Reserviert – Gottes Lohn

Matthäus 19, 16– 30

16 Und siehe, einer trat zu ihm und fragte: Meister, was soll ich Gutes tun, damit ich das ewige Leben habe?

Es steht offensichtlich außer Frage: Es geht ums Tun. Nicht um richtiges Bekenntnis,  auch nicht um Gläubigkeit, um eine innere Haltung. Nicht um Frömmigkeits-Übungen. Die Frage unterstellt: Es gibt Gutes, γαθν,  das getan werden soll, das den Weg zum Himmel öffnet.  Davon geht der Fragende aus: Jesus kann über dieses Gute Auskunft geben. Er, der ein Lehrer ist.

In der Frage meldet sich eine Sehnsucht, die er nicht in sich selbst hineingelegt hat, die auch nicht anerzogen ist  – diese Sehnsucht kommt aus Gott. Es ist die Sehnsucht nach dem Leben, das gültig ist, auch wenn es durchkreuzte Hoffnungen und Pläne gibt, das bleibt, auch wenn wir loslassen müssen, was uns wichtig war, das seine Erfüllung findet über die Zeit hinaus, in der Ewigkeit bei Gott. In der Sehnsucht nach diesem Leben spüre ich mich verwandt mit dem Fragenden.

17 Er aber sprach zu ihm: Was fragst du mich nach dem, was gut ist? Gut ist nur Einer. Willst du aber zum Leben eingehen, so halte die Gebote. 18 Da fragte er ihn: Welche? Jesus aber sprach: »Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis geben; 19 ehre Vater und Mutter« (2.Mose 20,12-16); und: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3.Mose 19,18).

             Jesus geht auf die Frage und damit auch auf den Fragensteller ein. Es hört sich so an, als würde er sagen: Das weiß doch jeder Jude, was das Gute ist. „Was gut ist, ist längst bekannt.“(U. Luz, aaO. S. 122)Und stellt zusätzlich klar: Gut ist nur Einer. Damit wird sichtbar: „Das Gute ist keine abstrakte Größe, es erschöpft sich auch nicht in einer Summe einzelner guter Taten.“(W. Klaiber, aaO.  S.66)Die Frage nach dem Guten, das zu tun ist, kann nur Antwort finden in der Hinwendung zu dem einen Guten, zu Gott. Allein was ihm entspricht, kann sich dem Guten annähern.

Damit ist aber nicht alles gesagt: Willst du aber zum Leben eingehen, so halte die Gebote.  Das ist ja der Weg, den der gute Gott seinem Volk eröffnet hat.  Es ist der Weg, in dem auch der Frager unterwiesen worden ist. Der ihm vertraut ist von Jugend an. Diesen Weg hat er erklärt bekommen in der Vorbereitung auf die bar wizwa, seiner Aufnahme in den Kreis der gottesdienstfähigen Männer. Mit dieser Generalaussage – die Gebote – ist doch alles gesagt. Aber die Antwort lässt den Jüngling zurückfragen: Welche Gebote denn? Geht es nicht ein wenig konkreter?

Darum geht Jesus doch noch einmal weiter auf den Fragenden ein – und zählt auf. . Aus den Geboten des Dekalog. Das, was jeder Jude weiß und kennt. Und setzt noch das Gebot der Nächstenliebe dazu. In der Spur dieser Gebote gilt es zu leben. Sie zu halten.  Halten ist nicht nur kennen und aufsagen können, sondern sich entsprechend verhalten. Sich engagieren. Tun. Und: es erfordert Anstrengung und geht nicht mühelos.

  20 Da sprach der Jüngling zu ihm: Das habe ich alles gehalten; was fehlt mir noch?

             Die Antwort des jungen Mannes – erst hier erfahren wir, dass es ein junger Mann ist – geht auf Jesu Sprachgebrauch ein. φλαξαDas habe ich bewacht. In Ehren gehalten. Behütet.“Das sind alles mögliche Übersetzungen, die ein Hinweis geben auf den ganzen Einsatz, zu dem der junge Mann bereit ist.

