Heile dieses Land

Klagelieder 5, 1 – 22

1 Gedenke, HERR, wie es uns geht; schau und sieh an unsre Schmach!

   In der Vulgata wird dieser Text „Gebet des Jeremia“ genannt. Aber das uns mag ein Hinweis sein. Nach der Stimme eines Einzelnen haben wir jetzt wieder die Klage des Volkes vor Augen. Und wieder das Rufen: Gedenke doch. Schau und sieh. Es ist die Hoffnung Israels, die Hoffnung auch der Einzelnen: Wenn Gott unser gedenkt, unsere Not sieht, dann wird das der Anfang seiner Hilfe sein. Darum macht es auch Sinn, nach ihm zu rufen, zu ihm zu beten. Ihm zu sagen, wie es um das Volk steht.

  2 Unser Erbe ist den Fremden zuteil geworden und unsre Häuser den Ausländern. 3 Wir sind Waisen und haben keinen Vater; unsre Mütter sind wie Witwen. 4 Unser Wasser müssen wir um Geld trinken; unser eigenes Holz müssen wir bezahlen. 5 Mit dem Joch auf unserm Hals treibt man uns, und wenn wir auch müde sind, lässt man uns doch keine Ruhe. 6 Wir mussten Ägypten und Assur die Hand hinhalten, um uns an Brot zu sättigen. 

             Der Beter sieht um sich, aber was er sieht, schmerzt die Augen und schlimmer noch die Seele. Wie Tiere unter dem Joch sind die Freie Israels. Es ist ein hilfloses Klagen, aus dem zwischenzeitlich trostloses Frage wird. Mit jedem Wort, so kann man fühlen, steigt der Schmerz.

            Das Land, Gottes gelobtes Land, das Land der Verheißung – jetzt ist es in der Hand von Fremden, Ausländern. Es ist, als würde die große Gabe Gottes an Israel hinfällig. „Das Land war der Inbegriff des göttlichen Lebensraumes, der Schutz und Geborgenheit, Ruhm und Lebensfülle bot. Die ganze Heilserwartung hatte sich über Jahrhunderte damit verbunden.“ (C-D. Stoll, aaO. S.139)

             Neben den Landverlust tritt die Mühsal des Lebens. Die eigenen Häuser sind zerstört oder enteignet. Menschen sind wie Waisen ohne Vater, wie Witwen ohne Mann. Rechtlos. Preisgegeben. Wasserrecht und Holzrecht sind dahin. Für die elementarsten Lebensmittel müssen sie schwer bezahlen. Sklavenarbeit verrichten. Unter dem Joch gehen wie das Vieh. In dem Land, das einmal die Verheißung der Ruhe Gottes getragen hatte, gibt es keine Ruhe. Sie werden gnadenlos getrieben. „Heile dieses Land“ weiterlesen

Meine Pfingstpredigt

Liebe Schwester und Brüder

Kennen Sie von BAP: „Verdammt lang her!“ So wird es dem einen oder der anderen ergangen sein. Der letzte Gottesdienst hier in der Kirche – vor Monaten. So lange her, dass man fast sagen möchte: Vor uralten Zeiten.  Verzicht auf den Gottesdienst aus Angst vor Corona, vor Ansteckungsgefahr. Zu Recht.

Das trifft genau die Situation der Leute, von denen unser Predigt-Text erzählt. Sie waren abgetaucht, aus der Öffentlichkeit verschwunden. Aus Angst – nicht vor Corona, aber vor Ansteckungsgefahr. Was, wenn die Kreuzigung Jesu nur ein Anfang war und jetzt die geistlichen und Weltlichen Machthaber sich daran machen, diesen Spuk endgültig zu beseitigen. Das Feuer auszulöschen, damit es nicht zum Flächenbrand wird. Damit die Saat, die dieser merkwürdige Wanderprediger Jesus in Galiläa und Jerusalem ausgesät hatte, nicht plötzlich doch fruchtet.  Der eine oder die andere in der Jüngerschar mag gedacht, vielleicht sogar gesagt haben: Ostern hin oder her – es ist besser, jetzt nicht auffällig zu werden. Stillhalten ist angesagt.

Und dann kommt der Tag der Pfingsten. Für Juden ein wichtiger Tag mit einer klaren Botschaft: Dankbarkeit für das Gesetz. Pfingsten – jüdisch gefeiert: wir haben eine Wegweisung, auf die wir uns verlassen können – das Gebot vom Sinai. Gott meint es gut mit uns, darum hat er uns die Gebote gegeben: Du sollst… Du sollst nicht…. Keine Überraschungen. Klare Regeln. Nicht: Jeder wie er will – mit Maske, ohne Maske, mit Abstand, ohne Abstand. Damit wir miteinander leben können, braucht es klare Regeln. Verkehrsregeln, Hygiene-Regeln, Anstands-Regeln. Damals in Jerusalem – da war das auch klar: An Pfingsten feiern wir das Gesetz. Die Wohltat des Gebotes Gott hat geredet – und wir wissen, was er von uns will.    „Meine Pfingstpredigt“ weiterlesen

Nicht voreilig!

Matthäus 13, 24 – 30. 36 – 43

 24 Er legte ihnen ein anderes Gleichnis vor und sprach:

Ich gerate ins Stolpern: Er legt ihnen vor statt des sonst so schlichten: „er sagte ihnen“ oder „er redet zu ihnen.“ Es ist fast, als würde er mit dem, was folgt, herausfordern wollen: Werdet euch klar, wo ihr steht, was ihr wollt. Ein früher Vorläufer: Mose kam und berief die Ältesten des Volks und legte ihnen alle diese Worte vor, die ihm der HERR geboten hatte. Und alles Volk antwortete einmütig und sprach: Alles, was der HERR geredet hat, wollen wir tun. Und Mose sagte die Worte des Volks dem HERRN wieder.“(2. Mose 19,7-8) Es geht um Entscheidungen. Darum, sich selbst zu positionieren. Zuzustimmen.

 Das Himmelreich gleicht einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte. 25 Als aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut zwischen den Weizen und ging davon.

Eine Alltags-Geschichte erzählt Jesus. Aber sie ist durchsichtig auf das Himmelreich. So geht es zu mit der Gottes-Herrschaft. Himmelreich, βασιλεα τν ορανν ist nur eine Umschreibung für die „Gottesherrschaft“, geboren aus der Scheu im Judentum, den Namen Gottes auszusprechen und im Aussprechen zu missbrauchen. Himmel steht für Gott. Mit dem „Wohnort“ Gottes ist Gott selbst im Spiel.

Ein Bauer sät – natürlich guten Samen. Kein Bauer kommt auf die hirnrissige Idee, schlechten Samen auszubringen auf seine Felder. Aber, auch das ist Alltagserfahrung der Zuhörer Jesu: es gibt Feinde und Feindseligkeiten. So kommt hier zu nachtschlafender Zeit, wenn ordentliche Leute von der Mühe der Arbeit ruhen, sein Feind – und sät Unkraut. ζιζνια. Taumellolch. Ein Gewächs, das aussieht wie Weizen, aber giftig ist. Ein Unkraut eben.

