Lehre uns beten

Kolosser 4, 2 – 6

2 Seid beharrlich im Gebet und wacht in ihm mit Danksagung!

     Das Thema wechselt. Eine Ermutigung zum Gebet. Aushalten im Beten, weil es nicht von jetzt auf gleich Antwort findet. Oder anders gedacht: Beten als eine Grundhaltung des Lebens. Beharrlich beten – προσκαρτερετε – treu sein, standhaft sein. Ganz nah ist das Wort am griechischen Wort für „Kraft“ – κράτοςdran. Beten ist keine schwächliche Angelegenheit. Es erfordert Mut, Kraft, Beständigkeit und es verleiht Mut, Kraft und Beständigkeit.

 3 Betet zugleich auch für uns, auf dass Gott uns eine Tür für das Wort auftue und wir vom Geheimnis Christi reden können, um dessentwillen ich auch in Fesseln bin, 4 auf dass ich es so offenbar mache, wie ich es soll.

 An die Ermutigung zum Beten schließt die Bitte um Fürbitte unmittelbar an. Der Schreiber weiß sich angewiesen auf die betende Schar von Brüdern und Schwestern. Erst recht im Gefängnis, in der Bedrängnis und Enge. Wie nahe liegt es da, den Mund zu halten, nichts zu sagen von dem, was als Anklage gegen einen verwendet werden kann. Es ist nicht unsere Situation in unserem Land, dass Christ*innen um des Glaubens willen im Gefängnis landen. In anderen Gegenden der Welt ist das auch heute noch möglich. Da liegt Schweigen aus Selbstschutz so nah – und wäre doch ein Verschweigen und darin ein Verweigern dessen, was Gott auch mit einem im Gefängnis wirken will. So sieht es der Schreiber.

            Er braucht den Rückenwind der Fürbitte, damit er nicht klein beigibt, von Christus redet, von dem μυστριον το Χριστο, von der Enthüllung Gottes in die Welt hinein – in diesem einen Menschen. Unser Wort „Mysterium“ trifft es besser als das deutsche Wort Geheimnis. Dass in Christus Gott Mensch geworden ist, ist kein Rätsel, auch nicht mysteriös. Aber es übersteigt alle unsere Denkvoraussetzungen. Darum: μυστριον

5 Verhaltet euch weise gegenüber denen, die draußen sind, und kauft die Zeit aus. 6 Eure Rede sei allezeit wohlklingend und mit Salz gewürzt, dass ihr wisst, wie ihr einem jeden antworten sollt.

   Wieder ein Wechsel – und doch zugleich auch eine Fortsetzung. So wie er im Gefängnis nicht schweigen kann, so sollen sie ihrer Umwelt gegenüber nicht verstummen. Nicht in ihren Worten und nicht in ihrem Verhalten. Sie sollen weise sein, bedacht im Umgehen, die Zeiten und Gelegenheiten nützen. Warten auf den guten Zeitpunkt, um zu reden und dann auch die entsprechenden Worte finden. Stimmig sein in Wort und Tat. Die Worte sollen für den stimmen, an den sie gerichtet sind. Keine O8/15-Sätze, keine Standard-Formulierung. Jede und Jeder braucht individuelle Zuwendung und Ansprache.

Zum Weiterdenken

Es ist die Grenze vorformulierter Bekenntnisse, dass sie nicht situationsbezogen sind. Allgemein und nicht persönlich. Was es aber braucht, heute vielleicht mehr denn je zuvor, ist das authentische Gespräch, das Zeugnis des eigenen Lebens in Wort und Tat, die Sätze des Glaubens, angeeignet in den eigenen Worten und beglaubigt durch das, was der/die Gesprächspartner*in an dem/der Redenden wahrnehmen kann. Mir scheint, dass hier eine deutliche Herausforderung an uns Heutige liegt: Wir sind an die gewiesen, die in unserer Nähe sind, nicht an die in der Ferne.

Herr, es ist gut, dass Du innen und außen, beten und reden, hören und handeln immer zusammen halten hilfst. Bei uns fällt das so leicht auseinander und unser Tunwird bloße Aktion, Hektik – und unser Beten wird nichts als religiöse Übung.

Du willst unser Beten, damit wir uns Dir öffnen und so auch offen für Menschen werden, ihre Sorgen und Nöte, Ängste und Hoffnungen. Lehre uns beten damit wir Dich, uns selbst und den Menschen neben uns wahrnehmen und Dein Wort ausrichten können. Amen