Unter fremder Herrschaft

  1. Könige 23, 26 – 37

26 Doch kehrte sich der HERR nicht ab von dem Grimm seines großen Zorns, mit dem er über Juda erzürnt war, um all dessen willen, womit ihn Manasse gereizt hatte. 27 Und der HERR sprach: Ich will auch Juda von meinem Angesicht tun, wie ich Israel weggetan habe, und will diese Stadt verwerfen, die ich erwählt hatte, Jerusalem, und das Haus, von dem ich gesagt habe: Mein Name soll dort sein.

  Zu spät. Die Umkehr, zu der Josia sein Vlk führen will, um durch sie den Grimm seines großen Zorns, den Grimm Gottes zu stoppen, kommt zu spät. Das gegenwärtige Volk bezahlt für eigene Sünden, aber eben auch für die fortgesetzten Sünden der Väter. Es ist in seiner Nüchternheit erschreckend – hier wird ein Widerruf der Verheißungen Gottes, ine Aufkündigung seiner Treue angesagt.  Statt des im Segen zugewandten Angesicht hier das weggedrehte Angesicht.

            Gott sieht weg. Das ist das Ende. „Du bist ein Gott, der mich sieht“ (1. Mose 16,13) Und immer das Sehen Gottes der Anfang der Hilfe. Umso erschütternder: Ich will auch Juda von meinem Angesicht tun, wie ich Israel weggetan habe   Das Wegsehen Gottes ist der Anfang vom Ende. Ganz nahe sind diese Worte bei der Einsicht der Psalmen:

 Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie;                                                   nimmst du weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder Staub.                           Psalm 104, 29

             Wenn Gott sich verweigert, ist es mit dem Leben vorbei.

 28 Was aber mehr von Josia zu sagen ist und alles, was er getan hat, siehe, das steht geschrieben in der Chronik der Könige von Juda. 29 Zu seiner Zeit zog der Pharao Necho, der König von Ägypten, herauf gegen den König von Assyrien an den Strom Euphrat. Und der König Josia zog ihm entgegen, aber Necho tötete ihn in Megiddo, als er ihn sah. 30 Und seine Knechte brachten den Toten von Megiddo und führten ihn nach Jerusalem und begruben ihn in seinem Grabe. Und das Volk des Landes nahm Joahas, den Sohn Josias, und sie salbten ihn und machten ihn zum König an seines Vaters statt.

  Es ist wie ein Tagesbericht, wie ein Ausriss aus einer Presse-Meldung. Dieser so tüchtige König Josia bezahlt sein Kämpfen für sein Volk mit dem Tod. „Als der Pharao Necho auf dem Weg nach Syrien durch Palästina ziehen wollte, widersetze sich ihm auf dem alten Schachtfeld von Megiddo der auf Jahve vertrauende Josia wurde besiegt und getötet.“ (W. Durant, aaO. S. 41) Es ist ein bitteres Resümee seiner Königszeit: Seine Reform hat den Untergang nicht aufhalten können, sein Vertrauen auf den Gott der Väter hat ihn nicht vor dem Tod bewahrt.

 31 Dreiundzwanzig Jahre war Joahas alt, als er König wurde; und er regierte drei Monate zu Jerusalem. Seine Mutter hieß Hamutal, eine Tochter Jirmejas aus Libna. 32 Und er tat, was dem HERRN missfiel, wie seine Väter getan hatten. 33 Aber der Pharao Necho setzte ihn gefangen in Ribla im Lande Hamat, damit er nicht mehr in Jerusalem regieren sollte, und legte eine Geldbuße aufs Land von hundert Zentnern Silber und einem Zentner Gold.

 Sein erster Nachfolger wird Joahas – drei Monate darf er regieren. Dann wird er vom Pharao Necho des Amtes enthoben. Er wird im syrischen Riblaam Orontes inhaftiert. Weil das Volk ihn als König etabliert hatte, ohne die Zustimmung des Ncho, wird das Volk mit schweren Tributzahlungen belastet. Der Tribut wird von dem ʽamm haʼarez, den Grundbesitzern in Israel eingetrieben.  „Die die antiägyptische Politik Joschijas unterstützt hatten und durch die Einsetzung des jüngeren Joahas gezeigt hatten, dass sie willens waren, an ihr festzuhalten, sollten auch dafür zahlen, als diese Politik scheiterte.“ (E. Würthwein, aaO. S. 467) So also kommt die Fehlentscheidung nicht nur den Staat teuer zu stehen.

34 Und der Pharao Necho machte Eljakim, den Sohn Josias, zum König anstatt seines Vaters Josia und wandelte seinen Namen um in Jojakim. Aber Joahas nahm er und brachte ihn nach Ägypten; dort starb er. 35 Und Jojakim gab das Silber und Gold dem Pharao. Doch legte er eine Steuer auf das Land, um das Geld aufzubringen, auf Befehl des Pharao. Von jedem unter dem Volk des Landes trieb er Silber und Gold ein, je nach seinem Vermögen, um es dem Pharao Necho zu geben. 36 Fünfundzwanzig Jahre alt war Jojakim, als er König wurde; und er regierte elf Jahre zu Jerusalem. Seine Mutter hieß Sebuda, eine Tochter Pedajas aus Ruma. 37 Und er tat, was dem HERRN missfiel, wie seine Väter getan hatten.

 So weit reicht die Macht des Pharao in diesen Jahren. Er setzt den einen, missliebigen König ab und einen ihm genehmeren ein – jetzt den älteren Sohn des Josia, Eljakim. Es ist ein Zeichen seiner Macht, dass er ihm neben dem Titel auch einen neuen Namen verleiht: Jojakim. Der erweist sich als williges Werkzeug des Pharao. Er treibt den auferlegten Tribut beim Volk ein. Elf Jahre sind ihm als König vergönnt, aber das Urteil über ihn fällt negativ aus:  Und er tat, was dem HERRN missfiel, wie seine Väter getan hatten. Er ist kein Neuanfang in der Reihe der Könige Judas.

Zum Weiterdenken

Es singt sich leichter als es sich lebt:

Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt!                                           Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land.                                   Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit.                                           Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit.                                                                              K.P. Hertzsch 1989, EG 395

             Es ist nicht einfach, aus den Spuren auszusteigen, die Generationen vor uns gelegt haben. Es scheint so viel einfacher zu sein, immer weiter zu machen. Erst recht, wenn es lange gut gegangen ist. Allerdings scheint es auch wie ein Gesetz de Weltgeschichte zu sein: Wer das rechtzeitzeitige Umdenken und Umlenken verpasst, musss immer mehr bezahlen, als es der Augenblick erfordert hätte. Die versäumte Zukunft wird teurer als die Umkehrschritte in der Gegenwart.

 

Mein Gott, wir tun uns so schwer damit, neue Wege zu gehen. Wir bleiben lieber bei den alten Wegen. Mit denen kennen wir uns aus. Du aber willst, dass wir uns lösen können von Traditionen, die leer geworden sind, von Weisheiten, die nicht mehr tragen, von Praktiken, die nur noch schaden. Gib du uns doch das Vertrauen, dass wir uns wirklich Deinen Wegen anvertrauen können, auch wenn wir sie noch nicht kennen