Das letzte Wort hat die Gnade

 Thessalonicher 3, 6 – 18

 6 Wir gebieten euch aber im Namen unseres Herrn Jesus Christus, dass ihr euch zurückzieht von allen Brüdern und Schwestern, die unordentlich leben und nicht nach der Überlieferung, die ihr von uns empfangen habt. 7 Denn ihr wisst, wie ihr unserm Vorbild folgen sollt.

Es klingt nicht nur hart, es ist hart. Es ist eine Anweisung unter Berufung auf die höchste Autorität, die die Gemeinde kennt und anerkennt: Wir gebieten euch aber im Namen unseres Herrn Jesus Christus. Da ist nichts unklar, nichts dem eigenen Gutdünken überlassen. Rückzug, Abstand zu denen, die unordentlich lebenτκτως περιπατοντος. „Ungeordnet, regellos, zuchtlos, ausschweifend, nicht in der Schlachtordnung aufgestellt“ (Gemoll, aaO. S. 135) – alles Übersetzungsmöglichkeiten für das Wort τκτως.

 Geht es wirklich nur um „geregelte Arbeit“ (Basisbibel), der sie nicht nachgehen? Das Griechische erlaubt, in einer größeren Bandbreite zu denken. Nur das ist klar: Die, von denen Distanz verlangt wird, tanzen aus der Reihe. Sie leben nicht nach der Vorstellung, wie sie von Paulus, Silvanus, Timotheus vertreten ist. Es geht aber nicht nur darum, dass sie „Abweichler“ von Verhaltensnormen sind.

Wichtig ist gleichwohl: Es geht nicht um falschen Glaubenssätze. Die, die isoliert werden sollen, sind keine Häretiker, keine Sektierer, keine, die ein anderes Evangelium lehren. Sie sind nicht mit einer falschen Botschaft unterwegs. Ihr Leben ist falsch. So wie sie leben, konterkarieren sie das Evangelium, konterkarieren sie die Botschaft vom Schöpfer, der will, dass wir leben.

 Denn wir haben nicht unordentlich bei euch gelebt, 8 haben auch nicht umsonst Brot von jemandem genommen, sondern mit Mühe und Plage haben wir Tag und Nacht gearbeitet, um keinem von euch zur Last zu fallen. 9 Nicht, dass wir dazu nicht das Recht hätten, sondern wir wollten uns selbst euch zum Vorbild geben, damit ihr uns folgt.

 Der Verweis auf das eigene Beispiel könnte hilfreich sein. Dieser Missionstrupp um Paulus hat sich nicht auf die Versorgung durch die Gemeinde verlassen. Sie haben sich selbst versorgt. Tag und Nacht haben sie gearbeitet. Wenn man so will, einen ordentlichen Beruf ausgeübt. Ihr Verkündigung, ihre Missions-Tätigkeit ist nach heuten Maßstäben ehrenamtliche Arbeit. Unbezahlt. Nicht irgendwie finanziell honoriert. Sie hätten auch anders gekonnt und wären damit unter den Wanderprediger keine Ausnahme gewesen. Da gibt es viele, die sich bewirten und beherbergen lassen.

Es gibt an dieser Stelle Missbrauch, der Klarstellungen nötig macht: „Jeder Apostel, der zu euch kommt, soll aufgenommen werden wie der Herr. Doch er soll höchstens einen, notfalls zwei Tage bleiben. Wenn er drei Tage bleibt, ist er ein falscher Prophet.“ (Didache, um 65 n. Chr.) in K. Berger/C. Nord, Das Neue Testament und Frühchristliche Schriften, Frankfurt 1999, S. 302) so haben sich die drei in Thessaloniki nicht verhalten. Se haben sich selbst versorgt, fleißig gearbeitet und darin sind sie Vorbildτποϛ für die Gemeinde.

10 Denn schon als wir bei euch waren, geboten wir euch: Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen. 11 Denn wir hören, dass einige unter euch unordentlich wandeln und arbeiten nichts, sondern treiben unnütze Dinge. 12 Solchen aber gebieten wir und ermahnen sie in dem Herrn Jesus Christus, dass sie still ihrer Arbeit nachgehen und ihr eigenes Brot essen. 13 Ihr aber lasst’s euch nicht verdrießen, Gutes zu tun.

