Versöhnt – mit freiem Zugang

Römer 5, 1 – 11

1 Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus; 2 durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben wird.

            „In der Gabe der Rechtfertigung sind alle anderen Gaben enthalten.“ (O. Michel, Der Brief an die Römer, KEK NT,  Göttingen 1955, S. 113) Das ist ein erster Zielpunkt: Wir haben Frieden mit Gott. Dieser Frieden ist gestiftet, geschaffen durch Jesus Christus. Nach Korinth schreibt Paulus: „Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.“ (2. Korinther 5,19) Das liegt sachlich ganz nahe bei dem, was er hier den Römern schreibt.

Ich übersetze für mich: Keine Furcht mehr vor Gott. Keine Angst mehr vor Anklagen, die gegen uns vorgebracht werden könnten. Frieden – im Hintergrund steht das hebräische Wort schalom, das im Griechischen mit ερνη wiedergegeben wird. „Die heile Offenheit zu Gott, die durch Gerechtigkeit begründet ist.(U.Wilckens, aaO. S.288) Eine Beziehung, auf die kein Schatten mehr fällt, weil Gott durch unsern Herrn Jesus Christus alles weggenommen hat, was Schatten wirft.

Er, Christus, ist das Tor, die Tür (Johannes 10,9), der freie Weg zu Gott. Das sagt  Paulus, indem er wir sagt, für sich und die Gemeinde der Römer, für alle, die an Christus glauben. Es ist ein Zugang, προσ­αγωγ, der sich im Glauben öffnet und im Glauben genutzt wird. Es ist der Zugang zu einer „Audienz“, die in einer „feierlichen Prozession“(Gemoll,  Griech.-Deutsches Schul- u. Handwörterbuch, München 1957., S. 640) ihre Gestalt gewinnt.

Es ist deutlich, wie auch hier das Bild vom Glauben als Weg eine Rolle spielt. Es sind Schritte, die getan werden. Es geht um Lebenspraxis, in der sich der Glaube, das Vertrauen auf die Gnade, auf den Herrn Jesus zeigt.

Aus diesem Wissen, aus diesem Glauben, aus diesem Lebensvertrauen in der Gegenwart entsteht Hoffnung. Und dieser Hoffnung kann man sich rühmen. Hat Paulus zuvor alles Rühmen abgewiesen, das aus dem Wissen um die eigene Vergangenheit, die eigene Herkunft stammt, so redet er hier von einem Rühmen, das über die Gegenwart hinaus die Zukunft Gottes im Blick hat. Es ist also nicht ein Rühmen im Blick auf sich selbst, sondern ein Rühmen dieser kommenden Herrlichkeit. Es ist der Blick weit über die Welt hinaus, über die Zeit hinaus, der Blick in die Ewigkeit.

Die nüchternen Worte des Paulus werden gewissermaßen nachträglich „illustriert“ durch andere Worte in schwierigen Zeiten: „Danach sah ich, und siehe, eine große Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen; die standen vor dem Thron und vor dem Lamm, angetan mit weißen Kleidern und mit Palmzweigen in ihren Händen, und riefen mit großer Stimme: Das Heil ist bei dem, der auf dem Thron sitzt, unserm Gott, und dem Lamm! Und alle Engel standen rings um den Thron und um die Ältesten und um die vier Gestalten und fielen nieder vor dem Thron auf ihr Angesicht und beteten Gott an und sprachen: Amen, Lob und Ehre und Weisheit und Dank und Preis und Kraft und Stärke sei unserm Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“ (Offenbarung 7, 9 – 12) Das ist der großen Hoffnung nahe,  von der Paulus hier spricht, der Herrlichkeit, die er nicht in Bilder zu fassen wagt. Vielleicht ist die Zurückhaltung des Paulus an dieser Stelle ja auch eine Einladung an seine Leserinnen und Leser: Uns klar zu machen, was das Bild unserer Hoffnung ist, was wir als Herrlichkeit Gottes erwarten, wie sich das auch anfühlen wird.   

3 Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, 4 Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, 5 Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.

