Die Kostenfrage

Lukas 14, 25 – 35

 25 Es ging aber eine große Menge mit ihm; und er wandte sich um und sprach zu ihnen: 26 Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern und dazu sich selbst, der kann nicht mein Jünger sein. 27 Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.

Jesus nimmt kein Blatt vor dem Mund. Er sieht die große Menge, aber sie fasziniert ihn nicht. Er ist nicht erfolgs-süchtig. Ihn fasziniert nicht, dass er so viel Zulauf findet, dass er die Menge, so besser statt Masse, anzieht. Sie gehen mit ihm, aber wissen sie auch, wohin sein Weg führen wird, ihn führen wird und sie, wenn sie weiter mitgehen? Sein Ziel ist nicht, eine Massenbewegung auf die Beine zu bringen. Er will nicht davon schweigen, was es kostet, sein Jünger zu sein, mit ihm zu gehen. Wer ihm nachfolgt, soll wissen, was er auf sich nimmt. Er wirbt nicht, er warnt. Sie sollen die Kosten überschlagen. So ist er ja schon mit denen umgegangen, die von sich aus ihm nachfolgen wollten (9, 57-62) Darum redet er auch hier Klartext.

Nachfolge gibt es nur so, dass die erste natürliche Solidarität relativiert wird. Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern und dazu sich selbst – das sind fundamentale Lebensgegebenheiten. Darin ist das Leben aufgehoben, geht das Leben auf. Im Nahbereich muss Verlässlichkeit herrschen. Genau diese Lebensgegebenheiten stellt Jesus in Frage. Er selbst ist weggegangen – aus Nazareth, aus einer Verwandtschaft, aus seiner Zukunft, die ihm als dem ältesten Sohn des Zimmermanns Josef vorgezeichnet war. Er ist selbst heraus getreten aus einem Leben, in dem er selbstbestimmt seinen Weg geht. Darum hat er seine Jünger bitten gelehrt: Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel. (11,2) Er sucht den Weg des Vaters. Von ihm, seinem Willen, sind alle Schritte seines Lebens abhängig.

 Hat Jesus seine Herkunftsfamilie gehasst? Das Wort hassen in diesem Zusammenhang ist ja durchaus missverständlich. Der heutige Leser hört hier aufgewühlte Emotion. Aber es geht nicht um Emotion, auch nicht um hasserfüllte Feindschaft. Nichts spricht dafür, dass Jesus seine Mutter, Brüder, Schwestern, seinen Vater gehasst hat. Darum spricht auch nichts dafür, dass hier für die Christen der Hass auf die eigen Familie und der Selbsthass zur Bedingung der Nachfolge gemacht wird. Worauf das so starke und missverständliche Wort aufmerksam macht: Es geht um die „Preisfrage“ der Nachfolge. So übertrage ich hassen – die Priorität des Lebens wird neu gesetzt. Davon spricht er, das wird es kosten, mit ihm auf dem Weg zu bleiben. „Die Kostenfrage“ weiterlesen

Termin-Kollission Führt zum Lumpen-Fest

Lukas 14, 15 – 24

 15 Als aber einer das hörte, der mit zu Tisch saß, sprach er zu Jesus: Selig ist, der das Brot isst im Reich Gottes!

 Da hat Jesus einem zu Herzen und aus dem Herzen geredet. Anders kann man seinen Ausruf doch nicht verstehen: Selig ist, der das Brot isst im Reich Gottes! Da hat es einer gehört: Wichtiger als die Fülle hier ist das kommende Reich. Das Brot des Reiches ist besser als das Brot des Weges. Selig – dem kann man gratulieren, dem die Tür zum Reich aufgetan ist, der da seinen Platz gefunden hat.

 Nimmt hier einer das Wort, der sicher ist, heilssicher: Ich bin dabei? Ich kann mich freuen auf die kommende Herrschaft Gottes. Es könnte sein, dass sich hier nicht falsche Heilssicherheit zu Wort meldet, sondern Sehnsucht. Mir leuchtet es nicht ein, wie der Rufer in seltener Einmütigkeit der Kommentatoren kritisch beäugt wird. Ich höre noch nicht einmal Gewissheit, sondern nur Sehnsucht, nur Hoffnung, in Parallele zur Seligpreisung. „Selig sind, die zum Hochzeitsmahl des Lammes berufen sind.“ (Offenbarung 19,9)    „Termin-Kollission Führt zum Lumpen-Fest“ weiterlesen

Nur ein Tischgespräch?

