Schon vorgemerkt

Philipper 3, 12 – 21

12 Nicht, dass ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich’s wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin. 13 Meine Brüder, ich schätze mich selbst noch nicht so ein, dass ich’s ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, 14 und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.

            Noch nicht am Ziel. Noch nicht vollkommen. Das sind vielleicht die kostbarsten Sätze dieses großen ersten Theologen der Christenheit. Er, der  den Glauben so radikal durchdacht hat, wie vor ihm keiner aus der Jüngerschar, er, der mit seinem Denken Grundlagen für alle spätere Denkarbeit in der Christenheit gelegt hat – er sagt: noch nicht vollkommen. „Er denkt von sich nicht, dass er sein Heil im Griff hat, aber er vertraut darauf, dass Christus ihn ergriffen hat.“ P. Wick/K. Offermann, Mit Paulus glauben, Texte zur Bibel 34, Neukirchen 2018, S. 77)

            Im Deutschen kann man nicht sehen, was hier mitschwingt. Οχ τι δη τετελείωμαιNicht, dass ich schon vollkommen sei steht einem anderen Satz, einem anderen Wort, gegenüber: Τετέλεσται„Es ist vollbracht.“ (Johannes 19,30) Das gleiche Wort, einmal als Signal des Sieges, der Vollendung und einmal als Hinweis: noch nicht. Es ist, als wüsste Paulus, dass dieses Wort vollbracht, vollkommen nur einem zusteht, nur dem Christus am Kreuz.   

            Paulus jedenfalls sieht sich noch auf dem Weg. Er ist „ein Wettläufer, der von Christus erfasst, auf die Parusie Christi zuläuft.“(U. Wilkens, aaO. S. 252) Dem kommenden Christus entgegen.Weil er noch unterwegs ist,ist er kein Vollkommener. Kann es ja auch gar nicht sein, solange er noch auf dem Weg ist. Noch nicht in der Ewigkeit angekommen. Es ist gut, sich vor allen zu hüten, die sich unterwegs mit der Aura der Vollkommenheit umgeben.  Das Evangelium von der Rechtfertigung der Gottlosen verträgt keine perfekten Frommen. Es verträgt Frömmigkeit nicht als Vollkommenheit, sondern immer nur als Versuch. Als Übung.

            Sich ausstrecken – ja. Sich mühen – ja. Sich festhalten in der Hoffnung, dass ich gehalten werde – ja.

 Was ist Jesus für mich?
 Einer, der für mich ist.

 Was ich von Jesus halte?
 Dass er mich hält.       L. Zenetti, Auf seiner Spur, Mainz 2000, S. 126

           In dieser Haltung lebt Paulus. „Ich bin der, der auf diese Weise unterwegs sein muss, unaufhaltsam unterwegs. Denn Jesus Christus hat seine Hand auf mich gelegt.“(E. Thurneysen, Der Brief des Paulus an die Philipper, Basel 1943, S. 116) So sieht er sich als einen, der Jesus folgt. Ihm nachläuft. In ihm das Ziel seines Lebens hat. Man kann es vermutlich gar nicht einfach genug sagen: Ich strecke mich aus nach dem, was da vorne ist. Darin sieht Paulus die Erfüllung, der er entgegen lebt: bei Jesus sein. Dazu weiß er sich berufen. Das ist die Berufung, die über die Berufung als Apostel hinaus geht, die sich auch nicht in rastlosem Einsatz erschöpft: Im Vaterhaus ankommen. Ihn sehen, wie er ist. Von ihm angesehen werden. 

15 Wie viele nun von uns vollkommen sind, die lasst uns so gesinnt sein.

            Das klingt fast ein bisschen ironisch. τέλειοι vollkommen. Aus dem Mund dessen, der gerade von sich gesagt hat: Ich jedenfalls bin nicht vollkommen. Noch nicht am Ziel. Nimmt Paulus ein Schlagwort aus den Gemeinden auf, ein Wort, das Faszination ausübt? Es könnte so sein. Vollkommenheits-Ideale haben zu aller Zeit Konjunktur. Und es gab und gibt genügend Gruppen, die ihren Leute genau das versprechen: Das vollkommene Leben, das gelingende Leben. Nur noch ein Kurs mehr. Nur noch ein bisschen Mühe mehr.

