Das eine Wort

 Hebräer 1, 1 – 2, 4

1, 1Wiele Male und auf vielfältige Weise hat Gott einst durch die Propheten zu den Vorfahren gesprochen,.  2Jetzt, am Ende dieser Zeit, hat er durch seinen Sohn zu uns gesprochen. Ihn hat er zum Erben von allem eingesetzt. Durch ihn hat er auch die Welt geschaffen.

Eine Art Vorwort. Vergleichbar mit dem Prolog des Johannes-Evangeliums. Gott hat geredet. Das ist der feste Ausgangspunkt dieses Schreibens. Das ist auch ein Wort über die Schriften Israels. Sie sind Echo des Redens Gottes. Er hat zu den Vätern durch die Propheten geredet. Damit ist zugleich die Autorität der Schriften der Hebräischen Bibel gesichert. Der Einstieg in dieses Schreiben deutet auf einen Autor hin, der selbst Jude ist. Einer von denen, die an den Messias Jesus gläubig geworden sind.

 Und jetzt hat er durch den Sohn geredet. Damit ist Jesus gemeint. Aber das so vom ihm geredet werden kann, ohne im ersten Satz den Namen zu nennen zeigt: Dieser Brief ist nicht an Leute gerichtet, die „draußen“ sind, außerhalb der Gemeinde. Er ist von den ersten Worten an ein Brief an Menschen in der Gemeinde. Kein missionarisches Schreiben, sondern eher ein Lehrschreiben.

Es ist das Wort der letzten Stunde. Die Welt drängt ihrem Ziel entgegen. Ihrer Vollendung. Umso mehr fällt auf: Kein Ablaufplan der letzten Dinge, kein Fahrplan, keine Ansagen von Ereignissen. sondern nur er – der Sohn. In ihm, mit ihm ist alles gesagt, was von Gott her notwendig ist.  Jesus als der Gekommene ist das Wort, das Gott geredet hat.

 3 Der Sohn ist der Abglanz von Gottes Herrlichkeit und das Abbild seines Wesens. Durch sein machtvolles Wort trägt er die ganze Welt. Er hat die Reinigung von den Sünden bewirkt. Dann hat er sich an die rechte Seite der göttlichen Majestät in den Himmelshöhen gesetzt. 4 Gott hat ihn hoch über die Engel gestellt – so hoch wie der Titel, den er ihm verliehen hat, über ihren Namen steht.

 Das Wort dieses Einen ist wie das Wort Gottes selbst: Kräftig, wirksam, tragfähig. Der Schreiber überstürzt sich fast, wenn er aufzählt, was alles in Jesus auf dem Plan ist. Gottes Abbild, In ihm leuchtet Gottes Herrlichkeit auf. Er ist der, der zur Rechten Gottes ist. Er übertrifft alles. In seinem Namen ist das Heil – so sagt es der Evangelist Lukas und ist ganz nahe bei dem Hebräer-Brief. Schließlich benennt er gleich zu Anfang das zentrale Werk Christi: Er hat die Reinigung von den Sünden bewirkt. Wirksam.

5 Zu welchem Engel hat Gott jemals gesagt: »Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt«? Oder auch: lch werde sein Vater sein und er wird mein Sohn sein«? 6 Für die Zeit, wenn Gott ihn, den Erstgeborenen, wieder in diese Welt hineinführt, fordert er: Alle Engel Gottes sollen vor ihm die Knie beugen!«

             Die Meditation über die Engel kreist um den Satz einen Satz: Der Sohn ist so viel höher geworden als die Engel, wie der Name, den er ererbt hat, höher ist als ihr Name. Im Bild gesprochen. Im Thronsaal Gottes sitzt der Sohn zur Rechten des Vaters. Die Engel sind um ihn, anbetend und dienend.

