Maranatha

Offenbarung 22, 16 – 21

 16 Ich, Jesus, habe meinen Engel gesandt, euch dies zu bezeugen für die Gemeinden. Ich bin die Wurzel und das Geschlecht Davids, der helle Morgenstern.

             Den Schluss der Offenbarung bilden nicht mehr Bilder, sondern Worte. Wir hören nur noch Stimmen. Rufe. Zuerst die Erinnerung: Alles, was Johannes gesehen hat, ist für die Gemeinden bestimmt. Ephesus und Smyrna, Pergamon und Thyatira, Sardes und Philadelphia und Laodizea. Und dann stellt ER sich noch einmal vor. Denn er ist ja der eigentliche Autor dieses Briefes an die Gemeinden. Wieder steht da die Formel, in der Gott selbst sich vorstellt am brennenden Dornbusch, in der Jesus sich zu erkennen gibt auf seinen Wegen durch die Zeit:  γ εμι. Ich bin.

Ich höre mit: Die Wurzel Jesse. „Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen.“ (Jesaja 11, 1) Ich kann auch das mit hören: „Nicht du die Wurzel trägst, sondern die Wurzel trägt dich.“ (Römer 11,18) Wir, Juden und Christen werden in gleicher Weise getragen von ihm, der die Wurzel ist. Werden beschienen von ihm, der der helle Morgenstern ist. Auch hier wieder schwingt uralte Verheißung mit: „Es sagt Bileam, der Sohn Beors, es sagt der Mann, dem die Augen geöffnet sind, es sagt der Hörer göttlicher Rede und der die Erkenntnis des Höchsten hat, der die Offenbarung des Allmächtigen sieht und dem die Augen geöffnet werden, wenn er niederkniet: Ich sehe ihn, aber nicht jetzt; ich schaue ihn, aber nicht von nahem. Es wird ein Stern aus Jakob aufgehen und ein Zepter aus Israel aufkommen.“ (4. Mose 24, 15 – 17)

             An diese Worte, an dieses Versprechen erinnern wir uns und nehmen es auf als Hoffnung für unsere Zeit, wenn wir singen:

Der Morgenstern ist aufgedrungen,                                                           er leucht‘ daher zu dieser Stunde
hoch über Berg und tiefe Tal,
vor Freud singt uns der lieben Engel Schar.                                                         Unbekannter Autor, 15. Jahrhundert
, EG 69


 17 Und der Geist und die Braut sprechen: Komm! Und wer es hört, der spreche: Komm!

             Auf diese Ankündigungen gibt es nur eine Antwort: Komm! Es ist die Antwort der Sehnsucht, der Liebe, die sonst nichts mehr zu sagen braucht. Und – meisterhaft – der Kreis derer, die so sprechen, öffnet sich, hin zu allen, die es hören, hin zu uns, die wir es heute lesen und hören.

Der Geist ist voller Sehnsucht –  das ist die Liebe innerhalb der Trinität. Gott selbst, so lese ich hier, ist sehnsüchtig in der Liebe – der Vater nach dem Sohn, der Sohn nach dem Vater, der Geist nach dem Sohn. Das innersten Wesen Gottes, wenn man sich überhaupt wagen darf, so etwas  zu sagen, als könnte unsereiner wissen, was das innerste Wesen Gottes ist, ist Liebe.

Und die Gemeinde, die Braut, ist ihrem Wesen nach Sehnsucht. Ausgestreckt zu Jesus hin, hoffend auf seine Gegenwart, wartend auf sein Kommen.

            Wie soll ich dich empfangen / und wie begegn ich dir,
o aller Welt Verlangen, / o meiner Seelen Zier?
O Jesu, Jesu, setze / mir selbst die Fackel bei,
damit, was dich ergötze, / mir kund und wissend sei.

            Ihr dürft euch nicht bemühen noch sorgen Tag und Nacht,
wie ihr ihn wollet ziehen mit eures Armes Macht.
Er kommt, er kommt mit Willen, ist voller Lieb und Lust,
all Angst und Not zu stillen, die ihm an euch bewußt.                                                          P. Gerhardt 1653, EG 11

             Es stimmt schon: „Ursprung und ganzer Geschichtsablauf, Anfang und Weg, Schöpfung und Erfüllung; alles ist in Jesus Christus zusammen gefasst.“ (H. Lilje aaO. S. 249)

Und wen dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.

             Auch das Zitat, Aufnahme eines Wortes aus den Propheten Israels. „Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch!“ (Jesaja 55,1) Und auch Zitat aus der großen Vision zuvor, dem Bild vom himmlischen Jerusalem. „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ (21,6) Es ist die Form, die der Heilandsruf aus dem Matthäus-Evangelium – „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“(Matthäus 11,28) –  in der Offenbarung annimmt. Auch der wiederkommende Herr ist nicht nur Richter. Er ist zugleich Heiland.

