Gib uns ein festes Herz

Sprüche 24, 10 – 20

 10 Der ist nicht stark, der in der Not nicht fest ist.

             Einmal mehr gibt es verwirrende Übersetzungs-Varianten: „Zeigst du dich schlaff am Tag der Bedrängnis, so ist deine Kraft beschränkt.“(Schlachter) –     „Zeigst du dich lässig am Tag der Bedrängnis, so wird auch deine Kraft bedrängt.“(Einheitsübersetzung) – „Du magst dich für stark halten – ob du es bist, zeigt sich erst in der Not“(Gute Nachricht) Einig sind sich alle darin, dass es in Zeiten der Not herauskommen wird, wie es um die Standfestigkeit eines Menschen bestellt ist. In guten Zeiten stark sein ist keine Kunst. In schweren Zeiten nicht aufgeben – das ist gefragt.

Darum fordert der unbekannte Schreiber Jahrhunderte später von der jungen christlichen Gemeinde: Macht also die erschlafften Hände wieder stark, die zitternden Knie wieder fest!“(Hebräer 12,12) Der gleiche Schreiber weiß auch, wie es zu solcher Festigkeit kommt: „Es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade.“(Hebräer 12,9) So zu denken würd dem Spruchdichter gefallen.

 11 Errette, die man zum Tode schleppt, und entzieh dich nicht denen, die zur Schlachtbank wanken. 12 Sprichst du: »Siehe, wir haben’s nicht gewusst!«, fürwahr, der die Herzen prüft, merkt es, und der auf deine Seele achthat, weiß es und vergilt dem Menschen nach seinem Tun.

Misch dich ein. Es ist eine ungewöhnliche Aufforderung. Nur wenig später wird es in der gleichen Spruchsammlung heißen: „Wer vorübergeht und sich mengt in fremden Streit, der ist wie einer, der den Hund bei den Ohren zwackt.“(26,17) Hier dagegen ganz im Gegenteil: nicht wegsehen! Sich nicht heraushalten. Die Sprüche sind kein Rezeptbuch. Sie sind Worte, die uns nicht ersparen, unsere Situation richtig und vernünftig einzuschätzen. Es geht in ihnen um Situations-Ethik. Nicht um Worte, die immer und überall und unabänderlich immer das gleiche Verhalten fordern. „Gib uns ein festes Herz“ weiterlesen

König Alkohol?

Sprüche 23, 29 – 35

29 Wer hat Weh? Wer hat Leid? Wer hat Zank? Wer hat Klagen? Wer hat Wunden ohne Grund? Wer hat trübe Augen?

            Eine Frage folgt der anderen. Sechsmal wird so gefragt – fast als würde das ganze Leben abgeschritten. Vor dem inneren Auge der Lesenden entsteht das Bild einer Jammergestalt. Da ist einer, der fix und fertig ist. Nicht mehr kann, nicht mehr will. Der sich selbst nicht mehr kennt und nicht mehr helfen kann. „Man könnte diesen Spruch als Auffächerung des unordentlichen Wesens verwenden.“(W. Dietrich, Das Buch der Sprüche, Wuppertaler Studienbibel AT, Wuppertal 1985, S. 230) Zank, Klagen, Wunden, trübe Augen – das alles signalisiert eine trübsinnige Existenz. Er/sie stiert nur noch so vor sich hin.  

30 Die bis in die Nacht beim Wein sitzen und kommen, gemischten Wein zu kosten. 31 Sieh den Wein nicht an, wie er so rot ist und im Glase so schön steht: Er geht glatt ein, 32 aber danach beißt er wie eine Schlange und sticht wie eine Otter.

            Rückblende: Der so dasitzt, der hat ja anders angefangen. Er ist verlockt worden. Vom Wein, der so gut aussieht. Von der Atmosphäre, in der man so schön beieinander ist. „Dort wo man singt, das lass dich ruhig nieder“ – Wein, Weib und Gesang. Es ist das Versprechen unbeschwerter Geselligkeit. Auch von Vergessen der Alltagssorgen. Es gibt diese seltsame Leichtigkeit des Seins, wenn man seine Sorgen in einem Glas Wein ertränkt hat – wobei jeder weiß: ein Glas wird nicht genügen.

