Das Licht der Welt

Johannes 8, 12 – 20

12 Da redete Jesus abermals zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.

 Nach der eingeschobenen Erzählung kehrt Johannes zum Gang der Ereignisse zurück. Hatte sich eben die Szene noch geleert, so sind jetzt plötzlich Zuhörer da. Zu ihnen redet Jesus. Mit einem Ich-bin-Wort. Ein steiler und ein unerwarteter Einstieg. Nicht vorbereitet durch das vorher erzählte Geschehen.

 Es könnte passen, dass dieses Wort am letzten Tag des Laubhüttenfestes (7,37) gesprochen ist. Wenn im Tempelbezirk riesige Kandelaber, Lichtträger entzündet werden, die weit über Jerusalem leuchten. Dann wäre das der Kontrast: Da das künstliche Licht der Leuchter und hier er, Jesus. Licht in Person.

 Ich bin das Licht der Welt. Was für ein Anspruch: Ohne mich ist es dunkel in der Welt.  Vom Dunkel der Welt hören wir jeden Tag. Was die große Weltlage angeht und auch, was den kleinen privaten Bereich vor der eigenen Haustür betrifft.

 Streng auf den Text bezogen, klingt das so: Er gibt das Licht und er ist es zugleich. In Person. Ein Wort, das im Prolog schon vor-anklingt: „Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen.“ (1,8) Erleuchtet sein – nicht mehr tastend herum tappen. Nicht mehr orientierungslos unterwegs, hin und her. Wer das Licht der Welt hat, der kann sichere Schritte tun. „Das Licht der Welt“ weiterlesen

Jesus – Licht der Welt

Johannes 8, 12 – 20

12 Da redete Jesus abermals zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.

Nach der eingeschobenen Erzählung kehrt Johannes zum Gang der Ereignisse zurück. Hatte sich eben die Szene noch geleert, so sind jetzt plötzlich wieder Zuhörer da. Zu ihnen redet Jesus. Mit einem Ich-bin-Wort. Ein steiler und ein unerwarteter Einstieg. Nicht vorbereitet durch das vorher erzählte Geschehen.

Es könnte passen, dass dieses Wort am letzten Tag des Laubhüttenfestes (7,37) gesprochen ist. Wenn im Tempelbezirk riesige Kandelaber, Lichtträger entzündet werden, die weit über Jerusalem leuchten. Dann wäre das der Kontrast: Da das künstliche Licht der Leuchter un hier er, Jesus. Licht in Person.

  Ich bin das Licht der Welt. Was für ein Anspruch: Ohne mich ist es dunkel in der Welt.  Bei einem gewiss der Abhängigkeit von der Kirche unverdächtigen Autor heißt es: „Es konnte sich gar nicht anders verhalten, denn alle vorchristliche Menschheit ist notwendig düster: erst die Frohe Botschaft vermochte den Alpdruck wegzunehmen, der über aller Kreatur liegt.“ (E. Friedell, Kulturgeschichte Griechenlands, München 2002, geschrieben 1938, S. 55) Vom Dunkel der Welt hören wir jeden Tag. Was die große Weltlage angeht und auch, was den kleinen privaten Bereich vor der eigenen Haustür betrifft.

Streng auf den Text bezogen, klingt das so: Er gibt das Licht und ist es zugleich. Ein Wort, das im Prolog schon vor-anklingt: „Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen.“ (1,8) Erleuchtet sein – nicht mehr tastend herum tappen. Nicht mehr orientierungslos unterwegs, hin und her. Wer das Licht der Welt hat, der kann sichere Schritte tun.

In einer Zeit, die die Nächte taghell ausleuchtet, vermögen wir kaum zu verstehen, was für eine Lebensbedeutung Licht haben kann. Bei uns gibt es eine Sehnsucht, dass es doch einmal wirklich Nacht, wirklich dunkel sein möge, damit Ruhe einkehrt. Zu Zeiten Jesu ist das Dunkel der Nacht voller Gefahr und das Licht erlaubt sichere Schritte auf dem Weg.