Noch einmal: Arbeiten schändet nicht. Vielleicht ist es das Erbe jüdische Tradition, das hier durchschlägt: Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde wirst, davon du genommen bist.“ (1. Mose 3, 19) Auch die Erwartung des kommenden Herrn darf nicht dazu führen, dass man die Arbeit einstellt. Es ist Zeichen einer völlig überhitzten Erwartung, wenn jemand sein Hab und gut verkauft, seine Arbeit aufgibt, weil er glaubt: Übermorgen kommt der Herr. Es ist das Kennzeichen seltsamer Sekten, dass sie den Ausstieg aus der Zeit aufgrund dubioser Berechnungen des Weltendes propagieren.

In der Gemeinde damals ist es aber der überaus deutliche Hinweis: Lasst euch nicht ausnützen von Leuten, die eure Barmherzigkeit für ihre Faulheit missbrauchen. Lasst euch kein schlechtes Gewissen machen von denen, die angeblich schon bedürfnislos leben, weil sie dem Herrn entgegen warten. Und die sich dann doch von euch durchfüttern lassen. Weil es so schwer ist, sich gegen über-fromme Worte und über-frommes Verhalten zu wehren, wird Paulus so scharf. Er springt denen bei, die sonst leicht überfordert sein könnten.

14 Wenn aber jemand unserm Wort in diesem Brief nicht gehorsam ist, den merkt euch und habt nichts mit ihm zu schaffen, damit er schamrot werde. 15 Doch haltet ihn nicht für einen Feind, sondern weist ihn zurecht als einen Bruder.

Schroff. Wer diesen Brief negiert, der soll es zu spüren bekommen. Mit dem sollen sie eine Zeitlang disziplinarische Maßnahmen vornehmen. Er soll dazu gebracht werden, dass er sich schämt, weil er spürt, dass er sich verrannt hat. Aber: Kein Ausschluss. Keine Feindseligkeit. Weist ihn zurecht als einen Bruder.

Es ist so viel einfacher, einen harten Trennungsstrich zu ziehen als die Mühe auf sich zu nehmen, stets und ständig das Gespräch zu suchen. Erst recht mit Leuten, die glauben, dass das Ende doch schon vor der Tür ist. Solche Leute glauben sich ja häufig im Besitz der tieferen Einsichten. Mit ihnen weiter im Gespräch bleiben, ist anstrengend. Diese Anstrengung fordert der Brief ein.

 16 Er aber, der Herr des Friedens, gebe euch Frieden allezeit und auf alle Weise. Der Herr sei mit euch allen! 17 Der Gruß mit meiner, des Paulus, Hand. Das ist das Zeichen in jedem Brief; so schreibe ich. 18 Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen!

Zum Schluss: Frieden. Für Leute, die in turbulenten Zeiten leben. Für Leute, die sich auskennen mit Attacken, mit Feindseligkeiten. Frieden, auf so vielfältige Weise, wie es das Leben mit sich bringt. Unter Brüdern, in Familien, unter Nachbarn, mit den Herren der Stadt. Frieden, wie er seinen tiefsten Grund darin findet, dass der Herr da ist. Mit allen!  Auf diese Worte ist Verlass. Paulus stellt sich mit seiner eigenhändigen Unterschrift zu ihnen. Aber ds letzte Wort hat nicht Paulus. Das letzte Wort hat die Gnade.

Geh unter der Gnade, geh mit Gottes Segen,
geh in seinem Frieden, was auch immer du tust.
Geh unter der Gnade, hör auf Gottes Worte,
bleib in seiner Nähe, ob du wachst oder ruhst.                                                                                                M.
Siebald, 1987, Gemeinschafsliederbuch 730

 

Manchmal, mein Gott, frage ich mich: Was bleibt von meinen Gedanken, Worten, Überlegungen? Was bleibt von dem, worauf ich so viel Aufmerksamkeit verwendet habe? Ich weiß es nicht. Und dann ist es gut, sich loslassen zu können in Deinen Frieden hinein, in Deinen Segen hinein.

 

Das wird bleiben in meinem Leben, von meinem Leben  – Dein Frieden und Dein Segen. Amen