Felsenfest

Matthäus 16, 13 – 20

13 Da kam Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi und fragte seine Jünger und sprach: Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei?

             Der Weg Jesu führt weiter. Er ist immer noch der, der unterwegs ist. Jetzt in der Nähe von Cäsarea Philippi, einer Stadt, die ihren Namen dem Herodes-Sohnes Philippus verdankt. Früher hieß sie Paneas. Heute ist daraus Baniyas geworden. Dort kommt  es zur Meinungs-Umfrage, initiiert von Jesus: Er will von seinen Jüngern wissen, was die Leute über ihn reden, genauer: Was sie von ihm halten. Noch genauer: Für wen sie ihn halten.

Es mag schriftstellerischer Zufall sein – hier verwendet Matthäus nicht das Wort, das er sonst für die Mengen verwendet. Hier steht ο νθρωποι. Die Menschen. Sachlich sinnvoll wiedergegeben: Die Leute. Lauter Einzelne. Er will wissen, was sie über den Menschensohn  – υἱὸς το νθρπου – sagen. Wollte man das griechischen Wortbild nachbilden, müsste man übersetzen: Wer sagen die Menschen, dass der Menschensohn sei?

Jesus fragt indirekt, und doch eindeutig nach seinem „Image“.  Es klingt, als wollte er wissen: Für wen halten sie mich? Der Menschensohn ist „verhüllende Selbstbezeichnung Jesu“ und gleichzeitig ein Hinweis, der den Anspruch Jesu verrät, „Gottes endzeitlicher Repräsentant zu sein.“(W. Klaiber, aaO.  S.320) Diese Bedeutung des Wortes Menschensohn leitet sich vor allem aus dem folgenden Satz ab: „Ich sah in diesem Gesicht in der Nacht, und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels wie eines Menschensohn und gelangte zu dem, der uralt war und wurde zu ihm gebracht. Der gab ihm Macht und Ehre und Reich.“(Daniel 7,13-14)Darum also doch nicht einfach: Für wen halten sie mich? Sondern in der Frage steckt mit drin: Erkennen sie mich als den, der ich in Wahrheit bin?

 14 Sie sprachen: Einige sagen, du seist Johannes der Täufer, andere, du seist Elia, wieder andere, du seist Jeremia oder einer der Propheten.

Die Jünger geben bereitwillig Auskunft, indem sie im Volk umlaufende Einschätzungen referieren. Der Täufer, Elia, Jeremia oder einer der Propheten. Die Leute greifen weit nach oben. Es ist in diesen Antworten schon deutlich: Jesus kann sich hoher Wertschätzung erfreuen. Ganz anders als bei den Pharisäern, die ihn im Bund mit Beelzebub wähnen. Das Volk achtet ihn, ehrt ihn. Sieht in ihm einen, hinter dem Gott steht.

 15 Er fragte sie: Wer sagt denn ihr, dass ich sei?

             Jesus fragt weiter. Persönlich. Direkt: Wer sagt denn ihr, dass ich sei? Das ist für unsere Ohren ungewohnt. So persönlich haben wir es nicht gerne. Die Frage, was ich von Gott halte und wie ich es mit Gott halte, gehört nach weitverbreiteter Meinung in den Intim-Bereich. Sie geht keinen anderen etwas an. Was ich glaube, ist Privatsache. Die Frage Jesu aber holt die Einstellung zu ihm selbst aus dem Bereich der inneren Überzeugung heraus. Ans Tageslicht. Auf die Zunge.

Paulus wird das im Brief an die Römer aufgreifen: „Denn wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und wenn man mit dem Munde bekennt, so wird man gerettet.“(Römer 10,10) Das ist, was Jesus hier herausfordert: Bekennen mit dem Mund. Es ist die Situation, die die Leser*innen des Matthäus-Evangeliums kennen: Ihre Umwelt fragt sie, was sie von Jesus halten, wie sie es mit Jesus halten.

 16 Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!

