Tod oder Leben – Suchen und Finden

Jesaja 65, 1 – 16

1 Ich ließ mich suchen von denen, die nicht nach mir fragten, ich ließ mich finden von denen, die mich nicht suchten. Zu einem Volk, das meinen Namen nicht anrief, sagte ich: Hier bin ich, hier bin ich!

 Gott lässt sich finden. Gott ist nicht so verborgen, dass es zwecklos wäre, nach ihm zu suchen. Es ist die große Sehnsucht Gottes, dass sein Volk sich auf die Suche macht nach ihm.  Dabei weiß Gott doch: schon der Anfang mit Israel war so, dass da kein Suchen war, kein Rufen, kein Fragen nach ihm. Aus der Not in Ägypten heraus haben sie geschrien. Sie wollten eine Wende der Not. Ob sie ihn wollten, ob er ihn nicht nur ein not-wendiges Mittel war, steht auf einem anderen Blatt.

Es ist zum Finden gekommen. „Suchten Menschen in Israel in der Anrufung des Namens Jahwes, im Gebet, der Gegenwart Gottes gewiss zu werden, so kommt Jahwe ihnen jetzt zuvor und tritt aus der Verborgenheit heraus.  Ja, sehnsüchtig und verlangend streckt er seine zur Annahmen und Hilfe bereiten Hände ohne Unterlass aus, um die von ihm Fortstrebenden an sich zu ziehen.“ (H.J. Kraus, aaO.  S. 234) Gott hält es nicht aus, sich rauszuhalten, er kann nicht im Verborgenen bleiben, nicht fern von seinem Volk. Das lässt seine Liebe nicht zu.

Vielleicht müssen wir es neu lernen, die so rasch angesichts von Unglücksfällen fragen: Wo ist denn nun Gott? dass er gerade da verborgen doch nahe sein will. Er ist gerade in der Not verborgen am nächsten, tritt hinzu, unerkannt und ungesehen.

„Du fragst mich, wo mein Gott denn war                                                                        beim Anflug auf Hiroshima. Wo hat er sich verkrochen?                                            Hat er noch dabei zugesehen, wie Menschen dort zugrunde gehen?                           Hat er den Brand gerochen? 

Ich weiß es nicht. Und es mag sein, ich wollt es gar nicht wissen                           Doch glaub ich, als die Bombe fiel, hat es auch Gott zerrissen.  

Du fragst mich, wo mein Gott denn war                                                                          Beim Angriff auf Amerika. An dem Septembermorgen.                                                   Hat Gott die Opfer nicht gekannt? Hat er die Augen abgewandt                                 Im Himmel sich verborgen?  

Ich hoffe nicht. Und es mag sein, ich möchte darauf hoffen:                                       Als Terror diese Menschen traf, hat er auch Gott getroffen. 

Du fragst: Wer braucht so einen Gott,                                                                                  der nichts tut in der Menschen Not und sie darin erfriern lässt.                                 Du fragst, wie ich es fassen kann, dass Gott so viele, Frau und Mann                         Von Folterhand krepier´n lässt. 

Ich fass es nicht. Und glaube doch: Es ist auch nicht zu fassen.                             Wenn Jesus schreit: Mein Gott, warum nur hast Du mich verlassen?

Du fragst: Wie hältst du das nur aus, an diesen Gott zu glauben?                                  Ich halt´s nicht aus und lass mir doch die Zuversicht nicht rauben:                            Es kommt der Tag, da finden wir das leere Grab des Lebens.                                     Da wischt Gott alle Tränen ab. Wir LIEBEN nicht vergebens.“                                                                       M. Buchholz, CD Alles Liebe, Felsenfest 2004

 Es ist gut, auf dieses Fragen nicht vollmundig zu antworten. Aber eben auch, nicht in Schweigen zu verfallen. Sondern den Antwort des Glaubens nachzugehen: Gott lässt sich finden – am tiefsten Punkt des Lebens.

 Da ist er nah, ganz nah, in unserer Mitte, der Mitte der Leidenden. Es ist eine Nähe, die nicht so offensichtlich ist wie wir sie gerne hätten. Die Nähe, die bei den Opfern ist, in den Opfern. Inkognito ist Gott unterwegs – und wir glauben immer, er müsste doch mit bloßem Auge sichtbar sein.  Wenn wir die Opfer wirklich sehen würden, wahrnehmen und nicht nur auf dem Bildschirm vorüberhuschen – wir würden Gott sehen.

