Hoffnung für das Würmlein

Jesaja 41, 14 – 20

14 Fürchte dich nicht, du Würmlein Jakob, du armer Haufe Israel. Ich helfe dir, spricht der HERR, und dein Erlöser ist der Heilige Israels.

             Alle Furcht muss weichen, wo der Herr auf dem Plan ist, wo er Partei ergreift, für sein Volk – und sei es auch nur wie ein Wurm, „klein und schutzlos und von jedermann zu zertreten.“ (H.J. Kraus, ebda.) Das ist das Mittel gegen die Furcht, damals und auch heutzutage, dass Gott festhält, dass er sich seiner Leute annimmt, dass er diese Welt nicht fallen und fahren lässt. Dass er sich nach unten beugt, zu denen, die im Machtpoker der Mächtigen nicht wirklich zählen.

Bei ihm zählen sie, weil er sie zählt. Mir erscheint es wichtig: Fürchte dich nicht ist kein Ruf in die Furchtlosigkeit. Aber es ist ein Ruf, der der Furcht den Boden entzieht. Es ist der Ruf in eine Beziehung, zu dem, der stärker ist als alles, was das Fürchten lehrt. Damals und heute. Das ist das Herzstück dieser Aufforderung: Sie ist verbunden mit der Zusage und in ihr begründet: Ich bin bei dir. Ich helfe dir. Ich halte dich. Es sind alte, geprägte Worte, die der Prophet hier neu vernimmt, aus dem Mund Gottes.  Die er jetzt weitersagt, um zu stärken, um zu stützen, um zu helfen. Damit diese Worte nicht in der Luft hängen, braucht es den Hinweis auf den, der sie sagt:  Weil der HERR Gott ist, der Erlöser, darum muss die Furcht weichen. „Hoffnung für das Würmlein“ weiterlesen

Gottes Wahl gilt

Jesaja 41, 8 – 13

8 Du aber, Israel, mein Knecht, Jakob, den ich erwählt habe, du Spross Abrahams, meines Geliebten, 9 den ich fest ergriffen habe von den Enden der Erde her und berufen von ihren Grenzen, zu dem ich sprach: Du sollst mein Knecht sein; ich erwähle dich und verwerfe dich nicht -,

             Es ist ein überaus deutlicher Blickwechsel. Mitten in der Gerichtsverhandlung wendet sich der HERR jetzt Israel, seinem Knecht Jakob zu. Der bis dahin irgendwie unbeachtet scheint. Jetzt aber, schon mit der Anrede, erneuert Gott uralte Zusagen, indem er an sie erinnert. An Jakob: „Und siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land. Denn ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe.“(1. Mose 28,15) An Abraham: „Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“(1. Mose 12,3) Wie sollte Gott den Spross Abrahams fallen lassen – würden doch damit seine Worte und Verheißungen auch fallen. So ist dieses Wort auch ein Wort, das von der Treue Gottes zu sich selbst spricht.

Es gibt – so diese Sätze – eine Geschichte der Erwählung. Angefangen hat sie bei Abraham, weiter geführt ist sie an Jakob, durchgehalten an Israel. Erwählt, fest ergriffen, berufen immer geht es um das, was Gott getan hat. Darum bleibt es auch dabei: Was auch immer mit Jakob geschehen sein mag – Israel ist kein verworfenes Volk. Es hat sich nichts geändert: Du sollst mein Knecht sein. Das ist auch ein Widerspruch gegen Worte und Gedanken, wie sie wohl im Volk umlaufen: `Wir sind von Gott verworfen, gottverlassen.´ Aber Gott hat sich nicht für immer abgewendet. Er gibt es nicht preis.  Sondern er hält es fest. Seine Wahl bleibt gültig. „Gottes Wahl gilt“ weiterlesen

Anbetung – für wen?

Jesaja 41, 1 – 7

 Die Inseln sollen vor mir schweigen und die Völker neue Kraft gewinnen! Sie sollen herzutreten und dann reden! Lasst uns miteinander rechten!

Eine Aufforderung zur Verhandlung, zum öffentlichen Streit. Zum Gerichtsverfahren zwischen Gott und seinem Volk. Das ist eine feste Form, die sich auch im Jesaja-Buch noch wiederholen wird: 43, 8 – 15; 44,6 – 8; 45,20 – 25. Gott scheut die Debatte nicht, auch den Rechtsstreit nicht. Er hat nichts zu verbergen. Er stellt sich den Anfragen.

  2 Wer lässt den von Osten her kommen, dem Heil auf dem Fuße folgt, vor dem er Völker und Könige dahingibt, dass er ihrer mächtig wird? Sein Schwert macht sie wie Staub und sein Bogen wie verwehte Spreu. 3 Er jagt ihnen nach und zieht unversehrt hindurch und berührt den Weg nicht mit seinen Füßen.