            Dem stellt Paulus seine Sicht gegenüber: Noch nicht am Ziel. Noch verbesserlich. Noch auf die Gnade angewiesen. Noch zerbrechlich und bedroht. Noch mit Zittern und Zagen unterwegs. Das ist die Vollkommenheit, mit der Paulus etwas anfangen kann: noch nicht…. Immer noch im Werden. Wie von selbst verbinden sich in dieser Sicht des Paulus räumliche Aspekte – irdisch-himmlisch – mit zeitlichen Aspekten – Gegenwart-Zukunft. Vermutlich kann man von dieser Hoffnung gar nicht anders reden als dass man die engen Grenzen unserer Begrifflichkeiten übersteigt und sprengt.  

            In den Spuren des Paulus denkt einer wie Martin Luther:   

           »Einem Gläubigen ist nichts schädlicher, als dass er meint, er habe es schon ergriffen, und es sei nicht nötig, es erst zu suchen. Denn daher kommt es, dass viele zurückfallen und vor Sicherheit und Faulheit welken und lasch werden. […] Dieses Leben ist keine Frömmigkeit, sondern ein Fromm-Werden. Keine Gesundheit, sondern ein Gesund-Werden. Kein Wesen, sondern ein Werden. Keine Ruhe, sondern ein Üben. Wir sind es noch nicht; werden es aber.«                     (M. Luther, Auslegung zu Philipper 3,13)

            Das heißt doch: Wer sich um Vollkommenheit bemüht, wird es als Grundlektion zu lernen haben, dass dieses Ziel für ihn nicht zu erreichen ist. Die Vollkommenheit, die Paulus als seine Berufung glaubt, ist eine fremde Gabe und wird erst im Himmel zuteil.  

Es ist das Leben, das einem vor Augen führt: noch nicht am Ziel. Noch nicht vollkommen. Unterwegs auf dem Weg des Lebens gibt es das nicht: schon vollkommen. Die Vollkommenheit, von der Paulus spricht ist nicht Einsicht in alle Geheimnisse Gottes, um sie entschlüsseln zu können. Durchblick durch alle Mysterien Gottes und der Welt. Sondern vollkommen sein – das wäre: Dem Leben gerecht werden. Die Wege Gottes in der Zeit zu suchen, zu finden und sie dann auch zu gehen.  Es ist schon viel, wenn es durch das eigene Reden, Handeln, Leben gelingt, denen, die mit auf dem Weg sind, das Bild Gottes nicht zu verdunkeln, zu beflecken, sondern es – wenigstens hier und da – aufleuchten zu lassen. Darin wird keiner von uns vollkommen. Darin bleiben wir alle Anfänger auf dem Weg.   

            Meine Folgerung daraus ist unter anderem: Hüte Dich vor allen Vollkommenen. Sie legen dir einen Weg nahe, der nicht von dem Vertrauen auf die Gnade, das Erbarmen Christi, durchtränkt und getragen ist.  Sie messen dich an Idealen, an denen du nur scheitern kannst. Sie werden dich nicht lieben in deinem Scheitern. 

Und solltet ihr in einem Stück anders denken, so wird euch Gott auch das offenbaren.

            Das hört sich für mich an, als würde Paulus sich selbst ermahnen: Sei gelassen. Paulus muss die Philipper nicht auf Linie bringen, auf völlige Übereinstimmung mit seinen Einsichten. Sie werden es noch lernen. Sie werden es irgendwann verstehen. Wenn es nach Gottes Zeitplan an der Zeit ist. Was für ein wunderbares Wort für alle Ungeduldigen, die daran verzweifeln, dass die anderen nicht die eigenen Einsichten teilen. Gott wird ihnen schon – so das griechische Wort ποκαλύψει offenbaren, aufdecken, enthüllen was er für richtig hält. Für wichtig hält. Wir können die wechselseitigen Belehrungen einstellen.

