So viel Zeit lässt sich Gott

Lukas 3, 21 – 38

21 Und es begab sich, als alles Volk sich taufen ließ und Jesus auch getauft worden war und betete, da tat sich der Himmel auf, 22 und der Heilige Geist fuhr hernieder auf ihn in leiblicher Gestalt wie eine Taube, und eine Stimme kam aus dem Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.

             Fast beiläufig steht das hier und doch ist es alles andere als beiläufig. Es ist eine seltsame Reihenfolge, in der Lukas erzählt – erst die Verhaftung des Täufers und dann die Taufe Jesu. Damit wird der Blick ganz auf Jesus gerichtet: Um ihn geht es. Aber zugleich fällt es auf – Jesus ist nur einer unter vielen. Er wird mit allem Volk zusammen getauft.  Da ist kein Gespräch zwischen Johannes und Jesus, kein wechselseitiges Erkennen. Nichts. Einfach ein Täufling mehr.

Dass die Taufe Jesu so unbetont erscheint, hängt sicherlich mit der lukanischen Vorgeschichte zusammen. Es gibt über das hinaus, was dort schon erzählt worden ist, keine neue „Lage“. Was hier in der Taufe geschieht, ist „nur“ die Bestätigung dessen, was Lukas als Ankündigung und Geburtsgeschichte erzählt hat. Jesus ist aus Gott. Jesus ist der eine, der aus dem Wohlgefallen Gottes ist. Er ist der, an dem sich das Lied der Engel jetzt schon auf Erden bestätigt: Jesus ist ein Mensch, der Mensch nach Gottes Wohlgefallen. Dieses Wohlgefallen liegt auf ihm, ruht auf ihm und er geht seinen Weg von nun an geborgen in diese Zusage der Himmelsstimme.

Und doch: Es ist wohl nicht nur die Treue zur Überlieferung, das Lukas die Stimme aus dem Himmel zitiert:  Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen. Was bisher über Jesus gesagt wird, das wird hier zu ihm gesagt: Du bist. Aus der Botschaft über ihn wird eine Zusage an ihn. Mit dieser Zusage wird er nun seinen Weg gehen. 

23 Und Jesus war, als er auftrat, etwa dreißig Jahre alt und wurde gehalten für einen Sohn Josefs, der war ein Sohn Elis, 24 der war ein Sohn Mattats, der war ein Sohn Levis, der war ein Sohn Melchis, der war ein Sohn Jannais, der war ein Sohn Josefs, 25 der war ein Sohn Mattitjas, der war ein Sohn des Amos, der war ein Sohn Nahums, der war ein Sohn Heslis, der war ein Sohn Naggais,  26der war ein Sohn Mahats, der war ein Sohn Mattitjas, der war ein Sohn Schimis, der war ein Sohn Josechs, der war ein Sohn Jodas, 27 der war ein Sohn Johanans, der war ein Sohn Resas, der war ein Sohn Serubbabels, der war ein Sohn Schealtiëls, der war ein Sohn Neris, 28 der war ein Sohn Melchis, der war ein Sohn Addis, der war ein Sohn Kosams, der war ein Sohn Elmadams, der war ein Sohn Ers, 29 der war ein Sohn Joschuas, der war ein Sohn Eliësers, der war ein Sohn Jorims, der war ein Sohn Mattats, der war ein Sohn Levis, 30 der war ein Sohn Simeons, der war ein Sohn Judas, der war ein Sohn Josefs, der war ein Sohn Jonams, der war ein Sohn Eljakims, 31 der war ein Sohn Meleas, der war ein Sohn Mennas, der war ein Sohn Mattatas, der war ein Sohn Nathans, der war ein Sohn Davids, 32 der war ein Sohn Isais, der war ein Sohn Obeds, der war ein Sohn des Boas, der war ein Sohn Salmons, der war ein Sohn Nachschons, 33 der war ein Sohn Amminadabs, der war ein Sohn Admins, der war ein Sohn Arnis, der war ein Sohn Hezrons, der war ein Sohn des Perez, der war ein Sohn Judas, 34 der war ein Sohn Jakobs, der war ein Sohn Isaaks, der war ein Sohn Abrahams, der war ein Sohn Terachs, der war ein Sohn Nahors, 35 der war ein Sohn Serugs, der war ein Sohn Regus, der war ein Sohn Pelegs, der war ein Sohn Ebers, der war ein Sohn Schelachs, 36 der war ein Sohn Kenans, der war ein Sohn Arpachschads, der war ein Sohn Sems, der war ein Sohn Noahs, der war ein Sohn Lamechs, 37 der war ein Sohn Metuschelachs, der war ein Sohn Henochs, der war ein Sohn Jereds, der war ein Sohn Mahalalels, der war ein Sohn Kenans, 38 der war ein Sohn des Enosch, der war ein Sohn Sets, der war ein Sohn Adams, der war Gottes.