            Als habe er Sorge, dass man ihm Abheben unterstellen könnte, ein Überspringen der Gegenwart, ein Sich-weg-Träumen in die Zukunft, „erdet“ Paulus sofort. Wir rühmen uns auch der Bedrängnisse. θλψσις, Trübsal, Bedrängnis, Druck, ist nicht gerade ein Lieblingswort des Paulus.  O. Michel übersetzt mit „Anfechtungen“ und hebt so die geistliche Dimension hervor. Es ist ein Wort, das Paulus oft gebraucht. Weil es die Wirklichkeit trifft, die er erlebt, die die Gemeinde erfährt. Die ersten Gemeinden sind durchweg bedrängte Gemeinden, ob in Jerusalem, in Antiochien, in der Gegend um Galatien, in Ephesus, in Griechenland oder auch in Rom. In der Auseinandersetzung mit einer Umwelt, die nicht auf sie gewartet hat, die sich durch sie in Frage gestellt fühlt – und die deshalb antwortet mit Bedrängen, Anfeinden, Verfolgen. Es wird der Gemeinde oft eng.

Daneben steht andere Bedrängnis und Enge, die Paulus auch zur Genüge kennt: Krankheit. Mühe, Leiden, innere Anfechtungen  – die ganze Palette dessen, was dem einzelnen Christen, der einzelnen Christin, zu schaffen machen kann.

Das alles kennt Paulus und überspringt es in seinem Rühmen gerade nicht. Aber er sieht es verwandelt, als Glied einer Kette, eine Art Kettenreaktion, die so etwas wie geistliches Wachsen  beschreibt: Bedrängnis bringt Geduld, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden. Wer sich in diesen Erfahrungen halten lässt, wer sie als Herausforderung begreift, der kann an ihnen wachsen. Nicht wie von selbst, nicht automatisch. Aber dadurch, dass sich in unseren Herzen etwas ausbreitet, was wir uns nicht selbst gegeben haben – die Liebe Gottes.  Sie wirkt in uns, wirkt sich aus  – durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.

Auch hier wieder: Alles hängt am Geben Gottes. Seine Gabe ist der Geist. Seine Gabe ist es auch, dass diese positive Lernkette in Gang kommt, dass aus den Erfahrungen von Enge und Angst kein Untergang wird. „Liebe Gottes und heiliger Geist verbürgen, dass die Hoffnung nicht enttäuscht.“ (O. Michel, aaO. S.116)

Mich erinnern die Worte an den Spruch, der manchen zur Weißglut ärgern kann: `Was uns nicht umbringt, macht uns nur stärker.’ Das ist kein Automatismus – und es wird manchmal auch so gesagt, dass es eine Zumutung und Unverschämtheit ist, nämlich immer dann, wenn der oder die, die so reden, selbst auf der sicheren Seite sind. Paulus aber redet hier nicht vom sicheren Ufer eines behüteten und beschaulichen Daseins her, sondern als einer, der selbst in Bedrängnissen ist, der sich auskennt mit Gefängnis und Schlägen, mit Lebensgefahr und Feindschaft. Diese „apostolische Existenz“ fernab von allen äußeren Sicherheiten gibt seinen Worten Gewicht. Sind sie doch in seinem eigenen Leben eine Spur, die andere sehen können.

6 Denn Christus ist schon zu der Zeit, als wir noch schwach waren, für uns Gottlose gestorben.

           Dieser Satz ist für mich Evangelium in Rein-Kultur. Christus ist seinen Weg ins Sterben für die gegangen, die gott-los, σεβής, waren. Ob sie es sind aus freier Wahl, aus Trotz, aus Missverständnis, aus Schwäche, spielt keine Rolle. Er geht seinen Weg für die, die auf Abstand sind. Und Paulus scheut sich nicht, sich selbst mit diesen Gottlosen in eins zu setzen: für uns Gottlose. Der gleiche Paulus, der sich einmal so sicher war, dass er ganz genau weiß, wie Gott ist. So sicher, dass er alle verfolgt hat, die anders glaubten als er.  Der gleiche Paulus, der jetzt mit letzter Hingabe das Evangelium unter die Leute bringt. Es bleibt für ihn dabei: Ich weiß um mein Gottlos-sein. Nicht nur als Vergangenheit. Sondern auch als eine Wirklichkeit meines Lebens, die ich, Paulus, nicht von mir aus aufbrechen kann.