7 Im Blick auf die Engel sagt er: Er macht seine Engel zu Sturmwinden und seine Diener zu Feuerflammen.« 8 Aber im Blick auf den Sohn sagt er: „Dein Thron, Gott, besteht für immer und ewig. Der Maßstab des Rechts ist das Zepter, mit dem du dein Königreich regierst.  9 Du liebst Gerechtigkeit und hasst Verbrechen. Deshalb hat Gott dich gesalbt, dein Gott, köstliches Öl hat er für dich ausgewählt. Damit zeichnet Gott dich aus vor allen, die zu dir gehören.« 10 Und weiter: Du. Herr, hast am Anfang die Erde gegründet. Der Himmel ist das Werk deiner Hände. 11 Eines Tages werden sie vergehen, du aber bleibst. Alles Geschaffene wird zerfallen wie alte Kleider. 12 Du wirst sie zusammenrollen wie einen Mantel. Wie ein Kleidungsstück werden sie gewechselt werden. Du aber bleibst immer derselbe.  Deine Zeit geht nicht zu Ende.« 13 Zu welchem Engel hat Gott jemals gesagt: Setze dich an meine rechte Seite, bis ich deine Feinde unterwerfe! Ich mache sie zum Schemel für deine Füße«? 14 Sind die Engel nicht alle nur Geister, die ihren Dienst tun? Sie werden ausgesandt zum Dienst an denen, die ihren Anteil an der Rettung empfangen sollen.

Salopp ist die Botschaft: Keine Furcht vor Engeln. Sie sind „nur“ dienende Geister. Ohne eigene Mächtigkeit. Ihre Bedeutung liegt darin, dass sie Gottes Gegenwart repräsentieren. Sie sind nicht harmlos, keine schönen Putten. Sie sind auch kein Ersatz für einen Gott, an den man nicht mehr so richtig glauben kann – das ist eher das Denken unserer Zeit. Sie sind starke Boten Gottes, die für seine Heiligkeit einstehen und seine Befehle ausrichten. Wenn sie Menschen begegnen, so erschrecken diese und brauchen das lösende Wort: „Fürchtet euch nicht!“

            Aber vor dem Sohn sind sie nichts als Anbetende, nichts als Diener, nichts als Zeugen seiner Herrlichkeit. Wenn man durch-zählt: Es sind sieben Zitate. Das ist kein Zufall. Die Zahl sieben sagt: Mehr ist nicht zu sagen über das Verhältnis Engel-Sohn. Sie sind zu seiner Ehre da. Und, welche kühne Weiterführung: Die Engel, diese mächtigen Boten Gottes, sind für die da, die das Heil ererben sollen. Das ist die Doppelbestimmung der Engel: Diener des Sohnes und Diener der Menschen, die Gott als seine Kinder will.

Der ganze Abschnitt hat ein Echo im Kirchenlied gefunden:

„Schön leucht die Sonne, schön leucht der Monde und die Sternlein allzumal.
Jesus leucht schöner, Jesus leucht reiner
als alle Engel im Himmelssaal.“                                                      Münster 1677, EG 403

2, 1 Deshalb ist es notwendig, dass wir uns umso genauer an das halten, was wir gehört haben. Sonst treiben wir am Ziel vorbei. 2 Nun war ja schon das Wort verbindlich, das durch Engel verkündet worden war. Und jeder, der es übertrat oder ungehorsam war, hat seine gerechte Strafe bekommen. 3 Wie sollen wir dann erst davonkommen, wenn wir eine so große Rettungstat missachten? Am Anfang hat der Herr selbst sie verkündet. Das wurde uns von denen zuverlässig bestätigt, die es gehört haben?

 Sonst treiben wir am Ziel vorbei. Wie ein Stück Holz, das auf dem Wasser treibt und irgendwo strandet. So kann es dem Menschen gehen, der sich selbst seine Ziele setzt und glaubt, dass sich sein Leben erfüllt, wenn er die selbst-gesetzten Ziele erreicht. Aber dabei können wir am Ziel Gottes vorbei treiben. Es gibt keine Mächte und Gewalten mehr, im Himmel und auf Erden, die uns die Wege versperren könnten, die Gott uns zugedacht und bereitet hat. Wahr ist: Es geht nicht alles gut im Leben. Es gibt Scheitern, Angst und Tränen, auch im Christenleben. Sterben fällt nicht aus. Aber das ändert nichts mehr an der Entscheidung, die schon gefallen ist: Der Weg in die Himmel Gottes ist für uns frei!

