Wir entgehen unserem Schicksal nicht.

Wie alle wissen, auch die Aramäer: Wenn der König fällt, ist die Schlacht verloren, der Kampf vorbei. 1. Könige 22, 24 – 40

24 Da trat herzu Zidkija, der Sohn Kenaanas, und schlug Micha auf die Backe und sprach: Wie? Ist der Geist des HERRN von mir gewichen, dass er mit dir redet? 25 Micha sprach: Wahrlich, an dem Tage wirst du’s sehen, wenn du von einer Kammer in die andere gehst, um dich zu verkriechen.

Zidkija hat verstanden und nimmt die Worte des Micha persönlich. Er fühlt sich nicht nur ein bisschen in Frage gestellt. Er spürt, dass ihm hier abgesprochen ist, was bis dahin seine Existenz ausmacht – dass der Geist des HERRN in ihm wirkt, durch ihn spricht. Er ist in seiner Berufsehre verletzt. Dass er handgreiflich wird, ist nur ein Zeichen seiner tiefen Betroffenheit. Und Micha? Er lässt sich nicht auf eine Debatte über die Anmaßung in seinen Worten ein, über einen Wahrheitsbeweis. Da ist nichts zu beweisen. Die Zukunft wird es an den Tag bringen.

Man wird es nicht übersehen dürfen: Hier stehen sich zwei Sichtweisen von Prophetie gegenüber. Mich sagt von sich: Ich sah. Er ist abhängig von dem, was Gott ihm zeigt, ihn schauen lässt. Zidkija dagegen führt seine Worte auf den Geist zurück. „Für ihn ist der Geistbesitz das Kriterium des Prophetentums… Da sich Micha auf Vision und Audition berufen hatte, sind mit Zidkija und Micha zwei verschiedene Arten des Prophetentums einander gegenüber gestellt.“ (E. Würthwein, Die Bücher der Könige, ATD, 11,2, Göttingen 1984, S. 260) Sie haben vermutlich auch unterschiedliche Wurzeln.

26 Der König von Israel sprach: Nimm Micha und bring ihn zu Amon, dem Stadthauptmann, und zu Joasch, dem Sohn des Königs, 27 und sprich: So spricht der König: Diesen werft in den Kerker und speist ihn nur kärglich mit Brot und Wasser, bis ich mit Frieden wiederkomme. 28 Micha sprach: Kommst du mit Frieden wieder, so hat der HERR nicht durch mich geredet. Und er sprach: Höret, alle Völker!

Auch der König reagiert. Er lässt Micha festsetzen Bei Wasser und Brot. Viel stärker kann er sein Missfallen an den Worten des unbotmäßigen Propheten nicht zum Ausdruck bringen. Er ist überzeugt, die Botschaft Michas ist Unsinn. Er wird im Frieden heimkehren. Das wiederum beantwortet Micha: wenn es so kommt, wieder König erhofft, dann ist das der Beweis, dass Micha der ist, durch den der HERR nicht geredet hat. einmal mehr: der Wahrheitserweis der prophetischen Rede liegt im zukünftigen Geschehen. Das aber geht alle an, auch die anderen Völker. „Der weitere Gang der Ereignisse wird enthüllen, wer wahr gesprochen hat und wer in Vermessenheit.“ (E. Würthwein, aaO. S. 259) „Wir entgehen unserem Schicksal nicht.“ weiterlesen

Einer gegen viele

1. Könige 22, 1 – 23

1 Und es vergingen drei Jahre, dass kein Krieg war zwischen den Aramäern und Israel. 2 Im dritten Jahr aber zog Joschafat, der König von Juda, hinab zum König von Israel. 3 Und der König von Israel sprach zu seinen Großen: Wisst ihr nicht, dass Ramot in Gilead unser ist, und wir sitzen still und nehmen es nicht dem König von Aram ab? 4 Und er sprach zu Joschafat: Willst du mit mir ziehen in den Kampf nach Ramot in Gilead? Joschafat sprach zum König von Israel: Ich will sein wie du und mein Volk wie dein Volk und meine Rosse wie deine Rosse. 5 Und Joschafat sprach zum König von Israel: Frage doch zuerst nach dem Wort des HERRN!

Eine Friedenszeit von drei Jahren. Selten genug. Eine Zeit, in der sich Südreich und Nordreich näher kommen. Joschafat, der König von Juda weilt beim König von Israel. Warum erfährt man nicht. „Ob es sich um einen Freundschaftsbesuch handelt oder um eine Hoffahrt, zu der ein Vasall von Zeit zu Zeit verpflichtet war, ist nicht sicher.“ (E. Würthwein, Die Bücher der Könige, ATD, 11,2, Göttingen 1984, S. 255) So wie auch das Verhältnis zwischen den geteilten Reichen nicht sicher ist. Allerdings hat es den Anschein, dass alle Initiativen vom König von Israel ausgehen.