 26 Als nun die Saat wuchs und Frucht brachte, da fand sich auch das Unkraut. 27 Da traten die Knechte zu dem Hausvater und sprachen: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut? 28 Er sprach zu ihnen: Das hat ein Feind getan.

            Am Anfang sieht man den Unterschied nicht. Aber wenn die Frucht entsteht, wird sichtbar, was ist. Und verlangt nach Erklärung. Darum fragen die Knechte den Hausherrn (im Griechischen οκοδεσπτος, den Oiko-Despoten!) nach dem Unerklärlichen: wie kann aus gutem Samen Unkraut werden? Im Hintergrund mögen frühere Worte Jesu mitschwingen: „Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen.“(7,18)Muss dann nicht auch guter Same wie von selbst gute Früchte bringen?

Woher kommt dann das Unkraut? Der Hausherr weiß eine Antwort: Das hat ein Feind getan. Das klingt noch reichlich unbestimmt. Aber auch klar genug: es ist kein Zufall und kein Missgeschick. Und: es liegt nicht am Samen und seiner Qualität.

Da sprachen die Knechte: Willst du denn, dass wir hingehen und es ausjäten? 29 Er sprach: Nein! Damit ihr nicht zugleich den Weizen mit ausrauft, wenn ihr das Unkraut ausjätet. 30 Lasst beides miteinander wachsen bis zur Ernte; und um die Erntezeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, damit man es verbrenne; aber den Weizen sammelt mir in meine Scheune.

             Nachdem die Frage zur Ursache so in der Schwebe bleibt, wendet sich die nächste Frage der Gegenwart  zu: Wie sollen wir damit umgehen? Was sollen wir gegen das Unkraut tun? Ausreißen? Den Acker vom Unkraut säubern?

Es wird wohl so sein, dass das Gleichnis auf Fragen ausgelegt ist, die bis heute Menschen umtreiben: „Warum gibt es so viel Leid, so viel Unrecht  und Böses in der Welt, wenn doch das Reich Gottes ganz nahe ist? Und warum greift Gott oder sein Beauftragter, der Messias, nicht durch und trennt die Spreu vom Weizen, wie dies Johannes der Täufer angekündigt hat. Muss das, was Verderben bringt und das Leben zu vergiften droht, nicht möglichst bald ausgemerzt werden?“(W. Klaiber, aaO.  S.273)

Eine andere Verstehensmöglichkeit: Es gibt gewiss auch in den Gemeinden, an die das Matthäus-Evangelium gerichtet ist, Unterschiede in der Frömmigkeit. Theologische Debatten, ethische Streitfragen. Und das hat es so an sich, dass aus dieser Ungleichheit im Denken und Glauben Fragen entstehen: Wie kommt es zu so unterschiedlichen Antworten auf das Evangelium? Zu Antworten, die die einen als die einzig richtige Antwort sehen und andere als hochproblematisch. die einen als Frucht und die anderen als Unkraut. Muss man da nicht aufräumen, säubern, auf Reihe und auf Linie bringen?

             Der Hausherr fällt seinen tatkräftigen Knechten in den Arm. Nicht ihr. Nicht jetzt. Wenn ihr die große Säuberung anfangt, wird es nicht bei ausgerissenem Unkraut bleiben. Der gute Samen, der Weizen wird ja auf jeden Fall wachsen. Was macht es da, dass das Unkraut auch noch seine Zeit zu wachsen hat? „Doch ist das Nebeneinander kein endgültiges Stadium.“(E. Schweizer , aaO.  S.198 )

             Alles hat seine Zeit. „pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit.“(Prediger 3,2)Wenn die Zeit der Ernte da ist, dann wird unterschieden werden. Erst das Unkraut, dann den Weizen. Das Unkraut für das Feuer, den Weizen für die Scheuer. Es fällt auf: die Knechte, die die Aussaat gemacht haben, werden die Ernte nicht einbringen. Die Schnitter werden sammeln. Nur Arbeitsteilung? Oder doch schon in der Erzählung der Hinweis: Es ist nicht eure Aufgabe, die Aufgabe der Knechte, die große Scheidung durchzuführen.

Hier nur so viel: wie viel Blutvergießen wäre im Lauf der Kirchengeschichte unterblieben, wenn man sich immer an diese Trennung gehalten hätte: Ihr seid Knechte zur Aussaat, aber nicht die Schnitter Gottes. Ihr seid nicht die, die scheiden müssen, sammeln für das Feuer.

„Das Nebeneinander von Unkraut und Weizen steht in jüdischen Gleichnissen nicht selten für die Völker und Israel… Stimmig ist in diesem Kontext auch, dass die Lolchhalme zuerst eingesammelt und verbrannt werden, denn nach jüdischer Erwartung werden in den Enddrangsalen oder im Vernichtungsgericht die Bösen vernichtet und die Gerechten bewahrt.“(U. Luz, aaO.  S.325) Die gleiche Abfolge spiegelt sich auch in der Offenbarung, in der erst das Gericht und dann die Heilszeit in der himmlischen Stadt in den Blick genommen werden.

36 Da ließ Jesus das Volk gehen und kam heim.

             Jesus entlässt die Leute und kehrt in das Haus zurück. Ob es sein Haus ist, wie die Übersetzung heim signalisiert, geht aus dem Text nicht hervor. Mir ist das eher fraglich. Deshalb weiß das er kam heim in der Luther-Übersetzung mehr als der Text hergibt. Nur so viel ist klar: Die Zeit der öffentlichen Rede ist jetzt erst einmal vorüber.

 Und seine Jünger traten zu ihm und sprachen: Deute uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker.

             Seine Jünger aber wollen Aufschluss. Eine Deutung des Gleichnisses. Offensichtlich steht dahinter ihr Eindruck: Wir verstehen alles, was du sagst, aber nicht so ganz. Und: das Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld hatte er, Jesus, doch auch gedeutet. Also liegt es nahe, ihn auch jetzt wieder zu fragen. „Jüngerschaft bedeutet fortgesetzte „Schule“ bei Jesus – Unterricht und Lebensschule.“(U. Luz, aaO.  S.339) Lebenslanges Lernen an Wort und Tat.

 37 Er antwortete und sprach zu ihnen: Der Menschensohn ist’s, der den guten Samen sät. 38 Der Acker ist die Welt. Der gute Same sind die Kinder des Reichs. Das Unkraut sind die Kinder des Bösen. 39 Der Feind, der es sät, ist der Teufel. Die Ernte ist das Ende der Welt. Die Schnitter sind die Engel.

             Knapper geht es kaum. „Dass der Sämann Jesus ist, der Feind der Teufel, ist fast selbstverständlich.“(E. Schweizer , aaO.  S.201) Jedenfalls naheliegend. Auffallend ist allenfalls, dass der gute Same nicht das Wort ist. Die Gleichsetzung mit den Kindern des Reiches überrascht. Aber sie drückt eine große Wertschätzung aus – so wie sie auch in der Bergpredigt schon angeklungen ist: „Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt.“(5,13.14)Es ist nicht die Sache des Matthäus-Evangeliums, die Christen klein zu machen. Es will sie vielmehr stark reden. Ihr seid Gottes guter Same für die Welt.