 2 Ich streckte meine Hände aus den ganzen Tag nach einem ungehorsamen Volk, das nach seinen eigenen Gedanken wandelt auf einem Wege, der nicht gut ist; 3 nach einem Volk, das mich beständig ins Angesicht kränkt: Sie opfern in den Gärten und räuchern auf Ziegelsteinen, 4 sie sitzen in Gräbern und bleiben über Nacht in Höhlen, essen Schweinefleisch und haben Gräuelsuppen in ihren Töpfen 5 und sprechen: Bleib weg und rühr mich nicht an, denn ich bin für dich heilig. Die sollen ein Rauch werden in meiner Nase, ein Feuer, das den ganzen Tag brennt.

Aber wie werden seine ausgestreckten Arme beantwortet! Sie werden ignoriert. Weil der Tempel zerstört ist, muss Israel neu klären: Wo ist Gott zu finden? Die ernüchternde Antwort: Große Teile von Israel suchen ihn da, wo sie vorzeiten die Götzen gefunden haben – in Ritualen, die fremden Göttern geschuldet sind, an Orten, an denen Gott sich noch nie finden lassen wollte. Es ist, als hätten sie nichts gelernt, als seien sie unbelehrbar. Fast könnte man auf die Idee kommen: Das normale Verhalten des Menschen ist der Götzendienst. Der Glaube ist alle Male Wunder. Abweichen von der menschlichen Normalität.

Wir opfern nicht mehr auf den Höhen. Wir kochen keine Gräuelsuppen. Wir räuchern nicht in irgendwelchen Gärten. Aber wir haben auch unsere Götzen. Wir beten die Macht an, wir huldigen dem Fortschritt, wir beschwören immerwährendes Wachstum. Darin sind wir die, die Raubbau mit der Erde treiben, die Zukunft unserer Enkel und ungeborenen Urenkel opfern. Wir regen uns auf über Kinderpornographie und Kindesmissbrauch. Aber dass wir unseren Enkeln und Urenkeln die Welt stehlen, in der sie einmal leben sollen, dass wir ihnen die Zukunft verbauen, das scheint kein Skandal zu sein, das fällt nicht unter die Missbrauchs-Paragrafen. Wir vergötzen die Gegenwart und vernichten für ungezählte Pflanzenarten, Tiergattungen und Menschen die Zukunft ihre Lebenswelt.

Und Gott ruft: Hier bin ich. Wir aber verstehen so schlecht: Wer durch eine Tür gehen will, darf sich nicht an der Mauer probieren. Er muss die Tür öffnen. „Ich bin die Tür(Johannes 10,7) – sagt Jesus. Geh durch mich ein in die Gegenwart Gottes. Aber das ist vielen zu einfach.

6 Siehe, es steht vor mir geschrieben: Ich will nicht schweigen, sondern heimzahlen; ja, ich will es ihnen heimzahlen, 7 beides, ihre Missetaten und ihrer Väter Missetaten miteinander, spricht der HERR, die auf den Bergen geräuchert und mich auf den Hügeln geschändet haben. Ja, ich will ihnen heimzahlen ihr früheres Tun.

Gott ist langmütig, aber nicht vergesslich. Er sieht auch den Zusammenhang: In dem Verhalten der jetzigen Generation wird nur weitergeführt, was die früheren Generationen schon getan haben. Irgendwann ist das Schuldkonto so angewachsen, dass seine Auszahlung eingefordert werden wird – ja, ich will es ihnen heimzahlen. Keine Sippenhaftung, auch keine Kollektivstrafe. Die es treffen wird, stehen ja nicht nur in einer unverschuldeten Kette, sie sind selbst Leute voller Missetaten. 

8 So spricht der HERR: Wie wenn man noch Saft in der Traube findet und spricht: Verdirb es nicht, denn es ist ein Segen darin!, so will ich um meiner Knechte willen tun, dass ich nicht alles verderbe. 