Aber, es ist, allem bereits geleisteten Einsatz zum Trotz, als würde er spüren: das alles reicht nicht. „Er ist nicht der selbstsichere Gesetzesmensch, der meint, mit Gott im Reinen zu sein, wenn er alle Gebote, wenigstens äußerlich gehalten hat.“(W. Klaiber, aaO.  S.67) Da ist eine Ahnung, dass noch etwas Anderes ins Spiel kommen muss. 

  21 Jesus antwortete ihm: Willst du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm und folge mir nach!

             Seltsam: Jesus sagt nicht: Das ist aber kühn, was du von dir selbst sagst. Er zieht es nicht in Zweifel, dass er alles gehalten hat, sogar die Nächstenliebe. Sondern er gibt ihm Antwort auf die Frage nach dem „Mehr“, nach dem, was noch fehlt.

Es ist wichtig zu klären, was „vollkommen“ ist. τλειος. Eine Hilfe bietet das Wort aus der Bergpredigt – im Zusammenhang mit dem Gebot der Nächstenliebe. Da heißt es: „Ihr sollt vollkommen sein gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist.“(5,48) Wo wir hören: vollkommen= perfekt, ist im Sinn des Matthäus zu hören: ungeteilt, ganz hingegeben. Den Schritt des Vertrauens bis zum Äußersten wagen, bis in die Preisgabe aller Sicherheiten.

Wir hören zu wenig, wenn wir hängen bleiben bei verkaufe, was du hast, und gib’s den Armen, bei dem Bravourstück der Besitzlosigkeit. Denn der junge Mann empfängt ja auch eine Zusage:  so wirst du einen Schatz im Himmel haben. Das ist das Ziel. Das war ja auch das Ziel seiner Frage: Wie gewinne ich den Himmel?

Weit darüber hinaus erhält der  junge Mann auch eine Einladung für die Gegenwart, jetzt, hier und heute: und komm und folge mir nach! Jesus bietet ihm Gemeinschaft an. Sein mit ihm. Teilen seiner Zeit. Teilen seiner Freude. Ein Leben, das den Schritt über das Haben hinaus wagt, in die Freiheit, in die Freundschaft, auf den Weg, auf dem er ärmer wird an Dingen, aber reich an Zuwendung und geteilten Leben.

Jesus lädt ihn ein: Lass dich beschenken von mir. Lass dich beschenken mit meiner Liebe. Lass dich beschenken mit meiner Vergebung. Lass dich beschenken mit meiner Freundschaft. Lass dich beschenken mit meiner Gemeinschaft. Lass dich beschenken – lass es Dir gefallen, dass du nichts brauchst als leere Hände.

  22 Als der Jüngling das Wort hörte, ging er betrübt davon; denn er hatte viele Güter.

             Woran scheitert der junge Mann? Es könnte auch sein, er scheitert daran, dass Besitz gegenständlich ist, vorzeigbar, anschaulich, während Gemeinschaft immer nur einen Augenblickserfahrung ist, nicht festzuhalten, sondern nur zu leben. Oder scheitert er einfach daran, dass er zu früh aufgehört hat, zuzuhören, dass er nur die Forderung gehört hat, nicht aber die Einladung, nur den Anspruch, nicht aber das Versprechen?

  23 Jesus aber sprach zu seinen Jüngern: Wahrlich, ich sage euch: Ein Reicher wird schwer ins Himmelreich kommen. 24 Und weiter sage ich euch: Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme.

             Jesus sieht eine Ursache darin, dass ihn sein Besitz festhält. Dass er gebunden ist an das, was er hat, dass es ihn hat. Dass er nicht mehr frei ist.  Es ist die Gefahr des Reichtums, die hier wieder sichtbar wird: „Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“(6,24) heißt es in der Bergpredigt. Und es ist, als würde dieser Satz jetzt in einer Erzählung bewahrheitet.

Die allgemeinen Sätze Jesu machen deutlich. Hier wird nicht von einem Defekt des jungen Mannes gesprochen. Er wird nicht irgendwie moralisch abgeurteilt. Es geht nicht um seine Charakterschwäche, die ihn nicht loslassen lässt. „Der Reichtum macht es Menschen schwer, sich ganz auf Gott einzulassen und sich ihm völlig anzuvertrauen.“(W. Klaiber aaO. S.69)

 25 Als das seine Jünger hörten, entsetzten sie sich sehr und sprachen: Ja, wer kann dann selig werden?

             Warum erschrecken die Jünger? Weil sie verstanden haben. Weil es ihnen aufgeht, dass hier eine Grenze ist, die keiner von sich aus überspringen kann. Jesus hat sie über die Grenze gezogen, in dem er sie gerufen hat. Sie haben seinen Ruf gehört und sind ihm gefolgt. Warum? Fehlanzeige. Sie sind ihm gefolgt. Das reicht.

