Last oder Hoffnung?

Maleachi 1, 1 – 14

 Dies ist die Last, die der HERR ankündigt über Israel durch Maleachi.

 Wer ist dieser Maleachi? Kurz gesagt: Wir wissen nichts über ihn. Nicht einmal das ist sicher, ob Maleachi ein Eigenname ist oder ob es sich so verhält, das der Name einfach sein Funktion benennt: Maleachi – Mein Bote.  Vermutlich ist der Prophet ein Zeitgenosse von Esra und Nehemia, zwischen 480 und 450 vor Christus an. Wir wüssten gerne mehr von ihm und müssen uns mit dem Wenigen bescheiden, was so ein Buch uns wissen lässt.

Was er zu sagen haben wird ist eine Last, nicht nur eine Nachricht. Es geht nicht nur um Information, nicht um Ankündigungen von Neuigkeiten oder gar Nettigkeiten. Es gibt etwas zu tragen. Last – die Worte, die über Israel gesagt werden, muten ihm auch einiges zu. Sie sind auch dem Boten eine Last. Es ist nicht immer schön und freundlich, was im Namen und Auftrag Gottes zu sagen ist.

 2 Ich habe euch lieb, spricht der HERR. Ihr aber sprecht: »Wie hast du uns lieb?« Ist nicht Esau Jakobs Bruder?, spricht der HERR; und doch hab ich Jakob lieb 3 und hasse Esau und habe sein Gebirge öde gemacht und sein Erbe den Schakalen zur Wüste. 4 Und wenn Edom spricht: Wir sind zerschlagen, aber wir wollen das Zerstörte wieder bauen!, so spricht der HERR Zebaoth: Werden sie bauen, so will ich abbrechen, und man wird sie nennen »Land des Frevels« und »Ein Volk, über das der HERR ewiglich zürnt«. 5 Das sollen eure Augen sehen und ihr werdet sagen: Der HERR ist herrlich über die Grenzen Israels hinaus.

 Ich habe euch lieb, spricht der HERR.  Kann noch mehr gesagt werden? Ist damit nicht schon fast alles gesagt? Gott lässt durch diese Worte doch in sein Herz blicken und benennt damit den Lebensgrund Israels. Es gibt Israel nur um dieser Liebe willen und die Geschichte Israels ist ein einziger Hinweis darauf, wie Gott dieser Liebe treu geblieben ist und treu bleibt.

Nur: Aber irgendwie hängt diese Liebeserklärung Gottes spürbar in der Luft. Sie findet nicht wirklich eine positive Antwort Fast achselzuckend wird sie zur Kenntnis genommen wird: Na und? Da ist auf der Seite des Volkes keine Freude als Reaktion spürbar.

  Es hat sich schon früh gezeigt: Die Liebe Gottes ist nicht fair. Sie gilt nicht allen gleich. Das ist das Skandalöse an dieser Begründung, zumindest in unseren Ohren: Gottes Liebe ist nicht frei vom Ansehen der Person. Sie ist wählerisch. Sie gilt Jakob und Israel und sie gilt Esau und Edom eben nicht. Esau und Edom erfahren, wie Gott alle Pläne für einen neuen Anfang sabotiert. Ihnen gegenüber zeigt sich Gott also regelrecht bösartig! Das ist eine ziemliche Zumutung für uns, die wir meinen, Gott müsste doch auf jeden Fall unserer Erklärung der Menschenrechte zustimmen: Alle Menschen sind gleich.

Stattdessen: Am Unglück Edoms soll Israel die Größe Gottes erkennen. An ihnen soll Israel lernen, dass es vergebliche Mühe ist, wenn man sich mit dem eigenen Tund gegen den willen gottes stemmt.

6 Ein Sohn soll seinen Vater ehren und ein Knecht seinen Herrn. Bin ich nun Vater, wo ist meine Ehre? Bin ich Herr, wo fürchtet man mich?, spricht der HERR Zebaoth zu euch Priestern, die meinen Namen verachten.

 Es geht weiter. Gefragt ist jetzt nach der Liebe des Sohnes, die sich zeigt in Achtung und Ehre. Dieses Familienbild wird auf die Gottesbeziehung übertragen – Israel ist diesem Gedankenspiel der Sohn Gottes. Gott fragt also nichts Unbilliges, sondern seine Frage fordert nur ein, was ihm zusteht.

