Geh, leg dich schlafen

  1. Samuel 3, 1 – 21

1 Und zu der Zeit, als der Knabe Samuel dem HERRN diente unter Eli, war des HERRN Wort selten, und es gab kaum noch Offenbarung.

             Jede Zeit hat ihre Eigentümlichkeit. Es gibt Zeiten, die singen vom Aufbruch, riechen wie der Frühling, tragen Hoffnung. Und es gibt  die bleiernen Jahre – nichts rührt sich, alles geht seinen Gang. Aber der Himmel ist immer nur bedeckt. Verhüllt. In so einer Zeit fängt Samuel seine „Ausbildung“ am Tempel unter Eli an. Des HERRN Wort ist selten geworden. „Gott hat sich seit langem nicht mehr unmittelbar an Israel gewandt. Es ist eine Entfremdung zwischen ihm und seinem Volk eingetreten.“(J. Conrad, Der gefahrvolle Weg zur Macht – Samuelbücher, Bibelauslegung für die Praxis 5 Stuttgart 1994, S. 14) Da ist keine lebendige, persönliche Erfahrung der Gegenwart Gottes mehr, nur noch Erinnerung und Tradition.

Die Brücke, die ich zu diesem Wort finde: Es beschreibt Wirklichkeit, wie ich sie wahrnehme – in meiner Kirche: Wir haben eine Menge Betrieb und sind höchst aktiv. Wir veranstalten – manchmal denke ich: Wir veranstalten uns zu Tode. Wir tagen und tagen, aber es wird nicht heller. Dahinter ist keine Kraft.

Ich lese: „Diese Notiz ist erstaunlich – und zugleich tröstlich…. Der halbe Vers sagt, dass es solche Zeiten der scheinbaren oder wirklichen Gottesferne durchaus gibt und dass es sie auch früher schon gegeben hat. Und er führt sie sogar auf Gott selbst zurück. Denn er selbst ist es, der Wort und Visionen zurückhält.“(R. Kessler, Samuel, Leipzig 2007, S. 62) Auch darin zeigt sich: Gott ist uns gegenüber frei – in seinem Zuwenden und in seinem sich Verbergen.

Unsere Zeit neigt zur Ursachenforschung: wer ist an diesem Zustand schuld? „Wegen des Versagens der mit der Lehre beauftragten Priester ist das Wort Jahwes teuer und eine Schau hinter die Kulissen, eine Offenbarung, gab es kaum mehr.(M. Holland, Das erste Buch Samuel, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 2002, S. 57)Eine Variation des gleichen Denkens: „Als Hauptgrund hierfür wird gewiss die Handlungsweise des Hauses Eli angenommen; Gott hatte sein Angesicht verhüllt.“ (H. W. Hertzberg, Die Samuelbücher, ATD 10, Göttingen 1965, S. 30) Wie viel zurückhaltender ist dem gegenüber der biblische Text: er stellt nur fest, was ist, aber liefert keine Erklärung – und schon gar nicht Schuldsprüche.

Es ist immer entlastend für einen selbst, für den miserablen Zustand der Kirche, des Volkes Gottes irgendwen verantwortlich machen zu können. Priesterversagen, unklare Lehre, zu viel oder zu wenig Toleranz, mangelnde Bibeltreue, schlechte Theologie. Kurz – die böse Welt ist in das heilige Volk eingebrochen. Das alles ändert nichts. Erst dann kann sich etwas ändern, wenn ich diese Zeit als die Zeit annehme, in die mich Gott gestellt hat. 

Das Merkwürdige ist – das kann man wissen und dennoch kommt man nicht heraus aus den Fragen, auf die zumindest ich keine schnelle und schon gar keine allgemeingültige Antwort habe: Liegt das Selten-sein der Worte des Herrn daran, dass er schweigt oder liegt es daran, das wir nicht hören? Sind wir, bin ich zu viel am Reden? Sind wir zu ungeduldig mit unseren vielen Worten?

