Schwerhörigkeit hindert Umkehr

  1. Könige 17, 1 – 23

 1 Im zwölften Jahr des Ahas, des Königs von Juda, wurde Hoschea, der Sohn Elas, König über Israel und regierte zu Samaria neun Jahre. 2 Und er tat, was dem HERRN missfiel, doch nicht wie die Könige von Israel, die vor ihm waren. 3 Gegen ihn zog herauf Salmanassar, der König von Assyrien. Und Hoschea wurde ihm untertan und brachte ihm Abgaben. 4 Als aber der König von Assyrien innewurde, dass Hoschea eine Verschwörung gemacht und Boten gesandt hatte zu So, dem König von Ägypten, und keine Abgaben dem König von Assyrien brachte wie alle Jahre, nahm er ihn fest und legte ihn ins Gefängnis. 5 Und der König von Assyrien zog durch das ganze Land und gegen Samaria und belagerte es drei Jahre lang. 6 Und im neunten Jahr Hoscheas eroberte der König von Assyrien Samaria und führte Israel weg nach Assyrien und ließ sie wohnen in Halach und am Habor, dem Fluss von Gosan, und in den Städten der Meder.

 Es ist der knappe Bericht über eine gescheiterte politische Befreiungsaktion. Hoschea versucht, sich von der Abhängigkeit von den Assyrern zu lösen. Es ist im Zeitraffer erzählt: Salmanassar hatte Israel in ein Tribut-Verhältnis gezwungen. Hoschea sucht eine Lösung durch einen Pakt mit Ägypten und verweigert parallel dazu Tributzahlungen. Das löst den assyrischen Kriegszug aus – drei Jahre Belagerung Samarias und schließlich der Fall der Stadt. Das Ergebnis: Israel wird deportiert.  Der König wird gefangen gesetzt. Das Volk wird umgesiedelt, nach  Halach und am Habor, dem Fluss von Gosan, und in den Städten der Meder. 

            Wenn man es genau nimmt – die Deportation trifft vermutlich nur die Oberschicht, die zu Führungsaufgaben n eigenständigen Aktionen befähigt wäre. Die einfachen Leute bleiben im Land.  Das alles ereignet sich im Jahr 722. Man geht kaum zu weit, wenn man dem Bericht unterstellt, dass er die Ursache dieser politische Niederlage im Handeln des Königs sieht: er tat, was dem HERRN missfiel, doch nicht wie die Könige von Israel, die vor ihm waren. Er war nicht so schlimm wie seine Vorgänger, aber das Maß war endgültig voll. Und Gott zog seine schützende Hand zurück.  

 7 Denn die Israeliten hatten gegen den HERRN, ihren Gott, gesündigt, der sie aus Ägyptenland geführt hatte, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten, und fürchteten andere Götter 8 und wandelten nach den Satzungen der Völker, die der HERR vor den Israeliten vertrieben hatte, und taten wie die Könige von Israel. 9 Und die Israeliten ersannen, was nicht recht war gegen den HERRN, ihren Gott. Sie bauten sich Höhen in allen ihren Städten, vom Wachtturm bis zur festen Stadt, 10 und richteten Steinmale auf und Ascheren auf jedem hohen Hügel und unter jedem grünen Baum 11 und räucherten auf allen Höhen wie die Völker, die der HERR vor ihnen weggetrieben hatte, und trieben böse Dinge, womit sie den HERRN erzürnten, 12 und dienten den Götzen, von denen der HERR zu ihnen gesagt hatte: Das sollt ihr nicht tun!

 Nach dem Bericht folgt die Ursachenforschung, die den tieferen Gründen des Falls nachgeht. Erstes Ergebnis: Es lag nicht nur am König! Die Israeliten waren rückfällig geworden in alte Verhaltensmuster. Rückfällig zu den Göttern der Heiden, wie sie sie in Ägypten kennengelernt hatten. Rückfällig zu Steinmalen und Ascheren auf jedem hohen Hügel und unter jedem grünen Baum. Es waren die Fruchtbarkeitskulte der Umwelt, die so viel attraktiver wirkten als der nüchterne Gottesdienst für den unsichtbaren und gestaltlosen Gott der Väter. Der nur im Wort und im Gebot nahe kam.

 Sie erliegen der Gefahr, die bis heute die Größere ist: Der Gefahr, mit Gott so umzugehen wie mit den Götzen. Gott mit den Göttern der eigenen Zeit und des eigenen Herzens verwechseln. Sich Gott so vorzustellen, als wolle er, was die Götzen fordern: Opfer ohne Ende, Kultstätten, Gottesdienste.