 18 Ich bezeuge allen, die da hören die Worte der Weissagung in diesem Buch: Wenn jemand etwas hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen zufügen, die in diesem Buch geschrieben stehen. 19 Und wenn jemand etwas wegnimmt von den Worten des Buchs dieser Weissagung, so wird Gott ihm seinen Anteil wegnehmen am Baum des Lebens und an der heiligen Stadt, von denen in diesem Buch geschrieben steht.

             Das ist steil, atemberaubend.  Aber nicht einmalig. „Ihr sollt nichts dazutun zu dem, was ich euch gebiete, und sollt auch nichts davontun, auf dass ihr bewahrt die Gebote des HERRN, eures Gottes, die ich euch gebiete.“ (5. Mose 4,2) Oder: „Predige denen, die aus allen Städten Judas hereinkommen, um anzubeten im Hause des HERRN, alle Worte, die ich dir befohlen habe, ihnen zu sagen, und tu nichts davon weg.“ (Jeremia 26,2) Allerdings einmalig ist, dass die Treue zu diesem Wort sozusagen heilsnotwendig wird, wenn man die Ausschlussformel ernst nimmt: Wenn jemand etwas wegnimmt von den Worten des Buchs dieser Weissagung, so wird Gott ihm seinen Anteil wegnehmen am Baum des Lebens und an der heiligen Stadt.

Diese Drohung steht innerhalb des biblischen Kanons ziemlich isoliert. Und sie hat wohl ein bisschen einem Verständnis Vorschub geleistet, dass den wortwörtlichen Glauben an alles, was in der Schrift seht, für heilsnotwendig hält. Wahr bleibt: Das Wort der Schrift will uns leiten. Die Worte der Offenbarung wollen uns ermutigen und den Rücken stärken. Ich tue mir keinen Gefallen, wenn ich an diesen Worten achtlos vorbei gehe. Ich will sie achten, auch dann, wenn ich sie nicht alle verstehe.

  20 Es spricht, der dies bezeugt: Ja, ich komme bald. – Amen, ja, komm, Herr Jesus!

             Das ist das letzte Wort – ein Dialog. Noch einmal hat Jesus, der Christus das Wort. Ja, ich komme bald. Man könnte ταχς auch so übersetzen: „Schnell. Geschwind. Plötzlich.“(Gemoll, Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch,  München/Wien 1957, S. 731) Er wird uns nicht über Gebühr warten lassen. Er verzieht nicht.

             Und die Antwort ist wiederum der Ruf der Sehnsucht. Diesmal wohl des Sehers selbst, der hier für sich das Wort nimmt. Amen, ja, komm, Herr Jesus! Μαρανα θα. Maranatha, heißt das auf Aramäisch. So mögen es Christen gerufen haben, deren erste Sprache nicht Griechisch war. Aber so oder so: Es ist die Sehnsucht, die nach dem Kommen Christi ruft. Emotion. Hoffnung.  Ruf aus der Bedrängnis: Mach hin.

  21 Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen!

             Das ist das letzte Wort der Schrift. Ein wunderbares Wort auf den Weg – für alle, die mit diesem Wort der Offenbarung und der ganzen Heiligen Schrift umgehen. Segenswort. Im Segen gehen wir ja über das hinaus, was unsere Worte vermögen, was unser Tun vermag – und vertrauen uns der größeren Kraft Gottes an. Seine Gnade wird tun, was wir nicht zu Stande bringen. Zurecht bringen, was uns entgleitet. Ans Ziel bringen, was uns zu schwer ist.

Was für ein wunderbares Wort: Gnade uns allen. Gnade für die Welt.

Jesus, Namen über allen Namen, Herr aller Herren, König aller Könige, Menschensohn und Gotteslamm. Dir warte ich entgegen mit dieser ganzen Welt, die sich nach Erlösung sehnt.

Lass uns nicht zu lange warten. Komm, Du Heiland der Bedrängten, Du Retter der Schuldigen, Du Liebe über alles Lieben.

Auf Dich warte ich. Amen

Schon hier lernen

Offenbarung 22, 6 – 15

 6 Und er sprach zu mir: Diese Worte sind gewiss und wahrhaftig; und der Herr, der Gott des Geistes der Propheten, hat seinen Engel gesandt, zu zeigen seinen Knechten, was bald geschehen muss. 7 Siehe, ich komme bald. Selig ist, der die Worte der Weissagung in diesem Buch bewahrt.

             Manches prägt sich erst durch Wiederholung in seiner Bedeutung ein. Diese Worte sind gewiss und wahrhaftig. Das ist im Wortlaut gleich dem Wort Gottes aus der Vision vom kommenden „neuen Jerusalem“ (21,5) Als ob es noch einmal eingeschärft werden müsste. Als ob die Bilderflut der Offenbarung davor geschützt werden müsste, als bloße Bilderflut abgetan zu werden.

