Vertrauen, das zutraut

Tobias 9, 1 – 6

1 Da rief Tobias Rafaël herbei und sprach zu ihm: 2 Bruder Asarja, nimm dir vier Knechte und zwei Kamele und ziehe nach Rages. Dort geh zu Gabaël, leg ihm die Unterschrift vor, hole das Silber und bringe ihn mit zu meiner Hochzeit. 3-4 Denn du weißt, dass mein Vater die Tage zählt, und wenn ich auch nur einen Tag zu lange fortbliebe, würde ich ihn sehr betrüben. Ich muss hierbleiben, denn du siehst ja, wie sehr mich Raguël gebeten hat, sodass ich’s ihm nicht abschlagen kann.

             Merkwürdig, auffällig. Tobias ist jetzt doch irgendwie auf der Erde gelandet. Er will bleiben. Bei Raguël, vielleicht aber ja auch bei Sara. Darum soll Rafaël jetzt die Reise zu Ende bringen. Er soll den Weg nach Rages auf sich nehmen und das Silber holen. Zur Legitimation gibt er ihm die Unterschrift mit – den Scheck, würden wir heute sagen. Das ist viel Vertrauen. Aber nicht nur das Silber soll Rafaël holen. Er soll auch Gabaël mitbringen. Das alles muss jetzt rasch gehen, weil doch der blinde Vater zu Hause ungeduldig warten wird. Denn das weiß Tobias: mein Vater zählt die Tage.  

 5 Da zog Rafaël mit vier Knechten und zwei Kamelen nach Rages in Medien, und sie nahmen bei Gabaël Herberge. Und Rafaël zeigte ihm die Unterschrift und berichtete ihm, dass Tobias, der Sohn des Tobit, eine Frau genommen habe und ihn zur Hochzeit einlade. Da stand Gabaël auf und zählte ihm die versiegelten Beutel vor, und sie luden sie auf. 6 Und früh am Morgen brachen sie gemeinsam auf und machten sich auf den Weg zur Hochzeit. Als sie in das Haus Raguëls kamen, fanden sie Tobias bei Tisch.

             Rafaël tut, wes ihm aufgetragen ist und hat Erfolg. Er findet Gabaël, händigt ihm die Legitimation aus und es geschieht alles, wie geplant. Gabaël händigt das Silber aus und macht sich seinerseits mit auf den Weg zur Hochzeit. Alles, als Gabaël schon immer auf diesen Augenblick gewartet. Schritt für Schritt – es geschieht alles wie nach Plan.

Die Reise verläuft ohne Hindernisse. Sie kommen an, als Tobias bei Tisch sitzt.

Der sprang auf und begrüßte Gabaël, und er weinte und segnete ihn und sprach zu ihm: Du Guter und Edler, Sohn eines guten, edlen, gerechten und barmherzigen Mannes! Der Herr gebe dir und deiner Frau und auch deinem Vater und der Mutter deiner Frau den Segen des Himmels. Gelobt sei Gott, dass ich in dir meinen Vetter Tobit sehe, so ähnlich bist du ihm!

Der Empfang Gabaëls durch Tobias ist ausgesprochen herzlich. So dass der so herzlich Empfangene ihn mit guten Worten und Segenswünschen geradezu überhäuft. Es kennzeichnet die ganze Erzählung: immer wieder Segensworte.

Was mich beschäftigt:

Der Auftrag  an Rafaël ist ein Zeichen gewachsenen Vertrauens. Tobias hat auf dem Weg nach Medien seinen Begleiter als einen kennengelernt, dem er vertrauen kann, der es gut mit ihm meint. Der ehrlich ist, ohne Hintergedanken. Der nichts für sich sucht und will, sondern alles für Tobias. So kann er ihm auch diesen Auftrag geben. Auf Treu und Glauben. Weil er weiß, das Rafaël mit dem anvertrauten Silber nicht in den Weiten hinter Rages verschwinden wird.

„Vertrauen ist der Anfang von allem.“ war einmal der Slogan einer Bank, die in der Zwischenzeit viel Vertrauen, viel Kredit verspielt hat. Trotzdem ist es wahr – ohne Vertrauen können wir nicht leben, werden wir zu Gefangenen unserer Ängste. Aus Vertrauen aber erwächst Freiheit.

 

Mein Gott und Herr, lehre mich das Vertrauen, auf Dich  zuerst, auf Dein Wort, in Deinen guten Willen. Lehre mich dann auch das Vertrauen, das auf Menschen traut, auf ihren guten Willen, auf ihre Treue und Redlichkeit, das nicht im Misstrauen erstickt, das allen Erfahrungen von Enttäuschungen standhält.

Lehre mich das Vertrauen, das nie aufgibt, weil Du uns ja auch nie aufgibst. Amen