der Wweg ist frei

Epheser 3, 1 – 13

 1 Deshalb sage ich, Paulus, der Gefangene Christi Jesu für euch Heiden – 2 ihr habt ja gehört, welches Amt die Gnade Gottes mir für euch gegeben hat:

 Einen Augenblick lang sieht es so aus, als würde `Paulus` sein Thema aus den Augen verlieren. Er spricht von sich selbst. Von seiner Gefangenschaft. War zuvor noch der freie Zugang zu Gott sein Thema, so ist es jetzt seine Gefangenschaft. Die deutet er: für euch Heiden. Um euretwillen – so lese ich das. Oder: an eurer Stelle. Wie auch immer – daran liegt ihm: Sein Leben ist für die anderen da. Sein Amt ist ihm übertragen für sie.

Οικονομία, hier mit Amt übersetzt, kann auch Plan heißen, Ordnung. Es ist Gottes „Ökonomie“, sein Plan, so lese ich, der Paulus zu den Heiden hinführt, der sie in die Gnade Gottes hinein ziehen soll. Auch um den Preis der Gefangenschaft. Das sind Erinnerungen an Gefangenschafts-Zeiten des Paulus, wie sie sich auch in der Apostelgeschichte und den „echten“ Paulusbriefen ergeben.

 3 Durch Offenbarung ist mir das Geheimnis kundgemacht worden, wie ich eben aufs kürzeste geschrieben habe. 4 Daran könnt ihr, wenn ihr’s lest, meine Einsicht in das Geheimnis Christi erkennen. 5 Dies war in früheren Zeiten den Menschenkindern nicht kundgemacht, wie es jetzt offenbart ist seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist; 6 nämlich dass die Heiden Miterben sind und mit zu seinem Leib gehören und Mitgenossen der Verheißung in Christus Jesus sind durch das Evangelium, 7 dessen Diener ich geworden bin durch die Gabe der Gnade Gottes, die mir nach seiner mächtigen Kraft gegeben ist.

 Die Leitworte dieser Sätze sind Geheimnis und kundmachen, offenbaren. Μυστήριον und αποκάλυψις. Mysterium und Apokalypsis. Dazu ist Paulus berufen, das, was von Anbeginn an als göttlicher Ratschluss verborgen wart, offenbar zu machen. Und er selbst konnte das Geheimnis nur erkennen, weil es ihm durch den Geist offenbar gemacht worden ist. Der Inhalt des Geheimnisses ist: Die Heiden sind in Christus Jesus Miterben geworden. „der Wweg ist frei“ weiterlesen

zugänglich – zugangsfähig

Epheser 2, 11 – 22

 11 Darum denkt daran, dass ihr, die ihr von Geburt einst Heiden wart und Unbeschnittene genannt wurdet von denen, die äußerlich beschnitten sind, 12 dass ihr zu jener Zeit ohne Christus wart, ausgeschlossen vom Bürgerrecht Israels und Fremde außerhalb des Bundes der Verheißung; daher hattet ihr keine Hoffnung und wart ohne Gott in der Welt.

 Hier werden in der Gemeinde deutlich bestimmte Leute ins Auge gefasst: ihr, die ihr von Geburt einst Heiden wart. Es gibt also offensichtlich in der Gemeinde ehemalige Heiden, Griechen? Römer? Oder noch andere Nationalitäten? Jedenfalls werden nicht nur Juden angesprochen, die zum Glauben an Jesus gefunden haben.

 Es ist noch etwas zu spüren vom Überlegenheitsgefühl derer, die beschnitten sind. Die anderen sind Unbeschnittene. Es meldet sich auch leise Kritik. Wer sich so überlegen fühlt, muss darauf achten, das sein Beschnitten-sein nicht nur äußerlich ist. Paulus kennt eine andere Beschneidung. „Der ist ein Jude, der es inwendig verborgen ist, und das ist die Beschneidung des Herzens, die im Geist und nicht im Buchstaben geschieht.“ (Römer 2,29) Auch nicht mit dem Messer. Auf die setzt er.