Woran erkennen wir Gottes Liebe – diese Frage Israels wird gekontert: Bin ich Herr, wo fürchtet man mich? Suchen die Menschen nach den Taten der Liebe Gottes, so sucht Gott nach handfesten Zeichen seiner Ehrung durch die Menschen, durch sein Volk. Ausgerechnet bei den Priestern, die ständig Gottesdienste feiern, sucht er nach den Taten. Nicht nur worte und Zeremonien – Taten. Gelten also Gottesdienste nicht als Taten, nicht als Tun? Und schlimmer noch: Die, die die Ehrfurcht vor Gott lehren und leben sollten, die beschuldigt der Prophet und durch ihn der HERR, dass sie Leute sind, die meinen Namen verachten.

 Ihr aber sprecht: »Wodurch verachten wir denn deinen Namen?« 7 Dadurch dass ihr opfert auf meinem Altar unreine Speise. Ihr aber sprecht: »Womit opfern wir dir denn Unreines?« Dadurch dass ihr sagt: »Des HERRN Tisch ist für nichts zu achten.« 8 Denn wenn ihr ein blindes Tier opfert, so haltet ihr das nicht für böse; und wenn ihr ein lahmes oder ein krankes opfert, so haltet ihr das auch nicht für böse. Bring es doch deinem Fürsten! Meinst du, dass du ihm gefallen werdest oder dass er dich gnädig ansehen werde?, spricht der HERR Zebaoth.

 Die Antwort auf die Frage Gottes ist eine Unschuldsbeteuerung. Wir verstehen die Frage nicht. Was soll dieser Vorwurf? Es sind Priester, die sich angegriffen fühlen und die diesen Angriff als unbegründet zurück weisen möchten. Aber es folgt sofort die Begründung: Das Zeichen der Verachtung ist eine kärgliche Opferpraxis. Sie glaubt, dass für Gott gut genug ist, wenn er bekommt, was blind, krank, lahm ist. Wenn es darum geht, einen hochgestellten Menschen für sich zu gewinnen, ist man da auch so geizig, knickerig? Oder ist für den Fürsten nicht das Beste gerade gut genug?

9 So bittet doch Gott und seht, ob er uns gnädig sei! Denn meint ihr, nachdem solches von euch geschehen ist, er werde euch gnädig ansehen?, spricht der HERR Zebaoth. 10 Dass doch einer unter euch die Türen zuschlösse, damit ihr nicht umsonst auf meinem Altar Feuer anzündet! Ich habe kein Gefallen an euch, spricht der HERR Zebaoth, und das Opfer von euren Händen ist mir nicht angenehm.

 Maleachi´s Kritik am Opfer, am Kult, entzündet sich daran, dass diese Art Opfer wie ein Abspeisen Gottes wirkt, das ihn in Wahrheit missachtet. Beklagt Amos die Leere der Gottesdienste, das „Geplärr der Lieder“(Amos 5,23), so beklagt Maleachi den Geiz, der Gott missachtet.

Die Anklage hinter diesen Worten: Gott wird abgespeist. Zufriedengestellt mit dem, was bei uns abfällt. Wir gönnen ihm allenfalls eine Stunde in der Woche am Sonntag.  Das muss reichen, denn Zeit ist doch Geld. Wirklich an Gott glauben, auf Gott vertrauen, das würde bedeuten: Mein Äußerstes für ihn. Gott, Christus ist mir konkurrenzlos wichtig. Ich plane meine Zeit nach seinen Regeln. Ich plane mein Leben nach seinen Weisungen. Ich lasse mich leiten von der beständigen Frage: Was würde Jesus dazu sagen? Ich suche seinen Willen. Und: Ich folge seinen Wegweisungen auch wenn sie mich auf schwere Wege schicken. Ich halte am Vertrauen auf ihn fest, auch wenn mich das Leben durchschüttelt. Nicht nur in guten, auch in schweren Tagen.