 Simon Petrus antwortet – für sich und für alle anderen. Es ist sein persönliches Bekenntnis und doch gleichzeitig das Bekenntnis der Gemeinde – nach Ostern. Christus. Der Messias. Das griechische Wort Χριστς, Christus ist die Übersetzung des hebräischen Wortes für den Gesalbten, für den „endzeitlichen Herrscher, der Israel in eine Zeit des Heils und Friedens führen wird.“(W. Klaiber, aaO.  S. 321)

 Neben diesen Titel, dieses Wort Christus tritt das andere: Sohn des lebendigen Gottes. υἱὸς το θεο το ζντος. Das ist mehr als nur eine zusätzliche Wendung. Gott ist der Lebendige im Unterschied zu den toten Götzen. Er ist es in seinem Tun, dass er Leben schafft. Er ist der wirklich Handelnde, aus dem das Leben kommt. Wenn Petrus Jesus also Sohn des lebendigen Gottes nennt, dann verbindet er damit die Erwartung, dass von ihm her Leben kommt, dass aus ihm Leben fließt. Leben, das dem Tod standhält.

Diese Sicht hat das Lied der Kirche später aufgegriffen und bekennt, sozusagen in den Fußspuren des Petrus:

Jesus ist kommen, die Ursach zum Leben.
Hochgelobt sei der erbarmende Gott,
der uns den Ursprung des Segens gegeben;
dieser verschlinget Fluch, Jammer und Tod.
Selig, die ihm sich beständig ergeben!
Jesus ist kommen, die Ursach zum Leben.                J.L.K. Allendorf 1736, EG 66

             Man kann sicherlich danach fragen, ob dieses Bekenntnis nicht schon stark vom Bekenntnis der Gemeinde nach Ostern geprägt ist. Der Gemeinde, die auf den Auferstandenen traut. Ob es vorstellbar ist, dass der Jude Simon so etwas an der Baniyas-Quelle gesagt haben könnte. Was dafür spricht: Simon Petrus ist nicht der Erste, der Jesus als den Sohn Gottes bekennt. Als Jesus den sinkenden Simon festhält, da sagen die, die mit im Boot sind: „Du bist wahrhaftig Gottes Sohn!“(14,33)Dieses Bekenntnis erwächst aus dem Augenblick. Das Bekenntnis an der Baniyas-Quelle erwächst – so deute ich – aus der Zusammenschau der Erfahrungen und der Worte Jesu. Seines Wesens, das die Jünger, Simon ist nur einer unter ihnen, erfahren auf dem Weg mit ihm.

Beides halte ich für wichtig und für richtig: Bekenntnisse können aus einer Augenblickserfahrung heraus abgelegt werden und sie entstehen auf einem langen, kontinuierlichen Weg. Das schließt sich nicht aus, sondern ergänzt sich gegenseitig. Macht auch unabhängig von den aktuellen Erfahrungen, vor allem auch vom Ausbleiben aktueller Erfahrungen. Aber es weist zugleich darauf hin: Es gibt auch auf dem Weg immer wieder stützende und erhellende Erfahrungen. Das Bekenntnis lebt von beidem, dem Augenblick und dem Weg.

17 Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel.

Die erste Antwort Jesu: Selig bist du. Eine Seligpreisung eines Einzelnen, des Simon, Jonas Sohn. Durchaus ungewöhnlich. „Selig seid ihr“ oder „Selig, wer“… ist häufiger.  Es ist ausgesprochen selten in der Bibel, dass einzelne Menschen namentlich seliggepriesen werden. Warum aber hier? Weil Petrus beschenkt worden ist. Beschenkt mit einer Einsicht, die, salopp gesprochen, nicht auf seinem Mist gewachsen ist. Darauf kommt man nicht von sich aus.Darauf kommt man nicht von sich aus, durch Nachdenken, auch nicht durch frommes Nachdenken. Darum: Fleisch und Blut, der natürliche Mensch sieht das nicht. Mein Vater im Himmel – sagt Jesus: Er ist der Ursprungsort dieser Einsicht, dieser Offenbarung. Er hat es aufgedeckt.