 Der Autor geht sogleich weiter. Er beschreibt das Leben ohne Christus – es ist die dunkle Folie, auf der der Glaubensgewinn umso heller strahlen wird: Ihr wart ohne Christus, ausgeschlossen vom Bürgerrecht Israels, Fremde, ohne Hoffnung, ja, ohne Gott in der Welt. Es ist ein hartes Urteil, das sich auf das frühere Leben der Angesprochen bezieht. Erst recht, wenn sie vielleicht doch durchaus in den Tempeln ihrer Zeit „heimisch“ waren. „Nicht eine Bewusstseinshaltung, sondern ihr tatsächlicher Zustand trennte die Heiden von Gott und seinem Zukunft schenkenden Leben.“(R. Schnackenburg, Der Brief an die Epheser, EKK X, Neukirchen 1982; S.111) Die Götter der Welt gelten unserem Briefschreiber nichts.

In dieser Negativreihe wird zugleich erkennbar, was Israel als Gaben Gottes hat, was sein Vorsprung gegenüber dem Heidentum ist: Hoffnung, Bürgerrecht, Heimat, Christus. Gott. Im Brief an die Römer wird das positiv so formuliert: Die Israeliten sind die, „denen die Kindschaft gehört und die Herrlichkeit und die Bundesschlüsse und das Gesetz und der Gottesdienst und die Verheißungen, denen auch die Väter gehören und aus denen Christus herkommt nach dem Fleisch, der da ist Gott über alles, gelobt in Ewigkeit. Amen.“ (Römer 9, 4-5) Dieses Bild steht auch hinter den Worten des Epheserbriefes. Es wird auch hier nicht in Frage gestellt. „zugänglich – zugangsfähig“ weiterlesen

Es ist Gottes Werk an uns

Epheser 2, 1 – 10

 1 Auch ihr wart tot durch eure Übertretungen und Sünden, 2 in denen ihr früher gelebt habt nach der Art dieser Welt, unter dem Mächtigen, der in der Luft herrscht, nämlich dem Geist, der zu dieser Zeit am Werk ist in den Kindern des Ungehorsams. 3 Unter ihnen haben auch wir alle einst unser Leben geführt in den Begierden unsres Fleisches und taten den Willen des Fleisches und der Sinne und waren Kinder des Zorns von Natur wie auch die andern.

 Der Glaube macht nicht blind. auch nicht für die eigene Vergangenheit. Der Glaube öffnet die Augen und lässt nicht zu, dass man sich über sich selbst in die Tasche lügt. So lenkt der Schreiber den Blick seiner Leser auf ihre Vergangenheit. Ihr wart tot durch eure Übertretungen und Sünden. Ihr standet unter fremder Herrschaft. Ihr wart den eigenen Begierden unterworfen. Freiheit war ein Fremdwort.

 Solche Worte haben bei uns keinen guten Klang. Das Schema „früher-jetzt“ ist unter Verruf. Unter dem Verdacht für „jetzt“ so etwas wie eine moralische Integrität zu behaupten. Auch einfach nur ein rhetorisches Schema zu sein. Aber hier beschreibt es die Wirklichkeit der Lesenden. Sie haben einen Wandel, einen radikalen Wechsel erlebt. Nicht nur sie – im „wir“ und „unser Leben“ schließt sich der Schreiber mit ihnen zusammen. Er redet auch von seiner eigenen Erfahrung, der früheren Unfreiheit und dem Aufatmen jetzt.