Dem entspricht ja auch: als wir noch schwach waren. Das kennt Paulus aus seinem Leben, dieses ängstliche Schauen darauf, ja alles richtig zu machen, nichts Falsches zu essen, keinen Fehltritt zu tun, keine Grenze Gottes auch nur unbewusst zu überschreiten. Das spielt im Römerbrief auch später eine wichtige Rolle: „Die Schwachen, das sind nach Römer 14 Christen, deren Glaube bestimmte Konsequenzen christlicher Freiheit noch nicht mittragen kann.“ (W. Klaiber, aaO. S. 87) Davon ist hier aber nicht die Rede. Sondern hier werden die Gottlosen als schwach gesehen: „Sie sind Menschen, die mit ihrem Leben nicht zurande kommen, hilflos der Macht der Sünde ausgeliefert sind oder angesichts der Herausforderungen des Lebens resignieren.“(ebda.) Aus ihrer Schwäche können sie sich nicht selbst erlösen. Dazu braucht es Christus. Seine Hingabe, sein Sterben.

 7 Nun stirbt kaum jemand um eines Gerechten willen; um des Guten willen wagt er vielleicht sein Leben. 8 Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. 9 Um wie viel mehr werden wir nun durch ihn bewahrt werden vor dem Zorn, nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht geworden sind!

            Noch einmal setzt Paulus neu ein, um das Unglaubliche dieses Vorganges ins Licht zu rücken. „Vielleicht knüpft Paulus hier an eine Diskussion an, in der die Frage behandelt wird, unter welchen Umständen es gut ist, für einen anderen Menschen zu sterben.“ (O. Michel, aaO. S.117)Solche Fragen kommen ja manchmal auf, wenn es darum geht, für einen anderen sein Leben zu riskieren. Nehme ich es auf mich, mein Leben einzusetzen, eine Organspende zugunsten eines Angehörigen vorzunehmen, auch wenn so das eigene Leben in seiner Qualität beeinträchtigt wird?  So weit weg ist die Frage also auch heute nicht.

Es ist selten genug, dass sich einer opfert  um eines Gerechten willen; um des Guten willen. Das sind völlige Ausnahmegestalten. Aber sie gehen diesen Weg, weil es um das Gute geht – vielleicht um das Wohl der Stadt, um die eigene Familie, um das Recht. Um einen Menschen, der es  „wert“ ist. Jeder einigermaßen gebildete Römer kannte den Spruch: „Süß und ehrenvoll ist es, für das Vaterland zu sterben.“(Horaz, Oden III,2,13) Wir mussten das als Schüler noch in den 60-er Jahren auf Latein lernen! Dulce et decorum est pro patria mori!

Solche Geschichten werden gerne erzählt, um Kinder vor Augen zu malen: So weit kann die Liebe gehen. Zur Stadt, zum Vaterland. Das ist große Dichtung. Von Arnold von Winkelried wird erzählt, dass er am 9. Juli 1386 bei der Schlacht von Sempach ein Bündel Lanzen der habsburgischen Ritter gepackt und, sich selbst aufspießend, den Eidgenossen eine Bresche geöffnet habe. Sein Opfer soll der Schlüssel zum eidgenössischen Sieg gegen die Habsburger gewesen sein. Ähnliches wird gerne erzählt von Märtyrern für das Vaterland, damals Rom, später je nach Nation in Deutschland, Frankreich, Russland. An solchen Märtyrer-Geschichten ist kein Mangel – bis heute nicht. Als Kind liest man so etwas ganz aufgeregt und angerührt. Heute frage ich immer zuerst: Was ist das Interesse hinter solchen Geschichten? Wer soll dazu gebracht werden, sich zu opfern? Männer, Frauen, Kinder? Und wer hat den Gewinn davon?