13 Und doch hatte der HERR Israel und Juda gewarnt durch alle Propheten und alle Seher und ihnen sagen lassen: Kehrt um von euren bösen Wegen und haltet meine Gebote und Rechte nach dem ganzen Gesetz, das ich euren Vätern geboten habe und das ich zu euch gesandt habe durch meine Knechte, die Propheten. 14 Aber sie gehorchten nicht, sondern versteiften ihren Nacken wie ihre Väter, die nicht an den HERRN, ihren Gott, glaubten. 15 Dazu verachteten sie seine Gebote und seinen Bund, den er mit ihren Vätern geschlossen hatte, und seine Warnungen, die er ihnen gab, und wandelten ihren nichtigen Götzen nach und trieben Nichtiges. Sie taten wie die Heiden um sie her, von denen der HERR ihnen geboten hatte, sie sollten nicht wie diese tun.

Zu dem Kult für die Götzen kommt das andere: die Schwerhörigkeit in Sachen Umkehr. Gott hat gemahnt durch seine Propheten und Seher. Aber sein Mahnen hat kein Echo gefunden. Es ist eine ernüchternde Bilanz der Prophetie der ersten Jahrhunderte – sie war wie in den Wind gesprochen. Was früher einmal wichtig war, seine Gebote und sein Bund, fand nur noch Achselzucken. Das waren die Väter. Heute ist eine neue Zeit. ,

16 Aber sie verließen alle Gebote des HERRN, ihres Gottes, und machten sich zwei gegossene Kälber und eine Aschera und beteten alles Heer des Himmels an und dienten dem Baal 17 und ließen ihre Söhne und Töchter durchs Feuer gehen und gingen mit Wahrsagerei und Zauberei um und verkauften sich, zu tun, was dem HERRN missfiel, um ihn zu erzürnen. 18 Da wurde der HERR sehr zornig über Israel und tat es von seinem Angesicht weg, sodass nichts übrig blieb als der Stamm Juda allein.

Das ist die Anklage gegen due Stierbilder Jerobeams. Gegen den Versuch, im Norden eine neuen Kult für Jahwe zu etablieren, nicht mehr unsichtbar, sondern augenfällig. Gepaart mit Praktiken, die schauern machen – über Opferhandlungen und okkulte Spielerein hinaus, immer dazu geeignet, Gott zu erzürnen. Es ist die Überzeugung des Schreibers: dieser Zorn ist der eigentliche Grund für den Untergang im Jahr 722. Er entzieht ihnen sein Angesicht. Er schaut weg. Mit dem Hinsehen Gottes hatte die Rettung aus dem Haus der Knechtschaft in Ägypten angefangen, mit dem Wegsehen Gottes beginnt die Knechtschaft in Assur.

– 19 Auch Juda hielt nicht die Gebote des HERRN, seines Gottes, sondern wandelte nach den Satzungen, nach denen Israel gelebt hatte. – 20 Darum verwarf der HERR das ganze Geschlecht Israel und demütigte sie und gab sie in die Hände der Räuber, bis er sie von seinem Angesicht wegstieß.

Es wirkt wie ein Warnhinweis an das Südreich. Juda hat keinen Grund, selbstgewiss und hochmütig auf den Norden zu blicken. Wir sind noch einmal davon gekommen. Nein, auch Juda wird für seine Irrwege einstehen müssen. Und es ist der Herr, auf den sie sich angeblich verlassen, der sie in die Hände der Räuber gibt. Die Sicherheit, in der sie Gott auf ihre Seite glaubten, ist falsch, weil sie eine Sicherheit ohne Folgen im eigenen Leben ist – ohne die Treue zur Wegweisung Gottes.

  21 Denn Israel hatte sich losgerissen vom Hause David und Jerobeam, den Sohn Nebats, zum König gemacht. Der wandte Israel ab vom HERRN und machte, dass sie schwer sündigten. 22 So wandelten die Israeliten in allen Sünden Jerobeams, die er getan hatte, und sie ließen nicht davon ab, 23 bis der HERR Israel von seinem Angesicht wegtat, wie er geredet hatte durch alle seine Knechte, die Propheten. So wurde Israel aus seinem Lande weggeführt nach Assyrien bis auf diesen Tag.

Noch einmal: der Anfang vom Ende ist die Aufkündigung der Volkseinheit. Die Stämme des Nordens haben sich vom Haus David gelöst. Dieser Sonderweg hatte keine Verheißung. Er ist, je länger er währte, umso mehr zur Sackgasse geworden und endet in der Wegführung Israels.

Heiliger Gott, Du willst eine heilige Einfalt von uns. Du willst, dass wir in Dir das Leben suchen, die Liebe empfangen, uns mit unserer Schuld bergen. Du willst unser ein und alles sein. Hilf uns, dass wir uns warnen lassen durch Den Wort. Hilf uns, dass wir uns rufen lassen durch Dein Wort. Hilf uns, dass wir uns leiten lassen durch Deinen Geist. Hilf uns, dass wir uns Dir anvertrauen, jeden Tag neu. Amen