            Nur: Was sich als Entlastung angeboten hat, entpuppt sich als Gefährdung. „Der schöne rote Wein verwandelt sich im Körper in (Nerven-)Gift. Wie die Begegnung mit einer Schlange, gar der Biss einer Giftschlange einem Spaziergang ein furchtbares Ende bereitet, so gefährlich, ja tödlich sind die Folgen des Weins.“(W. Dietrich, aaO. S. 231)Wer einmal am Bett eines im Alkohol Abgestürzten gestanden hat, weiß, das hier nichts übertrieben ist.  

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Hinhören – Hinschauen

Sprüche 21, 13 – 31

13 Wer seine Ohren verstopft vor dem Schreien des Armen, der wird einst auch rufen und nicht erhört werden.

            Im Mittelmeer ertrinken Menschen. In Europa geht alles seinen Gang. Geht es uns nichts an, was vor unserer Haustür geschieht.  „Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“(M. Niemöller, Ostern 1976) Das Weghören und Schweigen fällt auf die zurück, die sich dem Schreien verweigern.

            Es ist die Mahnung, die  auch in den Sprüchen steht, die hier das andere Verhalten einfordert: „Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind. Tu deinen Mund auf und richte in Gerechtigkeit und schaffe Recht dem Elenden und Armen.“(31, 8-9) Man wird sich hüten müssen, die Herausforderung in diesen Worten zurück zu weisen mit dem Fragen: wer sind denn die, die nicht selbst für sich reden können? Wer sind denn die, deren Schreie wir hören sollten? Es gibt das Schreien in der Nähe, vor der eigenen Haustür und das Schreien in der Ferne – und beides kommt an unser Ohr. Die Frage ist: wozu bewegt es uns?

14 Eine heimliche Gabe stillt den Zorn und ein Geschenk im Verborgenen den heftigen Grimm. 15 Dem Gerechten ist es eine Freude, zu tun, was recht ist, aber den Übeltätern ist es ein Schrecken. 16 Ein Mensch, der vom Wege der Klugheit abirrt, wird weilen in der Schar der Toten. 17 Wer gern in Freuden lebt, wird Mangel haben; und wer Wein und Salböl liebt, wird nicht reich. 18 Der Frevler wird als Lösegeld gegeben für den Gerechten und der Verächter für die Frommen.

            Es braucht nicht den großen Auftritt. Es braucht nicht die große Öffentlichkeit. Gutes tun kann man auch im Verborgen, ohne Pressemitteilung. Wieder hat Jesus genau gelesen und ausgelegt: „Wenn du aber Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut,“ (Matthäus 6,3) Es hat seinen Wert in sich, anderen zu helfen. Auch dann, wenn es öffentlich unbemerkt bleibt. Was es dafür braucht, ist die Fähigkeit, wegzublicken von sich selbst, einen weiteren Horizont als das eigene Wohlergehen zu haben.

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Jesu Lehrbuch?

Sprüche 20, 19 – 24

19 Wer Geheimnisse verrät, ist ein Verleumder, und mit dem, der den Mund nicht halten kann, lass dich nicht ein.

            Es sind Meldungen, die (für mich) verstörend sind, irritierend, ärgerlich: Da zitiert der Nachrichtensprecher in der öffentlich-rechtlichen Medienanstalt wieder und wieder aus Papieren, die „streng vertraulich“, gar „geheim“ sind. Und es scheint, als wäre das normal. Als müsste man geradezu froh sein, dass wieder einmal ein „Geheimnisträger das Wasser nicht halten konnte“. Ist es nicht ein Rechtsbruch, aus solchen Papieren Meldungen zu kreieren? Ist es nicht Rechtbruch, Geheimnis-Verrat, ein Straftatbestand, solche Papiere weiter zu geben? Der Spruchdichter nennt die Geheimnisverräter Verleumder. Er warnt ausdrücklich davor, sich mit solchen Leuten einzulassen, den Mund nichthalten können.