Paulus dagegen spricht nicht von der Hingabe, um uns zum Nachmachen zu animieren. Die erste Christenheit war tief skeptisch gegenüber allem selbstgesuchten Märtyrertum und hat davor nicht nur gewarnt, sondern die, die das wollten, mit allen erdenklichen Mitteln davon abzuhalten versucht. Was Paulus aber will, ist bezeugen: Christus nimmt das Sterben auf sich für die, denen er nichts wert war, die auf Abstand zu ihm waren, von denen er sich nichts versprechen konnte. Für Sünder. Die Liebe Gottes, so Paulus, ist eine Liebe über den Abgrund hinweg, über den Abstand hinweg, über die Fremdheit und die Feindschaft hinweg. Eine Liebe, die sich nicht am Wertvollen entzündet, sondern an denen, die jeden Wert verspielt haben.  Es ist die Versöhnung unversöhnlicher Gegensätze.

 10 Denn wenn wir mit Gott versöhnt worden sind durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Feinde waren, um wie viel mehr werden wir selig werden durch sein Leben, nachdem wir nun versöhnt sind. 11 Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch Gottes durch unsern Herrn Jesus Christus, durch den wir jetzt die Versöhnung empfangen haben.

            Das ist erschreckend, aber wohl doch realistisch: Paulus „geht von der Vorstellung der Feindschaft des Menschen mit Gott aus… Der natürliche Mensch erhebt sich gegen Gott und verdirbt die gegenseitige Beziehung.“(O. Michel, aaO. S. 119) Wir sind nicht von Natur aus Gottsucher, sondern eher Gott-Flüchtige.

Damit jedoch, dass die Versöhnung ganz allein in Gottes willen begründet ist, gewinnt sie  zugleich ein unglaublich festes Fundament: Wenn die Liebe Gottes schon die Feindschaft überbrückt, wie viel mehr wird sie an uns festhalten, nachdem wir uns in seine Freundschaft haben rufen lassen, in das Leben mit ihm gestellt worden sind. Wenn wir mit ihm versöhnt sind. Das ist für Paulus unendlich bedeutsam: Die Versöhnung geht von Gott aus, sie ist sein Werk. Er versöhnt uns mit sich.

Es ist eine auffallende Parallele in den Wendungen: als wir noch Sünder waren – als wir noch Feinde waren. Die beiden Ausdrücke erklären sich gegenseitig. Sünderμαρτωλός – sein und Feindχθρός -sein beschreibt den gleichen Sachverhalt unter verschiedenen Aspekten. Einmal steht die Trennung von Gott, die Distanz, das Sünder-Sein, im Vordergrund. Bei der anderen Wendung die innere Haltung. Sünde ist Ausdruck der Ablehnung Gottes. Nicht nur so ein bisschen Eigenwille und Eigensinn, auch nicht nur Unwissenheit, sondern schlicht: Ich will nicht so, wie du, Gott, willst. Und damit: Ich will dich nicht, dein Herr-Sein nicht. Dein Gott-Sein nicht. Ich will keinen Gott über mir: Ich bin mir selbst Gott, ich allein. Diese Haltung nennt Paulus Feindschaft.

Das ist also, was Gott tut: Er holt uns heraus aus einer Haltung, die ihm nicht traut, sich vor ihm fürchtet, die den eigenen Weg sucht und den Weg Gottes verweigert, aus Trotz, aus Eigensinn, aus Blindheit, weil sie nicht glauben kann, dass Gott uns gut ist, aus Feindschaft. Nicht Gott muss mit uns versöhnt werden – wir müssen mit Gott versöhnt werden. Ihm gegenüber neue Freiheit, neu Vertrauen gewinnen und einen neuen Zugang.