Es ist ein Zurückgreifen auf den Anfang des ganzen Buches, der jetzt geschieht. Erinnerung: Der Herr, der Gott des Geistes der Propheten, hat seinen Engel gesandt, zu zeigen seinen Knechten, was bald geschehen muss. Es ist nicht Prophetie aus eigener Vollmacht. Es ist Wort, das auf der Sendung Gottes beruht. Johannes hat sich nichts selbst ausgedacht und zusammengeschrieben. Er hat gesehen, gehört und geschrieben.

So wichtig aber sind diese Worte, dass die sechste Seligpreisung der Offenbarung sich auf das Lesen und Bewahren dieser Worte bezieht. Man kann zumindest darüber nachdenken, ob unser „Spruch“ nach der Schriftlesung im Gottesdienst nicht hier seinen Anfangsort hat: „Selig sind, die Gottes Wort höre und bewahren.“

Und der, der Johannes diese Bilder „geschickt hat“, der kündigt sein Kommen an. Bald. „In Kürze“ hatte es in 1,1 geheißen. Über das Geschehen, das angesagt wurde, angekündigt. Aber jetzt wird, wie am Anfang, der Blick vom Geschehen weg gelenkt auf Ihn, auf den kommenden Herrn. Immer ging es in der Offenbarung um Ihn! „Schon hier lernen“ weiterlesen

Gnadenstrom

Offenbarung 22, 1 – 5

 1 Und er zeigte mir einen Strom lebendigen Wassers, klar wie Kristall, der ausgeht von dem Thron Gottes und des Lammes; 2 mitten auf dem Platz und auf beiden Seiten des Stromes Bäume des Lebens, die tragen zwölfmal Früchte, jeden Monat bringen sie ihre Frucht, und die Blätter der Bäume dienen zur Heilung der Völker.

             Das ist ein Bild, das der Bibelleser schon kennt. Vom Paradies-Strom redet das 1. Buch Mose. Dem Strom, der den Garten Eden umgibt und aus ihm entspringt (1. Mose 2, 10.14). Und von einem Heils-Strom weiß der Prophet Hesekiel: „Und er führte mich wieder zu der Tür des Tempels. Und siehe, da floss ein Wasser heraus unter der Schwelle des Tempels nach Osten; denn die vordere Seite des Tempels lag gegen Osten. Und das Wasser lief unten an der südlichen Seitenwand des Tempels hinab, südlich am Altar vorbei.“ (Hesekiel 47,1) Und einige Verse später lese ich: „Und wenn es ins Meer fließt, soll dessen Wasser gesund werden, und alles, was darin lebt und webt, wohin der Strom kommt, das soll leben.“ (Hesekiel 47, 8-9) Der Tempelstrom, der dem Leben dient, überall, wohin er kommt.

Hier geht der Strom des lebendigen Wassers – ποταμὸς ὕδατος ζωῆςnicht mehr vom Tempel aus – der ist ja nicht mehr! – sondern direkt vom Thron Gottes und des Lammes. Das Wort Jesu erfüllt sich. „Das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.“ (Johannes 4, 14) Alle Wirkungen des Tempelsstromes aus der alten Schau des Propheten sind um ein Vielfaches überboten. Zwölfmal Früchte im Jahr, Blätter, die dem Heil dienen.

Nicht nur das individuelle Leben, sondern das Leben der Völker wird heil. In einer Zeit, in der so viele Völker und Nationen innerlich zerrissen sind, Gruppen sich feindlich gegenüberstehen, Hass ständig skrupellos neu genährt wird, weil sich manche davon Machtzuwachs versprechen, höre ich das noch einmal mit einer anderen Sehnsucht. Das ist etwas völlig anderes als das „gesunde Volksempfinden“, das so leicht missbraucht werden kann. Was für eine Botschaft – das Leben der Völker gesundet.

Aus dem einen Baum des Lebens (1. Mose 3,22) werden hier viele Bäume des Lebens, entlang des Stromes. Wörtlich steht da: Holz des Lebens- ξύλον ζωῆς. Ob man das als Plural oder als Singular liest, für Bäume oder Baum, ist nicht festgelegt. Übersetzungen haben beide Varianten. Singular  hat die „Neue Genfer Übersetzung“, genauso die „Elberfelder“ und Schlachter 2000. Englische Übersetzungen lesen tree of life. Plural haben zum Beispiel  „Einheitsübersetzung“ und „Hoffnung für alle“. Einen netten Kompromiss findet die Gute Nachricht: „An beiden Seiten des Flusses wachsen Bäume: der Baum des Lebens aus dem Paradies“ Woher wisst ihr das, möchte ich fragen, dass es der Paradies-Baum ist? Ausleger dürfen, müssen darüber nachdenken, dass und ob hier eine Beziehung ist. Für mich ist das zweifelsfrei. Aber es steht nicht im griechischen Text. „Gnadenstrom“ weiterlesen

Die Stadt Gottes

Offenbarung 21, 15 – 27

 15 Und der mit mir redete, hatte einen Messstab, ein goldenes Rohr, um die Stadt zu messen und ihre Tore und ihre Mauer. 16 Und die Stadt ist viereckig angelegt und ihre Länge ist so groß wie die Breite. Und er maß die Stadt mit dem Rohr: zwölftausend Stadien. Die Länge und die Breite und die Höhe der Stadt sind gleich. 17 Und er maß ihre Mauer: hundertvierundvierzig Ellen nach Menschenmaß, das der Engel gebrauchte.

