Kühlen Kopf bewahren, Durchblick gewinnen

Apostelgeschichte 14, 1 – 20a

 1 Es geschah aber in Ikonion, dass sie wieder in die Synagoge der Juden gingen und so predigten, dass eine große Menge Juden und Griechen gläubig wurde. 2 Die Juden aber, die ungläubig blieben, stifteten Unruhe und hetzten die Seelen der Heiden auf gegen die Brüder.

 Der Ort wechselt, die Abläufe bleiben gleich. Wieder, auch in Ikonion, suchen die Apostel den Weg in die Synagoge. Wieder predigen sie so, dass sie Glauben finden und Glauben wecken. Es sind Juden und Griechen, die gläubig werden. Der Weg zu den Heiden setzt sich also fort. Und wieder ist die Reaktion gespalten. Während die einen den Worten der beiden Christus-Zeugen anhängen, gehen die anderen dazu über, Feindschaft zu säen, die Seelen aufzuhetzen.

Das steht im Griechischen wörtlich da: ψυχς τν θννSeelen der Heiden, der Völker. Und ist viel ausdrucksstärker als die abgeblasste Formulierung: sie hetzten die Heiden auf (Luther 2017) Es ist nicht nur ein bisschen Randale. Sondern es ist der Appell an die Herzen, an die Seelen. Es ist auch das Wissen des Lukas: Wer Menschen zu etwas bringen will, der muss sie in ihrer Psyche – das ist ja das griechische Wort, das die alten Übersetzungen mit Seele wiedergeben – ansprechen, nicht in ihrer Rationalität, der muss Emotionen wecken, so wie wir es heute erleben, wenn Menschen mit dumpfen Parolen aufgehetzt werden gegen Muslime, gegen Fremde, gegen alle, die irgendwie anders sind als man selbst.   

Verkündigung bewirkt Glauben und Widerspruch, Vertrauen oder verweigertes Vertrauen. Auffällig ist, dass hier von Paulus und Barnabas als den Brüdern die Rede ist, weil das im Grunde eine eher allgemeine Bezeichnung für die Christen ist. Der Aufruhr, so kann man von daher verstehen, richtet sich nicht gegen „Amtsträger“, sondern gegen die ganze Glaubensgemeinschaft, für die sie stehen.

 3 Dennoch blieben sie eine lange Zeit dort und lehrten frei und offen im Vertrauen auf den Herrn, der das Wort seiner Gnade bezeugte und ließ Zeichen und Wunder geschehen durch ihre Hände.

 Trotz dieser spürbaren Spannungen bleiben sie. Es ist Gottvertrauen, dass sie bleiben lässt und das sie lehren lässt. Dass sie nicht abtauchen lässt in die Verborgenheit. Einmal mehr wird es betont: die Christen suchen nicht das Versteck, sondern sie treten frei und offen auf. Freimütig auch, weil das im griechischen Wort παρρησιαζμενοι mitschwingt. Es ist ein Grundzug im Verhalten dieser ersten Christen, dass sie innerlich frei sind, selbst wenn sie äußerlich mehr als nur manchmal bedrängt werden.

Sie erzählen von Jesus. Sie erzählen von der Gnade Gottes. Und was sie erzählen, wird bestätigt, unterstrichen durch Zeichen und Wunder. Es sind nicht nur Worte, die sie machen.  Die Formel „Zeichen und Wunder“ mag für unsere Ohren ungewöhnlich klingen, wenn es um Predigt und Lehre geht. Sie hat ein „Geschmäckle“ in Kirchen, die sich längst davon verabschiedet haben, dass das Wort andere Wirkungen als Verstehen und Begreifen hervorrufen kann. Aber in einer Zeit, in der man glaubt, dass das Wort wirkt, ist es nicht so unerwartet, dass Menschen unter der Verkündigung gesund werden, dass Leben zurecht gebracht wird, dass es Neuausrichtungen des Lebens gibt, dass sich durch den Glauben Befreiung und Loslösung von alten Bindungen ereignet, die tief in den leiblichen und seelischen Bereich hinein wirken. Aber dass sich Zeichen und Wunder ereignen, steht nicht in der Verfügungsmacht der Prediger, sondern sie geschehen zwar durch die Hände der Menschen, kommen aber her von Gott.