             „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.“  

                                                                       Psalm 119,105

 Dieser Ruf ist nicht nur eine Aussage Jesu über sich selbst. Er ist zugleich eine Aufforderung, sich diesem Licht anzuvertrauen. „Niemand wird ausgeschlossen. alle werden eingeladen, in ihm das Licht der Welt zu erblicken und ihm nachzufolgen.“ (R. Micheel / Th. Popp) Womöglich: Es zu testen. Herauszufinden, dass es wirklich leuchtet im Dunkel der Welt. Jetzt, in diesem Leben hier. „Jesus – Licht der Welt“ weiterlesen

Du darfst neu leben

Johannes 7, 53 – 8,11

53 Und jeder ging heim. 1 Jesus aber ging zum Ölberg.

Ein Satz, der in der Luft hängt: Und jeder ging heim. Stecken hinter dem jeder die Zuhörer des Disputs, Leute aus dem Volk? Oder sind es die Knechte, die einsehen, dass es heute nichts mehr zu tun gibt. Oder geht es darum, dass die Hohenpriester und der Rat ihre Sitzung unterbrechen? Alles ist möglich. Nichts ist klar.

Zwischen den beiden Sätzen liegt eine ganze Nacht. Jesus ist allein am Ölberg. Von den Jüngern keine Spur. Sie werden auch in der nachfolgenden Geschichte abwesend sein. Was ist in dieser Nacht am Ölberg? Johannes lässt in seinem Erzählen eine Lücke, ein ungefülltes Zeitfenster und lädt so ein zum Fragen.

2 Und frühmorgens kam er wieder in den Tempel, und alles Volk kam zu ihm, und er setzte sich und lehrte sie.

Es geht am Morgen weiter, als wäre nichts gewesen. Kein Trupp von Knechten, um ihn fest zu nehmen. Keine wilden Diskussionen, wie er denn nun zu verstehen ist. Jesus kommt in der Frühe des Tages in den Tempel.  Das Volk kommt zu ihm. Er setzt sich und lehrt sie. Das ist die äußere Haltung eines Lehrers, eines, der etwas zu sagen hat. Und es ist die innere Ruhe dessen, der weiß, dass er nicht im eigenen Auftrag unterwegs ist, sondern „gesandt.“ (7,33) Er knüpft an dem an, was unmittelbar vorher schon erzählt worden ist: „mitten im Fest ging Jesus hinauf in den Tempel und lehrte.“ (7,15) Mag sein, das Fest ist vorbei – der Lehrauftrag Jesu ist noch nicht aufgehoben. Er setzt ihn fort. Dort, wo „seines Vaters Haus ist“ (Lukas 2,50), im Tempel.

3 Aber die Schriftgelehrten und Pharisäer brachten eine Frau, beim Ehebruch ergriffen, und stellten sie in die Mitte

 Es bleibt nicht lange ruhig, beschauliche Lehrzeit. Das aber signalisiert Störung. Schriftgelehrten und Pharisäer betreten den Schauplatz. Nicht allein. Sie bringen eine Frau mit. Die hat ihren Mann betrogen. Man hat sie auf frischer Tat ertappt, sozusagen in flagranti. Es ist der Phantasie der Leserinnen und Leser überlassen, sich vorzustellen, wie es bei diesem Bringen und Vorführen zuging. Allzu sanft wird es nicht gewesen sein, eher ein in die Mitte Zerren.

4 und sprachen zu ihm: Meister, diese Frau ist auf frischer Tat beim Ehebruch ergriffen worden. 5 Mose aber hat uns im Gesetz geboten, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du? 6 Das sagten sie aber, ihn zu versuchen, damit sie ihn verklagen könnten.

 Das schreit nach Klärung.  Diese Klärung wollen die Schriftgelehrten und Pharisäer. „ Was wird er zu diesem Fall sagen, den man kennt als „Freund der Sünder“, als „Fresser und Weinsäufer“ (Lukas 7,34)?

So geht es also nicht nur um juristische Klärungen. Sondern zugleich steht damit auf dem Spiel, wie Jesus sich positionieren wird.  Ob sie ihn anklagen können – wegen Missachtung des Gesetzes. Oder ob er Sympathien verspielen wird, seinen Ruf als Erbarmer verlieren, wenn er ihr gegenüber die Härte des Gesetzes akzeptiert, das eindeutig ist: „Wenn jemand die Ehe bricht mit der Frau seines Nächsten, so sollen beide des Todes sterben, Ehebrecher und Ehebrecherin, weil er mit der Frau seines Nächsten die Ehe gebrochen hat.“ (3. Mose 20,10) „Du darfst neu leben“ weiterlesen

Zwischen Polemik, Arroganz und Fragen

Johannes 7, 40 – 52

40 Einige nun aus dem Volk, die diese Worte hörten, sprachen: Dieser ist wahrhaftig der Prophet. 41 Andere sprachen: Er ist der Christus. Wieder andere sprachen: Soll der Christus aus Galiläa kommen? 42 Sagt nicht die Schrift: Aus dem Geschlecht Davids und aus dem Ort Bethlehem, wo David war, soll der Christus kommen? 43 So entstand seinetwegen Zwietracht im Volk.