 16 Nur, was wir schon erreicht haben, darin lasst uns auch leben.

            Es ist eine minimalistische Ethik, aber die anspruchsvollste, die ich kenne: Lebe das, was Du schon verstanden hast. Wenn Du eine Einsicht hast, erfülle sie mit Leben, indem du tust, was du eingesehen hast. Wenn du einen Traum hast – lebe ihn.

            Das klingt überzeugend, einfach. Und ist doch so schwer. Das möchte ich – und wohl nicht nur ich – von Herzen gern und weiß doch, wie oft es bei dem Wunsch bleibt. Zu träge, zu feige, faule Kompromisse um des lieben Friedens willen. Dazu noch: wer weiß schon immer, was jetzt gerade in dieser Situation richtig ist. Das geht einem doch so: Ich bleibe Rat  schuldig, weil ich keinen Rat weiß. Je älter ich werde, umso ratloser erlebe ich mich. Und doch: nicht aufgeben. Die Aufgabe des Lebens ist es nicht, Vollkommenheit zu erreichen, sondern durchzuhalten. Die kleinen Schritte zu gehen, manchmal zwei vor und einen zurück.

            Erst jenseits der Zeit wird es vorbei sein, sind alle Kämpfe gekämpft, ist alle Sehnsucht gestillt, sind alle Tränen abgewaschen und alle Wunden geheilt, ist kein Raum mehr für Anklagen. Dann sind wir vollkommen. Am Ziel.      

17 Folgt mir, liebe Brüder, und seht auf die, die so leben, wie ihr uns zum Vorbild habt.

            Das zu versuchen, so deutet Paulus an, könnte heißen; Sich Paulus als Vorbild zu nehmen. Merkwürdig: der gleiche Paulus, der zur Demut mahnt (vgl. 2, 3-4), sie zum zentralen Kennzeichen christlicher Existenz macht,  verweist hier auf sich selbst.  Nichts anderes versucht er ja zu leben. Er glaubt die Rechtfertigung der Gottlosen – und versucht mit jedermann und jederfrau,  mit allen, denen er begegnet, so umzugehen: Die sind Gott recht. Was für ein Lebens-Programm: sich die Menschen, die Gott recht sind, auch recht sein zu lassen. Mit ihnen so umzugehen, wie Gott mit uns umgeht. Ethik – Grundsatz am Anfang und Grundsatz am Ende: Wie Gott mir, so ich dir. 

            Folgt mir – Συμμιμηταί. Wörtlich: Ahmt mich nach. Es fällt auf: Er vermeidet hier das Wort, das Jesus verwendet, wenn er in seine Nachfolge ruft. Paulus verweist zugleich darauf: Es gibt mehr Leute in den Gemeinde, die sich darauf eingelassen haben, von meinem Weg zu lernen, mich als τύπος, als Vorbild für das eigene Leben zu nehmen. Das Wissen dahinter: auch Glauben lernt man in vielerlei Hinsicht durch Nachmachen. Vielleicht auch dürfte man den Satz  so lesen: „Ahmt doch mit mir zusammen Jesus Christus nach.“(P. Wick/K. Offermann, Mit Paulus glauben, Texte zur Bibel 34, Neukirchen 2018, S. 89)

            „Konkrete Nachfolge braucht immer beide Elemente: Argumentation und Imitation.“ Chr. Schluep-Meier, Der Philipperbrief/Der Philemonbrief, Neukirchen 2014, S. 128) Es ist eher einfach, den Denker Paulus nachzumachen. Sein Denken nachzudenken. Aber es ist höchst anspruchsvoll, diesen seinen Lebensgrundsatz zur Richtschnur des eigenen Handelns zu machen. Dagegen ist der Kant’sche Imperativ „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“(I. Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten) geradezu harmlos. Denn da geht es um das Gute, das Edle, das Schöne, das Verallgemeinerbare, auch das Vernünftige. Bei Paulus dagegen geht es um demütig werden, beieinander bleiben, um Vergeben über die Grenzen jeder Vernunft hinaus. „Da trat Petrus zu ihm und fragte: Herr, wie oft muss ich denn meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben? Genügt es siebenmal? Jesus sprach zu ihm: Ich sage dir: nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal.“ (Matthäus 18,21-22)  Das ist die Spur, auf der Paulus unterwegs zu sein versucht.

