Gnade für die Welt

Offenbarung 22, 16 – 21

 16 Ich, Jesus, habe meinen Engel gesandt, euch dies zu bezeugen für die Gemeinden. Ich bin die Wurzel und das Geschlecht Davids, der helle Morgenstern.

             Den Schluss der Offenbarung bilden nicht mehr Bilder, sondern Worte. Wir hören nur noch Stimmen. Rufe. Zuerst die Erinnerung: Alles, was Johannes gesehen hat, ist für die Gemeinden bestimmt. Ephesus und Smyrna, Pergamon und Thyatira, Sardes und Philadelphia und Laodizea. Und dann stellt ER sich noch einmal vor. Denn er ist ja der eigentliche Autor dieses Briefes an die Gemeinden. Wieder steht da die Formel, in der Gott selbst sich vorstellt am brennenden Dornbusch, in der Jesus sich zu erkennen gibt auf seinen Wegen durch die Zeit:  ἐγώ εἰμι. Ich bin.

Ich höre mit: Die Wurzel Jesse. „Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen.“ (Jesaja 11, 1) Ich kann auch das mit hören: „Nicht du die Wurzel trägst, sondern die Wurzel trägt dich.“ (Römer 11,18) Wir, Juden und Christen werden in gleicher Weise getragen von ihm, der die Wurzel ist. Werden beschienen von ihm, der der helle Morgenstern ist. Auch hier wieder schwingt uralte Verheißung mit: „Es sagt Bileam, der Sohn Beors, es sagt der Mann, dem die Augen geöffnet sind, es sagt der Hörer göttlicher Rede und der die Erkenntnis des Höchsten hat, der die Offenbarung des Allmächtigen sieht und dem die Augen geöffnet werden, wenn er niederkniet: Ich sehe ihn, aber nicht jetzt; ich schaue ihn, aber nicht von nahem. Es wird ein Stern aus Jakob aufgehen und ein Zepter aus Israel aufkommen .“ (4. Mose 24, 15 – 17)

            An diese Worte, an dieses Versprechen erinnern wir uns und nehmen es auf als Hoffnung für unsere Zeit, wenn wir singen:

Der Morgenstern ist aufgedrungen,
er leucht‘ daher zu dieser Stunde
hoch über Berg und tiefe Tal,
vor Freud singt uns der lieben Engel Schar.                                                                                              Unbekannter Autor, 15. Jahrhundert
, EG 69

17 Und der Geist und die Braut sprechen: Komm! Und wer es hört, der spreche: Komm!

Auf diese Ankündigungen gibt es nur eine Antwort: Komm! Es ist die Antwort der Sehnsucht, der Liebe, die sonst nichts mehr zu sagen braucht. Und – meisterhaft – der Kreis derer, die so sprechen, öffnet sich, hin zu allen, die es hören, hin zu uns, die wir es heute lesen und hören.

Der Geist ist voller Sehnsucht –  das ist die Liebe innerhalb der Trinität. Gott selbst, so lese ich hier, ist sehnsüchtig in der Liebe – der Vater nach dem Sohn, der Sohn nach dem Vater, der Geist nach dem Sohn. Das innersten Wesen Gottes, wenn man sich überhaupt wagen darf, so etwas  zu sagen, als könnte unsereiner wissen, was das innerste Wesen Gottes ist, ist Liebe.

Und die Gemeinde, die Braut, ist ihrem Wesen nach Sehnsucht. Ausgestreckt zu Jesus hin, hoffend auf seine Gegenwart, wartend auf sein Kommen.

            Wie soll ich dich empfangen / und wie begegn ich dir,
o aller Welt Verlangen, / o meiner Seelen Zier?
O Jesu, Jesu, setze / mir selbst die Fackel bei,
damit, was dich ergötze, / mir kund und wissend sei.

            Ihr dürft euch nicht bemühen / noch sorgen Tag und Nacht,
wie ihr ihn wollet ziehen / mit eures Armes Macht.
Er kommt, er kommt mit Willen, / ist voller Lieb und Lust,
all Angst und Not zu stillen, / die ihm an euch bewußt.                                                                                                       P. Gerhardt 1653 EG 11

             Es stimmt schon: „Ursprung und ganzer Geschichtsablauf, Anfang und Weg, Schöpfung und Erfüllung; alles ist in Jesus Christus zusammen gefasst.“ (H. Lilje aaO.; S. 249)

 Und wen dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.