Der plant die Rückgewinnung der Stadt Ramot in Gilead, die irgendwann von den Aramäern erobert worden ist. „Wann die Stadt an die Aramäer fiel, ist nicht bekannt.“ (H. Schmid, Das erste Buch der Könige, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 2000, S. 586) Nur – jetzt soll es Zeit sein, sie zurück zu gewinnen. Joschafat sichert unbedingte Solidarität zu diesem Unternehmen zu. Ob sich bei ihm dann doch irgendwie Bedenken gemeldet haben oder ob es auf eine andere Überlieferung zurückzuführen ist, jedenfalls wird er zögerlich. Frage doch zuerst nach dem Wort des HERRN! Es braucht doch „grünes Licht“ von Gott. Aufmerksame Leser*innen der Schriften Israels kennen das: Bevor man sich in eine Schlacht begibt, ist es gut, einen Orakelspruch von Gott her zu erwirken.

Dieser Gedanke wirkt weit über die Grenzen der Testamente hinaus – bis in die Worte Jesu hinein: „Welcher König zieht aus, um mit einem andern König Krieg zu führen, und setzt sich nicht zuvor hin und hält Rat, ob er mit zehntausend dem begegnen kann, der über ihn kommt mit zwanzigtausend? Wenn nicht, so schickt er eine Gesandtschaft, solange jener noch fern ist, und bittet um Frieden.“ (Lukas 14, 31-32)So gelesen ist Joschafat einfach nur vorsichtig, bedacht und nicht abenteuerlustig. „Einer gegen viele“ weiterlesen

Schon der erste Schritt

1. Könige 21, 17 – 29

17 Aber das Wort des HERRN kam zu Elia, dem Tischbiter:

Das ist wichtig: aber- ו Was da geschehen ist, im Palast und im Räderwerk der Justiz stößt auf das aber des Wortes des HERRN. Als die Dinge scheinbar unberührt ihren Gang gehen; „greift Gott durch seinen Propheten ein. (F. Crüsemann / R. Micheel, Dunkles belichten, Ein Prophet geht seinen Weg: Elia, Texte zur Bibel 13, Neukirchen 1997, S. 58) Der zwischenzeitlich – Kapitel 20 – von der Bildfläche verschwunden Prophet wird in Gang gesetzt.

18 Mach dich auf und geh hinab Ahab, dem König von Israel zu Samaria, entgegen – siehe, er ist im Weinberge Nabots, wohin er hinabgegangen ist, um ihn in Besitz zu nehmen – 19 und rede mit ihm und sprich: So spricht der HERR: Du hast gemordet, dazu auch fremdes Erbe geraubt! An der Stätte, wo Hunde das Blut Nabots geleckt haben, sollen Hunde auch dein Blut lecken.

Es ist ein eindeutiger Auftrag, genau umrissen – bis hin zu dem Ort, an dem die Botschaft Elias auszurichten ist. Im Weinberg, den Ahab sich angeeignet hat, wird Elia ihn stellen. Mit dem klaren Schuldspruch: Du hast gemordet, dazu auch fremdes Erbe geraubt! Diese Worte lassen keinen Spielraum für Interpretation – Ahab mag nicht die treibende Kraft in diesem Geschehen gewesen sein. Dennoch ist er der Täter! „Die Schuld Ahabs wird als Verstoß gegen das sechste und achte Gebot – Mord und Inbesitznahme – gezeichnet.“ (E. Würthwein, Die Bücher der Könige, ATD, 11,2, Göttingen 1984, S. 251)Er, nicht die Briefschreiberin Isebel wird hier angeklagt. Denn er hat von diesem Tun profitiert.

20 Und Ahab sprach zu Elia: Hast du mich gefunden, mein Feind? Er aber sprach: Ja, ich habe dich gefunden, weil du dich verkauft hast, zu tun, was dem HERRN missfällt.