     Geschlechtsregister. Listen von Vorfahren. Es geht nicht um das einzelne Glied, obwohl wer am Anfang steht oder wer der Zielpunkt so einer Liste ist – das zählt schon.  Aber vor allem geht es darum, dass durch die Liste die Treue Gottes sichtbar wird.

In dieser Liste stehen große und bekannte Namen – Abraham, Isaak, Boas, Isai, David, Serubabel. Namen, mit denen Segensverheißungen verbunden sind. Abraham: „Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“(1. Mose 12,3) Isai:  „Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen. Auf ihm wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn. Und Wohlgefallen wird er haben an der Furcht des HERRN.“(Jesaja 11, 1 – 3) David: „Wenn nun deine Zeit um ist und du dich zu deinen Vätern legst, will ich dir einen Nachkommen erwecken, der von deinem Leibe kommen wird; dem will ich sein Königtum bestätigen. Der soll meinem Namen ein Haus bauen, und ich will seinen Königsthron bestätigen ewiglich. Ich will sein Vater sein, und er soll mein Sohn sein.“(2. Samuel 7, 12 – 14) Es sind Verheißungen, deren Erfüllung sich mit dem Messias verbindet. So gelesen sind diese Namen ein Hinweis darauf, wie das Schlussglied dieser Generationenkette zu verstehen ist. In ihm naht die Erfüllung der uraltzen Worte Gottes.

 Es stehen in der Liste genauso auch Namen, mit denen wir nichts anfangen können: Mattat, Levi, Simeon, Jonam, Eljakim, Meleas, Mennas… Der Weg durch die Geschichte großer und kleiner Leute hat zu diesem einen Menschen geführt. Es ist ja keine Gott-lose Liste. Es ist in der Form der Geschlechterliste der gleiche Inhalt, den die Vorgeschichte des Lukas in wunderbar heiligen Bildern erzählt hat.

 Am Ende der Liste, aber zeitlich gesehen am Anfang, steht: der war ein Sohn Adams, der war Gottes. Es ist ein Weg aus dem Willen Gottes, der zu Jesus als dem Sohn des Josef führt. Dieses letzte Listenglied macht zugleich zusammen mit dem ersten Glied deutlich: Es geht in der ganzen Geschlechterliste nicht um Biologie. So zeigt auch die Formulierung: wurde gehalten für einen Sohn Josefs. Das ist nicht der Hinweis auf eine etwas zweifelhafte Herkunft – so würden wir heute das ja lesen, sondern es ist ein rechtlicher Terminus:  Jesus ist rechtlich, kraft Adoption, der Sohn des Josef. Alle anderen Glieder der Kette bis hinauf zu Adam stehen in einer natürlichen Vater-Sohn-Reihe.

 Auch da gilt es über unser Empfinden hinaus genau hin zu schauen. Jesus ist, wenn er mit dreißig Jahren auftritt, im richtigen Alter für Verantwortung, noch in der Kraft der Jugend, aber schon mit der Weisheit des Alters in Berührung. So wird Josef mit 30 der Spitzenbeamte des Pharao in Ägypten und David wird im gleichen Alter König.  Es ist die Kraft für einen Anfang, für eine neue Etappe in der Heilsgeschichte Gottes.

Zum Weiterdenken

Eine biographische Notiz sei angefügt. Bei der Arbeit am eigenen Stammbaum der Buchner-Familie (Meine Mutter ist eine geborene Buchner) sind wir darauf gestoßen, dass es uns nur durch einen Gnadenakt gibt. Der erste Buchner, dessen wir in “grauer Vorzeit“ habhaft werden konnten, sollte als Pferdedieb gehängt werden. Als er schon unter dem Galgen stand, den Strick um den Hals, fasste die Henker das Erbarmen – er war erst 19 Jahre alt. Und so ließ man ihn in Beilstein (was für ein Name!) laufen. Der Strick und das Beil hatten ihn verschont. So steht die Gnade am Anfang unserer Familien-Genealogie. Wenn das nicht schön ist!

 

Heiliger Gott, Du verlierst Dein Ziel nicht aus den Augen. Durch Generationen hin schenkst Du neues Leben, damit es zu dem Einen hinführt, der das neue Leben bringt, der den neuen Anfang macht.

Heiliger geduldiger Gott, Du hast festgehalten an der langen Kette von Geburten, um den Einen in die Welt zu geben, der gezeugt aus Deiner Ewigkeit Deinen Willen vollendet.

Gott, Du, Heiliger und Allerbarmer, ich danke Dir und preise Dich für den Anfang, den Jesus gemacht hat, und für das Ziel, das Du mit uns durch ihn erreichen wirst, Deine Ewigkeit. Amen