Ohne Ansehen der Person

1. Könige 17, 7 – 16

7 Und es geschah nach einiger Zeit, dass der Bach vertrocknete; denn es war kein Regen im Lande.

Die Regenzeit ist vorbei. Es gibt keinen Regen und so trocknet der Bach Krit aus. Kein Wasser mehr heißt auch: Kein Leben mehr in dieser Einöde.

8 Da kam das Wort des HERRN zu ihm: 9 Mach dich auf und geh nach Sarepta, das zu Sidon gehört, und bleibe dort; denn ich habe dort einer Witwe geboten, dass sie dich versorge.

Es ergeht Wegweisung an Elia durch das Wort des HERRN. Er soll ins Ausland gehen. Ins Heidenland, nach Sarepta, einem Ort, der zu Sidon gehört. „Das ist nicht nur die Heimat der Isebel, es ist vor allem das Land des Baal“ (F. Crüsemann / R. Micheel, Dunkles belichten, Ein Prophet geht seinen Weg: Elia, Texte zur Bibel 13, Neukirchen 1997, S. 23) Für Jahwe, den Gott Israels gibt es keine territoriale Eingrenzung. Er kann führen, wohin er will. Und er führt vorsorglich. Dort habe ich einer Witwe geboten, dass sie dich versorge. Eine Heidin als Anlaufstelle für den Propheten, dessen Name sagt: Mein Gott ist Jahwe.

10 Und er machte sich auf und ging nach Sarepta. Und als er an das Tor der Stadt kam, siehe, da war eine Witwe, die las Holz auf. Und er rief ihr zu und sprach: Hole mir ein wenig Wasser im Gefäß, dass ich trinke! 11 Und als sie hinging zu holen, rief er ihr nach und sprach: Bringe mir auch einen Bissen Brot mit!

Eine Witwe, seine Anlaufstelle, ist mit Holzlesen beschäftigt. „Wieder einmal geschieht, was so typisch ist: Es sind die Ärmsten oder selbst Fremde, die als Erste Armen oder Fremden helfen.“ (F. Crüsemann / R. Micheel, aaO. S. 24) Wasser erbittet Elia und dann, wie in einem Nachtrag, auch noch einen Bissen Brot.

12 Sie sprach: So wahr der HERR, dein Gott, lebt: Ich habe nichts Gebackenes, nur eine Handvoll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug. Und siehe, ich habe ein Scheit Holz oder zwei aufgelesen und gehe heim und will’s mir und meinem Sohn zubereiten, dass wir essen – und sterben.

In der Antwort der Witwe wird offenkundig, an wen Elia geraten ist. An eine Frau, die nur noch den Tod vor Augen hat. Eine letzte Mahlzeit, mehr geht nicht mehr. Eine Handvoll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug – das ist alles, was sie noch hat. Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel? Es ist so, die Regensperre, die Elia ausgerufen hat, hat auch vor dem Land um Sidon nicht Halt gemacht. „Die Dürre hatte nicht nur in Israel, sondern auch im angrenzenden Ausland katastrophale Folgen, Gerade im Stammesgebiet Baals wuchs nichts mehr.“ (H. Schmid, Das erste Buch der Könige, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 2000, S. 467)Und es ist, wie es immer ist: Katastrophen treffen die Ärmsten zuerst und am härtesten.

13 Elia sprach zu ihr: Fürchte dich nicht! Geh hin und mach’s, wie du gesagt hast. Doch mache zuerst mir etwas Gebackenes davon und bringe mir’s heraus; dir aber und deinem Sohn sollst du danach auch etwas backen. 14 Denn so spricht der HERR, der Gott Israels: Das Mehl im Topf soll nicht verzehrt werden, und dem Ölkrug soll nichts mangeln bis auf den Tag, an dem der HERR regnen lassen wird auf Erden.

