Sieben Monate – dann platzt der Traum

  1. Könige 25, 22 – 30

 22 Aber über das Volk, das übrig war im Lande Juda, das Nebukadnezar, der König von Babel, übrig gelassen hatte, setzte er Gedalja, den Sohn Ahikams, des Sohnes Schafans. 23 Als nun alle Hauptleute des Kriegsvolkes und ihre Männer hörten, dass der König von Babel Gedalja eingesetzt hatte, kamen sie zu Gedalja nach Mizpa, nämlich Jischmael, der Sohn Netanjas, und Johanan, der Sohn Kareachs, und Seraja, der Sohn Tanhumets, der Netofatiter, und Jaasanja, der Sohn des Maachatiters, samt ihren Männern. 24 Und Gedalja schwor ihnen und ihren Männern und sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht, den Chaldäern untertan zu sein; bleibt im Lande und seid dem König von Babel untertan, so wird’s euch wohlgehen.

Es wird ein neuer Statthalter eingesetzt. Kein König mehr, aber einer aus dem Volk, ein Jude. Nebukadnezar setzt irgendwie auf „Selbstverwaltung“ in diesem zerstörten Land. Es ist der geschickte Schachzug des Siegers, nicht einen fremden Besatzer als Führung einzusetzen, sondern einen, der Rückhalt bei den Verbliebenen im Land haben könnte. Gedalja nimmt seinen Sitz in Mizpa, in geringer Entfernung zum eroberten und zerstörten Jerusalem. Dort sucht er Zustimmung bei den übrig gebliebenen Hauptleuten des Kriegsvolkes. Mit der Zusicherung, dass sie alle nichts mehr von den Chaldäern zu fürchten haben werden, solange sie sich ruhig verhalten. Das läuft hinaus auf die Aufforderung dazu, die Situation anzuerkennen, wie sie nun einmal ist. „Sieben Monate – dann platzt der Traum“ weiterlesen

Zerstörung – verbrannte Erde

  1. Könige 25, 1 – 21

 1 Im neunten Jahr seiner Herrschaft, am zehnten Tag des zehnten Monats, zog heran Nebukadnezar, der König von Babel, mit seiner ganzen Macht gegen Jerusalem, und sie belagerten die Stadt und bauten Bollwerke um sie her. 2 So wurde die Stadt belagert bis ins elfte Jahr des Königs Zedekia. 3 Aber am neunten Tage des vierten Monats wurde der Hunger stark in der Stadt, und das Volk des Landes hatte nichts mehr zu essen. 4 Da brach man in die Stadt ein. Und alle Kriegsmänner flohen bei Nacht durch das Tor zwischen den zwei Mauern auf dem Wege, der zu dem Garten des Königs geht. Aber die Chaldäer lagen um die Stadt.

 Drei Jahre Belagerung. Not und Elend. Hungersnot. Es braucht keine Einzelheiten um zu ahnen, dass es furchtbar ist. Als die Stadt invdrf Nacht fällt, fliehen alle, die nur fliehen können.

 Und der König floh zum Jordantal hin. 5 Aber das Heer der Chaldäer jagte dem König nach, und sie holten ihn ein im Jordantal von Jericho, und alle Kriegsleute, die bei ihm waren, zerstreuten sich von ihm. 6 Sie aber nahmen den König gefangen und führten ihn hinauf zum König von Babel nach Ribla, und sie sprachen das Urteil über ihn. 7 Und sie schlachteten die Söhne Zedekias ab vor seinen Augen und blendeten Zedekia die Augen und legten ihn in Ketten und führten ihn nach Babel.