4 Die Menge in der Stadt aber spaltete sich; die einen hielten’s mit den Juden und die andern mit den Aposteln. 5 Als sich aber ein Sturm erhob bei den Heiden und Juden und ihren Oberen und sie sie misshandeln und steinigen wollten, 6 merkten sie es und entflohen in die Städte Lykaoniens, nach Lystra und Derbe, und in deren Umgebung 7 und predigten dort das Evangelium.

           Was da geschieht, spaltet die Stadt in zwei Lager. Die Glaubens- und Friedensbotschaft löst oft genug ganz unterschiedliche Reaktionen aus. Frohe Zustimmung bei den einen, heftigen Widerspruch bei anderen. Es ist eine unrealistische Bild, das wir heute haben, dass das Evangelium überall und immer gern gehörte Botschaft ist. Die Frommen, die dauernd von Jesus reden, behaupten, dass Erlösung notwendig sei, damit Menschen aus ihren Gefangenschaften und Knechtschaften befreit werden, die sich doch schon so frei fühlen, geht manch einem „modernen, westlichen, einigermaßen aufgeklärten Durchschnittstypen, dessen absolute Wahrheit lautet, dass es keine absolute Wahrheit gibt“(Chr. Nürnberger, in: Kreisanzeiger vom 1.7.17 S. 2) gewaltig gegen den Strich. Sie sollen gefälligst aus der Öffentlichkeit verschwinden. „Religiöse, nehmt euch zurück!“(ebda.)

In der Mitte des Konfliktes stehen die Apostel. Diese Bezeichnung für Paulus und Barnabas fällt heraus aus dem Sprachgebrauch des Lukas, der sonst nur die Augenzeugen des Weges Jesu zwischen Taufe und Ostern als Apostel bezeichnet. Es ist, so könnte man sagen, ein Begriff im Übergang – von einer historischen Bezeichnung zu einer Funktionsbeschreibung.     

Es ist nicht nur ein bisschen Unruhe, nicht nur Stadtgespräch. Ein Sturm – ρμ –  zieht auf. Es wird eng, bedrängend. Die Frage, vor der die Apostel durch den Streit in der Stadt stehen ist: Flüchten oder standhalten? Es gibt keine Regel, die sagt, dass Jünger Jesu bis zur Steinigung bleiben müssen. Stephanus ist nie zur normgebenden Gestalt geworden. Es geht nicht darum, um jeden Preis zu bleiben. Darum ist es keine Feigheit, wenn die beiden sich dem Tod entziehen, als sie merken, welche Koalition sich da gegen sie zusammen findet – Heiden und Juden und die Stadt-Oberen. Die Leidensgemeinschaft mit Jesus verbietet das Ausweichen vor dem Martyrium nicht. Ihr Auftrag ist noch nicht erfüllt.

Sie entziehen sich zwar dem Zugriff in Ikonion, aber ihre Flucht lässt sie nicht verstummen. Auch in Lystra und Derbe predigen sie das Evangelium. Allmählich wird diese Formulierung zum festen Begriff für Inhalte: Evangelium ist der Weg Jesu uns zugute, die Vergebung der Sünden, die Botschaft von der Auferstehung der Toten, kurz, die Botschaft vom Weg Gottes zu den Menschen und der Ruf an die Menschen, diesem Gott vertrauensvoll das eigene Leben zu öffnen. Das Evangelium findet Menschen, in der Umgebung von Lystra und Derbe, auch in den Dörfern des Umlandes.

8 Und es war ein Mann in Lystra, der hatte schwache Füße und konnte nur sitzen; er war gelähmt von Mutterleib an und hatte noch nie gehen können. 9 Der hörte Paulus reden. Und als dieser ihn ansah und merkte, dass er glaubte, ihm könne geholfen werden, 10 sprach er mit lauter Stimme: Stell dich aufrecht auf deine Füße! Und er sprang auf und ging umher.