18 Denn viele leben so, dass ich euch oft von ihnen gesagt habe, nun aber sage ich’s auch unter Tränen: Sie sind die Feinde des Kreuzes Christi. 19 Ihr Ende ist die Verdammnis, ihr Gott ist der Bauch und ihre Ehre ist in ihrer Schande; sie sind irdisch gesinnt.

            Wieder ein Temperamentswechsel. Es ist der gleiche Paulus, der eben um Gelassenheit kämpft, der hier für einen Augenblick – so scheint es – die Fassung verliert. Der zu Tränen gerührt wird. Wohl auch deshalb, weil sie, die vielen,  ihm – trotz allem – lieb sind, sein Herz an ihnen hängt, die er so auf Abwegen sieht. Noch einmal wird er ausgesprochen polemisch: Feinde des Kreuzes Christi. So nennt er sie, die sich sträuben gegen den Weg, der durch die Leiden führt. Gegen das Wort vom Kreuz, das ihnen in diesem Wort die eigene Zukunft vor Augen hält.

            Es ist wohl richtig: „Eine „Kreuzestheologie“, die tröstet und beruhigt, einen Christus, der am Kreuz alles für uns getan hat, lässt sich der im Irdischen versinkende Christ gern gefallen.“(W. De Boor, aaO. S 133) Paulus aber will keine korrekte Lehre vom Kreuz – er will Leute, die in die Spur des Gekreuzigten treten, die sich im Leben und im Sterben von ihm gehalten glauben und deshalb auf alle eigene Vollkommenheit verzichten können.  Die das Leben als grundsätzlich unvollkommen, zerbrechlich,  verwundbar annehmen lernen und mit ihren Brüchen und Widersprüchen sich auf den Weg Christi machen.

            Es sind harte Worte. Aber es ist wohl so: „Weil sie auf der Erde ganz zu Hause sind, warten sie nicht auf das Kommen Christi.“(G.. Friedrich, aaO. S. 166) Wer glaubt, dass er selbst sein Leben gelingen lassen kann, vollkommen, rund machen kann, der wird am Ende vor einem Trümmerhaufen stehen, vor dem er hilflos zerbricht. Das nennt Paulus Verdammnis. πώλεια – „Vernichtung, Untergang, Verderben“ (Gemoll, Griechisch-Deutsches Schul- u. Handwörterbuch; München 1957; S. 117). Es ist wohl gut, hier nicht einen Urteilspruch zu hören, der von jemand verhängt wird. Sondern es ist ein Untergang, der selbst verursacht ist. Wo Christus nicht geglaubt wird, gibt es keinen Freispruch aus dem Gesetz: Du bist nur, was du aus dir machst. Da kann kein Freispruch mehr über den Trümmern des eigenen Lebens geglaubt und erhofft werden.

            „Wer nur noch um seinen Bauch und seine Lenden kreist, hat diese zu seinem Gott gemacht.“(Chr. Schluep-Meier, aaO. s. 130) Wir tun gut daran, solche harten Worte von Paulus her nicht als moralisch Wertungen zu hören, sondern als ein theologisches Urteil, das die verurteilende und vernichtende Wirkung des Gesetzes beschreibt.  Unter diesem Gesetz gibt es keine Gnade, kein geschenktes Leben.  

            Man kann den starken Verwerfungssatz des Paulus auch anders lesen. Ganz gewiss: er ist so etwas wie eine Kampfansage – nur gegen wen? Auf den ersten Blick gegen andere, die seine zentrale Botschaft vom Kreuz bestreiten, die diesen Weg zum Kreuz und dem Gekreuzigten nach nicht als den Weg des Heils akzeptieren wollen. Aber auf den zweiten Blick? Mehr noch ist er wohl eine Verwerfung der Gedanken und Gefühle in ihm selbst, die ihn verlocken könnten, den Weg dem Gekreuzigten nach zu meiden. Ich habe gelernt: Wir kämpfen an keiner Stelle so erbittert mit anderen wie dort, wo sie unsere eigenen Schatten repräsentieren. So kämpft dann in diesen Sätzen auch der „Christ“ Paulus mit dem ehemaligen Pharisäer Paulus.