Merkwürdig – Ahab nennt Elia mein Feind. Hat nicht Elia den Regen herbeigerufen? Aber das zählt nicht mehr. Ahab fühlt sich von diesem Propheten verfolgt. Auch hier im neu gewonnen Weinberg. „Ahab sieht in Elia einen Gegner, der ihm immer in den Weg trat. Jetzt gönnte er ihm einen einzigen Tag die Freude an dem neuen Weinberg.“ (H. Schmid, Das erste Buch der Könige, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 2000, S. 577) Und Elia antwortet Ja. Er hat ihn gesucht und gefunden, weil sein Tun vor Gott nicht bestehen kann. Es ist Unrecht. Ist Elia deshalb sein Feind, weil er Unrecht tatsächlich Unrecht nennt? „Schon der erste Schritt“ weiterlesen

Raffgier und Unterwürfigkeit

  1. Könige 21, 1 – 16

1 Nach diesen Geschichten begab es sich: Nabot, ein Jesreeliter, hatte einen Weinberg in Jesreel, bei dem Palast Ahabs, des Königs von Samaria. 2 Und Ahab redete mit Nabot und sprach: Gib mir deinen Weinberg; ich will mir einen Kohlgarten daraus machen, weil er so nahe an meinem Hause liegt. Ich will dir einen besseren Weinberg dafür geben oder, wenn dir’s gefällt, will ich dir Silber dafür geben, soviel er wert ist.

Nach den Kriegsgeschichten jetzt eine Geschichte innerhalb Israels. Eher eine Privat-Angelegenheit, kein Staatsgeschäft. Es geht um Grundbesitz in Jesreel,der Winterresidenz der Omriden am Ostrand der Ebene Jesreel.“ (E. Würthwein, Die Bücher der Könige, ATD, 11,2, Göttingen 1984, S. 248) Dort wohnen König und Bürger Seite an Seite. Ahab will dort einen Weinberg erwerben, um aus ihm einen Kohlgarten zu machen. Er bietet dem Besitzer Nabot günstige Konditionen an: einen besseren Weinberg – und obendrein noch Zuzahlungen – soviel er wert ist. Das müsste doch überzeugend sein. So ein Angebot bekommt man nicht alle Tage.

3 Aber Nabot sprach zu Ahab: Das lasse der HERR fern von mir sein, dass ich dir meiner Väter Erbe geben sollte!

Jedoch Ahab ist an den falschen Mann geraten. So signalisiert es das aber – der winzige Buchstabe ו im hebräischen Text. Nabot geht es nicht um Gewinn, sondern um Treue zum Erbe der Väter. Wäre es anders – er würde sofort auf den Vorschlag eingehen. Nabot gehört zu den Menschen, die Familienbesitz für unveräußerlich halten. Wie es sich mit dem Boden-Recht wirklich verhält, ist schwierig zu beurteilen. Es ist wohl so: „Der Plan des Königs scheitert nicht an einem entgegenstehenden Bodenrecht, sondern daran, dass nach israelitischer Auffassung vom Königtum der Wille des Königs an dem Willen eines freien Bürgers seine Grenze findet.“ (E. Würthwein, ebda.) Nabot weigert sich und damit ist der Fall erledigt.

4 Da kam Ahab heim voller Unmut und Zorn um des Wortes willen, das Nabot, der Jesreeliter, zu ihm gesagt hatte: Ich will dir meiner Väter Erbe nicht geben. Und er legte sich auf sein Bett und wandte sein Antlitz ab und aß kein Brot.

Wir lesen, was wir schon nach dem erfolgreichen Krieg gegen Aram gelesen haben: Ahab ist verärgert, unmutig. So war es auch nach dem Sieg: „Aber der König von Israel zog heim, voller Unmut und Zorn, und kam nach Samaria.“ (20,43). Es scheint, er kann es nicht aushalten, dass seiner Macht als König Grenzen gesetzt sind. Nicht im Umgang mit anderen Völkern und auch nicht im Umgang mit den Israeliten. Seine Reaktion ist seltsam, fast unreif, „eines Königs unwürdig.“ (H. Schmid, Das erste Buch der Könige, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 2000, S. 568) Er tritt in Hungerstreik. „Raffgier und Unterwürfigkeit“ weiterlesen

Nichts gilt mehr als sein Ruf

1. Könige 19, 19- 21

19 Und Elia ging von dort weg und fand Elisa, den Sohn Schafats, als er pflügte mit zwölf Jochen vor sich her, und er war selbst bei dem zwölften.

Elia folgt der Wegweisung Gottes. Er bleibt nicht am Gottesberg, an dem Ort seiner so tiefen Gotteserfahrung. Er macht sich auf den Weg und findet Elisa, den ihm Gott als seinen Nachfolger im Prophetenamt genannt hatte. Bei der Arbeit. Mit einem großen Gespann. Die kurze Notiz macht den Eindruck: Elisa ist ein tatkräftiger Mann.

Und Elia ging zu ihm und warf seinen Mantel über ihn. 20 Und er verließ die Rinder und lief Elia nach und sprach: Lass mich meinen Vater und meine Mutter küssen, dann will ich dir nachfolgen.

