Ein neuer König

  1. Chronik 11, 1 – 9

1 Und ganz Israel sammelte sich bei David in Hebron und sprach: Siehe, wir sind dein Gebein und dein Fleisch. 2 Schon damals, als Saul König war, führtest du Israel aus und ein. Und der HERR, dein Gott, hat zu dir geredet: Du sollst mein Volk Israel weiden, und du sollst Fürst sein über mein Volk Israel.

  Auch nach der Katastrophe geht es weiter. So wie es immer weiter geht. Nur keine führungslose Zeit.  David soll König werden. Dazu versammelt sich ganz Israel. Nicht nur ein Stamm. Das Volk der zwölf Stämme ist sich einig.

Die erste Erwartung an David: Wir sind dein Gebein und dein Fleisch. Du bist einer von uns. Wir sind wie Du. Dahinter steckt ja wohl auch die Erwartung: Gehe entsprechend mit uns um. Nicht wie ein fremder Herrscher, sondern wie ein Bruder unter Brüdern.

In Israel weiß man ein Wort des HERRN, das ein Auftrag an David ist, eine Berufung, der er sich nicht entziehen darf: Du sollst mein Volk Israel weiden. Hirte sein – die vornehmste Aufgabe des Königs. Schützen, aus- und einführen, leiten. Das erst macht wirklich zum Fürsten. Ohne dieses Tun ist Fürst nur ein leerer Titel. „Ein neuer König“ weiterlesen

Ein Schreckensende

  1. Chronik 10, 1 – 14

1 Die Philister kämpften gegen Israel und die Männer Israels flohen vor den Philistern und blieben erschlagen liegen auf dem Gebirge Gilboa. 2 Aber die Philister waren hinter Saul und seinen Söhnen her und erschlugen Jonatan, Abinadab und Malkischua, die Söhne Sauls.

Es ist das Übliche: Kampf zwischen Philistern und Israeliten. Es gibt kein friedliches Nebeneinander., erst recht kein Miteinander. Es kommt für die Sippe des Saul das letzte Gefecht. Saul wird gejagt. Seine Söhne werden erschlagen. Alle, bis auf Eschbaal.

 3 Und der Kampf tobte heftig um Saul, und die Bogenschützen fanden ihn und er wurde verwundet von den Schützen. 4 Da sprach Saul zu seinem Waffenträger: Zieh dein Schwert und erstich mich damit, dass nicht diese Unbeschnittenen kommen und treiben ihren Spott mit mir. Aber sein Waffenträger wollte nicht; denn er fürchtete sich sehr. Da nahm Saul sein Schwert und stürzte sich hinein.

Es ist eine bewährte Stratgie: Den Führer des Feindes treffen. Das schwächt die Moral seiner Kämpfer. So auch hier: Saul wird gesucht, gestellt, verwundet. Er wählt einen letzten Ausweg, um dem Hohn und Mutwillen der Philister zu entkommen. Er stürzt sich selbst in das Schwert. Diese Zeit ist nicht zimperlich im Umgang mit Kriegsgefangenen. Einen Schutz vor Entehrung, eine Art Ehrenkodex, so etwas wie die „Genfer Konventionen“ oder die „Haager Landkriegs-Ordnung“ gibt es damals nicht. Auf allen Seiten gibt es schreckliche Grausamkeiten.

 5 Als aber sein Waffenträger sah, dass Saul tot war, stürzte auch er sich ins Schwert und starb. 6 So starben Saul und zugleich seine drei Söhne und sein ganzes Haus.

An diesem einen Tag sterben Saul und seine drei Söhne. Und sein ganzes Haus. „Ein Schreckensende“ weiterlesen

Es geht weiter

Rut 4, 1 – 22

1 Boas ging hinauf ins Tor und setzte sich daselbst. Und siehe, als der Löser vorüberging, von dem er geredet hatte, sprach Boas: Komm, mein Lieber, und setze dich hierher! Und er kam herüber und setzte sich dort hin. 2 Und Boas nahm zehn Männer von den Ältesten der Stadt und sprach: Setzt euch hierher! Und sie setzten sich.

Jetzt hängt alles an Boas. Seiner Redlichkeit und seiner Klarheit. Er treibt die Angelegenheit” vorwärts. Warten im Tor und Handeln ist angesagt. Wenn er den Löser im Tor festhält und zehn Männer von den Ältesten der Stadt im Tor dazu bittet, so ist klar: Hier geht es ums Geschäft, um Recht, um einen Vertrag. Das braucht seine Zeit. Darum setzt man sich zusammen.    

3 Da sprach er zu dem Löser: Noomi, die aus dem Lande der Moabiter zurückgekommen ist, bietet feil den Anteil an dem Feld, der unserm Bruder Elimelech gehörte. 4 Darum gedachte ich’s vor deine Ohren zu bringen und zu sagen: Willst du es lösen, so kaufe es vor den Bürgern und vor den Ältesten meines Volks; willst du es aber nicht lösen, so sage mir’s, dass ich’s wisse; denn es ist kein anderer Löser da als du und ich nach dir. Er sprach: Ich will’s lösen.

 Boas geht – geschickt – zunächst auf die Besitzseite ein. Es geht um Land, Acker, Feld. Die besitzrechtliche Seite rückt in den Vordergrund der Erzählung, die doch bis dahin fast nur um die Personbeziehungen gekreist ist. Aber vielleicht ist das ein Teil der Nüchternheit, die in dieser Erzählung auch waltet. Die personelle Seite gerät leicht durcheinander, wenn das andere, Rechtliche, Materielle nicht klar geregelt ist. „Es geht weiter“ weiterlesen

Risiko!

