Rogate

Matthäus 6, 5 – 15

5 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. 6 Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten. 7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. 8 Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. 9 Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. 10 Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. 11 Unser tägliches Brot gib uns heute. 12 Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. 13 Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. [Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.] 14 Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. 15 Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

 

Sonntag Rogate. Beten. Darüber wollte der Prediger im Fernseh-Gottesdienst heute nicht sprechen. Weil Beten in Zeiten von Corona nicht angesagt ist? Weil es stattdessen ums Tun geht, um das füreinander Dasein, wenn auch auf Abstand und nicht um Gott, um Gebet, um ein Dasein vor ihm und mit ihm? Ich will darüber nachdenken, dass in der Mitte der Bergpredigt Jesu Worte zum Beten stehen und als Anleitung zum Beten das Vaterunser.

Wir dürfen, können und sollen in der Verfassung vor und zu Gott kommen, in der wir gerade sind. Das ist in diesen Zeiten Corona als Über-Thema. Ich muss es Gott nicht sagen, was das mit mir und uns macht. Das weiß er schon, wie der Virus uns zusetzt, Angst macht, lähmt, Distanz erzwingt und sterben lässt.

Wenn es an diesem Sonntag Rogate nicht um unsere Worte geht, die wir betend machen, geht es vielleicht um den neuen Versuch zu hören. Will Gott uns in diese Zeit hinein – verrückt genug – durch diesen Virus etwas sagen? Dass wir aufmerksam werden sollen für die Schattenseiten unsrer weltweiten Verknüpfungen? Uns, die so oft zu den Globalisierungsgewinnern gehören – diesmal aber mit allen anderen auch zu den Verlierern.  Dass wir aufmerksamer werden sollen für die, die täglich Dienstleistungen für uns erbringen, oft mager bezahlt und kaum anerkannt? Dass wir dankbarer werden für Pfleger*innen und und Hilfskräfte in Krankenhäusern und Heimen? Dankbarer für die Krankenhäuser, Gesundheitsämter, für alle, die im Lebenshintergrund Daseins-Fürsorge aufrecht erhalten? Dankbarer für gute und aufmerksame Nachbarn? Für Kinder und Enkel, für Großeltern?

Kann es sein, dass Gott uns das alles sehen lassen will, immer schon und auch in Zeiten von Corona? Das Beten mit geöffneten Augen und Ohren anfängt? Ich möchte heute höre, was er uns Betenden zu sagen hat. Damit ich neu beten lerne.

 

Du heiliger Gott, wie viele Seiten habe ich mit Gebeten gefüllt und wie wenig habe ich doch in Wahrheit gebetet. Worte habe ich gemaht, aber sa betende Hören vergessen. Herr, mache Du mich zu einem, der auf Dich hörtdas eigeneHerz und die vielen Wünsche still sein lässt, damit ich Dich höre. Hilf Du mir, neige mein Herz zu Dir, öffne mir die Augen und Ohren, das Herz – für Dich. Amen