  Auch der König flieht und wird gejagt und gefangen genommen im Jordantal von Jericho. Die bei ihm sind, werden in alle winde verstreut. Zedekia wird nach Syrien gebracht, Nach Ribla. Dort wird er grausam gestraft. Das Letzte, was er sieht, ist die Hinrichtung seiner Söhne, sie werden vor seinen Augen geschlachtet. Danach wird er selbst geblendet und nach Babe deportiert, „wo sich seine Spur für uns verliert.“ (H.-W. Neudorfer)   

8 Am siebenten Tage des fünften Monats, das ist das neunzehnte Jahr Nebukadnezars, des Königs von Babel, kam Nebusaradan, der Oberste der Leibwache, der Knecht des Königs von Babel, nach Jerusalem 9 und verbrannte das Haus des HERRN und das Haus des Königs und alle Häuser in Jerusalem; alle großen Häuser verbrannte er mit Feuer. 10 Und die ganze Heeresmacht der Chaldäer, die bei dem Obersten der Leibwache war, riss die Mauern Jerusalems nieder.

             Das ist das Ende der Dynastie. Es folgt das Ende der Stadt. Sie wird niedergebrannt, der Tempel, er Palast und alle großen Häuser. Zurück bleibt ein Trümmerhaufen „Zerstörung – verbrannte Erde“ weiterlesen

Weil Gott sich abwendet

  1. Könige 24, 1 – 20

 1 Zu seiner Zeit zog herauf Nebukadnezar, der König von Babel, und Jojakim war ihm untertan drei Jahre. Aber er wurde wieder abtrünnig von ihm. 2 Da ließ der HERR über ihn Scharen von Kriegsleuten kommen aus Chaldäa, aus Aram, aus Moab und aus Ammon und sandte sie gegen Juda, dass sie ihn vernichteten nach dem Wort des HERRN, das er geredet hatte durch seine Knechte, die Propheten. 3 Aber das geschah Juda nach dem Wort des HERRN, dass er es von seinem Angesicht täte um der Sünden Manasses willen, die er getan hatte, 4 auch um des unschuldigen Blutes willen, das er vergoss, sodass er Jerusalem mit unschuldigem Blut füllte. Das wollte der HERR nicht vergeben. 5 Was aber mehr zu sagen ist von Jojakim und alles, was er getan hat, siehe, das steht geschrieben in der Chronik der Könige von Juda. 6 Und Jojakim legte sich zu seinen Vätern, und sein Sohn Jojachin wurde König an seiner statt. 7 Und der König von Ägypten zog nicht mehr aus seinem Lande; denn der König von Babel hatte ihm alles genommen, was dem König von Ägypten gehörte, vom Bach Ägyptens bis an den Strom Euphrat.

 Der Einfluss Ägyptens auf Juda bricht mit der Schlacht von Karkemisch zusammen. Nun wird Jojakim Nebukadnezar gegenüber tributpflichtig. Er sucht die Verwicklungen Nebukadnezars in die Kämpfe mit Ägypten zum eigenen Vorteil zu nützen. Das geht schief, weil Streifscharen aus den Hilfsvölkern aus Chaldäa, aus Aram, aus Moab und aus Ammon den Druck auf Juda aufrecht erhalten. Diese äußeren Umstände werden praktisch nicht erwähnt. Wichtiger erscheint der Hintergrund. In diesem Geschehen vollzieht sich das Gericht Gottes.  Es ist der HERR, der sein Wort erfüllt – er sucht die Missetaten der Väter heim, an der gegenwärtigen Generation.

            Die Schluss-Formel über Jojakim schließt sich an, Standardisiert wie für seine Vorgänger. Er stirbt, immerhin nicht ermordet und nicht in der Schlacht. Sein Nachfolger Jojachin wird König in einer Situation, die völlig unter der Macht des Königs von Babel stehen wird. „Weil Gott sich abwendet“ weiterlesen

Unter fremder Herrschaft

  1. Könige 23, 26 – 37

26 Doch kehrte sich der HERR nicht ab von dem Grimm seines großen Zorns, mit dem er über Juda erzürnt war, um all dessen willen, womit ihn Manasse gereizt hatte. 27 Und der HERR sprach: Ich will auch Juda von meinem Angesicht tun, wie ich Israel weggetan habe, und will diese Stadt verwerfen, die ich erwählt hatte, Jerusalem, und das Haus, von dem ich gesagt habe: Mein Name soll dort sein.