Es gibt ja kirchliche Worte, die zu Recht nicht gehört werden, weil sie mit heißer Nadel gestrickt werden, tagesaktuell – aber sie sagen nur, was alle sagen. Sie kommen – so meine Vorbehalte – nicht aus dem Hören auf Gott, sondern nur aus dem angestrengten Versuch von Zeitgenossenschaft, die die Distanz verloren hat. Aber ohne Distanz gibt es keine Nähe, gibt es keine Freiheit, das fremde Wort zu sagen. Nur diese Art von Zeitgenossenschaft würde uns als Kirche wieder hörenswert machen. Das aber braucht Zeit, Hören, Aushalten, dass wir nichts zu sagen haben, wenn wir nicht zuvor gehört haben – warten auf das Wort für heute.

 2 Und es begab sich zur selben Zeit, dass Eli lag an seinem Ort, und seine Augen fingen an, schwach zu werden, sodass er nicht mehr sehen konnte. 3 Die Lampe Gottes war noch nicht verloschen. Und Samuel hatte sich gelegt im Tempel des HERRN, wo die Lade Gottes war.

 Im Dunkel, von einer einsamen Lampe erhellt, schlafen sie, der alte Priester und der ahnungslose Junge. Die Gestalt Elis, des alten Priesters, beschäftigt mich. Er ist müde geworden, halbblind, erschöpft. Seine Kraft ist verbraucht. Er hat sich verschlissen und keine Kraft mehr, nach vorne zu schauen. Ob er bitter ist über dem Schweigen Gottes, über dem Ausbleiben der Worte und Visionen? Ob er sich selbst dafür Vorwürfe macht, dass er nicht nur schlecht sieht, sondern womöglich auch nicht mehr richtig hört?

Vielleicht wartet er nur noch auf das Ende seiner Dienstzeit, sehnt den Tag herbei, wo er nicht mehr muss. Plagen ihn Fragen wie diese: Bist Du ein übrig gebliebener Wächter aus vergangener Zeit? Bist du, weil du nur noch die Vergangenheit siehst, blind für die Zukunft? Hättest du in früheren Zeiten mutiger sein müssen, widerständiger auch, dich mehr zu Wort melden? Hast du dich im Halbdunkel des Tempels verkrochen, in der Nähe der einsamen Lampe, weil du den Mut nicht hattest, ins grelle Tageslicht zu treten?

Der Raum im Tempel, düster wahrscheinlich schon am Tage und düster, unheimlich erst recht in der Nacht. Aber da ist ein kleiner Satz: „Die Lampe Gottes war noch nicht erloschen.“ Es ist nicht lichtlos-schwarze Nacht, Dunkel, aus dem und in dem es kein Licht mehr gibt. Das kann der schlichte Hinweis sein: Es ist noch nicht spät in der Nacht. Es ist noch vor Sonnenaufgang. Dann würde uns gesagt: Was folgt, spielt sich im Übergang von der Nacht zum neuen Tag ab, gegen Morgen. Man kann aber vielleicht auch mitlesen: Gott lässt sein Licht noch immer über Israel leuchten – trotz des Fehlens von Offenbarung, trotz dem, das das Wort selten geworden war. Gott ist noch nicht fertig mit seinem Volk. Noch nicht – darin liegt das Wissen: Sie könnte erlöschen. Darin liegt aber zugleich auch: Jetzt noch nicht.

 4 Und der HERR rief Samuel. Er aber antwortete: Siehe, hier bin ich!, 5 und lief zu Eli und sprach: Siehe, hier bin ich! Du hast mich gerufen. Er aber sprach: Ich habe nicht gerufen; geh wieder hin und lege dich schlafen. Und er ging hin und legte sich schlafen. 6 Der HERR rief abermals: Samuel! Und Samuel stand auf und ging zu Eli und sprach: Siehe, hier bin ich! Du hast mich gerufen. Er aber sprach: Ich habe nicht gerufen, mein Sohn; geh wieder hin und lege dich schlafen.

Zweimal hört Samuel seinen Namen und glaubt sich von Eli gerufen. „In dieser gottesarmen Zeit nimmt es nicht wunder, dass der unerfahrene Samuel es noch nicht einmal merkt, wenn Gott mit ihm redet.“ (R. Kessler, ebda.) Er hört, aber er weiß nicht, wer ihn da ruft. Er verlässt sein Lager, aber er geht zu dem, der ihn nicht gerufen hat. Und Eli schickt ihn zurück. Geh zurück, leg dich schlafen. Ob Eli über die Störung seines Schlafes unwirsch ist, wird nicht erzählt.