Einer von diesen Menschen in Lystra ist ein Leben lang noch nicht auf die eigenen Beine gekommen. Gelähmt von Mutterleib an. Unfähig zu eigenen Schritten. Unfähig, für sich selbst zu sorgen. Unfähig zu kraftvollem Leben. Auf schwachen Füßen lassen sich keine großen Sprünge machen. Es wird wohl so sein: Von Kindesbeinen an hat er nie gehört und gelernt: du kannst auf den eigenen Füßen stehen. Immer ist er auf seine Schwäche reduziert worden. In ihr festgehalten, regelrecht eingemauert worden.

Bis heute ist das so: „Das kannst du nicht. das lernst du nie. Du hast nicht die Kraft und nicht das Geschick für so etwas. Du hast sowieso zwei linke Hände.“ Botschaften, die Kräfte rauben, lähmen, am Leben verzagen lassen. Unvergessen, wie einer erzählt: Die Mutter sagte immer: „Du musst dich anstrengen, damit was aus dir wird.“ Und der Vater: „Du kannst dich anstrengen, wie du willst. Aus dir wird nie was.“ Gewiss ein Extremfall, aber kein Einzelfall.

Nun kommt es zu folgenschwerer Kommunikation, zum größten Teil wortlos! Der hörte Paulus reden. Und Paulus sieht seinen Zuhörer an und spürt, dass sich da im Inneren etwas tut: Er glaubte, ihm könne geholfen werden. Wie gerne wüsste man, was Paulus gesagt hat, das plötzlich Hoffnung in einem bis dahin festgelegten, hoffnungslosen Leben aufglühen kann. Der Apostel des Herzenskenners Jesus wird selbst zu einem, der in einem Gesicht lesen kann, der Erwartungen erspüren kann. Da entsteht Erwartung im Herzen eines Menschen. Sie findet noch keine Worte, aber zeichnet sich ab auf dem Gesicht.

Es gibt  ein sich Abfinden mit dem Leben, das zwar an Gott glaubt, aber nicht mehr daran, dass sich die eigene Lebenssituation noch einmal ändern könnte. Hier fängt einer an zu glauben, zu hoffen, dass Änderung möglich sein könnte.

Das zu spüren macht für Paulus den Weg auch zu Worten frei: Stell dich aufrecht auf deine Füße! Dieser Befehl, wenn es denn ein Befehl ist, traut ihm zu, was er ein Leben lang nicht konnte. Dieser Befehl schenkt ihm und weckt in ihm ein Vertrauen, das er selbst ein Leben lang noch nicht einen Tag hatte. Vertrauen zu sich selbst und zu den eigenen schwachen Füßen. Selbstvertrauen. Es wird wohl so sein. Manchmal erlaubt uns erst das Wort von außen den Schritt über die eigenen inneren Barrieren, die uns gelähmt und festgehalten haben.

Es wirkt nebensächlich: Paulus wird laut. Er ruft mit lauter Stimme μεγλ φωνῇ.  Ich glaube nicht an eine zufällige Wortwahl. In der Erzählung von der Auferweckung des Lazarus durch Jesus heißt es: „Als er das gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus!“(Johannes 11,43) Schließlich – in Konkurrenz dazu: „Und an einem festgesetzten Tag legte Herodes das königliche Gewand an, setzte sich auf den Thron und hielt eine Rede an sie. Das Volk aber rief ihm zu: Das ist Gottes Stimme und nicht die eines Menschen! (12.21-22) Die Stimme des Paulus ist keine göttliche Stimme, aber die Stimme eines Menschen, der Jesus folgt und Jesus glaubt.

Es gefällt mir, dass hier nicht steht: Im Namen Jesu, stehe auf. Das macht deutlich, dass es nicht die richtig gesprochene Formel ist, auch nicht die richtige christliche Formel, die auf die Beine bringt. Es ist das Vertrauen, das zum Vertrauen befreit. Und natürlich: Wo und wann Gott will. Paulus ist und wird kein autonomer Wundertäter. Für die ist im Christentum kein Platz.

 11 Als aber das Volk sah, was Paulus getan hatte, erhoben sie ihre Stimme und riefen auf Lykaonisch: Die Götter sind den Menschen gleich geworden und zu uns herabgekommen. 12 Und sie nannten Barnabas Zeus und Paulus Hermes, weil er das Wort führte. 13 Und der Priester des Zeus aus dem Tempel vor ihrer Stadt brachte Stiere und Kränze vor das Tor und wollte opfern samt dem Volk.