             Eine Stadt, die ebenmäßig ist. Wohlgestaltet. Vollkommen. „Die Vermessung der Stadt … ist nur eine Demonstration ihrer Vollkommenheit.“ (H. Lilje aaO. S. 241) Kein Wildwuchs. In allem herrscht hier die ordnende Hand Gottes. Es ist für den antiken Leser zweifelsfrei das Idealbild einer Stadt, das sich hier eröffnet. Einmal mehr haben wir Vorlagen zu dieser Schau im Propheten-Buch.  „Und als er mich dorthin gebracht hatte, siehe, da war ein Mann, der war anzuschauen wie Erz. Er hatte eine leinene Schnur und eine Messrute in seiner Hand und stand im Tor.“(Hesekiel 40,3) Der Prophet wird Zeuge der Vermessung des neuen, göttlichen Heiligtums, des Tempels. Der Seher Johannes wird Zeuge der Vermessung der himmlischen Stadt.

Wenn man genau liest, kann man den Eindruck eines Würfels haben. Länge, Breite und Höhe der Stadt sind gleich. Aber: „Damit ist wohl nicht die Würfelform, sondern die Pyramide gemeint, und das Vorbild hierfür waren gewiss die „Wolkenkratzer“ Babylons, die vielen pyramiden-ähnlichen Turmaufbauten, an denen die Stadt reich war.“(H. Lilje aaO. S. 241) Mich lässt das fragen: Ist es vorstellbar, dass der Seher, der Babylon als die große Hure, als das Sammelbecken aller Laster sieht, dann am Ende seiner Visionen-Reiche ausgerechnet Babylon zum „Vorbild“ seiner Zeichnung des himmlischen Jerusalems macht? Selbst wenn Babylon im Altertum „das Bild der Weltstadt schlechthin“ (H. Lilje, ebda.) war.  Mir macht das gedanklich Probleme.

Deshalb leuchtet mir der andere Hinweis mehr ein. „Das Allerheiligste im salomonischen Tempel wies nach 1. Könige 6,20; 2. Chronik 3,8 Würfelform auf. Wie das Quadrat die vollkommene Fläche darstellt, so der Kubus den vollkommenen Raum.“ (A. Pohl, aaO. S. 321) Lediglich wenn es um die Größe geht, spielt Babylon vielleicht eine Rolle. Die Zahlenangaben schreiben der himmlischen Stadt eine so gigantische Größe zu – zwölftausend Stadien entsprechen ca. 2200 km! so dass Babylon daneben zu einem Kaff mutiert. Rom übrigens auch.

Der folgende Hinweis mag weiterhelfen. Seit Alexander dem Großen „war die „neue Stadt“ das progressivste gesellschaftliche Gebilde geworden, Gegenstand bewusster Planung und zukunftsorientierter Entwürfe. Ganze Städte wurden, noch bevor man sie erbaute, akribisch auf dem Reißbrett geplant, durchgerechnet. Sie hatten einen quadratischen Grundriss, ihre Tore waren symmetrisch angeordnet, Wasserversorgung und Abwasserentsorgung wareneingeplant, und durch diese Städtezogen sich breite Prozessions-Straßen mit Säulengängen auf beiden Seiten.“(G. Lohfink, Am Ende das nichts?, Freiburg 2017, S. 223)So also nimmt diese Vision auch die Gedanken der Zeit in sich auf. Und dient damit dem  einen Gedanken: „Die Vollendung, die Gott am Ende aller Geschichte schenkt, ist keine Vollendung nur des Einzelnen, der nun ganz für sich sein Glück und seine Lust findet. Was Gott schenkt, ist vielmehr neue Gesellschaft, Begegnung, Versammlung und allseitige Kommunikation.“ (G. Lohfink, ebda.)

18 Und ihr Mauerwerk war aus Jaspis und die Stadt aus reinem Gold, gleich reinem Glas. 19 Und die Grundsteine der Mauer um die Stadt waren geschmückt mit allerlei Edelsteinen. Der erste Grundstein war ein Jaspis, der zweite ein Saphir, der dritte ein Chalzedon, der vierte ein Smaragd, 20 der fünfte ein Sardonyx, der sechste ein Sarder, der siebente ein Chrysolith, der achte ein Beryll, der neunte ein Topas, der zehnte ein Chrysopras, der elfte ein Hyazinth, der zwölfte ein Amethyst. 21 Und die zwölf Tore waren zwölf Perlen, ein jedes Tor war aus einer einzigen Perle, und der Marktplatz der Stadt war aus reinem Gold wie durchscheinendes Glas.