 7 Aber Samuel kannte den HERRN noch nicht, und des HERRN Wort war ihm noch nicht offenbart.

 Dieser Junge Samuel ist kein gewöhnlicher Junge. Und doch heißt es von ihm, dem Jungen, der seit Jahren im Tempel lebt, dort mitsingt, dort mitarbeitet, dort mitlernt und mitdient: er hatte den Herrn noch nicht erkannt! Weder seine Mutter Hannah mit ihrem heißen Wunsch, ihren Sohn als Priester zu sehen noch mit ihrer Treue gegen ihr Versprechen noch der ständige Aufenthalt im Tempel noch das Leben mit Eli haben schon genügt, Samuel den Herrn erkennen zu lassen.

Alles, was er hört, sind nur Menschenworte. Alles, was er wahr­ nimmt, sind nur Menschen bei ihrem Gottesdienst. Alles, was er singt, bleibt sein Lied. Alles, was er tut, bleibt sein Dienst. Und alles, was er vernimmt aus der Geschichte seines Volkes, bleibt ihm nur Geschichte.

           Es ist wichtig:  Das wird festgestellt,  ohne Vorwurf. Weder gegen Samuel ‑ “Warum glaubst du noch nicht, wo du doch im Haus Gottes lebst”; noch gegen Hannah und Elkana, die Eltern ‑ »Warum habt ihr euch nicht mehr gemüht“ ; noch gegen Eli, den Priester ‑ “Warum hast du nicht deutlicher geredet?” Kein Vorwurf wird laut, weil es ja nicht an den Menschen hängt! Keiner von uns kann seinen Kindern den Glauben geben. Keiner von uns kann an den anderen den Glauben geben. Kein Pfarrer kann seiner Gemeinde den Glauben geben. Wenn es das gäbe, dass wir Menschen “Glauben weitergeben” könn­ten, dann wären unsere Kirchen berstend voll ‑ denn wer wollte das dem anderen vorenthalten. Nein ‑ kein Vorwurf! Da ist so viel redliche Mühe, da ist so viel Hoffen, da ist so viel Beten, aber es ist noch nicht soweit.

  8 Und der HERR rief Samuel wieder, zum dritten Mal. Und er stand auf und ging zu Eli und sprach: Siehe, hier bin ich! Du hast mich gerufen. Da merkte Eli, dass der HERR den Knaben rief. 9 Und Eli sprach zu Samuel: Geh wieder hin und lege dich schlafen; und wenn du gerufen wirst, so sprich: Rede, HERR, denn dein Knecht hört. Samuel ging hin und legte sich an seinen Ort.

 Nicht Eli, der Priester –  Samuel wird gerufen – ein Kind noch fast, ein unerfahrener Knabe, ein unreifer Jüngling. Aus der Perspektive des alten Eli waren sie wohl alle unerfahren – die Jungen, die noch nicht seinen Schmerz getragen hatten, seine Schwäche erlebt, seinen Weg gegangen waren. Samuel hat gehört, dass er gerufen wird, aber nicht verstanden von wem. Und nun der Satz, von Eli: Geh, leg dich schlafen. Was für eine Freiheit liegt in diesem Satz des Eli. Du brauchst keine Angst zu haben, dass du den Anruf Gottes versäumst. Du musst jetzt nicht nächtliche Exerzitien machen, damit du hörst. Du musst nicht innerlich permanent auf dem Sprung sein. Du musst nicht ständig hellwach sein. Allezeit bereit. „Geh, leg dich schlafen.“ Wie soll Gott auch jemand einen Auftrag geben (können), der schon alle Hände voll zu tun hat? Wie soll Gott auch Gehör finden, wenn meine Tagesordnung schon lange fertig ist?

Bemerkenswert: „Der alte Eli ist für mich der Inbegriff eines guten theologischen Lehrers. Er hat sicher auch seine Theorien, seine Theologie und Philosophie, sein Weltbild. Aber die sind nicht das Wichtigste. Wichtig ist, dass der Schüler von seinem Lehrer darauf hingewiesen wird, die Stimme des Lehrers nicht mit der Stimme Gottes zu verwechseln.“(R. Kessler, aaO. S. 62f.)