„Es ist noch Segen drin.“ „Der Docht glimmt noch – das Rohr ist geknickt, aber noch nicht gebrochen.“ (42,3) Wunderbare Bilder für die Hoffnung Gottes.  Da liegt ein stinkender Haufen ausgepresster Traubenreste. Trester. Nur noch gut dafür, weggeworfen zu werden. Aber der Winzer sieht mehr und riecht mehr. Er sieht, dass in diesem Dreck noch verborgen Kostbarkeiten stecken. Er riecht schon das, was noch werden soll.

Man kann es kaum anders sagen: Gott ist verrückt in seiner Hoffnung. Er ist so inkonsequent, wie kein Vater sein darf. Er droht, er kündigt Strafen an und fällt sich immer wieder selbst in den Arm. Er glaubt sich seine eigene Härte nicht. Am Ende siegt das Erbarmen, die Hoffnung: „Herr, lass ihn noch dies Jahr, bis ich um ihn herum grabe und ihn dünge; vielleicht bringt er doch noch Frucht; wenn aber nicht. …“(Lukas 13,8)

Es gehört zu den großen Themen der Bibel, dass Gottes Hoffnung weiter reicht als wir glauben. Gott verzögert sein Kommen, damit wir Zeit zur Umkehr gewinnen. Ist es nicht unglaublich, dass Gott nach all seinen Erfahrungen mit dem Volk, mit der Menschheit nicht die Geduld verliert, sondern die Hoffnung bewahrt? Wie verrückt vor Liebe muss Gott sein, dass er so zuwartet und zuwartet, hofft und hofft. Da ist doch noch Leben drin, das gelebt werden will. Da sind Wege noch nicht gegangen, da sind Tage noch nicht erfüllt, da stehen noch Antworten aus. Es ist die Liebe zu dem Volk, die Gott warten lässt, zuwarten bis zur Lächerlichkeit. Gott ist nicht darauf aus, sein Gesicht zu wahren. Er ist allein darauf aus, dass noch Leben wird.

9 Ich will aus Jakob Nachkommen wachsen lassen und aus Juda Erben, die meine Berge besitzen; meine Auserwählten sollen sie besitzen, und meine Knechte sollen auf ihnen wohnen. 10 Und meinem Volk, das nach mir fragt, soll Scharon eine Weide für die Herde werden und das Tal Achor ein Lagerplatz für das Vieh.

 Darum bekommt der Rest Israel wieder Raum und Zeit, Land zum Leben. Konkret benannt:  Scharon, die Talebene im Westen als eine Weide für die HerdeDas Tal Achor im Osten. Und dazwischen das Bergland – meine Berge. Städte, Äcker und Vieh. Gott gibt, was gebraucht wird.   Das alles soll das Volk erhalten, das nach mir fragt. Das noch nicht mit Gott fertig ist, nicht mit ihm abgeschlossen hat.

Was wir sehen ist ein Gott, der hin und her gerissen ist, zwischen Zorn und Liebe „schwankt“, zwischen Geduld und Strafausübung. Am Ende aber hat die Liebe immer den längeren Atem.

11 Aber ihr, die ihr den HERRN verlasst und meines heiligen Berges vergesst und dem Gad einen Tisch zurichtet und dem Meni vom Trankopfer voll einschenkt, – 12 wohlan, euch will ich dem Schwert übergeben, dass ihr euch alle zur Schlachtung hinknien müsst; denn ich rief und ihr habt nicht geantwortet, ich redete und ihr habt nicht gehört, sondern tatet, was mir nicht gefiel, und erwähltet, wonach ich kein Verlangen hatte.

 Auf das Heilswort folgt ein Unheilswort. Nicht aus heiterem Himmel, sondern weil es Menschen gibt, die das Heilswort hören, sich aber davon nicht bewegen und berühren lassen. „Jahwes Knechten und Erwählten (65,9) stehen Menschen gegenüber, die den Gott Israels verlassen und den heiligen Berg vergessen haben, Menschen also, die den Namen Gottes nicht mehr anrufen und das Heiligtum auf dem Zion nicht mehr aufsuchen.“ (H.J. Kraus, aaO.  S. 238) Stattdessen halten sie sich an die Schicksalsgötter, Gad und Meni. „Was man bei den genannten Gottheiten sucht, ist Glück, Steigerung des Lebensgefühls.“ (D. Schneider, aaO. S. 321) Wie schrecklich aber sind die so suchen, betrogen. Statt Glück das Schwert, statt Leben die Schlachtung.