 Es mag sein, dass uns diese Erfahrung heute abgeht. Aber damit fehlt uns etwas und wir können nicht einfach diese Tatsache für die Normalität des Christseins erklären. Weil wir diese Sicht haben – wir waren immer schon Christen und machen allenfalls Wissens-Fortschritte -, deshalb können wir den radikalen Wechsel im Begreifen der Existenz, im Selbstverständnis, in den Lebensgrundlagen nicht einfach zur Seite schieben. Es gibt bis heute solche Konversionen, gegen alle religiöse Theorie, mitten in der Christenheit. Aus der Gleichgültigkeit zum Glauben. Aus der Gottesfremdheit zum Leben mit dem nahen Gott. Aus dem „Mit Gott habe ich nichts am Hut“ zu: „Ohne Christus kann ich nicht mehr leben.“ Dass man nicht nur dazu lernt, sondern einem regelrecht die Augen aufgehen – für die eigene Verlorenheit und Verlogenheit und für das Geschenk der Freiheit in Christus. Auf einmal ist das eigene Leben auf neuen, festen Grund gestellt.

 4 Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, 5 auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr selig geworden -; 6 und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus, 7 damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus.

 Von diesem Wechsel ist nun die Rede. Aber nicht im Blick auf die innere Befindlichkeit, sondern im Blick darauf, worin dieser Wechsel seinen Grund hat. Was da geschieht, ist „Totenauferweckung“. Das ist schon ein starkes Wort, aber bewusst gewählt. Das Leben vorher ist ein Sein zum Tode – ohne Christus, versklavt, den Sünden unterworfen. Weil es „goldene Ketten“ sind, die binden, spürt man sie nicht so, nimmt sie nicht wahr. Aber es bleiben Ketten. Begierde, Gier, Hass, Selbstsucht, Karrieregeilheit, Egoismus – alles Verhaltensweisen, die isolieren, nur das eigene Selbst kennen. Keinen Gott, keinen Nächsten. Und darin tödlich sind. „Es ist Gottes Werk an uns“ weiterlesen

Unterwegs zu neuen Erkennen

Epheser 1, 15 – 23

 15 Darum auch ich, nachdem ich gehört habe von dem Glauben bei euch an den Herrn Jesus und von eurer Liebe zu allen Heiligen, 16 höre ich nicht auf, zu danken für euch, und gedenke euer in meinem Gebet, 17 dass der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch gebe den Geist der Weisheit und der Offenbarung, ihn zu erkennen.

 Die Danksagung an Gott ist zu Ende. Jetzt wendet sich `Paulus’an seine Leser. Noch einmal mit einer Danksagung. Was er von ihnen hört über ihren Glauben und ihre Liebe, das macht ihn froh. Das lässt ihn Gott preisen. Er ist trotz all der Himmelsworte nicht in den Himmel entrückt. Er seht sehr wohl, was in der Gemeinde ist.

 Bei der Dankbarkeit bleibt er nicht stehen. Sondern geht weiter, immer weiter. Sein Beten führt ihn zu einer Bitte um den Geist, damit seine Leser Gott, den Vater der Herrlichkeit erkennen. Kennen sie ihn denn noch nicht? Sie sind doch schon Christen! Geht es um besondere, außergewöhnliche Geisterfahrungen?

 Ich greife zu einem Beispiel aus meinen eigenen Leben. Über vierzig Jahre verheiratet lerne ich meine Frau Tag um Tag kennen. Ich kenne sie schon – und lerne sie doch noch immer neu kennen. So ähnlich lese ich diese Bitte. Sie sollen nicht einfach stehen bleiben bei dem, was sie von Gott, von Christus schon wissen, sich nicht einrichten in ihrem Wissen. Sie sollen unterwegs bleiben zu neuem Erkennen. „Unterwegs zu neuen Erkennen“ weiterlesen

Immer schon gewollt

Epheser 1, 11 – 14

11 In ihm sind wir auch zu Erben eingesetzt worden, die wir dazu vorherbestimmt sind nach dem Vorsatz dessen, der alles wirkt nach dem Ratschluss seines Willens; 12 damit wir etwas seien zum Lob seiner Herrlichkeit, die wir zuvor auf Christus gehofft haben.