Das Beste ist gerade gut genug. Mauern aus Jaspis, die ganze Stadt aus reinem Gold. Der Jaspis kommt oft vor in den letzten Kapiteln der Offenbarung und immer ist er ein Hinweis auf überirdische Schönheit. „Die Stadt Gottes“ weiterlesen

Gottes Herrlichkeit strahlt auf

Offenbarung 21, 9 – 14

9 Und es kam zu mir einer von den sieben Engeln, die die sieben Schalen mit den letzten sieben Plagen hatten, und redete mit mir und sprach: Komm, ich will dir die Frau zeigen, die Braut des Lammes.

             Das ist ein Wechsel. Hatte dem Seher zuvor ein Engel das Gericht über die Hure gezeigt (17,1) , so kommt jetzt einer von den sieben Engeln, die die sieben Schalen mit den letzten sieben Plagen haben, um ihm die Braut  des Lammes zu zeigen. Das ist ein Kontrast, auf den die Offenbarung Wert legt.

Die Engel mit den Schalen sind nicht nur Unglücksboten, so wenig sie auch nur immer netter Begleitschutz sind.

Nicht irgendeine Frau sieht der Seher. Die neue Stadt in der Gestalt einer Frau. Wiedergutmachung aller Missachtung von Frauen durch die Geschichte hindurch. Hätte die Christenheit das nicht deutlicher hören müssen, die sich oft, zu oft darauf kapriziert hat, dass die Frau, die Urmutter Eva der Anfang aller Schuld ist. Hätte sie es nicht deutlicher lesen müssen, dass am Ende des Weges die Stadt- Frau als die Braut des Lammes neu gewürdigt wird?  

Jerusalem wird jetzt, in dieser Vision sichtbar als die Stadt, als die es schon immer gemeint war. Von Gott her.  Darum hat sie die Herrlichkeit Gottes – δξα το θεοῦ. Sie ist nicht mehr „nur“ Wohnort des Namens Gottes, nicht nur Ort der Anbetung Gottes. Sie gewinnt Anteil an seiner Herrlichkeit, seinem Wesen. Die Schönheit der Stadt spiegelt nur die Schönheit Gottes. Denn Gott ist herrlich, voller Glanz und Licht. Gott ist schön.

 

 10 Und er führte mich hin im Geist auf einen großen und hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem herniederkommen aus dem Himmel von Gott, 11 die hatte die Herrlichkeit Gottes;

 Das ist deutlich Anklang an andere biblische Worte. Auch Jesus wurde auf einen sehr hohen Berg geführt (Matthäus 4,8)  – zur Versuchung. Im Geist – das ist wiederholt der Schlüssel für die Visionen des Sehers. Er empfängt sie im Geist. Der Geist öffnet die Augen für die sonst unsichtbare Wirklichkeit.

Er sieht das neue Jerusalem, nicht mehr die geschundene Stadt. Nicht mehr das zerstörte Jerusalem. Jetzt ist es die Braut in einer überirdischen Schönheit. Aber immer noch Jerusalem. Das Festhalten an diesem Namen ist ein Signal: Es geht um Kontinuität. Die neue Schöpfung Gottes geht nicht an der „alten Welt“ vorbei. Sie nimmt, darauf wird später noch zu schauen sein, die alte Welt auf.

Die neue Stadt in der Gestalt einer Frau. Wiedergutmachung aller Missachtung von Frauen durch die Geschichte hindurch. Hätte die Christenheit das nicht deutlicher hören müssen, die sich oft, zu oft darauf kapriziert hat, dass die Frau, die Urmutter Eva der Anfang aller Schuld ist. Hätte sie es nicht deutlicher lesen müssen, dass am Ende des Weges die Stadt-Frau als die Braut des Lammes neu gewürdigt wird? J

Jerusalem wird jetzt, in dieser Vision sichtbar als die Stadt, als die es schon immer gemeint war. Von Gott her.  Darum hat sie die Herrlichkeit Gottes – δξα το θεοῦ. Sie ist nicht mehr „nur“ Wohnort des Namens Gottes, nicht nur Ort der Anbetung Gottes. Sie gewinnt Anteil an seiner Herrlichkeit, seinem Wesen. Die Schönheit der Stadt spiegelt nur die Schönheit Gottes. Denn Gott ist herrlich, voller Glanz und Licht. Gott ist schön.

Lobe den HERRN, meine Seele!                                                                                       HERR, mein Gott, du bist sehr herrlich;                                                                                du bist schön und prächtig geschmückt.                                                                              Licht ist dein Kleid, das du anhast.                                                                                      Du breitest den Himmel aus wie einen Teppich;                                                                 du baust deine Gemächer über den Wassern.                                                                    Du fährst auf den Wolken wie auf einem Wagen                                                             und kommst daher auf den Fittichen des Windes,                                                               der du machst Winde zu deinen Boten                                                                              und Feuerflammen zu deinen Dienern.         Psalm 104, 1 – 4 „Gottes Herrlichkeit strahlt auf“ weiterlesen

Meine Sehnsucht

Offenbarung 21, 1 – 8

 1 Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr.