 26 Jesus aber sah sie an und sprach zu ihnen: Bei den Menschen ist’s unmöglich; aber bei Gott sind alle Dinge möglich.

Wie aber soll das zugehen, dass einer selig wird. Die nüchterne, zugleich aber harte Antwort Jesu: Es ist nicht euer Tun, das den Himmel aufschließt. Wenn es stimmt, dass es auch hier um die „bessere Gerechtigkeit“(5,20) geht, dann wird sichtbar, klargestellt: diese bessere Gerechtigkeit ist nicht eure Möglichkeit. Sie kommt euch von Gott her zu. Sie ist Geschenk. Nicht Frucht eures Tuns. Bei Gott aber ist alles möglich, auch dass Menschen selig werden, gerettet. Das ist ja sein Wille.

Damit wird das Tun nicht nebensächlich, nur in die richtige Relation gerückt. Weil es nicht mehr die Leiter zum Himmel abgeben muss, wird das Tun befreit. Wirklich zur Liebe befreit. Es folgt keinem anderen Zweck mehr als dem, der im Tun selbst liegt.

            Es sind nicht nur die Jünger, die erschrecken. Diese Szene vor Augen zu haben, die Sätze zu hören, die Jesu und die des jungen Mannes, lässt doch auch uns erschrecken, mich jedenfalls. Ich bin doch auch so, wie dieser reiche junge Mann! Es sagt sich so leichthin: Immobilien machen immobil. Besitz kann einen auch besetzen. Solange es darum geht, andere zu analysieren, sind das schöne Sätze. Aber diese Episode nötig dazu sich selbst zu fragen: wie hältst Du mit deinem Besitz? Hat er dich womöglich längst in Besitz genommen und du bist nicht ein Besitzender, sondern ein Besessener, besessen vom Haben.

Und weiter: Ich kann es doch auch kaum glauben, dass Jesus uns den Himmel schenken will. Ich kann es auch kaum glauben, dass man sich den Himmel nicht genauso hart erarbeiten muss wie die gute Stelle im Beruf, wie den Studienplatz oder die Urlaubsreise. Ich kann es auch kaum glauben, dass es das bleibende, gültige Leben „gratis“ gibt, geschenkt – und dass wir nur die Hände und das Herz frei haben müssen, um es zu empfangen.

27 Da fing Petrus an und sprach zu ihm: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt; was wird uns dafür gegeben?

             Petrus steht noch ganz unter dem Eindruck des vorher Gesagten. Und holt doch tief Luft. Ist hier, wie so oft der Sprecher für alle Jünger, auch für alle, die später diesen Weg des Glaubens gehen werden. Siehe – δο sagt Petrus. Jesus sagt oft Siehe – immer, wenn er Aufmerksamkeit erreichen will. So klingt das Siehe des Petrus auch – als ein Aufmerksamkeits-Zeichen an Jesus! Als ob der es nicht wüsste, vor Augen hätte: wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt.

 Sie haben getan, was der junge Mann verweigert hat. Sie haben das Unmögliche (19,26)getan. Oder besser gesagt: der Ruf Jesu hat sie über sich selbst hinausgerufen, hat das Unmögliche an ihnen gewirkt. Dass sie sich ganz Gott anvertrauen. Das Vertrauen auf den Vater im Himmel zu lernen begonnen haben.

Und dann die Frage, die wir verlernt haben. Was wird uns dafür gegeben? Theologisch wohlbegründet lehnen Evangelische so etwas ab. Ganz fromm: „Mein Lohn ist, dass ich dienen darf.“(W.Löhe) Wir dienen nicht um Lohn. „Der Gedanke an einen himmlischen Lohn ist dem Juden und Jesusjünger Matthäus selbstverständlich.“(U. Luz, aaO. S.128)

 Wenn man bösartig ist, unterstellt man also Petrus, dass er eine Rechnung aufmacht. Wir haben alles verlassen. Wir haben Wanderung ohne Obdach, ohne festes Auskommen, ohne unsere Familie auf uns genommen. Wir haben vollen Einsatz gezeigt. Und jetzt, am Ende ist doch hoffentlich nicht alles umsonst? Nur für Gotteslohn?