Lukas 14, 7 – 14

 7 Er sagte aber ein Gleichnis zu den Gästen, als er merkte, wie sie suchten, obenan zu sitzen, und sprach zu ihnen: 8 Wenn du von jemandem zur Hochzeit geladen bist, so setze dich nicht obenan; denn es könnte einer eingeladen sein, der vornehmer ist als du, 9 und dann kommt der, der dich und ihn eingeladen hat, und sagt zu dir: Weiche diesem!, und du musst dann beschämt untenan sitzen.

 Nach dem Schweigen kommt es zu einem neuen Gespräch. Sind es in der Vorstellung des Lukas noch die gleichen Gäste? Die, die eben erlebt haben, wie Jesus sie mit ihrem Alltag konfrontiert, wie er aus hoher Diskussion herunter holt und die Ebene des Lebens in das Gespräch einführt? Ihnen sagt Jesus ein Gleichnis. Ein Gleichnis ist das, was folgen wird, allerdings nicht. Besser trifft die umschreibende Übersetzung:Das nahm er zum Anlass, sie auf etwas hinzuweisen.“ (Neue Genfer Übersetzung)

Jesus fordert die Gäste dazu heraus, das eigene Verhalten anzuschauen. Ihr eigenes Verhalten, sich selbst. Auch jetzt ist wieder Alltag im Blick: Das Suchen nach den besten Plätzen. Der Kampf um die Ehre. Damit kennen sich alle aus – damals und heute. Und Jesus sieht nicht nur, dass sie um die besten Plätze eifern, sondern auch wie. Die Art und Weise dieses Eiferns greift er auf.

Das ist eine unendliche Geschichte. Tischkarten haben schon mindestens so viel Ärger ausgelöst, wie sie zu friedlichem Miteinander geholfen haben. Wehe dem, der wichtige Leute beim Gruß am Anfang einer Veranstaltung vergisst. Wehe dem, der einen bedeutenden Menschen nicht auf seinen, ihm zustehenden, exponierten Platz setzt. Es gibt so viele protokollarische Fettnäpfchen! Und in der Selbsteinschätzung ist es oft genug so, dass die eigene Wertschätzung nicht in Einklang zu bringen ist mit dem, was andere denken.

 Die Peinlichkeiten sind vorprogrammiert: `Da sitzt Herr Müller, für Sie haben wir einen anderen Platz gedacht’ und schon geht es nach hinten. Aller selbst gewähnten Bedeutung zum Trotz. Tischordnungen sind Rangordnungen und das ist kein Kinderspiel, auch wenn es einem manchmal kindisch vorkommen mag.

Immer geht es in solchen Geschichten um Anerkennung. Jeder ist darauf angewiesen, Anerkennung, Zuwendung zu erfahren. Wer als Kind keine Anerkennung erlebt, keine Ansprache, keine Zuwendung, der geht ein – oder er wird ein Leben lang danach gieren. Lob ist lebensnotwendig. „Hast du heute schon dein Kind gelobt?“ war ein Autoaufkleber der 80er Jahre. So mancher stellt alles Mögliche an, nur um zu hören: „Das hast du gut gemacht.“ Und der Platz ganz oben beim Gastmahl zeigt es eben: Das hast du gut gemacht. Nur: diesen Platz kann sich niemand selbst zuteilen!

10 Sondern, wenn du eingeladen bist, so geh hin und setz dich untenan, damit, wenn der kommt, der dich eingeladen hat, er zu dir sagt: Freund, rücke hinauf! Dann wirst du Ehre haben vor allen, die mit dir zu Tisch sitzen. 11 Denn wer sich selbst erhöht, der soll erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der soll erhöht werden.

  Es ist der Kontrast, der hier mitspricht: Weiche diesem! auf der einen Seite wirkt kühl und distanziert. Der so nach unten Versetze wird tatsächlich distanziert. Wie anders klingt Freund, rücke hinauf! Der eine wird distanziert, der andere gewinnt neue Nähe.