Elia übt mit seinem Mantel ein Berufungs-Ritual aus. Eines, dass der Leser des Könige-Buches schon aus der früheren Erzählung kennt. Da war Jerobeam durch den Propheten Ahija als König gekennzeichnet worden, der ihm zehn Stücken seines Mantel übergab( 11, 26-32) „Der Überwurf des Mantels war Zeichen der Berufung…Ist der Mantel des Propheten als Amtstracht zu verstehen, dann ist die Handlung in sich verständlich.“ (H. Schmid, Das erste Buch der Könige, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 2000, S. 529) Das erscheint ein bisschen zu sehr von heutigen Amtstrachten her gedacht. Es reicht doch und ist in sich stimmig – Elia wirft seinen Mantel auf Elisa und signalisiert damit: Du wirst mein Nachfolger. Auch wenn dieser Mantel ein ganz profanes, gewöhnliches Kleidungstück ist.

Elisa will folgen – aber nicht gleich, nicht auf der Stelle. Er will erst noch Abschied nehmen können. Lass mich meinen Vater und meine Mutter küssen. „Wie sehr Elischa schon im Dienst Elijas gesehen wird, zeigt die Bemerkung, dass er dazu die Erlaubnis seines neuen Herrn erbittet.“ (E. Würthwein, Die Bücher der Könige, ATD, 11,2, Göttingen 1984, S. 233) Elisa weiß: Dieser Ruf, diese Aufgabe wird ihn über den engen Kreis der Familie hinausführen. Vielleicht sogar von der Familie entfremden?

Er sprach zu ihm: Wohlan, kehre um! Bedenke, was ich dir getan habe!

Elia stimmt zu. Darf man sagen: Er ist an dieser Stelle großzügiger als viel später Jesus. Der beantwortet die Bitte um Zeit für einen Abschied von der Familie abschlägig. „Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind. Jesus aber sprach zu ihm: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ (Lukas 9, 61-62) Nur darauf zielt Elias Mahnung: Über der Familie nicht zu vergessen, dass er von nun an berufen ist.

21 Und Elisa wandte sich von ihm weg und nahm ein Joch Rinder und opferte es, und mit den Jochen der Rinder kochte er das Fleisch und gab’s den Leuten, dass sie aßen. Und er machte sich auf und folgte Elia nach und diente ihm.

Man kann es leicht überlesen oder einfach als gegeben hinnehmen: Elisa opfert ein Joch Rinder und er nimmt für das Opfer die Joche der Rinder, die aus Holz sind. Es ist aber mehr als „nur“ ein Opfer. „Elischa zerstört die Arbeitsmittel seines bisherigen Berufes.“ (E. Würthwein, ebda.) Das ist ein Zeichen unbedingter Konsequenz. Keine Rückkehr mehr zu diesem Joch.

Es ist ein opulenter Abschied. „Bei den Beteiligten ist an seine Familie, die Freunde, vielleicht sogar die ganze Dorfgemeinschaft zu denken. Elisa hat seine gesicherte, ja sogar wohlhabende Existenz aufgegeben und gegen die unsichere und auch finanziell nicht abgesicherte Lebensweise des Propheten eingetauscht.“ (H. Schmid, aaO. S. 530) Nicht freiwillig, sondern gerufen. Beschlagnahmt ohne jede Vorwarnung. Auch das ist kein Thema, wie „fromm“ im Sinne des Elia sein Nachfolger ist. Gott hat ihn erwählt – das reicht.

Entsprechend lapidar fällt der Schluss-Satz dieser kleinen Szene aus. Und er machte sich auf und folgte Elia nach und diente ihm. Der Prophetenberuf fängt hier mit dem Diener-sein bei dem Propheten an.

Zum Weiterdenken

Eine Gedanke oder nur ein skurriler Einfall? Elisa nimmt die Joche seiner Rinder – zwölf an der Zahl – und verbrennt sie. Für das Opfer, für das Abschiedsfest. Ich denke nicht, dass die Zahl zwölf hier Zufall ist. Es ist die Aufgabe des Propheten, das Joch von den Stämmen zu nehmen. Das Joch, unter das sie sich selbst verfangen haben. Wenn man so will, ist das eine unbewusste prophetische Zeichenhandlung, nur für Elisa selbst bestimmt. Das ist deine Aufgabe, zu entlasten. Dafür bist du da.

 Wie geht das, ausscheiden aus einer Aufgabe und nicht wissen, wer sie übernehmen wird. Ob es überhaupt weiter gehen wird mit diesem Amt? Elia wird diese Unsicherheit erspart. Er bekommt seinen Nachfolger gezeigt und darf ihn auch in Dienst nehmen. Aber nicht alle sind so wie Elia. Dann ist es gut, sich aus Nachfolge-Regelungen heraus zu halten. Nicht mitmischen bei der Auswahl. Nicht Einfluss nehmen, nicht die Fortsetzung der eigenen Arbeit regeln wollen. Es wird weitergehen. Auch wenn es anders weitergeht. Diese Herausforderung an das eigene Vertrauen ist auch Elia nicht erspart geblieben. So wie sie unsereinem auch nicht erspart bleibt.

