Schlechte Botschaft für Gaffer

Obadja 1 – 21

1 Dies ist es, was Obadja geschaut hat.

            Obadja – schon der Name ist voller Bedeutung: Diener Jahwe. ebed jahwe. Der Namen kommt häufiger vor. So heißt ein Mitarbeiter des König Ahab so – einer, der für viele eine Hilfe Gottes ist: „Und Ahab rief Obadja, seinen Hofmeister – Obadja aber fürchtete den HERRN sehr; denn als Isebel die Propheten des HERRN ausrottete, nahm Obadja hundert Propheten und versteckte sie in Höhlen, hier fünfzig und da fünfzig, und versorgte sie mit Brot und Wasser.“(1. Könige 18, 3-4)

     Wir wissen nicht, wer der Prophet Obadja ist. Über seine Lebensumstände schweigt diese kleinste Schrift aus dem Zwölfprophetenbuch. Auch wann er lebt und seine Botschaften ausrichtet, ist nicht klar. Es gibt eine Nähe zu den Fremdvölker-Texten aus dem Buch Jeremia – Kapitel 49. Aber auch das erlaubt keine genaue zeitliche Einordnung.  

            Nur seine Botschaft ist wichtig. Seine Botschaft ist geschaut, eine „Schau“ – chazōn – Offenbarung. „Das Wort ist ein aramäisches Lehnwort für den Empfang eines Wortes Gottes durch den Propheten. Auch wenn es bei Nacht empfangen wird, ist es doch vom Traum zu unterscheiden.“(M. Holland, Der Prophet Obadja, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 1980, S. 238) Daran liegt viel, im Grund alles: „Es ist nicht das Wort und die Meinung eines Menschen, was die Gemeinde hört, sondern Gottes Wort.“(A. Weiser, Obadja, ATD 24, Göttingen 1967, S. 209) Was in unseren Ohren möglicherweise wie Anmaßung klingt – sind wir doch gewöhnt, immer nur menschliche Worte und menschliche Gedanken, religiöse Überzeugungen von damals zu hören, ist doch der Grund der Weitergabe dieser Worte über Jahrtausende hin. Im Menschenwort erreicht uns das Gotteswort. 

So spricht Gott der HERR über Edom: – Wir haben vom HERRN eine Botschaft gehört, ein Bote ist unter die Völker gesandt: Wohlauf, lasst uns wider Edom streiten! – 2 Siehe, ich habe dich gering gemacht und sehr verachtet unter den Völkern. 3 Der Hochmut deines Herzens hat dich betrogen, weil du in den Felsenklüften wohnst, in deiner erhabenen Höhe, und sprichst in deinem Herzen: Wer will mich zu Boden stoßen? 4 Wenn du auch in die Höhe führest wie ein Adler und machtest dein Nest zwischen den Sternen, dennoch will ich dich von dort herunterstürzen, spricht der HERR.

            Am Anfang heißt es: über Edom  Daraus wird dann Wort an Edom. Du – das ist das Brudervolk Israels. Israel besonders nahe durch den Stammvater Esau. Es sind die Nachkommen Esaus, die südlich vom Toten Meer wohnen. Das Wort ist beides – Botschaft an die Völker – als eine Warnung zu verstehen und als Gerichtswort an Edom. Beides überbringt der Bote – ist das Obadja?

            Was der Bote anzusagen hat, ist zukünftiges Geschehen. Auch über Edom kommt unsagbares Unheil. Der Prophet sagt es an, als sei es schon jetzt erfüllt. Siehe, ich habe dich gering gemacht und sehr verachtet unter den Völkern. perfectum propheticum nennen das die Theologen. Es steht schon fest, was werden wird, darum wird es als Perfekt benannt. Was bei Gott beschlossen ist, das ist abgeschlossen, unveränderlich.  

            Hochmut kommt vor dem Fall sagt das Sprichwort. Das ist das Geschick Edoms. Die sich sicher glauben, unangreifbar, durch ihr unzugängliches Gelände nicht zu besiegen, die ihr Nest zwischen den Sternen glauben, weit weg von aller Gefahr, die stürzen herab. „Aus Granit und Porphyrfelsen haben Wind und Wetter tiefe Schluchten mit Höhlen, Felsklüften gebildet: eine natürliche Bergfestung. Ihre Hauptstadt heißt Sela, ein Wortspiel mit den Felsklüften (chagwei sӕlaʽ)und heißt griechisch Petra. Fels.“(M. Holland, aaO. S. 241) Weil sie sich so sicher wähnen, ist die Fallhöhe so niederschmetternd hoch.  Es ist ihr Sicherheitsgefühl, das sie selbstsicher werden lässt. 