Auch das Andere ist wichtig: Die Schnitter sind die Engel. Es ist nicht der Auftrag des Samens, der Kinder des Reiches, die Trennung zu vollziehen. Es ist gut, sich daran zu erinnern: es gibt im Reich der Himmel Aufträge, für die wir Menschen nicht zuständig sind. Weil sie uns überfordern oder vielleicht auch, weil sie uns gefährden. Es ist ja gefährlich, zu unterscheiden: gut oder böse, gerecht oder ungerecht, weil darin die Selbstüberhebung stecken kann. Eine Gefährdung von Anfang an. „Ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.“(1. Mose 3,5)      

40 Wie man nun das Unkraut ausjätet und mit Feuer verbrennt, so wird’s auch am Ende der Welt gehen. 41 Der Menschensohn wird seine Engel senden, und sie werden sammeln aus seinem Reich alles, was zum Abfall verführt, und die da Unrecht tun, 42 und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und Zähneklappern sein. 43 Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich.

             Die Schilderung des Endes fällt ungleich aus. Das Gericht nimmt breiten Raum ein. Dass die Gerechten leuchten, wird gerade nur knapp erwähnt. Aber: Es ist der Menschensohn, nicht irgendein Gott, der das Gericht initiiert. Es sind seine Engel. Letzte Hoffnung für alle, die es trifft, dass der Retter der Richter sein wird? Weil er doch in seiner Liebe bis ans Ende geht, bis ans Äußerste, auch im Gericht?

Das Gericht trifft die, die Falsches, Böses tun. Nicht die mit dem falschen Bekenntnis. Alles, was zum Abfall verführt und Unrecht tun. Das ist hilfreiche Unterscheidung. Es gibt τ σκνδαλα, daher unser deutsches Skandale, Sachverhalte, die zum Abfall verführen. Es gibt nicht nur die, die Unrecht tun, sondern auch die ungerechten Sachverhalte – die ungerechte Verteilung der Güter der Erde, dass nicht alle gleich sind in ihren Lebenschancen, dass Menschen fliehen müssen, dass Menschen ausgebeutet werden, dass Menschen die Würde geraubt wird durch anonyme „Sachzwänge“, usw. Für all das wird kein Platz mehr sein. Aber eben auch nicht für die Profiteure solcher skandalösen Zustände.

Dem gegenüber stehen die Gerechten. Lichtgestalten, weil das Licht auf sie fällt. Leuchtend wie die Sonne. Griechische Leser lesen hier im Wort λιος mehr als nur den Himmelskörper. Ist doch Helios eine geradezu göttliche Figur. Die orthodoxe Kirche des Ostens hat daraus eine theologische Schlussfolgerung gezogen: Das Ziel Gottes mit den Christen ist ihre Vergöttlichung. Gottgleich zu werden. So wie Jesus gottgleich ist. So kühn haben wir im Westen nie über den Menschen zu denken gewagt.

Wer Ohren hat, der höre!

             Dreimal kommt diese Aufforderung im Matthäus-Evangelium: Siebenmal wird sie in der Offenbarung verwendet – immer am Ende der Sendschreiben (Offenbarung 2-3) Es ist ein Hinweis, auf die Wichtigkeit dessen, was gesagt worden ist. Zugleich auch eine Warnung: nicht einfach weiter so. Ein Weckruf auch an die Leserinnen und Leser, nicht nur an die ersten Hörer des Gleichnisses.

Herausforderungen für unser Denken und Glauben

Es ist schon von einiger Bedeutung: der Acker ist die Welt. Die Christen werden in die Welt hinein gesät. Nicht in den abgegrenzten Raum der Kirche. Das Ziel der Aussaat Gottes ist eine Welt, die Frucht bringt. Die Kinder des Reiches sollen guter Same in der Welt und für die Welt sein. Unbekümmert darum, dass es auch eine andere Saat in der Welt gibt.

Von diesen Worten her ist eines nicht möglich: Christsein so zu betrachten, als sei es die große „Heimholaktion“ Gottes für ein paar fromme Leute. Ja, Jesus sammelt das Volk Gottes. Aber er sammelt es nicht, um es in Sicherheit zu bringen, sondern um es auszustreuen. In diesem Ausstreuen, σπείρω, steckt unser Wort „Diaspora“ mit drin. Das also gilt es zu hören: Die Christen sind das ausgestreute Saatgut Gottes. Und es ist der Weg dieses Saatgutes, dass es, „wie das Weizenkorn in die Erde fällt und erstirbt. Wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“(Johannes 12,24) Was ist das für ein starkes Bild dafür, welche Hoffnung Jesus auf die Kinder des Reiches setzt. Samen der guten Zukunft Gottes mit der Welt!

Wie steht es nun für uns heute mit diesem Gleichnis und seiner Deutung? Zuvorderst: Es gibt keine Rechtfertigung für die Herstellung der reinen Gemeinde durch Ausschluss, Wegsperren, Ausmerzen des Unkrautes. Diese Worte zielen in die Zeit des Evangelisten: Es ist nicht die Aufgabe der matthäischen Gemeinden, sich von der jüdischen Synagoge zu trennen, sozusagen durch den Auszug aus der Synagoge Gericht zu vollziehen. Im Acker der Welt ist Raum genug für beide und es ist doch noch Wachstums-Zeit.

Aber es ist – zumal heute – höchst fragwürdig, aus einer Zwischenzeit eine Art Grundsatz-Definition der Kirche zu machen: die Kirche ist immer und für alle Zeit corpus permixtum. Ein Mischgebilde aus Bösen und Gerechten. Das bringt die Gefahr mit sich, „dass eine solche Definition die Kirche auf ihrem Weg des Gehorsams nicht fördert sondern lähmt.“ (U. Luz, aaO.  S.345)

             Matthäus hat ein anderes Bild und die Deutung Jesu sucht etwas anderes als die Formel des corpus permixtum. Vielmehr geht es darum, dass die Kinder des Reiches Weizen sind und nicht Taumellolch werden, dass sie sich so verhalten, wie es dem Vater im Himmel entspricht und nicht so, wie es das Wesen der Welt ist. Es ist die Überzeugung, die sich in Worten des Matthäus immer wieder findet: Das Tun entspricht dem Wesen. Aus dem guten Samen wird Gutes erwachsen. Und durch das Gute wirst du, der Gutes tut, in deinem Gut-Sein bestätigt werden.

 

Jesus, bewahre uns vor den schnellen Urteilen, den selbstgerechten Einschätzungen: Der ist gut. Die ist gerecht. Der ist jenseits von gut und böse. Bewahre uns vor der Anmaßung, die Dein Urteil glaubt vorweg nehmen zu können.

Mache Du uns demütig. Stärke uns in dem Bemühen, in Deiner Spur zu bleiben, barmherzig, liebevoll, und immer  darum zu ringen, einander auf dem Weg des Glaubens zu stützen. Amen

Haltet die Einigkeit fest

Epheser 4, 1 – 6

 1 So ermahne ich euch nun, ich, der Gefangene in dem Herrn, dass ihr der Berufung würdig lebt, mit der ihr berufen seid, 2 in aller Demut und Sanftmut, in Geduld.