 Wieder geht das Gerede unter dem Volk los. Die Diskussion, wie das denn nun mit diesem Jesus ist. Was dahinter steckt. Ob es nur schöne Worte sind. Oder doch Wahrheit, von Gott her beglaubigt. Und wieder sagen die einen so und die anderen anders. So wissen es auch die anderen Evangelien. Es gehen viele Meinungen über Jesus um.

 Auch diese Vielfalt spiegelt noch wider: Wahrhaftig der Prophet. Sagen die einen und halten ihn für den wiedergekehrten Mose. Hatte es doch Mose selbst angekündigt:  “Einen Propheten wie mich wird dir der HERR, dein Gott, erwecken aus dir und aus deinen Brüdern; dem sollt ihr gehorchen.” (5. Mose 18,15) Ein wichtiger Satz, auch für die christliche Gemeinde.

Andere gehen noch einen Schritt weiter. Er ist der Christus, der Messias. Und ernten Widerspruch. Der Christus aus Galiläa? Das geht doch gar nicht. Er muss doch aus dem Geschlecht Davids und aus dem Ort Bethlehem kommen. Das alles passt doch nicht zu diesem Galiläer Jesus. Und wissen wieder Bescheid. Zumindest, was die Genealogie angeht.

 Johannes widerspricht nicht. Korrigiert auch ihr Wissen nicht durch Hinweise auf das Davidshaus. Auch nicht durch den Rückgriff auf Matthäus und Lukas oder Paulus, der Jesus ausdrücklich bezeichnet als „den Sohn, der geboren ist aus dem Geschlecht Davids nach dem Fleisch,“ (Römer 1,3) Man kann fragen: Weiß er es nicht? Oder interessiert es ihn nicht, weil er sowieso ganz anders denkt: Für Jesus gilt ja in seiner Sicht: “Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.” (1,14) Da braucht es keinen Stammbaum, keine Genealogie, keinen Geburtsort Bethlehem. Überspitzt: Bei Johannes könnte die Weihnachtsgeschichte des Lukas ausfallen.

            Das Ende vom Lied: Zwietracht. Uneinigkeit. Streit. Fehlt nur noch, dass einer sagt: Gut, dass wir drüber geredet haben. „Zwischen Polemik, Arroganz und Fragen“ weiterlesen

Jesus – Wasser des Lebens

Johannes 7, 32 – 39

32 Und es kam den Pharisäern zu Ohren, dass im Volk solches Gemurmel über ihn war. Da sandten die Hohenpriester und Pharisäer Knechte aus, die ihn ergreifen sollten.

 Was da im Volk so umgeht an Meinungen, Fragen, bleibt nicht verborgen. Es kommt den Pharisäern zu Ohren. Diese Formulierung wirkt fast so, als seien die Pharisäer hier wie eine Institution verstanden. Das trifft ein bisschen die Wirklichkeit nach dem Jahr 70. Da sind sie die organisierte Gruppierung des Judentums. Aber zur Zeit Jesu sind sie nur eine unter vielen Gruppen. Zusammen, in Abstimmung mit den Hohenpriestern senden die Pharisäer Truppen, um Jesus zu ergreifen. Dem Spuk ein Ende zu machen.

33 Da sprach Jesus zu ihnen: Ich bin noch eine kleine Zeit bei euch, und dann gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat. 34 Ihr werdet mich suchen und nicht finden; und wo ich bin, könnt ihr nicht hinkommen.

Zu ihnen – das könnten die Knechte sein. Logischer aber sind die Hohenpriester und Pharisäer die eigentlichen Adressaten der Worte Jesu. Ihnen kündigt Jesus ihr vergebliches Suchen an, ihren vergeblichen Zugriff. Ihnen kündigt er sein Gehen an zu dem, der ihn gesandt hat. Bis dahin ist es nicht mehr lange. Eine kleine Zeit – eine Wendung, die noch oft im Johannesevangelium auftauchen wird. Auch im Gespräch mit den Jüngern.

 Das sind keine leicht dahin gesprochenen Sätze. Jesus sieht die Knechte, die ihn ergreifen sollen. Er weiß, was im Hintergrund und in Hinterzimmern verhandelt wird. In den anderen Evangelien zeigen die Leidensansagen Jesu dieses Wissen Jesu. „Jesus – Wasser des Lebens“ weiterlesen