  28 Jesus aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, werdet bei der Wiedergeburt, wenn der Menschensohn sitzen wird auf dem Thron seiner Herrlichkeit, auch sitzen auf zwölf Thronen und richten die zwölf Stämme Israels.

             Bevor wir Petrus unmöglich finden, müssen wir es zur Kenntnis nehmen: Kein Tadel von Jesus für die Frage des Petrus. Kein Wort, das ihn zurechtweist. Wie kannst du nur! Keine Zurückweisung; `Du fragst nur, was allzu menschlich ist. Du müsstest es doch gelernt haben zu fragen,  was göttlich ist.´(vgl. 16,23!) Sondern Jesus geht auf die Frage des Petrus ein. Und sagt: Es lohnt sich. Ihr werdet belohnt werden.

Zuerst die Zwölf: Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid. Keiner von ihnen hatte am Anfang gefragt, was es denn wohl bringen würde. Aber jetzt enthüllt Jesus: Ihr werdet Euren Platz finden. Nicht unten an der Tafel im Himmel. Auf Thronen. Herrschaftsstühlen. Richterstühlen. Und ihr werdet richten. Israel. Die zwölf Stämme. Richten. Nicht: es verdammen.

Ich übersetze für mich: dass sie in der Nähe des Thrones der Herrlichkeit auftreten, sitzen, das wird Israel vor Augen führen, was es versäumt hat, was es bedeutet hätte, dem Christus nachzufolgen, seinem Wort Vertrauen zu schenken. Darum das Partizip: κρνοντες – richtend. An ihnen wird, so wie sie da sitzen, sichtbar, welche Entscheidung richtig und welche falsch war, welche das Leben aufschließt und welche ohne Ewigkeits-Perspektive ist. Das ist im griechischen Wort leitend mit drin: es wird ein Unterschied erkennbbar gemacht. Darum vermag ich nicht zu sehen, dass die Jünger hier sozusagen Justiz-Angestellte des Himmels werden mit eigenem Urteilsvermögen und eigener Urteilskompetenz.

Wenn hier von παλιγγενεσ , von Wiedergeburt die Rede ist, dann rückt das die weite Ferne der Ewigkeit in die greifbare Nähe der Zeit. Wiedergeburt ist uns heutigen Kirchen ein fremdes Wort geworden. Für die erste Christenheit ist das anders. Erfahrung der Gegenwasrt durch die Neugeburt in der Taufe. Das heißt nicht weniger als dass in der Existenz der Christenheit heute schon Unterschiede sichtbar werden, Lebensunterschiede und Glaubens-Unterschiede. Wer auf der Seite des Christus geht und steht und wer im Leben ohne ihn unterwegs ist.

29 Und wer Häuser oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Kinder oder Äcker verlässt um meines Namens willen, der wird’s hundertfach empfangen und das ewige Leben ererben.

Zweites Lohnversprechen. Keine Vertröstung auf den St. Nimmerleinstag. Nicht auf das Jenseits. In die Zukunft. Sondern schon jetzt. Die ihre Häuser, Vater und Mutter, die Kinder, den Besitz verlassen, werden hundertfach empfangen. An die Stelle der natürlichen Familienbande tritt die Gemeinde. An die Stelle der natürlichen Geschwister treten Brüder und Schwestern im Glauben. Der Weg aus den familialen Primär-Bindungen um Jesu willen ist kein Weg in die Einsamkeit, sondern ein Weg in eine neue, tragende Gemeinschaft.

Und am Ende das dritte Versprechen: das ewige Leben. Leben, das bleibt. Auf das kein Schatten des Todes mehr fällt. Leben mit freiem Zugang zum Angesicht Gottes. Von Angesicht zu Angesicht. Kein Lohn, der ausgezahlt wird.  Auch keiner, der ausgerechnet wird. Sondern zugeteilt. Geschenkt. So dass er für immer bleibt. Das leuchtende Angesicht über dir. Was der Segen zusagt, wird Wirklichkeit für immer. Von Ewigkeit zu Ewigkeit.

