Vom Kampf des Glaubens

Epheser 6, 10 -17

10 Und schließlich: Werdet stark durch eure Verbundenheit mit dem Herrn. Lasst euch stärken durch seine Kraft. 11 Legt alle Waffen an, die Gott euch gibt. Dann könnt ihr dem Teufel und seiner Hinterlist widerstehen.

 Die Mahnungen und Ermutigung neigen sich dem Ende zu. Noch einmal – es gilt zu wachsen. In Der Verbindung zu Gott. In der Abhängigkeit von Gott. Je näher einer/eine sich an Gott zu binden weiß, umso mehr gewinnt der Glaube an Kraft und Stabilität. Es gilt, sich zu wappnen. Gegen alles, was an Angriffen kommen kann, an Irritationen, an Anfechtungen.

Es ist eine Sicht auf den Glauben, die ihn als Kampfgeschehen sieht. Gegen den Teufel. Gegen den „Fürst dieser Welt“ (M. Luther, 1529, EG 362) Es ist eine Sicht, die uns Heutigen weitgehend fremd geworden ist. Wir haben es nicht mehr so mit dem Teufel. Uns reichen die Teufeleien, die sich Menschen ausdenken und die sie praktizieren. Man könnte auch sagen: So wie Gott manchmal inkognito durch Menschen handelt, so ist es auch bei dem Teufel, dem Diabolos. Er findet genug Werkzeuge für sein Wesen. „Vom Kampf des Glaubens“ weiterlesen

Achtung für die Übersehenen

Epheser 6, 1 – 9

1 Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern! Ihr gehört doch zum Herrn, und so ist es richtig vor Gott. »Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.« Das ist das erste der Zehn Gebote, mit dem ein Versprechen verbunden ist: 3 »Dann wird es dir gut gehen und du wirst lange leben auf der Erde.« 4 Und ihr Väter, macht eure Kinder nicht zornig. Erzieht sie vielmehr mit Zurechtweisung und Ermahnung, wie es dem Herrn entspricht.

Die Ermahnungen werden fortgesetzt, in Worten an die Kinder. Ein bisschen verblüfft es: Die Frage nach dem Alter der angesprochenen Kinderspielt in keinem Kommentar wirklich eine Rolle! Aber angesprochen sind offensichtlich Kinder, die bei der öffentlichen Verlesung des Briefes anwesend sind – und aufnahmefähig für diese Worte. Gemeint sind damit vermutlich doch erwachsene Kinder. Allenfalls Heranwachsende. Aber kaum Kleinkinder von unter fünf oder sechs Jahren.

Es sind auch im Gebot aus den Zehn Geboten die erwachsenen Kinder, denen die Ehre von Vater und Mutter aufgetragen ist, die Fürsorge für die alt werdenden Eltern. Es ist dann ein Blickwechsel – jetzt auf die „Erziehungsberechtigten“, damals vor allem Väter, die diese Aufgabe damals übernehmen, wenn Kinder aus dem Kleinkind-Alter heraus sind: Nicht den Willen brechen. Nicht sich durchsetzen um den Preis, dass Kinder in den Zorn über Gängelung und Unterdrückung verfallen. Stattdessen: παιδεία κα νουθεσίαZurechtweisung und Ermahnung. Ihnen Aufgaben zuteilen, die sie auf die Probe stellen, herausfordern. Die ihnen Möglichkeit geben, sich selbst auszuprobieren.

Das eigentlich Erstaunliche an dieser Passage ist, dass Kinder überhaupt so im öffentlichen Raum wahrgenommen werden. In der Umwelt sind sie auf das Haus beschränkt, auf den Familienkreis und unterliegen der Zuchtordnung des pater familias, des Sippenhaupte, mit einem unglaublich weit gehenden Verfügungsrecht. Bis hin dazu, Kinder als Sklaven zu verkaufen. Hier zeigt sich, wie die Gemeinde des Anfangs ein gesellschaftlicher Gegenentwurf zu werden beginnt. „Achtung für die Übersehenen“ weiterlesen

Wegweisung zum gerechten Umgang

Epheser 5, 21 -33 

21 Ordnet euch einander unter in Ehrfurcht vor Christus!

Das ist die Generalklausel über allem, was folgen wird. Einmal mehr bestimmt vom Leitwort: λλλοις einander. Eine Einweisung in den respektvollen Umgang, in das Miteinander, in die gegenseitige Achtung. Es ist zu wenig gehört, wenn wir nur Unterordnung und Festschreiben von Hierarchien wahrnehmen. Es geht um das, was man „gelingende Gemeinschaft“ nennen könnte. Und die Generalklausel zum Anfang hält fest: wenn jeder nur sich und seine Rechte kennt, wird es nicht gehen. Es braucht die wechselseitige Fähigkeit, sich zurückzunehmen, sich einzubringen ohne Anspruch.

Begründet wird diese Haltung mit Ehrfurcht vor Christus. Christus gegenüber ist keine Unterwerfung angesagt, sondern Vertrauen, keine Unterwürfigkeit, sondern die Zuversicht, dass er uns kennt und achtet und uns zur Fülle des Lebens führt. Jüngerschaft hat bei Jesus nichts mit devoter Kriecherei zu tun. Darum hat sie auch auf dem Weg des Glaubens nicht zu suchen. „Wegweisung zum gerechten Umgang“ weiterlesen

Begeisterung

Epheser 5, 15 – 20

15 Achtet also sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt: Nicht voller Dummheit, sondern voller Weisheit. 16 Macht das Beste aus eurer Zeit, gerade weil es schlimme Tage sind. 17 Aus diesem Grund sollt ihr nicht unverständig sein, sondern begreifen, was der Wille des Herrn ist!