            Es ist ein schmaler Grat, der hier ins Blickfeld rückt. Es gibt ja auch die Leute, die geheime Machenschaften aufdecken – oft unter Gefahr für die  eigene Freiheit, die eigene Reputation, oder gar das eigene Leben. Whistleblower. Ohne solche Leute wäre der Skandal um die Gefängnisse in Abu Greiph nie herausgekommen. Ohne solche Leute wäre so manche Steuerhinterziehung in Millionenhöhe nie aufgeflogen. Inzwischen gibt es so etwas wie einen minimalen Rechtsschutz für diese Art von Geheimnis-Verrat. Es bleibt Abwägungssache, wie der einzelne Fall zu sehen ist.  Aber es hat oftmals einen faden Beigeschmack, weil durch solche öffentliche Transparenz auf der einen Seite Vertrauen zwar hergestellt wird, aber gleichzeitig Vertrauen zerstört wird.

20 Wer seinem Vater und seiner Mutter flucht, dessen Leuchte wird verlöschen in der Finsternis. 21 Das Erbe, nach dem man zuerst sehr eilt, wird zuletzt nicht gesegnet sein.

            Es ist ein Dauerthema in Israel: wie geht man richtig mit Vater und Mutter um? Die Frage stellt sich nicht so sehr für die Heranwachsenden, die 13 -17-jährigen. Sie haben schlicht zu gehorchen Sie stellt sich vor allem für die erwachsenen Kinder. Was heißt es für sie:  „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der HERR, dein Gott, geben wird.“(2. Mose 20,12) Die Verheißung, die mit diesem Gebot verbunden ist, wird hinfällig für den, der seinen Eltern flucht. Er verkürzt, so muss man wohl verstehen, damit die eigene Lebenszeit und verfällt der Finsternis. Einmal mehr: die böse Tat fällt auf den Täter zurück. 

            Ich übertrage ein wenig salopp: Wer es nicht abwarten kann mit dem Erben, der wird darüber nicht glücklich werden. Weil die Eltern ihm den Gefallen eines „sozialverträglichen Frühablebens“ nicht tun? Weil er das innere Bild des gierigen Erben nie mehr loswerden wird?

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Was prägt mich?

Sprüche 19, 16 – 23

16 Wer das Gebot bewahrt, der bewahrt sein Leben; wer aber auf seinen Weg nicht achtet, wird sterben. 17 Wer sich des Armen erbarmt, der leiht dem HERRN, und der wird ihm vergelten, was er Gutes getan hat.

            Immer wieder die gleiche Frage: was verbindet den ersten Spruch – stichos – mit dem zweiten? Oder stehen sie einfach zufällig hintereinander, wie der Schreiber sich von Einfall zu Einfall gehangelt hat? so zu denken ist möglich, leuchtet mir aber dennoch nicht immer ein . Hier auch nicht.

            In beiden Sprüchen geht es um die Bewahrung des Lebens – einmal des eigenen Lebens und zum zweiten des Lebens des Armen.  Um das eigene Leben zu bewahren gilt es, sich am Gebot zu orientieren. Das Gebot, Gottes tora ist gute Wegweisung für den Weg des Lebens. wer sich an dieses Gebot hält, wird vor Irrwegen bewahrt, braucht sich nicht davor zu fürchten, dass er auf schlüpfrigen Boden gerät. vielleicht darf man sagen: Die Gebote sind für das soziale Miteinander was die Naturgesetze für das Umgehen mit den Lebensgegebenheiten sind.  Richtschnur und Grenze in einem.

            So passt dann auch der zweite Satz. Wer sich des Armen erbarmt, der leiht dem HERRN. Es ist wohl nicht auszuschließen, dass dieser Satz der gedanklich Hintergrund für das Gleichnis Jesu ist:  „Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben? Oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen? Oder nackt und haben dich gekleidet? Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“(Matthäus 25, 34-40) Die Hinwendung zum Armen entspricht der Wegweisung Gottes. Wer einem Armen Gutes tut, der erweist sich Gott gegenüber als freundlich. Wenn man so will: Diakonie ist Gottesdienst. Handfest und praktisch.