5 Wenn Diebe oder Räuber nachts über dich kommen – ach, wie bist du zunichtegeworden! – Werden sie nicht stehlen, bis sie genug haben? Und wenn Winzer über dich kommen, werden sie gar keine Nachlese übrig lassen?

Alles wird nichts nützen, wenn Diebe oder Räuber kommen. Sie werden das Volk ausplündern, bis es nackt ist. Ihr Maß ist nicht Menschlichkeit und Erbarmen, ihr Maß ist, bis sie genug haben. Nachihnen geht es grausam weiter. Was jetzt noch da ist, um ein karges Leben zu fristen, fällt dem Winzermesser zum Opfer. So wie ein Winzer gründliche Lese hält, so dass nichts mehr  für eine Nachlese bleibt, so wird Edom ausgelesen. Nichts bleibt übrig. Alles ist verloren. Söhne, Brüder, Nachbarn und Witwen und Waise bleiben schutzlos zurück.   

6 Ach, wie ist Esau durchsucht, wie sind seine Verstecke aufgespürt! 7 Alle deine Bundesgenossen haben dich bis zur Grenze zurückgetrieben. Alle deine Vertrauten haben dich betrogen und überwältigt; die dein Brot essen, haben dich verraten. – Esau hat keine Einsicht. – 8 Was gilt’s?, spricht der HERR, ich will zur selben Zeit die Weisen in Edom zunichtemachen und die Klugheit auf dem Gebirge Esau. 9 Auch deine Starken, Teman, sollen verzagen, auf dass alle auf dem Gebirge Esau ausgerottet werden.

            Ausgeplündert, so dass nichts mehr bleibt als das nackte Leben. Die Verstecke sind gefunden und geplündert. Alle früheren Bundesgenossen haben sich gegen das Volk gestellt. Alle Vertrauten haben sie verlassen, sie sind betrogen in ihrem Vertrauen. Was für eine bittere Erfahrung: „Freundschaft dauert nur solange, als sie durch Macht und Erfolg gestützt ist um in der Not in ihr Gegenteil umzuschlagen.“(A. Weiser, aaO. S. 211)

            Die Worte, die hier stehen, haben ein Echo weit ins Neue Testament hinein. Die dein Brot essen, haben dich verraten. Dieser Satz taucht variiert in der Passionserzählung auf „Jesus sprach: Wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch, der mit mir isst, wird mich verraten.“(Markus 14,19) Paulus wird Jesaja zitieren: „Denn es steht geschrieben (Jesaja 29,14): »Ich will zunichtemachen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen.«(1. Korinther 1,19. Er hätte genauso gut Obadja zitieren können: Ich will zur selben Zeit die Weisen in Edom zunichtemachen und die Klugheit auf dem Gebirge Esau. Es ist eine politische und geistliche Erfahrung in Israel, die sich tief ins kollektive Gedächtnis eingegraben hat: Gott erniedrigt die Hochmütigen.

10 Um des Mordens willen, um der Gewalttat, an deinem Bruder Jakob begangen, sollst du zuschanden werden und für immer ausgerottet sein. 11 Zu der Zeit, als du dabeistandest und sahst, wie Fremde sein Heer gefangen wegführten und Ausländer zu seinen Toren einzogen und über Jerusalem das Los warfen, da warst auch du wie einer von ihnen. 12 Du hättest nicht herabsehen sollen auf deinen Bruder zur Zeit seines Elends und dich nicht freuen über die Söhne Juda zur Zeit ihres Untergangs und mit deinem Mund nicht so stolz reden zur Zeit der Not. 13 Du hättest nicht zum Tor meines Volks einziehen sollen zur Zeit seines Verderbens, gerade du nicht herabsehen auf sein Unglück zur Zeit seines Verderbens, nicht nach seinem Gut greifen zur Zeit seines Verderbens. 14 Du hättest nicht stehen sollen an den Fluchtwegen, um seine Entronnenen zu morden, seine Übriggebliebenen nicht ausliefern sollen zur Zeit der Not.