Es ist das Zeichen der großen Lehrer, dass sie alltägliche Ereignisse beobachten und daraus grundsätzliche Schlussfolgerungen ableiten. Das Suchen nach den besten Plätzen, den Ehrenplätzen ist so normal wie nur etwas. Es ist zugleich Hinweis auf eine tief eingeprägte Lebenshaltung.  Die stellt Jesus in Frage. Dabei geht es Jesus allerdings nicht nur um eine kluge Regel, um sich Beschämungen zu ersparen, auch nicht nur darum, der so tief sitzenden Sucht nach Ehre entgegen zu treten.

 Der Rat Jesu klingt nach Taktik. Zeige dich demütig, damit du Ehre empfängst. Aber in Wahrheit gibt Jesus keinen taktischen Rat. In Wahrheit stellt er das ganze System in Frage. Es geht nicht darum, sich selbst Plätze zu sichern, oben oder unten. Es geht darum, den Platz Gottes anzunehmen – ob dieser Platz nun oben oder unten ist. Jesus geht einen Weg, der ihn ganz nach unten führt. Er geht ihn nicht deshalb, weil er weiß oder hofft: Dieser Weg wird belohnt werden. Er geht seinen Weg auf den untersten Platz der Welt, ans Kreuz, weil er nichts will als den Willen des Vaters. Der Platz, den der Vater ihm gibt, ist richtig.

Diese Sätze Jesu haben ihre Bedeutung auch und gerade innerhalb der christlichen Gemeinde. Sie ist nicht die klassenlose Gesellschaft, die wir manchmal glauben. Es gibt Reiche und Arme, Angesehene und Übersehene, Bedeutende und Mitläufer. Aber daraus lassen sich keine Platzansprüche ableiten. Und wo das doch versucht wird, da bringt es nichts als Ärger hervor.

 Wo die Gemeinde diese Platzspiele zulässt, da verdirbt sie das Evangelium. „Liebe Brüder, haltet den Glauben an Jesus Christus, unsern Herrn der Herrlichkeit, frei von allem Ansehen der Person. Denn wenn in eure Versammlung ein Mann käme mit einem goldenen Ring und in herrlicher Kleidung, es käme aber auch ein Armer in unsauberer Kleidung, und ihr sähet auf den, der herrlich gekleidet ist, und sprächet zu ihm: Setze du dich hierher auf den guten Platz!, und sprächet zu dem Armen: Stell du dich dorthin!, oder: Setze dich unten zu meinen Füßen!, ist’s recht, dass ihr solche Unterschiede bei euch macht und urteilt mit bösen Gedanken?“(Jakobus 2, 1–4) Wie weit ist so ein Denken, auch wenn es in der Gemeinde Platz findet, von Jesus entfernt, der arm wird, damit wir reich werden!

Es ist ein Wort, das die Lebensweisheit Israels atmet. Ein Wort, das auch der Prediger gesagt haben könnte. „Alles ist eitel“ (Prediger 1,2), auch das Ringen um die besten Plätze ist nur Haschen nach Wind (Prediger 1,14). Davor sind auch die Christen nicht naturgegeben sicher. Es braucht Lehrer wie Jesus, um aus diesem natürlichen Verhaltensmuster heraus zu kommen.

 12 Er sprach aber auch zu dem, der ihn eingeladen hatte: Wenn du ein Mittags- oder Abendmahl machst, so lade weder deine Freunde noch deine Brüder noch deine Verwandten noch reiche Nachbarn ein, damit sie dich nicht etwa wieder einladen und dir vergolten wird.

 Do ut des! Geben, damit etwas zurückkommt. Das ist die Regel der Welt und sie ist so alt wie die Menschheit und sie ist dauerhaft in Kraft. Sie wird schon früh eingeübt – bei Kindergeburtstagen und Weihnachtsgeschenken. Nach dieser Regel wird bei Einladungen, bei Festen verfahren. Nach dieser Regel wird geschenkt. Es ist ein wechselseitiges Geflecht von Verpflichtungen. Und jede neu empfangene Gabe ist eine neue Verpflichtung.

Jesus kennt sich aus – er wird oft eingeladen. Und er lässt sich einladen ohne auch nur daran zu denken, sich irgendwie zu revanchieren. Sondern er kritisiert – ziemlich unverhohlen. Das ist ein Teil seiner frappierenden Freiheit: Kein Gastmahl verpflichtet ihn – weder zu Wohlverhalten noch zu freundlichem small talk noch zu Zugeständnissen an die Gastgeber. Er lässt sich bewirten ohne seinen Gastgebern auch nur die geringste Aussicht einzuräumen, dass es sich irgendwann auszahlen werde.