 Immer noch: in ihm. In Christus. Darum kreisen die Verse 3 – 14. In Christus haben sie ihre Mitte. Es ist eine einzige, weit ausgreifende Darstellung dessen, was den Christen mit Christus, in Christus gegeben ist. Darstellung ist dabei ein sehr zurück haltendes Wort. Denn im Grunde ist dieser ganze Abschnitt ein großes Gebet. Beschreibendes Lob nennt man so etwas in den Psalmen. Genauso empfinde ich auch diese Passagen: Sie sind beschreibendes Lob der Gaben Gottes an uns, zugeeignet in Christus.

 In Christus – das ist eine Wendung, die auch Paulus oft hat. Das neue Leben der Christen ist ein „in Christus sein“. Vielleicht am deutlichsten: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ (2. Korinther 5,17) Man mag das mystisch nennen. Aber es ist klar, worum es geht: Um Schicksalsgemeinschaft, um Lebensgemeinschaft. Unterschieden und doch untrennbar. Glauben ist mehr als ein paar Überzeugungen über Gott und die Welt haben, die sich an diesem Jesus Christus aufhängen. Glauben ist eine Zugehörigkeit zu ihm, die sich mit diesem geradezu räumlichen in Christus am stärksten ausdrücken lässt.

 Dahinter steht wohl auch die Erfahrung des Heiligen Geistes, der das eigene Wollen im Willen und Wollen Christi verankert. Es entsteht so etwas wie eine Willensübergabe und Willensübernahme. Bei Paulus klingt das dann so: „Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir.“ (Galater 2,20) Existenzeinheit, die doch nie dazu führt, dass das eigene Ich sich auflöst, verschwindet im All-Einen, wie ein Tropfen im Meer. Es bleibt im Glauben bei dem Gegenüber von Christus und dem Gläubigen.

 Darum auch: Erben. Subjekte, Personen, Menschen, an denen Gott handelt. Denen er zueignet, was ihm gehört. Wieder wird der Bogen weit zurück gebunden in allen Anfang: Vorherbestimmt. „Sofern Gott seinen Heilsplan in (dem präexistenten ) Christus fasste, hat er auch uns schon „in Christus“ in seinen Plan einbezogen.“ (R. Schnackenburg, Der Brief an die Epheser, EKK X, Neukirchen 1982; S.51) Wir sind von Anfang an mit gemeint. Ob man das „Krone der Schöpfung“ nennen muss, weiß ich nicht. Aber es gibt jedem – Mann, Frau, Kind, Greis, klug oder weniger klug, schön oder weniger ansehnlich, erfolgreich oder „Fußmatte“(C.Zuckmayer, Der Hauptmann von Köpenick, S. 102), Lebensverlierer und Lebensgewinner unendliche Bedeutung. „Immer schon gewollt“ weiterlesen

Das Geheimnis Gottes: Christus

Epheser 1, 7 – 10

 7 In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade, 8 die er uns reichlich hat widerfahren lassen in aller Weisheit und Klugheit.

Es ist das Programm des Paulus, das `Paulus‘ hier seinen Lesern, uns, vorstellt. Er hat seinen Gemeinden – in Galatien und anderswo „Jesus Christus vor die Augen gemalt als den Gekreuzigten“ (Galater 3,1) Er hat es ihnen wieder und wieder gesagt: In ihm – die Erlösung durch sein Blut. Das ist mehr als nur historische Erinnerung. Mehr als: Damals am Karfreitag. Es ist der gegenwärtige Zugang zum Heil, zum Leben. Was immer es im Leben an Zielverfehlung, an Verirrung und Verwirrung, an Sünde gegeben hat und gibt – das alles wird durch den Reichtum seiner Gnade zurecht gebracht, gelöst. Wo immer einer unter seinen Taten und ihren Folgen gefangen und geknechtet ist – hier ist Erlösung. Das ist die Weisheit Gottes, die klüger ist als die Weisheit der Weisen.(1.Korinther 1,19) Und diese Erlösung ergreifen, sie sich geschenkt sein lassen, das ist wahre Weisheit und Klugheit.