 Die ernste Kehrseite: Gottes Hoffnung setzt keinen Heils-Automatismus in Gang. Es ist möglich, was unmöglich erscheint: Die Gaben Gottes zu missachten. Die Liebe Gottes zu ignorieren. Die Hoffnung Gottes für lächerlich zu halten. Es ist möglich zu sagen: Gott – ach, der hat ausgespielt. Ich brauche die Hypothese Gott nicht für mein Leben. Es ist möglich, Gott für Schwachsinn zu halten, für Priestererfindung und Priesterbetrug, für einen billigen Trost für kleine Kinder und alte Leute, für die Verlierer im Kampf des Lebens. Aber was so unmöglich möglich ist, führt das Leben in eine Sackgasse. Daran lässt der Prophet keinen Zweifel.

 13 Darum spricht Gott der HERR: Siehe, meine Knechte sollen essen, ihr aber sollt hungern; siehe, meine Knechte sollen trinken, ihr aber sollt dürsten. Siehe, meine Knechte sollen fröhlich sein, ihr aber sollt zuschanden werden; 14 siehe, meine Knechte sollen vor Herzenslust jauchzen, ihr aber sollt vor Herzeleid schreien und vor Jammer heulen. 15 Und ihr sollt euren Namen meinen Auserwählten zum Fluch überlassen »Dass dich Gott der HERR töte«; aber meine Knechte wird man mit einem andern Namen nennen.

 Was für ein Kontrast: Hier der Tod, da das Leben. Die an den Tafeln der Götzen sitzen, werden am Ende hungern und dürsten. Die sich aber an den unsichtbaren Gott halten, werden Leben in Fülle erfahren.

 Das alles ist möglich und Gott antwortet nicht mit Blitz und Donner und erschlägt den, der ihn so abschreibt. Aber es bleibt kein Zweifel: Gott drängt sich nicht mit Gewalt auf. Gott nimmt sein Volk – und uns – in der Entscheidung ernst, die wir fällen Wer ohne Gott leben will, der muss es dann auch. Er kann sich nicht an Gott sättigen. Er kann sich nicht mit seinem Wort trösten. Er kann sich nicht in seiner Freude freuen. Was Gott seinen Leuten zugedacht hat, will angenommen sein. So wie Geschenke ausgepackt sein wollen, damit sie zur Freude führen.

Was Jesaja hier beschreibt ist die Spaltung des Volkes Gottes.  Eine Spaltung, in der Heil und Unheil im Schwange sind. Es ist der Hinweis, dass es keinen Heils-Automatismus gibt, oder je gegeben hat. Immer ist der Einzelne gefragt. Nie macht die Zugehörigkeit oder die Abstammung das eigene Vertrauen und die eigene Entscheidung überflüssig. Die Frage steht vor Israel und vor jedem einzelnen Israeliten, vor der Christenheit und vor jeder einzelnen Christin und jedem einzelnen Christen. Lass ich mich von Gott suchen? Lasse ich es mir gefallen, dass er sich von mir finden lassen will?

Ich versuche eine Übertragung: Wer in unserer Zeit die Rettung des christlichen Abendlandes auf seine Fahnen schreiben will, muss sein eigenes Leben in Übereinstimmung mit den Wegen Gottes bringen. Der muss sich selbst einüben in Barmherzigkeit, in Treue, in den Schutz der Schwachen, der Vergessenen. Die Bewahrung des Christlichen in Europa ist zuallererst und ausschließlich eine Frage an mein Gottvertrauen – es ist keine Frage, die auf der politischen Bühne entschieden wird.

Es bleibt dabei: Gott liebt wie verrückt und seine Liebe geht aufs Ganze. Sie hat nur eine Grenze. Die bestimmt nicht Gott, sondern die bestimmen wir. Wer sich Gottes Liebe nicht gefallen lässt, muss ohne sie leben. Er wird sehen, wie andere unter dieser Liebe aufblühen, wie sie ihnen den Rücken stärkt, Hoffnung gibt, wie sie Schritte fest und gewiss werden lässt. Aber er selbst wird von dieser Liebe nicht getragen werden. Er hat nur sich selbst.

