachen. Aber auch durch diese fremden Zungen werden sie sich nicht rufen lassen. Sie werden diese Sprachen hören und doch nicht hören, weil sie eben nichts verstehen.

Genauso verhält es sich mit der Zungenrede. Sie wirkt keine Umkehr, weil sie nicht verstanden wird von den Unkundige und Ungläubigen. Aber diese Feststellung ist kein Vorwurf gegen die Ungläubigen, sondern ein Vorwurf gegen die, die sich selbst in ihrer Zungenrede gefallen und nicht verstehen wollen, dass die Ungläubigen Worte brauchen, die sie verstehen können. „Durch die Glossolalie (Zungenrede) wird den Ungläubigen der Weg zum Glauben und zum Bekenntnis zu Gottes Gegenwart vielmehr gerade verlegt.“ (W. Schrage, aaO.  S.408) Darum sagt die Zungenrede den Ungläubigen nichts. Sie ist ein unverständliches, seltsames Phänomen, mehr nicht. Sie wird so lediglich zu einem Zeichen, das ihren Zustand, nicht zu verstehen und nicht zu glauben, manifestiert. „Vom Maßstab für unser Reden“ weiterlesen