Gutes suchen und tun

Sprüche 11, 24 – 31

24 Einer teilt reichlich aus und hat immer mehr; ein andrer kargt, wo er nicht soll, und wird doch ärmer. 25 Wer reichlich gibt, wird gelabt, und wer reichlich tränkt, der wird auch getränkt werden. 26 Wer Korn zurückhält, dem fluchen die Leute; aber Segen kommt über den, der es verkauft.   

Mit dem Besitz ist es so ein Ding. Er kann frei machen, er kann aber auch gefangen nehmen. Es ist nicht ausgemacht, dass einer, der viel hat, deshalb sorglos wird. Der ängstliche Blick auf den DAX, der allabendlich in der Tageschau gezeigt wird, ist eher bei denen, die viel haben als bei den Habenichtsen.

     Es gibt Menschen, die sitzen auf ihrem Gut und Geld. Sie haben immer Angst, dass es nicht reichen wird.  Sie halten zusammen, was sie haben. Das Seltsame ist: sie können darüber immer ärmer werden. „Es sieht wie eine empirische Feststellung aus: bisweilen geschieht es, dass die übertriebene Sparsamkeit des Geizigen ihm nichts nützt.“ (H. Ringgren, Sprüche, in ATD 16, Göttingen 1967, S. 50) Wahrscheinlich zielt das Wort auch auf sehr konkrete Wirtschaftsverhältnisse, die nicht illegal sind, aber trotzdem problematisch: Wer Korn zurückhält, dem fluchen die Leute. So sind die Verhältnisse: Wer Lagerraum besaß, konnte Getreide für „teure Zeiten“ aufheben und so die Preise hochtreiben -, sei es, bis kurz vor der Nächsten Ernte, oder gar für Jahre der Missernte.“(W. Dietrich, Das Buch der Sprüche, Wuppertaler Studienbibel AT, Wuppertal 1985, S. 116)Ein Verhalten, dass durch die Erinnerung an Joseph in Ägypten fast legal erscheinen mochte. Die wirtschaftliche Vernunft klatscht Beifall.

            Fast wie von selbst stellt sich die Erinnerung an die Beispiel-Erzählung Jesu ein: „Es war ein reicher Mensch, dessen Land hatte gut getragen. Und er dachte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Ich habe nichts, wohin ich meine Früchte sammle. Und sprach: Das will ich tun: Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen und will darin sammeln all mein Korn und meine Güter  und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut! Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern. Und wem wird dann gehören, was du bereitet hast?“(Lukas 12, 16 – 20)  Da hat einer alles im Überfluss. Nur außer ihm ist weit und breit kein Mensch in Sicht. Er sitzt zwischen toten Dingen und ist allein.

            Es ist die Warnung, die in unserer Zeit ausgewandert ist in einen Song-Text und darum –  weit über Kirchenmauern hinweg – Menschen  aller Altersgruppen und sozialen Schichten unerreicht hat

„Wenn Träume sterben, dann wirst Du alt.
Du bist Dein eigner Schatten nur und holst Dich nicht mehr ein.
Wenn Träume sterben, dann wird es kalt.
Du bist ein Mensch zwischen toten Dingen und bist allein.“ 

                                                           Phudys, CD Phudys 3, 1977

           Es will so scheinen, dass Paulus die Worte aufgenommen hat in seiner Mahnung an die Gemeinde: „Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen.“(2. Korinther 9,6) Der erste Theologe der jungen Christenheit ist einer, der sich in den Sprüchen auskennt und sie weiter sagt. 

27 Wer da Gutes sucht, trachtet nach Wohlgefallen; wer aber das Böse sucht, dem wird’s begegnen. 28 Wer sich auf seinen Reichtum verlässt, der wird untergehen; aber die Gerechten werden grünen wie das Laub.

