Im Schutzraum Gottes bleiben

  1. Thessalonicher 2, 13 – 3,5

 13 Wir aber müssen Gott allezeit für euch danken, vom Herrn geliebte Brüder und Schwestern, dass Gott euch als Erstlinge erwählt hat zur Seligkeit in der Heiligung durch den Geist und im Glauben an die Wahrheit, 14 wozu er euch auch berufen hat durch unser Evangelium, damit ihr die Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus erlangt.

Der Blick wechselt. Weg von den verstörenden Gedanken hin zu dem, was die Schreiber vom Freude und Dankbarkeit anschauen. Auf die Gemeinde, die erwählt ist, die den Ruf Gottesgehört und angenommen hat. Sie sind der Anfang der Rettungsaktion Gottes. Die Ersten in Achaia, aber gewiss nicht die Letzten. Es ist der „Geist, der euch zu Heiligen macht.“ (Basisbibel) Der, das schwingt auch mit, in ihnen ein Verhalten und eine Lebensweise wirkt, wie sie dem Glauben entspringt. Das alles ist geschehen durch ihre Verkündigung, durch das Evangelium, das sie ihnen in Thessaloniki nahe gebracht haben.

Es ist, zum wiederholten Mal die gleiche Denkstruktur: Die Missionare haben geredet, sie haben erzählt, sie haben die Vergebung der Sünden gepredigt, die Hoffnung auf die Erlösung durch Jesus. Die Thessalonicher haben, Menschen vor Augen, Menschenworte gehört und sie sind ihnen zum Gotteswort geworden. Zum Ruf in den Glauben, der ihnen die Herrlichkeit Christi aufleuchten lässt und sie daran teilhaben lässt. Das verleiht dem gesprochenen Wort eine unfassbare Würde und zugleich ein ungeheures Gewicht. Wo das Evangelium ausgerufen wird, ist die Wahrheit auf dem Platz; entsteht der Raum der Freiheit zum Glauben.

15 So steht nun fest und haltet euch an die Überlieferungen, in denen ihr durch uns unterwiesen worden seid, es sei durch Wort oder Brief von uns.

Standhaftigkeit. Festhalten an dem Wort, auf das sie Vertrauen gefasst haben, auf das sie sich eingelassen haben.  παραδσις„mündliche Überlieferung, Tradition“ (Gemoll, aaO. S. 571) Dieses Wort ist keine spezifisch religiöse Vokabel, kein frommer Terminus. Er Verweis darauf, dass die Christenheit eine Art „Erzählgemeinschaft“ ist. Das Evangelium ist nicht anders zu haben, als dass es weitergeben wird, weiter erzählt wird. „Wir können’s ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben.“ Apostelgeschichte 4, 20) In dieser Kette der Weitergabe steht die Gemeinde in Thessaloniki. Diese Kette gilt es zu bewahren.

16 Er aber, unser Herr Jesus Christus, und Gott, unser Vater, der uns geliebt und uns einen ewigen Trost gegeben hat und eine gute Hoffnung durch Gnade, 17 der tröste eure Herzen und stärke euch in allem guten Werk und Wort.

Es wirkt, was würden die Briefschreiber untereinander innehalten und sich fragen: Was muten wir ihnen denn zu? Wie soll das gehen? Und dann sagen sie – sich selbst und ihren Lesern und Leserinnen: Das muss und wird unser Herr Jesus Christus wirken. Er wird trösten und stärken. Er hast ja damit angefangen und er kann seinen Anfang nicht sich selbst überlassen.  Er, der ewigen Trost, „immerwährende Ermutigung“ (Basisbibel) – παρκλησιϛ αωνα – gegeben hat – er wird damit nicht aufhören.

Das ist nicht nur Tröstung, gar Vertröstung. Das ist auch Befreiung zum Handeln jetzt. Auch in bedrängten Zeiten sind Christenmenschen befreit zu allem guten Werk und Wort. Wer weiß, wohin er geht, wer seine Zukunft geklärt glauben kann, der kann sich mit großer Hingabe den Aufgaben der Gegenwart stellen.

3, 1 Weiter, ihr Brüder und Schwestern, betet für uns, dass das Wort des Herrn laufe und gepriesen werde wie bei euch 2 und dass wir gerettet werden vor falschen und bösen Menschen; denn der Glaube ist nicht jedermanns Ding.