Unter all die Sterne schrieb der Herr den Namen von dir                                                Unter all die Sterne, nah bei ihm und weit von hier                                                          Unter all die Sterne hat der Herr Dein Leben gestellt                                                    Unter all die Sterne, ihm ganz nah am Himmelszelt

Die Stund‘, in der du Gottes letzten Ruf verstehst,                                                           Die Stund‘, wenn du das Ende deiner Zeit erflehst,                                                             Die Stund‘, in der du hoffnungsvoll dann zu ihm gehst,                                                Gelobt die Stund‘                                                                                                                                                                    Sœur Sourire  1965

Mein Gott, ob ich auch so folgen würde, wenn einer mich ruft? Ob ich auch Abschied genommen hätte von allem, was mir vorher lieb war, was mich geprägt hat? Meine Abschiede sind sanfter ausgefallen. Ich habe mich nicht so radikal los-lössen müssen. Ich durfte immer Sohn bleiben, Ehemann, Vater.

Ich danke Dir, dass Du mich so gerufen hast, dass ich nicht überfordert worden bin, dass ich meinen Gefühlen nicht Gewalt antun musste. Ich will Deinen Ruf hören, auch in der letzten Stunde meines Lebens, wenn ich mich von allem lösen muss. Es ist gut, dass Du auch dann der Rufende sein wirst. Amen

Hätte Elia es wissen können?

1. Könige 19, 1- 18

1 Und Ahab sagte Isebel alles, was Elia getan hatte und wie er alle Propheten Baals mit dem Schwert umgebracht hatte.

Die Geschichte könnte zu Ende sein. Sie ist es aber nicht. Ahab erzählt Isebel alles. Vor allem die Gewalt-Geschichte auf dem Karmel. „Plötzlich steht das vorher nur kurz im Vorübergehen Berichtete im Zentrum.“ (F. Crüsemann / R. Micheel, Dunkles belichten, Ein Prophet geht seinen Weg: Elia, Texte zur Bibel 13, Neukirchen 1997, S. 41) Dass der Regen gekommen ist, spielt keine Rolle.

2 Da sandte Isebel einen Boten zu Elia und ließ ihm sagen: Die Götter sollen mir dies und das tun, wenn ich nicht morgen um diese Zeit dir tue, wie du diesen getan hast!

Isebel sinnt auf Rache. Immerhin ist sie so fair, ihren Plan durch einen Boten bei Elia anzukündigen. Damit ist sie nicht nur fair, sondern sie handelt auf rechtlich nicht angreifbare Weise. Elia soll erfahren: die Götter, deren Propheten er umgebracht hat, sind höchst lebendig und keineswegs machtlos. Es geht ihr nicht nur um Rache – es geht immer noch um die Frage, welcher Gott denn Macht hat.

3 Da fürchtete er sich, machte sich auf und lief um sein Leben und kam nach Beerscheba in Juda und ließ seinen Diener dort. 4 Er aber ging hin in die Wüste eine Tagereise weit und kam und setzte sich unter einen Ginster und wünschte sich zu sterben und sprach: Es ist genug, so nimm nun, HERR, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter.

Elia war bis dahin im Norden, in Jesreel. Jetzt beginnt eine Flucht, durch das ganze Nordreich, durch den Süden bis kam nach Beerscheba in Juda. Aber auch dort ist sein Weg nicht zu Ende. Er flieht, läuft um sein Leben, weiter, tief in den Negev.

Dort, unter einem Ginster, ist er am Ende. Mit sich, mit dem Leben, mit der Welt. Der um sein Leben gelaufen ist, der bittet jetzt um seinen Tod. nimm nun, HERR, meine Seele. „Einen so direkten Todeswunsch, zumal an Gott selbst gerichtet, finden wir sonst kaum in der Bibel.“ (F. Crüsemann / R. Micheel, aaO. S. 42) Es ist nachtschwarze Verzweiflung, die nach ihm greift. Nicht zuletzt deshalb, weil er sich gescheitert sieht: ich bin nicht besser als meine Väter. Die Väter – das sind Abraham, Isaak, Jakob. Das sind die Generationen vor ihm, die nicht konsequent nur Jahwe allein gefolgt sind, die auf den Höhen geopfert haben, die die fremden Götter nicht aus dem Land getrieben haben. dieses, sein Projekt – Israel allein an Jahwe gebunden sieht er in der Macht der Isebel, die ihn jagt, gescheitert. Sich selbst allein und am Ende. „Hätte Elia es wissen können?“ weiterlesen

Ein Blutbad – im Namen Gottes?

