Einander guttun – wertschätzen

Galater 6, 1 – 18

 1 Brüder und Schwestern, nun kann es vorkommen, dass sich jemand zu einer Verfehlung hinreißen lässt. Dann sollt ihr, die ihr ja vom Geist geleitet werdet, ihn auf den richtigen Weg bringen. Tut dies mit der Freundlichkeit, die der Geist schenkt. Dabei muss jeder für sich selbst darauf achten, dass er nicht auch auf die Probe gestellt wird.

 Das gibt es, auch in der Gemeinde: jemand verrennt sich, jemand vergreift sich nicht nur im Ton. Jemand verletzt. Jemand überschreitet Grenzen. Verfehlungen – παράπτωμα – „Fehltritt, Sünde“ (Gemoll, aaO. S. 576) Nicht nur aus Versehen. Gleichwohl, selbst wenn es schwer fallen mag – es gilt, den Rückweg offen zu halten, zur Umkehr zu helfen. Dazu will der Geist Gottes helfen, der ja ein Geist der „Freundlichkeit und Selbstbeherrschung“ (5,22) ist. So wie sich die Liebe an den Geringen und Niedrigen bewähren soll, so soll sie sich auch an denen zeigen und bewähren, die sich schuldig gemacht haben. Zusätzlich gilt auch, auf sich selbst zu achten und nicht allzu selbstsicher zu sein und zu sagen: Mir kann so etwas nicht passieren.

2 Helft einander, die Lasten zu tragen. So erfüllt ihr das Gesetz, das Christus gegeben hat. 3 Wenn allerdings jemand meint, er sei etwas Besonderes, dann macht er sich etwas vor. Denn das ist er keineswegs. 4 Vielmehr sollte jeder das eigene Tun überprüfen. Dann hat er etwas, worauf er stolz sein kann, und muss sich nicht mit anderen vergleichen. 5Denn jeder wird seine eigene Last zu tragen haben.

Einmal mehr die Aufforderung zur gegenseitigen Hilfe. Die Lasten, um die es hier gehen wird, sind vermutlich nahe bei den vorher erwähnten Verfehlungen zu sehen. Dann geht es um die Folgen von Fehlverhalten. Darin soll man nicht einfach Leute allein lassen – selbst schuld. „Lasten gibt es genug, jeder trägt sein Paket an den Sorgen und Ängsten der Zeit.“ (M. Siebald) Es ist die Wegweisung, die für die christliche Gemeinde jeder Zeit gilt, hier ausgesprochen für die Gemeinde in Galatien. Sie geht Hand in Hand mit der Abwehr: Auch wenn jeder/jede ein Sonderfall ist, so ist er/sie doch nichts Besonderes. Keiner hat ein Anrecht und Anspruch auf Vorzugsbehandlung.

Was allerdings für jede und jeden gilt: sich selbst in seinem Verhalten sorgfältig zu prüfen. Das eigene Tun und Verhalten kritisch, selbstkritisch betrachten. Ob es denn der Wegweisung Jesu entspricht.  Es ist ein kluger Rat: aussteigen aus dem Vergleichen. Weil Vergleichen immer nur zu Sehfehlern führt – zu Eifersüchteleien. Weil die Neigung ja groß ist zu sagen und zu fragen: Warum geht es dem/der besser als mir. Wir fragen nicht so oft: Warum geht es dem/der schlechter als mir. Wenn es gut geht, dann hat jeder genug mit sich selbst zu tun. Darauf sollen die Kräfte konzentriert werden. „Einander guttun – wertschätzen“ weiterlesen

Geistreich leben

Galater 5, 16 – 26

16 Damit will ich sagen: Lasst euer Leben vom Geist Gottes bestimmt sein und richtet es danach aus. Dann werdet ihr nicht euren selbstsüchtigen Wünschen nachgeben. 17 Denn eure menschliche Natur kämpft gegen den Geist Gottes und der Geist Gottes gegen eure menschliche Natur. Diese beiden ringen ständig miteinander, sodass ihr nie tun könnt, was ihr eigentlich wollt. 18 Aber wenn ihr euch vom Geist Gottes leiten lasst, untersteht ihr nicht dem Gesetz.