Ob es etwas zu sagen hat, dass Eli alt und Samuel ein Knabe ist? Ob es uns in den kirchlichen Strukturen etwas zu sagen hat, dass Gott Eli nur diese Aufgabe noch lässt, dem jungen Samuel zu sagen, wie er sich Gott öffnen kann – im Schlaf. Eli kann Samuel noch einmal helfen, aber er muss ihn nicht mehr führen. Nach dieser Nacht wird Samuel Gott kennen, nicht weil Eli ihm Gott erklärt hat, sondern weil er, Gott, ans Lager Samuels getreten ist.  Und nichts hatte Eli dazu zu sagen als: Geh schlafen

 10 Da kam der HERR und trat herzu und rief wie vorher: Samuel, Samuel! Und Samuel sprach: Rede, denn dein Knecht hört.

              Jetzt erst, beim vierten Mal hört Samuel, wer ihn  ruft und antwortet, wie es ihm vorgesagt ist von seinem Lehrer Eli. Rede, HERR, denn dein Knecht hört. Das ist die Antwort, in der sich der junge Samuel Gott öffnet, sich ihm zur Verfügung stellt. Sie ist das Öffnen des eigenen Herzens für Gott, der eigenen Gedanken, für Gott des eigenen Lebens für Gott. Es ist die Antwort, die sein ganzes Leben prägen wird. Samuel wird aufs Reden Gottes und sein Hören angewiesen bleiben, bis ans Ende seiner Tage. Und Gott nimmt dieses Leben dann auch in Beschlag, Gott redet und jetzt kann Samuel hören.

Es ist ein Satz, den ich bislang überlesen habe: Da kam der HERR und trat herzu. Das ist räumliche Nähe, die die Voraussetzung für das Hören des Samuel wird. Der Herr ruft nicht aus himmlischen Höhen. Es ist biblische Vorstellung, nicht nur hier: Gott bleibt nicht auf Distanz, wenn er zu uns spricht. Er kommt uns nahe. Auf die Spitze getrieben im Evangelium: „Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit.“ (Johannes 1, 14) In dem dürren Satz des Samuel-Buches liegt etwas vom Gottesverständnis der biblischen Schriften mit drin. Gott kommt uns in seinem Wort nahe, auch wenn wir nichts sehen, sondern „nur“ hören. Um die Nähe Gottes auszudrücken, greifen die biblischen Schriften immer wieder zu solchen Raum-Bildern, wohl wissend, dass es nur Bilder sein können.

11 Und der HERR sprach zu Samuel: Siehe, ich werde etwas tun in Israel, dass jedem, der davon hört, beide Ohren gellen. 12 An dem Tage will ich über Eli kommen lassen, was ich gegen sein Haus geredet habe; ich will es anfangen und vollenden. 13 Denn ich hab’s ihm angesagt, dass ich sein Haus für immer richten will um der Schuld willen, dass er wusste, wie seine Söhne sich schändlich verhielten, und hat ihnen nicht gewehrt. 14 Darum habe ich dem Hause Eli geschworen, dass die Schuld des Hauses Eli niemals gesühnt werden solle, weder mit Schlachtopfern noch mit Speisopfern.

Samuel empfängt in der Stunde seiner ersten Gotteserfahrung einen bitterschweren Auftrag: er muss Eli das Gericht über sein Haus ansagen. Er muss dem, der ihm zum Glauben geholfen hat, die Folgen auch seiner Schwäche ansagen.

 15 Und Samuel lag bis an den Morgen und tat dann die Türen auf am Hause des HERRN. Samuel aber fürchtete sich, Eli von der Erscheinung zu berichten.

 Es ist kein Wunder, dass Samuel sich vor diesem Weg zu Eli fürchtet. Er will ihm zu schwer werden. Wir alle kennen solche Wege: Wo wir einem Freunde eine unangenehme Wahrheit zu sagen haben, wo wir vielleicht in einen Streit hineintreten müssen, wo wir mit Menschen werden reden müssen, die von tiefem Leid gebeugt sind. Wir kennen die Furcht vor solchen Wegen und darum verstehen wir wohl auch, dass Samuel sich fürchtet. Es ist ja nicht so, dass der Glaube seine Wege immer ohne Furch gehen kann. Es ist ja nicht so, dass es für den Glaubenden kein Dunkel und kein Bedrängnis mehr gäbe.