13 Sondern, wenn du ein Mahl machst, so lade Arme, Verkrüppelte, Lahme und Blinde ein, 14 dann wirst du selig sein, denn sie haben nichts, um es dir zu vergelten; es wird dir aber vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.

   Jesus huldigt dem anderen Modell. Gib, wo du nichts zu erwarten hast. Verschenke, wo nichts wieder kommen wird. Gib denen, die mit leeren Händen vor dir stehen. Was er hier sagt, lebt er ja auch. Er heilt ohne Gegenleistung. Er richtet auf ohne jede Forderung. Er macht gesund und entlässt in die Freiheit. Jesu Geben geschieht nicht, um Anhänger zu sammeln, Unterstützer zu gewinnen. Er gibt aus seiner Fülle – und das Geben genügt ihm.

Zum Weiterdenken

  So denkt, lehrt und lebt Jesus: Keine Angst vor leeren Händen. Keine Angst davor, sich zu verausgaben und am Ende dumm dazustehen. Gott wird vergelten. Gott sieht jede Gabe und alles, was aus Liebe gegeben wird, sieht Gott und vergisst es nie. „Was ihr einem von diesen meinen geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Matthäus 25, 40)

Das ist die Überzeugung Jesu: Gott füllt die Hände, die aus Liebe leer geworden sind, weil sie verschenkt haben, was Gott ihnen anvertraut hatte. „Tut Gutes und leiht, wo ihr nichts dafür zu bekommen hofft. So wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Kinder des Allerhöchsten sein; denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.“ (6, 35) Also: Gott nachmachen ist angesagt. Es ist ein Zeichen der Gotteskindschaft, geben zu lernen, wo nichts zurückzuerwarten ist.

 So gelesen ist diese „Vermahnung“ an seinen Gastgeber eine zwar ein wenig unpassende, aber durchaus charakteristische Äußerung Jesu. Eben: Typisch Jesus

Jesus, so oft stecke ich festgelegt in diesem Denken: Du bist verpflichtet… Du hast doch auch etwas erhalten… Du musst zurückgeben…. Es ist mir ja eingepflanzt worden, schon als Kind, mich zu bedanken für das Geschenk, mir den anderen zu verpflichten durch mein Geben. So funktioniert unsere Gesellschaft, so tragen Beziehungen. Gegenseitigkeit will gepflegt sein

Man muss etwas dafür tun.

 Du aber lebst anders. Du lässt Dich bewirten, einladen, freihalten. Du schenkst großzügig Vergebung, Liebe, Freiheit. Leben aus Deiner Fülle, bis Du selbst am Ende arm bist, mit leeren Händen am Kreuz, verlassen.

 Gott hat Dir Recht gegeben. Gib, dass ich Dir auch Recht gebe und Dich nachahme, auch mit all meinen Ängsten, ob es sich denn rechnen wird. Amen

 

Helfen – ja oder nein?

Lukas 14, 1 – 6

1 Und es begab sich, dass er an einem Sabbat in das Haus eines Oberen der Pharisäer kam, das Brot zu essen, und sie belauerten ihn.

 Wieder ist Sabbat und wieder ist Jesus zu Gast, bei einem Pharisäer. Diesmal sogar bei einem Oberen der Pharisäer, einem führenden Mann in der Bewegung der Gesetzestreuen in Israel. Er geht den Pharisäern also nicht aus dem Weg, lässt sie nicht rechts oder links liegen. Er lässt sich vielmehr einladen. Statt zu fliehen oder abzutauchen, wie es ihm von wohlmeinenden Pharisäern geraten worden ist, geht Jesus seinen Weg getreu seinen Gewohnheiten weiter.

 Jesus lässt sich zu Gast bitten, auch wenn die innere Haltung derer, die da mit ihm beieinander sind, nicht die innere Haltung ist, die einem Gastmahl entspricht. Sie belauerten ihn. Luther 2017 übersetzt: „Sie gaben auf ihn acht.“ Das ist nicht so negativ emotional besetzt wie „belauern“ Nur so viel ist festzuhalten: Jesus steht unter Beobachtung. Weil es sich herum gesprochen hat: Man weiß, dass er sich nicht immer so verhalten wird, wie es die Sitte und das Gesetz verlangen. Und so sitzen sie an einem Sabbat an einem Tisch mit ihm und fragen: Was wird denn diesmal sein?

