Füreinander

1.Korinther 12, 27 – 30

27 Ihr aber seid der Leib Christi und jeder Einzelne ein Glied.

Es ist eine Zusammenfassung der bisherigen Argumentation und zugleich Rückkehr zum Ausgangpunkt. Wichtiger aber noch: es ist einfach nur eine Zusage, Zuspruch. Alles Gesagte hängt daran, dass dies stimmt: Ihr seid. „Das Sein, die gegebene Wirklichkeit ist das erste.“ (W.de Boor, aaO.  S. 211)Nicht was Christen aus sich machen, auch nicht, was Christen machen, ist das Fundament, das sie trägt. Sondern was sie von Gott her, durch sein Tun, sind.

             Ihr seid Leib Christi. Kein Vergleich, sondern Feststellung. So verhält es sich mit euch. Das ist die Existenz, in die ihr hineingestellt seid. Ihr in Korinth so wie alle anderen Gemeinden auch. Was Paulus hier sagt, gilt für die einzelne Gemeinde wie für die ganze Christenheit. „Jede Einzelgemeinde repräsentiert die Kirche in ihrer Gesamtheit.“ (W. Schrage, aaO.  S. 231)

Und auch das ist ein Satz, des Glaubens wert: Jeder von euch ist ein Glied an diesem Leib. Was immer die Christen auch sein mögen, wie es um ihre Fähigkeiten und Grenzen bestellt sein mag, welches Lebensschicksal sie zu tragen haben – das steht fest: durch Glauben und Taufe sind sie Glied am Leib Christi. „Füreinander“ weiterlesen

Aufeinander angewiesen

1.Korinther 12, 12 – 26

 12 Denn wie der Leib einer ist und doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obwohl sie viele sind, doch ein Leib sind: so auch Christus. 13 Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft, wir seien Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt. 14 Denn auch der Leib ist nicht ein  Glied, sondern viele.

             Paulus bleibt bei seinem Bild: Der Leib ist einer, eine Einheit, Ganzheit. Aber diese Ganzheit besteht aus vielen Gliedern. Alle Organe des Leibes sind ein Organismus. Das kann jede und jeder an sich selbst sehen, erfühlen, ertasten. Das ist unsere Wahrnehmung. Wenn es jetzt weiterginge: so ist es auch mit der Gemeinde, wäre es ein schlichter, sinnvoller Vergleich.

Aber Paulus fährt fort: so auch Christus. Er redet von Christus als einem Leib. „Die Gemeinde wird also nicht nur mit einem Leib verglichen; vielmehr ist sie der Leib Christi.“ (W. Klaiber, aaO.  S. 201) Sie ist es, weil er, Christus selbst, sie dazu macht.

Das sprengt unsere gewohnten Denkkategorien. Mit dem Vergleich kommen wir noch einigermaßen gut zurecht. Aber mit dieser Wirklichkeit, die Paulus behauptet, haben wir es schwer. Wir sehen die Organisation Kirche, die Organisationsform Kirchengemeinde. Aber dass verborgen in. mit und unter diesem so allzu menschlichen Gebilde Christus präsent sein soll in der Welt, das ist unserem Denken eine harte Zumutung.  Sie wird uns nicht erspart.

Diesem Leib sind die Christinnen und Christen eingefügt, hinein getauft durch den einen Geist – unabhängig davon, wo sie herkommen, unabhängig davon, welchen sozialen Status sie haben. Unabhängig auch von ihren moralischen Qualitäten. Alle haben Anteil an dem einen Geist, mit dem sie getränkt sind. Mit hinein getauft signalisiert Paulus: Christsein ist immer ein Hinzukommen, nicht der freie Zusammenschluss irgendwelcher religiös begabten, christlich geprägten Leute. „Aufeinander angewiesen“ weiterlesen

Viele Gaben – ein Geist

1.Korinther 12, 1 – 11

1 Über die Gaben des Geistes aber will ich euch, Brüder und Schwestern, nicht in Unwissenheit lassen.

             Paulus fängt, so scheint es, ein neues Thema an – diesmal eines, das den Korinthern besonders am Herzen liegt: Die Gaben des Geistes. Für das Wort πνευματικῶν, Pneumatikon, gibt es zwei Übersetzungsmöglichkeiten. Einmal sächlich, als Neutrum, dann sind die Geistesgaben gemeint. Aber es geht auch maskulin – dann ist von „den Pneumatikern“ die Rede. Dann sind die Menschen im Blick, über die Paulus reden will.

Mir scheint, dass diese Doppeldeutigkeit im Griechischen der Sache angemessen ist: Man kann über die Geistesgaben nicht neutral, unter Absehen von den Menschen, die sie haben,  sie praktizieren, mit ihnen begabt sind, sprechen. Es hängt gewissermaßen unlöslich ineinander: Die Gabe und die Art und Weise, wie Menschen sie gebrauchen. Der Anspruch des Paulus an dieser Stelle ist also: Ich habe sowohl zum Umgang mit den Gaben als auch zum Umgang mit den Begabten Wegweisendes zu sagen.

 2 Ihr wisst: als ihr Heiden wart, zog es euch mit Macht zu den stummen Götzen.            

Die Erinnerung an früher: Die Götzen waren stumm. Aber dennoch war die Wirkung dieser stummen Götzen Anziehung, mit unwiderstehlicher Gewalt. Darf man ergänzen: so dass ihr außer euch geraten seid. In Ekstase. Über euch selbst hinweg gerissen. Das so zu sagen, liegt nahe, weil „Ekstasen, Inspirationen, inspirierte Schreie, auch im Bacchus- Dionysos- und anderen Kulten bekannt waren“,(W. Schrage, aaO. S. 119) gewissermaßen zur Erlebnis-Ausstattung der Kulte gehörten.  Umso wichtiger ist es, Klarheit darüber zu schaffen, was unter der Wirkung des Geistes Gottes geschieht. Auch der Geist Christi ist so kräftig und wirtkungsstark, dass sein Wirken ekstatische Elemente haben kann.

