Treue im Kleinen

Lukas 16, 10 – 13

10 Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu; und wer im Geringsten ungerecht ist, der ist auch im Großen ungerecht. 11 Wenn ihr nun mit dem ungerechten Mammon nicht treu seid, wer wird euch das wahre Gut anvertrauen?

 An diese schräge Geschichte schließt sich – fast klingt es wie eine Korrektur – eine Mahnrede zur Treue im Kleinen, im Geringsten an. Ist es vorstellbar, dass der gleiche Jesus, der diese vorangehende Geschichte vom ungerechten Haushalter so moralfrei erzählt, auch mit solchen Sätzen mahnt? Das klingt ja nach Ermahnungen, wie sie ein Vater seinen Kindern zuteilwerden lässt: Ihr müsst euch im Geringsten bewähren, bevor ihr größere Aufgaben anvertraut bekommt. Das ist so völlig und bruchlos in der soliden Logik eines bürgerlichen Lebens. Und das soll O-Ton Jesu sein?

 In den Worten Jesu steckt gleichwohl schon eine ziemliche Herausforderung, an die Hörer damals wie an die Leserinnen und Leser heute: Im Geringsten bezieht sich auf die irdischen Besitztümer. Auf das, was wir uns unter Blut, Schweiß und Tränen erarbeitet haben. Auf das, worauf wir stolz sind, was uns einen Platz in der Gesellschaft sichern hilft. Das alles sind Kleinigkeiten, eben: Geringstes. Paulus kann sagen: Gemessen an der Ewigkeit ist das alles Mist, Dreck, ein Haufen Kot. „Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet. Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck, auf dass ich Christus gewinne.“(Philipper 3,7-8) In einer Zeit, in der täglich der DAX-Stand in der Tagesschau Thema ist und die Verleihung von Bundesverdienstkreuzen bis in die Regionalzeitungen berichtet wird, scheint Vorsicht geboten, gar zu eilig zu sagen: alles nur Kleinigkeiten, nur unbedeutend. Unwesentlich.  

Der Inhalt der Mahnung ist klar: Es geht um die Treue und Bewährung. Es geht um Verlässlichkeit im Einstehen, um Verlässlichkeit im Umgang mit anvertrautem Gut. Wer etwas veruntreut, ist nicht verlässlich. Wer etwas nach eigenem Gutdünken verwendet, ist nicht verlässlich. An dem, was die Welt hoch schätzt, am Geld, gilt es doch nur zu lernen, was wirklich zählt: Den Umgang mit den anvertrauten geistlichen Gütern, mit der Kostbarkeit des Lebens.

Das ist jetzt dann doch vielleicht wieder „jesuanisch“, Jesus-mäßig: Dass das Leben mehr ist als Hab und Gut, dass das Leben mehr ist als Reichtum und Geltung. Das wahre Gut ist das, was Gott uns anvertraut – Leben aus seiner Liebe.

12 Und wenn ihr mit dem fremden Gut nicht treu seid, wer wird euch geben, was euer ist?

 Der irdische Besitz bleibt immer fremdes Gut. Nichts Eigentliches, nichts, was uns als Person ausmacht. Wir sind mehr als unser Haus, unser Auto, unsere Jacht. „Das letzte Hemd hat keine Taschen“ sagt der Volksmund und erinnert daran: wir werden alles loslassen müssen. Es gehört uns nicht. Unser Besitz bleibt fremdes Gut, nur geliehen auf Zeit. Trotzdem darf man es nicht verlottern und verludern lassen.

Vielleicht schwingt hier – bei der Frage der Verlässlichkeit – noch anderes mit. Es geht um die verlässliche Weitergabe des Evangeliums. Aber auch das Evangelium wird nie zum Eigentum derer, die es gehört haben, die es weitersagen. Es ist ein fremdes Wort, nicht geboren aus unserem Nachdenken, sondern es ist Nachsprechen der Worte Gottes. Es geht um die Treue zum Wort, das empfangen worden ist. Darauf legt ja die erste Christenheit großen Wert: Weitergeben, was wir empfangen haben. Nichts dazutun, nichts weglassen. Nicht kluge Fabeln, nicht schöne Geschichten erzählen. Was treue Menschen einem anvertraut haben, weitergeben. Nichts dazu tun, nichts weglassen. Es ist und bleibt fremder Besitz, anvertraut, geliehen. Es wird nie „mein Evangelium“, sondern es bleibt immer das Evangelium Jesu Christi – sein Evangelium, das von ihm sagt und das er sagt, hoffentlich auch durch uns. Erst in der Treue zu diesem fremden Gut wird daraus auch eigener Lebensgrund und Lebensfundament.

13 Kein Knecht kann zwei Herren dienen; entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

Aber nun wendet sich das Wort doch wieder zurück – aus der „spirituellen Sphäre“ in die Niederungen der Realität. Reichtum hindert die Gottesliebe. Die Liebe zum Geld, zum Wohlleben hindert, den Weg Jesu zu gehen. Es ist ein Entweder-oder, das zu schaffen macht – sicherlich damals nicht weniger als heute. Hängen am Besitz hindert auch die Sorglosigkeit – so weiß es das Matthäus-Evangelium, das dieses Wort Jesu im Zusammenhang der Rede Jesu überliefert, in der er in die Freiheit von der Sorge ruft: „Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Darum sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? (Matthäus 6, 24-25)

Es mag ja sein, dass die erste Christenheit mehrheitlich eine Arme-Leute-Bewegung war. Aber damit ist das Problem dieser harschen Worte noch nicht erledigt. Es gab schon ein paar reiche Sympathisanten, rund um die Jesus-Bewegung.

Lässt sich diese Spannung auflösen? „Haben als hätte man nicht“? (1.Korinther 7,29)„Alles verkaufen und den Armen geben – und so einen Schatz im Himmel erwerben?“ (18,22) Oder kommt man aus dieser Spannung nicht heraus – und muss den inneren Kampf aufnehmen, den Kampf um die innere Freiheit vom Besitz. „Immobilien machen im-mobil“  ist ein netter Spruch, um die Unbeweglichkeit von Kirche zu charakterisieren. Aber wenn man das Wort auch nur versuchsweise auf sich selbst anwendet, wird es deutlich unangenehmer.

  Jesus geht es um eine Entscheidung. Er stellt Leute vor die Wahl: Gott oder das Geld? Hinter mir her oder bleiben, wo ihr seid. Das Herz festmachen im Besitz oder es hingeben an mich. So schlicht – und darin doch so anspruchsvoll geht es hier zu.

Jesus, Du lässt es nicht zu, dass wir ausweichen. Du lässt es nicht zu, dass wir unentschieden bleiben. Du stellst vor die Wahl: Gott oder die Götzen, Gott oder das Geld. Ich würde gerne auf sowohl-als auch plädieren. Du aber sagst: Wo Dein Schatz ist, da ist auch Dein Herz.

 Es ist Deine Liebe, die so klar ist, die so scharf ist, die so in die Entscheidung stellt. Darum bitte ich Dich, dass mein Besitz mich nicht besitzen darf, mich nicht besessen machen darf, dass ich frei bleibe für Dich. In Dir. Amen 

 

 

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