Skandal im Hause Simons

Lukas 7, 36 – 8,3  

36 Es bat ihn aber einer der Pharisäer, bei ihm zu essen. Und er ging hinein in das Haus des Pharisäers und setzte sich zu Tisch.

    Jesus lässt sich gerne einladen. Er ist einer, der das Gespräch sucht, die Gemeinschaft, die Nähe zu den Menschen. Er sucht auch die Gemeinschaft mit den Pharisäern. Es ist ein schräges Bild, das wir von den Pharisäern haben. Pharisäer ist damals kein Schimpfwort, sondern ein Wort voller Anerkennung. Für die, denen es ernst ist mit Gott. Sie sind hochgeachtet wegen ihrer Frömmigkeit. Sie suchen nach Wegen, wie es auch im Alltag möglich ist, dem Willen Gottes zu entsprechen. Darum sind sie auch die herausragenden Gesprächspartner Jesu.  Darum auch, weil er ernsthaft die Wege Gottes sucht, lädt der Pharisäer Jesus ein. Er verspricht sich Wegweisung von ihm.

37 Und siehe, eine Frau war in der Stadt, die war eine Sünderin.

      Eine Sünderin. Sie ist stadtbekannt. Eine, die das Leben verfehlt hat. Eine, die nicht mehr in der Gemeinschaft derer ihren Platz hat, die offen vor Gott treten. Es klingt so abgeschlossen – das Urteil steht fest und nicht mehr zur Revision. Was hinter diesem Urteil an verfehltem Leben steht, wird nicht gesagt. Da sind der Phantasie, auch der Männerphantasie, kaum Grenzen gesetzt.

Als die vernahm, dass er zu Tisch saß im Haus des Pharisäers, brachte sie ein Glas mit Salböl 38 und trat von hinten zu seinen Füßen, weinte und fing an, seine Füße mit Tränen zu benetzen und mit den Haaren ihres Hauptes zu trocknen, und küsste seine Füße und salbte sie mit Salböl.

            Sie hört, dass Jesus zu Gast ist bei einem untadeligen Mann, einem, der auf Frömmigkeit und geordnetes Leben Wert legt. Sein Haus, so scheint es, ist zugänglich, nicht verbarrikadiert, auch für sie nicht.

            Und dann diese Szene. Sie tritt an Jesus heran. Kommt sie von hinten, überrascht sie ihn? – das interessiert in der Erzählung nicht. Man muss sich Jesus wohl in der Sitte der Zeit zu Tisch liegend vorstellen. Sie fängt an, seine Füße zu beweinen und mit ihren Tränen zu waschen. Sie wirft ihr Haar als Tuch über die Füße und trocknet sie mit den Haaren. Sie salbt seine Füße mit Salbe.

            Eine Augenblick halte ich inne – und versetze mich in die Lage der Beteiligten. Diese Frau ist ganz bei sich, ganz in ihrer Handlung. Sie nimmt wohl nichts wahr als ihre Tränen und ihr Tun. Sie sieht die Füße, fasst sie an, bedeckt sie mit ihren Küssen und ihrem Haar. Kein Wort – aber sie ist ganz in ihrem Tun präsent.

            Die dabei sitzen – die Jünger – sind erstarrt. Sie beobachten atemlos, was geschieht.  Man ist nie vor Überraschungen sicher, wenn man mit Jesus unterwegs ist. Dem einen oder anderen wird der ganze Auftritt peinlich sein. So lässt man sich doch nicht gehen! Und aller Wahrscheinlichkeit nach gibt der eine oder andere Jesus innerlich Ratschläge: Zieh deine Füße weg. Sag ihr, dass das nicht geht. Das ist doch alles viel zu emotional.

            Und Jesus? Er zieht nicht die Füße weg, stößt sie nicht von sich, geht nicht auf Abstand. Er lässt sie gewähren, lässt sich gefallen, was sie tut.

39 Als aber das der Pharisäer sah, der ihn eingeladen hatte, sprach er bei sich selbst und sagte: Wenn dieser ein Prophet wäre, so wüsste er, wer und was für eine Frau das ist, die ihn anrührt; denn sie ist eine Sünderin.