Bis jetzt hat `Paulus` den Blick seiner Leserinnen und Leser vor allem auf Christus gelenkt, auf sein Tun. Weil er erwartet, dass dieser Blick ihnen Rückenwind gibt. Jetzt spricht er sie darauf an, dass sie in Christus auf einen Weg gerufen sind. Mehr noch: sie haben eine Berufung empfangen. κλη̃σις, Ruf meint Einladung, auch Vorladung und – „im NT: Berufung zur Seligkeit“.(Gemoll, aaO. S. 440) Das also sollen sie leben, das soll in ihrem Lebensstil sichtbar werden, dass sie schon dem Himmel angehören, dass sie nicht mehr eingesperrt sind in den engen Horizont der Welt. Schlicht gesagt: „Ethik ist von der Wirklichkeit der Kirche nicht zu trennen, die ihrerseits für die Welt da ist.“ (G. Zweynert, aaO. S. 47) Damit sie gehört und ernst genommen  wird, muss sie ernsthaft zu leben versuchen, was sie verkündigt.

Die Art, wie solche Ernsthaftigkeit gelebt wird, ist weit entfernt von Hochmut und Selbstsicherheit, von Übermut und Verachtung der Welt:  In aller Demut und Sanftmut, in Geduld. Das Wort für Demut – ταπεινοφροσνηhat für  griechische Leser*innen zur Zeit des Briefes einen Beiklang von „Selbsterniedrigung, Knechtsgesinnung, Unterwürfigkeit, ein Sichbücken und Sichdrücken von Menschen“. (F. Rienecker, aaO. S. 134) Nichts davon ist hier gemeint. Sondern es geht um eine Fähigkeit, die Gemeinschaft eröffnet – sich zurück nehmen zu können, anderen ihren Platz zuzugestehen. „Haltet die Einigkeit fest“ weiterlesen

In Gott eintauchen – bei den Armen auftauchen

  1. Mose 15, 1 -11

1 Alle sieben Jahre sollst du ein Erlassjahr halten. 2 So aber soll’s zugehen mit dem Erlassjahr: Wenn einer seinem Nächsten etwas geborgt hat, der soll’s ihm erlassen und soll’s nicht eintreiben von seinem Nächsten oder von seinem Bruder; denn man hat ein Erlassjahr ausgerufen dem HERRN.

             Was hier Erlassjahr – hebräisch šemiṭṭa -, wörtlich „Loslassung“ heißt, meint im Grunde Brache. „Dieser Brauch war nicht von sozialen oder gar ökonomischen Gesichtspunkten bestimmt, sondern eine ausgesprochen sakrale Begehung.“ (G. v. Rad, Das fünfte Buch Mose, ATD 8, Göttingen 1968, S. 75) Aus der Erinnerung, dass das Land das Land des HERRN ist und nicht, entgegen allen Grundbucheinträgen Land von XY. Das Land, so der Gedanke dahinter, soll Anteil an der Sabbat-Ruhe Gottes finden.

Die praktische Durchführung: mit dem 7. Jahr erlöschen Leihverträge. Oft genug sind,  auch schon damals in Palästina, Kleinbauern gezwungen, Geld aufzuheben, Schulden zu machen, um über die Runden zu kommen: „Durch eine Veränderung der sozialen und wirtschaftlichen Struktur innerhalb Israels in der Königszeit, durch das aufkommende Latifundienwesen, aber auch durch die Last staatlicher Abgaben, wurde die wirtschaftliche Freiheit der Bauern draußen in der Landschaft immer mehr bedroht.“((G. v. Rad, ebda.) Das alles legt nahe, in diesen Worten Regelungen für spätere Zeiten zu sehen, die dem Erzählduktus nach aber von Anfang an von Gott geordnet sind.

Auf das Eintreiben – nagas – solcher Schulden soll im Erlass-Jahr verzichtet werden. Kein Vorgehen gegen den, der Schulden hat. „Selbstverständlich stand dem Schuldner frei, die Schuld dennoch zu bezahlen, dann aber freiwillig.“ (D. Schneider, Das fünfte Buch Mose, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 1982, S. 154) Ich halte mir die Situation verarmter Leute vor Augen und wundere mich: Woher soll der Schuldner denn nehmen, wenn ihn seine Situation zum Schuldenmachen gezwungen hat. Man muss schon sehr aufpassen, dass man solche Regelungen nicht zu sehr aus unserer Situation heraus liest, wo Schulden ein eher „normaler Vorgang“ sind, erst recht, wenn sie langfristig abzutragen sind. „In Gott eintauchen – bei den Armen auftauchen“ weiterlesen

Wenn der Vorläufer kommt

Maleachi 2,17 – 3,12

17 Ihr macht den HERRN unwillig durch euer Reden! Ihr aber sprecht: »Womit machen wir ihn unwillig?« Dadurch dass ihr sprecht: »Wer Böses tut, der gefällt dem HERRN, und an solchen hat er Freude«, oder: »Wo ist der Gott, der da straft?«

             Wieder wird man Zeuge einer Disputation. Sie fängt mit dem Vorwurf an: Euer Reden ist für Gott eine Last. Unangemessen. Aber euer Reden verhallt nicht einfach im luftleeren Raum. Die Zurückweisung kommt prompt: Wir machen doch gar nichts – nur Worte. Was für eine armselige Vorstellung von Gott, wenn ihm unsere Worte zu schaffen machen könnten! Wir reden doch nur. Das macht Gott doch nichts. G.o.t.t. – das kann man auch so lesen: Guter Opa, total taub. Das ist mehr als der freche Spruch unreifer Jugendlicher. Es ist eine Lebenshaltung, die es zu allen Zeiten gegeben hat, damals in Israel und die es auch heute noch gibt. Gott ist doch nicht (mehr) wichtig. Er hat ja keine Durchsetzungsmacht. Er ist doch ein lieber Gott, der nie straft. „Vergeben ist sein Geschäft.“(Voltaire) Er kann ja gar nicht anders. Wer wird sich da schon nach Gott richten?

Es sind perverse Verdrehungen. Es sind Verfälschungen, die aus dem Wort Gott eine Leerformel, eine Worthülse machen. Es sind Spöttereien, wenn sie sagen: »Wo ist der Gott, der da straft?« Schon damals zur Zeit des Propheten gab es wohl die Stimmen, die sagten und fragten: Wo ist er denn? Warum macht er nichts? Warum straft er nicht? Es sind Worte, die den Weg zu Gott verstellen, weil sie ihn für lebensfern und unwichtig erklären.

 1 Siehe, ich will meinen Boten senden, der vor mir her den Weg bereiten soll. Und bald wird kommen zu seinem Tempel der Herr, den ihr sucht; und der Engel des Bundes, den ihr begehrt, siehe, er kommt!, spricht der HERR Zebaoth.

