Gräber und Altäre

Josua 24, 29 – 33

29 Und es begab sich nach diesen Geschichten, dass Josua, der Sohn Nuns, der Knecht des HERRN, starb, als er hundertundzehn Jahre alt war. 30 Und man begrub ihn in dem Gebiet seines Erbteils in Timnat-Serach, das auf dem Gebirge Ephraim liegt, nördlich vom Berge Gaasch.

 Josua, der Sohn Nuns, der Knecht des HERRN stirbt, alt und hochbetagt. Jetzt wird er mit diesem Ehrentitel ebed Jahwe, benannt. Am Beginn des Buches war er noch „nur“ „Diener des Mose“(1,1). Als Knecht des HERRN hat er seine Rolle in der Heilsgeschichte Gottes mit seinem Volk. Das Grab des Mose kennt man nicht. Das Grab des Josua ist bekannt.

 Vielleicht hat es damit zu tun: Mose ist der Führer des wandernden Gottesvolkes, in der Wüstenzeit. Da bleiben Gräber zurück, wenn der Weg weiter geht. Josua aber ist der Führer Israel in der Zeit, in der Israel das Land gegeben wird.  Das ist eine andere Zeit – da werden Gräber nicht mehr zurück gelassen, sie verschwinden nicht im Vergessen. „Gräber und Altäre“ weiterlesen

Wo stehen wir?

Josua 24, 16 – 28

 16 Da antwortete das Volk und sprach: Das sei ferne von uns, dass wir den HERRN verlassen und andern Göttern dienen! 17 Denn der HERR, unser Gott, hat uns und unsere Väter aus Ägyptenland geführt, aus der Knechtschaft, und hat vor unsern Augen diese großen Zeichen getan und uns behütet auf dem ganzen Wege, den wir gezogen sind, und unter allen Völkern, durch die wir gegangen sind, 18 und hat ausgestoßen vor uns her alle Völker und die Amoriter, die im Lande wohnten. Darum wollen wir auch dem HERRN dienen; denn er ist unser Gott.

             Es kommt zum Bekenntnis des Volkes. Das sei ferne von uns, dass wir den HERRN verlassen und andern Göttern dienen! Es kommt zur Anerkennung des HERRN. Es ist, als würde der Blick in die Geschichte allen die Augen öffnen. Wir haben die großen Zeichen Gottes gesehen. Wir haben die Obhut Gottes erfahren. Wie sollten wir ihm nicht dienen? Ihm nicht anhangen?

 19 Josua sprach zum Volk: Ihr könnt dem HERRN nicht dienen; denn er ist ein heiliger Gott, ein eifernder Gott, der eure Übertretungen und Sünden nicht vergeben wird. 20 Wenn ihr den HERRN verlasst und fremden Göttern dient, so wird er sich abwenden und euch plagen und euch ausrotten, nachdem er euch Gutes getan hatte.

  Wie eine Warnung hören sich diese Worte des Josua an. Ihr versprecht, was ihr nicht halten könnt. Wie die Frage: Ist es euch auch wirklich ernst? Wisst ihr es wirklich, auf welchen Gott ihr euch einlasst? Habt ihr auch die Kosten überschlagen? Der HERR ist kein Gott unter vielen Göttern, es ist der Eine, der euch ganz will, ungeteilt. Das ist Einspruch gegen alle religiöse Selbstgefälligkeit, die sich Gottes sicher zu meinen glaubt. Gegen alle Frömmigkeit, die sich ihr Bild von Gott gemacht hat – der ist lieb und gut. Ein heiliger Gott. Es ist gefährlich, mit ihm zu tun zu haben und ihm zu dienen ist eine Frage unbedingter Treue und unbedingten Gehorsams. „Wo stehen wir?“ weiterlesen

Der Landtag von Sichem

Josua 24, 1 – 15

1 Josua versammelte alle Stämme Israels nach Sichem und berief die Ältesten von Israel, seine Obersten, Richter und Amtleute. Und als sie vor Gott getreten waren, 2 sprach er zum ganzen Volk:

Noch einmal: Landtag zu Sichem. Ein Vermächtnis-Tag. Eine Doppelung? Es wirkt auf den ersten Blick wie eine Wiederholung des vorangegangen Kapitels. Aber es wird eine andere Szene vor Augen gestellt. Das Volk wird in seinen Repräsentanten an das Heiligtum nach Sichem berufen. Aber man ist nicht unter sich. Vor Gott tritt diese Versammlung zusammen. Das gibt allem, was jetzt gesagt wird, sein Gewicht. Nicht mehr das wird betont, dass Josua alt ist, hochbetagt, und eine „testamentarische“ Rede hält, sondern hier ist im Vordergrund, dass das Volk vor Gott steht. Darum folgt hier auch eine Gottesrede und nicht eine Ansprache des Josua an das Volk. Nicht nur die Szene wechselt. Es ist auch ein anderer, der ganz Andere, der das Wort nimmt.

So spricht der HERR, der Gott Israels: Eure Väter wohnten vorzeiten jenseits des Euphratstroms, Terach, Abrahams und Nahors Vater, und dienten andern Göttern. 3 Da nahm ich euren Vater Abraham von jenseits des Stroms und ließ ihn umherziehen im ganzen Land Kanaan und mehrte sein Geschlecht und gab ihm Isaak. 4 Und Isaak gab ich Jakob und Esau und gab Esau das Gebirge Seïr zum Besitz. Jakob aber und seine Söhne zogen hinab nach Ägypten. 5 Da sandte ich Mose und Aaron und plagte Ägypten, wie ich unter ihnen getan habe. 6 Danach führte ich euch und eure Väter aus Ägypten. Und als ihr ans Meer kamt und die Ägypter euren Vätern nachjagten mit Wagen und Gespannen ans Schilfmeer, 7 da schrien sie zum HERRN. Der setzte eine Finsternis zwischen euch und die Ägypter und ließ das Meer über sie kommen und es bedeckte sie. Eure Augen haben gesehen, was ich in Ägypten getan habe. Und ihr habt gewohnt in der Wüste eine lange Zeit. 8 Und ich habe euch gebracht in das Land der Amoriter, die jenseits des Jordans wohnten. Und als sie gegen euch kämpften, gab ich sie in eure Hände, sodass ihr ihr Land einnahmt, und vertilgte sie vor euch her. 9 Da machte sich auf Balak, der Sohn Zippors, der König der Moabiter, und kämpfte mit Israel und sandte hin und ließ rufen Bileam, den Sohn Beors, um euch zu verfluchen. 10 Aber ich wollte ihn nicht hören, sondern er musste euch segnen, und ich errettete euch aus seinen Händen. „Der Landtag von Sichem“ weiterlesen

Letzte Worte

Josua 23, 1 – 16

 1 Und nach langer Zeit, als der HERR Israel Ruhe gegeben hatte vor allen seinen Feinden ringsumher und Josua nun alt und hochbetagt war, 2 berief er ganz Israel, seine Ältesten, Häupter, Richter und Amtleute und sprach zu ihnen:

Menschen können nicht für immer bleiben. Irgendwann müssen sie gehen. Josua spürt wohl, dass seine Zeit sich zum Ende neigt. Er ist alt und hoch betagt. Wohl auch altersweise. Aus dieser „Altersweisheit“ ruft er ganz Israel. Das stellt sich dar in seinen Ältesten, Häupter, Richter und Amtleute. Es müssen nicht alle Israeliten da sein, damit ganz Israel da ist. So wie ja auch heute, wenn „ganz Deutschland“ dies oder jenes diskutiert durch aus nicht alle Deutschen an der Diskussion beteiligt sein müssen. Es reicht, dass einige das für alle anderen „stellvertretend“ tun. Aber nun ist es für Josua Zeit für letzte Worte. Sie haben besonderes Gewicht. Sie wirken wie eine Predigt.