 Weiter, im Übrigen – Τ λοιπν. Das klingt nach Aufzählung und irgendwie beiläufig.  Das ist es aber gar nicht. Die Bitte betet für uns hat Gewicht.  Selbst wenn sie nur darauf zielen würde, dass es den Missionaren einigermaßen gut geht in ihren Mühen um das Evangelium. Sie hat aber noch mehr Gewicht, weil sie die Gemeinde gewissermaßen in die Mitarbeit ruft. Die Fürbitte ist ihr Abteil daran, dass das Wort des Herrn laufe, auch andernorts Menschen gewonnen werden und so das Evangelium – das ist ja mit dem Wort des Herrn gemeint, ein Echo findet, im Lobpreis des Wortes. Es ist eine knappe Erklärung: „Wort des Herrn: Gottes Versprechen, die Menschen so anzunehmen, wie sie sind, und nicht zu verurteilen, obwohl sie seine Gebote übertreten.“ (Basisbibel, S. 2765)

Die Bitte um Fürbitte ist umso dringlicher, weil es sich nicht wie von selbst versteht, dass das Evangelium überall ein gutes Echo findet, dass es überall von Herzen aufgenommen wird. Es gehört zur Anfangserfahrung der Jesusbewegung: Der Glaube ist nicht jedermanns Ding. Er löst auch Widerstand aus, Widerspruch, auch Angriffe.

Es ist eben nicht so, dass die Missionsgeschichte des Anfangs eine Erfolgsgeschichte ohne Bruch ist. Wer die Apostelgeschichte aufmerksam liest, hat es vor Augen. Da entsteht immer wieder rund um die Verkündigung Ärger, Ablehnung. Es ist auch gefährlich, damals wenigsten, eine Zeuge Jesu Christi zu sein. Darum die Bitte, dass Gott uns bewahrt vor den falschen und bösen Menschen.   

 Entgegen heutiger Doktrin, die uns lehren will, an das Gute im Menschen zu glauben, gibt es in den Anfangszeiten ein nüchternes Rechnen damit, dass nicht alle freundlich sind, nicht alle nennt. Mehr noch: es muss durch das Evangelium zu einer Wesensänderung kommen. Denn „das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.“(1. Mose  6,5, + 1. Mose 8,22) Das ist für Gott kein Grund zur Resignation. Aberes zeigt die Größe der Aufgabe.

3 Aber der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen. 4 Wir haben aber das Vertrauen zu euch in dem Herrn, dass ihr tut und tun werdet, was wir gebieten. 5 Der Herr aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf das Warten auf Christus.

 Es ist mein Herzwort, ohne dass ich es jeden Tag vor mich hinsagen würde. Aber der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen. Es ist eine Zusage, die nicht in einen unverwundbaren Schutzraum stellt, die aber mitten in alle Schutzlosigkeit des Lebens sein Bewahren glaubt, sein Stärken. Durchhalten und den Weg nicht verlieren – das ist gewiss auch Aufgabe. Aber nach diesem Wort ist es vor allem Versprechen, dass Gott in seiner Treue immer da ist. Nah ist.

Blickwechsel. Weg von dem Vertrauen auf Gott hin auf das Vertrauen, Zutrauen zu Menschen. Nach dem Vertrauen auf den Herrn kommt das Vertrauen auf die Christen zur Sprache. Das eine hält das andere. Das eine zeigt sich im anderen. Wer Gott vertraut, kann Menschen gegenüber nicht sein Misstrauen kultivieren. Allen Erfahrungen zum Trotz. Und wird zu einem Menschen, der sich in Geduld übt. Die Gegenposition: Es gibt ja durchaus Menschen, die es für ein Zeichen von Frömmigkeit halten, wenn sie sagen: Mein Vertrauen gilt allein Gott. Menschen gegenüber ist immer Misstrauen angesagt. Die Briefschreiber denken nicht so. Sie trauen der Gemeinde zu, dass sie ihre Worte beherzigt. Sie trauen ihr zu, dass sie auf dem Weg bleiben, den sie eingeschlagen haben. Sie trauen es ihnen zu, dass sie beständig sind im Glauben.

Dieses Vertrauen nährt sich aus dem Vertrauen auf den Herrn. Er bleibt doch dran an ihnen in Thessaloniki. Er überlässt sie nicht sich selbst und dem Gang der Dinge. Er wird ihnen helfen, von Herzen in der Liebe zu bleiben, aus der Liebe einander beizustehen und so die Zit des Wartens zu erfüllen- aufmerksam füreinander. Jeden Tag bereit zur Verantwortung vor Gott und den Menschen.

 

Heiliger Gott, wir sind aufeinander angewiesen – die das Wort sagen und die mit dem Wort leben. Wir brauchen die Fürbitte, in der wir treu füreinander einstehen, in der wir Dich in das Leben rufen, in unsere kleinen Sorgen, in die vielen Entscheidungen, Gespräche, Ratlosigkeiten. Wir sind auch darauf angewiesen, dass wir den Brüdern und Schwestern trauen, uns anvertrauen. Damit wir nicht in einer selbstgerechten Einsamkeit verkümmern. Wir brauchen die anderen, die uns den Rücken stärken, auch wenn wir allein sind. Mache Du uns treu in solchem Einstehen. Amen

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.