            Auf den ersten Blick wirkt es so, als würde Edom des Mordens und der Gewalttaten gegen Jakob, also gegen Israel beschuldigt. Gewalt gegen das Brudervolk. Aber das ist nicht so. Es gibt keinen Krieg Edoms gegen Israel. Aber es gibt Schlimmeres: Dabeistehen – zuschauen wie Fremde  – herabsehen – Schadenfreude – sich an ihrem Gut vergreifen. Es ist eine lange Liste, die sich liest wie heutzutage eine Liste der Vergehen von Gaffern bei Unglücksfällen. Sie aus Edom stehen da und schauen zu, weiden sich am Unglück Israels. Sie rühren keine Hand für das Brudervolk.    

            Es ist „die sittliche Verpflichtung gegenüber dem Brudervolk, die zugleich eine Verpflichtung Gott gegenüber einschließt die besonders hervorgehoben wird.“(A. Weiser, aaO. S. 211)  Man kann durchaus auf die Idee kommen: die schlimmste aller Untaten ist die unterlassene Hilfeleistung, die verweigerte Solidarität in der Not. Nichtstun wird so zur Anklage gegen Edom. Da wirkt der Schluss fast wie ein Nachtrag, der nur noch Abschluss einer Schandliste ist: Statt die Flüchtenden zu schützen sind sie ausgeliefert worden an die Feinde. Mehr noch: Manche sind auf der Flucht ermordet worden. Unwillkürlich hat der Leser heute die Schleuserbanden vor Augen, die ihr Geschäft mit der Angst und dem Unglück von Flüchtlingen machen.

            Sprachlich ist es möglich, diesen ganzen Anklage-Katalog ab V. 12 als Anklage über vergangenes Geschehen zu lesen oder als Warnung vor zukünftigen Tagen und Taten. „In der merkwürdigen Form einer Warnung vor dem, was Edom getan hat, werden ihm noch einmal alle seine Sünden vorgehalten, als ob es sich noch einmal zwischen gut und böse entscheiden könnte, wo es doch schon das Böse getan hat.“(A. Weiser, aaO. S. 212) Es ist wohl wirklich so: Die Vergangenheit hat einen offenen Rand in die Zukunft hinein und es steht zu erwarten, dass Edom wiederholen könnte, was es zuvor getan hat.

Insofern steht Edom auch jetzt, in diesen Worten wieder am „Scheideweg“ – pӕrӕk – am „Ausschlupf“(Übersetzung Weiser, aaO. S. 209), so besser statt Fluchtweg. Es geht nicht darum, sie festzulegen und festzunageln auf ihre alten Wege. Sondern es geht im Gegenteil darum, sie von diesen alten Wegen wegzurufen. Alle Gerichtsworte der Propheten Israels wollen nicht Vergangenheit festschreiben, sondern neue Zukunft eröffnen, indem sie zu neuem Handeln rufen.    

15 Denn der Tag des HERRN ist nahe über alle Völker. Wie du getan hast, soll dir geschehen, deine Tat fällt auf deinen Kopf zurück. 16 Denn wie ihr auf meinem heiligen Berge getrunken habt, so sollen alle Völker täglich trinken; ja, sie sollen’s saufen und ausschlürfen und sollen sein, als wären sie nie gewesen.

            Das ist der Horizont, in dem alle Worte Obadja stehen. Denn der Tag des HERRN ist nahe über alle Völker Es ist ein Tag der Abrechnung. Die Taten fallen auf die Täter zurück. „Jede böse Tat setzt eine Macht in Bewegung, die auf den Täter zurückfällt. Jede Sünde trägt die Strafe in sich.“(M. Holland, aaO. S. 250) Es ist richterliche Anwendung des Tun-Ergehens-Zusammenhangs. Alles Tun trägt seine Folgen in sich – und sie holen den ein, der es tut. Wer Gutes tut, empfängt auch wieder Gutes. Wer Böses tut, der muss sich nicht wundern – es fällt auf ihn zurück. Dieses Denken ist ein wesentlicher Baustein im weisheitlichen Denken Israels über eine gerechte Welt.   