 Mir will es scheinen, als „spiele“ hier unser Autor mit Leitworten des Paulus, um seine Leser zu erinnern an das, was sie von dem Apostel gelernt haben über Torheit und Weisheit. Und zugleich weist er eindringlich schon hier darauf hin: Diese Erlösung ist uns widerfahren. Sie ist Geschenk, Gabe aus den Händen eines Anderen, nicht unser eigenes Werk.

 9 Denn Gott hat uns wissen lassen das Geheimnis seines Willens nach seinem Ratschluss, den er zuvor in Christus gefasst hatte, 10 um ihn auszuführen, wenn die Zeit erfüllt wäre, dass alles zusammengefasst würde in Christus, was im Himmel und auf Erden ist.

 Tritt unser Autor auf der Stelle? Er kommt zurück auf den Ratschluss, den er doch schon als das Erwählen ehe der Welt Grund gelegt war (1,4), benannt hatte. Aber nun bindet er die Enthüllung dieses Ratschlusses an Christus. Alles, was über Wahl, Vorherbestimmung, Erlösung zu sagen ist, hat seinen Grund in Christus. In ihm, der kommen sollte, wenn die Zeit erfüllt wäre. Wieder bedient er sich bei Paulus: „Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen.“ (Galater 4, 4-5) Das ist der Erkenntnisgrund für alles Wissen der Gemeinde: der Gekommene Christus. „Das Geheimnis Gottes: Christus“ weiterlesen

Von Anbeginn an: Geliebt

Epheser 1, 1 – 6

 1 Paulus, ein Apostel Christi Jesu durch den Willen Gottes, an die Heiligen in Ephesus, die Gläubigen in Christus Jesus: 2 Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!

 Mit diesen Worten stellt sich `Paulus‘ vor. Dass Paulus ein Apostel Christi Jesu ist, ist nicht seine Wahl. Es ist der Wille Gottes, der ihn dazu gemacht hat. Kein Hochmut, sondern Gewissheit hat hier das Wort. Dieses Selbstverständnis wird auch sonst in Paulusbriefen sichtbar: „Paulus, ein Knecht Christi Jesu, berufen zum Apostel, ausgesondert zu predigen das Evangelium Gottes.“ (Römer 1,1) Und noch näher: „Paulus, berufen zum Apostel Christi Jesu durch den Willen Gottes.“ (1. Korinther 1,1)

 Die Exegeten sind sich weitgehend einig: Hier nimmt ein Autor späterer Zeit die „Autorität des Paulus“ (R. Schnackenburg, Der Brief an die Epheser, EKK X, Neukirchen 1982; S.41)für sein Schreiben in Anspruch, weil er sich „im Geist des großen Heidenmissionars“ (s.o.) an seine Leser wendet. Er unternimmt den Versuch, die grundlegenden Gedanken des Paulus neu in die eigene Zeit hinein zu formulieren, sie weiter zu denken. Er „leiht“ sich den Namen `Paulus‘, nicht um zu fälschen, sondern weil er nachsprechen will, was ihm wichtig ist.

An die Heiligen ist sein Brief gerichtet. So bezeichnen sich schon die ersten Christen in Jerusalem, wie wir es der Redeweise des Paulus entnehmen können: „Jetzt aber fahre ich hin nach Jerusalem, um den Heiligen zu dienen. Denn die in Mazedonien und Achaja haben willig eine gemeinsame Gabe zusammengelegt für die Armen unter den Heiligen in Jerusalem.“ (Römer 15,25-26) Es sind die ganz gewöhnlichen Glieder der Gemeinde, die so benannt werden, unabhängig von aller moralischen Qualität. Heilig, weil sie dem heiligen Gott angehören. „Von Anbeginn an: Geliebt“ weiterlesen