 30 Aber viele, die die Ersten sind, werden die Letzten und die Letzten werden die Ersten sein.

Schließlich: „Der große Umschwung im Endgericht.“(U. Luz, aaO. S.130) Eine Warnung an alle, die nach den ersten Plätzen streben. Die glauben, dass den Siegern die Welt gehört. Eine Warnung an alle, die den Erfolg vergöttern und dem Geld nachlaufen. Geld regiert die Welt und wer viel Geld hat, hat auch viel Einfluss. Und Ansehen.

Die Letzten – das denke ich schon, sind identisch mit den Kleinen, den Armen, den Niedrigen, denen, die nicht zählen. Und wie von selbst höre ich, was ein anderes Evangelium als Lied im Mund eines jungen Mädchen überliefert:

Seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht                                              bei denen, die ihn fürchten.                                                                                                         Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut,                                                                    die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn.                                                                             Er stößt die Gewaltigen vom Thron  und erhebt die Niedrigen.                                Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen.                  Er gedenkt der Barmherzigkeit                                                                                           und hilft seinem Diener Israel auf.               Lukas 1, 50 – 54

Es ist noch nicht ausgemacht, wo wir stehen, wir aus dem reichen Land Bundesrepublik und den reichen Kirchen, die bis heute nicht richtig zu wissen scheinen, wohin mit dem vielen Geld. Ich kann nur hoffen. Hoffen, dass wir an unserem Reichtum nicht ersticken. Sondern ihn teilen lernen mit den Habenichtsen der Welt, die bei uns auf der Matte stehen. Ich will nicht aufhören zu hoffen.

Zum Weiterdenken

Wir mögen als Pfarrer/Pfarrerinnen mit noch so guten theologischen Gründen gegen den Lohngedanken argumentieren. Ihn verwerfen, gar verteufeln. Man kann sagen, dass er den reinen Glauben verdirbt. Aber Menschen fragen bis heute so: Lohnt sich denn das Christsein? Was bringt es denn, an Gott zu glauben? Ändert es etwas zum Guten im Leben, wenn ich an Gott glaube? Wie antwortet Gott auf die Hingabe, die seinen Willen sucht und seinen Weg zu gehen versucht?

Wenn wir ehrlich sind – wir selbst stecken in diesem Gedanken auch mit drin. Unvergesslich das Gespräch mit einem lieben Kollegen. „Wenn ich da oben ankomme, dann möchte ich schon, dass einer sagt: das hast du gut gemacht.“ Lob als Lohn. Weniger sollte es doch nicht sein!

Es ist der Satan unter den Engeln am Thron Gottes, der in der Hiobsgeschichte diesen Gedanken einspielt: Glauben, Gottvertrauen, Gehorsam ist ein Geschäft auf Gegenseitigkeit. „Meinst du, dass Hiob Gott umsonst fürchtet? Hast du doch ihn, sein Haus und alles, was er hat, ringsumher beschützt. Du hast das Werk seiner Hände gesegnet, und sein Besitz hat sich ausgebreitet im Lande.“(Hiob 1,9-10) Ein ganzes biblisches Buch kreist um diese Frage, ob sich Gottesfurcht rechnet, ob einer auch dann an Gott festhält, wenn der Glaube nichts nützt.

Die Frage, ob der Glaube lohnt, ist nicht totzukriegen, nicht tot zu schweigen. Sie stellt sich immer wieder. Jede und jeder wird seine Antwort geben müssen – in der Art, wie er lebt. Über alle Worte hinaus.

 

Jesus, es ist genug, dass ich mit Dir leben darf, dass Du mir vergibst, was gegen mich spricht, dass du dich neben mich stellst, auch vor mich, wenn die Klagen kommen.

Es ist genug, dass Du mir Brüder und Schwestern zur Seite gestellt hast, Weggefährten und Weggefährtinnen, die mich manchmal korrigiert haben, oft getröstet, oft genug für mich geglaubt haben, wenn mir das Vertrauen schwer geworden ist.

Es ist genug, dass ich glauben darf: Im Himmel wird mir der Platz frei gehalten an Deinem Tisch. Du hältst ihn frei. Amen