Wo sonst in der Folge der Wunder Staunen und das Lob Gottes zu stehen kommen, wird hier berichtet, dass das Volk beginnen will, Barnabas und Paulus wie Götter zu verehren. Zeus und Hermes sollen sie sein. In Lykaonien ist die wunderschöne Erzählung von Philemon und Baucis lokal verortet, die von Zeus und Hermes besucht werden und sie freundlich bewirten. Diese Erzählung lässt den Besuch von Göttern nicht als einen unmöglichen Gedanken erscheinen! Sie warnt eher davor, blind zu sein für die Gäste, die inkognito sind und so das Glück zu versäumen. Es kann doch sein, dass die Götter einmal Menschengestalt annehmen. Darum ist es nur zu verständlich, dass sie zum Opfer für die vermeintlichen Götter rüsten. Diese Pflicht der Gastfreundschaft göttlichen Gestalten gegenüber wollen sie in Lystra nicht versäumen.

Ein Plädoyer zur Ehrenrettung der Leute in Lystra. Sie wollen die falsche Adresse feiern. Sie ziehen den falschen Schluss: Götter unter uns. Aber ihr Staunen über das, was da geschehen ist, ist doch richtig. Es ist einer der kostbarsten Momente im Leben, mit dabei zu sein, wenn einer nach schier endloser Lähmung zu neuen Schritten, überhaupt zu ersten Schritten befreit wird. Wenn einer wieder auf die Füße kommt. Wer gelangweilt zur Tagesordnung überginge, wenn einer nah Jahrzehnten erstmals oder auch wieder „selbstständig“ wird, auf eigenen Beinen stehen kann, der hätte wirklich nichts von der Kostbarkeit des Lebens begriffen.

14 Als das die Apostel Barnabas und Paulus hörten, zerrissen sie ihre Kleider und sprangen unter das Volk und schrien: 15 Ihr Männer, was macht ihr da? Wir sind auch sterbliche Menschen wie ihr und predigen euch das Evangelium, dass ihr euch bekehren sollt von diesen falschen Göttern zu dem lebendigen Gott, der Himmel und Erde und das Meer und alles, was darin ist, gemacht hat. 16 Zwar hat er in den vergangenen Zeiten alle Heiden ihre eigenen Wege gehen lassen; 17 und doch hat er sich selbst nicht unbezeugt gelassen, hat viel Gutes getan und euch vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben, hat euch ernährt und eure Herzen mit Freude erfüllt. –

 Barnabas und Paulus aber, als sie merken, dass sie in den „Götterstand“ erhoben werden sollen, wehren entsetzt ab. Sich göttliche Ehre gefallen lassen macht Gott die Ehre streitig. Sich anbeten zu lassen nimmt Gott die Anbetung weg. Herodes Agrippa I. ist ein warnendes Beispiel dafür. (12,22ff.) Wir sind auch sterbliche Menschen wie ihr, sagen, schreien die beiden erschrocken. Wie Petrus dem römischen Hauptmann Kornelius gegenüber stellen sie das klar. Es ist immer wieder nötig. In einem Umfeld, in dem sich Kaiser divus, göttlich, nennen lassen, in dem das auf Münzen geprägt wurde, in dem es die Vorstellung vom göttlichen Menschen, ανήρ θεός, gab, der auch über göttliche Kräfte frei verfügt, ist das keine Kleinigkeit.

 Es bleibt nicht bei der Abwehr. Auch hier nützen sie wieder die Situation zur Verkündigung.  Es geht um den lebendigen Gott, den Schöpfer, der Himmel und Erde und das Meer und alles, was darin ist, gemacht hat. Er ist auf der Suche nach den Menschen. Er tut Gutes, er füllt die Erde mit seiner Güte. Er ist es, der die Freude am Leben schenkt. Das Abwehren der eigenen, fälschlichen Verehrung wird zum Rufen zu dem einen, wahren, lebendigen Gott, dem Schöpfer, von dessen Wohltaten sie alle leben. Götzenpolemik paart sich mit dem Versuch, diese Überhöhung der beiden Apostel mit Unwissenheit zu entschuldigen.

