Vorbereiten

Markus 14, 12 – 16

 12 Und am ersten Tage der Ungesäuerten Brote, da man das Passalamm opferte, sprachen seine Jünger zu ihm: Wo willst du, dass wir hingehen und das Passalamm bereiten, damit du es essen kannst?

             Weil das Passa naht und die Zeit irgendwie drängt, sind es die Jünger, die die Initiative ergreifen. Am ersten Tage der Ungesäuerten Brote. Nach unserer Zählung der Wochentage ist das der Donnerstag, nach dem jüdischen Kalender der 14. Nisan. Sie wollen wissen, wo Jesus Passa feiern will. Wo sie das Passalamm zubereiten sollen. „Die Bewohner Jerusalems waren nach dem Zeugnis späterer Gesetzgebung verpflichtet, den Festpilgern für diesen Zweck geeignete Räume zur Verfügung zu stellen.“ (W. Klaiber, aaO.  S.268) Dennoch braucht es ja ein Mindestmaß an Planung. Dafür wollen die Jünger Auskunft von Jesus.

 13 Und er sandte zwei seiner Jünger und sprach zu ihnen: Geht hin in die Stadt, und es wird euch ein Mensch begegnen, der trägt einen Krug mit Wasser; folgt ihm 14 und wo er hineingeht, da sprecht zu dem Hausherrn: Der Meister lässt dir sagen: Wo ist die Herberge für mich, in dem ich das Passalamm essen kann mit meinen Jüngern? 15 Und er wird euch einen großen Saal zeigen, der schön ausgelegt und vorbereitet ist; uns dort richtet für uns zu.

             Die Antwort Jesu ist keine Adress-Angabe, sondern die Ansage einer Begegnung. Wenn sie in die Stadt kommen, werden sie jemand treffen. Einen Mensch, der einen Krug mit Wasser trägt. Ein Mensch – νθρωπος – meint hier vermutlich „einen Mann“. „Das Tragen von Krügen auf dem Kopf war Frauensache.“(W. Klaiber, aaO. S.269) Es ist eine seltsame Mischung: Wasserträger sind alltägliche Gestalten. Dass jedoch ein Mann das tut, ist auffällig, selbst wenn er ihn nicht auf dem Kopf trägt. So ist also die Begegnung, die Jesus ansagt, alltäglich und doch eindeutig zugleich.

Ganze Generationen von Auslegern haben darüber nachgedacht, ob diese Begegnung irgendwie doch verabredet war. Ob es eine verschlüsselte Adress-Angabe ist. Weil Jesus konspirativ unterwegs war. Das alles hat keine Anhaltspunkte im Erzählen des Markus. Es könnte doch auch einfach so sein, dass Jesus in gewisser Weise auf seinen Bekanntheitsgrad setzt. Darauf, dass der Mensch schon wissen wird, wer sich da als Meister durch seine Schüler bei ihm meldet.

Die Parallele ist aufschlussreich: es ist die gleiche Souveränität wie beim Einzug in Jerusalem. Auch da sendet Jesus seine Jünger und sie finden offene Türen. Dem „Der Herr bedarf seiner.“(11,3) entspricht hier: Der Meister lässt dir sagen. Meister nennt sich Jesus. διδσκαλος. Nur hier, nur einmal im ganzen Evangelium des Markus. Das gibt dem Wort mehr Gewicht als bloß: ich bin ein Lehrer. Es lässt es wie eine „hoheitsvolle Prädikation“(J. Gnilka,  aaO.  S.233) erscheinen. Aber immerhin: So eine Selbstbezeichnung wird dem Mann auf der Straße im Jerusalem noch zugänglich sein.

             Wer das Evangelium des Markus sorgfältig liest, der spürt: auch hier ist wieder das bezwingende Wort Jesu im Spiel. Eine Autorität, der die Jünger folgen, unter die die unreinen Geister sich beugen, der die Diskutanten nicht standhalten können. Selbst noch durch den Mund der Jünger wirksam. Einem Menschen gegenüber, der daraufhin seinen Saal wie selbstverständlich zur Verfügung stellen wird.

  16 Und die Jünger gingen hin und kamen in die Stadt und fanden’s, wie er ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Passalamm.

             Die Jünger gehen. Sie lassen sich von dieser Wegweisung, dieser seltsamen  Adress-Angabe Jesu leiten. Und finden alles, wie er es gesagt hat. Über das Evangelium des Markus hinaus, fällt mir die Parallele auf: „Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. … Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.“(Lukas 2, 17.20) Es ist so, dass die Worte des Herrn, die Worte aus dem Himmel, die Worte Jesu sich als zuverlässig erweisen, als tragfähig.   

             Was noch zu tun bleibt, ist, was seit dem Auszug Generationen von Juden getan haben, wieder und wieder: Sie bereiteten das Passalamm. „Dazu gehört die Reinigung des Hauses von allem gesäuerten Brot und Sauerteig, die Schlachtung des Lammes, die Bereitstellung der Weinkrüge und Kelche, die Bereitung der Mahlzutaten, Bitterkräuter, Fruchtmus, Tunke.“(W. Grundmann, aaO, S.382) Weil die erste Leserschaft des Markus das in seiner Vielfalt kennt, muss er es nicht ausbreiten.

Zum Weiterdenken

Ich erinnere mich an meine Anfangsjahre im Reisedienst als doch sehr junger Mensch. Damals sagte mir ein nur wenig älterer Kollege, vielleicht, weil er spürte, dass ich ziemlich unsicher war: „Du darfst es glauben, Jesus schickt dich nie in eine unvorbereitetes Situation. Wo immer du hingehst – er weiß, was auf dich wartet.“ Ich denke, es sind Szenen wie diese kleine, unscheinbare Szene vor dem letzten Mahl, aus denen er seine Zusage an mich gewonnen hat. Es mag helfen, für sich selbst glauben zu dürfen: Jesus schickt uns nicht in unbekanntes Land. Einfach so. Er weiß, wohin er uns senden kann. Ds gilt auch in den Zeiten heute.

 

 Jesus, Dir dienen ist nicht immer bedeutungsschwer, auch nicht glanzvoll. Manchmal ist es einfach nur den Tisch decken, Essen vorbereiten, einen Saal herrichten.

Aber auch dieses Tun dient Dir. Gib Du, dass wir nie die übersehen, die so alltäglich zupacken und Dir den Raum bereiten. Und gib Du uns, dass wir uns auch so an die Arbeit stellen lassen. Amen