Neue Wege

 Kolosser 3, 5 – 11

5 So tötet nun die Glieder, die auf Erden sind, Unzucht, Unreinheit, schändliche Leidenschaft, böse Begierde und die Habsucht, die Götzendienst ist. 6 Um solcher Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams. 7 In dem allen seid auch ihr einst gewandelt, als ihr noch darin lebtet.

             Es ist ein Lasterkatalog, wie er im Buch steht, wie ihn auch die aus Sicht der Gemeinde heidnische Umwelt als soziales Fehlverhalten kennzeichnen dürfte. Verhalten, das den Zorn Gottes auslösen müsste, der wie selbstverständlich vorausgesetzt wird. Der Schreiber sieht Gott nicht als einen Gott, der einfach alles gelten lässt und durchgehen lässt. Gott beurteilt Verhalten und lässt eben nicht alles gleich gelten. Warum ist das so? Weil das Verhalten gegen Gottes Willen die Heiligkeit Gottes tangiert, verletzt. Gott ist nicht der ferne Gott hinter den sieben Bergen, weit weg hinter den Grenzen des Alls, dem gleichgültig ist, wie wir Menschen uns verhalten. Das hat die junge Christenheit aus den Schriften Israels so gelernt.

  Darum die Aufforderung, sich  von eingefahrenen Verhaltensmustern zu trennen. Von dem, was man so tut, was man früher so getan hat. Die Glieder töten kann ein Anknüpfen an die drastischen Worte sein, die von Jesus überliefert werden: „Wenn dich aber dein rechtes Auge verführt, so reiß es aus und wirf’s von dir. Es ist besser für dich, dass eins deiner Glieder verderbe und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde. Wenn dich deine rechte Hand verführt, so hau sie ab und wirf sie von dir. Es ist besser für dich, dass eins deiner Glieder verderbe und nicht der ganze Leib in die Hölle fahre.“ (Matthäus 5, 29-30) So zu denken und so körperliche Unversehrtheit und Bedürfnisse zu relativieren ist eine starke Herausforderung an unsere Vorstellungen.

8 Nun aber legt auch ihr das alles ab: Zorn, Grimm, Bosheit, Lästerung, schandbare Worte aus eurem Munde; 9 belügt einander nicht; denn ihr habt den alten Menschen mit seinen Werken ausgezogen 10 und den neuen angezogen, der erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Ebenbild dessen, der ihn geschaffen hat.

  Das ist nicht einfach nur eine Wiederholung. Es ist Verstärkung, auch dadurch, dass sich so die Überzeugung zeigt: Es geht anders. Man kann sich von negativen Verhaltensmustern lösen. Nicht einfach so, auch nicht auch moralischer Kraftanstrengung: Sie sind als Christ*innen in eine neue Existenz versetzt. Sie haben – in der Taufe, im Schritt zum Glauben eine Trennung vollzogen – den alten Menschen mit seinen Werken ausgezogen und den neuen angezogen. Das ist mehr als nur ein Kleiderwechsel. Es ist ein neues Sein.

 11 Da ist nicht mehr Grieche oder Jude, Beschnittener oder Unbeschnittener, Nichtgrieche, Skythe, Sklave, Freier, sondern alles und in allen Christus.

  Ein Satz, wie er ganz ähnlich anderswo, im Galaterbrief, bei Paulus steht. Die Bedingungen der alten Existenz sind passé, es gibt ein neues Leben. Sie leben auf einer neuen Basis: Sein in Christus verändert alles. Was die Welt, Umwelt an sozialen Zuschreibungen bereit hält, zählt nicht mehr. Alles und in allen Christus. Es ist in der Gemeinde Jesu nicht mehr wichtig, wo eine*r herkommt, welchen sozialen Status er/sie mitbringt, welche nationale Zugehörigkeit er/sie mit sich herumträgt. Wichtig ist nur: In Christus

Zum Weiterdenken

Die moderne Debatte, ob es überhaupt Rassen gibt, ob das nicht nur seltsam überholte Vorstellungen sind, wird hier vor fast 2000 Jahren schon aus den Angeln gehoben. Nicht, weil diese Unterschiede geleugnet werden, sondern weil sie zweitrangig geworden sind. Von daher kann man den Satz sagen: Es verträgt sich nicht mit dem Christsein, Rassist oder Rassistin zu sein, aber auch nicht, die sozialen Schranken als feststehende Stände zu behaupten, die religiöse Herkunft zu einem Trennungsmerkmal zu machen. Die christliche Gemeinde ist international, nicht an Geschlechtszuweisungen interessiert, weltweit, sozial auf Gleichheit aus und multi-kulturell offen. Alles um der einen Tatsache willen: Es gilt in ihr diese Sein in Christus als das, was allein noch zählt.

Es ist gut, mein Gott, dass Du es uns zutraust, mir zutraust, noch einmal ein anderer zu werden, neue Lebensschritte tun zu können. Es ist gut, dass ich nicht nur meine Vergangenheit bin, festgelegt durch Herkunft, Erziehung, Erfahrung, Schuld und tief eingefahrene Lebensmuster. Du willst, dass wir neue Wege gehen, neue Schritte tun, aus der Kraft des Geistes, den Worten und Werken Jesu ähnlicher werden.

Damit wir das können, stellst Du Dich zu uns, stellst Du uns auf eine neue Basis, in die Gemeinschaft mit Dir, in die Gemeinschaft, die aus Deiner Liebe lebt.   Zu dem neuen Sein hilf uns in Deiner Geduld, Tag um Tag. Amen