Wenn ich das sehe, brauche ich keine Hölle mehr, keine Vorstellung von einem strafenden Gott und irgendwelchen sadistischen Foltern für die „Ungläubigen“. Mir reicht völlig: Zurückgeworfen auf sich selbst, ganz auf sich allein gestellt. Das ist das große Gefängnis, ohne Stacheldraht und Mauern: Immer nur ich. Immer allein ich selbst. Da ist kein Halt und keine Zuflucht außerhalb. Keine Liebe, der ich mich anvertrauen könnte, unergründlich, grundlos, bedingungslos.

Mir geht auf, dass die Lebensperspektive des Existentialismus wohl näher an dieser biblischen Sicht des Menschen ohne Gott ist als die wohlfeilen Reden heutzutage. Wir haben diese „Hölle“ nur mit den reichen Gütern einer kapitalistischen Wohlstandgesellschaft und den atemlosen Events der Erlebnisgesellschaft schön dekoriert. Aber es ist uns bleibt eine höllische Einsamkeit: Ich, ich, nur ich.

16 Wer sich segnen wird auf Erden, der wird sich im Namen des wahrhaftigen Gottes segnen, und wer schwören wird auf Erden, der wird bei dem wahrhaftigen Gott schwören. Denn die früheren Ängste sind vergessen und vor meinen Augen entschwunden.

Am Ende steht der Segen. „Segnen und Schwören sind machtgeladene, folgenreiche Worte, die im Alten Testament ihre Macht und Wirksamkeit bei Gott erfahren und empfangen.“(H.J. Kraus, aaO. S. 239) Im Segen unterstellt sich ein Mensch der Obhut Gottes.  Wer gesegnet wird, der darf glauben: Gottes Angesicht ist auf mich gerichtet mit Augen voller Liebe. Gottes Gegenwart umhüllt alles, was in meinem Leben ist, das Gute und das Schwere, das Schöne und das Beängstigende, den Schmerz und das Glück.

Es ist ein Vorgriff in eine Zukunft, die noch aussteht: Denn die früheren Ängste sind vergessen und vor meinen Augen entschwunden. Der Prophet sieht schon, was noch werden muss.  Ob man ihm das vorgehalten hat? Jesaja, das ist doch nur Zukunftsmusik! Er sagt sein Wort in bedrängte und dürftige Zeiten hinein.

Jahrhunderte später, an einem Abend, auf den sich das Dunkel der Nacht und das Dunkel der Angst senkt, wird wieder einer über das Dunkel hinweg die Zukunft sehen und das Ende der Angst ansagen. Alle Angst muss weichen, wo er ist, Jesus, der sagt: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost. Ich habe die Welt überwunden.“ (Johannes 16, 33 )

Zum Weiterdenken

Aus einer Predigt: „Ich meine, wir wissen hierzulande, was das heißt, dem Glücksgott zu dienen, was das heißt, dem Erfolg, dem Wohlstand nachzulaufen und nicht nach Gottes Wort zu fragen. Wir wissen, was das heißt, dem Schicksalsgott den Mischtrank zu füllen, resignieren, sagen: Ich kann ja nichts machen. Ich halte es für den gefährlichsten Götzendienst von uns Christen, die Hände in den Schoß zu legen und der Welt ihren Lauf zu lassen.“ (R. Bohren, aaO.  S. 151f.)

 

Gott, Du Erbarmer voller Geduld, wie oft habe ich wohl Deine ausgebreiteten Arme übersehen. Wie oft habe ich Deine Hoffnung enttäuscht, dass Du von mir gesucht wirst und ich mich von Dir finden lasse.

Und doch hältst Du Deine Hoffnung fest, lässt Dich auf sie festlegen, festnageln. Du wählst die Liebe, die Geduld, den Schmerz, die Treue und Du hältst daran fest gegen alle Enttäuschung.

Das ist mir zu hoch. Ich kann es nicht begreifen. Und doch bist Du noch immer bei mir und ich darf bei Dir sein, mein Leben lang. Amen