             Auch das Zitat, Aufnahme eines Wortes aus den Propheten Israels. „Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch!“ (Jesaja 55,1) Und auch Zitat aus der großen Vision zuvor, dem Bild vom himmlischen Jerusalem. „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ (21,6) Es ist die Form, die der Heilandsruf aus dem Matthäus-Evangelium – „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“Matthäus 11,28) –  in der Offenbarung annimmt. Auch der wiederkommende Herr ist nicht nur Richter. Er ist zugleich Heiland.

 18 Ich bezeuge allen, die da hören die Worte der Weissagung in diesem Buch: Wenn jemand etwas hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen zufügen, die in diesem Buch geschrieben stehen. 19 Und wenn jemand etwas wegnimmt von den Worten des Buchs dieser Weissagung, so wird Gott ihm seinen Anteil wegnehmen am Baum des Lebens und an der heiligen Stadt, von denen in diesem Buch geschrieben steht.

             Das ist steil, atemberaubend.  Aber nicht einmalig. „Ihr sollt nichts dazutun zu dem, was ich euch gebiete, und sollt auch nichts davontun, auf dass ihr bewahrt die Gebote des HERRN, eures Gottes, die ich euch gebiete.“ (5. Mose 4,2) Oder: „Predige denen, die aus allen Städten Judas hereinkommen, um anzubeten im Hause des HERRN, alle Worte, die ich dir befohlen habe, ihnen zu sagen, und tu nichts davon weg.“ (Jeremia 26,2) Allerdings einmalig ist, dass die Treue zu diesem Wort sozusagen heilsnotwendig wird, wenn man die Ausschlussformel ernst nimmt: Wenn jemand etwas wegnimmt von den Worten des Buchs dieser Weissagung, so wird Gott ihm seinen Anteil wegnehmen am Baum des Lebens und an der heiligen Stadt.

Diese Drohung steht innerhalb des biblischen Kanons ziemlich isoliert. Und sie hat wohl ein bisschen einem Verständnis Vorschub geleistet, dass den wortwörtlichen Glauben an alles, was in der Schrift seht, für heilsnotwendig hält. Wahr bleibt: Das Wort der Schrift will uns leiten. Die Worte der Offenbarung wollen uns ermutigen und den Rücken stärken. Ich tue mir keinen Gefallen, wenn ich an diesen Worten achtlos vorbei gehe. Ich will sie achten, auch dann, wenn ich sie nicht alle verstehe.

 20 Es spricht, der dies bezeugt: Ja, ich komme bald. – Amen, ja, komm, Herr Jesus!

             Das ist das letzte Wort – ein Dialog. Noch einmal hat Jesus, der Christus das Wort. Ja, ich komme bald. Man könnte ταχύ auch so übersetzen: „Schnell. Geschwind. Plötzlich.“ (Gemoll, Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch,  München/Wien 1957, S.731) Er wird uns nicht über Gebühr warten lassen. Er verzieht nicht.

             Und die Antwort ist wiederum der Ruf der Sehnsucht. Diesmal wohl des Sehers selbst, der hier für sich das Wort nimmt. Amen, ja, komm, Herr Jesus! Μαρανα θα. Maranatha, heißt das auf Aramäisch. So mögen es Christen gerufen haben, deren erste Sprache nicht Griechisch war. Aber so oder so: Es ist die Sehnsucht, die nach dem Kommen Christi ruft. Emotion. Hoffnung.

  21 Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen!

             Das ist das letzte Wort der Schrift. Ein wunderbares Wort auf den Weg – für alle, die mit diesem Wort der Offenbarung und der ganzen Heiligen Schrift umgehen. Segenswort. Im Segen gehen wir ja über das hinaus, was unsere Worte vermögen, was unser Tun vermag – und vertrauen uns der größeren Kraft Gottes an. Seine Gnade wird tun, was wir nicht zu Stande bringen. Zurecht bringen, was uns entgleitet. Ans Ziel bringen, was uns zu schwer ist.