Einmal mehr ist es hilfreich, sich aus dem Text des Evangeliums zu vergegenwärtigen: „Alles ist mir übergeben von meinem Vater; und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.“ (11,28) In der Sprache des Johannes-Evangeliums hört sich das vergleichsweise so an: „Wer von der Erde ist, der ist von der Erde und redet von der Erde. Der vom Himmel kommt, der ist über allen und bezeugt, was er gesehen und gehört hat; und sein Zeugnis nimmt niemand an. Wer es aber annimmt, der besiegelt, dass Gott wahrhaftig ist.“ (Johannes 3, 31-33)

Das steckt in den Worten Jesu: Simon sagt, was nur von Gott her möglich ist zu sagen, nur durch den Geist Gottes. Bei Paulus wird das so klingen: „Niemand kann Jesus den Herrn nennen außer durch den Heiligen Geist.“(1. Korinther 12,3)    

 18 Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. 19 Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: Alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein.

Nach diesem Wort über die Herkunft der „Einsicht“ des Simon Petrus, folgt das Wort Jesu an ihn.  Du bist Petrus. Fels. Stein. Auf Aramäisch: „Kephas“. Man kann darüber rätseln: Bekommt Petrus hier, in diesem Augenblick einen neuen Namen, eine Art „Kriegsnamen“ (nom de guerre), Ordensnamen, Amts-Namen (so wird es ja bei den Päpsten nach ihrer Wahl gehalten!), oder wird „nur“ sein Name neu gedeutet? Ich kann mit beiden Verstehens-Weisen gut leben und muss sie nicht entscheiden.

Es ist eine Frage, die Theologen sich meistens nicht stellen, die man aber durchaus stellen kann: Was macht das mit Petrus, so ein Wort? Überlastet es nicht? Ist es nicht eine viel zu große Verantwortung, die ihm da aufgebürdet ist? Im Dom von Todi in Umbrien habe ich ein Petrus-Bild gefunden, in dem er die Schlüssel in der Hand hält, aber mit einem sehr  bedrückten Gesichtsausdruck, so als wollte er sagen; Das ist zu viel von mir verlangt.  Dazu passt, was Papst Johannes XXIII. von einem Traum erzählt. Er habe wegen der großen Verantwortung auf dem Stuhl Petri schlecht geschlafen und dann im Traum eine Stimme gehört: „Giovanni, nimm dich nicht so wichtig.“

Seit Jahren gibt es den Werbeslogan: „Auf diese Steine können sie bauen.“ Jesus sagt hier – ich nehme meine Worte – zu Petrus: „Ich baue auf dich.“ Wie viel Zutrauen zu dem Fischer vom See Genezareth liegt in diesen Worten. Wie viel Wertschätzung für einen, der mit ihm durch das Land zieht, sieht, was er tut, hört, was er sagt. Nicht immer alles und nicht immer gleich versteht. Der aber aufgebrochen ist, weil er, Jesus, ihn gerufen hat. Der manchmal, so wie hier bei Cäsarea Philippi, Sachen sagt,  die er gar nicht überblicken kann.

Ich denke, dass Jesus in den Worten des Petrus nicht zuallererst all das hört, was wir an theologischer Bedeutung darin hören, sondern dass er darin das bedingungslose Vertrauen hört, die Liebe, die sich ihm ganz hingibt. Und genau auf diese Liebe baut Jesus. „Als sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieber, als mich diese haben? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Lämmer!“ (Johannes 21,15)

Ob das Wort Jesu Petrus über sich selbst hinaus hat wachsen lassen wird nicht erzählt. Auch nicht, ob er darüber erschrocken ist. Weil die psychische Verfassung des Jüngers Petrus dem Evangelisten Matthäus nicht so erzählenswert erscheint, nicht so wichtig wie das Wort des Meisters, des Menschensohnes: Ich baue auf dich.

