Bau-Planungen

1. Könige 5, 15 – 32

15 Und Hiram, der König von Tyrus, sandte seine Boten zu Salomo; denn er hatte gehört, dass sie ihn zum König gesalbt hatten an seines Vaters statt. Denn Hiram liebte David sein Leben lang.

Nach dem Überblick jetzt der Blick auf einen Einzelnen: Hiram, der König von Tyrus. Mit ihm hatte schon David einen guten Kontakt, als es ums Bauen ging. „Und Hiram, der König von Tyrus, sandte Boten zu David mit Zedernholz, dazu Zimmerleute und Steinmetzen, dass sie David ein Haus bauten.“ (2. Samuel 5, 11) Er sucht die Verbindung zu Salomo – wohl nicht nur aus Treue und Verehrung des Vaters David. „Gesandtschaften von Hof zu Hof entsprachen damaligem Brauch.“ (H. Schmid, Das erste Buch der Könige, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 2000, S. 144) Heutzutage sind es Botschafter, die den diplomatischen Kontakt halten.

16 Und Salomo sandte zu Hiram und ließ ihm sagen: 17 Du weißt, dass mein Vater David nicht ein Haus bauen konnte dem Namen des HERRN, seines Gottes, um des Krieges willen, der um ihn her war, bis der HERR seine Feinde unter seine Füße gab. 18 Nun aber hat mir der HERR, mein Gott, Ruhe gegeben ringsum, sodass kein Widersacher noch ein böses Hindernis mehr da ist. 19 Siehe, so gedenke ich, dem Namen des HERRN, meines Gottes, ein Haus zu bauen, wie der HERR zu meinem Vater David gesagt hat: Dein Sohn, den ich an deiner statt auf deinen Thron setzen werde, der soll meinem Namen das Haus bauen. 20 So befiehl nun, dass man mir Zedern vom Libanon fällt, und meine Knechte sollen mit deinen Knechten sein. Und den Lohn deiner Knechte will ich dir geben, alles, wie du es sagst. Denn du weißt, dass bei uns niemand ist, der Holz zu hauen versteht wie die Sidonier.

Die Botschaft des Hiram nimmt Salomo dankbar an, weil die Verbindung seinen Plänen entgegenkommt. Er „möchte die guten Beziehungen fortsetzen und für den vor ihm liegenden Tempelbau fruchtbar machen.“ (H. Schmid, aaO. S. 145) Er will nachholen, was David nicht vergönnt war: dem Namen des HERRN, meines Gottes, ein Haus zu bauen. Der Kriegskönig David durfte es nicht. Nicht nur, weil die Ruhe fehlte. Es war der Wille Gottes, der es nicht zuließ. Auf den gleichen Willen Gottes beruft sich Salomo mit seiner Absicht, weil er jetzt tun will, was David nicht durfte/konnte.

Salomo geht davon aus: Er darf und kann und ordert deshalb nun wecāttah – schon einmal Zedern vom Libanon und Knechte für die Arbeit. Es braucht gutes Material und Fachleute. „Salomo will die phönikischen Arbeiter nach dem von Hiram festgesetzten Lohn bezahlen. Die Hauptarbeit werden sie zu tragen haben, weil sich niemand so auf das Bäumefällen versteht wie die Sidonier.“ (E. Würthwein, Die Bücher der Könige, ATD, 11,1, Göttingen 1977, S. 54)

21 Als Hiram aber die Worte Salomos hörte, freute er sich sehr und sprach: Gelobt sei der HERR heute, der David einen weisen Sohn gegeben hat über dies große Volk. 22 Und Hiram sandte zu Salomo und ließ ihm sagen: Ich habe die Botschaft gehört, die du mir gesandt hast. Ich will alle deine Wünsche nach Zedern- und Zypressenholz erfüllen. 23 Meine Knechte sollen die Stämme vom Libanon hinabbringen ans Meer, und ich will sie in Flöße zusammenlegen lassen auf dem Meer bis an den Ort, den du mir sagen lassen wirst, und will sie dort zerlegen, und du sollst sie holen lassen. Aber du sollst auch meine Wünsche erfüllen und Speise geben für meinen Hof.

Hiram nimmt alle Botschaften Salomos erfreut zur Kenntnis. Dem Lobpreis auf die Güte Gottes folgt schmucklos die geschäftliche Abmachung. Er ist einverstanden. Seine Leute werden die Stämme liefern. Er wird Leute senden und Bau-Material liefern. Die Männer Salomos müssen sie nur am Lieferort abholen. Sie müssen nicht mit abholzen. Ein wenig klingt das nach Abstand, nicht zu viel Nähe. Das alles sagt Hiram zu allerdings nicht ohne Gegenleistungen einzufordern. Er braucht für die eigene Hofhaltung Unterstützung durch Lebensmittel-Lieferungen.

24 So gab Hiram Salomo Zedern- und Zypressenholz ganz nach seinem Wunsch. 25 Salomo aber gab Hiram zwanzigtausend Sack Weizen zum Unterhalt für seinen Hof und zwanzigtausend Eimer gepresstes Öl. Das gab Salomo dem Hiram Jahr für Jahr.