             Das ist die Antwort Gottes: Ein Bote. Ein Wegbereiter. Einer, der es aufleuchten lässt, dass Gott nicht irgendwo hinter den Sternen die Welt versäumt, sondern dass er nah ist, gegenwärtig. „Ein himmlischer Repräsentant Jahwes, der sein Kommen vorbereitet.“ (H. Graf Reventlow, aaO. S. 152) Ein Engel, der die Sehnsucht, die sich auch noch in den schrägen Sprüchen und Spötteleien zeigt, ans Licht bringt. Gott bleibt nicht in dem Schmollwinkel, in den Menschen ihn verbannen wollten. Er kommt.

Jüdische Deutung dieser Worte sieht hier so; „Der Bote sei der Messias, der nach jüdischer Meinung noch kommen soll. (so der jüdische Ausleger Ibn Ezra im 12. Jh.)“ (G. Maier, Der Prophet Maleachi, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 1985, S. 166) Christen lesen diese Worte anders, auf Johannes den Täufer hin, vom Wort Jesu her: „Er ist’s, von dem geschrieben steht (Maleachi 3,1): »Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.«(Lukas 7,23)

 2 Wer wird aber den Tag seines Kommens ertragen können und wer wird bestehen, wenn er erscheint? Denn er ist wie das Feuer eines Schmelzers und wie die Lauge  der Wäscher. 3 Er wird sitzen und schmelzen und das Silber reinigen, er wird die Söhne Levi reinigen und läutern wie Gold und Silber.

            Es ist die Frage, die wieder und wieder in den Schriften der Hebräischen Bibel gestellt wird. Wer wird es aushalten können, so in die Gegenwart Gottes zu geraten? Wer kann auf den Berg Gottes gehen? Wer kann vor ihm bestehen? Jesaja ruft angesichts der Gegenwart Gottes: „Ich vergehe…..(Jesaja 6) Es ist kein harmloser Gast und kein netter Empfang, wenn Gott kommt. Das Leben wird geprüft im Feuer eines Schmelzers und der Lauge  der Wäscher. Es wird sich zeigen müssen, was in solcher Prüfung Bestand hat.

Es ist eine wichtige Korrektur: „Man kann hier schnell die Brücke zur Gegenwart schlagen, wenn man den häufig geäußerten Wunsch überlegt: „Da müsste Gott  doch endlich eingreifen.“ Müsste er dann nicht bei mir zuerst eingreifen?“(G. Maier, aaO. S. 170) In diesen Worten ist kein Raum für die Selbstsicherheit: Wir sind die Guten.

Das ist gesamt-biblisches Denken bis in die Schriften des Neuen Testamentes hinein. Das Kommen Gottes bringt die Wahrheit über das Menschenleben, unser Leben zu Tage. Und es ist an vielen Stellen eine erschreckende Wahrheit. Aber es ist zugleich auch eine Wahrheit, die neue Perspektiven öffnet, wenn auch „wie durch’s Feuer.“ ( 1. Korinther 3,15)

 Dann werden sie dem HERRN Opfer bringen in Gerechtigkeit, 4 und es wird dem HERRN wohlgefallen das Opfer Judas und Jerusalems wie vormals und vor langen Jahren. 5 Und ich will zu euch kommen zum Gericht und will ein schneller Zeuge sein gegen die Zauberer, Ehebrecher, Meineidigen und gegen die, die Gewalt und Unrecht tun den Tagelöhnern, Witwen und Waisen und die den Fremdling drücken und mich nicht fürchten, spricht der HERR Zebaot.

             Es ist eine Rückkehr zu den Aufgaben, die die Priester wirklich haben. Die Reinigung des Gerichts führt dazu, dass die Opfer wieder in Gerechtigkeit gebracht werden. Heißt nicht nur: Von Leuten mit weißer Weste, sondern auch in der Ordnung, wie sie anfänglich gesetzt ist. Die Propheten Israels haben keine freischwebende Religion im Sinn. Sie sind auch nicht einfach nur kultkritische Leute. Sie sind oftmals Rufer zum Ursprünglichen, Anfänglichen, zum Gott des Anfangs. Und sie wollen den ungeteilten Gehorsam des Herzens gegen die Wegweisungen Gottes.

             Für Maleachi ist kein Zweifel möglich: Es gibt Verhalten, das mit dem Glauben an Gott nicht zu vereinbaren ist. Manches zählen fromme Leute rasch und ohne Zögern auf: Zauberer, Ehebrecher, Meineidigen. Das eine sind okkulte Geschichten, das andere ist Unmoral und Lügengespinst. Da ist die Abgrenzung schnell klar: Keine Horoskope, keine Wahrsager, keine Hellseher. Und aller moralischen Grauzone zum Trotz: Mit Ehebruch und Meineid haben es fromme Leute auch nicht so. Da gibt es „gesunde“ moralische Klarheit.         

             Schwieriger ist das Andere: Die, die Gewalt und Unrecht tun den Tagelöhnern, Witwen und Waisen und die den Fremdling drücken. Wie umstritten ist auch bei frommen Leuten: Mindestlohn. Fürsorgepflicht für Witwen und Waisen. Willkommenskultur gegenüber Flüchtlingen, Schutzsuchenden – dafür steht das hebräische Wort ger. Wer wird schon freiwillig zum „Fremdling“? Erst recht in einem Land, in dem nach wie vor Parolen laut werden wie „Ausländer raus!“ –  „Geld für die Oma statt für Sinti und Roma“. Natürlich sind alle gegen Altersarmut. Nur kosten soll sie nichts.

Diese Gewalt tritt ja nicht mit Prügeltrupps auf, nicht mit Schläger-Kommandos aus der Nachtclub-Szene. Obwohl sie das auch kann, wie die Geschichte von Naboths Weinberg (1. Könige 21) zu erzählen weiß. Aber meistens ist diese Gewalt dezenter, erst recht heutzutage. Sie hat den feinen Zwirn an, bedient sich  der wirtschaftlich Sachverständigen und appelliert an die Vernunft der Verantwortlichen. Und ist doch unverblümte Gewalt gegen die, die keine Machtmittel in ihren Händen haben.

Maleachi hält hier eine Anklagerede, die sich seitdem unaufhörlich wiederholt. Es bewegt, wie hier im Grunde die Klagen unserer Zeit über den Zerfall der Gesellschaft,. über verweigerte Solidarität vorgeformt sind. Der Unterscheid zu den Klagen unserer Zeit: Hier werden Anklagen im Namen Gottes ausgesprochen. Und sie werden so Beweismaterial für den jüngsten Tag. Es ist die tiefe Überzeugung des Maleachi: alle diese Ungerechtigkeiten werden nicht folgenlos bleiben. sie kommen noch einmal zur Sprache am Tag des Kommens des Herrn.

Für all das entsolidarisierte Verhalten wird kein Platz mehr sein im Kommen Gottes. Was dann bleibt, ist Opfer in Gerechtigkeit. Ein Opfer, ein Gottesdienst, der Gott die Ehre gibt, weil er Menschen nicht schindet und klein macht, weil er sie erkennen lässt, wie gut Gott ihnen ist. Im Neuen Testament hört sich das dann so an: Die Gott „anbeten, werden ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“ (Johannes 4,24) So war es von allem Anfang her gedacht und gewollt.