Hat Elia nicht zugehört? Hat er über ihre Worte hinweg gehört? “Obwohl Elia nun ihre bedrohliche Lange kennt, wiederholt er seine Bitte, die jetzt schon mehr eine Forderung ist.“ (E. Würthwein, Die Bücher der Könige, ATD, 11,2, Göttingen 1984, S. 212) Mir zuerst. Dann dir und Deinem Sohn. Diese Unverschämtheit wird auch nicht wirklich besser durch sein vorangestelltes Fürchte dich nicht! Wie soll die Frau wissen können, dass das nicht nur eine Unverschämtheit ist? Sie kann im Grunde doch nur hören: dieser Fremde will nicht etwa das letzte Mahl mit uns teilen. R will unse letztes Mal und dann: sieh zu, was wird.

„Mehl und Öl sind die wichtigsten Gaben Baals.“ (F. Crüsemann / R. Micheel, ebda.) Es muss in den Ohren der Frau schier unglaublich klingen, was Elia jetzt sagt: Der Gott Israels, der HERR, macht ihr ein Versprechen. Er garantiert, was sie von Baal erwartet. Er wird sie durch die Dürrezeit hindurch keinen Mangel erfahren lassen. „Wird sie die Witwe auf die Forderung und das Wort des ihr fremden Mannes einlassen und ihm vertrauen?“ (E. Würthwein, aaO. S. 213)

15 Sie ging hin und tat, wie Elia gesagt hatte. Und er aß und sie auch und ihr Sohn Tag um Tag. 16 Das Mehl im Topf wurde nicht verzehrt, und dem Ölkrug mangelte nichts nach dem Wort des HERRN, das er geredet hatte durch Elia.

Sie geht und tut, wie es ihr Elia, dieser ihr fremde Mann, aufgetragen hat. Der Satz hat seine Entsprechung wenig zuvor: „Elia aber ging hin und tat nach dem Wort des HERRN“ (7, 5) Sie folgt dem Wort Elias, so wie Elia dem Wort Jahwes folgt. Sie hört nur die Worte eines Menschen und erfährt, dass Gott Wort hält. Er lässt sich durch das Wort seines Propheten verpflichten! Was für ein Bild von Gottes Herablassung, Kondeszendenz, zeigt sich in diesen wenigen Worten.

Zum Weiterdenken

Es ist ein Versuch, diese Worte einer Gemeinde heute auszulegen und zuzusprechen.

Liebe Gemeinde, keiner sieht Elia den Gottesmann an, als er sich der Stadt Sarepta nähert und schließlich vor ihren Toren steht. Er hat kein Priestergewand an, das ihn vor den Leuten dort ausweisen könnte. Und selbst wenn er ein Priesterkleid trüge: Sarepta ist Ausland ‑ und dort erkennt keiner den israelitischen Propheten.

Dieser Mann Gottes vor Sarepta sieht eher wie ein ganz gewöhnlicher Landstreicher aus: er ist heruntergekommen, ungepflegt und erschöpft. Der Staub des langen Weges vom Krith-Bach bis nach Sarepta hängt fest an Kleidern und Füßen. Ausgemergelt und mitgenommen von den Strapazen ist das Gesicht. Müde sieht Elia aus und gejagt, getrieben und unruhig. Nichts deutet darauf hin, dass Gott mit diesem Mann eine besondere Geschichte hat. Nichts kennzeichnet ihn als einen Heiligen. Ein ganz gewöhnlicher Mensch steht da vor Sarepta und wer ihn sieht, der macht wohl vorsichtshalber einen Bogen um ihn. Man kann ja nie wissen, wie so einer ist, mit wem man es da zu tun bekommt.

Als Elia so vor Sarepta steht, da gehen ihm die Gedanken durch den Kopf: Hierher hat mich Gott geschickt, hierher ‑ in die Fremde! Hier will er für mich sorgen? Ich kenne doch hier keinen und bin ein Fremder, einer, dem keiner traut. Wie will Gott mir hier, unter den Heiden, weiterhelfen? Der Zweifel nagt an ihm, die Furcht plagt ihn: Ob Gott sein Wort wahr macht? Ob er mich durchbringt, wirklich wieder durchbringt?