 18 Und obwohl sie das sagten, konnten sie kaum das Volk davon abbringen, ihnen zu opfern.

 Ein ausgesprochen dürrer Satz. Die Worte der Apostel prallen irgendwie ab. So sehr ist das Volk seiner Sache sicher, dass es sich nur mit Mühe aufhalten lässt. Gegen eine emotional hoch gestimmte Menge sind Worte meistens machtlos. Wer sich die Zeit heute nüchtern ansieht, wird nicht umhinkommen sich einzugestehen: Quch 2000 Jahre Verkündigung haben die starken Kräfte des Heidentums, die auf Selbstbehauptung, auf Stärke, auf Sieg setzen, nicht völlig verschwinden und schwach werden lassen. Es feiert vielerorts eine schauerliche Rückkehr.

 19 Es kamen aber von Antiochia und Ikonion Juden dorthin und überredeten das Volk und steinigten Paulus und schleiften ihn zur Stadt hinaus und meinten, er wäre gestorben.

 Was für ein Wende. Kaum, dass es gelungen ist, die Anbetung mühsam genug abzuwehren, schlägt die Stimmung um. Ein gerütteltes Maß an diesem Kippen der Stimmung haben Juden, die den Aposteln „nach-gereist“ waren, sozusagen als Warner vor diesen Verführern. Es ist eine Rolle, die es bis heute gibt und die gerne besetzt wird: Keine eigene Position zu haben, sondern nur zu warnen vor denen, die irgendwie anders sind.

Sie erreichen ihren Zweck. Die Steinigung, der sich Paulus in Ikonion noch durch Flucht entziehen konnte, wird hier durchgeführt. Von einer aufgeputschten Volksmenge. Halbtot bleibt Paulus liegen.  Sie aber halten ihn für tot. Sie sind erfolgreich gegen diesen Sektenprediger vorgegangen.

 20 Als ihn aber die Jünger umringten, stand er auf und ging in die Stadt.

Es ist nicht klar: kommen die Jünger, um den vermeintlich toten Paulus zu beerdigen? Oder haben sie gesehen, was die Feinde nicht sahen: Da ist noch Leben in diesem geschundenen Menschen. Er, der dem Mann mit den schwachen Füßen aufstehen geholfen hat, er kommt auch selbst wieder auf die Beine, kann stehen und gehen.

Zum Weiterdenken

Die Abwehr einer – zugegeben überschwänglichen – Ehrung durch Paulus und Barnabas wirkt nicht nur damals fremd. Man hätte die Chance doch nutzen können. Fremd wirkt das auch heute, in einer Zeit, die dazu neigt, Menschen völlig zu überhöhen. Einen Hype um sie zu veranstalten, von dem alle profitieren. Schon Fußballtrainer können als „Messias“ begrüßt werden, Sieger in irgendwelchen obskuren Rankings werden in den Show-Himmel erhoben und sogar Politiker sind nicht sicher davor, als Heilsbringer angesehen zu werden. Man denke nur an die Weise, wie seinerzeit Barack Obama fast als neuer Messias begrüßt und gewählt wurde. Es ist ein Zeichen wohltuender Nüchternheit, solchem Hype zu wehren, erst recht, wenn man sich klar macht, dass das schöne deutsche Wort „Hype“ von „Hybris“ abzuleiten ist und das bedeutet; Selbstüberhebung.

 

Jesus, wie oft bin ich schwach auf den Füßen, überhaupt nicht standfest, standhaft, sondern leicht aus dem Gleichgewicht zu bringen. Wie oft fehlt es mir am Stehvermögen, an der Klarheit, Situationen zu durchschauen, mich dem zu verweigern, was mir schmeicheln könnte.

Wie rasch geht das, sich Ehre gefallen zu lassen, die den Blick auf Dich verstellt. Du kannst die Augen öffnen, dass wir sehen, was zu sagen ist, was zu tun ist, wo Gefahren lauern. Du kannst die Augen öffnen für den angstfreien Blick, der die Wirklichkeit sieht und Dich, den Herrn hinter aller Wirklichkeit. Amen