Was für ein wunderbares Wort: Gnade uns allen. Gnade für die Welt.

 

Jesus, Namen über allen Namen, Herr aller Herren, König aller Könige, Menschensohn und Gotteslamm. Dir warte ich entgegen mit dieser ganzen Welt, die sich nach Erlösung sehnt. Lass uns nicht zu lange warten. Komm, Du Heiland der Bedrängten, Du Retter der Schuldigen, Du Liebe über alles Lieben. Auf Dich warte ich. Amen

 

 

Bald

Offenbarung 22, 6 – 15

 6 Und er sprach zu mir: Diese Worte sind gewiss und wahrhaftig; und der Herr, der Gott des Geistes der Propheten, hat seinen Engel gesandt, zu zeigen seinen Knechten, was bald geschehen muss. 7 Siehe, ich komme bald. Selig ist, der die Worte der Weissagung in diesem Buch bewahrt.

             Manches prägt sich erst durch Wiederholung in seiner Bedeutung ein. Diese Worte sind gewiss und wahrhaftig. Das ist im Wortlaut gleich dem Wort Gottes aus der Vision vom kommenden neuen Jerusalem (21,5) Als ob es noch einmal eingeschärft werden müsste. Als ob die Bilderflut der Offenbarung davor geschützt werden müsste, als bloße Bilderflut abgetan zu werden.

Es ist ein Zurückgreifen auf den Anfang des ganzen Buches, der jetzt geschieht. Erinnerung: Der Herr, der Gott des Geistes der Propheten, hat seinen Engel gesandt, zu zeigen seinen Knechten, was bald geschehen muss. Es ist nicht Prophetie aus eigener Vollmacht. Es ist Wort, das auf der Sendung Gottes beruht. Johannes hat sich nichts selbst ausgedacht und zusammengeschrieben. Er hat gesehen, gehört und geschrieben.

So wichtig aber sind diese Worte, dass die sechste Seligpreisung der Offenbarung sich auf das Lesen und Bewahren dieser Worte bezieht. Man kann zumindest darüber nachdenken, ob unser „Spruch“ nach der Schriftlesung im Gottesdienst nicht hier seinen Anfangsort hat: „Selig sind, die Gottes Wort höre und bewahren.“

Und der, der Johannes diese Bilder „geschickt hat“, der kündigt sein Kommen an. Bald. „In Kürze“ hatte es in 1,1 geheißen. Über das Geschehen, das angesagt wurde, angekündigt. Aber jetzt wird, wie am Anfang, der Blick vom Geschehen weg gelenkt auf Ihn, auf den kommenden Herrn. Immer ging es in der Offenbarung um Ihn! „Bald“ weiterlesen

Du, nur noch Du

Offenbarung 22, 1 – 5

 1 Und er zeigte mir einen Strom lebendigen Wassers, klar wie Kristall, der ausgeht von dem Thron Gottes und des Lammes; 2 mitten auf dem Platz und auf beiden Seiten des Stromes Bäume des Lebens, die tragen zwölfmal Früchte, jeden Monat bringen sie ihre Frucht, und die Blätter der Bäume dienen zur Heilung der Völker.

             Das ist ein Bild, das der Bibelleser schon kennt. Vom Paradies-Strom redet das 1. Buch Mose. Dem Strom, der den Garten Eden umgibt und aus ihm entspringt (1. Mose 2, 10.14). Und von einem Heils-Strom weiß der Prophet Hesekiel: „Und er führte mich wieder zu der Tür des Tempels. Und siehe, da floss ein Wasser heraus unter der Schwelle des Tempels nach Osten; denn die vordere Seite des Tempels lag gegen Osten. Und das Wasser lief unten an der südlichen Seitenwand des Tempels hinab, südlich am Altar vorbei.“ (Hesekiel 47,1) Und einige Verse später lese ich: „Und wenn es ins Meer fließt, soll dessen Wasser gesund werden, und alles, was darin lebt und webt, wohin der Strom kommt, das soll leben.“ (Hesekiel 47, 8-9) Der Tempelstrom, der dem Leben dient, überall, wohin er kommt.