 Die Gedanken des Pharisäers Simon werden von Lukas „protokolliert.“ Merkwürdig, dass er nicht von seinem Hausrecht Gebrauch macht. Ob es ihm recht ist, diesen Jesus so vorgeführt zu sehen? Denn das ist ja sein Empfinden. Dass er das mit sich machen lässt, dass er hier keine Grenze setzt, dass er sich dieser Emotionalität aussetzt, dieser anrüchigen Frau, die jetzt auch mit ihrer Salbe noch Geruchsbelästigung betreibt – das alles spricht gegen ihn. Womöglich gefällt es ihm noch! Simon kennt den Ruf dieser Frau und ihr Ruf färbt jetzt mit dieser Tat auf Jesus ab. „Sage mir, von dem Du Dich berühren lässt und ich sage Dir, wer Du bist.“ So denkt Simon.

40 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Simon, ich habe dir etwas zu sagen. Er aber sprach: Meister, sag es!

            Jetzt erfahren wir aus dem Mund Jesu den Namen des Gastgebers. Wir wissen, was Simon bei sich denkt, weil es Lukas uns sagt. Jesus dagegen muss seine Gedanken lesen. Wieder einmal erweist er sich als der große Herzenskenner, der die „Gedanken von ferne“ kennt, der die ungesagten Worte auf der Zunge schon weiß.(Psalm 139, 2 +4). Darum antwortet er auf das Ungesagte! Bis dahin war es ein stummes Geschehen – denn weder die Frau noch Simon noch Jesus hatten ja etwas gesagt. Jetzt aber nimmt Jesus das Wort.

Und Jesus macht es, wie es wohl nur Orientalen können – er erzählt eine Geschichte, ein Gleichnis. Simon ist sofort bereit, nach Jesu Ansage, zuzuhören. Weil er in ihm einen Meister, einen Lehrer – so das griechische Wort Διδσκαλε – sieht.

 41 Ein Gläubiger hatte zwei Schuldner. Einer war fünfhundert Silbergroschen schuldig, der andere fünfzig. 42 Da sie aber nicht bezahlen konnten, schenkte er’s beiden. Wer von ihnen wird ihn am meisten lieben? 43 Simon antwortete und sprach: Ich denke, der, dem er am meisten geschenkt hat.

 Es liegt auf der Hand. Wer viele Schulden hat, ist anders erleichtert als der, der kaum Schulden hat. Wer nicht mehr weiß, wie er aus seiner Schuldenfalle heraus kommen soll, der atmet bei Erlass seiner Schulden anders auf als der, der schon einen Überbrückungskredit organisiert hatte. Die Erleichterung und die Dankbarkeit hängen von der Größe der Entlastung ab. So erzählt es die Geschichte, so legt es Jesus durch sein Erzählen nahe – und Simon bestätigt es durch sein eigenes Wort.

 Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geurteilt. 44 Und er wandte sich zu der Frau und sprach zu Simon: Siehst du diese Frau? Ich bin in dein Haus gekommen; du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben; diese aber hat meine Füße mit Tränen benetzt und mit ihren Haaren getrocknet. 45 Du hast mir keinen Kuss gegeben; diese aber hat, seit ich hereingekommen bin, nicht abgelassen, meine Füße zu küssen. 46 Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt; sie aber hat meine Füße mit Salböl gesalbt.

 Das ist prophetisches Handeln: Du hast recht geurteilt. – „Du bist der Mann!“ (2. Samuel 12,7) sagt Nathan zu David, als er ihn mit seiner Erzählung zu seinem Urteil führt: „des Todes schuldig.“ Das steht hier nicht zur Debatte. Simon hat sich keines Vergehens schuldig gemacht, das den Tod verdient.

