Fast schon eine Idylle

1. Könige 5, 1 – 14

1 So war Salomo Herr über alle Königreiche, vom Euphratstrom bis zum Land der Philister und bis an die Grenze Ägyptens; die brachten ihm Geschenke und dienten ihm sein Leben lang.

Es geht weiter mit der Bilanz des König Salomo. Er ist nicht nur König über Israel, sondern weit mehr noch: Herr über alle Königreiche, vom Euphratstrom bis zum Land der Philister und bis an die Grenze Ägyptens. Sie alle, die dort leben, sind ihm verpflichtet. Ob hinter den Geschenken regelrechte Tribut-Zahlungen stecken, bleibt offen. Es werden durchaus „unterschiedliche Abhängigkeitsverhältnisse“(H. Schmid, Das erste Buch der Könige, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 2000, S. 135)so zusammengefasst sein. Die knappe Notiz beschreibt die größte Ausdehnung des israelischen Machtbereiches in der Geschichte.

2 Und Salomo musste täglich zur Speisung haben dreißig Sack feines Mehl, sechzig Sack anderes Mehl, 3 zehn gemästete Rinder und zwanzig Weiderinder und hundert Schafe, ohne die Hirsche und Gazellen und Rehe und das gemästete Federvieh.

Es ist kein Wunder – so ein großer König hat einen großen Hofstaat und viele, die von ihm versorgt sein wollen. Der Aufwand zur Verpflegung des königlichen Hofes ist gewaltig. Es „bleibt freilich unklar, ob nur an den Hof in Jerusalem gedacht ist oder auch an die Bediensteten draußen im Lande, insbesondere die Garnisonen.“(E. Würthwein, Die Bücher der Könige, ATD, 11,1, Göttingen 1977, S. 47) In heutiger Zeit durchaus kritisch zu lesen: Fleisch ohne Ende.

4 Denn er herrschte im ganzen Lande diesseits des Euphrat, von Tifsach bis nach Gaza, über alle Könige diesseits des Euphrat, und hatte Frieden mit allen seinen Nachbarn ringsum, 5 sodass Juda und Israel sicher wohnten, jeder unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum, von Dan bis Beerscheba, solange Salomo lebte.

Noch einmal, diesmal detaillierter, wird der Herrschaftsbereich Salomos genannt. Der Akzent liegt allerdings nicht auf der räumlichen Ausdehnung. Salomo ist ein Friedenskönig, kein Kriegsherr wie sein Vater David. Er hatte Frieden mit allen seinen Nachbarn ringsum. Es ist, als würde sich der Traum vom Friedensreich unter ihm erfüllen. Das noch nicht eingelöste Versprechen seit der Landnahme, dass Israel zur Ruhe kommen würde.

Ein sicheres Wohnen, ein individuelles Glück. Fast schon eine Idylle, ein goldenes Zeitalter. Juda und Israel – jeder sicher unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum. Es sind Worte, mit denen dieser Friede beschrieben wird, die bei den Propheten wieder aufgenommen werden, dort aber als Verheißungen für die Zukunft: „Sie werden Häuser bauen und bewohnen, sie werden Weinberge pflanzen und ihre Früchte essen. Sie sollen nicht bauen, was ein anderer bewohne, und nicht pflanzen, was ein anderer esse. Denn die Tage meines Volks werden sein wie die Tage eines Baumes, und ihrer Hände Werk werden meine Auserwählten genießen. Sie sollen nicht umsonst arbeiten und keine Kinder für einen frühen Tod zeugen; denn sie sind das Geschlecht der Gesegneten des HERRN, und ihre Nachkommen sind bei ihnen.“(Jesaja 65, 21 – 23) Es mag sein, wegen solcher Worte gelten die Königsbücher in Israel als prophetische Schriften!

6 Und Salomo hatte viertausend Stallplätze für seine Wagenpferde und zwölftausend Reitpferde. 7 Und die Amtleute versorgten den König Salomo und alles, was zum Tisch des Königs gehörte, jeder in seinem Monat, und ließen es an nichts fehlen. 8 Auch Gerste und Stroh für die Pferde und Gespanne brachten sie an den Ort, wo diese waren, jeder nach seiner Ordnung.