1. Könige 18, 25 – 46

25 Und Elia sprach zu den Propheten Baals: Wählt ihr einen Stier und richtet zuerst zu, denn ihr seid viele, und ruft den Namen eures Gottes an, aber legt kein Feuer daran. 26 Und sie nahmen den Stier, den man ihnen gab, und richteten zu und riefen den Namen Baals an vom Morgen bis zum Mittag und sprachen: Baal, erhöre uns! Aber es war da keine Stimme noch Antwort. Und sie hinkten um den Altar, den sie gemacht hatten.

Elia lässt den Propheten Baals den Vortritt. Sie sollen als Erste ihren Gott anrufen und zum Handeln bringen, dass er Feuer macht. „Sie waren eigentlich schon im Vorteil, was die Zahl und damit auch die Menge der Gebete und rituellen Möglichkeiten anbetraf.“ (H. Schmid, Das erste Buch der Könige, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 2000, S. 493) Sie rufen nach ihm – aber da ist keine Antwort. Ganz im Gegensatz zu dem, was man von Baal sagt, dass er in Wolken seine Stimme erhebt. So geht es stundenlang, bis aus ihrem rituellen Tanz ein Hinken wird. In der Wortwahl meldet sich der Spott des Erzählers zu Wort.

27 Als es nun Mittag wurde, verspottete sie Elia und sprach: Ruft laut! Denn er ist ja ein Gott; er ist in Gedanken oder hat zu schaffen oder ist über Land oder schläft vielleicht, dass er aufwache. 28 Und sie riefen laut und ritzten sich mit Messern und Spießen nach ihrer Weise, bis ihr Blut herabfloss. 29 Als aber der Mittag vergangen war, waren sie in Verzückung bis um die Zeit, zu der man das Speisopfer darbringt; aber da war keine Stimme noch Antwort noch einer, der aufmerkte.

Auch Elia kann sich nicht mehr zurückhalten. Er verspottet sie. Euer Gott kann nicht, er ist anderweitig beschäftigt, in Gedanken, beim Stuhlgang, oder er schläft. „Dass Baal zeitweise nicht aktiv, nicht präsent ist, damit nicht wirken kann, sagt auch der kanaanäische Mythos, wo er vom Todesgott besiegt wird und in die Totenwelt hinab muss. (F. Crüsemann / R. Micheel, Dunkles belichten, Ein Prophet geht seinen Weg: Elia, Texte zur Bibel 13, Neukirchen 1997, S. 33) Die Propheten Baals aber machen weiter, immer weiter, aber es wirkt nicht. Keine Stimme noch Antwort noch einer, der aufmerkte. Baal ist einfach nicht da. Gleichwohl wird man sagen dürfen, dass ihre Frömmigkeit, ihr Einsatz über Stunden hinweg eindrücklich ist. „Ein Blutbad – im Namen Gottes?“ weiterlesen

Anklage gegen Anklage

1. Könige 18, 1 – 24

1 Nach einer langen Zeit kam das Wort des HERRN zu Elia, im dritten Jahr: Geh hin und zeige dich Ahab, denn ich will regnen lassen auf die Erde. 2 Und Elia ging hin, um sich Ahab zu zeigen. Es war aber eine große Hungersnot in Samaria.

Drei Jahre lang geschieht nichts, Elia ist in Sarepta Dauergast. Die Zeit geht ins Land und sie wird zur tödlichen Dürre. So, dass Gott bei sich den Abbruch der Regenpause beschließt – ich will regnen lassen auf die Erde. Das Schweigen Gottes hat ein Ende und die Zeit der Dürre soll auch ein Ende finden. Darum soll sich Elia Ahab zeigen. Gott will diese Kontaktaufnahme. Es geht in diesem sich Zeigen um ein Signal an Ahab, oder doch auch ein Signal an Elia.

„Der Heilige, gebenedeit sei er! redete Elija zu, dass er gehe und sich Ahab zeige. Elija entgegnete ihm: Wie soll ich zu ihm gehen, da er bis jetzt keine Buße getan hat? – Als ich meine Welt tränkte, versetzte der Heilige, gebenedeit sei er! da war nur ein Mensch in der Welt und ich tränkte sie um seinetwegen, wie es heißt: Und ein Dunst stieg auf von der Erde(gen 2,6) Um wie viel mehr jetzt, gehe und zeige dich Ahab und ich gebe Regen.“ (Midrasch Tehillim zu Ps. 117,2) (F. Crüsemann / R. Micheel, Dunkles belichten, Ein Prophet geht seinen Weg: Elia, Texte zur Bibel 13, Neukirchen 1997, S. 31)Es kostet, so weiß die rabbinische Auslegung, Gott Mühe, Elia zu seinen Schritten zu bringen.