Hier geht der Strom des lebendigen Wassers nicht mehr vom Tempel aus – der ist ja nicht mehr! – sondern direkt vom Thron Gottes und des Lammes. Das Wort Jesu erfüllt sich. „Das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.“ (Johannes 4, 14) Alle Wirkungen des Tempelsstromes aus der alten Schau des Propheten sind um ein Vielfaches überboten. Zwölfmal Früchte im Jahr, Blätter, die dem Heil dienen. Das Leben gesundet. „Du, nur noch Du“ weiterlesen

In deinem Licht sehen wir das Licht

Offenbarung 21, 22 – 27

22 Und ich sah keinen Tempel darin; denn der Herr, der allmächtige Gott, ist ihr Tempel, er und das Lamm. 23 Und die Stadt bedarf keiner Sonne noch des Mondes, dass sie ihr scheinen; denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm.

             In dieser vollkommenen Stadt ist kein Tempel. Er ist nicht mehr nötig. Ist doch der Tempel der Wohnort Gottes in unserer Welt, der Ort, an dem wir ihn anrufen können, zu ihm flehen, ihm klagen. In dem sein Name wohnt (2. Chronik 7,16). Wenn Gott aber selbst, in Person, Wohnung genommen hat unter seinen Menschen, bei ihnen, in ihrer Mitte zeltet (Johannes 1,14), dann braucht es keinen Tempel mehr.

Es ist eine Linie, die in der Folge der Schriften angelegt ist. Im Bund mit Israel ist der Tempel der Ort, an dem Gott sich finden lassen will. Nicht der einzige Ort – jeder alte Dornbusch ist gut genug, Gottes Ort zu werden,  aber doch ein Ort, an dem Gott sich versprochen hat. In der Verkündigung Jesu hören wir schon neue Töne: „Unsere Väter haben auf diesem Berge angebetet, und ihr sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten soll. Jesus spricht zu ihr: Glaube mir, Frau, es kommt die Zeit, dass ihr weder auf diesem Berge noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr wisst nicht, was ihr anbetet; wir wissen aber, was wir anbeten; denn das Heil kommt von den Juden. Aber es kommt die Zeit und ist schon jetzt, in der die wahren Anbeter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn auch der Vater will solche Anbeter haben. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“ (Johannes 4, 20 – 24) Da wird die Frage nach dem Ort umgewandelt in die Frage nach der Art und Weise der Anbetung.

Und bei Paulus wird die Tempelfrage noch einmal umgewandelt, wenn er fragt: „Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört?“ (1. Korinther 6,19) Da sind es auf einmal die Christen – und zwar ihr Leib und nicht nur ihr Geist, in denen Gott seine Gegenwart aufleuchten lassen will.  In der Welt. Hier und heute. Und jetzt also, in der Johannes-Offenbarung noch einmal der eine Schritt weiter: Gott ist gegenwärtig, unverstellt – und da ist der Tempel überholt. „In deinem Licht sehen wir das Licht“ weiterlesen

Gottes Stadt – das Beste kommt noch

Offenbarung 21, 15 – 21

 15 Und der mit mir redete, hatte einen Messstab, ein goldenes Rohr, um die Stadt zu messen und ihre Tore und ihre Mauer. 16 Und die Stadt ist viereckig angelegt und ihre Länge ist so groß wie die Breite. Und er maß die Stadt mit dem Rohr: zwölftausend Stadien. Die Länge und die Breite und die Höhe der Stadt sind gleich. 17 Und er maß ihre Mauer: hundertvierundvierzig Ellen nach Menschenmaß, das der Engel gebrauchte.

             Eine Stadt, die ebenmäßig ist. Wohlgestaltet. Vollkommen. „Die Vermessung der Stadt … ist nur eine Demonstration ihrer Vollkommenheit.“ (H. Lilje aaO. S.241) Kein Wildwuchs. In allem herrscht hier die ordnende Hand Gottes. Es ist für den antiken Leser zweifelsfrei das Idealbild einer Stadt, das sich hier eröffnet.