An diesem Hof ist für alles und alle gesorgt, Stallungen für die Pferde und Verpflegung die Menschen. Es fehlt an nichts. Alles hat seine Ordnung.

9 Und Gott gab Salomo sehr große Weisheit und Verstand und einen Geist, so weit, wie Sand am Ufer des Meeres liegt, 10 dass die Weisheit Salomos größer war als die Weisheit von allen, die im Osten wohnen, und als alle Weisheit Ägyptens. 11 Und er war weiser als alle Menschen, auch weiser als Etan, der Esrachiter, Heman, Kalkol und Darda, die Söhne Mahols, und war berühmt unter allen Völkern ringsum.

„Die wichtigsten Wörter in diesem Abschnitt sind „Weisheit“ und „weise“, die siebenmal in diesen wenigen Versen vorkommen.“(H. Schmid, aaO. S. 140) Es ist wohl so zu verstehen: Auch in diesen Ordnungen zeigen sich Weisheit und Verstand und Geist. Weisheit ist auch die Fähigkeit, dem Leben eine stabile Ordnung zu geben. Dass das in Israel gelingt, hebt Salomo weit hinaus über allen anderen, die ringsum herrschen. Das bringt ihm Ruhm ein, Anerkennung, weit über die Grenzen Israels hinaus. Er braucht den Vergleich mit anderen weisen Menschen nicht zu scheuen.

12 Und er dichtete dreitausend Sprüche und tausendundfünf Lieder. 13 Er dichtete von den Bäumen, von der Zeder an auf dem Libanon bis zum Ysop, der aus der Wand wächst. Auch dichtete er von den Tieren des Landes, von Vögeln, vom Gewürm und von Fischen.

Salomo ist obendrein auch noch ein Sammler und Dichter. Einer, der Sprüche findet, in denen die Lebensweisheit zum Tragen kommt. „Das hebräische Wort für Spruch, mašal, hat eine breite Bedeutung. Es kann ein Gleichnis, ein Sprichwort, einen Spottvers oder allgemein ein Weisheitswort meinen.“(H. Schmid, aaO. S. 141) Der Niederschlag solcher Spruchdichtungen findet sich in dem Buch der Sprüche Salomo und im Buch des Predigers Salomo. So weiß es die Tradition in Israel, die beide Bücher dem weisen König zuschreibt. Die heutige Sicht der Bibelwissenschaften nimmt für beide Bücher eine spätere Zeit als Entstehungszeit an und folgerichtig auch nicht den weisen König als ihren Verfasser. Zum Thema Lieder – Psalmen – šir: Für seine Lieder mag als Beispiel das Hohelied Salomos herhalten. Es mag bezeichnend sein, der Psalm 72, der den Friedensfürst und sein Reich besingt, ist Salomo zugeschrieben.

14 Und aus allen Völkern kamen sie, zu hören die Weisheit Salomos, und von allen Königen auf Erden, die von seiner Weisheit gehört hatten.

Diese Weisheit, diese Kunst, diese Art der Herrschaft hat Ausstrahlungskraft. Sie zieht Menschen an. Aus allen Völkern und von allen Königen. Weisheit kann nicht im Verborgenen blieben. Sie zieht Menschen an.

Zum Weiterdenken

Wir heute fragen anders als es wohl vor Zeiten üblich war: ist es ein Zeichen von Weisheit, von Segen Gottes, wenn einer unermesslich reich wird, wenn einer mächtig wird. Es ist gut, dass die Weisheit Salomos nicht auf seine überragende Intelligenz zurückgeführt wird. Sie ist Gabe, Geschenk. Und sie wird nur dann als Gabe und Geschenk angemessen gebraucht, wenn sie anderen zugutekommt. Keiner ist nur für sich selbst begabt. Das Grundgesetz der BRD sagt: Eigentum verpflichtet. Reichtum erst recht. Und Weisheit sowieso.

Heiliger Gott, einmal werden sich alle aufmachen, hin zu Dir, weil Du Worte des Lebens hast, weil Du uns Deine Gerechtigkeit lehrst. Einmal werden sich alle aufmachen und ihre Knie vor Jesus beugen, ihm die Ehre geben, dem König der Gerechtigkeit, dem Heiland, der sanft und demütig ist, voller Güte und Erbarmen. In ihm liegen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis. Hilf Du mir, an ihm zu bleiben. Amen