Elia hat es erfahren, dass Gott ihn wunderbar ernährt hat: am Krith-Bach hat er mit Raben sein Brot geteilt, bei den Vögeln Zuflucht gefunden vor den Nachstellungen des Königs und vor der Dürre, die Gott über Israel gesandt hat um des Ungehorsams Israels willen. Der Zufluchtsort des Propheten, den Gott ihm gezeigt hatte, war keine Bleibe für immer. Da hat Elia auf ein neues Wort der Wegweisung Gottes gewartet und es ist auch gekommen: nach Sarepta, ins heidnische Ausland solle er gehen. Zu einer Witwe, die werde ihn versorgen! Vor den Heiden im eigenen Land schützt Gott ihn durch den Weg zu den Heiden. Vor dem Elend, das ihm seine Feinde bereiten wollen, schützt Gott ihn durch den Weg ins Ausland, ins Elend. Ob das Gottes Weg mit Elia ist? Elia ist den langen Weg gegangen, aber solch ein langer Weg fällt einem nicht leicht. Wie soll Gott hier helfen, wo er doch in Israel nicht helfen kann? Ist es wirklich so, dass die Hilfe für den Propheten Gottes nicht im Volk Gottes gefunden werden kann, sondern unter Heiden gefunden werden muss?

Vor der Stadt liest eine Frau Holz. Das ist der Broterwerb der Ärmsten der Armen. Sie sammelt Holz, wo doch fast nichts zu finden ist. Da wird sie angerufen, nein: kommandiert von dem landfremden, verdreckten Mann: Hole mir Wasser, dass ich trinke!“ Kein Wort der Bitte, keine Erklärung, sondern ein Befehl. Und sie gehorcht! Und als sie schon auf dem Weg ist, da ruft er ihr nach: „Bringe mir auch Brot mit!“ Wie kommt sie dazu, mit ihm zu teilen?

Wenn einer so vor uns stünde, was würden wir wohl tun? Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich ruhig und gelassen bliebe. Ich würde wohl sehr ironisch nach weiteren Befehlen fragen. Ich würde ihn spüren lassen, dass ich sein Auftreten für unverschämt halte. Und mancher von uns würde doch wohl schlicht die Tür zumachen mit dem erbosten Ausruf: So eine Frechheit!

Nicht so die Frau vor Sarepta. Sie erklärt diesem Menschen, wie es um sie steht. Wir sind kurz vor dem Ende. Das Holz, das ich gesammelt habe, ist für unsere letzte Mahlzeit bestimmt. Wenn wir den Rest, der uns noch geblieben ist, gegessen haben, dann wollen wir sterben. Fremder, wir haben selbst nichts mehr, du bist an die falsche Frau geraten. Bei mir ist nichts zu holen.

Nun wird die Geschichte vollends rätselhaft. „Fürchte dich nicht!“ So sagt Elia, der doch selbst um sein Leben fürchten muss. Mache dein Essen, wie du es gesagt hast. Und dann, bevor du isst, gib mir davon und dann erst nimm dir und deinem Sohn. Der Herr wird dein Mehl und dein Öl nicht ausgehen lassen!

Wenn wir das hören, was löst das an Gedanken bei uns aus? Zu jemandem, der selbst nichts hat hinzugeben und zu sagen: Gib mir dein letztes Brot! Der Herr wird dir’s wunderbar vergelten! Das ist doch der Gipfel der Frechheit. Das ist Ausnutzung der Frömmigkeit und der naiven Gutgläubigkeit. Das ist Bauernfängerei mit Mitteln der Religion. So macht das einer, der mit frommen Sprüchen sein Schäfchen ins Trockene bringt. Das darf doch nicht wahr sein, dass jemand so auftritt ‑ weder damals noch heute. Was weiß denn die Frau von Elia? Nichts weiß sie. Was sieht sie denn? Einen zerlumpten Kerl, der unverschämte Ansprüche macht und leere Versprechungen obendrein abgibt zu Lasten Gottes.