3 Und Ahab rief Obadja, seinen Hofmeister – Obadja aber fürchtete den HERRN sehr; 4 denn als Isebel die Propheten des HERRN ausrottete, nahm Obadja hundert Propheten und versteckte sie in Höhlen, hier fünfzig und da fünfzig, und versorgte sie mit Brot und Wasser –; 5 und Ahab sprach zu Obadja: Zieh durchs Land zu allen Wasserquellen und Bächen, ob wir Gras finden und die Rosse und Maultiere erhalten könnten, damit wir keines der Tiere töten müssen. 6 Und sie teilten sich ins Land, dass sie es durchzogen. Ahab zog allein auf dem einen Weg und Obadja auch allein auf dem andern Weg.

Ahab hat seinem Hofmeister Obadja den Auftrag gegeben: Mach deinen Job. Denn der „ist für die aus dem Besitz erfolgende Versorgung des Hofes zuständig. Er hat also unmittelbar und dienstlich mit den Folgen einer solchen Notzeit zu tun.“ (F. Crüsemann / R. Micheel, aaO. S. 32) Darum soll Obadja, nach letzten Quellen, letzten Bächen suchen, um zu retten, was noch zu retten ist. Tiere vor dem Verdursten. Man kann das durchaus kritisch lesen: „Der König sorgt sich nur um seine eigene, für seine Macht wichtigen Tiere.“ (E. Würthwein, Die Bücher der Könige, ATD, 11,2, Göttingen 1984, S. 221) Man wird aber auch nicht übersehen dürfen: Ahab macht sich in anderen Teilen des Landes selbst auf die Suche. Er bleibt nicht gemütlich im Regierungssitz zurück.

Dieser Hofmeister Obadja ist ein loyaler Beamter des Königs und gleichzeitig – heimlich – ein Anhänger Jahwes. Er ist konspirativ tätig. Darin, dass er Propheten des HERRN vor dem Zugriff der König Isebel in Sicherheit bringt. Er versteckt sie im Land, in dem es genug Höhlen gibt. Er sorgt dafür, dass sie versorgt sind – nicht jeder ist ein Elia, den Gott selbst durch Raben versorgt. Die Rolle der Raben übernimmt hier der Hofbeamte.

7 Als nun Obadja auf dem Wege war, siehe, da begegnete ihm Elia. Und als er ihn erkannte, fiel er auf sein Antlitz und sprach: Bist du es, Elia, mein Herr? 8 Er sprach: Ja! Geh hin und sage deinem Herrn: Siehe, Elia ist da!

Es kommt zur Begegnung – Obadja, der hochgestellte Beamte, der treue Diener Ahabs, und der Prophet. Sie erkennen einander und Elia erteilt dem Hofmeister den Auftrag zur Information an Ahab: Siehe, Elia ist da! Das kann Versprechen oder auch Drohung sein. Es zeigt sich in dieser Begegnung und diesem Auftrag auch etwas davon, dass Elia kein Mensch ist, der sich amtlichen Autoritäten zu unterwerfen geneigt ist. „Anklage gegen Anklage“ weiterlesen

Nicht klaglos schweigen

1. Könige 17, 17 – 24

17 Und nach diesen Geschichten wurde der Sohn dieser Frau, seiner Hauswirtin, krank, und seine Krankheit wurde so schwer, dass kein Odem mehr in ihm blieb.

Ausleger sagen von der nachfolgenden Episode, dass sie nichts mit der Erzählung über die Dürre zu tun hat. Es sind einige Ungereimtheiten, die es nahelegen, die Erzählung „ist eingeschoben und mit der beliebten Anschlussformel „und es geschah nach diesen Ereignissen“ lose mit der vorangegangenen Anekdote verbunden worden.“ (E. Würthwein, Die Bücher der Könige, ATD, 11,2, Göttingen 1984, S. 222) Es fällt auf – die arme Witwe ist hier eine Hauswirtin mit einem – wie sich zeigen wird – doch relativ großen Haus, mehrgeschossig. Aus der flüchtigen Aufnahme ist ein dauerhaftes Verweilen geworden. Fast möchte man sagen: Ein Mietverhältnis.

„Die kleine Familie ist gut versorgt.“ (F. Crüsemann / R. Micheel, Dunkles belichten, Ein Prophet geht seinen Weg: Elia, Texte zur Bibel 13, Neukirchen 1997, S. 25) Sie hat mehr als Wasser und Brot. Es gilt nicht mehr: zu wenig zum Leben, zu viel zum Sterben. Aber der Sohn wird krank, sein Zustand verschlechtert sich zusehends, er wird sterbenskrank und schließlich ist er tot. Oder muss man vorsichtiger lesen: kein Odem mehr in ihm – er fällt in eine todesähnliche Erstarrung, eine Art natürliches Koma.