Es ist eine Frage, die jede und jeder für sich beantworten muss: Wem überlasse ich die Regie in meinem Leben? Dem Geist Gottes oder den Bedürfnissen der menschlichen Natur? Im Griechischen heißt es wörtlich: ἐπιθυμα σαρκς (epithymia sarkos)– der Begierde, dem Verlangen des Fleisches. In der Sprache unserer Zeit: da ist eine immer währende Spannung zwischen dem limbischen Zentrum unseres Gehirns und den erlernten Normen. Wir sind nicht nur, aber auch instinktgesteuerte Wesen. Es gibt tiefsitzende Reflexe und Reaktionsweisen.

Das weiß auch das Evangelium: „Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach.“ (Markus 14, 38) Umso wichtiger: In dieser unauflöslichen Spannung gibt es gleichwohl einen Weg, der Verheißung hat: Sich der Leitung des Geistes Gottes anvertrauen. Es ist die Bitte des Herrn Jesus, die jeder/jede Einzelne nachsprechen lernen kann: „Nicht wie ich will, sondern wie Du willst.“ (Markus 14,36) Das ist, im Verzicht auf die Selbstbestimmung der Weg in die Freiheit! „Geistreich leben“ weiterlesen

In der Freiheit bestehen

Galater 5, 1– 15

5, 1 Christus hat uns befreit, damit wir endgültig frei sind. Bleibt also standhaft und unterwerft euch nicht wieder dem Joch der Sklaverei!

Paulus treibt seinen Gedanken weiter. Kinder der freien Frau sind wir, weil Christus uns befreit hat. Uns – μς – sagt er und schließt sich so mit den Galatern zusammen. Wir sind „zur Freiheit befreit“ – so könnte man auch übersetzen. Diese Freiheit gilt es zu bewahren. Man kann sie vertun. Darum gilt, in der Freiheit standfest, standhaft zu werden. Ihr treu zu bleiben.

2 Ich, Paulus, sage euch: Wenn ihr euch beschneiden lasst, wird Christus euch nichts nützen. 3 Ich sage es noch einmal mit allem Nachdruck jedem der sich beschneiden lässt: Er ist verpflichtet, das ganze Gesetz einzuhalten. 4 Ihr habt dann mit Christus nichts mehr zu tun. Jeder, der durch das Gesetz vor Gott als gerecht gelten will, hat damit die Gnade verspielt.

 Ihr sollt und müsst wissen: Das ist meine Position. So betont es Paulus mit seinen Worten: Ich, Paulus, sage euch Es ist eine sehr ernst gemeinte Warnung. Werdet nicht rückfällig unter das Joch der Knechtschaft. Dieses Joch findet seine sichtbare Seite in der Beschneidung. Wenn die Beschneidung zum Heilszeichen werden soll, dann verliert man das geschenkte Heil in Christus.  Dann unterwirft man sich dem Gesetz. Dann gelten alle Forderungen – von A bis Z – das ganze Gesetz – λος νμος. Dann hat man sich von Christus verabschiedet und hat nichts mehr mit ihm und seiner Gnade zu tun. Hier gilt – so die Botschaft des Paulus – ein schroffes Entweder-oder. Sowohl als auch geht nicht mit Christus zusammen.

5 Wir aber dürfen durch den Geist Gottes hoffen, aufgrund des Glaubens vor Gott als gerecht zu gelten. 6 Denn wenn wir zu Christus Jesus gehören, spielt es keine Rolle, ob jemand beschnitten ist oder nicht. Es zählt nur der Glaube, der sich in Liebe auswirkt.

  Wieder wir. Es ist der Versuch, aus der Konfrontation heraus zu finden, und Zustimmung bei den Galatern zu erreichen. Paulus ringt um die gemeinsame Basis. Durch den Geist, aufgrund des Glaubens. Er knüpft an frühere Gedanken an: In Christus sind alle Unterschiede zweitrangig geworden. Darum ist es auch gleichgültig, ob jemand beschnitten ist oder nicht. Allein das zählt. Der Glaube, der sich in Liebe auswirkt. Der in der Liebe seine Energie entfaltet. Auswirkungen hat. „In der Freiheit bestehen“ weiterlesen

Gib mir die richtigen Worte

Galater 4, 21 – 31

 21 Ihr wollt euch also dem Gesetz unterwerfen. Sagt mir: Hört ihr denn nicht, was eben dieses Gesetz sagt?

  Wisst ihr eigentlich, was ihr tut? So fragt der Apostel. Seid ihr euch darüber im Klaren, wss es heißen wird, sich dem Gesetz zu unterwerfen?  Die griechische Formulierung ist behutsamer: π νμον θλοντες εναιdie ihr unter dem Gesetz sein wollt. Sie haben keine Ahnung, was sie sich als Herrschaft mit dem Gesetz einhandeln.