         Was Johannes sieht, sprengt alle Vorstellungskraft. Hat er zuvor noch gesehen, wie Erde und Himmel keine Stätte mehr haben, ort-los, utopisch werden, so sieht er jetzt einen  neuen Himmel und eine neue Erde. ορανν καινν κα γν καινν. Das Wort für „neu“ ist im Griechischen reserviert. Es ist nicht das Allerweltswort, das man für ein paar neue Schuhe verwendet. „Es ist ein Wort, das für Neuerung, Umsturz des Bestehenden, neu in seiner Art, unbekannt, ungewöhnlich, unerhört, auffallend unerwartet“ (Gemoll, aaO. S. 400) steht.  „Καινὸς ist der Inbegriff des ganz Anderen, Wunderbaren, das die Endheilszeit bringt.“ (Theol. Wörterbuch zum NT, Bd. III, Stuttgart 1938; S. 451) Es ist mit dem schöpferischen Handeln Gottes verbunden.  Er allein ist der, der wirklich Neues macht. So auch hier. Johannes sieht Neuschöpfung, eine neue Schöpfung, die neue Welt Gottes. Zu fassen ist das nicht.

Diese neue Welt Gottes hat als ein Kennzeichen, dass das Meer nicht mehr ist. Das Meer, dem Gott seine Grenze gesetzt hat, weil es, obwohl Teil seiner Schöpfung, doch  seine Schöpfung gefährdet. Das Meer, das seit altersher ein Ort des Todes ist. Gerade zuvor hatte es noch geheißen: „Und das Meer gab die Toten heraus, die darin waren.“(20,13) In dieser neuen Schöpfung ist kein Ort mehr für diesen Todesort. Das ist nicht Biologie oder Geologie, die hier verhandelt wird, sondern theologische, geistliche Deutung.

2 Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.

Wieder ein Liebesbild. Die geliebte Stadt, das neue Jerusalem – die Braut. Eine Braut ist nichts ohne den Bräutigam. Aber auch umgekehrt: Was wäre der Bräutigam ohne die Braut? So redet dieses Bild nicht nur von der Vollendung der Gemeinde im Himmel, sondern es redet auch davon, dass der Bräutigam an sein Ziel kommt. Ein menschenloser, einsamer Gott und Heiland im Himmel, in der Neuschöpfung – undenkbar. Die Liebe kommt in diesem Bild an ihr Ziel – bei beiden, der Braut und dem Bräutigam.

In diesem Bild von der herabkommenden Stadt steckt zugleich auch ein kritisches Element: Es geht nicht mehr um das irdische Jerusalem.  Es ist an die Geschichte preisgegeben, so wie es ja auch in der Zerstörung im Krieg der Jahre 70/71 n. Chr.  wirklich geschehen ist. Dieses irdische Jerusalem ist für die Offenbarung nur noch der Kreuzigungsort, nicht mehr der Heilsort. Nicht mehr die Heilige Stadt. Die kommt aus dem Himmel. Es ist zumindest wert zu überlegen., ob und was  das für das Verhältnis heutiger christlicher Kirche zum Ort Jerusalem bedeuten könnte.   „Meine Sehnsucht“ weiterlesen

Unauslöschlich aufgehoben

Offenbarung 20, 11 – 15

11 Und ich sah einen großen, weißen Thron und den, der darauf saß; vor seinem Angesicht flohen die Erde und der Himmel, und es wurde keine Stätte für sie gefunden.

             Johannes sieht einen großen, weißen Thron. Ist das jetzt eine Wiederholung der Schauung aus dem himmlischen Thronsaal? „Ein Thron stand im Himmel und auf dem Thron saß einer.“(4,2) Aber im Unterschied zu dieser Schauung hier kein Wort der Beschreibung des Thronenden, auch kein Wort darüber, wo dieser Thron steht. Alles ist wie schwebend. Aber so von Majestät erfüllt, dass sogar die Erde und der Himmel flohen, und es wurde keine Stätte für sie gefunden. Sie enden in der Ortlosigkeit.

Wie man sich das denken, gar vorstellen soll – darüber gibt es nichts zu sagen. Nur so viel ist unübersehbar: Hier wird die Endlichkeit des Alls behauptet. Himmel und Erde sind nicht ewig.

            Die Passage erinnert in ihrem Kern an alttestamentliche Worte. „Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht. Und der HERR sprach weiter: Siehe, es ist ein Raum bei mir, da sollst du auf dem Fels stehen. Wenn dann meine Herrlichkeit vorübergeht, will ich dich in die Felskluft stellen und meine Hand über dir halten, bis ich vorübergegangen bin. Dann will ich meine Hand von dir tun und du darfst hinter mir her sehen; aber mein Angesicht kann man nicht sehen.“(2, Mose 33, 20 -23) Niemand kann der unverhüllten Majestät Gottes gegen treten. Niemand und Nichts kann ihm standhalten

 12 Und ich sah die Toten, Groß und Klein, stehen vor dem Thron, und Bücher wurden aufgetan. Und ein andres Buch wurde aufgetan, welches ist das Buch des Lebens. Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben steht, nach ihren Werken.

