Das Ja zur Verkündigung des Paulus

Galater 2, 1 – 10

 1 14 Jahre später ging ich wieder nach Jerusalem, diesmal mit Barnabas. Auch Titus nahm ich mit. 2 Gott selbst hatte mir in einer Offenbarung den Auftrag dazu gegeben.

Es ist eine lange Zeit, die Paulus mit seinem dürren Satz überspringt. Erst bei diesen erneuten Besuch in Jerusalem tauchen die Gefährten auf – Barnabas und Titus. Es ist bemerkenswert, wie Paulus hier schreibt: Der Weg nach Jerusalem ist nicht selbstgewählt und auch nicht durch Menschen angeordnet. Wohl aber ganz von oben! Eine Offenbarungποκλυψις. Das trifft sich mit der Erzählweise der Apostelgeschichte. Auch in ihr werden die Weg des Paulus nicht von ihm selbst bestimmt, sondern vom Geist Gottes.

In Jerusalem legte ich die Gute Nachricht vor, die ich den Völkern verkünde. Bei einer eigenen Zusammenkunft erklärte ich sie den maßgebenden Leuten. Denn ich war besorgt, dass ich mich vergeblich abmühe – oder schon abgemüht habe. 3 Doch nicht einmal von meinem Begleiter Titus, einem Griechen, wurde verlangt, sich beschneiden zu lassen.

Es kommt zum theologischen Lehrgespräch. Paulus erklärt seine Missionspraxis. Man wird vermuten dürfen – nicht nur die Predigt der freien Gnade, sondern auch den Verzicht auf Beschneidungen inklusive dem Verzicht auf die Belehrung über das jüdische Gesetz, Reinheitsregeln inbegriffen. Paulus will die Zustimmung der maßgebenden Leute, weil er weiß: Ich kann nicht als freischaffender Evangelist existieren. Ich brauche die Rückkopplung in die Gemeinde. Dahinter steht auch die Einsicht: Die Gemeinde, die ich gründe, können nicht religiös freischwebende Gruppen sein – sie brauchen die Anbindung an die Gemeinde in Jerusalem und im Umfeld. Es kann kein heidenchristliche Gemeinde im Alleingang geben. „Das Ja zur Verkündigung des Paulus“ weiterlesen

Geh Deinen Weg

Johannes 21, 20 – 25

20 Petrus aber wandte sich um und sah den Jünger folgen, den Jesus lieb hatte, der auch beim Abendessen an seiner Brust gelegen und gesagt hatte: Herr, wer ist’s, der dich verrät? 21 Als Petrus diesen sah, spricht er zu Jesus: Herr, was wird aber mit diesem?

Wie irritierend menschlich geht es in diesem Evangelium zu. Da wird ein Petrus durch Jesus „rehabilitiert“, neu berufen – und findet doch nicht heraus aus seinem Konkurrenzdenken. Oder ist das schon zu viel gesagt? So kann man das ja lesen: Er sieht den Jünger folgen, den Jesus lieb hatte, und sofort fragt er: Und er? Was ist mit ihm? Was wird mit ihm? Man könnte hinter der irritierten Frage des Petrus eine Fortsetzung vermuten: Gehört er auch zu denen, die ich weiden, hüten soll? Dann wäre es eine Frage nach der Fürsorge-Pflicht. Erstreckt sich der Hirtendienst auf alle Jünger, dann ist es doch so, dass er „also auch den namenlosen Jünger einschließt.“ (U. Wilkens, aaO. S. 329) Dann wäre das Verhältnis der beiden neu zu definieren.

Dieses Verhältnis dieser beiden Jünger wird ja wiederholt im Evangelium angesprochen.   Die Mutter Jesu wird dem anderen anvertraut. Er ist auch der Schnellere beim Lauf zum Grab. Der Schnellere auch im Erkennen, als Jesus am Ufer steht. Und jetzt? Ganz spannungsfrei ist das Miteinander jedenfalls nicht. Aber das wäre auf der anderen Seite ja auch verwunderlich und würde jeder Erkenntnis der Gruppendynamik widersprechen, wenn es in so einer Gruppe, noch dazu einer, die von außen misstrauisch beobachtet wird, nicht auch Rivalitäten und Konkurrenzen gäbe. Noch dazu, wenn es unterschiedliche „Führungs-Typen“ sind, die da nebeneinander stehen.     „Geh Deinen Weg“ weiterlesen

Ein Zwischenruf zur Zeit

Jesus sagt: “Was ihr einem von meinen geringstwn Brüpdern und schweastwrn getanhabt, das habe ihr mir getan.” (Matthäus 25) Das gilt für Wohltaten und auch für Gewalttaten.

Nicht nur der Zar im Kreml liest und forscht in der Geschichte. Wenn er nicht nur seine Lügen unternauern wollte, könnte er auch auf die folgende Überlieferung stoßen.

Das Massaker von Saloniki  im Jahr 390.  Es war ein Massaker, das der Kaiser im Jahre 390 als Vergeltungsmaßnahme für die Ermordung eines kaiserlichen Beamten höchstpersönlich angeordnet hatte. An die 7000 Bürger wurden im Circus der Stadt ermordet. Als Strafe, zur Rache. Theodosius wurde von Ambrosius für die Vorgänge verantwortlich gemacht, und nicht mehr zur Messe zugelassen und zu einem Bußakt genötigt. In einem Brief an den Kaiser schrieb der Bischof: „Ich schreibe dir nicht, um dich zu demütigen, sondern damit dich das Vorbild der Könige dazu bewegen möge, diese Sünde aus deinem Reich zu tilgen. Und das tust du, wenn du deine Seele vor Gott demütigst.“  Theodosius hatte so die Möglichkeit, sich als demütiger Mensch zu zeigen und sich der Schuld an dem Blutbad zu stellen.