 

6 Ich, der HERR, wandle mich nicht; aber ihr habt nicht aufgehört, Jakobs Söhne zu sein: 7 Ihr seid von eurer Väter Zeit an immerdar abgewichen von meinen Geboten und habt sie nicht gehalten.

             Gott ist treu. Gott ist sich treu. Gott ist nicht heute so und morgen ganz anders. Auf ihn ist Verlass. „Jahwe ist derselbe geblieben!“(H. Graf Reventlow, aaO. S. 155) – durch allen Wandel der Zweiten hindurch. Aber – das ist Gottes Anklage: ach ihr seid dieselben geblieben. Eurer Art treu. Ihr seid nicht, wie ihr es sein sollt und sein könnt. Ihr lebt unter dem Niveau, dass ich euch zugedacht habe. Es ist eine harte Kritik: Der Stammvater Jakob war ein Täuscher und Betrüger und ihr seid von seiner Art, Jakobs Söhne.

Es ist richtig: „Natürlich bleiben die Nachfahren Jakobs Jakobssöhne, wenn man von den Blutsbanden ausgeht.“ (G. Maier, aaO.  S. 176) Aber hier geht es um mehr als um Biologie. Es ist eine eigenwillige Lektüre der Jakobs-Erzählung, die hier sichtbar wird: Nicht sein zähes Festhalten an der Verheißung ist im Blick, sondern sein Tricksen und Täuschen, seine Wandelbarkeit bis hin zur Falschheit. Was bei ihm sichtbar wird an Winkelzügen, List, Wandlungen, das hat Israel als Treulosigkeit und Ungehorsam immer neu wiederholt.

Manchmal denke ich, dass das der Lernweg ist, der uns abverlangt wird: Aus einer Religiosität, aus einem Glauben heraus zuwachsen, der Gott nur um unseretwillen sucht. Weil es mir Vorteile bringt, weil es gut für mich ist, weil Gott es bringt. So sieht es ja bei Jakob am Anfang aus. Er profitiert von Gott. So unterstellt es der Satan auch Hiob: „Meinst du, dass Hiob Gott umsonst fürchtet? Hast du doch ihn, sein Haus und alles, was er hat, ringsumher beschützt. Du hast das Werk seiner Hände gesegnet, und sein Besitz hat sich ausgebreitet im Lande. Aber strecke deine Hand aus und taste alles an, was er hat: was gilt’s, er wird dir ins Angesicht absagen!“ (Hiob 1,9-11)

Hineinwachsen aber sollen wir in einen Glauben, der Gott um Gottes willen sucht, der nichts will als Gott selbst. „Wenn ich nur dich habe, frage ich nicht nach Himmel und Erde“ (Psalm 73,25) An Gott festhalten, selbst wenn er mich in die Hölle schickt. Ich schaue mich an und weiß: Das ist noch ein weiter Weg, bis mein Glaube so tief in Gott verankert ist. Ob ich je so weit kommen, ich weiß es nicht.

 So bekehrt euch nun zu mir, so will ich mich auch zu euch kehren, spricht der HERR Zebaoth.

             Aber diese Kritik ist nicht das letzte Wort. So seid ihr – sagt der Prophet – und ruft doch im Namen Gottes zur Umkehr. Der Ruf zur Umkehr gilt nicht makellosen Leuten. Er gilt denen, die sich abgekehrt haben, ihre eigenen Wege und Ziele verfolgt haben, denen Gott oft genug nur ein Mittel für ihre Zwecke war. Sie werden in eine neue Richtung, eine neue Ausrichtung ihres Lebens gerufen. Es gilt zu hören auf diesen Ruf, weil dahinter die Verheißung groß ist: so will ich mich auch zu euch kehren. Indem Gott so ruft, macht er den Weg frei und sichert seine Zuwendung zu, dem, der sich rufen lässt.

 Ihr aber sprecht: »Worin sollen wir uns bekehren?« 8 Ist’s recht, dass ein Mensch Gott betrügt, wie ihr mich betrügt? Ihr aber sprecht: »Womit betrügen wir dich?« Mit dem Zehnten und der Opfergabe! 9 Darum seid ihr auch verflucht; denn ihr betrügt mich allesamt.

         Immer noch trifft das Rufen Gottes auf begriffsstutzige Hörer. »Woran sehen wir, dass du uns lieb hast?- »Wodurch verachten wir denn deinen Namen?« »Womit opfern wir dir denn Unreines?« – »Womit machen wir ihn unwillig?« – »Womit betrügen wir dich?«. Fragen, die eine Unschuld beteuern, die es nicht gibt.“(G. Maier, aaO. S. 178) Es gehört zur Eigenart dieses Propheten Maleachi, dass er die Worte des Volkes aufnimmt, mit denen es die Anklagen Gottes abzuwehren versucht und sie dann entkräftet. Wenn  man so will: Maleachi ist ein Disputations-Prophet. das ist mehr als nur ein rhetorisches Stilmittel. Es ist das Wesen seiner Prophetie, dass sie in der Auseinandersetzung mit Volkes Stimme und Stimmungen Antworten sucht.

Wir doch nicht – das ist der Chor bis heute. Es gehört zum guten Ton, seine Hände in Unschuld zu waschen, sich als unbeteiligt zu verstehen, überhaupt nicht begreifen zu wollen, was denn der andere hat. Darum fragen sie auch: »Worin sollen wir uns bekehren?« Wer gelernt hat zu sagen: Ich bin o.k. – Du bist o.k. der versteht dieses Rufen Gottes zur Umkehr nicht. Umkehr – das ist doch nur etwas für die, die auf falschen Wegen sind – Räuber, Diebe, Mörder, Gewalttäter, Huren… Aber für uns doch nicht.

Die Kritik aber ist hart – und konkret: Die Lust, den Zehnten abzuliefern, ist überschaubar. Auch bei Nehemia finden sich deutliche Hinweise darauf, dass man sich um diese Zahlungen drücken wollte. „Und ich erfuhr, dass die Anteile der Leviten nicht eingegangen waren und deshalb die Leviten und Sänger, die den Dienst ausrichten sollten, fortgegangen waren, ein jeder auf sein Land. Da schalt ich die Ratsherren und sprach: Warum wird das Haus Gottes vernachlässigt?“(Nehemia 13,10-11) Es wird so sein, wie es bis heute ist: Gerade die gehören zu den Drückebergern, damals beim Zehnten wie heute bei der Steuer, die eher wohl begütert sind.