     Das ist die Folge dieser Flucht von Himmel und Erde: Gott allein bleibt – und ihm gegenüber: Menschen.Dem Thron gegenüber stehen die Toten, Groß und Klein. Die Menschheit. Aber nicht als gestaltlose Masse. Groß und Klein. Ich ergänze: Arm und Reich, Jung und Alt, unzeitig früh gestorben und nach einem erfüllten Leben gegangen, gewaltsam zu Tode gebracht und friedlich eingeschlafen.  „Unauslöschlich aufgehoben“ weiterlesen

Am Ende nur: Du

Offenbarung 20, 7  – 10

 7 Und wenn die tausend Jahre vollendet sind, wird der Satan losgelassen werden aus seinem Gefängnis 8 und wird ausziehen, zu verführen die Völker an den vier Enden der Erde, Gog und Magog, und sie zum Kampf zu versammeln; deren Zahl ist wie der Sand am Meer. 9 Und sie stiegen herauf auf die Ebene der Erde und umringten das Heerlager der Heiligen und die geliebte Stadt. Und es fiel Feuer vom Himmel und verzehrte sie.

             Noch einmal Kampf. Der Satan wird losgelassen werden – das deutet nicht auf eine Befreiung durch eigene Macht aus dem Gefängnis. Es scheint fast so, als müsste das so sein, als wäre es eine Notwendigkeit. Er muss losgelassen werden, damit er offenbar wird, enthüllt in seinem Wesen und dann – ein für alle mal – gerichtet.

Die Bilder, die Johannes hier sieht, haben ihr „Vorspiel“ beim Propheten Hesekiel. Von dort kommen die Namen Gog und Magog. Es sind Worte  Gottes, die der Prophet an Gog, den Fürsten im Lande Magog richtet: „Nach langer Zeit sollst du aufgeboten werden. Zur letzten Zeit wirst du in ein Land kommen, das dem Schwert entrissen ist, das aus vielen Völkern gesammelt ist, nämlich auf die Berge Israels, die lange Zeit verwüstet gewesen sind, und nun ist es herausgeführt aus den Völkern, und sie alle wohnen sicher. …Am Ende der Zeit wird das geschehen. Ich will dich aber dazu über mein Land kommen lassen, dass die Völker mich erkennen, wenn ich an dir, Gog, vor ihren Augen zeige, dass ich heilig bin.“(Hesekiel 38, 8.16)

Entscheidend bei Hesekiel und entscheidend auch hier: diese mythischen    Gestalten sind Werkzeuge in Gottes Hand. Sie haben keine eigene Macht, so mächtig sie auch sind. Und „Es handelt sich nicht um eine letzte Schlacht der irdischen Geschichte, sondern um den Endkampf der Mächte, die der Welt zwischen Mensch und Gott angehören und die aus den vier Ecken der Welt hervorbrechen.“ (T. Holtz, Die Offenbarung des Johannes, NTD 11, Göttinger 2008, s. 130) Wann immer in unseren Tagen Konflikte hochstilisiert werden zu Kämpfen zwischen der „Achse des Bösen“ und den „Willigen zum Guten“ spielen diese Bilder aus der Offenbarung eine Rolle und werden propagandistisch missbraucht! „Am Ende nur: Du“ weiterlesen

Unter weitem Horizont

Offenbarung 20, 1 – 10

1 Und ich sah einen Engel vom Himmel herabfahren, der hatte den Schlüssel zum Abgrund und eine große Kette in seiner Hand. 2 Und er ergriff den Drachen, die alte Schlange, das ist der Teufel und der Satan, und fesselte ihn für tausend Jahre 3 und warf ihn in den Abgrund und verschloss ihn und setzte ein Siegel oben darauf, damit er die Völker nicht mehr verführen sollte, bis vollendet würden die tausend Jahre. Danach muss er losgelassen werden eine kleine Zeit.

             Eine Polizei-Aktion. Mehr ist nicht nötig, um dem Spuk ein Ende zu machen. Um den Drachen, die alte Schlange, das ist der Teufel und der Satan festzusetzen, braucht es  einen Engel eine „gewöhnlicher Engel, wie Gott viele hat.“ (A. Pohl, Die Offenbarung des Johannes, Wuppertaler Studienbibel, 2. Teil; Wuppertal 1969/1988, S. 262) und seine Handschellen. Keinen der großen Erzengel. „Eine untergeordnete Persönlichkeit aus der Welt Gottes.“(E. Schnepel, aaO. S. 240) Nicht einmal der Name des Engels wird genannt. Demnach ist es keiner von den „Großen“ – Gabriel oder Michael oder… Ist das zu harmlos gedacht? Fehlt mir der Respekt vor dem Bösen?