Der Raum zur Umkehr ist offen.  Ob nicht der Patriarch von Moskau, Kyrill I. dem verblendeten einsamen Mann im Kreml den Raum zur Umkehr zeigen könnten, auch mit der Warnung, das er ihm den Zugang zum Sakrament verweigert? An dessen Händen klebt mehr Blut als an denen des Kaisers aus dem Jahr 390.

Gib Frieden, Herr, gib Frieden, die Welt nimmt schlimmen Lauf.                                 Recht wird durch Macht entschieden, wer lügt, liegt obenauf.                                   Das Unrecht geht im Schwange, wer stark ist, der gewinnt.                                           Wir rufen: Herr, wie lange? Hilf uns, die friedlos sind.

 Gib Frieden, Herr, wir bitten! Die Erde wartet sehr.                                                         Es wird so viel gelitten, die Furcht wächst mehr und mehr.                                         Die Horizonte grollen, der Glaube spinnt sich ein.                                                             Hilf, wenn wir weichen wollen, und lass uns nicht allein.

 

 

 

 

Worte von oben – für uns, hier unten

Johannes 3, 22 – 36

22 Danach kam Jesus mit seinen Jüngern in das Land Judäa und blieb dort eine Weile mit ihnen und taufte. 23 Johannes aber taufte auch noch in Änon, nahe bei Salim, denn es war da viel Wasser; und sie kamen und ließen sich taufen. 24 Denn Johannes war noch nicht ins Gefängnis geworfen. 25 Da erhob sich ein Streit zwischen den Jüngern des Johannes und einem Juden über die Reinigung.

 Genug geredet? Ohne klaren Grund und Abschluss ist die Rede an Nikodemus zu Ende. Danach ein Ortswechsel. So schließt der Evangelist gerne neue Situationen an. Wo der Ort der Begegnung mit Nikodemus war, bleibt unklar. Jetzt ist Jesus mit seinen Jüngern – wo kommen die so plötzlich wieder her? – in Judäa. Und dann, völlig einmalig, im Gegensatz zu den anderen Evangelien: Er taufte. Haben wir es hier mit einem historischen Irrtum des Johannes-Evangeliums zu tun oder weiß der Evangelist etwas von einen Anfang Jesu in Konkurrenz zu dem Täufer? Die Frage muss ohne Antwort bleiben. Die anderen Evangelien wissen auch nichts von einer Tauftätigkeit seiner Jünger vor Auferstehung und Himmelfahrt. Weiß das Johannes-Evangelium also mehr, Älteres als die anderen? Später wird vom Evangelisten richtig gestellt werden: – obwohl Jesus nicht selber taufte, sondern seine Jünger -,(4,2) Es bleibt dennoch irritierend.

 Aus dem Nebeneinander der beiden „Täufer“ ergibt sich eine Konkurrenz-Situation. Historisch richtig mag daran sein, dass es eine Zeit gegeben haben kann, in der Jesus wie ein Johannes-Jünger wirkte. Dann löste er sich von dem Täufer. Auch seine Jünger waren, so erzählt jedenfalls das Johannes-Evangelium  – zum Teil – Johannes-Jünger, bevor sie ihm folgten. Auch da erzählen die anderen Evangelien anders. Mir will es scheinen, als sei das Johannes-Evangelium nicht sonderlich daran interessiert, der Erzähl-Reihenfolge der anderen Evangelien getreulich nach zu eilen. Es folgt seiner eigenen Historie.  „Worte von oben – für uns, hier unten“ weiterlesen

Spielräume nützen!

Lukas 16, 1 – 9

 Es gibt in der Bibel etliche „schräge“ Geschichten, so wie dieses Gleichnis. Liefert es doch scheinbar Argumente, die Integrität und Redlichkeit nicht nur der Kirche, sondern auch die Jesu anzuzweifeln. Man wundert sich, dass Jesus so etwas erzählt. Aber vielleicht erzählt er deshalb auch solche schrägen, ausgefallenen Geschichten, damit seine Hörer sich nicht so leicht wohlig in fromme Gefühle einhüllen können.

Er sprach aber auch zu den Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Verwalter; der wurde bei ihm beschuldigt, er verschleudere ihm seinen Besitz. 2 Und er ließ ihn rufen und sprach zu ihm: Was höre ich da von dir? Gib Rechenschaft über deine Verwaltung; denn du kannst hinfort nicht Verwalter sein.

 Jesus erzählt seinen Jüngern. Man muss sich wohl nicht nur den Kreis der Zwölf unter ihnen vorstellen, darunter auch Zuhörer wie die Zöllner. Er will sie lehren, weil sie vorbereitet werden müssen auf Situationen, die sie sonst leicht überfordern könnten. Jesus erzählt vom Verleumdet-werden und der Wehrlosigkeit gegenüber Gerüchten. Es geht um Misswirtschaft und Perspektivlosigkeit, um das Herausfallen aus dem sozialen Netz der Sicherheiten und die Angst vor dem Absturz.

Ein Gerücht macht die Runde. Irgendjemand hat etwas gesagt, ein anderer hat es aufgeschnappt, es ist weiter gegangen und schließlich ist es ganz oben gelandet. Die Gerüchte – er verschleudere ihm seinen Besitz – wiegen schwer und sie zu entkräften scheint schier unmöglich. Es spielt gar keine Rolle, ob die Anklagen zu Recht oder zu Unrecht bestehen. Gerüchte können ein Lebensfundament zerstören. Sie sind nicht harmlos, sondern gefährlich. Sie sind ein tödlicher Angriff auf eine Existenz. „Spielräume nützen!“ weiterlesen