Aber die prophetische Rede Jesu – so ist er also doch ein Prophet! – deckt die Wirklichkeit Simons auf. Er ist zwar Gastgeber, aber er hat die Gastfreundschaft bis an den Rand der Unhöflichkeit karg gehalten. Er ist alles schuldig geblieben, was dem Gast mehr als die schuldige Ehre erwiesen hätte. Wie kühl ist sein Empfang für Jesus gegenüber diesem Ausbruch an Emotionalität. Und in dieser Kühle des Empfangs zeigt sich sein Mangel an „Liebe“. Das muss sich Simon anhören: Ihr Tun stellt sein Tun in den Schatten. Sie hat das Tun des Simon weit übertroffen, aber auch die von ihm schuldig gebliebenen Zeichen der Gastfreundschaft weit übertroffen. 

 47 Deshalb sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat viel Liebe gezeigt; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig. 48 Und er sprach zu ihr: Dir sind deine Sünden vergeben.

   Jetzt kehrt sich Jesus ab von Simon und wendet sich der Frau zu. Sie rückt jetzt in die Mitte, aber nicht mehr durch ihre Tat, sondern durch das Wort Jesu. Jesus deutet ihre Tat. Sie ist ihm Geschenk ihrer Liebe. Sie ist ihm Geschenk, durch das er sich beschenkt fühlt. Er gibt ihr eine schier unglaubliche Würde: Er lässt sich ihre Liebe gefallen, die Liebe einer Sünderin.

      Und darum darf alles, was gegen sie sprechen konnte, jetzt nicht mehr zu Wort kommen. Alles, was sie verklagen wollte, ist jetzt zum Schweigen gebracht durch sein Urteil. Dir sind deine Sünden vergeben. So und nicht anders – deckt die Liebe alle Übertretungen zu.“ (Sprüche 10,12) Es ist das Wort Jesu, das die Situation aus einem wahrlich schrägen Ereignis zu einer Erfahrung der Liebe macht.

  49 Da fingen die an, die mit zu Tisch saßen, und sprachen bei sich selbst: Wer ist dieser, der auch die Sünden vergibt? 50 Er aber sprach zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen; geh hin in Frieden!

Die Debatte, die damit ausgelöst wird, kennen wir schon aus der Heilung des Gichtbrüchigen (5, 21-26) Darf er das – Sünden vergeben? Aber diesmal wird es nicht zum Angriff, sondern zu der Frage: Wer ist dieser, der auch die Sünden vergibt? Es wird keine Debatte daraus und es folgt auch keine Rechtfertigung Jesu.

Während sich die Gedanken der Tischgäste dem theologischen Problem zuwenden, bleibt Jesus der Frau zugewandt. Und noch einmal qualifiziert und deutet er ihr Tun – diesmal nicht als Liebe, sondern als GlaubenIhr Glaube, dass sie sich Jesus nahen darf, dass er sie nicht zurückstoßen wird, dass er ihr nicht die Füße – und damit sich selbst – entziehen wird – dieser Glaube hat ihr geholfen. Man könnte auch übersetzen: „Dein Glaube hat dich gerettet.“ Das Wort Jesu bestätigt „nur“, was sie geglaubt hat: Vor ihr ist ein Weg im Frieden, im Shalom Gottes, entlastet, befreit, mit einer weiten Perspektive.       So also sieht gerettet Sein aus – es öffnet sich ein neuer Weg, eine neue Zukunft.

8,1 Und es begab sich danach, dass er durch Städte und Dörfer zog und predigte und verkündigte das Evangelium vom Reich Gottes; und die Zwölf waren mit ihm,

  Und es begab sich ist mehr als nur eine Übergangsnotiz, wie Lukas sie liebt. Mit den gleichen Worten Κα γνετο fängt ja auch die Geburtserzählung des Lukas an. Ich lese das als ein Signal an uns Leserinnen und Leser: Das Heilsgeschehen setzt immer wieder neu ein. Und: Es ist nie fertig.

So entsteht eine fortlaufende Kette von Erfahrungen. Es scheint, Jesus ist nicht eilig unterwegs und in den Dörfern und Städten nicht nur so „eben mal“ anwesend. Er hat alle Zeit der Welt. Wahrscheinlich ist es so: Damit das Evangelium Wurzeln schlagen kann, braucht es Langsamkeit und Sorgfalt in den Begegnungen.

