Aufstand

  1. Mose 14, 1 – 25

1 Da fuhr die ganze Gemeinde auf und schrie, und das Volk weinte in jener Nacht.

             Es ist kein Wunder: solche Schreckensnachrichten müssen verstören. Sie lösen Panik aus. Die ganze Nacht nimmt das Weinen kein Ende. Es sind nicht nur Einzelne, die so reagieren, es ist die ganze Gemeinde.

 2 Und alle Israeliten murrten gegen Mose und Aaron, und die ganze Gemeinde sprach zu ihnen: Ach dass wir gestorben wären in Ägyptenland oder in dieser Wüste, ach wären wir doch gestorben. 3 Warum führt uns der HERR in dies Land, damit wir durchs Schwert fallen und unsere Frauen und unsere Kinder ein Raub werden? Ist’s nicht besser, wir ziehen wieder nach Ägypten? 4 Und einer sprach zu dem andern: Lasst uns einen Hauptmann über uns setzen und wieder nach Ägypten ziehen!

             Besser tot. Besser in Ägypten gestorben als das. Plötzlich scheint der Rückweg nach Ägypten wie ein Ausweg aus dieser hoffnungslosen Lage. Bibelleser kennen diese Klage, diesen Aufschrei schon aus früheren Situationen. Am Schilfmeer, als die Truppen des Pharao anrücken: „Sie sprachen zu Mose: Waren nicht Gräber in Ägypten, dass du uns wegführen musstest, damit wir in der Wüste sterben? Warum hast du uns das angetan, dass du uns aus Ägypten geführt hast? Haben wir’s dir nicht schon in Ägypten gesagt: Lass uns in Ruhe, wir wollen den Ägyptern dienen? Es wäre besser für uns, den Ägyptern zu dienen, als in der Wüste zu sterben.“ (2. Mose 14,11-12) Auch nach dem Durchzug durchs Schilfmeer, nach der spektakulären Rettung beim Zug durch die Wüste: „Und die Israeliten sprachen: Wollte Gott, wir wären in Ägypten gestorben durch des HERRN Hand, als wir bei den Fleischtöpfen saßen und hatten Brot die Fülle zu essen. Denn ihr habt uns dazu herausgeführt in diese Wüste, dass ihr diese ganze Gemeinde an Hunger sterben lasst.“(2. Mose 16,3) Es ist das Murren, das Klagen, die Furcht, die diese Wüstengeneration prägt, die sie immer wieder dazu verführt, sich den Wegen Gottes zu verweigern.

Eindringlich schildert der Psalm-Sänger diese Haltung und greift sicherlich auch die Situation hier, die Zweifel an der guten Führung Gottes auf:

„Und sie achteten das köstliche Land gering;                                                               sie glaubten seinem Worte nicht und murrten in ihren Zelten;                                sie gehorchten der Stimme des HERRN nicht.“                  Psalm 106,24-25

Der ganze Psalm 106 ist ein einziges Spiegelbild der Wankelmütigkeit des Volkes. Nur: man hüte sich als Leserin und Leser, das gewissermaßen als moralischen oder geistlichen Defekt des Volkes Israel zu  bewerten und zu beurteilen, oder gar zu verurteilen. Wer ehrlich ist, entdeckt die gleiche Wankelmütigkeit wahrscheinlich oft genug im eigenen Leben. Solange es gut geht, geht es auch gut mit dem Gottvertrauen. Wenn aber die Schwierigkeiten kommen, die Wege verbaut erscheinen, das Unglück überhandnimmt ….     „Aufstand“ weiterlesen

Klarheit ins Leben bringen

Maleachi 2,17 – 3,5

17 Ihr macht den HERRN unwillig durch euer Reden! Ihr aber sprecht: »Womit machen wir ihn unwillig?« Dadurch dass ihr sprecht: »Wer Böses tut, der gefällt dem HERRN, und an solchen hat er Freude«, oder: »Wo ist der Gott, der da straft?«