            So sieht Obadja die Welt: „Die Geschichte ist für ihn durchwaltet von Gottes Gerechtigkeit; keine Sünde gegen seinen Willen bleibt in dieser Geschichte ungesühnt; und in diesem Sinne ist die Weltgeschichte auch das Weltgericht.“ (A. Weiser, aaO. S. 212) Es braucht also keine großartige Gerichtsszenerie. Das Gericht wohnt dem Tun sozusagen von selbst inne.  

            Es bleibt die Frage, wer mit diesen Worten angesprochen ist: Israel oder doch Edom? Es liegt nahe, die Worte an Edom gerichtet zu sehen, obgleich dann die Aussage: Denn wie ihr auf meinem heiligen Berge getrunken habt… schwer verständlich wird. Diese Aussage würde besser auf Juda passen und sich verbinden lassen „mit der Vorstellung des Zornesbechers Jahwes, den Juda hat trinken müssen.“(A. Weiser, aaO. S. 213) Wirwissen nichts davon, dass Edom oder Edomiter auf den Tempelberg ein Freudenfest über den Untergang Israels gefeiert hätte.

Es klingt, als wäre anderes gemeint und der Blickwinkel müsste geweitet werden, nicht nur auf Edom fixiert: „Haben Israels Feinde bei einem Sieg im Tempel zur Demütigung des Gottes Israels eine Siegesfeier veranstaltet? Bei dieser Gelegenheit mag es hoch hergegangen sein.“ (M. Holland, ebda.) Ganz so, wie es ein anderes Prophetenbuch aus Babylon zu berichten weiß: „König Belsazar machte ein herrliches Mahl für seine tausend Mächtigen und soff sich voll mit ihnen. Und als er betrunken war, ließ er die goldenen und silbernen Gefäße herbringen, die sein Vater Nebukadnezar aus dem Tempel zu Jerusalem weggenommen hatte, damit der König mit seinen Mächtigen, mit seinen Frauen und mit seinen Nebenfrauen daraus tränke. Da wurden die goldenen und silbernen Gefäße herbeigebracht, die aus dem Tempel, aus dem Hause Gottes zu Jerusalem, weggenommen worden waren; und der König, seine Mächtigen, seine Frauen und Nebenfrauen tranken daraus. Und als sie so tranken, lobten sie die goldenen, silbernen, bronzenen, eisernen, hölzernen und steinernen Götter.“(Daniel 5, 1 – 4)

Und auch hier wieder; gar kein aktives Mitmachen, keine eigene Verantwortung für das Fest. Nur dabei sein, zusehen, nicht auf Abstand gehen. Die Folge ist furchtbar: sie werden diesen Taumelkelch nicht mehr los. Erst wollten sie trinken – jetzt müssen sie saufen. Ohne Ende bis zum Untergang. Bis zur Selbstvernichtung.  Es ist die tragische Geschichte des Alkoholikers, der keinen Ausstieg mehr findet aus seiner Sucht.

17 Aber auf dem Berge Zion wird Rettung sein, und er soll heilig sein, und das Haus Jakob soll seine Besetzer besitzen. 18 Und das Haus Jakob soll ein Feuer werden und das Haus Josef eine Flamme, aber das Haus Esau Stroh; das werden sie anzünden und verzehren, sodass vom Hause Esau keiner entrinnen wird; denn der HERR hat’s geredet.

            Inmitten des Chaos gibt es so etwas wie eine Rettungsinsel: den Berg Zion.  Der ist und bleibt heilig. Weil er Gottes ist. Nicht weil Israel plötzlich gut wäre. „Es ist die Hoffnung, die seit Jesaja lebendig war, dass Gottes Gegenwart die Heiligkeit, die Unantastbarkeit des Zion gewährleistet, so dass der Zion zum Zufluchtsort wird, der unter Gottes Schutz steht.“ (A. Weiser, ebda.) Rettung ist das eine. Vergeltung das andere. Das vor dem Untergang bewahrte Israel wird zum Werkzeug: „Gott benützt sein Volk für das Gericht.“(M. Holland, aaO. S. 255) Das ist ein Gedanke, vor dem ich instinktiv zurückschrecke. 