 16 Da rief ihn Eli und sprach: Samuel, mein Sohn! Er antwortete: Siehe, hier bin ich! 17 Er sprach: Was war das für ein Wort, das er dir gesagt hat? Verschweige mir nichts. Gott tue dir dies und das, wenn du mir etwas verschweigst von all dem, das er dir gesagt hat. 18 Da sagte ihm Samuel alles und verschwieg ihm nichts. Er aber sprach: Es ist der HERR; er tue, was ihm wohlgefällt.

„Da Eli ahnt, dass Gott nichts Gutes zu sagen hat, bedroht er seinen Schüler Samuel regelrecht, ihm ja die Wahrheit zu sagen.“(R. Kessler, aaO. S. 63)  Schon in der Warnung an seine Söhne hat es sich gezeigt: Eli ist ein Mann, der sich der Wirklichkeit Gottes stellt.  Mag sein, er ist den Söhnen gegenüber inkonsequent und schwach gewesen. Aber er ist zugleich einer, der die Wege Gottes zu respektieren sucht. Und weiß: Wenn Gott schwere Wege mit uns geht, so sind sie nicht unvorbereitete Willkür. Sie sind oftmals Antwort auf unser Leben So ist Eli dem Samuel nicht nur ein Helfer auf dem Schritt zum Glauben er ist ihm auch ein Helfer auf dem ersten Schritt im Glauben: Es ist der Herr, er tue, was ihm wohlgefällt.

 19 Samuel aber wuchs heran, und der HERR war mit ihm und ließ keines von allen seinen Worten zur Erde fallen. 20 Und ganz Israel von Dan bis Beerscheba erkannte, dass Samuel damit betraut war, Prophet des HERRN zu sein. 21 Und der HERR erschien weiterhin zu Silo, denn der HERR offenbarte sich Samuel zu Silo durch das Wort des HERRN.

Es ist eine abrupter Abschluss einer sehr plastischen Erzählung. eine Art Zusammenfassung. eine Schluss-Notiz über die Anfänge Samuels. Sie ist darin auffällig, dass sie das Erscheinen Gottes irgendwie an Silo zu binden scheint. Ist das eine Art Zentral-Heiligtum der vorstaatlichen Zeit in Israel? Das andere: Samuel wird nicht der Priesternachfolger Elis. So hätte man es ja erwarten können, war er doch gewissermaßen Priesterlehrling am Heiligtum in Silo. Sondern Samuel ist damit betraut, Prophet des HERRN zu sein.

Was mich beschäftigt:

„Theologie taugt nur, sofern sie auf Gottes Wort selbst hinweist.“ (R. Kessler, aaO. S. 63) Auf Gott hinweist. So zeigt es ja auch der ausgestreckte Zeigefinger Luthers im Gemälde in der Schlosskirche zu Wittenberg. Theologie ist Hinweis, weg von sich selbst,  Richtungsangabe. Orientierungshilfe. Mehr nicht. Vielleicht ist das der Dienst, den die in der Kirche alt Gewordenen noch tun können, dass sie den Jungen, die nach vorne fragen, beruhigend und entlastend sagen können: „Geh leg dich schlafen.“ Du wirst Gott nicht verpassen – er wird dich finden und dann ist deine Antwort: Rede Herr, dein Knecht hört.

 

Gott, wir geben aus der Hand, was uns beschäftigt hat, Angst und Sorge, Überforderung und Versagen. Menschen, die uns begegnet sind und die wir lieb haben.

Wir sehnen uns nach Ruhe, die uns heute  ausatmen lässt, aufatmen lässt, uns die Kräfte stärkt.

Geh, leg dich schlafen. So lässt Du uns sagen. Ich schenke Dir Träume. Ich komme zu Dir in der Nacht, in Deine Ruhe. Du wirst meine Stimme hören, und wissen: Ich bin es. Ich, dein Gott.

Du kannst loslassen, was Dich hält und tun, was Du sollst und willst, weil Du meine Stimme gehört hast. So will ich gehen und mich schlafen legen, in Deiner Obhut, mein Gott. Amen