Wenn man genau lest, kann man den Eindruck eines Würfels haben. Länge, Breite und Höhe der Stadt sind gleich. Aber: „Damit ist wohl nicht die Würfelform, sondern die Pyramide gemeint, und das Vorbild hierfür waren gewiss die „Wolkenkratzer“ Babylons, die vielen pyramiden-ähnlichen Turmaufbauten, an denen die Stadt reich war.“ (H. Lilje aaO.; S.241) Mich lässt das fragen: Ist es vorstellbar, dass der Seher, der Babylon als die große Hure, als das Sammelbecken aller Laster sieht, dann am Ende seiner Visionen-Reiche ausgerechnet Babylon zum „Vorbild“ seiner Zeichnung des himmlischen Jerusalems macht? Selbst wenn Babylon im Altertum „das Bild der Weltstadt schlechthin“ (H. Lilje, aaO.;  S.241) war.  Mir macht das gedanklich Probleme.

Deshalb leuchtet mir der andere Hinweis mehr ein. „Das Allerheiligste im salomonischen Tempel wies nach 1. Könige 6,20; 2. Chronik 3,8 Würfelform auf. Wie das Quadrat die vollkommene Fläche darstellt, so der Kubus den vollkommenen Raum.“ (A. Pohl, aaO.; S.321) Lediglich wenn es um die Größe geht, spielt Babylon vielleicht eine Rolle. Die Zahlenangaben schreiben der himmlischen Stadt eine so gigantische Größe zu – zwölftausend Stadien entsprechen ca 2200km!, dass Babylon daneben zu einem Kaff mutiert. Rom übrigens auch.  „Gottes Stadt – das Beste kommt noch“ weiterlesen

Wie schön!

Offenbarung 21, 9 – 14

9 Und es kam zu mir einer von den sieben Engeln, die die sieben Schalen mit den letzten sieben Plagen hatten, und redete mit mir und sprach: Komm, ich will dir die Frau zeigen, die Braut des Lammes.

             Das ist ein Wechsel. Hatte dem Seher zuvor ein Engel das Gericht über die Hure gezeigt (17,1) , so kommt jetzt einer von den sieben Engeln, die die sieben Schalen mit den letzten sieben Plagen haben, um ihm die Braut  des Lammes zu zeigen. Das ist ein Kontrast, auf den die Offenbarung Wert legt.

 10 Und er führte mich hin im Geist auf einen großen und hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem herniederkommen aus dem Himmel von Gott, 11 die hatte die Herrlichkeit Gottes;

             Das ist deutlich Anklang an andere biblische Worte. Auch Jesus wurde auf einen sehr hohen Berg geführt (Matthäus 4,8)  – zur Versuchung. Im Geist – das ist wiederholt der Schlüssel für die Visionen des Sehers. Er empfängt sie im Geist. Der Geist öffnet die Augen für die sonst unsichtbare Wirklichkeit.

Er sieht das neue Jerusalem, nicht mehr die geschundene Stadt. Nicht mehr das zerstörte Jerusalem. Jetzt ist es die Braut in einer überirdischen Schönheit. Aber immer noch Jerusalem. Das Festhalten an diesem Namen ist ein Signal: Es geht um Kontinuität. Die neue Schöpfung Gottes geht nicht an der „alten Welt“ vorbei. Sie nimmt, darauf wird später noch zu schauen sein, die alte Welt auf.

Jerusalem wird jetzt, in dieser Vision sichtbar als die Stadt, als die es schon immer gemeint war. Von Gott her.  Darum hat sie die Herrlichkeit Gottes – δόξα τοῦ θεοῦ. Sie ist nicht mehr „nur“ Wohnort des Namens Gottes, nicht nur Ort der Anbetung Gottes. Sie gewinnt Anteil an seiner Herrlichkeit, seinem Wesen. Die Schönheit der Stadt spiegelt nur die Schönheit Gottes. Denn Gott ist herrlich, voller Glanz und Licht. Gott ist schön.  „Wie schön!“ weiterlesen

Mehr Zukunft geht nicht

Offenbarung 21, 1 – 8

 1 Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr.