 10 Bringt aber die Zehnten in voller Höhe in mein Vorratshaus, auf dass in meinem Hause Speise sei, und prüft mich hiermit, spricht der HERR Zebaoth, ob ich euch dann nicht des Himmels Fenster auftun werde und Segen herabschütten die Fülle. 11 Und ich will um euretwillen den »Fresser« bedrohen, dass er euch die Frucht auf dem Acker nicht verderben soll und der Weinstock auf dem Felde euch nicht unfruchtbar sei, spricht der HERR Zebaoth

Ich übertrage einmal für mich: Eines der Geheimnisse gesegneten Lebens ist die Freigiebigkeit, Hingeben, Loslassen. Nicht für sich selbst behalten wollen. Wer Gott gibt, wird nicht arm. Der Zehnte – hebräisch: maʽaser – dient ja handfest dem Betrieb des Tempels, dem Unterhalt der Priester und Leviten. „Der Zehnte ist eine Abgabe an Höhergestellte und drückt Anerkennung, Verpflichtung und Dank aus.“(G. Maier, aaO. S. 180) Hier eine Abgabe an Priester und Leviten, an die Leute, die im Tempel Dienst tun. Weil sie sich nicht um ihren Lebensunterhalt kümmern müssen, haben sie Zeit zur Fürbitte, zur Seelsorge, zum Opfer. Frühe Vorbilder für die Freistellung von der Mühe um den Lebens-Unterhalt, die bis heute das Pfarrer-Dasein in Deutschland prägt. Reichlich versorgt, um sich um andere sorgen und kümmern zu können

Auch wenn wir das heute nicht mehr so unmittelbar materiell sehen mögen. Geben macht glücklich. Helfen macht glücklich. Anderen Gutes tun macht glücklich – sagen die Psychologen. Aussteigen aus der Ich-Zentrierung, die Hinwendung zum anderen lernen – das lässt innerlich frei werden und oft genug auch äußerlich. Selbstvergessen. Und Gott – davon ist der Prophet überzeugt und das sagt er als Verheißung Gottes – Gott segnet so eine Lebenshaltung, die sich verschenken lernt.

 12 Dann werden euch alle Völker glücklich preisen, denn ihr sollt ein herrliches Land sein, spricht der HERR Zebaoth.

             Mit der Forderung ist die Verheißung verknüpft – in der Form einer Seligpreisung.  Die Völker werden staunen über das Wohlergehen Israels. „Die Seligpreisung gehört zur Weisheits- und Psalmensprache: Glückseligkeit wird den Frommen zugesprochen, die Gottes Willen tun.“ (H. Graf Reventlow, aaO. S. 156) Wo Menschen so miteinander leben, wo das zur Wirklichkeit eines Volkes wird, Achtsamkeit füreinander, Aufmerksamkeit den Schwachen, Respekt den Geringen, Hilfe den Hilflosen, da wird das Land hell und weit, gewinnt es Strahlkraft. „Seht, wie lieb sie einander haben“ haben die kritischen Beobachter der jungen Christenheit gesagt  und es war ein großer Anreiz zum Glauben.

„Wo Menschen sich vergessen, die Wege verlassen,
und neu beginnen, ganz neu,
da berühren sich Himmel und Erde,                                               dass Frieden werde unter uns.

Wo Menschen sich verschenken, die Liebe bedenken,               und neu beginnen, ganz neu,
da berühren sich Himmel und Erde,                                                dass Frieden werde unter uns,

Wo Mensch sich verbünden, den Hass überwinden,                  und neu beginnen, ganz neu,
da berühren sich Himmel und Erde,                                              dass Frieden werde unter uns.“                                                                          T.
Laubach 1989, Liederbuch Lebensweisen

Mission by attraction heißt das in der heutigen Sprache. Wo das Volk Gottes Gottvertrauen lebt und nicht nur redend beschwört, da wird es attraktiv.

 

Heiliger Gott, Du sorgst für uns. Du gibst, was wir zum Leben nötig haben. Du willst uns die Sorglosigkeit lehren aus der Erfahrung Deiner Fürsorge.

So willst du uns frei machen von der Sorge um uns selbst. Du willst unseren Blick hinlenken zu denen, die unsere Sorge brauchen. Hilf uns durch Deinen Geist zu solchem Zutrauen zu Dir. Amen

Aufstand

  1. Mose 14, 1 – 25

1 Da fuhr die ganze Gemeinde auf und schrie, und das Volk weinte in jener Nacht.

             Es ist kein Wunder: solche Schreckensnachrichten müssen verstören. Sie lösen Panik aus. Die ganze Nacht nimmt das Weinen kein Ende. Es sind nicht nur Einzelne, die so reagieren, es ist die ganze Gemeinde.

 2 Und alle Israeliten murrten gegen Mose und Aaron, und die ganze Gemeinde sprach zu ihnen: Ach dass wir gestorben wären in Ägyptenland oder in dieser Wüste, ach wären wir doch gestorben. 3 Warum führt uns der HERR in dies Land, damit wir durchs Schwert fallen und unsere Frauen und unsere Kinder ein Raub werden? Ist’s nicht besser, wir ziehen wieder nach Ägypten? 4 Und einer sprach zu dem andern: Lasst uns einen Hauptmann über uns setzen und wieder nach Ägypten ziehen!

             Besser tot. Besser in Ägypten gestorben als das. Plötzlich scheint der Rückweg nach Ägypten wie ein Ausweg aus dieser hoffnungslosen Lage. Bibelleser kennen diese Klage, diesen Aufschrei schon aus früheren Situationen. Am Schilfmeer, als die Truppen des Pharao anrücken: „Sie sprachen zu Mose: Waren nicht Gräber in Ägypten, dass du uns wegführen musstest, damit wir in der Wüste sterben? Warum hast du uns das angetan, dass du uns aus Ägypten geführt hast? Haben wir’s dir nicht schon in Ägypten gesagt: Lass uns in Ruhe, wir wollen den Ägyptern dienen? Es wäre besser für uns, den Ägyptern zu dienen, als in der Wüste zu sterben.“ (2. Mose 14,11-12) Auch nach dem Durchzug durchs Schilfmeer, nach der spektakulären Rettung beim Zug durch die Wüste: „Und die Israeliten sprachen: Wollte Gott, wir wären in Ägypten gestorben durch des HERRN Hand, als wir bei den Fleischtöpfen saßen und hatten Brot die Fülle zu essen. Denn ihr habt uns dazu herausgeführt in diese Wüste, dass ihr diese ganze Gemeinde an Hunger sterben lasst.“(2. Mose 16,3) Es ist das Murren, das Klagen, die Furcht, die diese Wüstengeneration prägt, die sie immer wieder dazu verführt, sich den Wegen Gottes zu verweigern.

Eindringlich schildert der Psalm-Sänger diese Haltung und greift sicherlich auch die Situation hier, die Zweifel an der guten Führung Gottes auf:

„Und sie achteten das köstliche Land gering;                                                               sie glaubten seinem Worte nicht und murrten in ihren Zelten;                                sie gehorchten der Stimme des HERRN nicht.“                  Psalm 106,24-25

Der ganze Psalm 106 ist ein einziges Spiegelbild der Wankelmütigkeit des Volkes. Nur: man hüte sich als Leserin und Leser, das gewissermaßen als moralischen oder geistlichen Defekt des Volkes Israel zu  bewerten und zu beurteilen, oder gar zu verurteilen. Wer ehrlich ist, entdeckt die gleiche Wankelmütigkeit wahrscheinlich oft genug im eigenen Leben. Solange es gut geht, geht es auch gut mit dem Gottvertrauen. Wenn aber die Schwierigkeiten kommen, die Wege verbaut erscheinen, das Unglück überhandnimmt ….     „Aufstand“ weiterlesen