             Wieder wird man Zeuge einer Disputation. Sie fängt mit dem Vorwurf an: Euer Reden ist für Gott eine Last. Unangemessen. Aber euer Reden verhallt nicht einfach im luftleeren Raum. Die Zurückweisung kommt prompt: Wir machen doch gar nichts – nur Worte. Was für eine armselige Vorstellung von Gott, wenn ihm unsere Worte zu schaffen machen könnten! Wir reden doch nur. Das macht Gott doch nichts. G.o.t.t. – das kann man auch so lesen: Guter Opa, total taub. Das ist mehr als der freche Spruch unreifer Jugendlicher. Es ist eine Lebenshaltung, die es zu allen Zeiten gegeben hat, damals in Israel und die es auch heute noch gibt. Gott ist doch nicht (mehr) wichtig. Er hat ja keine Durchsetzungsmacht. Er ist doch ein lieber Gott, der nie straft. „Vergeben ist sein Geschäft.“ (Voltaire) Er kann ja gar nicht anders. Wer wird sich da schon nach Gott richten?

Es sind perverse Verdrehungen. Es sind Verfälschungen, die aus dem Wort Gott eine Leerformel, eine Worthülse machen. Es sind Spöttereien, wenn sie sagen: »Wo ist der Gott, der da straft?« Schon damals zur Zeit des Propheten gab es wohl die Stimmen, die sagten und fragten: Wo ist er denn? Warum macht er nichts? Warum straft er nicht? Es sind Worte, die den Weg zu Gott verstellen, weil sie ihn für lebensfern und unwichtig erklären.  „Klarheit ins Leben bringen“ weiterlesen

In Athen

Apostelgeschichte 17, 16 – 34

16 Als aber Paulus in Athen auf sie wartete, ergrimmte sein Geist in ihm, da er die Stadt voller Götzenbilder sah. 17 Und er redete zu den Juden und den Gottesfürchtigen in der Synagoge und täglich auf dem Markt zu denen, die sich einfanden.

Paulus in Athen, schon damals Reise-Ziel vieler Bildungstouristen. Obwohl Athen damals von der Größe her – ca. 5000 Einwohner – nur ein Provinz-Nest ist, von seiner Ausstrahlung her ist es eine Metropole des Geistes. Es mag sein, Paulus ist hier und dort stehen geblieben, hat die Sehenswürdigkeiten der Stadt angestaunt, die Akropolis im strahlenden Glanz der Sonne, die wunderbaren Gebäude der Reichen  hat sich über manches wohl auch gewundert.

Aber was er gesehen hat, hat nicht nur seine Neugier befriedigt. Er ist innerlich in Fahrt gekommen, ergrimmt. „Die zahllosen Götterstatuen, der Stolz Athens, sind ihm Zeichen falscher, sündiger Religiosität, die den Schöpfer im von Menschen Geschaffen sucht, und erwecken darum seinen heiligen Zorn.“(J.Roloff, aaO.  S. 257) Nicht im Griechischen, wohl aber im Deutschen gibt es hier eine Parallele: Von Jesus heißt es im Johannes-Evangelium, als er den Schmerz der Maria und der Juden über den Toten Lazarus sieht: „Als Jesus sah, wie sie weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, ergrimmte er im Geist“ (Johannes 11,33) Ist es dort der Grimm über die Beugung unter die Herrschaft des Todes, so ist es bei Paulus in Athen der Grimm über die Herrschaft der Götzenbilder.

Eine Stadt voller Götzenbilder – κατεδωλοι – diese Formulierung des Lukas steht nicht für religiöse Toleranz. Sie geht eher zurück auf die ironische Sicht der Propheten, was die Götterbilder der anderen Religionen angeht. Das wird später noch zum Thema werden, auf dem Areopag. „In Athen“ weiterlesen

Durchblick tut not

Offenbarung 13, 11 – 18

11 Und ich sah ein zweites Tier aufsteigen aus der Erde; das hatte zwei Hörner wie ein Lamm und redete wie ein Drache. 12 Und es übt alle Macht des ersten Tieres aus vor seinen Augen und es macht, dass die Erde und die darauf wohnen, das erste Tier anbeten, dessen tödliche Wunde heil geworden war.