18 Züchtige deinen Sohn, solange Hoffnung da ist, aber lass dich nicht hinreißen, ihn zu töten. 19 Großer Grimm muss Strafe leiden; denn willst du ihm steuern, so wird er noch größer.

            Auch hier wieder ist ein innerer Zusammenhang möglich. Pädagogik – Erziehung muss sich hüten vor dem Zorn, der Wut. Sie sind nur Zeichen der Resignation und der Hoffnungslosigkeit. Hinweis darauf, dass eine*r daran zweifelt, dass es noch Sinn macht, sich mit den Sprösslingen abzumühen. Man darf die richtige Zeit auch in der Erziehung nicht verpassen: „Denn es gibt ein „zu spät“, einen Zeitpunkt, von dem an er seinen Weg allein gehen muss. Dann kommt die Zeit der Bewährung für alle Erziehungsarbeit.“ (W. Dietrich, Das Buch der Sprüche, Wuppertaler Studienbibel AT, Wuppertal 1985, S. 181) Das gilt, ob junger Mann, Jüngling oder Fräulein, junges Mädchen.

            Problematisch ist der Unterton: Was, wenn es nichts wird? Wenn der Sohn, die Tochter nicht „geraten“ sind? Es gibt diese quälende Frage: Was haben wir falsch gemacht, dass der Weg unseres Kindes, ob Sohn oder Tochter, so aus den Fugen gerät? Ein erfahrener Seelsorger hat es mich gelehrt: das ist die falsche Frage. Unfruchtbar, weil sie nichts mehr ändern kann. Was war, war. Die richtige Frage heißt: Wie können wir heute helfen, auf neue Wege zu finden – im Respekt davor, dass wir es mit jungen Erwachsenen zu tun haben.

            Es wird wohl so sein – die meisten Eltern kennen diesen Augenblick völliger Ratlosigkeit: Alles probiert in Liebe, Güte, auch mit Strenge und nichts verfängt. Heutzutage verzichtet man dann aufs Töten. Aber so mancher Junge, manches Mädchen erlebt sich abgeschrieben und aufgegeben. Von Eltern und Lehrern, von der Gesellschaft. Das kann schlimmer sein als der brutale Totschlag, weil es „lebenslänglich“ ist.   

            Der Spruch will bewahren vor einem Grimm, der alle Schranken einreißt, vor Züchtigung, die das Maß verliert. „Nie darf sie Selbstzweck werden, unkontrollierter Ausbruch des Jähzornes oder sogar der Rache. (W. Dietrich, ebda.) Es gibt Grimm, Wut, Zorn, der sich gegen den richtet, der ihm unterliegt. Der sich wie ein Krebsgeschwür, wie Gift in die Seel frisst und alle Möglichkeiten eines neuen Anfangs vernichtet. Dem gilt es entschlossen entgegen zu treten, weil die Chance, solche Grimm zu steuern gleich Null ist.   

20 Höre auf Rat und nimm Zucht an, dass du hernach weise seist. 21 In eines Mannes Herzen sind viele Pläne; aber zustande kommt der Ratschluss des HERRN.

            Leben im Alleingang, Leben, das auf alle anderen verzichten kann – das ist nicht die Vorstellung der Sprüche. Sie sehen den Menschen als einen der auf Rat angewiesen ist und der durch den Rat anderer Gewinn hat. Wer sich raten lässt, kann irgendwann selbst seine Pläne kritisch sichten lernen. Er wird mit der Vielzahl der Wünsche im Herzen umgehen lernen – entweder so, dass er Prioritäten findet oder so, dass er danach fragen lernt, wie Gott seine Wünsche und Hoffnungen ansieht. „Nicht alle unser Wünsche, aber alle seine Verheißungen erfüllt Gott.“(D. BonhoefferWiderstand und Ergebung, DBW Band 8, Seite 569)

22 Der Mensch wünscht sich Güte, und ein Armer ist besser als ein Lügner.

            Manchmal verwirren Übersetzungen mehr als sie klären: „Gewinn für den Menschen ist seine Mildtätigkeit, und besser ein armer als ein verlogener Mann.“(Elberfelder) –  „Die Bereitwilligkeit eines Menschen ist für seine Liebesbetätigung bestimmend, und besser ist ein Armer als ein Lügner.“(Menge) – „Die Zierde des Menschen ist seine Güte, und ein Armer ist besser als ein Mann, der betrügt.“(Schlachter 2000) – „Für andere da zu sein, zeichnet einen Menschen aus. Es ist besser, arm zu sein als unehrlich.“(Neues Leben) Was den zweiten Satzteil angeht, sind sich alle einig: besser arm als unehrlich. O dieser Satz mehrheitsfähig ist in einer Gesellschaft wieder unseren? Theoretisch gewiss, aber auch praktisch?