 Von der Geschichte im Haus Simons her geht es weiter; jetzt nicht im Detail, sondern im Überblick. Und doch fällt vom Geschehen im Haus des Simons her Licht auf diese Worte. Was da detailliert geschildert worden ist, setzt sich jetzt in den Städten und Dörfern fort. In seinem Predigen und Verkündigen. Seinem Ausrufen und „Evangelisieren“.

εαγγελιζμενος. Evangelisierend. Das Wort „Evangelisieren“ hat in unseren Tagen negative Beiklänge und trifft oft auf Skepsis: Will uns etwa einer überreden, zu etwas bringen, was wir gar nicht wollen. Will uns etwa einer einreden, dass wir nicht gut genug sind? Bei Lukas ist das anders, weil das Wort ja schon in seiner Grundbedeutung anderes sagt. Es spricht von guten Botschaften, guten Nachrichten, guten Worten. Darum sieht Lukas auch den evangelisierenden Jesus anders: Sein Verkündigen ist die Entlastung von Menschen, ist Austeilen einer Vergebung, die einen weiten Horizont eröffnet. Das Reich Gottes zieht in seinem Verkündigen in die Gegenwart ein, im Galiläa der Heiden.

Es wirkt beiläufig: und die Zwölf waren mit ihm. Aber auch dann ist es dennoch nicht nebensächlich. Nicht nur historische Notiz. Die Zwölf gehören in die Verkündigung des Evangeliums mit hinein. Sie sind auch, so sieht es Lukas, später die ersten Träger der Verkündigung. Ihr Mit-sein mit Jesus ist die „Qualifikation“, die sie als Apostel brauchen. So wie es bis heute im Grund die Grundqualifikation aller Zeugen Jesu ist, dass sie mit ihm sind, mit ihm leben, auf ihn schauen und hören.      

 Nebensächlich: diese „Reisegruppe“ ist angewiesen darauf, dass sie Aufnahme findet. In den Dörfern und Städten. Dass Menschen ihnen die Häuser öffnen, Schlafgelegenheiten anbieten, auch den Tisch decken. Und sie ist darauf angewiesen, dass sie geöffnete Herzen finden. Damit das Evangelium, die gute Botschaft ankommen kann, braucht es Menschen, die nicht dicht machen, nicht zumachen, sondern öffnen -sich selbst und ihre Häuser. Ihre Städte und Dörfer. Die Gruppe um Jesus ist nicht autark und autonom, sie ist bedürftig. Auf Aufnahme angewiesen. Ob das nicht dazu führt, dass auch die Botschaft anderes gehört wird? Nicht als ein Wort von oben, aus gesicherter Existenz, sondern als Zuspruch auf Augenhöhe, als Zuspruch von denen, die selbst nicht alles haben und sich nicht selbst genug sind.

2 dazu einige Frauen, die er gesund gemacht hatte von bösen Geistern und Krankheiten, nämlich Maria, genannt Magdalena, von der sieben böse Geister ausgefahren waren, 3 und Johanna, die Frau des Chuzas, eines Verwalters des Herodes, und Susanna und viele andere, die ihnen dienten mit ihrer Habe.

 Es ist nicht von ungefähr, dass jetzt der Verweis kommt, dass nicht nur die Zwölf um ihn sind, sondern auch Frauen. Drei von ihnen werden namentlich genannt – Maria Magdalena, Johanna, Susanna. Dazu kommen noch viele anderedie ihnen dienten mit ihrer Habe. Es sind wohl begüterte Frauen, die diesem Männerhaufen mit ihrem Hab und Gut „dienen“, ihnen den Freiraum ermöglichen, nichts zu tun als durch das Land zu wandern und zu predigen. Spitz gesagt: Sie alimentieren Jesus und seine Jünger. Vielleicht muss man oder darf man noch weiter gehen: Diese begüterten Frauen organisieren den Alltag des Jüngerhaufens. Sie sind das Logistik-Team, ohne das nichts läuft.