             Es ist, als wollten die Schrecken keine Ende nehmen. Ein zweites Tier – ähnlich wie ein Lamm. Eine Nachahmung, Nachäffung Christi. „Es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus, und sie werden viele verführen.“(Matthäus 24,5) Damit hat die erste Gemeinde immer gerechnet, dass sich Leute als falscher Christus seinen Namen anmaßen. seine Werke nachahmen.  Und das zweite Tier erreicht tatsächlich,  dass die Erde und die darauf wohnen, das erste Tier anbeten. Es erweist sich als der große Verführer, der den Glauben in der Anbetung der Macht missbraucht

  13 Und es tut große Zeichen, sodass es auch Feuer vom Himmel auf die Erde fallen lässt vor den Augen der Menschen; 14 und es verführt, die auf Erden wohnen, durch die Zeichen, die zu tun vor den Augen des Tieres ihm Macht gegeben ist; und sagt denen, die auf Erden wohnen, dass sie ein Bild machen sollen dem Tier, das die Wunde vom Schwert hatte und lebendig geworden war. 15 Und es wurde ihm Macht gegeben, Geist zu verleihen dem Bild des Tieres, damit das Bild des Tieres reden und machen könne, dass alle, die das Bild des Tieres nicht anbeteten, getötet würden.

             Dieses Pseudo-Lamm weist sich aus durch große Zeichen, wie Feuer vom Himmel. Es ruft dazu auf, ein Götterbild des ersten Tieres zu errichten. Hier wird es vermutlich um den Kaiserkult vor Kaiser-Statuen in den Tempeln des Ostens gehen. Kaiser Domitian hat sich dazu verstiegen, sich als Gott verehren zu lassen. Und alle dazu  zwingen, ihm diese göttliche Verehrung zutiel werden zu lassen.

Dieses Lügen-Lamm verleiht diesem Götterbild Stimme. Hier muss man nicht zuerst an Theater-Tricks erinnern, die es auch schon damals gab. Auch nicht, wie es angstvolle Gemüter vor Siebzig Jahren getan haben, an den Fernseh-Schirm, aus dem plötzlich Stimmen erschallen. Das alles greift zu kurz. In die falsche Richtung. Gemeint ist vielmehr, dass die machtvolle Ausstrahlung dieser Bilder, der sich Menschen einfach unterwerfen, getrieben von Angst. Denn alle, die das Bild nicht anbeten, würden getötet.

Hier spielen sicher Erfahrung im Osten des Reiches eine Rolle, wo die Anbetung vor Standbildern des Kaisers Domitian auch mit Todesdrohungen erzwungen worden ist. Es hat tödliche Konsequenzen, sich diesem Kult zu verweigern.

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Licht der Welt

Johannes  8, 12 – 20

12 Da redete Jesus abermals zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.

            Hatte sich eben die Szene noch geleert, so sind jetzt plötzlich wieder Zuhörer da. Zu ihnen redet Jesus. Mit einem Ich-bin-Wort. Ein steiler und ein wenig unverhoffter Einstieg. Nicht vorbereitet durch das vorher erzählte Geschehen.

Es könnte passen, dass dieses Wort am letzten Tag des Laubhüttenfestes gesprochen ist. Wenn im Tempelbezirk riesige Kandelaber, Lichtträger entzündet werden, die weit über Jerusalem leuchten. Dann wäre das der Kontrast: Da das künstliche Licht der Leuchter und hier er, Jesus. Licht in Person.

Ich bin das Licht der Welt. „Er gibt das Licht und ist es zugleich; er gibt es, indem er es ist und er ist es, indem er es gibt.“ (R. Bultmann,aaO.; S.261) Ein Wort, das im Prolog schon vor-anklingt: „Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen.“(1,8) Erleuchtet sein – nicht mehr tastend herum tappen. Nicht mehr orientierungslos unterwegs, hin und her. Wer das Licht der Welt hat, der kann sichere Schritte tun.

In einer Zeit, die die Nächte taghell ausleuchtet, vermögen wir kaum zu verstehen, was für eine Lebensbedeutung Licht haben kann. Bei uns gibt es eine Sehnsucht, dass es doch einmal wirklich Nacht, wirklich dunkel sein möge, damit Ruhe einkehrt. Zu Zeiten Jesu ist das Dunkel der Nacht voller Gefahr und das Licht erlaubt sichere Schritte auf dem Weg. „Licht der Welt“ weiterlesen

Vorbereitung für harte Zeiten, steinige Wege

Matthäus 24, 1 – 14

1 Und Jesus ging aus dem Tempel fort und seine Jünger traten zu ihm und zeigten ihm die Gebäude des Tempels. 2 Er aber sprach zu ihnen: Seht ihr nicht das alles? Wahrlich, ich sage euch: Es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben, der nicht zerbrochen werde.

