Mut für den langen Weg durch die Zeit

Kolosser 3, 1 – 4

1 Seid ihr nun mit Christus auferweckt, so sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. 2 Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist. 3 Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott. 4 Wenn aber Christus, euer Leben, offenbar wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in Herrlichkeit.

Jetzt also ist Paulus gefordert, selbst positiv zu sagen: Wie sieht denn das Christenleben in einer Praxis aus, die sich ganz an Christus und der Freiheit orientiert? Die aus dem Glauben ihre Kraft schöpft. Nicht mehr nur Abwehr des Irrtums, sondern Wegweisung ist gefragt. Was hier zu verhandeln ist, verbindet sich in der kirchlichen Tradition mit dem etwas altertümlichen Wort „Heiligung“. Leben, nicht mehr in den engen Grenzen der Spielregeln, die wir uns machen. Sondern Leben aus seiner Güte, seinem Geschenk, Seiner Gnade. So, dass es Jesus entspricht

             Wonach richte ich mein Leben aus? Es geht ja im Leben so, dass man sich von Station zu Station voran hangeln kann. Alles ist wichtig, alles Zählt auf dem Weg durch das Leben. Nur, ist, was heute zählt und meine Aufmerksamkeit in Beschlag nimmt, auch wirklich, was zählen müsste?

            Andersherum gefragt: Bestimmt, dass ich an die Ewigkeit als Ziel des Lebens glaube, wirklich mein Handeln in der Zeit? Unser Leben gleicht einem Weg, den wir durchlaufen. Nicht ohne Grund sprechen wir von unserem „Lebens-lauf“. Der Weg durch das Leben besteht aus verschiedenen Stationen, die wir meist nacheinander (manchmal auch gleichzeitig) durchschreiten. Die Stationen sind wie Etappen unsres Lebensweges. Um Teilziele auf dem Weg zu erreichen, investieren wir häufig viel Kraft und Zeit. Teilziel „Schule“, Teilziel „Beruf“. Teilziel „Partnerwahl“. Für viele über allem das Ziel „Gesundheit“: Irgendwann, wenn die ersten Zipperlein kommen, tritt es unnachgiebig in den Vordergrund. Vorher hat man dem Körper das Letzte abverlangt, jetzt bangt man um ihn. Es soll Leute geben, die rennen bis 50 hinterm Geld und ab 50 mit dem Geld hinter dem Arzt her. „Mut für den langen Weg durch die Zeit“ weiterlesen

Wahrheit, die trägt

Kolosser 1, 1 – 8

Paulus, Apostel Christi Jesu durch den Willen Gottes, und Timotheus, der Bruder, an die Heiligen in Kolossä, die Brüder und Schwestern, die an Christus glauben: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater!

Der Brief fängt an, wie Briefe damals anfangen müssen. Die Form diktiert es so: Der Schreiber, Paulus, Apostel Christi Jesu durch den Willen Gottes, stellt sich vor. Damit ist schon fast alles gesagt. Weniger über die Identität als über die Autorität des Schreibers. Hier nimmt einer das Wort, der von Christus Jesus gesandt ist, beauftragt. „In dem hebräischen Wort, dessen griechische Wiedergabe „Apostel“ ist, liegt vor allem der Gedanke der übertragenen Vollmacht. Nicht das Denken und Reden, sondern das vollmächtige Handeln steht im Mittelpunkt des Wortes.“ (W.de Boor, Der Brief des Paulus an die Kolosser, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 1976, S. 159)

Paulus schreibt seinen Brief nicht allein, nicht im Alleingang. Da ist ein Ko-Autor, Timotheus, der Bruder, von dem manche Exegeten denken, dass er der Schreiber sein könnte, selbstständig, aber doch im Namen und Auftrag des Apostels. „Als Bruder“ ist er den Empfängern gleichgestellt.“(E. Schweizer, Der Brief an die Kolosser, EKK, Neukirchen 1976, S. 32) Viele, wenn nicht die meisten Exegeten halten den Schreiber des Kolosserbriefs für einen Paulus-Schüler, einen Christen der zweiten Generation. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Es erscheint mir ein bisschen fragwürdig. Es macht hier und da einen Unterschied. Aber es ändert ja nichts an der Autorität der Worte. „Wahrheit, die trägt“ weiterlesen