Ich höre den Verweis auf das, was ihr Mitziehen ausgelöst hat: er hatte sie gesund gemacht von bösen Geistern und Krankheiten. Das wirkt wie ein Echo der unmittelbar zuvor stehenden Geschichte von der großen Sünderin. Sie erzeigen ihm und ihnen darin ihre Dankbarkeit und Liebe, dass sie ihm, Jesus und doch auch den Jüngern dienen, διηκνουν. Einzelheiten interessieren nicht wirklich.

Als erste wird Maria Magdalena genannt. Es ist mit ihr wie mit Petrus – beide sind keine unbelasteten Leute, keine unbeschriebenen Blätter, mit denen Jesus seinen Weg geht.

Zum Weiterdenken

    Was hier fast nebenher erzählt wird, ist doch der Anfang einer neuen Gemeinschaft von Männern und Frauen. Paulus bringt, Jahrzehnte bevor das Lukas-Evangelium geschrieben wird, diese Gemeinschaft auf den Punkt: „Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.“ (Galater 3,28) Man darf schon fragen, ob wir als Kirchen, römisch-katholisch, evangelisch, orthodox, freikirchlich, dieses Programm jemals wirklich gelebt haben oder ob wir uns nicht mit der schiedlich-friedlichen Arbeitsteilung früherer Zeiten zufrieden gegeben haben:

Die Zeiten haben sich seit den Tagen des Lukas ziemlich geändert, auch die gesellschaftlichen Bedingungen von Männern und Frauen. Ob wir in den Kirchen aber wirklich wesentlich über die hier angedeutete Arbeitsteilung hinaus gekommen sind, darf man schon fragen.

Stehen sich hier nicht zwei Modelle vom Umgang mit Schuld, mit Sünde gegenüber? Das eine Modell heißt: Schuld bekennen und sich so dem Urteil der Gerechten unterwerfen. Wer das nicht tut, der bleibt außerhalb der Gemeinschaft und versperrt sich selbst den Rückweg. Das steckt hinter der so beliebten Forderung nach öffentlicher Entschuldigung. Ich gestehe und liefere mich damit auf Gedeih und Verderben der Gnade oder Ungnade der Öffentlichkeit aus.

Jesus dagegen folgt einem anderen Modell. Er sieht in dem Handeln der Frau die Suche nach einem neuen Weg, sieht in ihren Tränen das Eingeständnis ihrer Lebensverfehlung. Er braucht keine Worte, sondern spürt in ihren Gefühlen, in ihren Tränen den Schmerz über das verlorene Leben. Das genügt ihm und das nimmt er auf und an.

     Vielleicht werde ich auf meine alten Tage empfindlich. Mich stört, dass die Ökumenische Bibellese-Ordnung 2021 die Notiz über die Frauen im Umfeld Jesu an die starke Erzählung aus dem Haus Simons anhängt. Dort wie hier: Kein Wort aus dem Mund der Frauen, Sie dürfen weinen, Füße küssen, dienen. Aber reden dürfen und können sie nicht.  So denke ich: es ist gut, dass am Anfang des Evangeliums Maria und Elisabeth reichlich zu Wort kommen und dass am Ende die ersten Zeugen der Auferstehung die drei Frauen am Grab sind und sie den Aposteln weitersagen, was die Engel ihnen gesagt haben. Die Botschaft der Passage über die Frauen: Sie sind Vorbilder in ihrer Hingabe und ihren Unterstützen des Weges Jesu. Vielleicht lernen wir Männer an ihnen, dass es nicht nur auf die richtigen Worte ankommt, sondern mehr noch auf die Hingabe.

 

 

Jesus, Du rufst in Freiheit. Du richtest auf. Du öffnest Wege, die aus eingefahrenen Lebensgleisen heraus führen, Grenzen öffnen und einreißen.

Du hast um Dich Frauen und Männer gesammelt, jede und jeden mit seiner Geschichte, seiner Eigenart, ihren Gaben und Grenzen.

Hilf Du uns doch, dass wir diese Gemeinschaft leben, dankbar für die Verschiedenheiten, dankbar für die Gemeinsamkeiten, dankbar dafür, dass Du uns haben willst als Deine Leute, Männer und Frauen. Amen