Darum ist mir allerdings wichtig: es ist wirklich Petrus, dieser konkrete Mann vom See Genezareth, der hier mit den Worten Jesu gemeint ist. Nicht nur sein Bekenntnis. Es ist wahr: Jesus baut seine Gemeinde auf Menschen, mit Menschen, unter Menschen. Das ist Stärke und Schwäche zugleich. In dieser Gemeinde wird es immer menschlich zugehen. Wie denn auch sonst? Wenn es nur heilig in ihr zuginge – für mich wäre da kein Platz.

Und zugleich: Hoffentlich geht es in dieser Gemeinde immer menschlich zu, fehlerfreundlich, barmherzig. Dann, wenn sie das Erbarmen Jesu widerspiegelt, dann erst ist die Gemeinde ja Gemeinde Jesu. Gemeinde auf seiner Spur, in seiner Spur.

Darum auch ist das Schlüsselwort ja gar nicht als ein Machtwort zu lesen, das vor allem den Aspekt der Macht betont. Es macht guten Sinn, eine erste Deutung in der Spur der Rabbinen zu versuchen: Es geht um die Gesetzesauslegung, um die Frage, was erlaubt und was verboten ist. Was geboten ist und was zu meiden ist. Um Wegweisung also. Danach haben wir es hier mit so etwas wie der Einsetzung einer Lehrautorität zu tun. Gute Lehre ermöglicht gute Wege zu gehen.

Das andere: diese Schlüsselbefugnis des Petrus zielt auf die Erde. Hier ist ihr Ort. Nicht im Himmel. Deshalb auch ist es ein völlig verqueres Bild, Petrus zum Himmelspförtner zu machen. Er soll den Weg zum Himmel frei machen und ihn nicht versperren. Das aber, den Weg zum Himmel freimachen – das geschieht durch das Bekenntnis. Durch das Hinweisen auf Jesus. Durch das Weitergeben seines Erbarmens.

Dagegen ist kein Kraut gewachsen. Eine Gemeinde, die sich in ihrer Lebenspraxis an das Erbarmen Christi hält, die es austeilt und die es bekennt, muss sich um ihre Zukunft nicht sorgen. Die Hölle, genauer: das Totenreich, noch genauer: die Pforten des Hades, πύλαι ᾅδου mit ihrer Gnadenlosigkeit hat gegen das Erbarmen keine Chance.

20 Da gebot er seinen Jüngern, niemandem zu sagen, dass er der Christus sei.

             Merkwürdig: das Bekenntnis ist gesprochen. Es ist bejaht, gewürdigt. Angekommen. Ohne Tadel. Und doch folgt ein Rede-Verbot. Jetzt noch nicht. Die Zeit ist noch nicht reif. Mag sein: die Jünger sind noch nicht reif. Auch das ist vielleicht für uns zu lernen. Es ist nicht immer Bekenntnis-Zeit. Zeit zum Reden. Wohl aber immer Zeit, an ihm zu bleiben. Bei ihm zu bleiben.

Eine Antwort aus unseren Tagen zu der Frage, wie wir es mit Jesus halten, sei nachgetragen:

 „Was Jesus für mich ist? –Einer, der für mich ist!                                                         Was ich von Jesus halte? – Dass er mich hält“                                                                             L. Zenetti, Auf Seiner Spur, Mainz 2000, S 126

 Was mich beschäftigt:

            Die Szene bei Cäsarea Philippi hat schier unglaubliche Folgen in der Kirchengeschichte,  dient sie doch als Begründung des Papstamtes. Ich lese davon, im Unterschied zu den katholischen Brüdern und Schwestern, nichts. Ich lese nur den Dialog zwischen Jesus und dem Jünger. Ich lese nur die Frage, die er ihm stellt und die er über die Jahrtausende hinweg auch mir stellt: Wer bin ich dir? Wer bin ich dir für dein Leben, die Ängste und Hoffnungen, den Schmerz und das Glück?