Es ist ein Hinweis mehr darauf, dass die Offenbarung keinen Kampf zwischen Christus und dem Feind wie zwischen Gleichstarken sieht. Der Kampf ist schon längst entschieden – an Karfreitag und Ostern. „Was noch zu tun übrig bleibt, erledigt auf einen Wink hin ein Diener.“(A. Pohl, ebda.) Ich glaube, dass Johannes uns den übergroßen Respekt, die Angst nehmen will, indem er so schreibt, was er sieht.

Es gibt eine Heidenangst vor dem Bösen, die vergisst, dass Christus der Sieger ist. Wahrscheinlich müssen wir die Angst-Freiheit neu lernen, die sich in den alten Worten spiegelt:  „Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?…Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!“ (1. Korinther 15,55.57)

Eine Zeit, in der die Macht des Teufels gebannt ist. Weggesperrt. So eine Zeit kennt das Lukas-Evangelium für das Handeln Jesu. „Und als der Teufel alle Versuchungen vollendet hatte, wich er von ihm eine Zeit lang.“(Lukas 4,13) Eine solche Zeit sieht der Seher nun für die ganze Welt. „Der große Sabbat der Weltgeschichte hat begonnen.“ (E. Schnepel, aaO.;  S. 241)

             Er fesselte ihn für tausend Jahre. Das ist der Zeitraum, der den Namen „Millenium“ trägt, 1000-jähriges Reich. Um das Verständnis dieses Zeitraumes gibt es durch die Geschichte der Kirche hin immer neu Debatten. „Eine Kernfrage ist die nach dem Ort seiner Verwirklichung, ob noch im Rahmen der ihrer Vollendung erst entgegengehende Geschichte oder- gleichsam in einer Zwischenzeit – erst nach deren Ende mit der Wiederkunft Christi zum Gericht, vor der Herabkunft des Neuen Jerusalems.“ (T. Holtz, Die Offenbarung des Johannes, NTD 11, Göttinger 2008, S. 128)Es gab durchaus Zeiten, in den es zum Selbstverständnis der Kirche gehörte: wir sind die Gegenwart des 1000-jährigen Reiches.„Ab Mitte des 3. Jahrhunderts wurde der Chiliasmus auch innerhalb der katholischen Kirche bekämpft. Die Erwartung eines irdischen Gottesreiches wurde nun überflüssig, denn der katholischen Kirche ging es materiell zunehmend besser, und der politische Einfluss stieg. Dies interpretierte man als Zeichen, dass das Reich Gottes bereits begonnen habe.“(Wikipedia – Artikel Millenarismus, 8.11.18)

Es fehlt auch in der säkularen Geschichte nicht an Versuchen, die eigene Zeit mit diesem Reich und dieser Zeit zu identifizieren, besonders krass in der Anmaßung des 1000-jährigen Reiches durch die NS-Propaganda. Das zeigt aber zugleich die Gefahren des ideologischen Missbrauchs biblischer Texte, erst recht, wenn sie Interpretations-Spielräume zulassen. „Unter weitem Horizont“ weiterlesen

Alles wird durchsichtig auf Gott hin

Offenbarung 11, 15 – 19

15 Und der siebente Engel blies seine Posaune; und es erhoben sich große Stimmen im Himmel, die sprachen:

 Das Zwischenspiel ist beendet. Die siebte Posaune ertönt. Der Blick wird zurück gelenkt von der Erde in den Himmel, vom Chaos auf den himmlischen Gottesdienst. Es ist, als wäre dieser Gottesdienst nie unterbrochen worden. Es sind große Stimmen, die im Himmel sprechen, singen. Ein vielstimmiger Chor, aber ein einmütiger Text.

 Nun gehört die Herrschaft über die Welt unserm Herrn und seinem Christus, und er wird regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit. 16 Und die vierundzwanzig Ältesten, die vor Gott auf ihren Thronen saßen, fielen nieder auf ihr Angesicht und beteten Gott an 17 und sprachen: Wir danken dir, Herr, allmächtiger Gott, der du bist und der du warst, dass du deine große Macht an dich genommen und die Herrschaft ergriffen hast!

Alles ist klar, entschieden, eindeutig. Die Herrschaft über die Welt – ἡ βασιλεία τοῦ κόσμου – ist in den Händen Gottes. Was der Auferstandene den Jüngern vor ihrem Weg zu den Völkern gesagt hat – „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.“(Matthäus 28,18) – ist jetzt im Lobgesang erfüllt.  „Beim Klang der siebten Posaune kommt das Mysterium Gottes zur Vollendung, die Geschichte Gottes mit der Welt zu ihrem Ziel.“ (T. Holtz, Die Offenbarung des Johannes, NTD 11, Göttinger 2008, S. 88) Endlich hat Christus die Macht übernommen. Es ist wie ein großes Aufatmen in diesen Worten. „Alles wird durchsichtig auf Gott hin“ weiterlesen