Und die Frau geht hin und tut, was Elia sagt. Und dann ist es wie im Märchen: der Topf wird nicht leer! Das Öl geht nicht aus! Sie essen davon und werden satt. Der Topf wird nicht leer, das Öl geht nicht aus. Das Brot reicht für alle und nicht nur zum Sterben. Es ist unbegreiflich!

Ja, es ist unbegreiflich, was in dieser Geschichte erzählt wird: ein Mensch macht die Erfahrung, dass Gott sein Wort hält. Noch genauer: ein Mensch macht die Erfahrung, dass ein anderer zu ihm sagt „so spricht der Herr!“ und es stimmt. Was Gott da angesagt hat durch diese seltsame Flüchtlingsgestalt, das ist eingetroffen. Es war nicht Lug und Trug, es war kein Dummenfang und kein Bauernfängertrick. es war wirklich Gottes Wort, was dieser Elia gesagt hatte. Es hat sich gezeigt, dass es richtig war, auf das Wort Gottes hin, das doch nur als das Wort dieses unbekannten Fremden aus Israel vernehmbar war, den letzten Bissen Brot zu teilen.

Diese Geschichte lädt uns ein zum Vertrauen auf das Wort Gottes. Sie lädt uns heute ‑ Jahrtausende später und in ganz anderen Lebensumständen ‑ doch ein, wie diese beiden Menschen ernst zu machen mit den Zusagen Gottes. Elia und die Witwe erfahren in tiefer Not, dass Gott sein Wort wahr macht. Nichts anderes will Gott uns heute erfahren lassen. Was Elia und die Witwe von Sarepta erfahren, das ist nicht für die Vergangenheit bestimmt, sondern das ist für unsere Zeit heute wahr und ist unsere Lebensmöglichkeit, die Gott uns eröffnen will.

Mich bewegt diese Geschichte, weil sie mich herausfordert. Sie fragt mich, ob ich Gottes Zusagen so zu trauen bereit bin wie Elia und diese Witwe mit all meinen Fragen und Zweifeln, mit all meinen guten Gründen, die mich ‚Ja, aber´ sagen lassen. Elia wird im Vertrauen auf Gott bereit zu einem langen Weg ins Ungewisse, zu einem Weg durch die Wüste und in fremdes Land. Elia wird im Vertrauen auf Gott auch bereit zu unverschämtem Bitten. Die Witwe von Sarepta wird im Vertrauen auf Gott bereit zu einem unvernünftigen Teilen ‑ selbst des letzten Bissens Brot!

Wozu bin ich bereit? Wozu lasse ich mich von Gott führen?

Unverschämtes Bitten ‑ was ist das? Unvernünftiges Teilen ‑ was ist das?

Sind diese ausgereckten Arme das unverschämte Bitten des Elia? Sind die hochgestellten Teller, die ausgeteilten „milden Gaben“ das unvernünftige Teilen der Witwe? Was wir an einem Tag für eine Zeitung ausgeben, davon muss die Hälfte der Menschen einen Tag lang leben. Was wir für eine Schachtel Zigaretten ausgeben, davon muss ein Vater in Afrika seine vier Kinder einen Tag lang ernähren. Für 50.‑ können wir einem Kind in der „Dritten Welt“ nicht nur Lebensmittel, sondern auch Kleidung und eine vernünftige Ausbildung sichern. Ist das schon das unverschämte Bitten des Elia, wenn ich Sie bitte: nehmen Sie sich eines solchen Kindes an. Überlegen Sie, ob Sie nicht, vielleicht mit Freunden zusammen, einem Kind die Chance eröffnen können, später einmal dazu beizutragen, dass sein Volk nicht für alle Zeit zum Hunger verurteilt bleibt.

Die Witwe von Sarepta war bereit, mit Elia ihr letztes Brot zu teilen. Sie hatte keine Garantie, dass sein Wort, das er ihr sagte, eintreffen würde. Sie hatte keine Garantie für ihr Vertrauen. Sie hat geteilt ‑ auf Glauben hin. Ob wir nicht lernen können von ihr ‑ nicht aus unserer Not, sondern aus unserem Überfluss zu teilen? Wir sind alle reich in der westlichen Welt, gemessen an den Menschen der 3. Welt. Sogar unsere Armen sind gemessen an ihnen noch reich. Es wird für die Menschen in der 3. Welt keinen Ausweg aus ihrem Hunger und ihrer Not geben, wenn wir nicht bereit werden zum Teilen.

