Samen genug

  1. Korinther 9, 10 – 15         

    10 Der aber Samen gibt dem Säemann und Brot zur Speise, der wird auch euch Samen geben und ihn mehren und wachsen lassen die Früchte eurer Gerechtigkeit. 11 So werdet ihr reich sein in allen Dingen, zu geben in aller Lauterkeit, die durch uns wirkt Danksagung an Gott.

             Gott gibt – und er gibt gern.  Auch euch. Es geht Paulus ja um eine Ermutigung der Korinther. So ist wohl zu verstehen, „dass Gott den Korinthern reichlich Mittel zum Spenden zur Verfügung stellen und statt des zu erwartenden Mangels für fülle sorgen wird.“ (T. Schmeller, aaO. S.97) Sie teilen also in ihrem Geben nur den Reichtum Gottes aus, nichts sonst.  Was Gott aber gibt, ist ein Geben auf Hoffnung hin. Nicht die fertigen Früchte sind seine Gaben, sondern der Samen. σπρον, sporon – Samen, damit noch Raum bleibt für die eigene Mühe. Und es ist wohl so: „Mit dem Samen kann nur die Kollekte gemeint sein.“(T. Schmeller, aaO. S. 96) Gott gib den Korinthern, damit sie etwas zu geben haben.

Ein Mann betritt einen Laden. Hinter der Theke steht ein Engel. Hastig fragte er ihn: » Was verkaufen Sie hier?« Der Engel antwortete freundlich: »Alles, was Sie wollen.« Der Mann begann aufzuzählen: »Dann hätte ich gern das Ende aller Kriege in der Welt, bessere Bedingungen für die Randgruppen der Gesellschaft, Beseitigung der Elendsviertel in Lateinamerika, Arbeit für die Arbeitslosen, mehr Gemeinschaft und Liebe in der Kirche, eine bessere Welt für alle, mehr Frieden, freundlichere Mitmenschen, eine gerechtere Verteilung der Güter dieser Welt, folgsamere Kinder, mehr Verständnis für Jugendliche bei den Erwachsenen, mehr Menschlichkeit und .. und …« Da fällt ihm der Engel ins Wort: »Entschuldigen Sie, Sie haben mich falsch verstanden. Wir verkaufen keine reifen Früchte, wir verkaufen nur den Samen.«“

             Es ist eine Form von Beteiligung, die hier in den Blick rückt. Wer das fertige Werk gibt, macht die anderen zum „bloßen“ Empfänger. Wer den Samen gibt, macht den anderen zum Teilhaber an der eigenen Mühe, an der eigenen Hoffnung.  Auch das ist auffällig: Das Geben wird Dankbarkeit auslösen – Dankbarkeit, die allerdings nicht den Korinthern gilt, sondern Gott. Ein Denken, das nah an Worten Jesu ist: „So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“(Matthäus 5,16)

  12 Denn der Dienst dieser Sammlung füllt nicht allein aus, woran es den Heiligen mangelt, sondern wirkt auch überschwänglich darin, dass viele Gott danken. 13 Um dieses treuen Dienstes willen preisen sie Gott für eurem Gehorsam im Bekenntnis zum Evangelium Christi und für die Lauterkeit eurer Gemeinschaft mit ihnen und allen.

             Wer Geld gibt, löst mehr aus als die Dankbarkeit für das Geld. Wer Geld gibt, seine Gaben teilt, der weckt das Vertrauen auf die Großzügigkeit Gottes. Das ist das im Wortsinn Merk-würdige: Hinter dem Geld wird die Bereitschaft sichtbar, nicht nur an sich selbst zu denken. Es gibt die Sorge um sich selbst. Es gibt aber auch die Fürsorge für andere. Diese Fürsorge ist ein schier unerschöpflicher Reichtum. Sie ist nicht zwanghaft. Sie ist nicht Pflicht. Sie nährt sich aus dem Geben Gottes und ahmt sein Geben im menschlichen Rahmen nach.

            Daraus erwächst die Dankbarkeit – für die Gaben, gegenüber den Gebern und vor allem gegen Gott. „Paulus scheint darin einen Ehrgeiz ganz besonderer Art zu entwickeln: dass möglichst viele Menschen Gott danken. (W. Schenk, aaO. S.137) Es entsteht Lob Gottes aus dem bewussten Empfangen. Ich glaube, dass Paulus so darum ringt, dass das Lob aller am Ende der Zeiten jetzt schon von möglichst vielen eingeübt und angestimmt wird.

            Eine neue Sichtweise wird eingeübt. Hinter dem Geben sieht sie auch den Glauben und das Bekenntnis. Es ist ein „Bekenntnis- und Vertrauensakt“, anderen zu helfen mit den eigenen Mitteln, sich selbst mit den eigenen Bedürfnissen auch „ein Stück weit“ preiszugeben.                        

  14 Und in ihrem Gebet für euch sehnen sie sich nach euch wegen der überschwänglichen Gnade Gottes bei euch. 15 Gott aber sei Dank für seine unaussprechliche Gabe!

             So entsteht Gemeinschaft in einer Tiefe – „die eine Gemeinde Jesu in der Welt, Juden und Griechen, verbunden in dem gleichen Glauben an Jesus und in der lebendigen Bruderschaft gegenseitiger Hilfe“ (W. de Boor, aaO. S.194) – die weit über das Geld und die unmittelbare Not hinausgeht.

Zum Weiterdenken

       Was für ein Geschenk, was für eine unaussprechliche Gabe, wenn Christen über große Entfernung miteinander verbunden sind. Füreinander einstehen. Wenn sie von der Verantwortung füreinander nicht nur reden, sondern sie leben. Wir wissen nicht, wie hoch die Summe der Kollekte in Korinth war. Ob sie in einen nennenswerten Prozentverhältnis zu dem gestanden hat, was in der Gemeinde an Mitteln da war. Die Kollekte in Korinth hat von allen Beteiligten in Korinth erfordert, den eigenen ausgabenrahmen nicht nur zu überprüfen, sondern auch zu begrenzen. Ob das nicht eine Herausforderung an uns ist, das eigene Geben und Teilen einmal kritisch anzuschauen – einzelne Christ*innen und auch Gemeinden und auch Landeskirchen? Immer unter der Prämisse: „Ein jeder, wie er’s sich im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.“(9,7)

Herr Jesus, so viel habe ich empfangen. So viele haben Gutes in mich hinein gelegt – Hoffnungen, Ermutigungen, mich sorgend getragen. So oft habe ich Dein Wort gehört.

Was aus den vielen guten Samen geworden ist, auch da hast Du Deine Hände im Spiel. Dass der Samen weiter Frucht trägt, das schenke Du. Dazu lass mich tun was ich kann. Amen