Deshalb kommt mir die theologische Debatte, die im Augenblick mancherorts geführt wird, so seltsam vor: Ob Gott Blut braucht, damit er versöhnt werden könnte? Damit er besänftigt würde? Damit er von seinem rasenden Zorn ablassen könnte? Dabei sind wir es, die sehen müssen, dass Gott in seiner Liebe zu uns so weit geht, dass er sich selbst nicht schont, damit er uns herausholt aus unserer Gefangenschaft, unserer Feindseligkeit, unserem Widerspruch und Widerstand gegen ihn. Wir nehmen offenkundig ihm die Ernsthaftigkeit seiner Liebe nicht ab, wenn sie nicht bis zum Äußersten geht.

            Wer das aber  zu sehen auch nur anfängt, diese Liebe zu spüren anfängt, ihre Tiefe zu ahnen, der kann doch gar nicht mehr anders als Gott loben, als sich dieser Liebe freuen, als sie genießen und in ihr sein Glück, sein Heil, seine Seligkeit zu empfangen.

Diese Freude, dieses Glück kann man kaum schöner sagen.

             Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.                     Hanns Dieter Hüsch

             Oder anders, ganz anders, aber nicht weniger schön

Schönster Herr Jesu, Herrscher aller Enden,                                                                       Gottes und Marien Sohn:                                                                                                        Dich will ich lieben, Dich will ich ehren,                                                                                Du meiner Seele Freud und Kron.                 Münster 1677 EG 403

             Oder, noch einmal anders und doch auch so in der Spur des Paulus, seinem Rühmen, seine Loben und Preisen, seinem Staunen.

Es gibt Versöhnung selbst für Feinde und echten Frieden nach dem Streit,
Vergebung für die schlimmsten Sünden, ein neuer Anfang jederzeit.
Es gibt ein ewges Reich des Friedens. In unsrer Mitte lebt es schon:            
           ein Stück vom Himmel hier auf Erden in Jesus Christus, Gottes Sohn.

Er ist das Zentrum der Geschichte, er ist der Anker in der Zeit.
Er ist der Ursprung allen Lebens und unser Ziel in Ewigkeit.        A. Frey 2000

In der nüchternen Sprache des Exegeten: „Die versöhnte und errettete Gemeinde stimmt den Jubelruf auf Gott an, dem des ganze Werk zu verdanken ist.“ (O. Michel, ebda.) Das ist für Paulus keine Nebensache – die Gemeinde so zum Lob Gottes zu führen.

Die Herausforderung an unser Denken und Glauben:

Es gibt eine Zeit in meinem Leben, da war mir Gott nur ein Wort. Keine Wirklichkeit, die meine Existenz berührt hätte. Ein „irgendwas“ weit draußen in den Galaxien, jenseits aller Vernunft, aller Erfahrung. Das hat mich nicht gehindert, zur Kirche zu gehen, nicht gehindert, im Gottesdienst mitzusingen, nicht gehindert, am Religions-Unterricht interessiert teilzunehmen. Religions-Unterricht war ein Fach wie Erdkunde und Physik. Mehr nicht. Und Gott war Unterrichts-Gegenstand. Sonntags Predigt-Thema. Irgendwie weit weg. War ich in dieser Zeit gott-los? Gar ein Feind Gottes? Ich war, so denke ich heute, nie ein Atheist. Ich wäre allerdings auch nicht auf die Idee gekommen, ihm in meinem Leben Mitsprache-Recht einzuräumen. Das glück unseres Lebens: Gott findet sich mit dieser Distanz nicht ab.

 

Christus, Du sagst mir, was ich von mir halten darf: Ich bin Dir recht durch den Glauben meines Herzens und sei er noch so klein. Einen Zugang zum Vater habe ich durch Dich und sei ich noch so weit davon gelaufen.

Nie hätte ich es geglaubt, dass ich es wert bin, dass sich einer für mich gibt. Ich doch nicht mit meinen Widersprüchen, mit meinen Fehlern und Macken, meiner Trägheit und Feigheit. Du aber, Jesus, hast Dich für mich gegeben. Dir bin ich es wert. Du willst mich in Zeit und Ewigkeit als Deinen Bruder. Dafür danke ich Dir, mein Heiland und Herr. Amen