Klarheit ins Leben bringen

Maleachi 2,17 – 3,5

17 Ihr macht den HERRN unwillig durch euer Reden! Ihr aber sprecht: »Womit machen wir ihn unwillig?« Dadurch dass ihr sprecht: »Wer Böses tut, der gefällt dem HERRN, und an solchen hat er Freude«, oder: »Wo ist der Gott, der da straft?«

             Wieder wird man Zeuge einer Disputation. Sie fängt mit dem Vorwurf an: Euer Reden ist für Gott eine Last. Unangemessen. Aber euer Reden verhallt nicht einfach im luftleeren Raum. Die Zurückweisung kommt prompt: Wir machen doch gar nichts – nur Worte. Was für eine armselige Vorstellung von Gott, wenn ihm unsere Worte zu schaffen machen könnten! Wir reden doch nur. Das macht Gott doch nichts. G.o.t.t. – das kann man auch so lesen: Guter Opa, total taub. Das ist mehr als der freche Spruch unreifer Jugendlicher. Es ist eine Lebenshaltung, die es zu allen Zeiten gegeben hat, damals in Israel und die es auch heute noch gibt. Gott ist doch nicht (mehr) wichtig. Er hat ja keine Durchsetzungsmacht. Er ist doch ein lieber Gott, der nie straft. „Vergeben ist sein Geschäft.“ (Voltaire) Er kann ja gar nicht anders. Wer wird sich da schon nach Gott richten?

Es sind perverse Verdrehungen. Es sind Verfälschungen, die aus dem Wort Gott eine Leerformel, eine Worthülse machen. Es sind Spöttereien, wenn sie sagen: »Wo ist der Gott, der da straft?« Schon damals zur Zeit des Propheten gab es wohl die Stimmen, die sagten und fragten: Wo ist er denn? Warum macht er nichts? Warum straft er nicht? Es sind Worte, die den Weg zu Gott verstellen, weil sie ihn für lebensfern und unwichtig erklären.  „Klarheit ins Leben bringen“ weiterlesen

In Athen

Apostelgeschichte 17, 16 – 34

16 Als aber Paulus in Athen auf sie wartete, ergrimmte sein Geist in ihm, da er die Stadt voller Götzenbilder sah. 17 Und er redete zu den Juden und den Gottesfürchtigen in der Synagoge und täglich auf dem Markt zu denen, die sich einfanden.

Paulus in Athen, schon damals Reise-Ziel vieler Bildungstouristen. Obwohl Athen damals von der Größe her – ca. 5000 Einwohner – nur ein Provinz-Nest ist, von seiner Ausstrahlung her ist es eine Metropole des Geistes. Es mag sein, Paulus ist hier und dort stehen geblieben, hat die Sehenswürdigkeiten der Stadt angestaunt, die Akropolis im strahlenden Glanz der Sonne, die wunderbaren Gebäude der Reichen  hat sich über manches wohl auch gewundert.

Aber was er gesehen hat, hat nicht nur seine Neugier befriedigt. Er ist innerlich in Fahrt gekommen, ergrimmt. „Die zahllosen Götterstatuen, der Stolz Athens, sind ihm Zeichen falscher, sündiger Religiosität, die den Schöpfer im von Menschen Geschaffen sucht, und erwecken darum seinen heiligen Zorn.“(J.Roloff, aaO.  S. 257) Nicht im Griechischen, wohl aber im Deutschen gibt es hier eine Parallele: Von Jesus heißt es im Johannes-Evangelium, als er den Schmerz der Maria und der Juden über den Toten Lazarus sieht: „Als Jesus sah, wie sie weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, ergrimmte er im Geist“ (Johannes 11,33) Ist es dort der Grimm über die Beugung unter die Herrschaft des Todes, so ist es bei Paulus in Athen der Grimm über die Herrschaft der Götzenbilder.

Eine Stadt voller Götzenbilder – κατεδωλοι – diese Formulierung des Lukas steht nicht für religiöse Toleranz. Sie geht eher zurück auf die ironische Sicht der Propheten, was die Götterbilder der anderen Religionen angeht. Das wird später noch zum Thema werden, auf dem Areopag. „In Athen“ weiterlesen

Durchblick tut not

Offenbarung 13, 11 – 18

11 Und ich sah ein zweites Tier aufsteigen aus der Erde; das hatte zwei Hörner wie ein Lamm und redete wie ein Drache. 12 Und es übt alle Macht des ersten Tieres aus vor seinen Augen und es macht, dass die Erde und die darauf wohnen, das erste Tier anbeten, dessen tödliche Wunde heil geworden war.

             Es ist, als wollten die Schrecken keine Ende nehmen. Ein zweites Tier – ähnlich wie ein Lamm. Eine Nachahmung, Nachäffung Christi. „Es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus, und sie werden viele verführen.“(Matthäus 24,5) Damit hat die erste Gemeinde immer gerechnet, dass sich Leute als falscher Christus seinen Namen anmaßen. seine Werke nachahmen.  Und das zweite Tier erreicht tatsächlich,  dass die Erde und die darauf wohnen, das erste Tier anbeten. Es erweist sich als der große Verführer, der den Glauben in der Anbetung der Macht missbraucht

  13 Und es tut große Zeichen, sodass es auch Feuer vom Himmel auf die Erde fallen lässt vor den Augen der Menschen; 14 und es verführt, die auf Erden wohnen, durch die Zeichen, die zu tun vor den Augen des Tieres ihm Macht gegeben ist; und sagt denen, die auf Erden wohnen, dass sie ein Bild machen sollen dem Tier, das die Wunde vom Schwert hatte und lebendig geworden war. 15 Und es wurde ihm Macht gegeben, Geist zu verleihen dem Bild des Tieres, damit das Bild des Tieres reden und machen könne, dass alle, die das Bild des Tieres nicht anbeteten, getötet würden.

             Dieses Pseudo-Lamm weist sich aus durch große Zeichen, wie Feuer vom Himmel. Es ruft dazu auf, ein Götterbild des ersten Tieres zu errichten. Hier wird es vermutlich um den Kaiserkult vor Kaiser-Statuen in den Tempeln des Ostens gehen. Kaiser Domitian hat sich dazu verstiegen, sich als Gott verehren zu lassen. Und alle dazu  zwingen, ihm diese göttliche Verehrung zutiel werden zu lassen.

Dieses Lügen-Lamm verleiht diesem Götterbild Stimme. Hier muss man nicht zuerst an Theater-Tricks erinnern, die es auch schon damals gab. Auch nicht, wie es angstvolle Gemüter vor Siebzig Jahren getan haben, an den Fernseh-Schirm, aus dem plötzlich Stimmen erschallen. Das alles greift zu kurz. In die falsche Richtung. Gemeint ist vielmehr, dass die machtvolle Ausstrahlung dieser Bilder, der sich Menschen einfach unterwerfen, getrieben von Angst. Denn alle, die das Bild nicht anbeten, würden getötet.

Hier spielen sicher Erfahrung im Osten des Reiches eine Rolle, wo die Anbetung vor Standbildern des Kaisers Domitian auch mit Todesdrohungen erzwungen worden ist. Es hat tödliche Konsequenzen, sich diesem Kult zu verweigern.

„Durchblick tut not“ weiterlesen