22 In der Heiligen Schrift steht doch: Abraham hatte zwei Söhne, den einen von der unfreien Magd, den anderen von der freien Frau. 23 Der Sohn der Magd wurde auf natürliche Weise gezeugt. Aber der Sohn der freien Frau verdankt sein Leben dem Versprechen Gottes.

Eine erneute „Bibelstunde“. Diesmal über die beiden Söhne Abrahams. Der eine, der Erste, Ismael, ein Sohn der Magd, auf natürliche Weise empfangen und gezeugt. Unter den Gesetzmäßigkeiten der Welt. Def andere: Ein Kind der Verheißung. Jenseits aller Erwartung und aller menschlichen Möglichkeiten. So kann es jeder und jede nachlesen.  „Gib mir die richtigen Worte“ weiterlesen

Bis Christus un euch Gestalt gewinnt

Galater 4, 8 – 20

8 Ganz anders war es damals, als ihr Gott noch nicht kanntet. Da wart ihr Sklaven von Göttern, die in Wirklichkeit keine Götter sind. 9 Aber jetzt kennt ihr Gott, oder besser gesagt: Gott kennt euch.

Rückfallgefahr. Sie sind in Galatien drauf und dran, die Freiheit des Glaubens zu verspielen. Weil sie sich wieder einfangen lassen unter Gesetzmäßigkeiten, die göttlichen Rang behaupten, die aber keine Götter sind. Sklaven Von Göttern ist eine harte Formulierung. Aber sie bringt eine tiefe Wahrheit auf den Punkt. Es gibt eine Abhängigkeit von Slogans, von Forderungen des Zeitgeistes, die geradezu wie Sklaverei wirken können. Die Götter unserer Tage sind nicht im Himmel und irgendwelchen Tempeln zu verehren, sondern sie senden in den Botschaften der Massenmedien und die Gefolgschaft diesen Botschaften gegenüber ist wie Sklaverei. Follower sind ziemlich abhängig von denen, denen sie folgen.

Wie könnt ihr euch da wieder diesen schwachen und armseligen Elementen zuwenden? Wollt ihr ihnen von Neuem als Sklaven dienen? 10 Ihr beachtet bestimmte Tage und Monate, Festzeiten und besondere Jahre.

Es ist nicht nur damals eine angstbesetzte Gefolgschaft. Abhängigkeit von Horoskopen Sternenkonstellationen, von Glückstagen, von der Angst vor Freitag, dem 13.  Pflanzen unter Beachtung der Mondphasen. Alles nur törichtes Zeug? Die Sturm der Entrüstung, wenn eine Zeitung die Horoskope absetzt und nichtmehr druckt, ist ein Signal der Abhängigkeit. Die Freiheit, selbst zu entscheiden, ist anstrengend und manchmal eine gefühlte Überforderung. Damals. Heute.

11 Ich mache mir Sorgen um euch! Habe ich mich etwa vergeblich mit euch abgemüht? 12 Ich bitte euch, liebe Brüder und Schwestern: Werdet wie ich. Ich bin ja damals auch so geworden, wie ihr wart: frei gegenüber dem Gesetz.

Das alles sagt Paulus und hat die Sorge: Ich rede inzwischen gegen eine Wand. Es ist vergebliche Mühe. Sein Reden läuft ins Leere. Es wirkt fast wie ein verzweifelter Apell: Werdet wie ich. Folge doch meiner Freiheit, die ich euch damals gepredigt habe, der ihr geglaubt habt. Löst Euch aus der Abhängigkeit unter das Gesetz.    „Bis Christus un euch Gestalt gewinnt“ weiterlesen