            Das ist das Thema, das zur Debatte steht: Wer setzt  Geschehen in der Geschichte in Gang? Es sind deutliche Anspielungen, auf Kyros, den Perserkönig. Auch wenn sein Name nicht genannt wird. „Die Beschreibung hebt die unglaubliche Schnelligkeit und scheinbar Leichtigkeit der ersten Eroberungen des Kyros hervor.“(C. Westermann, aaO. S. 55) Dass dieser König auftritt, erweckt ist (so kann das Kommen in 2 auch übersetzt werden!) folgt einem Plan Gottes. Einem Plan, der auf Heil zielt. Auf Gerechtigkeit. In dem das Trösten Israels seinen Anfang nimmt. „Anbetung – für wen?“ weiterlesen

Sternenglanz und Adlersflügel

Jesaja 40, 26 – 31

 26 Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.

             Schaut den Himmel. Schaut die Sterne. Es ist wohl kein Zufall: So hat der HERR schon einem mutlosen Abraham, der keine Zukunft mehr glauben konnte, Mut gemacht.  „Und er ließ ihn hinausgehen und sprach: Sieh gen Himmel und zähle die Sterne; kannst du sie zählen? Und sprach zu ihm: So zahlreich sollen deine Nachkommen sein!“ (1. Mose 15,5) Wenn Sterne zu etwas taugen, dann sind sie Mutmacher für mutlose Leute.

Das sind Worte in einem Umfeld, das der Astrologie so große Bedeutung zumisst. „Diese Worte, in Babylon gesprochen, sind ein Angriff auf der ganzen Linie….Die Gestirne, die in Babylon die Herren sind als oberste Götter, sind Geschöpfe, nichts als Geschöpfe.“ (C. Westermann, aaO.  S. 50) Alles, was da am Himmel glänzt und leuchtet und funkelt, folgt dem Rufen Gottes.  Die Sterne haben keine Macht über das Leben. Sie werden gerufen, von dem, der der Herr ist.

Es ist Kinder-Theologie, die gut ist zur Entmythologisierung, zur Befreiung von Erwachsen aus ihrer Abhängigkeit von den Sternen:

Weißt du, wie viel Sternlein stehen an dem blauen Himmelszelt?
Weißt du wie viel Wolken gehen weithin über alle Welt?
Gott, der Herr, hat sie gezählet, dass ihm auch nicht eines fehlet,
an der ganzen großen Zahl.                              W. Hey 1837, EG 511
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Gott der Herr – unvergleichlich

Jesaja 40, 12 – 25

 12 Wer misst die Wasser mit der hohlen Hand, und wer bestimmt des Himmels Weite mit der Spanne und fasst den Staub der Erde mit dem Maß und wiegt die Berge mit einem Gewicht und die Hügel mit einer Waage? 13 Wer bestimmt den Geist des HERRN, und welcher Ratgeber unterweist ihn? 14 Wen fragt er um Rat, der ihm Einsicht gebe und lehre ihn den Weg des Rechts und lehre ihn Erkenntnis und weise ihm den Weg des Verstandes?

             Fragen über Fragen. Der ganze Abschnitt wird von solchen Fragen geprägt. Manche erscheinen wie „rhetorische Fragen“(C. Westermann, aaO. S. 42), nicht wirklich echt, sondern nur um der erwarteten Antworten willen gestellt. Was will man auch auf dieses „Wer“ antworten? Es liegt auf der Hand: Niemand. Keiner ist Gott gewachsen – und sich als Ratgeber Gottes zu fühlen, wäre die blanke Anmaßung.

Es drängt sich Erinnerung an das Hiob-Buch auf. „Und der HERR antwortete Hiob aus dem Wettersturm und sprach: Wer ist’s, der den Ratschluss verdunkelt mit Worten ohne Verstand? Gürte deine Lenden wie ein Mann! Ich will dich fragen, lehre mich! Wo warst du, als ich die Erde gründete? Sage mir’s, wenn du so klug bist! Weißt du, wer ihr das Maß gesetzt hat oder wer über sie die Richtschnur gezogen hat?“ (Hiob 38, 1 – 5) Da wird Hiob mit diesen Fragen in seine Schranken verwiesen. Aber wer wird hier von dem Propheten im Auftrag Gottes so gefragt? Geht es denn auch hier um das Verweisen „unbotmäßiger Gedanken“ in die ihnen gebührenden Schranken? Ist die Resignation so ein Gott gegenüber ungebührliches Denken? Vielleicht aber dient dieses Stakkato von Fragen ja ganz im Gegenteil der Ermutigung! Alle Infrage-Stellungen des HERRN werden durch sein Fragen ausgekontert. Das wird sich zeigen müssen. „Gott der Herr – unvergleichlich“ weiterlesen