Für Euch

1.Korinther 11, 23-26 

23 Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, 24 dankte und brach’s und sprach: 2 Das ist mein Leib für euch; das tut zu meinem Gedächtnis. 25 Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis.

             Es ist überraschend: diesem Missbrauch des Mahles, dieser verweigerten Gemeinschaft stellt Paulus zunächst einmal entgegen, dass er die Abendmahls-Überlieferung ins Blickfeld rückt. So hat Paulus es empfangen und so hat er es weitergegeben.  Darum geht es doch – dass das Abendmahl als Feier sich an dem orientiert, was vom Herrn herkommt. Es muss in den Worten, aber auch in der Weise, wie es gefeiert wird, dem Herrn entsprechen.

Vielleicht darf ich so formulieren: Paulus erinnert an die empfangenen Worte, um den Weg zu der Weise, wie das Mahl gefeiert wird, zu begründen. Wer sich an die Worte Jesu hält, der wird sich doch auch an dem Willen Jesu ausrichten müssen.

Es folgen die Einsetzungsworte – genauer die Ursprungserzählung des Mahles. Paulus ist dabei nahe bei den Worten, wie sie auch die Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas überliefern. Das ist in meinen Augen ein Hinweis, dass schon früh in der jungen Christenheit von diesem letzten Mahl Jesu mit seinen Jüngern nicht nur erzählt wird, sondern es als ein Grundelement des Glaubens in der Gemeinde gefeiert wird. Unter Rückgriff auf die Worte, die Jesus in der Nacht der Auslieferung gebraucht hat.  

Diese Worte werden durch den stetigen Gebrauch in den Mahlfeiern der Gemeinde mitgeformt. „Die Überlieferung bei Paulus ist das älteste schriftliche Zeugnis für die Abendmahlstradition… Da aber Paulus beim letzten Mahl Jesu nicht anwesend war, hat er den Wortlaut durch die Urgemeinde kennen gelernt. Da diese Worte von Anfang an liturgisch verwendet wurden, ist der genaue Wortlaut, den Jesus in jener Nacht gesprochen hat, kaum noch zu ermitteln.“ (W. Klaiber, aaO.  S.186) Das ist keine historische Bankrotterklärung, sondern nur die Selbstbescheidung: Wir kommen hinter diese Worte nicht zurück.

Zweierlei ist mir besonders wichtig: für euch gegeben. Der Tod Jesu hat darin seine Spitze, dass er für uns ist. Uns zum Heil, uns zur Rettung. Er ist nicht gut für Gott, um ihn irgendwie zufrieden zu stellen. Er ist gut für uns.

Das andere ist: zu meinen Gedächtnis. Das ist nicht die Aufforderung: Vergesst mich nicht. Auch nicht die Aufforderung: Vergesst meinen Tod nicht. „Der, dessen gedacht wird, ist selbst in der Mahlfeier präsent und keine historische Reminiszenz.“ (W. Schrage, aaO.  S. 43) Abendmahl ist also keine irgendwie nostalgische Jesus-Gedächtnisfeier, sondern das Mahl in der Gegenwart des erhöhten Herrn.

  26 Denn sooft ihr von diesem Brot esst und von dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

Das Mahl ist im Vollzug Verkündigung. Es ist gefeierte Verkündigung der Gnade Gottes, die sich zu den Sündern neigt, die sich erbarmt, die sich schenkt. Es ist die Verkündigung Jesu, der den Tod auf sich nimmt, damit wir leben können.

Es ist ein Mahl für die Zeit, ein Zeichen für die Zeit. Jetzt feiert diese Gemeinde dieses Mahl, in dessen Mitte die Verkündigung des Todes und der Auferstehung Christi, der Person des Jesus Christus als des Heils der Welt steht. Bis er kommt. Das hilft dazu, das Mahl nicht nur als eine Erinnerung zu sehen. Sondern es öffnet zugleich den Blick dafür, dass der Herr ja kommen wird, „mit des Himmels Wolken“ (Markus 14,62). In der Herrlichkeit des Vaters.

Markus erzählt als Abschluss des Mahles: „Wahrlich, ich sage euch, dass ich nicht mehr trinken werde vom Gewächs des Weinstocks bis an den Tag, an dem ich aufs Neue davon trinke im Reich Gottes.“ (Markus 14,25) Paulus ist an dieser Stelle zurückhaltend. Das Mahl nimmt nicht das himmlische Mahl vorweg, auch wenn es vielleicht einen Vorgeschmack davon gibt. „Wir sind noch nicht am Ziel, Wir feiern noch im Zeichen des Kreuzes und wir leben von dem, was Gott im Sterben Jesu für uns getan hat.“ (W. Klaiber, aaO.   S. 186) Auch das Abendmahl soll nicht dazu führen, dass die Korinther die Zeit überspringen, sich schon im Himmel wähnen. Diese nüchterne Sicht des Paulus ist wohltuend.

Zum Weiterdenken

Unsere Debatten um die richtige Feier des Abendmahls dürfen nicht liturgisch verkürzt werden auf die Fragen nach Fladenbrot oder Hostien, nach Einzelkelch oder Gemeinschaftskelch, nach diesem oder jenem liturgischen Stück. Welches Kyrie gesungen wird, ob auf ein ausdrückliches Sündenbekenntnis eine ebenso ausdrückliche Freisprechung folgt, wann das Vater unser gesprochen wird, ob der Friedensgruß praktiziert wird, welche Form der Worte bei der Weitergabe von Brot und Wein verwendet werden – das alles ist wichtig. Aber es entscheidet nicht darüber, ob die Feier das Mahl des Herrn ist! Das entscheidet sich an der gewährten oder verweigerten Gemeinschaft. Vor dem Mahl, im Mahl und nach dem Mahl. Wo die Gemeinschaft verweigert wird, innerlich durch Vorbehalte, äußerlich durch die getrennten Wege, da kann es liturgisch noch so festlich und stimmig zugehen – es hat nichts mit Jesus zu tun. Es ist kein Herrenmahl.

 

Mein Jesus, Wie oft habe ich feiern dürfen an Deinem Tisch. Austeilen und Empfangen. Wie oft habe ich gehört: „Schmeckt und seht wie freundlich der Herr ist“. Wie oft ist es mir zugesagt worden: „Für dich“.

Ich danke Dir für das Geschenk, das Du uns im Abendmahl machst, immer wieder neu, dass Du Dich selbst uns im Mahl schenkst, damit wir nicht nur hören, sondern schmecken und fühlen: Du bist freundlich und Deine Güte währt ewig. Amen