         Was Johannes sieht, sprengt alle Vorstellungskraft. Hat er zuvor noch gesehen, wie Erde und Himmel keine Stätte mehr haben, ort-los, utopisch werden, so sieht er jetzt einen  neuen Himmel und eine neue Erde. οὐρανὸν καινὸν καὶ γῆν καινήν. Das Wort für „neu“ ist im Griechischen reserviert. Es ist nicht das Allerweltswort, das man für ein paar neue Schuhe verwendet. „Es ist ein Wort, das für Neuerung, Umsturz des Bestehenden, neu in seiner Art, unbekannt, ungewöhnlich, unerhört, auffallend unerwartet“ (Gemoll, Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch,  München/Wien 1957, S.400) steht.  „Καινὸς ist der Inbegriff des ganz Anderen, Wunderbaren, das die Endheilszeit bringt.“ (Theol. Wörterbuch zum NT, Bd.III, Stuttgart 1938; s. 451) Es ist mit dem schöpferischen Handeln Gottes verbunden.  Er ist der, das wirklich Neues macht. So auch hier. Johannes sieht Neuschöpfung, eine neue Schöpfung, die neue Welt Gottes. Zu fassen ist das nicht.

Diese neue Welt Gottes hat als ein Kennzeichen, dass das Meer nicht mehr ist. Das Meer, das seit altersher ein Ort des Todes ist. Gerade zuvor hatte es noch geheißen: „Und das Meer gab die Toten heraus, die darin waren.“(20,13) In dieser neuen Schöpfung ist kein Ort mehr für diesen Todesort. Das ist nicht Biologie oder Geologie, die hier verhandelt wird, sondern theologische, geistliche Deutung.

2 Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.

             Wieder ein Liebesbild. Die geliebte Stadt, das neue Jerusalem – die Braut.  Die Braut ist nichts ohne den Bräutigam. Aber auch umgekehrt: Was wäre der Bräutigam ohne die Braut? So redet dieses Bild nicht nur von der Vollendung der Gemeinde im Himmel, sondern es redet auch davon, das der Bräutigam an sein Ziel kommt. Ein menschenloser, einsamer Gott und Heiland im Himmel, in der Neuschöpfung – undenkbar. Die Liebe kommt in diesem Bild an ihr Ziel – bei beiden, der Braut und dem Bräutigam.  „Mehr Zukunft geht nicht“ weiterlesen

Im Buch des Lebens

Offenbarung 20, 11 – 15

11 Und ich sah einen großen, weißen Thron und den, der darauf saß; vor seinem Angesicht flohen die Erde und der Himmel, und es wurde keine Stätte für sie gefunden.

             Johannes sieht einen großen, weißen Thron. Ist das jetzt eine Wiederholung der Schauung aus dem himmlischen Thronsaal? „Ein Thron stand im Himmel und auf dem Thron saß einer.“(4,2) Aber im Unterschied zu dieser Schauung hier kein Wort der Beschreibung des Thronenden, auch kein Wort darüber, wo dieser Thron steht. Alles ist wie schwebend. Aber so von Majestät erfüllt, dass sogar die Erde und der Himmel flohen, und es wurde keine Stätte für sie gefunden.

             Das erinnert an alttestamentliche Worte. „Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht. Und der HERR sprach weiter: Siehe, es ist ein Raum bei mir, da sollst du auf dem Fels stehen. Wenn dann meine Herrlichkeit vorübergeht, will ich dich in die Felskluft stellen und meine Hand über dir halten, bis ich vorübergegangen bin. Dann will ich meine Hand von dir tun und du darfst hinter mir her sehen; aber mein Angesicht kann man nicht sehen.“(2, Mose 33, 20 -23) Niemand kann der unverhüllten Majestät Gottes gegen treten. Niemand und Nichts kann ihm standhalten

Gott allein bleibt – und ihm gegenüber: Menschen. „Im Buch des Lebens“ weiterlesen

Tausend Jahre

Offenbarung 20, 1 – 10

1 Und ich sah einen Engel vom Himmel herabfahren, der hatte den Schlüssel zum Abgrund und eine große Kette in seiner Hand. 2 Und er ergriff den Drachen, die alte Schlange, das ist der Teufel und der Satan, und fesselte ihn für tausend Jahre 3 und warf ihn in den Abgrund und verschloss ihn und setzte ein Siegel oben darauf, damit er die Völker nicht mehr verführen sollte, bis vollendet würden die tausend Jahre. Danach muss er losgelassen werden eine kleine Zeit.