            Umstritten ist  der erste Teil: Läuft es auf ein Lob des „Gutmenschen“ hinaus? Dann wäre, was heute wie ein Schimpfwort wirkt, doch in Wahrheit eine Zierde? Stimmt es: „Der Wert eines Menschen ist so groß wie seine Liebe.“(W. Dietrich, aaO. S. 183) Ich für mein Teil plädiere für einen anderen Satz. Der Wert eines Menschen ist so groß wie die Liebe, die ihm zuteil wird – und Gott geht in seiner Liebe bis zum Äußersten – für jeden von uns!

            Gleichwohl. Ein guter Mensch zu sein ist ein lohnendes Ziel. Und das zeigt sich darin, dass es anderen gut geht, wenn sie mit so einem Menschen zu tun bekommen. Gute Menschen tun nicht nur Gutes, sie tun einfach auch gut. Dadurch, dass sie da sind.    

23 Die Furcht des HERRN führt zum Leben; man wird satt werden und sicher schlafen, von keinem Übel heimgesucht.

            Unermüdlich wiederholt und variiert der Spruchdichter seinen Schlüsselsatz: Die Furcht des HERRN führt zum Leben. Sie macht verständig, sie macht weise, sie hilft, die richtigen Wege zu gehen. Ganz handfest: Sie hilft auch zu ruhigem Schlaf.

„Muss nur noch kurz die Welt retten
Danach flieg’ ich zu dir
Noch 148 Mails checken
Wer weiß was mir dann noch passiert, denn es passiert so viel
Muss nur noch kurz die Welt retten
Und gleich danach bin ich wieder bei dir.“

                                   T. Benzko, CD Wenn Worte meine Sprache wären, 2012

            Wer unter dieser Devise unterwegs ist, der wird es schwer haben mit ruhigem Schlaf. Darf man so weit gehen, darüber nachzudenken, ob Schlafstörung Hinweis darauf sein können, dass es mit unserer Gottesfurcht und unserem Gottvertrauen nicht so weit her ist. Dass wir manchmal vergessen, dass wir nicht Gott sind und die Welt am Laufen halten müssen. Dass wir ruhig schlafen gehen dürfen – die Welt wird sich weiter drehen.  Genau so denkt der Psalmbeter:  

„Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, HERR, hilfst mir, dass ich sicher wohne.“             Psalm 4,9

Mein Gott, was für ein Mensch möchte ich sein? Ich bin so oft hin und her gerissen. Gut möchte ich sein, liebevoll, aber auch nicht so sanft, dass man mich nicht ernst nimmt. Ein Wegweiser möchte ich sein und helfen, dass andere ihre Leben ordnen können. Zu richtigen Schritten, zu mutigen Entscheidungen, zu geduldigem Durchhalten möchte ich helfen. Nicht durch Befehlen, nicht durch Fordern, durch Vorleben.

Aber wie oft spüre ich, dass es nicht so weit her ist bei mit selbst mit den richtigen Schritten, den mutigen Entscheidungen, dem geduldigen Durchhalten. An wie vielen Stellen bin ich gescheitert, an den Umständen, mehr noch – an mir selbst.

Es ist gut, sich zu erinnern: Du hältst an uns fest. Du lässt uns nicht fallen. Du fängst jeden Morgen neu mit uns an, hoffnungsvoll und in großer Geduld. Deine Gnade veraltet nicht.

Das darf ich sein – ein Mensch, den Deine Gnade trägt. Dafür danke ich Dir. Darüber lobe ich Dich. Amen