  Zu spät. Die Umkehr, zu der Josia sein Vlk führen will, um durch sie den Grimm seines großen Zorns, den Grimm Gottes zu stoppen, kommt zu spät. Das gegenwärtige Volk bezahlt für eigene Sünden, aber eben auch für die fortgesetzten Sünden der Väter. Es ist in seiner Nüchternheit erschreckend – hier wird ein Widerruf der Verheißungen Gottes, ine Aufkündigung seiner Treue angesagt.  Statt des im Segen zugewandten Angesicht hier das weggedrehte Angesicht.

            Gott sieht weg. Das ist das Ende. „Du bist ein Gott, der mich sieht“ (1. Mose 16,13) Und immer das Sehen Gottes der Anfang der Hilfe. Umso erschütternder: Ich will auch Juda von meinem Angesicht tun, wie ich Israel weggetan habe   Das Wegsehen Gottes ist der Anfang vom Ende. Ganz nahe sind diese Worte bei der Einsicht der Psalmen:

 Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie;                                                   nimmst du weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder Staub.                           Psalm 104, 29

             Wenn Gott sich verweigert, ist es mit dem Leben vorbei. „Unter fremder Herrschaft“ weiterlesen

Reform oder „Säuberungsaktion“

  1. Könige 23, 4 – 25

4 Und der König gebot dem Hohenpriester Hilkija und den zweitobersten Priestern und den Hütern der Schwelle, dass sie aus dem Tempel des HERRN hinaustun sollten alle Geräte, die dem Baal und der Aschera und allem Heer des Himmels gemacht waren. Und er ließ sie verbrennen draußen vor Jerusalem im Tal Kidron und ihre Asche nach Bethel bringen. 5 Und er setzte die Götzenpriester ab, die die Könige von Juda eingesetzt hatten, um auf den Höhen zu opfern in den Städten Judas und um Jerusalem her; auch die dem Baal geräuchert hatten, der Sonne und dem Mond und den Planeten und allem Heer am Himmel. 6 Und er brachte die Aschera aus dem Hause des HERRN hinaus vor Jerusalem an den Bach Kidron und verbrannte sie am Bach Kidron, zermahlte sie zu Staub und warf ihren Staub auf die Gräber des einfachen Volks. 7 Und er brach ab die Häuser der Tempelhurer, die an dem Hause des HERRN waren, in denen die Frauen Gewänder für die Aschera wirkten.

 Reinigungsarbeiten – zuerst am Tempel. Alles, was dort nicht hingehört, wird heraus gebracht. Es mag sein, dass es schon seit Generationen dort steht, Aber es ist dort falsch. Es bleibt nicht beim Abtransport. Geräte, Statuen werden im Kidrontal zerstört, soweit sie brennbar sind, verbrannt.  Ihre Asche nach Bethel – Asche auf Altäre macht die Altäre unrein. Es ist religiöse Kunst, die hier zu Staub und Asche wird und Josia ist ein „Bilderstürmer“ ohne jede Achtung vor fremder Tradition. Religiöses Feingefühl geht anders.

            Es folgt eine schier endlos lange Liste von Maßnahmen, nicht nur am Tempel, nicht nur in Jerusalem. Ganz Juda ist betroffen, das Land genauso wie die Städte. Immer sind es Zerstörungen, „Säuberungen“, Trennungen, immer auch verbunden mit Arbeitsverboten für Priester. Diesen Säuberungen fallen ehrwürdige Stätten zum Opfer. Altäre, die die Vorfahren errichtet hatten. Höhen, die über lange Zeit „Heilige Orte“ waren. Auch das wird mit dieser langen Liste deutlich: Das alte Volk Gottes war nie so eindeutig in seinem Glauben monotheistisch, wie wir uns das vorstellen mögen. Der Glauben an den einen Gott allein war immer gefährdet, von innen und von außen.

 Zur Zerstörung der Bilder kommt die Zerstörung der Orte. Die Häuser der Tempelhurer müssen auch dran glauben. Sie haben keinen Ort mehr, weder zum Handeln noch zum Leben. Kein Wort darüber, was aus ihnen wird. „Reform oder „Säuberungsaktion““ weiterlesen