 3 Darum tue ich euch kund, dass niemand, der durch den Geist Gottes redet, sagt: Verflucht sei Jesus; und niemand kann sagen: Jesus ist der Herr, außer durch den Heiligen Geist.

             Jetzt also: Gott meldet sich zu Wort durch den Geist. Es geht ja nicht um einen Allerwelts-Geist, um ein Art geistiges Fluidum oder den Welt-Geist, sondern um den Geist Gottes. Der wird erkannt und erkennbar am Bekenntnis: Jesus ist Herr. Die Negation benennt Paulus, weil es Menschen – wohl nicht nur erst in späterer Zeit –  in der Gemeinde gibt, die sagen: Der irdische Jesus ist kein Thema für uns. Nur der erhöhte Christus zählt – und darum sagen sie sich von Jesus los. Jesus nach dem Fleisch – darüber brauchen wir nicht zu reden. Dem steht das Bekenntnis gegenüber: Jesus ist der Herr. „Viele Gaben – ein Geist“ weiterlesen

Über alle Schranken hinweg

1.Korinther 11, 27 – 34

  27 Wer also unwürdig von dem Brot isst oder von dem Kelch des Herrn trinkt, der wird schuldig sein am Leib und Blut des Herrn.

             Das ist ein Satz, der viel Skrupel und Angst ausgelöst hat. Der die Praxis der Kirche tief beeinflusst hat: Vor der Feier des Mahles muss man sich würdig machen – beichten, nichts essen und trinken, nicht mit dem Ehepartner schlafen. Das alles so glaubte man, macht tendenziell unwürdig. ἀναξίως. Da ist aus einer verfehlten Art und Weise, das Mahl zu feiern plötzlich ein Qualitätszustand der Feiernden gemacht worden. Man kann als Person unwürdig sein

Was für eine verhängnisvolle Verschiebung. „Nur solche sollten das Mahl empfangen, die dafür „würdig“ sind. Dieses Missverständnis hat unendlich viel Scheu, wenn nicht gar Angst erzeugt, das Abendmahl zu empfangen.“ (W. Klaiber, aaO. S. 186f.) Verstärkt noch durch eine Praxis, die Mahlfeier an den Gottesdienst nur anzuhängen, nur für die wenigen, die sich dazu berechtigt fühlten. Und dann am besten auch nur ganz selten.

 28 Der Mensch prüfe aber sich selbst, und so esse er von diesem Brot und trinke von diesem Kelch. 29 Denn wer isst und trinkt und nicht bedenkt, welcher Leib es ist, der isst und trinkt sich selber zum Gericht.

            Selbstprüfung ist angesagt: Bin ich würdig? Bin ich innerlich auf Empfangen eingestellt? Entspricht mein Leben den Wertmaßstäben Gottes? So ist das jahrtausendlang wohl gelesen und auch verkündigt worden und hat entsprechend Angst gemacht. Aber: „Die Unwürdigkeit ist nicht – wie man sich das früher oft vorgestellt hat und wie es bis heute nachwirkt – die fehlende moralische Disposition oder innere Einstellung des einzelnen Mahlteilnehmers zum Sakrament.“ (W. Schrage, aaO.  S. 48) Wenn nur die „Würdigen“, nur die Reinen das Abendmahl mitfeiern dürften, es wäre von Jesus nicht gestiftet worden und es dürfte bis heute nicht ein einziges Mal gefeiert werden!

Paulus geht es um anderes: Das Mahl ist das Mahl, das mit Christus und untereinander verbindet. Zu einem Leib werden lässt. Das die Unterschiede – sozial, in der Herkunft und im Geschlecht begründet – überwindet und zweitrangig macht. Wer aber in der Praxis des Mahles an diesen Unterschieden festhält, sie durch die Art der Feier gar als gültig regelrecht zementiert, der missbraucht das Mahl. Der isst und trinkt sich zum Gericht.   „Über alle Schranken hinweg“ weiterlesen

Für Euch

1.Korinther 11, 23-26 

23 Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, 24 dankte und brach’s und sprach: 2 Das ist mein Leib für euch; das tut zu meinem Gedächtnis. 25 Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis.

             Es ist überraschend: diesem Missbrauch des Mahles, dieser verweigerten Gemeinschaft stellt Paulus zunächst einmal entgegen, dass er die Abendmahls-Überlieferung ins Blickfeld rückt. So hat Paulus es empfangen und so hat er es weitergegeben.  Darum geht es doch – dass das Abendmahl als Feier sich an dem orientiert, was vom Herrn herkommt. Es muss in den Worten, aber auch in der Weise, wie es gefeiert wird, dem Herrn entsprechen.

Vielleicht darf ich so formulieren: Paulus erinnert an die empfangenen Worte, um den Weg zu der Weise, wie das Mahl gefeiert wird, zu begründen. Wer sich an die Worte Jesu hält, der wird sich doch auch an dem Willen Jesu ausrichten müssen.

Es folgen die Einsetzungsworte – genauer die Ursprungserzählung des Mahles. Paulus ist dabei nahe bei den Worten, wie sie auch die Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas überliefern. Das ist in meinen Augen ein Hinweis, dass schon früh in der jungen Christenheit von diesem letzten Mahl Jesu mit seinen Jüngern nicht nur erzählt wird, sondern es als ein Grundelement des Glaubens in der Gemeinde gefeiert wird. Unter Rückgriff auf die Worte, die Jesus in der Nacht der Auslieferung gebraucht hat.   „Für Euch“ weiterlesen