             Mit den Wehe-Rufen gegen die Pharisäer ist in der Öffentlichkeit alles gesagt. Es gibt jetzt keine Rede mehr an das Volk. Jesus verlässt den Tempel und nur noch seine Jünger sind bei ihm.

Wo darf ich mir die erzählte Szene denken? Am Hang des Ölberges, von wo aus man eine unglaubliche Sicht auf den Tempelberg hat? Sind die Jünger beeindruckt und wollen sie, dass Jesus ihr beeindruckt Sein bestätigt?

Skeptisch könnte man  sagen: Wie oft hat die Kirche auch späterer Jahre auf die Pracht der Steine gesetzt. Mit Gebäuden beeindruckt. Sich selbst und auch das Volk. Und ein wenig traurig stelle ich fest: Mancherorts sind es nur noch die Steine, die eine Geschichte des Glaubens erzählen.

Jesus aber sieht anders. Er beginnt seinen Jüngern die Augen zu öffnen. Allen Jüngerinnen und Jüngern, nicht mehr nur den vieren – Petrus und Andreas,  Jakobus und Johannes. Es sind wirklich alle, „die seine Belehrung empfangen. Das erleichtert den Leser/innen in den Gemeinden die Identifikation: Jetzt sind sie und nur sie angesprochen.“ (U.Luz, aaO.; S.418)

Augen auf für das, was kommen wird, was geschehen wird mit Jerusalem, mit dem Tempel. Es ist die Ansage eines Unterganges, wenn auch ohne Termin-Angabe. So wie er sich im Jahr 70 n.Chr. auch wirklich abgespielt hat. „Vorbereitung für harte Zeiten, steinige Wege“ weiterlesen

Der Verführung standhalten

  1. Mose 39, 1 – 23

 1 Josef wurde hinab nach Ägypten geführt, und Potifar, ein ägyptischer Mann, des Pharao Kämmerer und Oberster der Leibwache, kaufte ihn von den Ismaelitern, die ihn hinabgebracht hatten. 2 Und der HERR war mit Josef, sodass er ein Mann wurde, dem alles glückte. Und er war in seines Herrn, des Ägypters, Hause. 3 Und sein Herr sah, dass der HERR mit ihm war; denn alles, was er tat, das ließ der HERR in seiner Hand glücken, 4 sodass er Gnade fand vor seinem Herrn und sein Diener wurde. Der setzte ihn über sein Haus; und alles, was er hatte, tat er unter seine Hände.

Szenenwechsel. Aus dem jüdischen Bergland in die Stadtkultur nach Ägypten. Josef wird Haus-Sklave bei einem angesehenen Mann. Potifar, ein ägyptischer Mann, des Pharao Kämmerer und Oberster der Leibwache. Was im Luther-Text eindeutig wirkt, ist so eindeutig nicht. Die hebräische Bezeichnung sarissim ­ kann einfach einen diplomatischen, militärischen oder Verwaltungsbeamten bezeichnen. Sie kann aber auch die Bedeutung „Eunuch“ haben, Kastraten waren prädestiniert für die Beamtenlaufbahn in den königlichen Harems, und das nicht nur in Ägypten. Die zweite Beamtenbezeichnung könnte gelesen werden: Potifar ist der „oberste Metzgermeister“ oder „Küchenchef“ des Pharao. Jedoch kann sich hinter der Bezeichnung auch ein militärischer Rang verbergen. War er also der „Oberste der Leibgarde“? Das ist iin manchen dikataturen ja fast deckungsgleich mit dem „obersten Metzegermeiser“.

           Josef hat in seinem Tun in diesem Haus eine glückliche Hand. „Der Gott der Väter ist jetzt in der Ferne mit Josef wie er mit seinen Vätern war.“ (C. Westermann, aaO; S.394) Aber von einem aktiven Handeln Gottes, gar von einem Reden Gottes wird in diesen Josefs-Geschichten nicht die Rede sein. Es ist der Erzähler, der weiß: Es ist der Herr, der mit Josef ist, auch in dem fremden Land.