Es wird ein Geschäft auf Gegenseitigkeit. Ein Deal würde heute vielleicht einer sagen. Beide haben ihren Vorteil aus den Verabredungen. Der Handel blüht. Es ist ein festes Vertragsverhältnis mit jährlichen Liefer-Zusagen. „Da Salomo Jahr um Jahr zu liefern hatte, solange er die phönikischen Leistungen in Anspruch nahm, solange am Tempel gebaut wurde, , und da seine Sendungen im Verhältnis zu den doch bescheidenen Umfang des Tempels recht beträchtlich erscheinen, hätte Salomo für den Bau große Opfer gebracht.“ (E. Würthwein, aaO. S. 55) Für den unbefangenen Leser klingt das alles fast wie ein Tribut.

26 Und der HERR gab Salomo Weisheit, wie er ihm zugesagt hatte. Und es war Friede zwischen Hiram und Salomo, und sie schlossen miteinander einen Bund.

            Der Satz wirkt wie ein Zwischenruf. Eingeschoben in die Schilderung des Abkommens. Alles hängt an Gott. Er gibt Salomo Weisheit. Gott hält seine Versprechen, erfüllt seine Verheißungen. Es kann sein, eine Folge dieser Weisheit ist der Bundesschluss mit Hiram. Einvernehmen ist hergestelltšalom – Friede und ein Bund – es sind tragfähige und dauerhafte Beziehungen hin zu Tyrus.

27 Und Salomo hob Fronarbeiter aus von ganz Israel, und ihre Zahl war dreißigtausend Mann, 28 und sandte sie auf den Libanon, je einen Monat zehntausend, sodass sie einen Monat auf dem Libanon waren und zwei Monate daheim. Und Adoniram war der Fronvogt. 29 Und Salomo hatte siebzigtausend Lastträger und achtzigtausend Steinhauer im Gebirge 30 ohne die Amtleute Salomos, die über die Arbeiten gesetzt waren: dreitausenddreihundert, welche den Leuten geboten, die die Arbeit taten. 31 Und der König gebot, große und kostbare Steine auszubrechen, behauene Steine zum Grund des Hauses. 32 Und die Bauleute Salomos und die Bauleute Hirams und die Gebaliter hieben sie zurecht; so bereiteten sie Holz und Steine zu, um das Haus zu bauen.

Das ist jetzt Innenpolitik. Wirtschaftspolitik. Salomo erweist sich als tatkräftiger Organisator. Als einer, der auch vor Zwangsarbeit nicht zurückschreckt – so muss man wohl Fronarbeiter verstehen. Ob es sich bei denen, die zu dieser Fron herangezogen, gezwungen wurden, um Israeliten oder um fremde Volksgruppen in Israel handelte, muss offen bleiben. Es ist ein Heer an hart arbeitenden Männern, das hier aktiv wird – zusammengerechnet rund zweihunderttausend Leute. Sie sind unterwegs in einem System von Einsatz auf dem Libanon und Pause zuhause. Wo es sicher auch noch genug zu tun gibt. Dieses Heer an Leuten wird dirigiert von Adoniram als Fronvogt, mit Hilfe von dreitausenddreihundert Amtleuten, königlichen Beamten, die die Befehle weitergeben.

Zum Weiterdenken

En weitsichtiger König. Ein Bauherr. Einer, der sich um den Ausbau seiner Stadt kümmert. Einer, der es nicht aus den Augen verliert: Da gibt es diese Verheißung, dass der Sohn Gott ein Haus bauen wird. Es geht hier um diese Verheißung – sie erfüllt sich nicht von selbst, sie braucht Menschen, die sich von ihr den Weg weisen lassen. Wir haben eine kurzsichtige Sicht auf die Eigenart von Verheißung, wenn wir ausblenden, dass wir selbst an ihrer Erfüllung beteiligt sein können.

Auch das ein Beitrag zum Nachdenken über das Heer von hart arbeitenden Männern – von Bertolt Brecht:

Fragen eines lesenden Arbeiters

 Wer baute das siebentorige Theben?
In den Büchern stehen die Namen von Königen.
Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt?
Und das mehrmals zerstörte Babylon

Wer baute es so viele Male auf?
In welchen Häusern des goldstrahlenden Limas wohnten die Bauleute?
Wohin gingen an dem Abend, wo die Chinesische Mauer fertig war die Maurer?
Das große Rom ist voll von Triumphbögen. Wer errichtete sie?

Über wen triumphierten die Cäsaren?
Hatte das vielbesungene Byzanz nur Paläste für seine Bewohner?
Selbst in dem sagenhaften Atlantis brüllten in der Nacht, wo das Meer es verschlang
Die Ersaufenden nach ihren Sklaven.

Der junge Alexander eroberte Indien.
Er allein?
Cäsar schlug die Gallier.
Hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich?

Philipp von Spanien weinte, als seine Flotte untergegangen war.

Weinte sonst niemand?
Friedrich der Zweite siegte im Siebenjährigen Krieg.
Wer siegte außer ihm?
Jede Seite ein Sieg.

Wer kochte den Siegesschmaus?
Alle zehn Jahre ein großer Mann.
Wer bezahlte die Spesen?
So viele Berichte. So viele Fragen.

 

Heiliger Gott, Dir zu Ehre ein Haus bauen. Dir zur Ehre leben. Dir zu Ehre Worte suchen und finden – das möchte ich gerne. Schenke mir dazu Weisheit, Geduld und Beharrlichkeit. Schenke mir Menschen, die mich darin bestärken, die mich auch korrigieren, damit wir zusammen zu Deiner Ehre Schritte tun. Amen