Sich in Acht nehmen.  Sich nicht leichtfertig verhalten. „Dumm ist, wer Dummes tut.“ Forrest Gump) Kein Philosophenwort, aber dennoch richtungsweisend. Im Griechischen ist nicht von Dummheit und Weisheit, sondern von Unweisen und Weisen die Rede. Da sind die Personen im Blick. In der neuen Übersetzung mehr das Resultat ihres Tuns.

Auf den ersten Blick wirkt es wie eine Aufforderung zu rastloser Tätigkeit: Macht das Beste aus eurer Zeit. Allerdings kann man auch anders verstehen: Segne unser Tun und Lassen. Es ist ja gar nicht immer gesagt, dass, wer viel macht, deshalb auch alles gut macht. Sondern man soll sich zeitgerecht verhalten – eigentlich nach dem griechischen Wort sogar: „marktgerecht“.  ξαγοραζμενοι. Gerade weil die Zeiten böse sind, gilt es, klug zu handeln, besonnen und nicht hektisch. Je schwieriger die Zeiten sind, je mehr Herausforderungen sie in sich tragen, umso wichtiger wird die Orientierung an dem, was der Wille des Herrn ist! Es liegt nicht immer wie von selbst auf der Hand, was Gott will. Es braucht das Gebet, die Bereitschaft, sich von ihm den Weg zeigen zu lassen. „Begeisterung“ weiterlesen

Leben wie auferstanden

Epheser 5, 1 – 14

 1 Nehmt euch also Gott zum Vorbild! Ihr seid doch seine geliebten Kinder. 2Und führt euer Leben so, dass es ganz von der Liebe bestimmt ist. Genauso hat auch Christus uns geliebt – und sein Leben für uns gegeben – als Opfer und als Duft, der Gott gnädig stimmt.

  Es ist ein langer Weg durch den Brief bis hierhin, wo es um ethische Konsequenzen des Glaubens geht. Auch jetzt wird es nicht so „praktisch“, wie wir uns das gerne vorstellen – mit Problembeschreibung und Lösungswegen. Ahmt nun Gott nach. Seid Nachahmer, Mimen. Das stellt doch sofort in Frage: Kann Gott ernsthaft Rollenvorbild für uns sein. Das ist doch eine hoffnungslose Überforderung. Aber dieser Hinweis ist nicht einmalig im Neuen Testament. In der Bergpredigt ist die Aufforderung Jesu überliefert: „Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.“ (Matthäus 5,48) Offensichtlich hat die erste Gemeinde nicht so viel Angst wie wir zu sagen: Mache es doch einfach wie Gott, werde Mensch.

   Die Orientierungshilfe geht weiter: Das eigene Leben ganz von der Liebe bestimmen lassen. Nicht von der Suche nach Erfolg oder Macht. Sondern von einer Liebe, die zum Geben befähigt. Zeit, Kraft, Geld – vor allem aber: Sich selbst. Auf der Suche nach Menschen, die so gelebt haben – Elisabeth von Thüringen, Franz von Assisi, Elsa Brandström, Jakob Künzler, dem „Vater der Armenier“. Und ganz viele, deren Name nie in der Kirchengeschichte auftaucht, nie Schlagzeilen gemacht hat. Die aber einfach voll Hingabe für andere gelebt haben.

 3 Über Unzucht, jede Art Unsittlichkeit oder auch über Habgier sollt ihr nicht einmal reden. Denn das gehört sich nicht für Heilige. 4 Ihr sollt nichts sagen, das andere herabsetzt, nicht dumm daherreden und keine zweideutigen Witze machen. Das ist nicht angemessen! Bringt vielmehr euren Dank zum Ausdruck. 5 Denn eines müsst ihr wissen: Jede Art von Unzucht, Unsittlichkeit und Habgier ist ja nichts anderes als Götzendienst. Wer dies tut, erhält kein Erbe im Reich von Christus und von Gott.

   Eine Mahnung zu Anstand und Zurückhaltung. Auch zu Abstand von allem, was nach Habgier aussehen könnte. Mahnungen, die quer zum Zeitgeist laufen: Es ist die Zeit, in der im römischen Reich so gut wie alles erlaubt ist. Eine liberale Moral feiert Triumphe und wenn es nur gekonnt formuliert ist, ist es auch gut. Es fehlt an moralischer Empfindsamkeit.   „Dreitausend graffiti sind aus Pompeii bekannt; wahrscheinlich gab es noch Tausende weiterer solcher Inschriften. Manchmal bestanden sie nur aus einem Namen oder einen gewagten Unanständigkeit, wie man sie noch heute irgendwo hingekritzelt finden kann. (W. Durant, Kulturgeschichte, Bd IX, o. J. S. 23) Also: Keine Herrenwitze – selbst dann nicht, wenn keine Frauen da sind. Keine Zweideutigkeiten. Keine „witzige Gewandtheit.“ Auch nicht solche Witze, die unschuldig daherkommen: „Der Sohn fragt: „Papa, wo ist Atlantis?“ Antwort des Vaters: „Weiß ich nicht. Mama hat aufgeräumt.“ (Kreisanzeiger, Kinderseite 17. 12. 2021) „Leben wie auferstanden“ weiterlesen