20 Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel; woher wir auch erwarten den Heiland, den Herrn Jesus Christus, 21 der unsern nichtigen Leib verwandeln wird, dass er gleich werde seinem verherrlichten Leibe nach der Kraft, mit der er sich alle Dinge untertan machen kann.

            Darauf aber vertraut Paulus: Was wir sein werden, was mit uns werden wird, steht schon fest, ist gewissermaßen im Himmel schon verankert und besiegelt. Wir haben schon Bürgerrecht in der Wirklichkeit Gottes. Und Ausbürgerung ist im Himmel nicht vorgesehen. 

            Paulus kann damit rechnen, dass seine Leser in Philippi das Bild sofort verstehen, sind sie doch wohl größtenteils nicht Leute, die von Geburt her schon immer römische Bürger waren, sondern die es erst später geworden sind. Durch einen Hoheitsakt. Genau das sieht Paulus für die Christen: Durch einen Hoheitsakt Christi, durch eine Verwandlung, Transformation, die er wirkt, werden wir, was wir sein sollen und mit seiner Hilfe auch wollen: ihm gleich – nach Leib und Seele und Geist. Dieses Gleichwerden ist Zukunftsansage, noch nicht Gegenwart. Aber es bleibt in Kraft, auch hier: wir dürfen kommen, wie wir sind, jetzt, heute. Aber wir werden, so gekommen, nicht bleiben, wie wir jetzt sind. Auf uns wartet die große Verwandlung.  

            Einmal mehr frage ich, wie weit Paulus Jesus-Worte, Christus-Worte kennt und überliefert bekommen hat. Nach der Kraft, mit der er sich alle Dinge untertan machen kann. – das erinnert mich wie von selbst an: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.“(Matthäus 28,18) Es ist die Hoffnung, die Paulus beseelt: In Christus und durch Christus wird das Leben nach Leib, Geist und Seele an sein Ziel gebracht. In den Himmeln Gottes.   

Die Herausforderung an unser Denken und Glauben:

            Wir kennen das von vielen Feldern, vor allem im öffentlichen Raum der Gesellschaft. Damit die eigenen Vorzüge heller leuchten, muss man die anderen irgendwie klein machen, ein wenig schlechter als man selbst. So funktioniert nicht nur der politische Wettstreit um Wählerstimmen. Braucht es eigentlich immer die dunkle Folie als Hintergrund, damit hell leuchten kann was zählt, was folgen wird? 

            Gilt das auch für den Glauben?  Braucht es  für das Wort von der Heimat im Himmel das dunkle Gemälde des verfehlten Lebens, um nicht zu sagen der Hölle, der Verdammnis: Damit die Zukunft umso heller leuchtet: Wir aber sind Bürger im Himmel?(Luther 2017) Es liegt mir nahe, so zu sagen: Mir reicht das Versprechen des Vaterhauses jenseits der Zeit, dessen Türen weit offen stehen, wo ich erwartet werde. Diese Versprechen entzündet meine Sehnsucht immer neu und hält sie wach. Nur nebenbei – die alte Übersetzung (Luther 1984) mit der Heimat gefällt mir besser, weil sie auf Zukunft ausrichten und auf unterwegs sein – wir sind ja noch nicht Bürger im Himmel. 

 

Mein Herr und Heiland, da, in der Ewigkeit Deines Reiches   ist schon ein Platz für mich bereitet, eine Bürgerrechts-Urkunde ausgestellt. Durch Dich. Da ist schon der Weg frei. Die Türen sind schon offen, das Licht der Ewigkeit leuchtet schon herein in unsere Zeit, in meine kleine Welt, die manchmal so verdüstert ist.

Hilf Du mir, dass ich mich nicht hinausträume aus den Aufgaben der Zeit, nicht weglaufe vor dem Schmerz,nicht ausweiche vor den harten Wegen, die nicht alleine lasse, die mich brauchen. Ich verliere ja meinen reservierten Platz im Himmel nicht, den Du mir offen hältst, wenn ich hier noch länger bleibe.

Dafür danke ich Dir. Amen