            Es sind nicht neue Gedanken, die hier folgen. Es ist die Variation des unmittelbar zuvor Gesagten. Damit wird es umso nachdrücklicher eingeschärft. Es kommt entscheidend für das Leben darauf an, wohin sich jemand orientiert. Drei Verben des Suchens:  suchen – trachten – sich verlassen reden davon, dass jeder über die Ausrichtung seines Lebens selbst entscheidet. Warnend weist der Sammler darauf hin: „Die bösen Pläne der Frevler fallen auf sie selbst zurück.“ (H. Ringgren, ebda.) Man verbaut sich die eigene Zukunft. Sie wird zum Echo des Verhaltens jetzt, während die Gerechten in der Tat neue Zukunft empfangen.   

29 Wer sein eigenes Haus in Verruf bringt, wird Wind erben, und ein Tor muss des Weisen Knecht werden.

            Man kann auch anders übersetzen: Wer sein eigenes Haus vernachlässigt. Auch dann läuft es auf die gleiche Aufforderung hinaus: Auf den eigenen Ruf achten. nicht durch Propaganda, sondern dadurch, dass man Ordnung hält, das Haus auf Vordermann hat. Wie einer mit seinen Leuten umgeht – Familie, Dienerschaft, Gesinde – das wird sich herumsprechen. In dem Bauerndorf meiner Jugend konnte jeder sehen, wie es um einen Hof stand – am Mist, an der Sauberkeit der Ställe, an dem Zustand der Gerätschaften. Der Ruf im Dorf war ein Echo auf dieses „Anschauungsmaterial.“   

 30 Die Frucht der Gerechtigkeit ist ein Baum des Lebens; und ein Weiser nimmt sich der Leute herzlich an. 31 Siehe, dem Gerechten wird vergolten auf Erden, wie viel mehr dem Gottlosen und Sünder!

            Es gehört zur Überzeugung, die sich mehr und mehr in den biblischen Texten zeigt und sich dann auch im Denken der Kirche durchgesetzt hat: Alles kommt noch einmal zur Sprache. Es gibt nicht nur die Gegenwart. Es gibt ein Echo in der Zukunft – auf die gelebte Gegenwart. Es wird sich zeigen, dass das gerechte Leben den längeren Atem hat, den guten Ertrag. 

 Es ist Anspielung auf die Urgeschichte vom „Baum des Lebens im Paradies“ (1. Mose 2.9), der nach dem Fall nicht mehr zugänglich ist. Aber ein Leben in Gerechtigkeit wird zur Frucht, die diesem Baum entspricht. Aus ihm erwächst? Jede und jeder kann diesen Baum in das eigene Leben einpflanzen und zum Wachsen bringen. Was für ein kühnes Bild!

Was für ein großartiger Gedanke. In jedem Akt des Erbarmens, der Gerechtigkeit, die dem Leben dient, wird ein Stück des Paradieses in diese Welt hineingeholt. In der Sprache des Neuen Testamentes und der christlichen Theologie würde man an dieser Stelle von „Zeichen des Reiches Gottes“ sprechen. Von Hinweisen auf die Gegenwart Gottes in der Welt. Das Johannes-Evangelium bildet dieses Denken in den Ich-bin-Worten ab: „Ich bin das Brot der Welt.“ (Johannes 6,35) „Ich bin das Licht der Welt.“(Johannes 8,12) „Ich bin der wahre Weinstock.“ (Johannes 15,1) Es sieht in Jesus den Lebensbaum des Paradieses wieder zugänglich.   

 

Du heiliger und barmherziger Gott, Du willst unsere Schritte so leiten, dass es mit unserem Leben gut wird, dass wir Anderen gut sind, dass wir Gutes tun, dass wir Barmherzigkeit üben.

Du willst, dass wir den langen Atem der Barmherzigkeit gewinnen, dass wir uns dem Bösen verweigern, der Selbstsucht und der Gier, die nur den eigenen Vorteil kennt und darüber Menschen verliert. Danke für das Vertrauen, das Du in uns hast, dass Du uns zutraust, Deine Wege zu suchen und zu gehen. Amen