Teilen ‑ das ist etwas anderes als ein Almosen, als eine Spende zu geben. Es ist die Anerkennung, dass unser Besitz Gabe ist, die wir für andere haben, die Anerkennung, dass die „ganze Erde des Herren“ ist. Aus dieser Einsicht des Glaubens wird die Bereitschaft zum Teilen erwachsen, wenn wir uns nicht vor Gottes Geist verschließen. Erst dann, wenn viele solch ein Teilen lernen ‑ das noch weit entfernt ist von dem unvernünftigen Teilen der Witwe von Sarepta ‑ wird vielleicht auch eine gerechtere Verteilung von Staats wegen um sich greifen. Aber kein Wahlbeamter der westlichen Welt wird bereit sein, sich für Gerechtigkeit in der Nord-Süd‑Beziehung einzusetzen, wenn er nicht weiß, dass die Bevölkerung, die ihn wählen soll, bereit ist zu eigenen Einbußen zugunsten der Ärmsten der Armen.

Trauen wir Gott doch zu, dass er unter uns die Bereitschaft wachsen lässt, die Gaben Gottes zu teilen. Trauen wir Gott doch zu, dass er unser Teilen nimmt und daraus Hilfe werden lässt für die Armen. Trauen wir Gott doch zu, dass wir durch unser Teilen nicht ärmer werden, sondern von ihm wieder empfangene was wir hingegeben haben. Das sehen wir doch an diesen beiden Menschen: Wer im Vertrauen auf Gott gibt, der steht nicht am Ende mit leeren Händen da. Gott macht sein Wort wahr, dass er denen gibt, die in seinem Namen und im Vertrauen auf seine Güte mit ihrem Nächsten teilen. und mit dem Fremden, der in Not ist. Wie viele Menschen haben das vor uns und in unserer Zeit erfahren, dass es im Teilen zu einer „wunderbaren Vermehrung“ kommt ‑ ob es nun Kraft und Zeit, Liebe und Erbarmen, Geld und Gut waren, was einer geteilt und wunderbar wieder erhalten hat.

Wir leben in einer Gesellschaft des schwindenden Überflusses. Was unser Vertrauen auf Gott wirklich austrägt, das können wir in dieser Gesellschaft oft sehr genau sehen: daran nämlich, wie wir in dieser Zeit der knapper werdenden Mittel den eigenen Besitz verteidigen und behaupten ‑ oder wie wir bereit werden, ihn zu teilen mit den Besitzlosen: den Besitzlosen an Arbeit, an Zeit, an Liebe, an Glauben und an vielem anderen.

Ich wünsche mir und uns allen, ich bitte Gott für uns alle und für mich, dass wir am Tage des Gerichtes die Geschichte der Witwe von Sarepta hören können, ohne dass sie uns zur bitteren Anklage wird, weil wir nicht bereit waren zu teilen, wo doch Gott uns so vieles gegeben, geschenkt hat, damit wir es für ihn weitergeben an seine geringsten Brüder.                                                                                                                      Schlitz, 3. 9. 78

Mein Gott, die vor uns stehen, hilfsbedürftig und manchmal auch hilfefordernd, sehen nicht aus wie Heilige. Es sind Menschen wie wir selbst. Und wenn sie sagen: Vergelts´ Gott, klingt es wie eine angelernte Formel, nicht wie eine Verheißung Gottes. Manchmal überlege ich: stehst Du in diesen Bittenden vor uns? Streckst Du eine leere Hand aus, damit wir sie füllen?

Gib Du, dass wir keinen wegschicken, auch wenn er unsere Ruhe stört, unsere Sicherheit durcheinanderbringt, fast ein wenig unverschämt ist in seinem Bitten. Gib Du uns offen Augen, offene Hände, offene Herzen. Amen