Rut 3, 1 – 18

1 Und Noomi, ihre Schwiegermutter, sprach zu ihr: Meine Tochter, ich will dir eine Ruhestatt suchen, dass dir’s wohlgehe.

Es ist Fürsorge und Voraussicht, aber auch schlichte Klugheit, die Noomi so reden lässt. Die Ruhestatt, von der sie spricht, ist die Ehe. Dann ist ausgesorgt, wenn die junge Frau einen findet, der für sie sorgt.

2 Siehe, Boas, unser Verwandter, bei dessen Mägden du gewesen bist, worfelt diese Nacht Gerste auf seiner Tenne. 3 So bade dich und salbe dich und lege dein Kleid an und geh hinab auf die Tenne. Gib dich dem Mann nicht zu erkennen, bis er gegessen und getrunken hat. 4 Wenn er sich dann schlafen legt, so merke dir die Stelle, wo er sich hinlegt, und geh hin und decke zu seinen Füßen auf und leg dich hin, so wird er dir sagen, was du tun sollst.

Dies könnte, so die Überlegung der Noomi, gut Boas sein. Er hat als Verwandter so etwas wie eine Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass Elimelech, der verstorbene Mann der Noomi und ihre Söhne Machlon und Kiljon (1,4) nicht ohne Nachfahren bleiben. Das ist, so lese ich, der eigentliche Antrieb hinter den Überlegungen der Noomi. Es geht um den Fortbestand der Sippe.  Wenn man so will: Über den Tod der drei Männer hinaus wird hier um ihr Leben gekämpft. Wird Rut einen Mann finden, mit dem sie Kinder hat, so werden sie durch diesen Löser zu Nachkommen kommen und damit der Vergänglichkeit des Todes entrissen. Keine Sterbebegleitung, aber Lebenseröffnung über den Tod hinaus. Von all diesem Überlegungen aber sagt Noomi ihrer Schwiegertochter nichts.

Man darf es nicht überlesen: Die Vorschläge Noomis wirken nicht nur zweideutig. Sie sind es tatsächlich. Und bergen für Rut ein hohes Risiko. Kann doch der Mann Boas die Situation, dass sie sich ihm nächtlich, geschmückt wie eine Braut präsentiert, ausnutzen oder auch missverstehen. In beiden Fällen wäre sie damit “erledigt.” Es ist ein Spiel, das bis in die Sprache hinein auch eine sexuelle Note hat. Erkennen, aufdecken, sich zu den Füßen legen – das alles ist doppeldeutig. „Risiko!“ weiterlesen

Geschenkte Freundlichkeit

Rut 2, 1 – 23

1 Es war aber ein Mann, ein Verwandter des Mannes der Noomi, von dem Geschlecht Elimelechs, mit Namen Boas; der war ein angesehener Mann.

  Boas wird jetzt in die Geschichte eingeführt. Ein Verwandter des verstorbenen Mannes der Noomi. Ein angesehener Mann, honorig. Mit gutem Ruf.

2 Und Rut, die Moabiterin, sprach zu Noomi: Lass mich aufs Feld gehen und Ähren auflesen bei einem, vor dessen Augen ich Gnade finde. Sie aber sprach zu ihr: Geh hin, meine Tochter! 3 Sie ging hin und las auf, den Schnittern nach, auf dem Felde. Und es traf sich, dass dies Feld dem Boas gehörte, der von dem Geschlecht Elimelechs war.

Rut will nicht untätig herum sitzen. Sie wird aktiv, sucht nach Arbeit. Und sie findet Arbeit. Oder findet die Arbeit sie? Eine schöne Formulierung für die Suche nach Arbeitgebern: Rut sucht einen, vor dessen Augen ich Gnade finde. Geschenkte Güte. Es trifft sich, dass sie bei Suche auf einem der Felder des Boas landet.

Ihre Arbeit: Nachlese hinter den Schnittern her. Es sind liegengebliebene Reste, die sie aufhebt. Kein hochqualifizierter Arbeitsplatz, keine sonderlich einträgliche Arbeit. Aber Arbeit. Besser als nichts.

4 Und siehe, Boas kam eben von Bethlehem und sprach zu den Schnittern: Der HERR sei mit euch! Sie antworteten: Der HERR segne dich! 5 Und Boas sprach zu seinem Knecht, der über die Schnitter gestellt war: Zu wem gehört das Mädchen? 6 Der Knecht, der über die Schnitter gestellt war, antwortete und sprach: Es ist eine Moabiterin, die mit Noomi gekommen ist aus dem Land der Moabiter. 7 Sie hat gesagt: Lasst mich doch auflesen und sammeln hinter den Garben den Schnittern nach, und ist gekommen und dageblieben vom Morgen an bis jetzt und hat nur wenig ausgeruht.

Was für ein schöner Gruß. Nicht einfach nur „Moin.“ „Tach.“ „Hey“. Der HERR sei mit euch! – Der HERR segne dich! Das könnte für ein gutes Arbeitsklima sprechen, menschlichen Umgang.

Boas sieht alles. Auch das ihm unbekannte Mädchen. So fragt er nach und erhält Auskunft. Über ihre Herkunft, eine Moabiterin. Eine, die zu der zurückgekehrten Noomi gehört. Sie hatte nicht gefordert, sondern darum gebeten, Nachlese halten zu dürfen. Das ist die Beobachtung der Schnitter: Eine fleißige Person. Unermüdlich vom Morgen an bis jetzt. „Geschenkte Freundlichkeit“ weiterlesen