18 Und sie sprach zu Elia: Was hab ich mit dir zu schaffen, du Mann Gottes? Du bist zu mir gekommen, dass meiner Sünde gedacht und mein Sohn getötet würde.

Die Frau hat eine eigentümliche Sicht auf den Mann Gottes. Vergessen, dass er ihr wundersam aus dem Verhungern geholfen hat. Jetzt ist er nur noch ein Todesbote. Er hat das Unheil ins Haus gebracht. Weil er da ist, achtet Gott auch auf die Umgebung dieses Mannes und so wird auch verborgene Schuld ins Licht Gottes gerückt.

Es ist ein Denken, das wir gerne für archaisch halten, das aber bis heute im Schwange ist: „Diese Frau sieht einen Zusammenhang zwischen Krankheit und Tod des Sohnes und ihrer Schuld und versteht den Tod als Strafe.“ (H. Schmid, Das erste Buch der Könige, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 2000, S. 470) Nichts anderes steht auch heute hinter der Frage: Warum ich? Womit habe ich das verdient? Womit habe ich das ausgelöst? „Nicht klaglos schweigen“ weiterlesen

Ohne Ansehen der Person

1. Könige 17, 7 – 16

7 Und es geschah nach einiger Zeit, dass der Bach vertrocknete; denn es war kein Regen im Lande.

Die Regenzeit ist vorbei. Es gibt keinen Regen und so trocknet der Bach Krit aus. Kein Wasser mehr heißt auch: Kein Leben mehr in dieser Einöde.

8 Da kam das Wort des HERRN zu ihm: 9 Mach dich auf und geh nach Sarepta, das zu Sidon gehört, und bleibe dort; denn ich habe dort einer Witwe geboten, dass sie dich versorge.

Es ergeht Wegweisung an Elia durch das Wort des HERRN. Er soll ins Ausland gehen. Ins Heidenland, nach Sarepta, einem Ort, der zu Sidon gehört. „Das ist nicht nur die Heimat der Isebel, es ist vor allem das Land des Baal“ (F. Crüsemann / R. Micheel, Dunkles belichten, Ein Prophet geht seinen Weg: Elia, Texte zur Bibel 13, Neukirchen 1997, S. 23) Für Jahwe, den Gott Israels gibt es keine territoriale Eingrenzung. Er kann führen, wohin er will. Und er führt vorsorglich. Dort habe ich einer Witwe geboten, dass sie dich versorge. Eine Heidin als Anlaufstelle für den Propheten, dessen Name sagt: Mein Gott ist Jahwe.

10 Und er machte sich auf und ging nach Sarepta. Und als er an das Tor der Stadt kam, siehe, da war eine Witwe, die las Holz auf. Und er rief ihr zu und sprach: Hole mir ein wenig Wasser im Gefäß, dass ich trinke! 11 Und als sie hinging zu holen, rief er ihr nach und sprach: Bringe mir auch einen Bissen Brot mit!

Eine Witwe, seine Anlaufstelle, ist mit Holzlesen beschäftigt. „Wieder einmal geschieht, was so typisch ist: Es sind die Ärmsten oder selbst Fremde, die als Erste Armen oder Fremden helfen.“ (F. Crüsemann / R. Micheel, aaO. S. 24) Wasser erbittet Elia und dann, wie in einem Nachtrag, auch noch einen Bissen Brot.

12 Sie sprach: So wahr der HERR, dein Gott, lebt: Ich habe nichts Gebackenes, nur eine Handvoll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug. Und siehe, ich habe ein Scheit Holz oder zwei aufgelesen und gehe heim und will’s mir und meinem Sohn zubereiten, dass wir essen – und sterben.

In der Antwort der Witwe wird offenkundig, an wen Elia geraten ist. An eine Frau, die nur noch den Tod vor Augen hat. Eine letzte Mahlzeit, mehr geht nicht mehr. Eine Handvoll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug – das ist alles, was sie noch hat. Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel? Es ist so, die Regensperre, die Elia ausgerufen hat, hat auch vor dem Land um Sidon nicht Halt gemacht. „Die Dürre hatte nicht nur in Israel, sondern auch im angrenzenden Ausland katastrophale Folgen, Gerade im Stammesgebiet Baals wuchs nichts mehr.“ (H. Schmid, Das erste Buch der Könige, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 2000, S. 467)Und es ist, wie es immer ist: Katastrophen treffen die Ärmsten zuerst und am härtesten. „Ohne Ansehen der Person“ weiterlesen