Dieser Weg bleibt frei, wenn wir auf das Wort achten – das alte und das neue Wort. Wenn wir die Heilstat Gottes nicht missachten. Den Zugriff auf den Rettungsring, der uns in Christus zugeworfen ist, gilt es zu ergreifen.

 Es kommt eine für den Hebräer-Brief typische Redefigur – der Schluss vom Kleineren zum Größeren. Es ist die Steigerung, an der dem Schreiber liegt: Wenn schon das Wort der Engel fest war und Nichthören auf dieses Wort Ungehorsam gegen den, der die Engel gesandt hat, wie viel gefährlicher ist es, das Wort zu missachten, das vom Sohn ausgeht. In seinem Wort werden wir ja ins Heil gerufen und dieses Wort nicht hören ist darum das Heil ausschlagen. Niemand kann uns hindern, das Heil anzunehmen. Aber wir selbst können uns ausschließen. Das Ziel wird nicht nach Belieben verrückt. Man kann es verfehlen.

4 Und Gott selbst beglaubigt sie durch Zeichen, Wunder und verschiedene machtvolle Taten – und dadurch, dass er nach seinem Ermessen Anteil am Heiligen Geist gibt.

Wie widersinnig eine Missachtung dieses Wortes wäre, zeigt sich auch daran, dass Gott selbst es vielfach bekräftigt und bestätigt hat – durch die, die es weitersagen, durch Zeichen und Wunder, durch die Austeilung des Heiligen Geistes. Die Wendung Zeichen, Wunder und verschiedene machtvolle Taten kann sich durchaus auf Jesus beziehen. Zu seinem Weg gehören Zeichen und Wunder. Von ihm sind mächtige Taten bezeugt. Von ihm heißt es auch, dass er den Jüngern den Geist gibt. „Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.“ (Johannes 20, 22 -23)

 Es kann auch sein, es ist auf die „Nebenwirkungen im Handeln der Apostel angespielt. Auch siewirken Wunder, auch ihre Handauflegung ist vielfach mit der Gabe des Geistes verbunden. Von daher kommt es durchaus schlüssig zu der Frage: Ist es so, dass die Missachtung all dieses Geschehens Gott Lügen straft?

Zum Weiterdenken

Engel sind Diener, auch als Schutzengel. Engel sind heute – wieder? – ein großes Thema, nicht nur in den Kirchen. Manchmal denke ich, sogar eher bei denen, die mit dem Glauben nicht so vertraut sind. Sie erlauben eine Vertraulichkeit, die man sich Gott gegenüber nicht herausauszunehmen wagt. Sie sind eine Erinnerung an Gott, ohne dass sie seine gewaltige Majestät gleich mittransportieren würden. Mit Engeln kommen unsere Zeitgenossen eher zurecht. Weil man nicht an sie glauben muss. Weil sie hoffentlich nur da sind, wenn man sie braucht.

Fast wie von selbst klingt für mich die 1. These der Barmer theologischen Erklärung hier an: „Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.“(Barmen 1934, EG 810) Er ist das Wort, das uns Gottes Güte leibhaftig vor Augen stellt. Das Wort, das uns zum Glauben ruft. In einem Atemzug muss man dazu sagen: Auf das Wort, das Jesus Christus ist, zu hören macht nicht taub für die Worte, die uns Menschen sagen. Nicht taub für die Schreie der Geplagten, Gejagten, Gequälten. Der Entrechteten. Der Blick in die himmlische Wirklichkeit lenkt den Blick auf die Erde. Das Hören auf das Wort öffnet die Ohren für die Worte von Menschen.

 

Jesus Christus, wie könnte ich Dich jemals genug anbeten? Ich will einstimmen in das Lob der Engel, in das Lob der Apostel, in das Lob der Väter und Mütter, in das Lob derer, die um Deinetwillen gelitten haben. Ich will einstimmen in das Lob, das Dir die Schöpfung singt, der Tag mit der Nacht, das Dunkel mit dem Licht, die stumme Natur und alles Rufen der Kreaturen. Von Dir kommt unser Leben und zu Dir geht es. Wie groß bist Du. Amen 

 

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