Das bleibt nicht verborgen. Potifar sieht, dass er einen guten Fang gemacht hat mit diesem Sklaven. Wie man sich das vorstellen muss: sein Herr sah, dass der HERR mit ihm war, ist mir nicht ganz klar. Aber es ist öfters so, dass die Heiden an den Israeliten etwas aufleuchten sehen von der Wirklichkeit Gottes.  Es ist regelrecht eine Erwartung an Israel: In seiner Existenz soll sichtbar werden: „Zu der Zeit werden zehn Männer aus allen Sprachen der Heiden „einen“ jüdischen Mann beim Zipfel seines Gewandes ergreifen und sagen: Wir wollen mit euch gehen, denn wir hören, dass Gott mit euch ist.“(Sacharja 8,23) Was Sacharja in Zukunft erwartet, sieht Potifar schon an Josef!

Es ist eine Botschaft über die erzählte Geschichte hinaus. Gott segnet, wo seine Leute sind. Er lässt sich nicht exklusiv einschränken mit seinem Segen. Gottes Leute sind Segensträger in die Welt hinein, auch in die Welt hinein, die mit Gott nichts (mehr) anzufangen weiß. „Der Verführung standhalten“ weiterlesen

Rachepläne

  1. Mose 27, 41 – 28,9

41 Und Esau war Jakob gram um des Segens willen, mit dem ihn sein Vater gesegnet hatte, und sprach in seinem Herzen: Es wird die Zeit bald kommen, dass man um meinen Vater Leid tragen muss; dann will ich meinen Bruder Jakob umbringen.

            Die Zeit heilt Wunden, sagt der Volksmund. Aber es gibt auch Wunden, die sind so tief eingegraben, dass die Zeit sie nur überdeckt, aber nicht heilt. So geht es Esau. Er hält still, solange sein Vater lebt. Er hält es aus mit dem, der ihm den Segen weggenommen hat und das Erst-Geburtsrecht abgeluchst. Ihn „abgekocht“ hat. Aber er kann und will nicht vergessen. „Der erschlichene Segen hat die Brüder endgültig entzweit.“ (R.Lux, aaO; S.41)

In seinem Herzen reifen fürchterliche Pläne: Wenn die Trauer um Isaak um sich greift, die anderen lähmt, dann will ich meinen Bruder Jakob umbringen. Es gehört zur Nüchternheit der biblischen Erzähler, dass sie die manchmal geradezu mörderische Rivalität zwischen Brüdern  (auch zwischen Schwestern?) nicht verschweigen, sondern benennen. Sie kennen die Abgründe des menschlichen Herzens. Esau ist auf dem Weg, Kain nachzueifern. Auch da ging es ja um verweigerten und zugewandten Segen.

 42 Da wurden Rebekka angesagt diese Worte ihres älteren Sohnes Esau.

Offensichtlich hat Esau die Gedanken seines Herzens nicht unter Verschluss gehalten. Er hat andere wissen lassen, was er plant, seine Drohungen laut werden lassen. So erfährt Rebekka von den Worten und Plänen ihres älteren Sohnes. Und nimmt sie ernst.  „Rachepläne“ weiterlesen

Getauft

Römer 6, 1 – 11

1 Was sollen wir nun sagen? Sollen wir denn in der Sünde beharren, damit die Gnade umso mächtiger werde? 2 Das sei ferne! Wie sollten wir in der Sünde leben wollen, der wir doch gestorben sind?

            „Wir bleiben nicht bei Paulus, wenn uns nur die Frage bewegt, wie aus dem Menschen ein Glaubender werde, nicht auch die, was aus dem Glaubenden werde.“(A. Schlatter, aaO. S.196) Das ist das Thema, das Paulus bewegt: Wie wirkt sich das ins Leben hinein aus, dass wir gerecht gemacht sind durch den Glauben. Wie gewinnt diese Gerechtigkeit gestaltende Kraft im Leben?

Eine Antwort  die ihm vielleicht vorgehalten worden ist, wehrt er ab: Sie ist kein Freibrief. Einmal mehr: Das sei ferne! Ich übertrage: Um Himmels willen! Das wäre ja ein Rückfall in das alte Leben, wenn einer sagen würde, Ich bin so frei! Ich sündige tapfer! Damit würde ja die Freiheit verspielt, in die Gott die Glaubenden gestellt hat.  Denn in der Sünde leben wollen, ist ja nicht weniger als ihr wieder Macht im eigenen Leben einräumen.