2 Und siehe, da war ein Mensch vor ihm, der war wassersüchtig. 3 Und Jesus fing an und sagte zu den Schriftgelehrten und Pharisäern: Ist’s erlaubt, am Sabbat zu heilen oder nicht?

Es ist eine auffallende Formulierung: Da war ein Mensch vor ihm… Sein Dasein verlangt von Jesus Verhalten, das ihm gewissermaßen aufgenötigt ist . Das lässt fragen: Wo kommt der Mensch her, der wassersüchtig ist? Ist er ein bestellter Kranker? Gewissermaßen ein Test-Fall? Oder ist er einer, der gekommen ist, weil er hörte, dass Jesus vor Ort ist? Jedenfalls – er ist da und mit ihm steht eine Frage vor Jesus. Sieht er nur die Not dieses Menschen, die nach der Überzeugung antiker Ärzte auch selbst verschuldet sein kann, weil sein Lebenswandel ausschweifend war? Wird er sich dem Kranken deshalb verweigern? Oder lässt Jesus sich provozieren, weil er spürt, was die anderen denken und auf Kollisionskurs geht? Oder ist es ihm egal, weil er einfach das tut, was er tun will? „Helfen – ja oder nein?“ weiterlesen

Vom Schmerz über Jerusalem

Lukas 13, 31 – 35

31 Zu dieser Stunde kamen einige Pharisäer und sprachen zu ihm: Mach dich auf und geh weg von hier; denn Herodes will dich töten.

            Merkwürdig: Pharisäer kommen und warnen Jesus vor Herodes. In dieser Warnung wird etwas deutlich von Sympathie und von den seltsamen Konfliktlinien, die es in Israel damals wohl gegeben hat. Die Pharisäer sind nicht die geborenen Widersacher Jesu. Sie meinen es auch nicht immer böse mit ihm. Sie haben ja in ihm einen Gesprächspartner, bei dem sie spüren, dass er Gott ganz ernst nimmt, so wie sie Gott ganz ernst nehmen. Dass er den Menschen den Weg in den Himmel öffnen will, so wie sie das in ihrem besten Wollen auch wollen. Nur die Wege zum offenen Himmel und wie er zu öffnen ist, sind verschieden. Daran wird das Gespräch scheitern. Aber hier: Hüte dich vor Herodes.

32 Und er sprach zu ihnen: Geht hin und sagt diesem Fuchs: Siehe, ich treibe böse Geister aus und mache gesund heute und morgen, und am dritten Tage werde ich vollendet sein. 33 Doch muss ich heute und morgen und am folgenden Tage noch wandern; denn es geht nicht an, dass ein Prophet umkomme außerhalb von Jerusalem.

 Jesus achtet Herodes nicht sonderlich hoch. Fuchs ist keine Schmeichelei, auch keine Äußerung ängstlichen Respekts. Vielleicht sogar eine Anerkennung für die Verschlagenheit des Königs, für das taktische Geschick in politischen Dingen, im Umgang mit den Römern?  Aber was ist das für eine Anerkennung? Stattdessen umreißt Jesus seine Sendung. Zwei Tage – das ist symbolische Rede – ist noch Zeit seines Handelns. Am dritten Tage werde ich vollendet sein. Leuchtet hier, so frage ich, schon der Tag der Auferstehung durch? Auffallend daran ist die passivische Formulierung. Im Passiv steckt wohl, wie so oft, Gott. Sein, Jesu eigenes Handeln ist es nicht, was ihn zur Vollendung bringt. Sie wird ihm widerfahren.

Jetzt aber ist Jesus einigermaßen sorglos unterwegs. Seine Zeit ist noch nicht gekommen und der Ort seiner Bestimmung ist noch nicht erreicht. Hinter den Worten Jesu steht sein Wissen: Es ist der Weg des Vaters, den ich gehe; es ist sein „Plan“, dem ich folge. Es gibt das göttliche Ziel meines Weges. Das alles können Menschen nicht hindern.   „Vom Schmerz über Jerusalem“ weiterlesen