 Ich bin alt und hochbetagt, 3 und ihr habt alles gesehen, was der HERR, euer Gott, getan hat an allen diesen Völkern vor euch her; denn der HERR, euer Gott, hat selber für euch gestritten. 4 Seht, ich hab euch diese Völker, die noch übrig waren, durchs Los zugeteilt, einem jeden Stamm sein Erbteil, alle Völker, die ich ausgerottet habe vom Jordan an bis zum großen Meer, wo die Sonne untergeht. 5 Und der HERR, euer Gott, wird sie vor euch ausstoßen und vor euch vertreiben, und ihr werdet ihr Land einnehmen, wie euch der HERR, euer Gott, zugesagt hat.

 Josuas Rede-Anfang gibt seinen Worten Gewicht. Es sind die Worte eines Mannes, der einen langen Weg mit dem HERRN gegangen ist. Darum beginnt er mit der Erinnerung an das, was der HERR, euer Gott getan hat. Er ist es ja in Wahrheit, der jedem Stamm sein Erbteil zugeteilt hat. Er hat das Land gegeben. Er hat die Völker vor Israel vertrieben. Und es ist sein Tun, das Israel das Land einnehmen lässt.  „Letzte Worte“ weiterlesen

Wir gehören zusammen – allein gehst du ein

Josua 22, 21 – 34

21 Da antworteten die Söhne Ruben und die Söhne Gad und der halbe Stamm Manasse und sagten zu den Obersten über tausend in Israel: 22 Der starke Gott, der HERR, der starke Gott, der HERR, weiß es; so wisse es auch Israel: Fallen wir ab oder lehnen wir uns auf gegen den HERRN, so helfe er uns heute nicht! 23 Und wenn wir darum den Altar gebaut haben, dass wir uns von dem HERRN abwenden wollten, um Brandopfer oder Speisopfer darauf zu opfern oder Dankopfer darauf darzubringen, so suche es der HERR heim!

 Die Söhne Ruben, Gad und Manasse antworten – durch ihre Führer doch wohl. Gott weiß. Gott kennt die Herzen. Schon dieser ersten Sätze zeigen: Sie sind sich keiner Schuld bewusst. Sie sind reinen Herzens. Es ist wie ein Reinigungseid: Wenn wir nicht die Wahrheit sagen, soll der HERR sich gegen uns stellen. Und: Er soll uns heimsuchen, wenn wir uns vergangen haben.

In der Argumentation spielt die spätere Praxis in Israel eine Rolle. Der Ort für Brandopfer, Speisopfer oder Dankopfer ist allein der Altar im Tempel zu Jerusalem. Das aber – so die Aussage sei nicht der Sinn dieses Altars. Und ein wenig verwundert fragt man sich: Wofür ist er denn dann da? Eine Antwort fehlt – zunächst.

 24 Haben wir es nicht vielmehr aus Sorge darum getan, dass wir dachten: Künftig könnten eure Söhne zu unsern Söhnen sagen: Was geht euch der HERR, der Gott Israels, an? 25 Der HERR hat den Jordan zur Grenze gesetzt zwischen uns und euch, ihr Söhne Ruben und Gad, ihr habt kein Teil am HERRN. Damit würden eure Nachkommen unsere Nachkommen von der Furcht des HERRN abwenden.

Es kommt ein argumentativer Neueinsatz. Der Altar ist da, damit es nicht zu einer Entfremdung vom HERRN kommt. Er ist der Entfernung zwischen Ostjordanland und Westjordanland geschuldet.  Da droht doch die Gefahr der Entfremdung: Ihr seid ja gar keine richtigen Israeliten. Ihr seid keine richtigen Angehörigen des Volkes. Zwischen euch und uns ist der Jordan, eine Grenze, die der HERR gesetzt hat. Der Jordan trennt.   „Wir gehören zusammen – allein gehst du ein“ weiterlesen