Jetzt benennt Paulus eine Voraussetzung, die er zuvor im Brief noch nicht gemacht hat: Christen sind der Sünde, ich ergänze: weg- gestorben. Wenn die Sünde den Tod mit sich bringt, dann  haben die Christen diesen Tod schon hinter sich. Im Tod Christi sind sie der Sünde weggestorben.

3 Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? 4 So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln. 5 Denn wenn wir mit ihm verbunden und ihm gleich geworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein.

Um zu erklären, wie er darauf kommt, greift Paulus auf die Taufe zurück. Damit auf eine Erfahrung, die die Christinnen und Christen in Rom aus dem eigenen Leben kennen. Es geht um  untergetaucht werden und das aus dem Wasser Steigen, das in der Taufe erlebt wird. Das geschieht in der Taufe:  Das Untertauchen in das Wasser entspricht dem  begraben durch die Taufe in den Tod. Das Aufsteigen aus dem Wasser ist die neue Wirklichkeit, in einem neuen Leben zu wandeln. „Getauft“ weiterlesen

Lieben in Tat und Wahrheit

  1. Johannes 3, 11 – 18

11 Denn das ist die Botschaft, die ihr gehört habt von Anfang an, dass wir uns untereinander lieben sollen, 12 nicht wie Kain, der von dem Bösen stammte und seinen Bruder umbrachte. Und warum brachte er ihn um? Weil seine Werke böse waren und die seines Bruders gerecht.

             So ähnlich hat es Johannes schon einmal gesagt, aber von sich selbst und seinen Brüdern: „Das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen. (1,5) Was die Leserinnen und Leser lesen und hören, das ist keine selbst erdachte Botschaft des Johannes. Sie geht zurück auf das, was er und andere gehört haben. Wir sollen uns untereinander lieben. Wieder stehen Jesus-Worte aus dem Evangelium „Pate“: „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt. (Johannes 13,35)

             Sozusagen als abschreckendes Gegenbeispiel für die verweigerte Bruderliebe wird Kain angeführt. Aber seine Tat wird sehr grundsätzlich gewertet. „Kains Werke waren böse, und dies schon…vor dem Brudermord. Sein und Tun greifen ineinander.“ (H-J. Klauck, aaO. S. 205) Uns ist das fremd – und der biblische Text gibt auch in dieser Schärfe das Urteil über Kain nicht her. Erst recht nicht, wenn man weiter liest und die Fürsorge Gottes für Kain zur Kenntnis nimmt: „Aber der HERR sprach zu ihm: Nein, sondern wer Kain totschlägt, das soll siebenfältig gerächt werden. Und der HERR machte ein Zeichen an Kain, dass ihn niemand erschlüge, der ihn fände. So ging Kain hinweg von dem Angesicht des HERRN und wohnte im Lande Nod, jenseits von Eden, gegen Osten.“ (1. Mose 4,15-16) 

Diese Sicht des Johannes auf Kain ist freilich ein gutes Beispiel dafür, dass Autoren des Neuen Testamentes nicht im luftleeren Raum schreiben. Es gibt im jüdischen Umfeld eine Sicht auf Kain, die Johannes wohl kennt und der er nahe steht: „“Zuerst entstand der Ehebruch, danach der Mord. Und er (Kain) wurde aus dem Ehebruch gezeugt, denn er war der Sohn der Schlange. Deshalb wurde er Menschentöter wie auch sein Vater und er tötete seinen Bruder.“ (EVPhil 42 zitiert nach H-J. Klauck, aaO. S. 206) Eine Menge Voraussetzungen, die uns fremd sind: Eva begeht Ehebruch mit der Schlange. Kain ist der Sohn der Schlange! Darum stammt er vom Bösen ab. Da halte ich es lieber mit dem Schweigen des Erzählers aus 1. Mose 4! Und dem schier Unerklärbaren, Rätselhaften, dass Brüder einander so hassen können. „Lieben in Tat und Wahrheit“ weiterlesen