Es ist die Gefahr dieser Antwort des Petrus, dass man sie wie eine Formel hört. Abfragbar, lernbar. Dass man darüber vergisst, dasses eben keine Formel ist. Man versteht diesen Satz nur, wenn man ihn zusammensieht mit dem, was der Evangelist erzählt, mit den Heilungen, mit den Worten Jesu, mit seinen Reden, mit seinem Tun.  Aus dem Sehen auf den Weg Jesu entsteht, geistgewirkt, dieser Satz und weist zurück auf die Bilder, die den Weg Jesu ausmachen.

Um diese glatte Formel zu meiden, gebe ich – zweitausend Jahre später – meine Antwort: Du bist mir Zuflucht und Halt, Heiland und Tröster, Fürsprecher vor dem Thron des Vaters. Du bist der, der mein Leben gut macht, heil macht, es hält und heilt in aller seiner Zerbrechlichkeit. Ich versuche, je älter ich werde umso mehr, ohne die Hoheits-Titel Jesu für mich auszukommen. Weil hinter ihrem Gebrauch so leicht verschwindet, dass es um die Bedeutung Jesu für mein Leben geht, um die existentielle Tiefe, den Halt, den festen Grund, den ich bei ihm finde.

Eine verblüffende Erfahrung. Im Gespräch mit einer eher alten Dame fragt die Palliativ-Medizinerin: „Sind Sie gläubig?“ Sie erläutert ihre Frage mit dem Hinweis, dass der Glaube eine Hilfe sei für den Weg, auf dem es auch um das Abschiednehmen aus der Welt geht. Da rechnet jemand mit der Kraft des Glaubens, die standhalten hilft.

Die negativen Prognosen über den Zustand der Kirche sind allgegenwärtig. Wir werden weniger. Wir werden ärmer. Wir werden demnächst, 2060, im Grunde keine öffentliche Relevanz mehr haben. Wie Mehltau legt sich die Depression über diese Verlust auf die Kirchen. Solche Zeiten hat es schon früher gegeben. Und in solcher Zeit ist der Liedvers entstanden, der auch heute Hoffnung wecken mag.

„Es tut ihn nicht gereuen, was er vorlängst gedeut‘,
sein Kirche zu erneuen in dieser fährlich Zeit.
Er wird herzlich anschauen dein Jammer und Elend,
dich herzlich auferbauen durch Wort und Sakrament.“                                                                         Böhmische Brüder 1544, EG 243

Der Bestand, der Wiederaufbau der Kirche geschieht von innen her – durch Wort und Sakrament. Das ist das Zeugnis der vergangenen Zeiten, das wir heute neu zu hören haben.

Einer Kirche, die von der Sorge um ihre Zukunft wie gelähmt erscheint, könnte es gut tun, sich erinnern zu lassen: Wir dürfen uns darauf verlassen: wenn wir uns festmachen im Erbarmen Gottes und es austeilen wie die fünf Brote und zwei Fische, müssen wir uns nicht um unsere Zukunft sorgen. Wir mögen unsere Gestalt als Volkskirche wandeln müssen, wie es noch vor zwanzig Jahren unvorstellbar war – aber unsere Zukunft steht nicht auf dem Spiel.  Die hängt an der Treue und dem Erbarmen Gottes.

 

Jesus, Ich bin kein Felsenmann, nicht unerschütterlich, nicht aus dem Stein, auf den man bauen kann. Ich bin froh, dass Du der Felsen bist, der ewig bleibt, dass Dein Wort der  feste Grund ist, auf den ich mich gründen darf.

Ich danke Dir, dass Du Deine Kirche vor den Angriffen behütest, die sie selbst nicht abwehren könnte, vor dem Absturz in die Tiefe, aus der es keine Rettung gibt.

Ich danke Dir, dass über uns allen der Himmel geöffnet ist und wir diesen offenen Himmel bezeugen dürfen, uns geöffnet und allezeit offen durch Deine Gnade und Treue, Dein Erbarmen. Amen