11 Denn vom Aufgang der Sonne bis zum Niedergang ist mein Name herrlich unter den Heiden, und an allen Orten wird meinem Namen geopfert und ein reines Opfer dargebracht; denn mein Name ist herrlich unter den Heiden, spricht der HERR Zebaoth. 12 Ihr aber entheiligt ihn damit, dass ihr sagt: »Des Herrn Tisch ist unheilig, und sein Opfer ist für nichts zu achten.« 13 Und ihr sprecht: »Siehe, welch eine Mühsal!«, und bringt mich in Zorn, spricht der HERR Zebaoth, denn ihr bringt herzu, was geraubt, lahm und krank ist, und bringt es dar zum Opfer. Sollte mir solches gefallen von eurer Hand?, spricht der HERR. 14 Verflucht sei der Betrüger, der in seiner Herde ein gutes männliches Tier hat und es gelobt, aber dem Herrn ein fehlerhaftes opfert.

 Was für ein Kontrast. Hier der Name Gottes, der weltweit Ehre findet  und da ein lustloser Gottesdienst, der ihm Ehre, Respekt und Anbetung schuldig bleibt. „Das Verhalten der Heiden bildet den Kontrast zu den jetzt wieder direkt angeredeten Priestern, die Jahwes Namen entweihen, ihm gerade nicht die Ehre geben, indem sie seinen Altar herabsetzen.“(H. Graf Reventlow, aaO. S. 142) Es erinnert mich daran, dass es das gar nicht so selten gibt – Gottesdienste, die routiniert heruntergefeiert und heruntergeleiert werden. Dagegen muss doch gelten: „Für Gott ist das Beste gerade gut genug.“ Eine „Exzellenz-Offensive“ das dürfte doch gar nicht nötig sein. Wer sich geliebt weiß, will doch mit gleicher Liebe antworten. So zeigt sich in solch lieblosem Opfer und Gottesdienst die Missachtung der Liebe Gottes und der Liebe zu Gott.

Denn ich bin ein großer König, spricht der HERR Zebaoth, und mein Name ist gefürchtet unter den Heiden.

Schlimmer noch: Unter den Heiden findet Gott die Ehre, die ihm sein Volk schuldig bleibt. Dass im Blick auf das Lob für die Heiden diese scheinheilige Opferpraxis in Israel noch einmal fast wortgleich zu 7-8 wiederholt wird, verschärft die Anklage noch. Damit zieht Israel sich den Zorn Gottes zu. Aber auch wenn sein Volk ihm die Ehre schuldig bleibt, ändert das nichts: Ich bin ein großer König, spricht der HERR Zebaoth. Israel führt sich auf, als sei es ein Heidenvolk, während die Heiden sich verhalten, als seien sie Gottes Volk. Das ist Zukunftsmusik im Blick auf die Heiden und Kritik an der Gegenwart an Israel in einem.

 Mir fällt als eine neutestamentliche Entsprechung Jesu Erzählen vom großen Gastmahl ein. Die Missachtung seiner Einladung beantwortet der Gastgeber mit der Einladung an die Lahmen, Krüppel, die Menschen zweiter Wahl. Aber sein Fest lässt er sich nicht nehmen. Die ihn missachtet haben, schließen sich selbst von der Freude des Festes aus.

Zum Weiterdenken

 Ein reiches Land wie die Bundesrepublik hält sich einiges zugute für sein Spendenaufkommen. Aber sind nicht die Spenden, die auch in der Weihnachtszeit bei großen Galas und Fernseh-Shows reichlich gesammelt werden, in Wahrheit doch nur kärgliche Alibi-Gaben, Freikäufe für das schlechte Gewissen, dass es uns so unverdient gut geht? Während weltweit Not und Elend und Hunger herrschen. Bei zwei Billionen privatem Vermögen sind selbst zehn Millionen Spenden ein Fliegenschiss an der Wand.  Ins aktuelle Verhalten unserer Zeit übersetzt: Wir speisen Gott ab – mit 2.-€ oder 5.-€ in der Kollekte.

Heiliger Gott, hilf mir, dass ich Dich nicht abspeise mit ein bisschen Frömmigkeit mit der Teilnahme an Gottesdiensten und schönen Worten. Gib mir, dass ich Deinen Willen suche und tue, dass mein Handeln Dich ehrt, dass mein Leben Dir gefallen kann, dass ich Deinen Namen nicht missbrauche. Gib mir die richtigen Worte und hilf mir zu tun, was dem Leben dient und dem Glauben an Dich entspringt. Amen 

 

2 Gedanken zu „Last oder Hoffnung?“

    1. Es ist ein völlig anderer Zusammenhang, in dem ich das Wort gebrauche. Nichts von Verharmlosung! Eher im Gegenteil – massive Kritik.

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