             Eine Polizei-Aktion. Mehr ist nicht nötig, um dem Spuk ein Ende zu machen. Um den Drachen, die alte Schlange, das ist der Teufel und der Satan festzusetzen, braucht es  einen Engel und seine Handschellen. „Eine untergeordnete Persönlichkeit aus der Welt Gottes.“(E. Schnepel, aaO.; S.240) Nicht einmal der Name des Engels wird genannt. Demnach ist es keiner von den „Großen“ – Gabriel oder Michael oder… Ist das zu harmlos gedacht? Fehlt mir der Respekt vor dem Bösen? Ich glaube, dass Johannes uns den übergroßen Respekt, die Angst nehmen will, indem er so schreibt, was er sieht.

Es gibt eine Heidenangst vor dem Bösen, die vergisst, dass Christus der Sieger ist. Wahrscheinlich müssen wir die Angst-Freiheit neu lernen, die sich in den alten Worten spiegelt:  „Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?…Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!“ (1. Korinther 15,55.57)

             Eine Zeit, in der die Macht des Teufels gebannt ist. Weggesperrt. So eine Zeit kennt das Lukas-Evangelium für das Handeln Jesu. „Und als der Teufel alle Versuchungen vollendet hatte, wich er von ihm eine Zeit lang.“ (Lukas 4,13) Eine solche Zeit sieht der Seher nun für die ganze Welt. „Der große Sabbat der Weltgeschichte hat begonnen.“ (E. Schnepel, aaO.;  S.241) „Tausend Jahre“ weiterlesen

Die Stunde des Siegers

Offenbarung 19, 11 – 21

 11 Und ich sah den Himmel aufgetan; und siehe, ein weißes Pferd. Und der darauf saß, hieß: Treu und Wahrhaftig, und er richtet und kämpft mit Gerechtigkeit. 12 Und seine Augen sind wie eine Feuerflamme, und auf seinem Haupt sind viele Kronen; und er trug einen Namen geschrieben, den niemand kannte als er selbst. 13 Und er war angetan mit einem Gewand, das mit Blut getränkt war, und sein Name ist: Das Wort Gottes.

             Eine neue Szene. Der Himmel öffnet sich. Nicht mehr nur Zeichen am Himmel. Die Tore des Himmels sind aufgetan. Die Passivform spricht dafür: Geöffnet von Gott. Zuerst sieht der Seher ein weißes Pferd, dann den, der darauf sitzt. „Im ersten Jahrhundert wusste jeder Mensch, dass der Triumphator, der siegreiche Feldherr, der seinen Triumphzug in Rom hielt, auf einem weißen Pferd ritt.“  (E. Schnepel, aaO.;  S.234)

             In die Beschreibung des Reiters auf dem Pferd fließen Elemente ein, die schon zuvor in der Offenbarung mit Jesus verbunden worden sind: Augen wie eine Feuerflamme (1,14), mit Blut getränkt (5,9) und im nachfolgenden Text der eiserne Stab (12,5). Das ist kein Zufall, entfaltet sich doch in dieser Szene die Wirklichkeit Jesu. Jetzt wird offenbar, offenkundig vor aller Augen, wer er ist. Der Christus.

14 Und ihm folgte das Heer des Himmels auf weißen Pferden, angetan mit weißem, reinem Leinen. 15 Und aus seinem Munde ging ein scharfes Schwert, dass er damit die Völker schlage; und er wird sie regieren mit eisernem Stabe; und er tritt die Kelter, voll vom Wein des grimmigen Zornes Gottes, des Allmächtigen, 16 und trägt einen Namen geschrieben auf seinem Gewand und auf seiner Hüfte: König aller Könige und Herr aller Herren.

             Christus führt das Heer des Himmels. Alle die ihm folgen, auf weißen Pferden. In reinen Gewändern. Nicht befleckt, auch nicht blutbeschmiert. Es ist ein Heer, das nicht zum Kampf auszieht, sondern eher wie zu einer feierlichen Prozession. Das den Sieger begleitet. Und jetzt wird sein Name enthüllt: König aller Könige und Herr aller Herren. Zuvor wird schon der andere Name genannt: Das Wort Gottes. „Die Stunde des Siegers“ weiterlesen