            Er schmeckt mir zu sehr nach Vergeltung. Und ich habe vor Augen, dass solche Gerichtswerkzeuge in der Weltgeschichte fast immer überziehen. Es bleibt so gut wie nie bei „Auge um Auge, Zahn um Zahn.“(2. Mose 21,4) Fast immer wohnt solchen Vergeltungsschlägen eine Maßlosigkeit inne, die Vernichtung meint,  sodass vom Hause Esau keiner entrinnen wird. Und das alles im Namen Gottes. Das widerstrebt mir und widerspricht meiner Erfahrung Gottes, der will, dass auch die Schuldigen leben.    

19 Und die im Südland werden das Gebirge Esau besitzen und die im Hügelland das Land der Philister. Ja, sie werden das Gefilde Ephraims und das Gefilde Samarias besitzen und Benjamin das Gebirge Gilead. 20 Und die Weggeführten von Israel werden das Gebiet der Kanaaniter bis nach Sarepta besitzen, und die Weggeführten von Jerusalem, die in Sefarad sind, werden die Städte im Südland besitzen.

            Es folgen Besitzansprüche – auf den Negev, Südland, auf die Schefola, Hügelland, auf die Landschaften Samarias bis hin nach Gilead. Das liest sich wie eine Liste, die die heutige Siedlerbewegung des Staates Israel zusammengestellt hat. Es sind solche Texte, auf die sich die Siedler berufen, wenn sie in Palästinenser-Gebiete des Westjordanlandes ihre Siedlungen bauen. Sie sind „bescheiden“: das Ostjordanland, Gilead, das heutige Jordanien lassen sie in Ruhe. 

21 Und es werden die Geretteten auf den Berg Zion ziehen, um das Gebirge Esau zu richten, und die Königsherrschaft wird des HERRN sein.

            Es wirkt versöhnlich: Am Ende geht es nicht mehr um Territorial-Zugewinn, nicht mehr um Sieger und Besiegte. Am Ende steht nur noch eines: die Königsherrschaft des HERRN. „Die Hoffnung auf das Walten des gerechten Gottes mündet hier ein in den Gedanken des Gottesreiches.“(A. Weiser, aaO. S. 214) In den Worten des Neuen Testamentes klingt diese Hoffnung so:  „Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, auf dass Gott sei alles in allem.“(1. Korinther 15,28) Die Siegesgeschichten sind auserzählt. Übrig bleibt nur die unendliche Geschichte seiner Gegenwart, die alles erfüllt.   

„Heilig bist du, Ursprung der Welt.                                                                                   Heilig bist du, Ziel aller Wege.                                                                                          Heilig bist du, ewige Gegenwart.“                       J. Zink

Zum Weiterdenken

             Alle verweigerte Solidarität wird auf Edom zurückfallen. Sie werden am eigenen Leib erfahren, als Volk und als einzelne, wie das ist, unter Gewalt zu geraten, die keine Zurückhaltung und kein Erbarmen kennt. In der nüchternen Sprache theologischer Formeln: Hier wird der Tun-Ergehen-Zusammenhang durchgespielt. Ein Denken, das die Weisheit Israels, die später ist als die Prophetie prägt. „Alle Schuld rächt sich auf Erden.“ So hat es das deutsche Volk schmerzhaft im Untergang der Jahre 1944-45 erfahren. So wird hier Edom angesagt. Die Überzeugung hinter diesem Denken: Es ist Gott, der diesen Mechanismus in Kraft setzt – oder muss man sagen: In Kraft gesetzt hat. Das alles, was Obadja sieht und sagt, wird geschehen, weil Gott es so Edom angesagt hat. So spricht Gott der HERR. Gott macht wahr, was er ansagt. Sein Wort ist wirkendes Wort. Und er lässt nicht auf sich beruhen, wie fremde Völker mit seinem Volk umgehen. Auch das ist eine schmerzhafte Erfahrung des deutschen Volkes im Untergang. 

 

Du Heiliger Gott, Du willst nicht, dass wir wegsehen, dass wir nur zusehen, dass wir uns unbeteiligt raushalten. Du willst nicht, dass wir Gaffer sind, die Hilfe schuldig bleiben, dem Mitgefühl nicht folgen. Du willst uns an der Seite derer, die geplagt sind, deren Recht mit Füßen getreten wird.

Du willst, dass wir unsere Stimme für die erheben, die längst schon überstimmt sind. Mache uns mutig, für unsere Schwestern und Brüder einzutreten, weil wir an Dich und Deine kommende Herrschaft glauben. Amen