Gerettet, nicht nur, weil er schön war

Hebräer 11, 23 – 31

23 Aufgrund ihres Glaubens hielten die Eltern Mose nach seiner Geburt drei Monate versteckt.  Denn sie sahen, dass er ein schönes Kind war. Und sie fürchteten den Befehl des Pharao nicht. 24 Aufgrund seines Glaubens lehnte Mose es als Erwachsener ab, »Sohn der Tochter Pharaos« genannt zu werden. 25 Er zog es vor, zusammen mit dem Volk Gottes misshandelt zu werden anstatt für kurze Zeit das Leben am Hof zu genießen und damit Schuld auf sich zu laden. 26 Mose setzte sich derselben Schande aus, die auch Christus auf sich nahm. Doch er hielt sie für einen größeren Reichtum als alle Schätze Ägyptens. Denn er hatte die künftige Belohnung im Blick.

Mose und der Glaube – das ist eine Geschichte, die vor den Entscheidungen des Mose beginnt. Vielleicht muss man das lernen, in einer Zeit, die so sehr auf das setzt, was wir selbst zustande bringen.  Unser Glauben hat immer eine Vorgeschichte, in der wir nicht die Aktiven sind. Es sind die Eltern, die ihn verbergen – aus Glauben.

Erst dann folgt sein Schritt, dass er sich verweigert, nicht Karriere macht am Hof des Pharao, sondern sich zu seinem Volk stellt. Er wählt die Schande Christi! So sieht es der Brief, der im Weg des Mose den Niedrigkeitsweg der Inkarnation des Gottessohnes schon mit sieht. Das ist schon eine christliche Mose-Deutung: Wie Mose stellt sich Christus, wie Christus stellt sich Mose zu seinen Brüdern. Es ist die Denkweise, die diesen Verfasser kennzeichnet: er sieht im Alten Testament eine typologische Vorabbildung des Heils in Christus.

Es ist ein wichtiger Hinweis: Dieser Weg des Mose ist nicht so gradlinig, wie wir uns das gerne vorstellen. Er wird gewalttätig. Er lädt Schuld auf sich. Es ist ja ein bisschen die Gefahr, dass wir die Geschichte des Mose als Heldengeschichten lesen und nicht sehen, wie Gott seine Schwächen mit in seinen Weg nimmt.

27 Aufgrund seines Glaubens verließ er Ägypten. Dabei fürchtete er den Zorn des Königs nicht. Denn er hielt standhaft aus, als könnte er Gott sehen, der doch unsichtbar ist. 28 Aufgrund seines Glaubens feierte Mose das Passamahl und ließ die Türpfosten mit Blut besprengen. So konnte der Vollstrecker den erstgeborenen Kindern nichts anhaben. 29 Aufgrund seines Glaubens zog das Volk durch das Rote Meer wie über trockenes Land. Die Ägypter versuchten das auch und ertranken.

Darin ist Mose Vorbild und Beispiel der gegenwärtigen Christen: er hielt standhaft aus, als könnte er Gott sehen, der doch unsichtbar ist. Ganz nahe ist diese Formulierung bei dem, was das Johannes-Evangelium als Wort Jesu an Thomas weitergibt: „Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ (Johannes 20, 29) Es ist Glauben über alles Sehen hinaus, der in der Nacht der Verschonung bewahrt, der den Weg durch das Schilfmeer öffnet.

30 Aufgrund des Glaubens stürzten die Mauern von Jericho ein – nachdem das Volk Israel sieben Tage lang um sie herumgezogen war. 31 Aufgrund ihres Glaubens kam die Hure Rahab nicht zusammen mit denen um, die sich Gott widersetzten. Denn sie hatte die Kundschafter in Frieden bei sich aufgenommen.

 Es ist der Glaube, der die Mauern Jerichos fallen lässt: es ist der Glaube, der eine Rahab im Chaos der untergehenden Stadt bewahrt. Der sie Verschonung erfahren lässt. Der sie erleben lässt, dass auf das Wort von zweifelhaften Figuren Verlass ist. Dass sie nicht der Willkür der Eroberer preisgegeben wird.

Zum Weiterdenken

Es gilt, sich ehrlich zu machen. So wie der Hebräer-Brief blicke ich nicht auf Mose. Ich lese ihn nicht als die Vorabbildung Christi.  Ich sehe nicht, dass er die Schande Christi erwählt. Er stolpert mehr in diese Rolle des Führers Israels hinein, als dass er sie erwählt hätte. Oder auch nur bewusst übernommen. Sie wird ihm aufgetragen. Ich verstehe aus der Zeit des Schreibens: Mose ist die Autorität, an der Juden hängen. Christus ist die Autorität, an der Christen hängen. Aber da ist keine Gleichgewichtigkeit, sachlich nicht und theologisch schon gar nicht. Mose ist der Führer Israels in der Zeit. Wegweiser ins Gelobte Land. Christus aber ist das Heil – über alle Zeit hinaus.

So nehme ich die Argumentation des Hebräer-Briefs wahr. Ehrfürchtig. Weil sie mich die Ehrfurcht lehrt vor dem, wie damals einer seinen Christus-Glauben ausformuliert hat. Aber ich fühle mich nicht gebunden, meinen Christus-Glauben heute auch so auszuformulieren. Seine Sicht auf Mose muss nicht meine sein. Ich darf Mose so lesen, wie ihn mir die Hebräische Bibel zeigt – und hier und da leuchtet mir in diesen Texten das Bild Gottes auf – des Gottes, der der Vater Jesu Christi ist. Was wir gemeinsam haben ist das Vertrauen, dass uns der Glaube den Weg zu Gott öffnet und uns den Weg durch die Zeiten gehen lehrt – im Vertrauen auf Gott.

 

Herr, dass der Glaube so viel vermag, dass er so Wege wählen lassen kann, die nicht den Wegen der Welt entsprechen, nicht menschlich, sondern göttlich sind, das höre ich.  Darüber staune ich und bin dankbar für diese Zeugen des Glaubens.

 Und ich danke Dir, dass ich sie nicht nachmachen muss, nicht kopieren, sondern dass ich meinen Weg suchen darf, gehalten von Dir, ausgestreckt nach Deiner kommenden Stadt. Stärke Du mir die Gewissheit meines Glaubens , nach dem Maß, das Du mir zugedacht hast. Amen 

 

Ein Gedanke zu „Gerettet, nicht nur, weil er schön war“

  1. Dieses Gebet von Ihnen,vor allem zweiter Teil, spricht mich sehr an,zumal ich das
    Für mich auch so sehe….”stärke du mir die Gewissheit meines Glaubens nach dem Maße das Du mir zugesagt hast bzw. Möchte ich vielleicht ergänzen für mich….zugedacht hast…..Wachstum
    Immer inbegriffen

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